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Der Kontrollturm von Jean Nouvel
Das Prinzip Erhabenheit
Der verflixte Limbecker Platz
Zugegeben, Essen ist keine Perle des Städtebaus, und ebenso wenig sind es die umliegenden Zentren des Ruhrgebiets. Fatal aber ist das Resultat des Erneuerungsstrebens, wenn sich die für die Region typische Kirchturmpolitik mit der Potenz eines Großinvestors verbindet. Die „Belebung“ der Innenstadt wird dann mit den gleichen Mitteln betrieben, mit denen sich ehedem die Montanindustrie den Raum unterworfen hat: Vormals öffentliche, vielfältige oder wenigstens kleinteilige Strukturen werden dem Profitstreben eines Einzelnen bedenkenlos geopfert.
Der Limbecker Platz in Essen ist überhaupt kein Platz. Den Limbecker Platz gibt es nicht mehr. Das weiß auch der Leiter des Amts für Stadtplanung und Bauordnung. Deshalb findet er, dass der benachbarte Berliner Platz jetzt in Limbecker Platz umbenannt werden sollte. Der Berliner Platz ist nämlich auch kein Platz, sondern eine Fläche, auf der man, wenn man aus Versehen zu Fuß dort landet, erfahren kann, was Einsamkeit bedeutet. Deshalb wird der Berliner Platz im Moment auch umgebaut. Der vierspurige Cityring soll hier in einen Kreisverkehr münden. Fußgänger werden es dann noch schwerer haben, sich dort zurechtzufinden.
Dorfhaus in Backstein
Um zwei Fragen drehen sich die folgenden Überlegungen: Gibt es eine Noch-immer-Moderne auf dem Dorf? Was ist „dörfliche Architektur“ – und mit welcher Absicht spricht man von ihr?
Das hat man so ähnlich schon einmal gesehen: Fußböden, Decken und Wände, die einen Raum nicht umschließen, sondern über ihn hinausgeführt werden. Wände, die schon vor der imaginären Ecke enden. Wände und Decken, die als Flächen wirken, nicht als konstruktive Elemente des Baus. Man hat es in Glas, in Marmor, in Stahl und in Beton gesehen, und man hat es auch schon oft in Backstein gesehen. Wenn Ludwig Mies van der Rohe das Prinzip so nicht erfunden haben sollte, dann ist es doch nach seinem 1924 entworfenen, aber niemals gebauten „Landhaus in Backstein“ und nach seinem 1929 erstmals gebauten Barcelona-Pavillon von vielen, vor allem von Architekten begeistert aufgenommen und reproduziert worden. Das Entwurfsprinzip vermittelt bis heute eine als zeitgemäß empfundene Atmosphäre. Die Stilelemente sind fast hundert Jahre alt. Trotzdem wirken die dergestalt konzipierten Bauten nicht altmodisch. Freunde moderner Architektur schwärmen von der „Raumqualität des Dazwischen“.
Raum- und städtebauliche Qualitäten waren in den letzten Jahrzehnten allerdings nicht gerade die vorrangigen Kriterien beim Wiederaufbau der kriegszerstörten Dörfer Flanderns. 1998 wurde deshalb die Funktion eines „Generalbaumeisters von Flandern“ geschaffen. bOb Van Reeth (in genau dieser Schreibweise) mühte sich als erster Amtsträger um eine ästhetisch ansprechendere Ausführung öffentlicher Bauten. In seine Amtszeit fiel die Ausschreibung und Planung zum Dorfgemeinschaftshaus in Jonkershove. Ein Entwurf des Rotterdamer Büros Rapp Rapp im Stil von Mies van der Rohes Backsteinvillen schien ihm eine angemessene ästhetische Qualität zu garantieren.