Bauwerk

Kaufhaus Tyrol
David Chipperfield, Dieter Mathoi Architekten - Innsbruck (A) - 2010
Kaufhaus Tyrol, Foto: B&R
Kaufhaus Tyrol, Foto: B&R

Kaufhaus Tyrol

Kaum ein Bauvorhaben hat in den vergangenen Jahren in Innsbruck so hitzige Diskussionen ausgelöst, wie die verschiedenen Projekte für den Neubau des Kaufhaus Tyrol. Zuerst ein Wettbewerb für die „Schauseite“ an der Maria-Theresien-Straße, dessen Siegerprojekt verworfen wurde, dann ein vom Denkmalschutz geprägtes, in der Architektenschaft heftig angefeindetes Kompromissprojekt und schlussendlich der komplette Neustart mit einem Direktauftrag an David Chipperfield.

In Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Büro Dieter Mathoi Architekten realisierte Chipperfield einen Neubau, der nicht nur die Front entlang der Maria-Theresien-Straße, sondern den gesamten Kaufhauskomplex bis zur Erlerstraße umfasst. Die Kernaufgabe für das Kaufhausprojekt bestand darin, ein eigenständiges und identitätsstiftendes Gebäude als „Ersatz“ für die ehemaligen Häuser des Kaufhaus Tyrol zu schaffen und die für die Maria-Theresien-Straße untypisch lange Fassadenabwicklung zu gestalten, die durch den Abriss der Vorgängerbauten entstand – einzig das sog. „Schindlerhaus“ wurde zum Teil erhalten, unter Berücksichtigung von Ensembleschutz und Stadtbildpflege rekonstruiert, aufgestockt und in das Projekt integriert.

In respektvollem Umgang mit der historischen Substanz setzt Chipperfield einen dezidiert zurückhaltenden Baukörper in das heterogene, über mehrere Jahrhunderte gewachsene Straßenensemble von Innsbrucks „Prachtstraße“. Dem Prinzip der in leicht unregelmäßigem Rhythmus zueinander stehenden Gebäude folgend ist die neue Fassadenflucht in drei, leicht schräg zueinander stehende Bereiche gegliedert. Die langgezogene, in strengem Raster entwickelte Fassade wird durch dieses zweifache Abknicken optisch gebrochen und durch ein zurückgesetztes Dachgeschoss strukturiert. Tragende, mit Naturstein versetzte Betonfertigteile gliedern als konisch geformte, kolonnadenähnliche Stützen die Fassade und bilden den stadträumlichen Abschluss der Maria-Theresien-Straße.

Die bei weitem größere Baumasse liegt im Blockinneren, auch hier wurde das Volumen in kleinere, maßstäblichere Proportionen gebrochen, um es in die Struktur der Nachbarbebauung zu integrieren. Die eigentliche „Mall“ mit ihren über 50 Geschäften, Gastronomien und Büroeinheiten ist rund um ein zentrales Atrium angeordnet, Rolltreppen, Brücken und Galerien laden zum Flanieren in diesem quasi überdachten Außenraum ein, den ein großes Glasdach überspannt.

Die Fassade entlang der Erlerstraße schließt den Block, auch sie reflektiert das Thema des „Hauses mit Fenstern“ und ähnelt in ihren Proportionen der Fassade an der Maria-Theresien-Straße. Konstruktion und Materialität der nicht tragenden Vorhangfassade aus Bronzeelementen mit Glasfüllungen sind bewusst im Unterschied zur Hauptfassade gestaltet. (Text: Claudia Wedekind)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

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