Bauwerk

Wohnregal
Helmut Wimmer - Wien (A) - 1999
Wohnregal, Foto: Manfred Seidl
Wohnregal, Foto: Friedrich Achleitner
14. September 2003 - Az W
Die herbe und gleichförmige Grundstruktur nimmt auch die üppigsten Wohnvisionen ihrer Bewohner dankbar auf. Nimmt sie auf und macht sie sichtbar: denn auf die Ausgestaltung einer Fassade hat der Architekt bei seinen drei achtgeschossigen, aus Betonfertigteilen errichteten „Wohnregalen“ mit Kalkül verzichtet. Das äussere Erscheinungsbild vor allem der balkonseitigen Fronten wächst und wandelt sich mit den Bedürfnissen der Bewohner, und das sich daraus ergebende lebendige Konglomerat gibt den ursprünglich so rigiden Regalfronten erst die nötige „Fülle“.
Die Wohnungsgrössen sind in den stützfreien Riegeln individuell zu bestimmen. In den U-förmigen Betonkernen sind jeweils die Serviceräume, Bad und WC untergebracht, die übrige Raumeinteilung kann individuell angepasst werden. Zwei Meter breite Balkone ziehen sich jeweils über die volle Länge der Baukörper, ebenso breite Laubengänge sind als gestapelte Wohnstraßen den Eingängen auf der anderen Seite vorgelagert. Die unterschiedene Funktion dieser Zonen hat Wimmer mit sympathischer Unbekümmertheit farblich markiert: Grüne Plastikmatten an der Balkonseite, rote an der Erschließungsfront.

Kleine Vorgärten bzw. offene Vorzimmer und Loggien sorgen an diesen Seiten des Regals für eine angenehme Indifferenz zwischen öffentlicher Nutzung und privater Besetzung, während sich im grünen Balkonbereich die gestalterischen Massnahmen der Individualisierung in voller Pracht und Heterogenität entfalten. (Text: Gabriele Kaiser)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

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