Bauwerk

Hauptbahnhof Salzburg
kadawittfeldarchitektur - Salzburg (A) - 2014
Hauptbahnhof Salzburg, Foto: Angelo Kaunat
Hauptbahnhof Salzburg, Foto: Angelo Kaunat
16. November 2010 - Initiative Architektur
Beim geladenen internationalen Wettbewerb zur Bahnhofsneugestaltung 1999 ignorierten die ÖBB den Denkmalschutz für den österreichweit einzigartigen Zentralperron von 1907/09. Sein Abriss „dürfte unter den künftigen verkehrlichen und betrieblichen Anforderungen offenbar unvermeidlich sein,“ mutmaßte 2005 schließlich BDA-Präsident Wilhelm G. Rizzi in lapidarem Konjunktiv. Vom bemerkenswerten Ensemble mit spätsecessionistischen Details, dem prägnanten Mittelgebäude, zwei großen Eisenhallen von je 25 Meter Stützweite und anschließenden niedrigeren Hallen bzw. fingerartigen Bahnsteigdächern bleiben nur die Stahltragwerke der beiden Haupthallen. Die Architeken integrieren im nach dem Wettbewerb weiter modifizierten Projekt an anderer Stelle diese „identitätsstiftenden Elemente“ in das „dynamische Raumgefüge“. Dieses verstehen sie als Interpretation der Bewegung von anfahrenden oder abbremsenden Zügen, wollen aber auch die Atmosphäre moderner Flughafen-Gates inszenieren.
Entstehen soll – so heisst es – „ein überdachter städtischer Raum, ein virulenter Ort urbanen Lebens und attraktiver Treffpunkt für Reisende und Nichtreisende“. Dies hatte über Jahrzehnte hinweg – am Ende stark devastiert – auch der alte Mittelbahnsteig vortrefflich geleistet. Neben dem Restaurant „Marmorsaal“, dem Café und Geschäften besaß diese Insel noch ungehobenes Potenzial als attraktive Verbindung zwischen zwei angrenzenden Stadtteilen. In Zukunft soll diesen Effekt hauptsächlich ein lichtdurchflutet geplanter „urbaner Teppich“ unter dem Gleiskörper bringen. Diese Passage beginnt großzügig mit Shops und Café, verschmälert sich nach Einsparungen aber zum Nadelöhr-Durchgang ins benachbarte Schallmoos. (Text: Norbert Mayr)

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Für den Beitrag verantwortlich: Initiative Architektur

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