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Profil

Wojciech Czaja, geboren in Ruda Śląska, Polen, ist freischaffender Journalist für Tageszeitungen und Fachmagazine, u.a. für Der Standard, Architektur & Bauforum, VISO, db Deutsche Bauzeitung, und DETAIL. Er ist Autor zahlreicher Wohn- und Architekturbücher, u.a. Wohnen in Wien (2012), Zum Beispiel Wohnen (2012), Überholz (2015) und Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden (2015). Zuletzt erschien HEKTOPOLIS. Ein Reiseführer in hundert Städte im Verlag Edition Korrespondenzen. Er arbeitet als Moderator und leitet Diskussionsrunden in den Bereichen Architektur, Immobilienwirtschaft und Stadtkultur und veranstaltet unter dem Titel Ähm, ja also... Praxis-Workshops zum Thema Kommunikation und Präsentation. Er ist Dozent an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie an der Kunstuniversität Linz und unterrichtet dort Kommunikation und Strategie für Architekten. Außerdem ist er von 2015 bis 2021 Mitglied im Stadtbaubeirat in Waidhofen an der Ybbs.

Publikationen

Wir spielen Architektur. Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit, Sonderzahl-Verlag, Wien 2005
periscope architecture. gerner gerner plus, Verlag Holzhausen, Wien 2007
Stavba. Die Strabag-Zentrale in Bratislava, Wien/Bratislava 2009
Light/Night. The Nouvel Tower in Vienna, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010
Wohnen in Wien. 20 residential buildings by Albert Wimmer, Springer Verlag, Wien 2012
Zum Beispiel Wohnen. 80 ungewöhnliche Hausbesuche, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2012
Überholz. Gespräche zur Kultur eines Materials, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2015
Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden, Wien 2015
Der Fuß weiß alles. Markus Scheer, Ecowin Verlag, Wals bei Salzburg 2016
Der Erste Campus, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2017
motion mobility. Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien, Park Books, Zürich 2017
Hektopolis. Ein Reiseführer in hundert Städte, Edition Korrespondenzen, Wien 2018

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Artikel

12. März 2011 Der Standard

Runde Sache

Am Samstag wird das Tirol Panorama eröffnet - Das Rundgemälde hat ein neues Zuhause und Innsbruck ein neues Museum

Es ist Samstag, Abend. Das bayerisch-französische Heer hat vor der Stadt die Zelte aufgeschlagen und macht sich bereit, Innsbruck anzugreifen. Der Kampf gilt den aufmüpfigen Tirolern, die sich partout weigern, Steuererhöhungen, Wehrpflicht und religiöse Diktion zu erdulden und weiterhin Teil des Bayerischen Königreichs zu sein. Dicke Luft.

Am nächsten Morgen ist es so weit. Unter der Führung von Marschall Lefebvre bricht die Infanterie zum Bergisel auf und metzelt nieder, was ihr in den Weg kommt. In den Abendstunden schließlich, nachdem die Schlacht ihren Höhepunkt erreicht hat, bleibt den Aggressoren keine andere Wahl als zu kapitulieren. Es mangelt an Munition und Energie.

Dank der Führerschaft von Andreas Hofer ziehen sich die Bayern bis auf weiteres wieder zurück. Die dritte Bergiselschlacht am 13. August 1809 geht in die Geschichte ein und wird rund hundert Jahre später vom Münchner Alpen- und Panoramamaler Michael Zeno Diemer auf die Leinwand übertragen. Es ist eine romantisierte und touristisch auffrisierte Momentaufnahme.

Seit heute, Samstag, hat das Innsbrucker Rundgemälde ein neues Zuhause. „Das neue Museum am Bergisel ist mit Sicherheit einer der wichtigsten Kulturbauten der letzten Jahre“ , sagt Benno Erhard, Projektleiter in der Kulturabteilung des Landes Tirol. „Es ist nicht nur ein schönes und modernes Gebäude, sondern auch die einzige Möglichkeit, das Rundgemälde, das bis vor kurzem in der alten, baufälligen Rotunde untergebracht war, nachhaltig zu sichern.“

Während die mittlerweile verwaiste Holzrotunde am Inn unter Denkmalschutz steht, bläst sich der Neubau am Bergisel zu einer inhaltlich mächtigen, aber optisch sachlich zurücknehmenden Kiste mit einem herrlichen Ausblick auf das Innsbrucker Stadtpanorama auf. Glas, Stahl, Beton - so hochwertig komponiert wie man das von der Tiroler Architektenschaft seit Jahren gewohnt ist.

„Das Wichtigste an diesem Haus ist der Aufbau“ , erklärt Architekt Philipp Stoll vom planenden Büro stoll wagner. Es konnte sich 2006 in einem EU-weiten offenen Wettbewerb unter insgesamt 74 Teilnehmern als Sieger durchsetzen. „Wir wollten den Zylinder für das Rundgemälde nicht wie einen fetten Gasometer mitten in den Park stellen, sondern haben das Volumen in eine bestehende Geländemulde integriert.“

Über der massiven, rund 30 Meter breiten Betonbüchse, die bullig in der Erde steckt, balanciert nun, mit präzisem Strich in die Landschaft skizziert, eine gläserne Vitrine mit 66 Meter Länge und 40 Meter Breite. Kein Gramm Fett zu viel.

Während man sich außen an den farbenfrohen Spiegelungen des Andreas-Hofer-Denkmals, der Bergisel-Sprungschanze von Zaha Hadid und der weiß gezuckerten Nordkette erfreut, eröffnet sich innen ein riesengroßes, luftiges Nichts. Wie angenehm: Man wird nicht schon an der Schwelle mit verrosteten Bajonetten, ausgestopften Luchsen und diversen anderen Memorabilien niedergemetzelt, sondern kann erst einmal in Ruhe tief Luft holen.

Ruhe auf der Rolltreppe

Nach dem Lösen der Eintrittskarte wandert man langsam an der Glasfassade entlang. Dramatische Kulisse. Geschnitzte Holzfiguren des Südtiroler Bildhauers Willy Verginer bieten einen ersten Vorgeschmack auf 1809. Über eine winzig schmale Rolltreppe fährt man schließlich runter in den Berg. Drängeln und Überholen unmöglich, hier gemahnt die Architektur an Ruhe und Gemächlichkeit.

Eine Dauerausstellung zu den Themen Natur, Volkskunde und Religion, vor der man sich unter normalen Umständen furchtbar gruseln müsste, lädt zum Auskundschaften ein. Der Stuttgarter Ausstellungsplaner HG Merz hat es geschafft, das wahrlich undankbare Themenpotpourri interessant und witzig zu gestalten. Da hängt eine Seilbahngondel aus den Fünfzigerjahren neben einem High-Tech-Skischuh aus der Gegenwart, da liegt ein kantiger Quarz neben einer Flasche Enzianschnaps, da sitzt ein Braunbär neben einem schnuckeligen Bauernhausmodell.

„Um solche Themen kümmert man sich viel zu wenig“ , sagt HG Merz im Gespräch mit dem Standard. Und wenn, dann sei in der Regel so wenig Herzblut dabei, dass die Zusammenstellung der Exponate provisorisch und peinlich kitschig erscheine. „Hier zeigen wir alles nebeneinander. Der Besucher zappt sich durch.“

Noch eine Rolltreppe. An der untersten Stelle des Gebäudes schließlich befindet sich der Zugang in die Gemälde-Rotunde. Plötzlich weicht die sonst schlichte Farbgestaltung des Museums einem blutigen Rot, man wittert Gewalt, die Schlacht ist nicht weit.

Diemers tausend Quadratmeter großes Panoramabild hat den Umzug aus der alten Rotunde schadlos überstanden. Die Zuluft, die aus einem alten Luftschutzstollen aus dem Zweiten Weltkrieg angesaugt und über Wärmetauscher auf die gewünschte Temperatur gebracht wird, soll das Öl auf Leinen langfristig schonen.

Fahler Beigeschmack

Wenn heute Vormittag Politiker und Projektbeteiligte große Reden schwingen werden, wird ein leichter Beigeschmack nicht wegzureden sein. „Das Rundgemälde und die hölzerne Rotunde am Rennweg waren bisher eine Einheit“ , sagt Werner Jud, Landeskonservator von Tirol. „In meiner Rolle als Denkmalpfleger bin ich mit der Trennung sehr unglücklich. Wenn man über diesen Umstand jedoch hinwegsieht, ist das neue Museum gewiss eine architektonisch spannende Hülle.“

Lange währte der Kampf zwischen Bundesdenkmalamt, Kulturschaffenden und Land Tirol. Translozierung ja oder nein? Beendet wurde die Diskussion in einer wie gewohnt wenig transparenten Entscheidung von Bundesministerin Claudia Schmied, indem sie sich gegen den Antrag von Bundesdenkmalamt und Landeskonservatorat stellte. Das war der Startschuss für das neue Tirol Panorama, wie das Museum heute heißt.

Sechs bis sieben Millionen Euro Baukosten wurden bei Projektbeginn 2006 genannt. Die Schätzung war mehr als optimistisch. Die größere Dimensionierung des Baus, die Sanierung des Kaiserjägermuseums, eine zusätzliche unterirdische Verbindung, ein neues Verkehrskonzept samt Parkraumbewirtschaftung, ein ungeplanter Grundankauf und nicht zuletzt verschärfte Energieanforderungen ließen die Baukosten auf 12,8 und die Gesamtinvestitionskosten auf über 25 Millionen Euro klettern. Eine glatte Verdoppelung.

Doch dafür hat das mit architektonischen Präziosen ohnehin schon reich bestückte Innsbruck eine Sehenswürdigkeit mehr. Den bisher tatkräftigen internationalen Kapazundern wie Dominique Perrault, David Chipperfield und Zaha Hadid stehen die Innsbrucker Architekten, die nun zum Zug kommen, die Landeshauptstadt zu gestalten, um nichts nach. Aufmüpfig und kämpferisch waren sie immer schon, die Tiroler.

23. Februar 2011 Der Standard

Kurven wie aus einer virtuellen Welt

Zaha Hadids kühnes, neues Opernhaus im chinesischen Guangzhou wird eröffnet

Guangzhou - Wenige Schritte vom Pearl River entfernt steht das neue Opernhaus der südchinesischen Millionenmetropole Guangzhou. Die Baustelle stand unter keinem guten Stern. 2009 zerstörte ein Feuer einen Teil des Gebäudes, einer 10.000 Tonnen schweren Stahlkonstruktion. Nach acht Jahren Bauzeit soll der 146 Millionen Euro-Bau der Londoner Architektin Zaha Hadid morgen, Donnerstag, eröffnet werden.

Wie zwei riesige Kieselsteine - der eine dunkel, der andere hell - steckt das Gebäude halb in der Wiese und halb im Wasser. „Das war unsere bisher komplizierteste Baustelle. Keine Wand steht vertikal am Boden, die vielen Kurven sehen aus wie Bilder aus einer virtuellen Traumwelt“, sagt Yao Mingqiu, Chef des Guangdong Guangjian Project Management.

Während im Foyer und Pausenraum die kühle Strenge von Stahl und Glas dominiert, entpuppt sich der Theatersaal als futuristische Schatulle, zurechtgeschleckt wie aus dem Windkanal. 1800 Sitzplätze fasst der golden lackierte Saal. Die Lüftungsschlitze und akustischen Perforierungen sind wie Schuppen eines Fisches in die Oberfläche integriert. „Unsere chinesischen Auftraggeber schreien förmlich nach Innovation“, sagt Architektin Zaha Hadid, die 2004 den Pritzker-Preis verliehen bekam. „Durch die rasante Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ist der Pioniergeist in diesem Land größer als irgendwo sonst.“

Und die Steine? „Ich bin nicht der Meinung, dass die neue Oper aussieht wie zwei Kieselsteine. Aber wenn dieses Bild dabei hilft, das Projekt im lokalen chinesischen Bewusstsein zu verankern, dann habe ich nichts dagegen einzuwenden.“

19. Februar 2011 Der Standard

Holz, Haus, Heute!

Ein gewisser Pathos lässt sich nicht von der Hand weisen: „Holz ist buchstäblich so grün, wie Baumaterialien nur sein können“, schreibt Autor Philip Jodidio. „Da die strenge Moderne und vor allem der puristische Minimalismus aus der Mode gekommen sind, bevorzugen viele Architekten und Bauherren die vom Holz ausgehende Wärme und natürliche Wirkung.“ Doch zum Glück ist das Einleitungskapitel nach 14 Seiten überstanden, und es folgt eine Zusammenstellung der wohl schönsten und innovativsten Holzbauprojekte der letzten Jahre. Gezeigt werden nicht nur finnische Experimentalkonstruktionen und Behausungen aus Nippon, die einem die Sprache verschlagen, sondern auch ungewöhnliche Bauaufgaben wie etwa Schafställe, Teehäuser, kontemplative Hütten am Waldesrand und Strand - sowie das oben vorgestellte Büroprojekt in Cambridge. Eine Einladung zum Träumen.

19. Februar 2011 Der Standard

Wiederbelebung en bloc

Von ein paar exotischen Ausrutschern in der Westukraine und im tiefsten Kanada muss man mal absehen. Ansonsten bietet Marc Wilhelm Lennartz - g'standenes Mannsbild, das aus dem Umschlagpapier mit Hemd und Hosenträgern herausgrinst - einen repräsentativen Querschnitt durch eine längst totgeglaubte Architekturtypologie. Während Blockhäuser aufgrund der einfachen Bauweise und der guten Dämmeigenschaften früher gang und gäbe waren, sind die massiv gezimmerten Hütten in den letzten Jahrzehnten allmählich ins mentale Abseits der Freiluft-Bauernhöfe abgedriftet. Lennartz unternimmt einen lehrreichen Rundgang durch die wenigen Blockneubauten, die an der Architekturfront auch heute noch wacker die Stellung halten - vom coolen Kubus bis zum knisternden Romantikchalet: „Solange es Wälder und Menschen gibt, so lange werden Häuser aus massivem Holz gebaut werden.“

19. Februar 2011 Der Standard

In der Höhle des Holzes

Holzbau? Kiste! Die alten Klischees sind nicht umzubringen. Ganz zu Unrecht, wie einige innovative Projekte und neue Bücher beweisen.

„Ich bin hier schon dutzende Male ein- und ausgegangen, doch das Beste ist für mich immer noch der Geruch“, sagt Mark Goulthorpe. „Man kommt hinein, holt tief Luft und fühlt sich in der Sekunde geborgen und daheim - ganz so, als würde man sich in einen weichen, gefütterten Lederhandschuh reinsetzen.“ Goulthorpe ist Architekt und Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, Boston, streicht mit der Hand über die Oberfläche: „Einfach perfekt. Das ist die Zukunft von Holz.“

Das Büro, das er vor kurzem für das US-amerikanische Unternehmen C Change Investments LLC fertiggestellt hat, ist eine futuristische Schatulle aus nachwachsenden Rohstoffen. Von außen sieht man dem heruntergewirtschafteten Büroklotz aus den Achtzigerjahren nichts an. Doch oben im Penthouse im 14. Stock schmiegt sich eine amorph geschwungene Holzhöhle an die kalten, kantigen Wände aus Beton.

„Die meisten Kunden, die hier reinkommen, glauben sofort, dass der Ausbau unglaublich teuer gewesen sein muss“, meint der Architekt, schüttelt verständnislos den Kopf, hebt die Augenbrauen. „Aber nein! Das ist ganz normales, handelsübliches Sperrholz aus dem Baumarkt. Wir haben es nur anders eingesetzt, als man es sonst kennt.“

Anstatt den Büroausbau millimetergenau zu planen, entwickelte Goulthorpe in Zusammenarbeit mit MIT-Kollegen einen Algorithmus, der die Form nach strengen mathematischen Vorgaben von allein generiert. „Wir haben lediglich vorgegeben, wo wir bestimmte Funktionen benötigen, wo ein Durchgang sein muss und wo wir Arbeitsplätze ansiedeln wollen. Den Rest macht das Programm.“

Anhand einer eigenen Software wurden die einzelnen Kurvenelemente daraufhin so angeordnet, dass der Verschnitt der rohen Sperrholzplatten auf ein Minimum reduziert wird. Goulthorpe: „Wenn Sie ein Einfamilienhaus bauen, so wie es in den USA zu Tausenden anzutreffen ist, dann haben Sie einen Verschnitt von rund 15 Prozent. Die Schnittreste werden einfach weggeschmissen. Ich finde das unverantwortlich.“

Beim hölzernen C-Change-Büro machte der Verschnitt circa 20 Prozent aus, was vor allem auf die gebogenen Formen zurückzuführen sei, so Goulthorpe. Doch dafür habe man sogar die Türgriffe aus Holz gefräst. Der restliche Müll wurde eingepackt und ans Sägewerk zurückgeschickt, wo es zum Antrieb der Maschinen verheizt wurde. „Auf diese Weise ist der Kreislauf wieder geschlossen“, erklärt der Architekt. „Das Projekt ist konsequent bis zum Schluss.“

Neue Technologien

Das Büro von C Change Investments LLC in Cambridge, Boston, ist nur ein Beispiel von vielen. Architekten und Ingenieure aus aller Welt setzen sich immer mehr mit dem Zellulosebaustoff auseinander und treiben die Technologien im Holzbau weiter voran.

Mehr noch als im Innenausbau sind die größten Neuerungen im Rohbau zu verzeichnen. Holzkonstruktionen mit 20 Stockwerken sind heute bereits denkbar - und das sogar unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsbestimmungen. In Berlin wurde vor drei Jahren ein achtstöckiges Holzwohnhaus errichtet. Und auf dem Pyramidenkogel in Kärnten soll ein Aussichtsturm mit 100 Metern Höhe entstehen - komplett aus Holz.

„Die Möglichkeiten im Holzbau sind heutzutage enorm“, sagt Kurt Zweifel von proHolz Austria. „Im Industriebau und bei Einfamilienhäusern ist Österreich schon recht umtriebig, nur im mehrgeschoßigen Wohnbau gibt es noch Handlungsbedarf. Während Deutschland und die Schweiz in den Städten bereits in Holz bauen, ist das Material in den österreichischen Ballungsräumen noch recht selten anzutreffen. Die Behörden zieren sich.“

Zweifel: „Innovative Projekte in Holz sind wichtige Zugpferde fürs ökologische Bauen, denn die Potenziale sind noch lange nicht ausgeschöpft.“ Ein Argument, das oft zu hören ist: Ja, wenn alle so bauen, dann gebe es ja bald keine Wälder mehr. Kurt Zweifel und Mark Goulthorpe unisono: „Diese Sorge ist unnötig. Der Baumnachwuchs ist weltweit um ein Vielfaches größer als die Entnahme.“

Laut Institut für Waldinventur betrug der Waldbestand in Österreich im Jahr 2009 rund 47,4 Prozent. 2002 waren es noch 46,6 Prozent. Anders ausgedrückt: In nur einer Sekunde wächst zwischen Bodensee und pannonischer Tiefebene ein Kubikmeter Holz nach. An einem Tag wäre das genügend Material, um mehr als 2000 Einfamilienhäuser zu bauen.

12. Februar 2011 Der Standard

Ankick im Kühlschrank

Fußballspielen bei 45 Grad im Schatten? Die WM 2022 im Wüstenemirat Katar stellt die Architektur auf die Probe.

Wenn im Sommer 2022 der Anpfiff zu den Fußball-Weltmeisterschaften ertönen wird, werden nicht nur die Bälle rollen, sondern auch die Schweißperlen auf der Stirn. Die Lufttemperatur wird 40 bis 45 Grad Celsius betragen. Vielleicht sogar mehr. Und zwar nicht nur untertags, sondern bis spät in die Abendstunden hinein, denn der Wüstensand wird glühend heiß sein und in der Nacht erst langsam wieder abkühlen, um am nächsten Tag, kaum dass er kalt geworden ist, neuerlich bei Backrohrtemperaturen zu garen.

Katar. Sommer für Sommer eine meteorologische Hölle auf Zeit. Doch geht es nach der Fifa und dem deutschen Architekturbüro Albert Speer & Partner (AS&P), das für die Masterplanung der gesamten WM 2022 zuständig ist, werden Fußballspieler und Zuschauer von dieser Hitze kaum etwas mitbekommen. Eine entsprechende architektonische Planung und ein ausgetüfteltes Kühlsystem wie aus einem kryonischen Alchimie-Kasten sollen dafür sorgen, dass die Innentemperatur in den Stadien angenehm kühl bleibt.

„Eine Fußball-WM in einem derart heißen Klima wie Katar abzuhalten ist für alle Beteiligten natürlich eine große Herausforderung“, meint Axel Bienhaus, Geschäftsführer bei AS&P. „Doch wir sind am richtigen Weg.“ Insgesamt müssen in den kommenden Jahren zwölf Stadien errichtet beziehungsweise adaptiert und aufgerüstet werden. Neben Norman Foster, der für das sogenannte Lusail Iconic Stadium verantwortlich zeichnet, liefert AS&P Entwürfe für fünf weitere Standorte.

Die Planung für all diese Mammutprojekte ist bereits im Bieterbuch enthalten. „Mit sieben Kilogramm Gewicht ist das Bid Book, das wir der Fifa präsentiert haben, umfangreicher als alles Bisherige“, sagt Bienhaus. „Wir haben darin nicht nur die Möglichkeiten und Schwierigkeiten skizziert, sondern haben bereits exakte Detailpläne ausgearbeitet, von der Stadtplanung über die öffentliche Verkehrserschließung bis hin zu möglichen Nachnutzungsszenarien.“

Kalte Luft durch Sonnenlicht

Das Hauptaugenmerk im Bieterbuch für Katar lag jedoch auf neuen Technologien, auf den vielen Tricks und Überlegungen, die dafür sorgen sollen, das extreme Klima des Wüstenemirats in den Griff zu kriegen. Die Zauberformel lautet solare Kühlung. „Katar hat nicht nur ein Überangebot an Öl und Gas, sondern auch an Sonne und Hitze“, so der Architekt. „Genau diesen Überschuss wollen wir uns zunutze machen.“

Und das geht so: Zwei Tage vor Spielbeginn werden die Stadien mit Dachelementen zugezogen. Die lichtundurchlässigen und stark reflektierenden Folien sollen dafür sorgen, dass direkte Sonneneinstrahlung verhindert wird und dass sich die Stahlkonstruktion auf diese Weise nicht zusätzlich aufheizt. Zu den Spielzeiten am Nachmittag und am Abend, wenn die Sonne längst weitergezogen ist, sollen Spielfeld und Tribünen wieder geöffnet werden. So viel zur passiven Kühlung.

Das aktive Runterfrösteln auf die von der Fifa festgesetzte Obergrenze von 27 Grad Celsius erfolgt durch den Einsatz von Solarthermie. Wie in einem Theater wird im Bereich der Sitzränge kalte Frischluft in die Tribünen gepumpt. Da kalte Luft schwerer ist als warme, strömt sie nach unten und bildet über dem Spielrasen einen riesengroßen Kaltluftsee.

„Jetzt müssen wir in zahlreichen Windsimulationen nur noch nachweisen, dass die Stadiondächer auch wirklich aerodynamisch sind“, sagt Axel Bienhaus. „Es bringt nichts, wenn wir es so weit geschafft haben, und dann zieht eine warme Böe ins Gebäude und schaufelt die kühle Luft mit einem Stoß wieder raus.“

Für die nötige Kälte sorgen Sonnenkollektoren - zu hundert Prozent ökologisch und ohne jeden Ausstoß von CO2, wie die beiden planenden Büros Transsolar (München) und Arup Associates (London) versichern. Angebracht werden diese auf den Parkplätzen rundherum (sie sollen gleichzeitig als Beschattung für die Autos dienen), auf den Stadiondächern selbst sowie - und das ist der größte Teil der Kollektoranlagen - auf riesigen Solarfarmen in der Wüste.

Der erste Probeanlauf ist bereits geglückt. Vor wenigen Wochen stellte Arup in Katar ein Show-case-Stadion mit 500 Sitzplätzen fertig. Erzielte Temperatur: erstaunliche 23 Grad Celsius.

Anhand dieses Dummys möchte man nun eine Reihe an unterschiedlichen Tests durchführen. Läuft alles nach Plan, will man die Resultate des kleinen Versuchszwergs in den kommenden Monaten auf die großen Giganten mit 40.000 Zuschauern und mehr hochrechnen.

1400 Quadratmeter Sonnenkollektor- und Fotovoltaik-Fläche werden für das Ministadion benötigt. In Reihen angebrachte Fresnel-Reflektoren bündeln das Licht und steigern auf diese Weise den Ertrag. Das System wurde am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) entwickelt. In Absorptionskältemaschinen wird die gewonnene Energie daraufhin unmittelbar in Kälte umgewandelt. Falls nötig, kann die Hitzeenergie in Tankanlagen, die sich direkt unter dem Stadium befinden, auch zwischengespeichert werden. Generatoren auf Basis von Biosprit stehen für den Notfall bereit.

Für die insgesamt zwölf Stadien mit weitaus größeren Ausmaßen muss man die Solarfarmen entsprechend größer dimensionieren. Der Aufwand ist gewaltig. Hinzu kommen Infrastruktur, öffentliche Verkehrsanbindung sowie die Neubauten und Umstrukturierungen der bestehenden Gebäude. Laut kürzlich veröffentlichtem Fifa Evaluation Report betragen die Gesamtinvestitionskosten für die WM 2022 rund drei Milliarden US-Dollar.

170.000 Gratis-Sitzplätze

„Die Stadien zur WM 2022 werden eine ganze Generation von regionalen und internationalen Sport-Events prägen“, gibt sich Scheich Mohammed bin Hamad bin Chalifa Al Thani, Vorsitzender der WM-Bietergruppe, sicher. „Eine derart umweltfreundliche Infrastruktur wird sich ohne jeden Zweifel auf die Stadien der Zukunft auswirken.“

Kritiker fragen: Wozu der ganze Aufwand? Architekt Axel Bienhaus antwortet: „Drei Milliarden Dollar sind viel Geld. Doch Katar kann sich diesen Aufwand mit Leichtigkeit leisten.“ Das merkt man auch an einem kleinen Passus, der im Bieterbuch enthalten ist: Nach Beendigung der WM, wenn die Fußballstadien rückgebaut und wieder verkleinert werden, möchte Katar die modularen Fußballtribünen an ärmere Länder verschenken. Ein großes Präsent: Die Rede ist von rund 170.000 Sitzplätzen.

Doch den wahren Erfolg von Katar 2022 sieht Bienhaus in jenen Investitionen, von denen das Land auch nach Ende der WM profitieren wird: „Wir errichten eine U-Bahn, wir bauen die Infrastruktur aus, vor allem aber bauen wir ein riesiges Sonnenkraftwerksnetz, das abseits der Fußballspiele die Hauptstadt Doha mit solarem Strom versorgen soll. Das ist ein nachhaltiger Gewinn für alle.“

Wüstenwahnsinn oder ökologisches Vorzeigeprojekt? Mit viel Glück könnte Katar ein Exempel für das zukünftige Leben in den Wüstenstaaten statuieren. So steht es zumindest in der Masterstudie „Qatar Vision 2030“.

Ob das gelingt oder ob hier nicht viel eher ein zweites Dubai in der Petrischale liegt, hängt nicht zuletzt von den wahren Visionen der Gastgeber ab. Die Chancen stehen besser als im Fußball. Fifa-Weltranglisten-Platz: 90.

8. Februar 2011 Der Standard

Guckkasten mit Groschen und Trommeln

Annäherungen zwischen Kunst und Bau sind im „afo“, dem Architekturforum Oberösterreich, in Linz zu sehen.

Schnell durchmarschieren und rücklings fadisiert wieder raus aus dem Raum. Das ist bei der aktuellen Ausstellung Unscharfe Grenzen im architekturforum oberösterreich (afo) ein Ding der Unmöglichkeit. Die erste Schau unter der Leitung der neuen Direktorin Gabriele Kaiser zwingt die Besucher in die Knie. Denn die kleinen Guckkästen, in die man hineinblicken muss, befinden sich nicht immer auf Augenhöhe. Da ist Körperarbeit und Museumsgymnastik angesagt.

Das passt zum Thema. Gezeigt werden nämlich Kunstprojekte im öffentlichen Raum, urbane Interventionen sowie Kunst am Bau. Und diese Auseinandersetzung mit Kunst ist nicht immer bequem.

„Wichtige Kombination“

„Kunst und Architektur ist eine sehr wichtige Kombination“, sagt der Ausstellungskurator Vitus Weh. „Denn in der Regel werden in der breiten Öffentlichkeit weder Kunst noch Architektur in einem zufriedenstellenden Maße wahrgenommen. Doch kaum bringt man diese beiden Disziplinen zueinander, fangen die Leute an zu reden, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und Stellung zu beziehen.“

Wie zum Beispiel beim Groschenhaus in Aigen. Dabei haben die beiden Künstler Josef Wintersteiger und Joachim Eckl die Fassade eines 700 Jahre alten Markthauses in millimetergenauer Arbeit neu eingekleidet.

Nicht etwa mit Putz und Farbe, sondern mit 40.000 Zehn-Groschen-Münzen, die sie zuvor auf die Gleise der Mühlkreisbahn gelegt hatten und vom Zug überfahren ließen. Dermaßen platt- und langgewalzt ergaben sie das Baumaterial. „Eine wunderbare Arbeit“, meint Weh. „Das Haus ist in der gesamten Region bekannt.“

Meditationsraum

Oder die Intervention Ruhepol Mariendom von Tobias Hagleitner, Richard Steger und Gunar Wilhelm, die anlässlich von Linz09 entstanden ist. Mitten in der Rudigierhalle des Linzer Mariendoms wurde damals ein Meditationsraum eingerichtet.

Als Material dienten riesige Kabeltrommeln aus sägerauem Sperrholz und daraus ausgerollte Liegeteppiche aus weißem Textil. Mit wenigen Mitteln gelang es den Künstlern einen historischen und längst determinierten Raum völlig neu erlebbar zu machen.

Ein Erlebnis ist auch die Ausstellungsgestaltung vom Linzer Architektenduo „mia“. Sie besteht nicht aus großen Fotografien wie überall sonst, sondern aus kleinen, hinterleuchteten Dias, die wie in einer Camera obscura tief drinnen in den weißverfliesten Möbeln stecken.

Im konzentrierten Blick auf die Sache erkennt man bisweilen mehr als draußen auf der weiten Straße.

5. Februar 2011 Der Standard

„Einpacken? Es geht um mehr!“

Wärmedämmen - das ist nur Schadensmilderung, meint Jakob Dunkl, Sprecher der Plattform für Architekturpolitik und Baukultur.

Standard: Bei der Klubenquete am Donnerstag haben alle gesprochen: Politiker, Bauträger, diverse Lobbyisten. Bloß die Architekten kamen nicht zu Wort. Wo waren die?

Dunkl: Die Architekten haben erst letzte Woche von dieser Enquete erfahren. In den Diskussionsblock am Ende der Veranstaltung mussten sie sich hartnäckig hineinreklamieren.

Standard: Wurden sie ignoriert?

Dunkl: Mir wurde gesagt, man hätte nicht an uns gedacht. Wenn das wahr ist, dann ist das eine ziemlich traurige Sache. Offenbar hat sich in der Politik noch nicht herumgesprochen, dass Architekten und Planer in der Baukultur einen wichtigen Part übernehmen. Am meisten bewirken kann man immer noch in der frühen Planungsphase. Hier anzusetzen, das wäre wahre Nachhaltigkeit.

Standard: Wenn vom N-Wort die Rede ist, dann meistens nur in Verbindung mit einer um sich wütenden Wärmedämmpolitik.

Dunkl: Wärmedämmung - das ist so ziemlich das Letzte, woran man beim Thema Nachhaltigkeit denken sollte. Es geht um mehr. Viel tiefgreifender, als ein Haus in Styropor einzupacken, ist etwa die Regionalplanung. Das Problem ist, dass die Bebauung in Österreich viel zu locker ist. Die meisten von uns leben in ihrem kleinen Häuschen mit Garten rundherum. Eine Frage: Wo brauche ich mehr Wärmedämmung? Beim Einpacken eines Einfamilienhauses oder beim Einpacken von zehn Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus? Sie haben's erraten! Ein Einfamilienhaus ist wesentlich aufwändiger.

Standard: Die Regierung hat eine Sanierungsoffensive gestartet. Für die kommenden vier Jahre stehen jeweils 100 Millionen Euro zur Verfügung. Reicht das?

Dunkl: Ob das reicht? Das sind nur zwölf Euro pro Einwohner. Nein, das reicht natürlich nicht.

Standard: Die Kritiker fordern 300 Millionen Euro pro Jahr.

Dunkl: Das geht schon in die richtige Richtung.

Standard: Dagegen ist wiederum Wirtschaftsminister Mitterlehner.

Dunkl: Er meint: Würde man mehr ins System hineingeben, zum Beispiel 300 Millionen Euro, könnte davon sehr viel ins Ausland abfließen. Das will er nicht, er will nämlich die Inlandskonjunktur ankurbeln. Das ist der Beweis: Hier geht es nicht um Ökologie, sondern um die Steigerung der Wirtschaft.

Standard: Mit dem aktuellen Tempo kommt man aber nicht weit. Die Sanierungsrate beträgt derzeit ein Prozent. Wenn wir dabei bleiben, sind alle zum heutigen Zeitpunkt sanierungsbedürftigen Häuser erst in 100 Jahren erneuert. Dann kann man wieder bei null anfangen.

Dunkl: Ja, das ist absurd. Wir drehen uns hier im Kreis. Wir können noch so viel fördern und noch so viel dämmen, aus diesem Teufelskreis kommen wir nie wieder raus.

Standard: Was tun?

Dunkl: Fördern und Dämmen - das ist nur eine Schadensmilderung. Langfristig sehe ich nur einen einzigen sinnvollen Ausweg, und der lautet Sensibilisierung. Der Fokus muss im Bereich Bildung und Aufklärung liegen. Wenn wir es schaffen, dass die Menschen von der ersten Schulstufe bis zur Erwachsenenbildung immer wieder mit dem Thema Architektur und Baukultur konfrontiert werden, so wie das etwa in Skandinavien der Fall ist, dann wird auch die Nachfrage nach Bauen und Wohnen eine intelligentere sein.

Standard: Woran scheitert's?

Dunkl: An den Legislaturperioden. So eine Investition in die Bildung lässt sich nicht so gut vermarkten. Das ist eine sehr langwierige Maßnahme. Bis die ersten Resultate ans Tageslicht treten, dauert's ein, zwei Generationen. Doch dafür bräuchte es auch keine 100 Jahre, bis die Baubranche dort angelangt ist, wo sie auch hingehört.

29. Januar 2011 Der Standard

Innenstadtbelebung mit 20 Cent

Die Raiffeisen Landesbank Burgenland hat ein neues Headquarter. Der güldene Neubau könnte ein Impuls für die Revitalisierung des Eisenstädter Stadtzentrums sein.

Eisenstadt - Die halbe Innenstadt liegt im Koma. An der Esterházystraße reiht sich ein leerstehendes Lokal ans andere, Fensterscheiben sind zerschlagen, in den Auslagen nichts als Lurch und tote Insekten. Nur das Schnitzelhaus hält wacker die Stellung. Selbst in der Hauptstraße, der Hauptschlagader Eisenstadts, sind auf kurzer Strecke sieben Leerstände zu verzeichnen.

Viele Shops und Betriebe sind längst ins günstigere Gewerbegebiet abgewandert. Sogar die Fachhochschule ist hier angesiedelt, irgendwo zwischen Schuhdiskonter und Ackerland. Während der Süden der Stadt floriert und weiter ausgebaut wird, war im Zentrum bislang nur wenig Bautätigkeit zu verzeichnen.

Doch es gibt einen neuen Impuls: Der kürzlich fertiggestellte Zubau der Raiffeisen Landesbank (RLB) ist nicht nur eine Belebung des Standorts, sondern auch eine Visitenkarte für die Stadt. „Hier zu bleiben war eine bewusste Entscheidung“, erklärt Rudolf Könighofer, stellvertretender Generaldirektor der RLB Burgenland. „Die innerstädtische Lage hat für uns viele Vorteile, zudem haben wir hier genug Flächenressourcen für die nächsten 20 Jahre.“

Das Auffälligste am zackigen Wahrzeichen der Wiener Architekten Pichler & Traupmann, die aus einem geladenen Wettbewerb 2006 als Sieger hervorgegangen waren, ist die Farbe. „Das ist die Farbe des Geldes“, sagt Könighofer. „Das Gebäude soll eine Art sicherer Speicher für die Leute sein.“ Tatsächlich: Die Architekten halten eine 20-Cent-Münze an die Wand - kaum zu sehen.

Während ein Teil des Altbaus aus den Achtzigerjahren bei laufendem Betrieb saniert wurde, stellten die Architekten im Süden einen neuen Bürotrakt für rund 60 Mitarbeiter hin. Gesamtnutzfläche 2600 Quadratmeter, Gesamtinvestitionsvolumen rund 13 Millionen Euro. Die Geschoße sind je nach funktioneller Anforderung in Zellen- oder in Großraumbüros aufgeteilt. Die Trennwände sind aus Glas.

Ungewöhnlich sind die nach außen gekippten Außenwände. Mit einer Neigung von 15 Grad entsteht so der Eindruck, als würden sich die Räume nach oben hin öffnen. „Das ist kein architektonischer Trick, sondern einfach nur das Resultat der Anforderungen des Raumprogramms“, erklärt Architekt Johann Traupmann. „In den Obergeschoßen waren größere Flächen gefordert als in den unteren. Also haben wir die Räume genau so angeordnet.“

Automatische Nachtkühlung

In technischer Hinsicht wurde zwar weitaus weniger ausgeführt als ursprünglich geplant, doch mit den wenigen realisierten Mitteln kann ein Teil der Energiekosten eingespart werden. Auf dem Dach ist eine Fotovoltaik-Anlage installiert, außerdem ist das gesamte Haus mit elektronisch angesteuerten Fenstern versehen. In der warmen Jahreszeit können die Büros in der Nacht automatisch gelüftet und somit gekühlt werden. Da die massiven Geschoßdecken größtenteils unverkleidet sind, eignen sie sich perfekt zur Speicherung von Kälte.

Der Clou für die Mitarbeiter: Die Südfassade ist komplett in Glas ausgeführt. An schönen Tagen reicht der Panoramablick bis zum Neusiedler See. Noch besser sieht man ihn, wenn man auf die Terrasse hinaustritt.

14. Januar 2011 Der Standard

Auf der Suche nach dem digitalen Gackerl-Sackerl

Die Ausstellung „Geo Data City“ widmet sich der digitalen Kartografie - Neue Planungstools nützen auch Endverbrauchern

Als im August 1994 auf Initiative von Tierschützern eine hitzige Diskussion um die Standplätze der Fiaker entfachte, musste eine Reihe mühsamer Untersuchungen durchgeführt werden. Es galt, alternative Standorte zu finden, an denen die Pferde nicht den ganzen Tag in der prallen Sonne ausharren müssen, sondern auch einmal im Schatten stehen.

Zehn Jahre später ist alles anders. Es reicht ein einfacher Mausklick - und schon sieht man anhand von dreidimensionalen Verschattungssimulationen, wo sich die idealen Schattenplätze für die wiehernden Vierbeiner befinden. Einige Standplätze konnten 2006 auf diese Weise ohne großen planerischen Aufwand versetzt werden.

Stadt in 3D

Zu verdanken ist dies dem sogenannten Geoinformationssystem (GIS). Der digitalen 3D-Erfassung der Stadt und den damit verbundenen Möglichkeiten in der Stadtplanung widmet sich derzeit eine Ausstellung in der Wiener Planungswerkstatt.

„Früher hat man Stadtpläne aus irgendwelchen Archiven herauswühlen und dann mit unzähligen Dokumenten vergleichen müssen, wenn man nach bestimmten Faktoren in der Stadt gesucht hat“, sagt Christian Rapp, Kurator der Ausstellung Geo Data City - Geoinformation und Stadtentwicklung in Wien.

Das ist heute anders. Informationen wie Wohnungsgröße, Kindergartenverteilung, Automobildichte, Einkommensverhältnisse, Barrierefreiheit sowie etwa Windverhältnisse und Topografie sind heute bereits in digitalen Stadtplänen ablesbar. Rapp: „Sogar Hundedichte, Hundezonen und Ständer mit Gackerl-Sackerln lassen sich digital abfragen.“

Durch zukünftige Straßen flanieren

Die Möglichkeiten der digitalen 3-D-Kartografie sind vielfältig. So können neue Stadtteile heutzutage nicht nur anhand von Plänen, sondern auch unter Einbeziehung sozialer, optischer und atmosphärischer Faktoren konzipiert werden. In der Seestadt Aspern kann man dank Augmented Reality, also mittels computerunterstützter Erweiterung der Realität, schon heute durch die Straßen flanieren - lange bevor das erste Haus steht.

Im dicht verbauten 15. Gemeindebezirk rund um die Stadthalle wiederum werden die enormen Möglichkeiten solarer Energiegewinnung veranschaulicht. „Die Gebäude sind detailgenau erfasst, sogar die Neigungswinkel der Dächer sind in dieser Darstellung berücksichtigt“, erklärt der Kurator.

Im Gegensatz zu früher wird die Stadt nämlich nicht nur mittels Tachymeter und Luftbild vermessen, sondern auch mittels Laserscanning (siehe Foto). Das ermöglicht eine größere Detailgenauigkeit. Die jährlichen Kosten für das digitale Datenmanagement belaufen sich auf rund eine Million Euro, erklärt der Wiener GIS-Koordinator Wolfgang Jörg.

Verortung von Literatur

Doch die Nutzung von GIS geht über Stadtplanung weit hinaus. Auch der Endverbraucher profitiert davon. In der Schweiz wurden laut Rapp schon Romane verortet. Um zu sehen, wo bestimmte Kapitel spielen, kann man sich bei der Online-Lektüre direkt zum Stadtplan verlinken. Und in Wien gedeiht bereits die erste „Geocaching“-Community. Dabei wühlt man sich mit Smartphone und 3D-Stadtplan durch die Stadt. Nichts anderes als eine Schnitzeljagd für Fortgeschrittene.

8. Januar 2011 Der Standard

Der Raum zwischen den Zeilen

Mainz hat eine neue Synagoge. Architekt Manuel Herz schuf sie mit Beton und Keramik - und mit der Kraft der hebräischen Schrift.

Reichskristallnacht, November 1938: Im Deutschen Reich werden 191 Synagogen niedergebrannt, 76 weitere werden verwüstet und zerstört. Unter den Trümmern am Morgen des 10. November findet sich auch die Synagoge Mainz, ein klassizistischer, pompöser Rundbau aus dem Jahr 1912.

Mehr als sieben Jahrzehnte muss Mainz ohne Synagoge auskommen. Gearbeitet und gebetet wird in den Räumlichkeiten einer gründerzeitlichen Wohnung in der Mainzer Neustadt. „Bis in die 90er-Jahre hat das recht gut funktioniert“, sagt Stella Schindler-Siegreich, Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz. „Mit dem Zuzug vieler Russen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich die Situation allerdings dramatisch verändert. Innerhalb weniger Jahre ist die Gemeinde in Hessen von 70 auf über 1000 Mitglieder angewachsen.“

Mainz, dessen architektonische Sehenswürdigkeiten bisher an einer Hand abzuzählen waren, hat seit letztem Jahr ein schönes Stück Baukunst mehr: die Synagoge Maor Hagolah, Licht der Diaspora. Als hätte Daniel Libeskind Pate gestanden, wandert das Gotteshaus an der Hindenburgstraße (Baukosten rund sechs Millionen Euro) auf und ab, springt vor und zurück, faltet sich schließlich zu einem mäandrierenden, expressionistischen Etwas zusammen.

Die Ähnlichkeit zu Libeskinds Jüdischem Museum in Berlin, fertiggestellt zur Jahrtausendwende, ist kein Zufall. Der Wettbewerb für die Synagoge Mainz wurde 1999 ausgeschrieben, zeitgleich zum Bau des großen, silbrig glänzenden Zickzacks in der Spreemetropole. Der Dekonstruktivismus war damals hoch im Kurs.

„Die Synagoge hat nichts mit Dekonstruktivismus und schon gar nichts mit Libeskind zu tun“, sagt der Schweizer Architekt Manuel Herz. „Aber natürlich ist es kein Zufall, dass sich diese zeitgenössische Form der Architektursprache in den letzten Jahren vor allem in der jüdischen Kultur durchgesetzt hat.“ Das Judentum sei die einzige Religion im Abendland, die jahrtausendelang über keine eigene Architektur verfügte. „Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem 70 nach Christus gibt es keine traditionelle jüdische Baukultur mehr“, sagt Herz. In den Pogromnächten 1938 seien schließlich auch die jüngsten Versuche einer jüdisch-baulichen Identität zerstört worden.

„Die Produktion von Räumen hat sich im Judentum im Gegensatz zu anderen Religionen nicht in Bauwerken abgespielt, sondern in Büchern sowie in der überaus plastischen hebräischen Schrift“, erklärt der Architekt. „So war es möglich, trotz Diaspora jahrhundertelang einen ganz eigenen, spezifischen Raumbegriff aufzubauen.“ Genau diesem Schreiben ist die Form der Mainzer Synagoge zu verdanken. Wie ein abstraktes Abbild des hebräischen Segenswortes Qadushah entwickelt sich die Fassade in die Höhe, ist mal härter, mal weicher, bis sie sich an ihrem östlichen Ende zum weit überhängenden, hebräischen Buchstaben Qoph aufbäumt.

„Es geht nicht darum, das Haus lesen zu können, schließlich ist das ein Gebäude und keine Schriftrolle“, erklärt Herz. „Sehr wohl lässt sich an der Fassade aber eine gewisse Dialektik erkennen. Zwischen Passanten und Synagoge entsteht eine Art Gespräch - ganz gleich, ob man jüdischen Glaubens ist oder nicht.“

Wie Fluchtpunkte sitzen die wild geschnittenen Fenster in der Außenwand, gerahmt von Passepartouts aus grün lackierten Keramikstäben. Die Geometrie der Verkleidung ist bis zur Perfektion getrieben. Winkel und Gehrungsschnitte sind millimetergenau aufeinander abgestimmt. Der Betrachter wird so zum Opfer eines perspektivischen Täuschungsmanövers.

„Die Fassade wirkt auf den ersten Blick aufwändig, tatsächlich ist das System aber sehr einfach und redundant“, sagt Manuel Herz zum Standard. „Wir haben in der Strangpresse 17.000 Meter von diesem Keramikprofil herstellen lassen, danach mussten die Stäbe nur noch in die gewünschte Länge geschnitten werden.“ Durch die färbige Glasur schimmert die Synagoge je nach Sonnenstand mal gelbgrün, mal smaragdfarben, bis sie in der Dämmerung zu einer dramatischen, schwarzen Skulptur aus dem Cabinet des Dr. Caligari mutiert.

Durch eine schwere Tür aus Aluminiumguss - an der Außenseite ist der Schriftzug Maor Hagolah, Beit Knesset Magenza (Licht der Diaspora, Synagoge Mainz) zu lesen - gelangt man in ein rundum weißes Foyer aus zueinander schräggestellten Wand- und Dachflächen. Viele kleine Fenster.

Alles sehr dramatisch. Schade nur, dass in den Nebenräumen Boden und Türen, scheinbar in einem Moment der mentalen Erschöpfung, lavendelfarben zugekleistert wurden. Hier verkommt das eben noch beeindruckende Gebäude zu einem Kartenhaus im Kindergarten-Look. Neben Verwaltungs- und Bürotrakt, Dienstwohnung, Unterrichtsräumen sowie einem großen Veranstaltungssaal führt eine der geheimnisvollen Türen in den eigentlichen Gebetsraum. Und wieder Buchstaben: Die Wandoberflächen sind über und über mit Millionen von stilisierten hebräischen Schriftzeichen gesäumt. Ab und zu nur lichtet sich das geometrische Relief und macht Platz für einen Vers aus der Tora.

Prächtig bricht sich das Licht an den bronze- und goldfarbenen Wänden. Wie ein Trichter, der sich hungrig nach oben streckt, öffnet sich an dieser Stelle das überhängende Qoph in den Himmel. Durch ein rund 200 Quadratmeter großes Glasdach strömt das Tageslicht direkt auf die Bimah, von wo aus während der Gottesdienste aus der Tora gelesen wird.

„Die neue Synagoge ist mehr als nur ein Gotteshaus“, sagt Stella Schindler-Siegreich. „Sie ist Treffpunkt und Veranstaltungsort für alle, die an unserer Gemeinde und an der jüdischen Kultur interessiert sind.“ Der Beweis ist erbracht: Die ersten Seminare, Konferenzen und Konzerte sind bereits über die Bühne gegangen.

Ist das die neue Architektur des Judentums? Das erste Wort ist gesprochen. Der Rest wird sich mit der Zeit entziffern.

31. Dezember 2010 Der Standard

Erst Mensch, dann Maschine

Vor kurzem wurde der Staatspreis Architektur für Industriebauten und Gewerbeimmobilien vergeben: Es siegte das soziale Moment

Arthur Krupp war ein Mann mit Visionen. Als der Großindustrielle 1879 seinen elterlichen Betrieb übernahm, beschloss er, das Unternehmen und die Gemeinde zu einem architektonischen und infrastrukturellen Vorzeigeprojekt auszubauen. Zur Berndorfer Metallwarenfabrik im südlichen Niederösterreich gehörten nicht nur Produktionshallen, sondern auch Arbeiterhäuser, ein Konsumverein, ein eigener Schlachthof sowie ein Freibad, das im Winter als Natureisbahn diente.

Bekannt wurde Krupp vor allem für den Bau der beiden Volksschulen für Buben und Mädchen, die - revolutionär für damalige Verhältnisse - bereits mit Zentralheizung und Duschen ausgestattet waren. Außerdem war jedes Klassenzimmer in einem anderen historischen Stil ausgemalt. Die Bandbreite reichte von ägyptischen und maurischen über romanische und gotische Lehrräume bis hin zu solchen, die mit Schnörkseln des Barock und Rokoko ausstaffiert wurden. Die Zimmer sind bis heute erhalten.

Insgesamt investierte Krupp in den Ausbau der Berndorfer Gemeinde umgerechnet rund 200 Millionen Euro. Ungefähr die Hälfte des Geldes stammt aus seinem eigenen Privatvermögen. Für seine Taten wurde der Industriemagnat von Kaiser Karl I. sogar zum Geheimen Rat ernannt.

Was heutzutage so schön als CSR - Corporate Social Responsibility - angepriesen wird, ist also bei weitem kein Novum der Nullerjahre, sondern eine alte und längst bewährte Idee in neudeutschen Wortkleidern.

Der sogenannte Mehrwert für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat jedoch nicht nur sozial-altruistischen Hintergrund. Er dient vor allem dem Unternehmen selbst. Zufriedene Arbeitskräfte sorgen erwiesenermaßen für mehr Umsatz, gleichzeitig steigt das Image der Firma.

Zufriedenheit am Arbeitsplatz

In einer Studie, die heuer an der University of Exeter, Großbritannien, durchgeführt wurde, stellten die beiden Psychologen Craig Knight und Alex Haslam einen direkten Zusammenhang zwischen Mitspracherecht der Mitarbeiter, Zufriedenheit am Arbeitsplatz und Produktivität fest. Unter optimierten Arbeitsbedingungen stieg der Output um bis zu 32 Prozent.

„Das Bürodesign hat nicht nur einen Einfluss darauf, ob Menschen bei der Arbeit der Rücken wehtut, sondern auch darauf, wie viel sie leisten, wie viel Initiative sie zeigen und wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit sind“, lautet das Resultat der Studie, an dem 2000 Probanten teilnahmen.

Ortswechsel, Tirol: „Wir fühlen uns in den neuen Räumen absolut wohl“, sagt etwa Maria Steinlechner, die im Vertrieb bei Swarovski Optik KG in Absam arbeitet. „Die Architekten haben uns am Anfang nach unseren Wünschen befragt und diese dann in die Planung miteinfließen lassen. Das ist nicht Standard, denn meistens findet das Gespräch nur in der Chefetage statt. Wir wissen das sehr zu schätzen.“

Genau das war der Plan. „Wenn man sich immer nur mit den Geschäftsführern, Vorstandsvorsitzenden und Abteilungsleitern unterhält, dann kommt man an den Kern des Unternehmens nicht heran“, erklärt Wolfgang Pöschl vom Architekturbüro tatanka. „Woher sonst soll man wissen, ob die Leute lieber in offenen Büros arbeiten oder in geschlossenen, ob sie lieber alleine arbeiten oder in der Gruppe, ob sie lieber Blau haben oder Rot.“

Vor kurzem wurde der rundum sanierte und erweiterte Büro- und Verwaltungssitz der Swarovski Optik KG mit dem Staatspreis Architektur 2010 in der Kategorie „Mittel- und Großbetriebe“ ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Prämiert wurden heuer Realisierungen aus dem Bereich Industriebauten und Gewerbeimmobilien.

„Ich war extrem überrascht zu hören, dass wir für dieses Projekt den Staatspreis bekommen haben“, sagt Pöschl zum Standard. „Schauen Sie selbst, das ist ein Projekt, das sich einem erst auf den zweiten Blick erschließt. Es ist weder besonders fotogen, noch reißt es einen vom Hocker wie irgendein riesiges Gebilde um dutzende Millionen von Euro. Ich bin sehr froh, dass die Jury den Aufwand auf sich genommen hat, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und sich das Gebäude im Detail anzuschauen.“

Das bestätigt auch der Juryvorsitzende Christian Kühn von der Architekturstiftung Österreich: „Es geht in der Industrie- und Gewerbearchitektur längst nicht mehr nur darum, gut funktionierende Gebäude zu errichten. Und auch das Bauwerk als Wahrzeichen steht nicht mehr im Vordergrund wie noch vor zehn oder 20 Jahren“, so Kühn.

Viel eher könne man heute beobachten, dass immer mehr Betriebe und Konzerne damit anfangen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Neben dem reibungslosen Funktionsablauf und der Produktion eines feschen und entsprechend wirksamen Werbetrikots geht es vor allem um das soziale und gesundheitliche Klima am Arbeitsplatz.

So etwa auch bei der Büro- und Lagerhalle der Sohm Holzbautechnik GmbH in Alberschwende, Vorarlberg. Der innovative Holzbau wurde in der Kategorie „Klein- und Kleinstbetriebe“ ebenfalls mit dem heurigen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet.

Errichtet wurde es mit jener Technologie, für die das Unternehmen selbst steht und die es unter Häuslbauern, Bauträgern und diversen Firmen seit 1990 vertreibt - mit der sogenannten Diagonaldübelholztechnik. Die Bauweise kommt gänzlich ohne Leime, Klebstoffe und Metallverbindungen aus, die Wände und Decken halten einzig und allein durch schräg eingetriebene Dübel, die in ihrer endgültigen Position aufquellen und die Bauteile auf ewig miteinander binden.

Die gleiche Wellenlänge

„Das ist ein cleveres und wunderschönes Produkt“, sagt der preistragende Architekt Hermann Kaufmann. „Es ist ökologisch, zu 100 Prozent recyclebar und setzt im eingebauten Zustand keinerlei Emissionen frei, weil es ohne zusätzliche Verbindungsmittel auskommt. So eine Bauweise hat natürlich Auswirkungen auf das Klima am Arbeitsplatz.“

Die Qualität der Industrie- und Gewerbeprojekte habe in den letzten Jahren zugenommen, erklärt Christian Kühn. „Einerseits gibt es im Industriebau die Möglichkeit, Dinge experimentell auszuprobieren, andererseits stößt man mit hochwertiger Architektur bei produzierenden Gewerben immer häufiger auf offene Ohren. Es treffen Leute mit gleicher Wellenlänge aufeinander. Jeder will nur das Beste bauen.“

verknüpfte Auszeichnungen
- Staatspreis für Architektur 2010

20. November 2010 Der Standard

Chronik eines weichen Blicks

Friedrich Achleitner reist seit 45 Jahren durchs Land und dokumentiert die österreichische Architektur. Der aktuelle Band: 500 Seiten

Nach mehr als 15 Jahren Arbeit liegt der dritte und somit letzte Band des Wien-Führers „Österreichische Architektur“ druckfrisch auf dem Tisch. Das 500 Seiten starke Buch, das kürzlich im Residenz Verlag erschienen ist, gilt als eines der wichtigsten und zentralen Nachschlagewerke in puncto Baukultur. Wie oft scheitert unsereiner bei der Recherche in Google, Wikipedia und meterdicker Literatur! Die beste Lösung ist immer wieder der Griff „zum Achleitner“. Nirgendwo sonst ist die Chance so groß, auf Informationen über irgendein x-beliebiges Gebäude zu stoßen, wie hier.

Weit mehr als 3000 Bauwerke in den Wiener Gemeindebezirken Döbling, Brigittenau, Floridsdorf, Donaustadt und Liesing ging Friedrich Achleitner in den letzten Jahren ab. Kilometerweise. Michael Diem und Gabriele Kaiser begleiteten ihn dabei.

Bis auf ein paar Privathäuser und Botschaftsgebäude, in die ihm der Zutritt (jahrelang) verwehrt wurde, kennt er jedes einzelne aufgelistete Gebäude von innen - manchmal auch durch mehrmaligen Besuch. „Man kann nicht über Architektur schreiben, ohne dass man sich selbst ein Bild davon gemacht hat“, sagt der Schriftsteller nüchtern und trocken. „Und wenn ein Projekt sehr komplex ist, dann muss man eben öfters hineingehen.“

Beschrieben werden Einfamilienhäuser und Wohnhausanlagen, Kultur- und Bildungsbauten, Kaufhäuser und Büros, Sportstätten und Gärten, aber auch Bauwerke aus den Bereichen Verkehr und Industrie. Sogar durch den Wasserbehälter des Lainzer Tiergartens kroch der 80-Jährige hindurch. Achleitner: „Die Architektur ist so umfangreich. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Leute zu diesem Thema hinzuführen. Und wenn es mir gelingt, dass man Adolf Loos nicht länger als Jugendstilarchitekten beleidigt, dann ist schon viel erreicht.“

Worauf Achleitner besonderen Wert legt: „Das neue Buch ist keine Enzyklopädie, es ist kein Feiern von Landmarks und Starbauten, und es ist auch keine Auflistung von besonders schützenswerter Bausubstanz. Viel wichtiger ist mir, das ganze Relief einer Stadt abzubilden. Die weniger aufregenden Bauten gehören auch dazu.“

Das bisweilen flache Relief hat mitunter großen Humor. Glatzgasse 9, 1190 Wien, Architekt Otto Wagner junior, errichtet 1904: „Vielleicht hatte Otto Wagner doch recht, wenn er seinen Sohn als untalentiert bezeichnete. Jedenfalls hatte dieser das Haus im eigenen Auftrag erbaut, und dafür wirkt es relativ uninspiriert.“

Floridusweg 46-48, 1210 Wien, Architekten Hubatsch mit Szyszkowitz & Kowalski, errichtet 1999, kurz und bündig: „Die Anlage macht den Eindruck, als hätten sich die engagierten Grazer Architekten unter den Wiener Baubedingungen nicht recht wohl gefühlt.“

Bellevuestraße 59, 1190 Wien, Architekt Walter Loos, errichtet 1933, noch kürzer, noch bündiger: „Es ist nicht gelungen, das Haus zu finden.“

Und schließlich Ketzergasse 310, 1230 Wien, errichtet 1903: „(Keine weiteren Unterlagen)“.

Doch bis auf die paar schmunzelnden Ausreißer findet Achleitner bei jedem noch so langweiligen, gesichtslosen Bau ein paar aufmunternde Worte. „Als ich mit der Arbeit in Wien begonnen habe, hätte ich mir nie gedacht, dass daraus eines Tages drei dicke Bände werden“, erinnert er sich zurück. Und tatsächlich sei die Auswahl der Gebäude in den bisher erschienenen Architekturführern viel strenger und rigider gewesen.

Mit der Zeit wird man sensibler

„Doch mit der Zeit entwickelt man sich weiter. Man wird sensibler, man wird weicher im Blick, und man findet selbst bei einem sehr stillen und zurückhaltenden Gebäude noch etwas Charakteristisches, über das man schreiben kann. Ich nehme an, wohl aus diesem Grund hat die Arbeit an diesem Band auch 15 Jahre gedauert.“

Begonnen hatte die Recherche am österreichischen Architekturführer übrigens vor 45 Jahren. Etliche Autos und Reifensätze fuhr Friedrich Achleitner seit dem ab. 1980 erschien Band I mit Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. 1983 erschien Band II mit Burgenland, Steiermark und Kärnten. 1990 erschien schließlich Band III / Teil 1 mit den Wiener Bezirken 1 bis 12, 1995 Band III / Teil 2 mit den Bezirken 13 bis 18, mit den fünf Außenbezirken ist das Werk nun komplett. Fast. Es fehlt noch Niederösterreich.

„Das mache ich nicht mehr. Erstens sind eh schon viele Leute unterwegs durch das Land, zweitens habe ich mein gesamtes Archiv ohnehin schon dem Architekturzentrum Wien übergeben, die können daran nun weiterarbeiten, und drittens will man sich mit 80 nicht mehr so ein großes und umfangreiches Projekt aufhalsen. Es ist genug.“

Wie geht's weiter? „Nichts mehr mit Architektur. Ich will jetzt wieder Literatur machen. Und wenn nicht, dann werde ich Taxifahrer. Ich kenne jede einzelne Straße in dieser Stadt.“

11. November 2010 Der Standard

„Öffentliche Räume sind gut für die Gesellschaft“

Standard: Gehen Sie gern in der Stadt spazieren?

Tagliabue: Ja, es gibt kaum etwas Schöneres, als durch eine Stadt zu wandern und zu sehen, dass sie von den Menschen angenommen und benützt wird. Es kommt natürlich darauf an, von welcher Stadt wir hier sprechen.

Standard: Von welcher würden Sie denn gern sprechen?

Tagliabue: New York ist ein wunderbares Beispiel. In jeder Epoche dieser Stadt hat die Freiraumgestaltung eine große und wichtige Rolle gespielt. Schauen Sie sich nur einmal den Central Park an! Das letzte großartige Projekt ist die Green Line, wo eine stillgelegte Bahnstrecke in Hochlage zu einem begrünten Spazierweg ausgebaut wurde.

Standard: Und in Europa?

Tagliabue: In den letzten Jahren sind Dänemark und Holland sehr engagiert. Auch Deutschland. In der Hafencity Hamburg haben wir 2001 den Wettbewerb für die Freianlagen gewonnen. Das ist ein langwieriges und umfangreiches Projekt, an dem wir bis heute bauen. Doch das Epizentrum der städtischen Öffentlichkeit ist immer noch Barcelona. Diese Stadt leistet seit Jahrzehnten Pionierarbeit - und dafür hat sie sich eindeutig die Goldmedaille verdient. Ich denke, Politiker und Städteplaner können von Barcelona einiges lernen.

Standard: Was macht einen gut funktionierenden öffentlichen Freiraum aus?

Tagliabue: Möglichkeiten und Potenziale. Als Planerin, als Planer muss man die Absicht haben, einen Ort zu schaffen, den die Menschen lieben werden. Wenn man will, dass ein Platz von der Öffentlichkeit benützt wird, dann muss er praktisch und gemütlich sein und gewisse Vertrautheiten in uns wecken. Doch ein Restrisiko bleibt immer. Entweder es klappt, oder es klappt nicht.

Standard: Was macht man, wenn's nicht klappt?

Tagliabue: Ich habe mich kürzlich mit Planern aus Disney-Land unterhalten. Wenn dort etwas geplant und gebaut wird, das dann wider Erwarten von den Leuten nicht angenommen wird, dann wird das ganze Ding abgerissen und neu konzipiert. So etwas geht natürlich nur in Disney-Land. Im wirklichen Leben muss man sehr sorgfältig planen.

Standard: Ist die Freiraumkultur in Nordeuropa eine andere als im Süden?

Tagliabue: Das Auffälligste ist, dass Freiraumgestaltung in Südeuropa ein ganz zentrales Aufgabengebiet von uns Architektinnen ist, während es in den nord- und mitteleuropäischen Ländern dafür einen eigenen Beruf gibt. Da gibt es den sogenannten Landschaftsarchitekten. Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum man das trennen sollte. Da wie dort geht es um Gestaltung von Lebensräumen.

Standard: Was ist mit den klimatischen Unterschieden?

Tagliabue: Natürlich werden Plätze in unterschiedlichen Klimazonen unterschiedlich genutzt. Doch die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in Europa sind nicht klimatisch, sondern kulturell bedingt.

Standard: Soziale Kontakte verlagern sich immer weiter ins Internet. Welche Auswirkungen hat diese Verlagerung auf die reale Öffentlichkeit?

Tagliabue: Diese sozialen Netzwerke sind eine Revolution. Menschen können grenzüberschreitend, mit riesigen Kapazitäten und meist sogar ohne Geld in Kontakt miteinander treten. Doch man darf nicht vergessen, dass die meisten virtuellen Kontakte immer noch dazu da sind, um sich am Ende des Tages in der Wirklichkeit zu treffen. Außerdem halten wir uns zwar mehr in der virtuellen Welt auf als früher, doch dafür sind wir auch mobiler. Wenn wir chatten und posten, dann machen wir das nicht hinter verschlossenen Türen im Schlafzimmer, sondern meist in der Öffentlichkeit - im Café oder auf der Parkbank.

Standard: Wie werden sich die öffentlichen Räume in den nächsten Jahren verändern?

Tagliabue: In den Städten steigt schon jetzt das Bewusstsein dafür. Man hat erkannt, dass öffentliche Räume der Garant für eine ruhige, tolerante und gut funktionierende Gesellschaft sind.

Standard: Beim Architektur-Kongress am 19. November werden Sie den Eröffnungsvortrag halten. Worüber werden Sie sprechen?

Tagliabue: Ich werde einen feurigen Vortrag darüber halten, dass schöne Architektur die Menschen glücklich machen kann. Und dass schlechte Architektur Menschen unglücklich machen kann. So einfach ist das.

Benedetta Tagliabue (47) ist Architektin in Barcelona und betreibt mit ihrem Partner Enric Miralles seit 1991 das Büro EMBT. Foto: Vicens Giménez Juvé

Auf öffentlichen Plätzen kann sich Gesellschaft entwickeln, sagt die spanische Architektin Benedetta Tagliabue. Im Gespräch mit Wojciech Czaja spricht sie über die Voraussetzungen für moderne Städteplanung.

11. November 2010 Der Standard

Im Wohnzimmer der Gesellschaft

Zahlreiche Kunst- und Architekturprojekte erobern den öffentlichen Raum zurück

Wem gehört die Stadt? „Der öffentliche Raum gehört uns allen“, sagt der New Yorker Künstler und langjährige Flashmob-Organisator Charlie Todd. „Wenn Sie so wollen, ist das unser aller Wohnzimmer. Hier treffen wir uns, hier lernen wir einander kennen, hier gibt es Komik und Klamauk.“ Auf einen bestimmten Anteil des öffentlichen Raums habe jeder Mensch Anspruch. Rein theoretisch zumindest.

In der Praxis sieht die Sache jedoch anders aus. Immer öfter werden Stadt und Land privatisiert und bestimmten Nutzungsbestimmungen oder gar Verboten unterzogen. Häufig passiert es, dass der öffentliche Raum - laut Definition der ebenerdige und frei zugängliche Teil einer Gemeindefläche - der Bevölkerung entrissen und als Verkehrsfläche genutzt wird.

„In den meisten Ländern der Welt wird der öffentliche Raum vor allem von Autos in Anspruch genommen“, erklärt die Wiener Künstlerin und Ausstellungsmacherin Andrea Seidling. „Solange die Straßen und Plätze als Verkehrsraum genutzt und in dieser Funktion nicht behindert werden, ist alles in Ordnung. Jede Nutzung aber, die darüber hinausgeht, bedarf einer öffentlich-rechtlichen oder zivilrechtlichen Sondernutzung. Ich denke, das sagt einiges über unseren Umgang mit Öffentlichkeit und Gesellschaft aus.“

Genau in dieser juristischen Lücke sind etwa die Projekte von Recetas Urbanas angesiedelt. Mit allen erdenklichen Mitteln versucht das spanische Büro, die Behörden an der Nase herumzuführen und so der Stadt wertvolle Parkplatzflächen für soziale Events abzuzwacken. „Das ist ganz einfach“, sagt Architekt Santiago Cirugeda. „Man muss lediglich bei der Stadtverwaltung um Genehmigung für das Aufstellen einer Schuttmulde ansuchen, ganz so, als hätte man eine Baustelle im Gange. Der Antrag kostet rund 35 Euro.“

Anstatt die bewilligten Mulden jedoch mit Bauschutt und Müll zu füllen, installierte Cirugeda darin Bäume, Schaukeln, und Picknick-Bänke. An anderer Stelle wiederum mutierten die Schuttmulden zu Info-Ständen, Leseräumen und Open-Air-Bühnen für Flamenco-Tänzer. So geschehen 1997 in Sevilla im Rahmen der Kunstinstallation Skips S. C.

Sprechen im Raum der Stadt

Auch das Wiener Architekturbüro feld72 übt Kritik an der fortschreitenden Vereinnahmung des öffentlichen Raums. Für die Biennale of Urbanism and Architecture 2009 in Shenzhen und Hongkong baute es sogenannte „Public Trailers“. Die besonderen Fahrrad-Anhänger können für Streiks und Demonstrationen eingesetzt werden. Mit Megafon und Inhalten gewappnet geht es über eine steile Leiter hinauf in den ersten Stock. Sollte die hier eingelöste Möglichkeit der freien Rede bei den Behörden nicht so gut ankommen, kann man rasch in die Pedale treten und wieder von dannen ziehen.

„Wir haben mehrere Installationen mit unterschiedlichen Funktionen gebaut, die bei der Bevölkerung und in den Medien durchaus gut angekommen sind“, erinnert sich Architektin Anne Catherine Fleith. „Lediglich der Speakers' Corner hat bei vielen Leuten für Hemmungen gesorgt.“

Das Foto mit dem Wachmann, der die Dame am Podest zurechtweist, habe sich genau so ereignet. Nichts daran ist gestellt. Während des 18. Wiener Architektur-Kongresses und der damit verbundenen Ausstellung Platz da! European Urban Public Space (zu sehen bis 31. Jänner 2011) ist der knallrote Speakers' Corner im Architekturzentrum Wien ausgestellt.

10. November 2010 Der Standard

18. Wiener Architektur-Kongress

Drei Tage ab 19. November - im Überblick

Als Ergänzung zur Ausstellung „Platz da! European Public Space“ veranstaltet das Architekturzentrum Wien (Az W) den heurigen Wiener Architektur-Kongress. Die dreitägige Veranstaltung steht ganz im Zeichen des öffentlichen Raums und untersucht, wie sich Landschaftsplanerinnen und Architekten aus unterschiedlichen Ländern mit dem Thema beschäftigen.

Den Beginn machen am Freitag, den 19. November, Az- W-Direktor Dietmar Steiner, Wolfgang Gleissner von der Bundesimmobiliengesellschaft (Big) sowie die Ausstellungskuratorin Andrea Seidling. Den Eröffnungsvortrag um 20 Uhr hält Benedetta Tagliabue.

Am Samstag, den 20. November, sprechen der spanische Architekt Elías Torres Tur sowie der Wiener Soziologe Jens S. Dangschat. Gemeinsam wollen sich die Vortragenden der Frage widmen: Wem gehört die urbane Öffentlichkeit?

Am Nachmittag stellt Daniel Zimmermann vom Landschaftsplanungsbüro 3:0 die Seestadt Aspern vor. Franz Kobermaier von der MA 19 und Architekt Boris Podrecca weiten den Fokus anschließend auf ganz Wien aus. Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion, an der unter anderem Christoph Chorherr, die deutsche Landschaftsarchitektin Sabine Knierbein sowie Lilli Licka von der Boku Wien und Sabine Pollak von der Kunstuniversität Linz teilnehmen.

Am Sonntag, den 21. November, schweift der Blick ins Ausland. Lisa Fior, Mitbegründerin von muf architecture, stellt den Barking Town Square in London vor, Kamiel Klaasse von NL Architects und Stefan Rettich von Karo Architekten präsentieren ihre beiden, mit dem European Prize for Urban Public Space prämierten Projekte in Zaanstad und in Magdeburg.

Abschließend sprechen Santiago Cirugeda von Recetas Urbanas, die deutsche Publizistin Silke Helfrich, der Architekturtheoretiker Michael Zinganel sowie Architekt Karsten Buchholz vom deutschen Büro West8. Es moderiert Angelika Fitz.

23. Oktober 2010 Der Standard

Frau N. wohnt violett

Die Menschen werden immer älter. Und die Baubranche muss darauf reagieren. Helmut Wimmer, Architekt des neuen Pflegewohnheims Leopoldstadt, wirft einen Blick in die Zukunft.

Josefine Nebes ist 82 Jahre alt. Seit kurzem wohnt sie im Pflegewohnhaus Leopoldstadt. „Davor hab ich 55 Jahre in meiner eigenen Wohnung auf der Mölkerbastei gelebt“, erzählt sie. „Aber jetzt wohn ich halt hier. Das war eine Riesenumstellung! Aber nicht schlecht, gar nicht schlecht, ist ja alles ultramodern hier!“

Am meisten schätzt die alte Dame, die mit Pelzhut und Rollator durch die Lobby wandert, ihr bunt ausgemaltes Einzelzimmer im vierten Stock: „Es gibt rosane und orangene, aber ich bin die lilane! Feine Farbe, sehr feine Farbe, und alles für mich allein! Aber wissen S' was? Das Ultraplus-Erlebnis, das ist der Balkon! Wenn's net grad so saukalt ist, dann mach ich die Fenster auf und geh raus ins Freie.“

Doch nicht alles ist so großartig, wie es scheint: „Das einzig Schiache, womit die uns abspeisen wollen, das sind die grauslichen Resopal-Tische. Resopal für die Alten! Hamma scho gern. Aber ka Wunder! Wir zittern ja, wemma die Supp'n essen.“

Das Pflegewohnhaus in der Leopoldstadt - vom Begriff Geriatriezentrum möchte sich der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) distanzieren - ist das erste von insgesamt acht Neubauprojekten, die im Rahmen des neuen Wiener Geriatriekonzepts bis 2015 umgesetzt werden sollen. Helmut Wimmer, Architekt des bunten Hauses, spricht mit dem Standard über Integration, Roboter und menschliche Streicheleinheiten.

Standard: Resopal für die Alten?

Wimmer: Manche Kompromisse lassen sich nicht vermeiden. Ja, dann gibt's halt Resopal auf den Tischen. Aber genau aus diesem Grund wurde ja das Wiener Geriatriekonzept ins Leben gerufen: Auf diese Weise wollen wir den alten Mief loswerden! Bei der neuen Generation von Pflegewohnheimen ziehen Architekten und KAV an einem Strang und machen alles Erdenkliche, um das Wohnen im hohen Alter so bequem, so vertraut und so normal wie nur möglich zu gestalten.

Standard: Und das wäre?

Wimmer: In erster Linie müssen die Wohnheime schön sein. Das klingt zwar banal, ist aber ein extrem wichtiger Faktor. In zweiter Linie geht es darum, sich konzeptionell zu überlegen, wie man in Zukunft mit alten und hochbetagten Menschen umgehen möchte. In einem Punkt sind sich Architekten und KAV einig: Weg vom Stadtrand, rein in die Stadt! Ich denke, es ist wichtig, dass man mitten im Stadtgeschehen zu Hause ist und womöglich den Lärm am Spielplatz und das Klingeln der Straßenbahn mitbekommt - und nicht isoliert auf irgendeiner stillen Waldlichtung sitzt.

Standard: Oft hört man in diesem Zusammenhang auch den Begriff Integration. Das bedeutet?

Wimmer: Im Pflegewohnheim Leopoldstadt haben wir eine Gartenverbindung zum angrenzenden Kindergarten. Durch den direkten Zugang soll sichergestellt werden, dass die Senioren und Kinder hin- und herspazieren können, ohne dabei auf die Straße hinausgehen zu müssen.

Standard: Klingt gut. Aber funktioniert das in der Praxis auch?

Wimmer: Bei der Eröffnung im September sind die Kinder und alten Leute zusammen aufgetreten und haben miteinander gesungen. Da hat's geklappt. Das Personal in den beiden Einrichtungen ist sehr engagiert. Ich bin überzeugt, dass es auch in Zukunft gemeinsame Aktivitäten geben wird.

Standard: Das Heim, in dem wir gerade sitzen, fasst über 300 Betten. Ist das noch eine wohnliche Dimension? Oder schon eine Bettenmaschine?

Wimmer: Die Größe ist ein wichtiger Punkt. Die wirtschaftliche Untergrenze von Pflegewohnheimen liegt bei 240 Betten pro Haus. Alles andere ist aufgrund personeller Besetzung nicht finanzierbar. Die Aufgabe eines Architekten besteht darin, diese große Zahl an Betten so locker und so natürlich unterzubringen wie nur möglich, damit der Eindruck einer riesigen Pflegemaschine gar nicht erst aufkommt. Hier in der Leopoldstadt haben wir eine Art Haus-in-Haus-Prinzip angewandt. Das heißt: Das gesamte Heim ist in viele kleinere Einheiten aufgeteilt. Es gibt Gassen und Plätze, zudem ist jede Zimmergruppe in einer eigenen Farbe gehalten. Diese bunten Häuser, die mehr oder weniger in den Gang hineinragen, sind auch an der Fassade ablesbar.

Standard: Die Bevölkerung wird immer älter. Allein in Wien sind rund acht Prozent der Einwohner älter als 75. Wie muss die Baubranche auf diesen Umstand in Zukunft reagieren?

Wimmer: Einerseits geht es um die Schaffung von Pflegeplätzen, wie das ja schon angedacht ist. Bis 2015 soll die Zahl der Pflegebetten in Wien auf knapp 20.000 aufgestockt werden. Aber natürlich ist das nur ein kleiner, ganz kleiner Bestandteil. Die Hauptarbeit müssen wir Architekten im ganz normalen Wohnbau leisten. Das Zauberwort lautet soziale Nachhaltigkeit.

Standard: Das heißt?

Wimmer: Modulare Wohnungen, die zusammengelegt und wieder getrennt werden können, Sollbruchstellen in Wohnungstrennwänden sowie flexibel gestaltbare und bespielbare Grundrisse. Die Erfahrung der letzten 20, 30 Jahre hat gezeigt, dass das Bauen mit Gipskarton bei weitem nicht so flexibel ist, wie Architekten und Bauträger immer behaupten. Eine Gipskartonwand zu versetzen, das ist eine Riesen-Baustelle für jeden Bewohner! Das kann unmöglich die Lösung sein. Wer glaubt, der Wohnbau sei bereits zu Ende gedacht, der irrt.

Standard: Wohnen im Alter - wie wichtig sind dabei neue Technologien?

Wimmer: Ich kann gerade mal den Computer einschalten! Aber Spaß beiseite. Es sind bereits Bodenbeläge in Entwicklung, die mit speziellen Drucksensoren ausgestattet sind. Sobald jemand stürzt und die Sensoren die Kontur einer liegenden Person erkennen, werden automatisch Heimhilfe oder Rettung verständigt. Ich finde das großartig, denn das sind Maßnahmen, die es alten und gebrechlichen Personen ermöglichen, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben zu können. Das ist genau das, was sich die meisten alten Menschen wünschen. Gleichzeitig ist das natürlich auch ein volkswirtschaftlicher Gewinn, denn eine einmalige Investition in so eine Technologie ist billiger als eine Langzeitpflege zu Hause und viel billiger als ein Bett in einem Pflegewohnheim.

Standard: Wann werden solche Technologien spruchreif sein?

Wimmer: Das sind sie schon! Ich war unlängst Jurymitglied bei einem Wettbewerb in Salzburg. Da ging es um altersgerechtes Wohnen. In den Ausschreibungsunterlagen waren genau solche Technologien gefordert. Wir stehen kurz davor, dass das Alltag wird.

Standard: In einem Pflegewohnheim in der Nähe von Stuttgart sind seit kurzem Roboter, sogenannte „Care-O-Bots“, im Einsatz. Sie teilen in der Früh die Post aus, sammeln schmutzige Wäsche ein und grüßen freundlich.

Wimmer: Ganz ehrlich, das halte ich für maßlos übertrieben. Technische Unterstützung schön und gut, aber am Ende des Tages zählen ein paar Streicheleinheiten vom Pfleger, von der Pflegerin mehr als ein blödes Hallo vom Roboter. Den Menschen wird man nicht ersetzen können.

Standard: Wie möchten Sie in 20, 30 Jahren leben?

Wimmer: Wenn ich es mir wünschen kann, dann im Kreise meiner Familie. In Wirklichkeit kann man nicht beeinflussen, wo das Schicksal einen hintreiben wird. Und wer weiß, ob ich eines Tages nicht selbst in so einem Pflegewohnheim landen werde.

9. Oktober 2010 Der Standard

Stadt, mach Platz!

Wie öffentlich ist der öffentliche Raum? Preisgekrönte Beispiele aus Europa - und eine Ausstellung in Wien.

Es gibt lebensbejahendere Orte als Magdeburg. Die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt ist gebeutelt von schrumpfender Bevölkerung und hoher Arbeitslosigkeit. Besonders dramatisch ist die Situation im südlichen, grau und beige getünchten Stadtteil Salbke. Arbeitslosenrate 20 Prozent, Gebäudeleerstand in den einzelnen Straßen zwischen 25 und 80 Prozent. Der Vandalismus entsteht in diesem Reagenzglas der Traurigkeit ganz von allein.

Doch seit kurzem hat Salbke einen neuen, einen grünen Hoffnungsschimmer. Wo einst die Stadtbücherei gestanden hatte, bevor sie mitsamt ihrem Bücherbestand in den Achtzigerjahren niederbrannte, befindet sich heute ein ungewöhnliches Mischding zwischen Architektur, Kunstinstallation und kleiner, aber feiner Parklandschaft.

Kinder sitzen auf den Holzbänken und blättern in irgendwelchen Büchern, Jugendliche hocken in verglasten Nischen und zünden sich eine Zigarette an, Mütter machen Pause von einem schubreichen Spaziergang mit Kinderwagen und Knirps. Und nein, das sind keine bezahlten Statisten fürs Foto, sondern ganz normale Magdeburger auf ihrem mal zufälligen, mal routinierten Weg durch die Stadt.

Das Projekt des Leipziger Architekturbüros Karo (in Zusammenarbeit mit Architektur+Netzwerk) scheint jedoch nicht nur die lokale Bevölkerung anzusprechen. Auch die Jury des European Prize for Urban Public Space, der alle zwei Jahre vom Centre of Contemporary Culture of Barcelona (CCCB) vergeben wird, zeigte sich von dieser öffentlichen Piazza regelrecht beeindruckt und zeichnete sowohl die Architekten als auch die Kommune Magdeburg als Auftraggeberin mit dem ersten Preis aus - ex aequo übrigens mit dem Osloer Opernhaus von Snøhetta Architekten.

„Die Freiluftbibliothek in Magdeburg ist ein sehr unvoreingenommenes Projekt“, sagt der spanische Architekt Rafael Moneo, der heuer den Juryvorsitz innehatte. „Es zeigt ein gewisses Desinteresse am allgemeinen Verständnis von Formensprache, und doch - oder vielleicht gerade deshalb - öffnet sich das Projekt für viele unterschiedliche Nutzungen und breit gefächerte Kulturaspekte.“

Begonnen hatte alles mit einer unscheinbaren Postkarten-Aktion, in der die Bevölkerung aufgefordert wurde, Bücher zu spenden, um die literarische Wissenslücke im kollektiven Gedächtnis nach 20 Jahren ohne eigene Stadtteilbibliothek endlich wieder zu schließen. Als der neue Bücherbestand auf mehr als 10.000 Stück angewachsen war, wusste niemand, wohin mit dem ganzen Zeug. Also beschlossen die Magdeburger, aktiv zu werden, und beantragten gemeinsam mit den Architekten einen Forschungsantrag beim Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung. Dem wurde stattgegeben.

Es folgte ein intensives Partizipationsprojekt mit vielen Besprechungen und ebenso vielen Entwurfseskapaden, die mal laienhaft Banales, mal überraschend Cleveres zu Tage brachten. Danach wurde die ausgewählte Siegerzeichnung direkt vor Ort dreidimensional simuliert. „Die Dinge haben sich perfekt gefügt“, sagt Architekt Stefan Rettich. „Ein Getränkehändler hat uns 1000 Bierkisten zur Verfügung gestellt, und so konnten wir ein 1:1-Modell des Entwurfs errichten. Das war ein einfacher, aber immens wichtiger Schritt in diesem Prozess.“

Im Sommer 2009 wurde die Freiluftbibliothek schließlich in die Realität umgesetzt - mitsamt zahlreichen Sitznischen, wetterfesten Büchervitrinen sowie einem teils offenen, teils geschlossenen Bühnenturm für diverse Lesungen, Band-Auftritte und Theater-Aufführungen des benachbarten Kindergartens. Die charakteristischen Aluminium-Waffelpaneele an der Fassade stammen von einem alten, bereits abgerissenen Horten-Kaufhaus aus den Sechzigerjahren.

„Die Bevölkerung hat sich gewünscht, dass bei diesem Bau Materialrecycling zur Anwendung kommt“, meint Rettich. „Bevor die Baubehörde überhaupt noch die Bewilligung erteilt hat, hatten die Leute die Alukassetten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion bereits um ein paar Tausend Euro gekauft. Da sieht man, wie sich so ein Projekt in kürzester Zeit verselbstständigen kann!“ Die Baukosten für das ungewöhnliche Wahrzeichen in Magdeburg-Salbke belaufen sich auf 325.000 Euro.

Die Häuser sind für alle da

Dieses und viele andere Projekte im öffentlichen Raum sind ab kommender Woche in einer Ausstellung im Architekturzentrum Wien zu sehen. Platz da! European Urban Public Space präsentiert zum einen die diesjährigen Preisträger des CCCB-Wettbewerbs, setzt sich zum anderen ganz allgemein mit der Frage auseinander: Was ist öffentlicher Raum?

„Das Verständnis hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt“, sagt die Ausstellungskuratorin Andrea Seidling. „Unter öffentlichem Raum hat man früher vor allem Garten- und Landschaftsprojekte verstanden. Mit den beiden erstplatzierten Projekten 2010, der Freiluftbibliothek in Magdeburg und der Oper in Oslo, sieht man ganz gut, wie sich der gesellschaftliche Freiraum immer mehr in die Architektur verlagert.“ Oder aber: „Wie die Bevölkerung immer häufiger Nutzungsansprüche an ihre gebaute Umwelt stellt.“

Die exakte Definition öffentlichen Raums sei vor allem eine Frage der Kultur und der gesellschaftlichen Traditionen im jeweiligen Land. Seidling: „Öffentlichkeit und Privateigentum haben in der Türkei einen anderen Stellenwert als etwa in Skandinavien. Daher wird auch das, was man unter einem öffentlichen Platz in der Stadt versteht, von Land zu Land variieren.“

Nur eines könne man mit Sicherheit sagen: „Österreich und da vor allem Wien haben zum öffentlichen Freiraum ein ziemlich gestörtes Verhältnis. Die Gründe dafür gehen zurück bis zum Polizeistaat Metternichs, in dem die Bespitzelung in der Öffentlichkeit an der Tagesordnung war. Lieber als auf dem Platz hat man sich damals im Caféhaus oder im Salon getroffen.“

Die Folgen dieses gesellschaftlichen Rückzugs sind bis heute zu sehen. Der einzige gut funktionierende öffentliche Freiraum in ganz Wien ist das revitalisierte Museumsquartier. Und dabei handelt es sich streng genommen nicht einmal um eine öffentliche Fläche, sondern um Privateigentum.

Das Dilemma mit dem Verkehr

„Von solchen Projekten wie in Magdeburg oder in Oslo kann man in Österreich nur träumen“, sagt die Kuratorin. „Und das ist schade, denn zu einem erfüllten Leben gehört nicht nur eine intakte Privatsphäre, sondern auch ein entsprechend gut funktionierender öffentlicher Raum. Hier treffen wir uns, hier nehmen wir am städtischen Leben teil, hier können wir die Möglichkeit wahrnehmen, unsere Meinung frei zu äußern.“

Warum das Spiel mit der Öffentlichkeit in Österreich partout nicht funktionieren will, liegt aber nicht nur in der Geschichte begründet, sondern hat auch mit der Gesetzeslage zu tun. „Laut Gesetzbuch definiert sich der öffentliche Raum in erster Linie über den Verkehr“, sagt der auf Öffentlichkeitsfragen spezialisierte Rechtsanwalt Axel Anderl von der Wiener Kanzlei Dorda Brugger Jordis. „Das ist zwar nachvollziehbar, im Grunde genommen aber ziemlich skurril.“

Wenn der Verkehr in der Diskussion immer wieder als Totschlagargument herhalten muss, braucht man sich über die Freiraumqualität in diesem Land nicht zu wundern. „Ich bin mir gar nicht so sicher, ob man das Problem juristisch in den Griff kriegen kann“, meint Anderl. „Hier ist die Politik gefordert. Doch solange wir in jedem Bezirk einen eigenen Bezirkskaiser haben, der lediglich seine eigenen Interessen durchboxen will, wird sich das Dilemma nicht ändern.“

Der öffentliche Raum in Österreich gehört bis auf weiteres dem Auto. Auch das ist Ausdruck von Kultur.

6. Oktober 2010 deutsche bauzeitung

Ein Schiff auf Stelzen

Sommerhaus in Klosterneuburg

Die historische Strandbadsiedlung liegt mitten im Überschwemmungsgebiet der Donau. Die Bauaufgabe, dort einfache und erschwingliche Wochenendhäuser auf Stelzen zu bauen, wird von jeder Generation neu interpretiert. Das jüngst dort entstandene Sommerhaus auf einer Grundfläche von gerade einmal 35 m² wirkt trotz dem äußerst ökonomischen Umgang mit Raum und Material nicht billig und holt den Charme des Ortes bis tief hinein in die wohlproportionierten Wohnbereiche.

Die Strandbadsiedlung in Klosterneuburg, wenige Kilometer nördlich von Wien, blickt auf eine stolze Geschichte zurück. Mitten im Überschwemmungsgebiet der Donau siedelten sich in den 20er Jahren ruhebedürftige Wochenendemigranten aus der Großstadt an, die die Nähe des Wassers mit all ihren Nachteilen zu lieben und zu schätzen wussten. Die nassen Eskapaden der Natur ließen einen Bautypus gedeihen, der bis zum heutigen Tag nur hier vorzufinden ist und nirgendwo sonst in Österreich: das Kleingartenhaus auf Stelzen. Durch die mehrmalige Wiederkehr von Jahrhundert-Hochwassern fällt die clevere Vorausplanung der alten Tage allerdings ins Wasser: Die meisten der angehobenen Häuschen befinden sich schlichtweg zu nah am Boden. Wenn mehrmals im Jahr ungebetene Gäste ins Haus schwimmen, drängt sich die Frage auf, ob die gewählte Bauform wirklich die richtige ist. Marion Weiss-Döring weiß, wovon sie spricht. »Bei Hochwasser hatten wir regelmäßig die Donau im Wohnzimmer«, erinnert sich die 38-jährige Bauherrin. »Obwohl wir das Grundstück mit der primitiven Wochenendhütte darauf nur gekauft haben, um darin ein paar ruhige Stunden zu verbringen, haben wir uns hier nicht wahnsinnig wohl gefühlt.« Eines Tages war eine Entscheidung fällig. Umbauen und erweitern? Oder doch lieber abreißen? Es siegte der Drang nach Neubeginn.

Auf einer Grundfläche von nur 35 m² komponierte das kleine Wiener Architekturbüro Schuberth und Schuberth ein kleines Konglomerat aus hölzernen Kisten zu einem nahezu vollwertigen Haus mit gerade einmal 56 m² Nutzfläche. »Die Bauvorschriften im Hochwasserschutzgebiet sind streng und kompliziert«, sagt Johanna Schuberth. Während für die baurechtliche Bewilligung der beiden Wohngeschosse die Baubehörde zuständig war, unterliegt das UG dem Wasserrecht. Für die Architekten bedeutete das doppelte Arbeit. Trotz seiner überschaubaren Größe musste das Projekt zwei vollständige, voneinander getrennte, Verfahren durchlaufen.

Auch optisch hat das Oben mit dem Unten nur wenig zu tun. »Vieles an diesem Entwurf war vorgegeben«, sagt Schuberth. »Die architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten im Sockel sind gering. Hier unten regiert das Wasser.« Der wasserdichte Betonsockel, in den die Architekten das Bad integrierten, darf maximal 3 m breit sein und muss parallel zur Fließrichtung der Donau liegen – eine Vorsichtsmaßnahme für den Hochwasserfall. Auch bei der außenliegenden Treppe war gestalterisches Geschick gefragt. Um den Strom nicht zu behindern, musste auf Geländerfüllungen und Setzstufen verzichtet werden. Allein diesen Sommer gab es bereits vier Überschwemmungen. Bei einer Jahrhundertflut wie 2002 reicht das Wasser bis knapp unter die Bodenplatte der Wohnebenen. Man ist gewappnet: Unter dem Haus steht das gelbe Schlauchboot bereit.

Einfach – Durchdacht – Punktgenau

Ab dem 1. OG ist das schlichte Gebäude – es würde glatt als Vorarlberger Projekt durchgehen – an der Außenseite mit vertikalen Lärchenlatten bekleidet. Innen hingegen, wo eine zusätzliche Bekleidung nicht nötig war, zeigt es sein wahres Gesicht. Dreischichtplatten aus Sperrholz prägen Wand und Decke, verleihen dem Haus einen angenehm harzigen Geruch – sie werden demnächst noch ein letztes Mal geölt. »Wir wollten die Konstruktion so belassen, wie sie ist«, sagt Johanna Schuberth. »Das hat in dem Fall aber nicht nur etwas mit der vielzitierten Materialauthentizität zu tun, sondern ist vor allem ein Kostenfaktor. Das Material hat den Vorteil, dass der gesamte Innenraum bis zur letzten Schicht zimmermannsmäßig fertiggestellt werden kann – ohne zusätzliche Bekleidung und dementsprechend günstig.«

Aufgrund der freundlichen und natürlichen Gestalt wirkt das Wohngeschoss trotz seiner beschränkten Grundfläche von nur 35 m² luftig und hell. Nicht einmal die niedrige Raumhöhe von 2,10 m unter der gedämmten Terrasse beziehungsweise von 2,28 m unter der unverkleideten Geschossdecke fällt unangenehm ins Auge. Von Klaustrophobie keine Spur. Ganz im Gegenteil: Die Proportionen passen, die Atmosphäre ist angenehm, der räumliche Gesamteindruck ist eine ausgewogene Gratwanderung zwischen gläserner Offenheit und nischenhafter Intimität. Meistens aber halten sich Marion Weiss-Döring, ihr Mann und die beiden Söhne Luis (3) und Kilian (6) draußen auf der Terrasse auf. »Aber wenn es kühler wird, dann setzen wir uns oft zu viert ins Wohnzimmer und schauen raus in die Natur. Die Stimmung ist einfach perfekt.«

Im Küchenerker, der wie eine Kommandobrücke über dem Garten schwebt, lässt sich das Fenster vor dem Herd per Gasdruckfeder vollflächig nach oben klappen und erzeugt dadurch ein gewisses Open-Air-Feeling. Draußen auf der Terrasse entsteht gleichzeitig ein partieller Witterungsschutz. Detail am Rande: Sobald es regnet, wird das Fenster zugeklappt. Dann packen Mann und Frau an und tragen den Esstisch durch die 1,20 m breite Eingangstür ins Wohnzimmer. »Das haben wir uns von Anfang an so gewünscht«, sagen sie. »Wer braucht in so einem kleinen Haus schon zwei Tische? Es reicht einer für drinnen und draußen.«

Charmant gelöst sind auch die üblicherweise störenden Revisionsöffnungen und Zählerkästen. Sie sind ebenfalls aus Holz und millimetergenau in den Rohbau des Hauses hineingefräst. Der taubenblaue Kautschukboden mit seiner charakteristischen, haptisch angenehmen Hammerschlagoberfläche soll den Architekten zufolge an die Nähe des Wassers erinnern. Und der graue Naturfilz vor den Garderobennischen ist Marke Eigenbau. Statt das Geld für kostspielige Beschläge auszugeben, wurde eine Studentin von der Universität für Angewandte Kunst in Wien mit den Näharbeiten beauftragt. »Viele Detaillösungen an diesem Haus sind einzigartig«, sagt der Architekt Gregor Schuberth. »Mit einem herkömmlichen Handwerkerbetrieb kann man so etwas kaum durchführen. Hier braucht es Witz, Engagement und Risikobereitschaft.«

Wie z. B. auch beim Möbelbau. Aufgrund des einfachen additiven Systems des Gebäudes konnten sämtliche Betten und Schranknischen direkt vom Zimmermannsbetrieb mitgemacht werden. Dadurch konnte man auf wesentlich teurere Möbeltischlerarbeiten verzichten. Schuberth: »Auch für den Zimmermann war das eine Premiere. Noch nie mussten seine Leute so genau arbeiten wie hier auf dieser Baustelle. Es hat geklappt.« Umso unverständlicher angesichts der sonst vorherrschenden Schlichtheit sind die blau gebeizten Holzflächen im Treppenbereich. Das ist eine oberflächliche Behübschungsmaßnahme, die das Haus wahrlich nicht nötig hat. Auch die Skepsis der Bauherrin der Farbe gegenüber hat sich noch nicht ganz gelegt.

Durch ein Treppenhaus mit diffusem Tageslicht-Adagio geht es hinauf ins 2. OG. Die Seitenwände entlang des Stiegenlaufs sind mit 4 cm dicken Stegplatten verkleidet. In bauphysikalischer Hinsicht entspricht der sechs Kammern starke Bauteil einer herkömmlichen Zweischeiben-Verglasung. Baubehörde und Nachbarschaft sind zufrieden. Die einen erhalten einen Plan mit allen baurechtlichen Konformitäten, die anderen eine abendliche Laterne mit weiss-döringschem Schattenspiel.

Oben wird es noch kompakter. Die beiden Schlafkojen für die Eltern sowie die beiden Kinder messen je 6 m² und wurden um die Betten herumgeplant. Nirgends geht 1 cm² verloren, alles ist bis zur letzten Fuge mit Nachtkästchen, fahrbaren Laden und wenigen, aber geschickt platzierten Steckdosen ausgestattet. Die Bauherrin erinnert sich: »Bei Betrachten der Pläne haben wir uns ständig gefragt, wie man auf so kleinen Flächen zurechtkommen kann.« Man kann. Dank der Raumhöhe von 2 m und den schmalen Oberlichtern wähnt man sich in einer gemütlichen Schiffskajüte. Stimmiger kann eine Metapher nicht sein.

Noch ist das Haus der Familie Weiss-Döring ein Kleingartenhaus für sommerliche Nutzung. Doch der Bau ist so konzipiert, dass eine winterfeste Nachrüstung mit frostsicheren Zuleitungen und einer zusätzlichen Wärmedämmung jederzeit möglich ist. Sobald das Haushaltsloch gestopft ist, bekommt das Haus Mütze und Schal umgebunden.

5. Oktober 2010 Der Standard

Johannes Spalt 1920-2010

Zum Tod des großen Wiener Architekten

Am 29. September feierte Johannes Spalt seinen 90. Geburtstag. Freunde und Kollegen beehrten den Wiener Architekten, der zu den bedeutendsten Vertretern der österreichischen Nachkriegsmoderne zählt, mit Buchpräsentation und Fest. Alles war perfekt. Fast alles. Es war ausgerechnet das Geburtstagskind, das seiner eigenen Feier aus gesundheitlichen Gründen fernbleiben musste. Vorigen Samstag ist Johannes Spalt an den Folgen eines Schlaganfalls in seiner Wiener Innenstadtwohnung gestorben.

1920 in Gmunden geboren, macht Spalt zunächst eine Ausbildung als Maurer und studiert danach Architektur an der Staatsbauschule in Salzburg sowie bei Altmeister Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Es ist das Jahr 1951, als Spalt beschließt, gemeinsam mit seinen Studienkollegen Wilhelm Holzbauer, Friedrich Kurrent und Otto Leitner die erste Architekten-Boygroup des Landes zu gründen.

Um bei öffentlichen Wettbewerben nicht sofort als Jungspunde entlarvt zu werden, verstecken sich die vier hinter einem „teutonischen Kunstnamen“ (O-Ton Kurrent) und nennen sich fortan „arbeitsgruppe 4“.

Die schlaue Strategie trägt Früchte. Bald folgen die ersten Erfolge. Zwar können die Wettbewerbe nicht die gewünschten Siege einbringen, aber doch zumindest gut bezahlte zweite und dritte Plätze sowie ein paar lukrative Ankäufe.

Spalt, der unter seinen Kollegen stets als kritischer Geist und Neinsager galt, verfasste nicht nur theoretische Texte über die Auseinandersetzung mit der Moderne, sondern trat mit den gemeinsam errichteten Bauwerken - darunter etwa die Pfarrkirche Salzburg-Parsch (1956), das Kolleg St. Josef in Salzburg-Aigen (1964) sowie eine Z-Bankfiliale in Wien-Floridsdorf (1974) - den Beweis an, dass er seinen Prinzipien auch in der Praxis treu bleiben konnte.

Nachdem sich die arbeitsgruppe 4 im Jahr 1974 auflöst, widmet sich Spalt noch feineren, noch ausgetüftelteren Projekten. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Möbelentwürfe für Wittmann sowie die beinahe japanisch anmutende Salvatorkirche am Wienerfeld in Wien-Favoriten (1979). Letzte Woche erschien im Residenz Verlag das Buch Johannes Spalt. Wahlverwandtschaften. Der wichtige Wegbereiter der österreichischen Nachkriegsmoderne, der von 1975 bis 1979 auch Rektor der Hochschule für angewandte Kunst war, hielt sein gebundenes Geburtstagsgeschenk noch fest in den Händen. Johannes Spalt wird in seinem Geburtsort Gmunden beigesetzt.

2. Oktober 2010 Der Standard

Der Kampf der grünen Materie

Letzten Samstag kamen Landschaftsarchitekten aus aller Welt nach Langenlois. Anlass war die Siegerehrung der „best private plots“.

Von außen ist dem Haus seine grüne Schlucht nicht anzusehen. In japanischer Manier presst sich der schmale Bau in seine Umgebung aus Einfamilienhäusern und Beton. Keine zehn Meter breit, rücken ihm links und rechts bereits die Nachbarn auf die Pelle. „Die Aufgabe war nicht leicht“, sagt der japanische Landschaftsarchitekt Zenjiro Hashimoto. „Mein Kunde wollte unbedingt einen dichten, dunklen und moosbewachsenen Wald, in den er sich zur Erholung zurückziehen kann.“

Den hat er auch gekriegt. In der Mittagspause, wenn der Zahnarzt seine Praxis für ein kurzes Stündchen schließt, setzt er sich hinaus in den Wald und denkt nach über den Sinn des Lebens. Auf einer Breite von exakt 150 Zentimetern beinhaltet der künstlich angelegte mori nicht nur zahlreiche Gräser, Sträucher und Bäume, sondern auch einen kleinen Bach, in dem sich der Zahnarzt sogar ein Fischlein hält.

Letzten Samstag wurde Hashimoto aus der Präfektur Hiroshima nach Österreich eingeflogen und nahm in Langenlois beim internationalen Gartenwettbewerbs best private plots 2010 für seinen ungewöhnlichen Entwurf den 1. Preis entgegen.

„Privater Freiraum ist nicht nur ein unschätzbarer Luxusartikel, sondern auch Ausdruck von Kultur“, sagt die Wiener Landschaftsarchitektin Karin Standler. Bereits zum vierten Mal trommelte die Organisatorin heuer Freiraumplaner und Landschaftsarchitektinnen aus aller Welt zusammen und lud zum Wettbewerb mitsamt prominent besetzten Symposium - darunter etwa Neil Porter (London), Xavier Perrot (Paris) und Bart Brands vom holländischen Landschaftsplanungsbüro karres en brands (siehe Interview).

Gesponsert wird die Veranstaltung vom Land Niederösterreich. „Gerade in Österreich ist der Anteil an Privatgärten sehr hoch“, meint Standler. Da sei es nur gut und recht, wenn man sich an der Welt ein Beispiel nehme und auf hohem Niveau über Qualität und Nichtqualität diskutiere.

Die Kunst der Sachzwänge

Während der erste Preis unter insgesamt 72 Einreichungen an ein minimales Projekt mit maximalen Flächenzwängen ging, rangieren auf den Plätzen zwei und drei zwei herrschaftliche Anwesen in der Westschweiz und in Sonoma Valley, USA.

Ausgangspunkt in Le Very war ein altes Gehöft aus dem 19. Jahrhundert. „Einerseits wollten wir das historische Erscheinungsbild des Gebäudes bewahren, andererseits geht es um moderne Wohnbedürfnisse ohne Kompromiss“, sagt der Schweizer Landschaftsarchitekt Augusto Caldoner. „Das zeigt sich allein schon an der Frage: Wie schaffe ich einen Weg zum Haus, ohne dabei das Gebäude in seiner Eigenständigkeit zu stören? Ich denke, wir haben das Problem gut gelöst.“

Auch die dritte Preisträgerin, Andrea Chochran, musste mit den Zwängen vor Ort arbeiten. Den bestehenden Bauwerken setzte die Kalifornierin mediterrane Gräser entgegen: „Im Winter, wenn das Gras niedrig ist, sind die Häuser mächtig und groß. Im Sommer hingegen, wenn es alles blüht und gedeiht, verschwindet die Architektur hinter einem Schleier aus Grün.“ Das spannende Spiel zwischen toter und lebendiger Materie ist eröffnet.

2. Oktober 2010 Der Standard

Natur? Eine Frage der Sozialarbeit

Der niederländische Landschaftsarchitekt Bart Brands über Lifestyle, Bürokratie und dreckige Fingernägel

Standard: Wo steht die europäische Garten- und Landschaftsarchitektur im Jahr 2010?

Brands: Für viele Leute ist der Garten eine Art Statussymbol geworden. Je größer der Garten, je teurer die Outdoor-Küche, je blauer der Swimming-Pool, desto besser. Das ist ein richtiger Wettstreit unter Nachbarn. Doch es gibt noch einen ganz anderen Trend, der mir viel besser gefällt: Leute verwenden den Garten als verlängertes Wohnzimmer und gleichzeitig als eine Art grünen Zufluchtsort, an dem sie ihr eigenes Gemüse anpflanzen. Sogar Michelle Obama macht das! Der Garten ist also Symbol für eine Rückbesinnung zur Natur.

Standard: Sie sind ...?

Brands: Ich bin der mit dem Dreck unter den Fingernägeln, der sich nach der Gartenarbeit die Hände nicht gewaschen hat. Der Garten als Designstück - das ist mir zuwider.

Standard: In Ihrem Vortrag meinten Sie, dass Landschaftsarchitekten zusehends zu Dirigenten und Regisseuren werden. Was meinen Sie damit?

Brands: Früher hat man einen Entwurf gemacht, der wurde realisiert, und das war's. Das ist heute anders. Ich beobachte, dass immer mehr Landschaftsarchitekten eine Art interaktives Drehbuch schreiben. Das heißt: Sie realisieren zunächst einmal einen ersten Rohentwurf und schauen sich an, wie der Grünraum von der Bevölkerung angenommen wird. Erst danach reagieren sie darauf und stellen den Entwurf fertig. Man sieht daran, ganz gut, welchen Einfluss ein Garten auf die Menschen hat - aber natürlich auch umgekehrt.

Standard: Woher kommt dieser Wunsch nach Partizipation?

Brands: Es mag eigenartig klingen, aber es ist wahr: Die eigentliche Initiative geht von den Sozialarbeitern aus. Immer wieder sind sie es, die an Gemeinden und Planer herantreten und appellieren, endlich einmal ein Gemeinschaftsprojekt mit der Bevölkerung zu realisieren. Mittlerweile hat sich das Thema verselbstständigt. Wir nennen das Social Engineering - ein furchtbares Wort.

Standard: In der Architektur gab es das System Partizipation schon vor 30 Jahren. Und es ist gescheitert!

Brands: Und wissen Sie, warum? Weil die Architekten damals die Verantwortung komplett an die Bürger abgegeben haben! Und das funktioniert nicht! Teilhabe bedeutet, wie der Name schon sagt, dass die Bevölkerung am Planungsprozess teilhat. Mehr ist es nicht. Der Planer muss die Zügel in der Hand behalten.

Standard: Leidsche Rijn, ein von Ihnen entwickelter und in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung entstandener Park in den Niederlanden, wurde zerstört und umgebaut, noch bevor er überhaupt fertig war. Was ist passiert?

Brands: Wir haben einen Park entworfen, an dem wir mit den Leuten vor Ort kontinuierlich weiterplanen und weiterbauen wollten. Vegeblich. Das Problem war, dass Planungsabteilung, Bauabteilung und Abteilung für Erhaltung und Pflege nicht miteinander kommuniziert haben. Solche Projekte scheitern daran, dass es in den Ämtern schlimmer zugeht als vor hundert Jahren.

Standard: Was passierte danach?

Brands: Die Gemeinde musste das Projekt neu ausschreiben. Das Resultat ist ein klassischer Park nach klassischer Methode - da kennen sich die Beamten aus.

Standard: Die Abteilungen sind in den meisten Städten getrennt. Wie kann man das Problem lösen?

Brands: Ein innovatives Projekt innerhalb einer verkrusteten, altmodischen Struktur zu realisieren ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die einzige Möglichkeit ist, in solchen Fällen beispielsweise eine übergeordnete Ebene zu installieren, die für Planung, Bau und Erhaltung gleichermaßen verantwortlich ist.

Standard: Wo sehen Sie den öffentlichen Raum in 50 Jahren?

Brands: Öffentlicher Grünraum in der Stadt wird immer wichtiger. Die telekommunikativen und virtuellen Räume werden immer größer, gleichzeitig haben die Menschen kaum noch realen Platz für die Pflege ihrer sozialen Beziehungen. Sich auf dem Hauptplatz zu treffen ist schon lange nicht mehr das, was es früher mal war. Überall herrscht Konsumationszwang. Nur ein Beispiel: Auf dem Markusplatz in Venedig wurden vor einiger Zeit alle Parkbänke entfernt. Wer sich heute hier hinsetzen will, muss dafür in Form eines Cappuccinos teuer bezahlen.

18. September 2010 Der Standard

Japanische Geschenke für Liszt

Kommendes Jahr feiert Raiding den 200. Geburtstag seines großen Sohnes Franz Liszt. Um die vielen Musiker adäquat unterzubringen, sollen für das Jubiläum zehn Häuser gebaut werden. Die Entwürfe kommen aus Tokio.

Im Oktober 2011 jährt sich der 200. Geburtstag des Pianisten und Komponisten Franz Liszt. Die burgenländische Gemeinde Raiding, Geburtsort Liszts mit gerade einmal 850 Einwohnern, wird zum Jubiläum fest in die Tasten hauen - sehr zum Leidwesen der Gemeinde, denn noch weiß niemand, wo man die vielen Künstler und Musiker wird unterbringen können.

Der österreichische Autor, Fotograf und Filmemacher Roland Hagenberg, derzeit in Tokio lebend, hatte die Idee zum Problem: Er addierte Heimat A und Wahlheimat B zu einem hübschen und berührenden Summenspiel namens Japan Liszt Raiding und beauftragte zehn japanische Architekturbüros - darunter auch weltweit bekannte wie etwa Toyo Ito, Kengo Kuma sowie die diesjährigen Pritzker-Preisträger Sanaa - mit der Planung von temporären Künstlerunterkünften. Die Entwürfe sind derzeit im Architekturzentrum Wien (AZW) zu sehen. Geht alles nach Plan, sollen die japanischen Ideen kommenden Sommer in die Realität umgesetzt werden.

„Auf Gedeih und Verderb liefern sich zehn Tokioter Architekten dem Land aus“, sagt Hagenberg. „Die Latte liegt hier eindeutig höher als in der anonymen Großstadt.“ Architekt Terunobu Fujimori zeigt sich von der Strenge der Pampa völlig unbeeindruckt. Mit Humor und Selbstironie befestigt er eine Art Nussschale auf einem Seil. Betreten werden die kleinen Domizile in Form von Obst und Gemüse jeweils über eine Leiter. Tezuka Architekten planen ein schlichtes Haus mit Bett und Klavier, bei dem man das Dach, einem Konzertflügel gleich, nach oben aufklappen kann. Und Jun Aoki träumt von einem Haus aus altem, vergilbtem Pergamentpapier. Das ist Nippon.

„Wir werden alles Erdenkliche tun, um das Projekt zu realisieren“, meint Bürgermeister Markus Landauer (ÖVP). „So eine Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen.“

11. September 2010 Der Standard

Autobahn, marsch!

Vor zehn Jahren wurden die meisten Autos aus der Innenstadt verbannt. Seitdem fährt man in Bogotá mit Bus und Rad. Der ehemalige Bürgermeister Enrique Peñalosa erklärt, warum.

Die Kolumbianer haben Humor. Mitten durch Bogotá verläuft eine 24 Kilometer lange, prächtige und von Bäumen gesäumte Stadtautobahn ohne Autos. Die hübsch gepflasterte und flüsterstill asphaltierte Straße dient ausschließlich jenen Verkehrsteilnehmern, die imstande sind, sich durch eigene Muskelkraft fortzubewegen: Fußgängern und Radfahrern.

Was sich anhört wie eine Episode zwischen Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer, ist in Wirklichkeit ein innovatives Stadtplanungsprojekt aus der Feder des ehemaligen bogotanischen Bürgermeisters Enrique Peñalosa. In seiner kurzen Amtszeit von 1997 bis 2000 legte er Straßen still, löste Parkplätze auf, errichtete Fußgängerzonen, baute hunderte Kilometer von Gehsteigen und Radwegen, pflanzte 100.000 Bäume, legte quer durch die ganze Stadt einen kilometerlangen Fußgänger- und Radfahrer-Highway und entwickelte quasi aus dem Nichts ein hochleistungsfähiges Busnetz, das heute als eines der modernsten Schnellverkehrssysteme der Welt gilt.

„Nur eine Stadt, die den Maßstab des Menschen respektiert, ist eine Stadt, in der man sich auch wirklich wohlfühlt“, sagte Peñalosa bei den Alpbacher Baukulturgesprächen, die letztes Wochenende zwischen Kuhglockengeläute und strammen Wadeln über die Bühne gingen. Gespräch mit einem Visionär.

Standard: Haben Sie ein Auto?

Peñalosa: Ich schäme mich fast, es zuzugeben.

Standard: So schlimm?

Peñalosa: Ich fahre einen gepanzerten Toyota SUV. Ich bin oft in Gegenden unterwegs, wo ich froh sein kann, einen gewissen Schutz um mich herum zu haben. Wenn man in Kolumbien als Politiker tätig ist, braucht man so etwas. In Bogotá selbst fahre ich aber fast ausschließlich mit dem Rad oder mit dem Bus. Der SUV wird eher außerhalb eingesetzt.

Standard: In Ihrer Amtszeit als Bürgermeister von Bogotá haben Sie einen Großteil der Autos aus der Innenstadt verbannt. Warum?

Peñalosa: Ich möchte nur etwas klarstellen: Ich bin kein Autohasser, aber in Kolumbien hat man manchmal das Gefühl, dass Autos mehr wert sind als alles andere. Warum? Der Grund ist sehr einfach: Nur 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung von Bogotá besitzen ein Privatauto, doch diese 25 bis 30 Prozent sind politisch und wirtschaftlich so mächtig, dass sie lange Zeit einen Großteil der öffentlichen Steuergelder für sich und ihren Komfort in Anspruch genommen haben, und zwar für den Ausbau von Straßen, für den Bau von Garagen sowie für die Errichtung von öffentlicher Infrastruktur, die meist nur mit dem Auto erreichbar war, nicht aber zu Fuß oder mit dem Bus. Hinzu kommt das stadträumliche Problem.

Standard: Das bedeutet?

Peñalosa: Bogotá hat rund sieben Millionen Einwohner. Das Stadtzentrum ist längst aus allen Nähten geplatzt, weil es nie als Autofahrerstadt konzipiert war. Die öffentlichen Flächen sind viel zu gering dimensioniert. Fazit: Überall waren Autos, überall war Stau, die ganze Stadt war zugeparkt.

Standard: Sie haben Gehsteige und Radwege errichtet, vor allem aber haben Sie sogenannte Greenways für Fußgänger und Radfahrer errichtet. Wie hat die Autofahrerlobby darauf reagiert?

Peñalosa: Zuerst haben alle geglaubt, wir bauen ein paar Radwege und machen ein paar Straßen neu. Erst mit der Zeit sind den Leuten die Ausmaße dieses Umbauprogramms klar geworden.

Standard: Wie hat sich das geäußert?

Peñalosa: Die Umfragewerte sind in den Keller gerasselt. 77 Prozent der Bevölkerung wollten mich loswerden. Manche, glaube ich, hätten mich am liebsten umgebracht. So schlechte Werte hatte sonst nur die Guerilla! Da muss man durch.

Standard: Hat Sie das wirklich so unbeeindruckt gelassen?

Peñalosa: Das kann man nun wirklich nicht sagen! Sehen Sie meine Haare? Bevor ich Bürgermeister von Bogotá geworden bin, waren meine Haare richtig schwarz. So wie man sich das von einem Südamerikaner erwartet. Drei Jahre später war alles grau. Politiker sind keine Queens of Sympathy! Das waren sie nie, und das werden sie nie sein.

Standard: Letztendlich haben Sie den Beliebtheitskonkurs aber doch noch gewonnen.

Peñalosa: Ja, am Ende meiner Amtszeit haben mich die Leute geliebt. Ich hatte 70 Prozent Zuspruch. Auch das war so viel wie noch nie. Hätte ich wieder kandidiert, ich hätte haushoch gewonnen. Aber ich wollte und konnte nicht mehr. Ich war ausgepowert.

Standard: Wie ist Bogotá heute?

Peñalosa: Unser Konzept ist aufgegangen. Danke an mein Superstar-Team! Die beiden Greenways, also der „Parque Lineal Juan Amarillo“ und die Promenade „Porvenir Alameda“, werden von der Bevölkerung bestens angenommen. Viele Leute gehen zu Fuß, und der Radfahreranteil ist von statistischen null Prozent innerhalb von wenigen Jahren auf fünf Prozent gestiegen. Immerhin. Sie müssen sich vorstellen: Ein Fahrrad, das war früher ein Arme-Leute-Gefährt. Die Leute haben sich geschämt, damit zu fahren. Heute ist das anders. Auf dem Parque Lineal können sie mit einem alten Secondhand-Rad um 40 Dollar bequem von A nach B fahren, während das 40.000-Dollar-Auto des reichen Mannes auf der Schotterstraße fahren oder im Matsch parken muss. Ich denke, dass es mit dieser attraktiven Infrastruktur gelungen ist, die Mobilität zu demokratisieren. 40 Dollar für ein Rad, das kann sich wirk-lich fast jeder leisten.

Standard: Wie wird das Bussystem angenommen?

Peñalosa: Sensationell! Wir haben uns das Bussystem von Curitiba in Brasilien abgeschaut und haben es noch weiter perfektioniert. Heute hat Bogotá mit dem knallroten Transmilenio - Farbe und Name sind übrigens immens wichtig für das Image - das modernste Bussystem der Welt. Wir kriegen regelmäßig internationalen Besuch von Politikern, Stadtplanern und Ingenieuren, die uns als Best-Practice-Beispiel heranziehen.

Standard: Was macht das Bus-system so modern?

Peñalosa: Der Transmilenio funktioniert wie eine U-Bahn. Es gibt eigene Fahrspuren für Express- und für Lokalbusse. So etwas kenne ich sonst nur von der Subway in New York. Zusammen mit den Aufenthalten in den Haltestellen haben die Busse eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h, die Expressbusse fahren sogar 50 km/h. Das ist ein Wahnsinn. Die Autos daneben stehen im Stau oder fahren im Schneckentempo.

Standard: Sie sagen das mit so einer Genugtuung.

Peñalosa: Selbstverständlich! Mit dem Transmilenio haben wir die ganze Stadt revolutioniert. Auf der Architekturbiennale 2006 in Venedig haben wir dafür sogar den Goldenen Löwen bekommen. Bogotá hat zwar noch immer einen Haufen Probleme, da gibt es nichts zu beschönigen, doch das Verkehrsproblem ist bis auf weiteres gelöst.

Standard: Wie haben Sie all diese Projekte in nur drei Jahren finanzieren können?

Peñalosa: Die Gehsteige, Radwege und Greenways haben insgesamt rund 120 Millionen Dollar gekostet. Das Bussystem hat nochmals 250 Millionen Dollar verschlungen. Das Geld kam einerseits aus den Steuern, andererseits gab es auch ein paar Private Public Partnerships. Trotzdem mussten wir noch etwas nachhelfen. Beispielsweise, indem wir die Benzinsteuer von ursprünglich fünf auf 25 Prozent erhöht haben.

Standard: Rückbau von Straßen, Vernichtung von Parkplätzen, Anhebung von Steuern - wie wird man mit so einem Programm überhaupt gewählt?

Peñalosa: Es hat ja erst beim dritten Anlauf geklappt! Bei den ersten beiden Kandidaturen 1992 und 1994 bin ich leider durchgeflogen. Letztendlich war's ganz einfach: Ich habe von Anfang an klipp und klar gesagt, wofür ich stehe und was ich als Bürgermeister gedenke zu tun. Allerdings geht kein Mensch davon aus, dass ein kolumbianischer Politiker die Wahrheit sagt und seine Versprechen hält. Kein Mensch hat mir auch nur eine Minute lang geglaubt.

Enrique Peñalosa, 1954 in Washington D.C. geboren, studierte Volkswirtschaft an der Duke University in North Carolina, USA. Danach arbeitete er in der Privatwirtschaft und in der Politik. Von 1997 bis 2000 war er Bürgermeister von Bogotá. Heute ist er Projektentwickler im Bereich Freiraum- und Verkehrskonzepte.

6. September 2010 Der Standard

Nachhaltigkeit ist eine Sache der Affen

Europäisches Forum Alpbach

Die Alpbacher Baukulturgespräche standen im Zeichen der Ökologie. Die Vortragenden waren sich einig und forderten vehement: mehr Bäume und weniger Autos in den Städten.

Ein durchschnittlicher Äthiopier bestreitet seinen Alltag mit 500 Watt. Das ist die Energiemenge von fünf altmodischen Glühbirnen. Im Vergleich dazu: Ein Europäer braucht bereits 6000 Watt, um über die Runden zu kommen, ein US-Amerikaner hingegen, damit dieser vom eisig klimatisierten, suburbanen Einfamilienhaus in die nächste Drive-in-Apotheke gelangen kann, sogar 12.000 Watt.

„Wie wir alle wissen, wird so ein großer ökologischer Fußabdruck auf Dauer nicht möglich sein“, sagte Jörg Lange im Rahmen der Alpbacher Baukulturgespräche, die am Samstag zu Ende gingen und damit - zeitgleich zu einem etwas üppiger besuchten Vortrag von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon - den Abschluss des Europäischen Forums 2010 bildeten. Die einzige Lösung laute: „Wir müssen zurück zur 2000-Watt-Gesellschaft. Nur so kann es gelingen, die Erderwärmung bis 2100 auf zwei Grad Celsius zu beschränken.“

Wie das geht, zeigte der deutsche Aktivist anhand eines Best-Practice-Beispiels aus Freiburg im Breisgau. Wo früher eine Kaserne gestanden hatte, wurde eine autofreie Solarsiedlung aus dem Erdboden gehoben, in der manche Häuser mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Der Deckungsgrad beträgt 105 Prozent. Die überschüssige Energie wird - bei wohlgemerkt besseren Einspeisungstarifen als in Österreich - ins Netz gespeist.

„Die Siedlung Vauban funktioniert sehr gut und die Leute sind zufrieden“, so Lange. „Das Problem mit all diesen Modellsiedlungen ist allerdings: Wenn man nicht sofort in die Breite damit geht und die erfolgreichen Modelle kopiert, dann ist der ganze Aufwand umsonst.“ Lange ortet einen Rückschritt: „Vor zehn, 15 Jahren waren wir schon mal innovativer, da haben solche Wohnkonzepte geboomt. Heute jedoch scheuen wir vor dem Neuen meist zurück.“

Das bestätigt auch Enrique Pañalosa, ehemaliger Bürgermeister von Bogotá. In seiner Amtszeit von 1997 bis 2000 ließ er hunderte Kilometer von Gehsteigen und Radwegen errichten und implementierte ein Schnellbussystem, das heute als eines der modernsten öffentlichen Verkehrsnetze der Welt gilt. „Damals war so etwas möglich“, sagte er zum Standard. „Die Bevölkerung war euphorisch und voller Energie. Heute hat sich das geändert. Ein bisschen ist Bogotá in seine alten, unzufriedenen Muster zurückgekippt.“

München als Beispiel

Dabei wäre alles so einfach. Herbert Girardet, Filmemacher und Programmdirektor des World Future Council in London, skizzierte seinen Weg von der einst autarken „Agropolis“ über die heute vorherrschende „Petropolis“, deren Funktionsfähigkeit auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe beruht, zur sogenannten „Ecopolis“. Es gehe nicht darum, den Fortschritt zu leugnen, sondern die jeweiligen Vorteile in einem Synthesemodell zu vereinen. „Beispiele, die vorzeigen, wie das geht, gibt es bereits zur Genüge“, erklärte Girardet. München etwa habe vor zwei Jahren beschlossen, die Energieversorgung zur Gänze aus erneuerbaren Ressourcen zu generieren. Die Stadtverwaltung investiere seitdem in Windkraftwerke in Großbritannien und in Solaranlagen in Spanien.

Der österreichische Verkehrsplaner Hermann Knoflacher plädierte in seiner Schlussrede dafür, endlich den sogenannten Stellplatznachweis abzuschaffen. Dieser besagt, dass zu jeder neu errichteten Wohnung ein Kfz-Stellplatz errichtet werden muss. „Solange wir diesen Paragrafen in den Bauvorschriften drin haben, wird das Thema Nachhaltigkeit in der Praxis nicht funktionieren.“

Die einfachste Forderung kam von Franz Eberhard, dem ehemaligem Direktor des Amts für Städtebau in Zürich: „Nachhaltigkeit heißt, ein Affe muss auf den Bäumen die Stadt durchqueren müssen. Das sollte das Leitbild für unsere Städte sein.“

Publikationen

2024

Wien Museum Neu

Der Band ist eine visuelle und essayistische Reflexion über ein bedeutendes Kultur-Bauprojekt an einem der zentralen Orte Wiens in unmittelbarer Nachbarschaft zu Karlskirche, Künstlerhaus und Musikverein.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Müry Salzmann Verlag

2022

mittendrin und rundherum
Reden, Planen, Bauen auf dem Land und in der Stadt Ein nonconform Lesebuch

Seit über 20 Jahren ist nonconform in Deutschland und Österreich in der räumlichen Transformation tätig. Architektur ist für das interdisziplinäre Kollektiv nie bloß ein fertiges, fotogenes Resultat, sondern immer auch ein lustvoller, horizonterweiternder Prozess, in den die Bürger:innen einer Gemeinde,
Hrsg: Wojciech Czaja, Barbara Feller
Verlag: JOVIS

2022

Brick 22
Ausgezeichnete internationale Ziegelarchitektur

Vom handgemachten Ziegelstein zum hoch entwickelten modernen Produkt: Das Bauen mit gebrannten Tonblöcken schöpft heute aus einem Erbe von neun Jahrtausenden Baugeschichte und dank ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, ihrer konstruktiven Qualitäten und ihrer Nachhaltigkeit sind Ziegel bis heute
Hrsg: Wienerberger AG
Autor: Wojciech Czaja, Anneke Bokern, Christian Holl, Matevž Celik, Anna Cymer, Isabella Leber, Henrietta Palmer, Anders Krug
Verlag: JOVIS

2021

Frauen Bauen Stadt

Wie weiblich ist die Stadt von morgen? Im Jahr 2030 werden weltweit 2,5 Milliarden Frauen in Städten leben und arbeiten. Traditionell war die Arbeit am Lebenskonzept Polis in ihrer Beauftragung, Planung und Ausführung jedoch männlich dominiert. Frauen Bauen Stadt porträtiert 18 Städtebauerinnen aus
Hrsg: Wojciech Czaja, Katja Schechtner
Verlag: Birkhäuser Verlag

2020

Almost
100 Städte in Wien

Was macht ein Reisender, wenn er nicht reisen kann? Er reist trotzdem. Wojciech Czaja setzte sich im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 aus Frust auf die Vespa und begann, seine Heimatstadt Wien zu erkunden. Er fuhr in versteckte Gassen, unbekannte Grätzel und fernab liegende Adressen am Rande der Stadt
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2018

Hektopolis
Ein Reiseführer in hundert Städte

Jede Stadt ist anders. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter, aber auch ihre ganz eigenen Geschichten. Der vielreisende Stadtliebhaber Wojciech Czaja widmet sich in seinem Buch Hektopolis genau diesen ortsspezifischen, feinstofflichen Beobachtungen, Erlebnissen und Anekdoten. Porträtiert werden hundert
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2017

Motion Mobility
Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien

In einem von der Grundstückssuche bis zur Fertigstellung interdisziplinären Prozess planten Pichler & Traupmann Architekten, FCP Fritsch, Chiari & Partner als Ingenieure und das Beratungsunternehmen M.O.O.CON in Zusammenarbeit mit der Agentur Nofrontiere Design und SIDE Studio für Information Design
Autor: Wojciech Czaja, Matthias Boeckl
Verlag: Park Books

2012

Wohnen in Wien
20 residential buildings by Albert Wimmer

Wie wohnen die Wienerinnen und Wiener? Inwiefern decken sich architektonisches Konzept und gelebter Alltag? Der Architekturjournalist Wojciech Czaja und die Fotografin Lisi Specht werfen gemeinsam einen Blick hinter die Fassaden des geförderten Wiener Wohnbaus und bitten die Mieter und Eigentümerinnen
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: SpringerWienNewYork

2012

Zum Beispiel Wohnen
80 ungewöhnliche Hausbesuche

Wohnen ist eine zutiefst persönliche Sache. Kein Raum in unserem Leben steht uns so nahe wie unsere eigene Wohnung, wie unser eigenes Haus. Die beiden Autoren Wojciech Czaja und Michael Hausenblas reisen quer durch Österreich und sind zu Besuch bei Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wirtschaft. Die
Autor: Wojciech Czaja, Michael Hausenblas
Verlag: Verlag Anton Pustet

2007

91° More than Architecture

Architektinnen und Architekten sind Arbeitstiere. Viele von ihnen arbeiten zehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 50 Wochen im Jahr. Die wenige Zeit, die zwischen den dichten Arbeitsstunden noch übrig bleibt, ist wie ein Heiligtum und muss als solches respektiert werden. In diesem Sinne ist 91°
Hrsg: Wojciech Czaja, Eternit Österreich, Dansk Eternit Holding
Verlag: Birkhäuser Verlag

2007

Periscope Architecture
gerner°gerner plus

Vor zehn Jahren haben Andreas und Gerda Gerner mit einem Einfamilienhaus begonnen: „Für ein erstes Projekt ist das Haus Hinterberger sehr unkonventionell. Wir haben uns permanent gefragt: Trauen wir uns das? Seitdem hat man sich oft aus dem Fenster gelehnt“ Entstanden ist das schwebende Haus Südsee in
Hrsg: GERNER GERNER PLUS.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH

2005

Wir spielen Architektur
Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit

Was ist eigentlich ein Kind? Der Jurist wird uns darauf eine andere Antwort geben als der Soziologe, der Pädagoge eine andere als der Philosoph. Und der Architekt? Wird er schweigen und weiterbauen?
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Sonderzahl Verlag