Wohnhaus Brunnerstrasse
Helmut Richter - Wien (A) - 1991
Wohnhaus Brunnerstrasse, Foto: Margherita Spiluttini
Wohnhaus Brunnerstrasse, Foto: Margherita Spiluttini
Wohnhaus Brunnerstrasse, Foto: Margherita Spiluttini

Wohnhaus Brunnerstrasse

Beitrag von Az W

Aus dem unwirtlichen Umraum einer industriellen Vorstadtsituation wird hier nicht eine Insel hermetischer Einhausung herausgeschnitten, der Architekt reagiert vielmehr auf die Atmosphäre der Peripherie, indem er ihr Potential überhöht. Auf der Nord-Süd gerichteten Parzelle neben einer von Schwerverkehr überlasteten Durchzugstraße verwendet Richter Beton in Skelettbauweise für die Tragkonstruktion, High-Tech-Verglasungen auf verzinkten Stahlrahmen als Schallschutz an der Straßenseite. LKW-PLachen bilden in luftiger Höhe Stiegenhausdächer, Metall-Container im Erdgeschoss dienen als Müllraum und Hauskeller, Fertighausplatten aus Schichtholz fügen das Außenwandsystem.
Im Inneren der Wohnungen gibt es jeweils nur eine Betonstütze, einen Installationsschacht und ein kurzes Wandstück als konstruktive Fixpunkte. Die Betondecken sind über einen Unterzug zehn Meter weit von einer Wohnungstrennwand zur anderen gespannt. Die Raumteilung geschieht ausschließlich durch Leichtwände. Durchgangsbreiten und Flure sind in der Standardlösung so minimiert, dass sich die rechtwinkelige Grundrissfigur mit leichten Schrägen und Knicken auflockert und ein Optimum an Wohnfläche freiläßt. Transparenz von Raum und Gefüge, Klarheit in allen Verhältnissen, das sind die hier durchgängig spürbaren Maximen.
Das Spektakuläre an der mit großen Loggien nach Westen orientierten Hauszeile ist das Schallschutz- und Erschließungssystem. Richter führte den Gehsteig entlang eine Schar von Laubengängen und ließ zwischen ihnen und dem Baukörper reichlich Abstand, sodass der Zugang zu den Wohnungen jeweils über kurze Querbrücken erfolgt. Das räumlich effektvolle Gerüst der Wegführung vom Öffentlichen zum Privaten ist zur Straße mit einer rahmenlosen, völlig glatten Glaswand abgeschirmt. So distanziert sich die Wohnzeile vom Straßenlärm, setzt dem Verkehrsraum aber keine trennende Mauer, sondern eine in Transparenz gehüllte, halböffentliche Fußwegstruktur entgegen.
Richter unternimmt mit diesem Bau am Ende der achtziger Jahre die Neu- bzw. Wiedereinführung der Moderne im Wiener Wohnungsbau.

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien, 14.09.2003

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirth

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Architektur
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ÖSW

Tragwerksplanung
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