Bauwerk

Dorfgemeinschaftshaus
Rapp+Rapp - Jonkershove (B)

Dorfhaus in Backstein

04. Oktober 2007 - Ludger Fischer

Um zwei Fragen drehen sich die folgenden Überlegungen: Gibt es eine Noch-immer-Moderne auf dem Dorf? Was ist „dörfliche Architektur“ – und mit welcher Absicht spricht man von ihr?
Das hat man so ähnlich schon einmal gesehen: Fußböden, Decken und Wände, die einen Raum nicht umschließen, sondern über ihn hinausgeführt werden. Wände, die schon vor der imaginären Ecke enden. Wände und Decken, die als Flächen wirken, nicht als konstruktive Elemente des Baus. Man hat es in Glas, in Marmor, in Stahl und in Beton gesehen, und man hat es auch schon oft in Backstein gesehen. Wenn Ludwig Mies van der Rohe das Prinzip so nicht erfunden ha­ben sollte, dann ist es doch nach seinem 1924 entworfenen, aber niemals gebauten „Landhaus in Backstein“ und nach seinem 1929 erstmals gebauten Barcelona-Pavillon von vielen, vor allem von Architekten begeistert aufgenommen und reproduziert worden. Das Entwurfsprinzip vermittelt bis heute eine als zeitgemäß empfundene Atmosphäre. Die Stilelemente sind fast hundert Jahre alt. Trotzdem wirken die dergestalt konzipierten Bauten nicht altmodisch. Freunde moderner Architektur schwärmen von der „Raumqualität des Dazwischen“.

Raum- und städtebauliche Qualitäten waren in den letzten Jahrzehnten allerdings nicht gerade die vorrangigen Kriterien beim Wiederaufbau der kriegszerstörten Dörfer Flanderns. 1998 wurde deshalb die Funktion eines „Generalbaumeisters von Flandern“ geschaffen. bOb Van Reeth (in genau dieser Schreibweise) mühte sich als erster Amtsträger um eine ästhetisch ansprechendere Ausführung öffentlicher Bauten. In seine Amtszeit fiel die Ausschreibung und Planung zum Dorfgemeinschaftshaus in Jonkershove. Ein Entwurf des Rotterdamer Büros Rapp Rapp im Stil von Mies van der Rohes Backsteinvillen schien ihm eine angemessene ästhetische Qualität zu garantieren.


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