Bauwerk

Gartenhaus Arato
sglw architekten - Wien (A) - 2002

Ein kleines Haus zeigt Größe

Neue Häuser

Viel Raum auf wenig Fläche bietet ein klug organisiertes Sommerhaus im wild romantischen Rosental, einem der ältesten Gartensiedlungsgebiete im Westen von Wien.

15. Februar 2003 - Franziska Leeb
1911 wurde mit der Parzellierung von Kleingartenflächen begonnen, und die Gegend hat bis heute nichts an Anziehungskraft als Sommersitz oder auch für ganzjähriges Wohnen im Grünen verloren. Bescheidene Häuschen aus dieser Zeit stehen da neben Miniaturvillen, die den Traum vom Eigenheim in erschwinglicher Form erfüllen.

Seit ganzjähriges Wohnen auf Kleingartenarealen gestattet ist, gibt es unbeholfen wirkende Anstrengungen, notwendige Raumprogramme in die erlaubten Kubaturen hineinzupferchen. Wie zu große Pudelhauben sitzen da ausgebaute Mansardendächer auf Mini-Häuschen, lugen viel zu kleine Fenster unter breiten Dachkrempen hervor. Und die Zahl der Kleingärtner, die Alternativen suchen, steigt genauso stetig wie die Zahl der Wiener Architekten sinkt, die noch kein Gartensiedlungshaus errichtet haben.
Ein Gustostückerl dieser Spezies hat das Architekturbüro sglw+s (Werner Silbermayr, Karl Georg Goëss, Ulrike Lambert, Guido Welzl und Suki Sangha) realisiert. Es galt, ein Sommerhaus für eine fünfköpfige Familie auf ein steiles Grundstück in Nordwestlage, maximal 35 m² bebaute Fläche und höchstens 200 m³ umbauten Raum maßzuschneidern. Gestaltet wurde dabei nicht nur ein cleveres Haus, sondern sogar über den Weg dorthin machte man sich Gedanken: Ein freistehendes Wandelement nach dem Gartentor schirmt den Zugang zum Kellergeschoß - quasi den Wirtschaftsweg - ab und leitet zum „offiziellen“ Stiegenaufgang an der gegenüberliegenden Grundstücksseite über. Durch diesen Schwenk in der Wegführung scheint sich das Haus dem Besucher langsam zuzuwenden.

Denn die aus dem übrigen Bauvolumen hervorspringende Gartenfassade des Wohnbereichs und der darüber auskragende Glaserker sind in Richtung Zugang ganz leicht schräggestellt und sorgen so für unterschiedliche Ansichten. Die kristalline Form wird durch die Auflösung in kleinteilige Fassadenfelder unterstrichen: Von zarten Profilen gerahmte Flächen fügen sich an der verglasten Front zur Collage.

Innen aber herrscht trotz geringer Grundfläche keine Enge. Platz gespart wurde bei der horizontalen Erschließung in Form einer schmalen einläufigen Treppe entlang der Gartenfassade. Im Obergeschoß ist das Kinderzimmer als ruhige Rückzugskapsel zwischen Treppe und Rückwand eingefügt. Und das Elternschlafzimmer erhielt mit dem rahmenlosen Glaserker eine Panoramafassade zur Landschaft hin. Durch die vom Boden bis zur Decke reichenden Glasscheiben hat man stets das ganze Tal und den bewaldeten Gegenhang im Blickfeld und dadurch nie das Gefühl, sich auf einem nur 320 m² kleinen Grundstück zu befinden.

Den Sonnen- und Sichtschutz erfüllen auf simple, aber sehr elegante Weise cremeweiße Vorhänge. Aufwändigere außenliegende Sonnenschutzmaßnahmen hat man als nicht notwendig erachtet, da das Haus nicht ganzjährig bewohnt wird. Außerdem sorgt das offene Treppenhaus für den Luftaustausch zwischen dem kühlen Keller und den warmen Wohngeschoßen. Um während der kalten Jahreszeit, in der das Anwesen weniger genutzt wird, die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden, werden die Scheiben mittels automatisch gesteuerter Heizung leicht temperiert.
Auch wenn der Bau einen recht extravaganten Eindruck macht: Teurer als übliche Gartenhäuser dieser Dimension war er nicht, weil gespart wurde, wo es räumlich und ästhetisch nicht schmerzt. Im besten Sinn verschwenderisch umgegangen ist man nur dort, wo es darum ging, die Lage im Grünen bestmöglich zu nutzen.

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Akteure

Architektur

Bauherrschaft
Peter Arato
Inga Arato