Bauwerk

Optikhaus Binder
PLANET architects - Wien - 2010
Optikhaus Binder, Foto: Rupert Steiner
Optikhaus Binder, Foto: Rupert Steiner
29. November 2010 - Az W
Das unscheinbar anmutende Geschäftsportal und der klassische Verkaufsraum im Erdgeschoss lassen vorerst noch nicht erahnen, was der neue Umbau des alteingesessenen Optikers zu bieten hat. Schwenkt der Blick jedoch Richtung Stiege, die in das Obergeschoss führt, lässt sich das Ende eines besonderen, in die Wand eingeschnittenen Handlaufs erspähen und weckt die Neugier. Dem Handlauf nun folgend eröffnet sich nach Überwindung der ersten Stiegenkrümmung eine neue, weiß glänzende Welt. Vorbei an einem Sichtfenster, das Einblick in die Brilllenwerkstätte gewährt, betritt man einen langgestreckten, teilweise überwölbten Raum, der gänzlich der Brillenausstellung gewidmet ist. Rundum an den Wänden schlängelt sich ein sowohl fein ausgeklügeltes als auch tischlermäßig präzis gefertigtes Präsentationsmöbel mit bandartigen Ausstellungsflächen im oberen und Schubladenkästen im unteren Bereich. Eine stirnseitige Spiegelwand, hinter der sich Lager- und Nassräume befinden, verlängert die lineare Struktur ins Unendliche. Die zur Schau gestellten Brillen heben sich von ihrem Präsentationshintergrund aus weißem Kunstleder, das die Rückwände der Regale geschmeidig und kantenfrei bekleidet, farblich perfekt ab und schimmern unter ihrer raffinierten, in das Möbel integrierten Beleuchtung.

Die Mitte des Saals bespielen drei ovale Verkaufspulte, deren extravagant geformte Unterkonstruktion mit einer 3D Fräse hergestellt wurde. Ihre Oberfläche ist passend zu den Wandregalen mit weißem Kunstleder überzogen. In die Tischplatten sind Glasflächen als Vitrinen eingelassen, weiters zieren schicke Flachbildschirme das kunstvolle Funktionsmöbel und ergänzen die schwarz-weiße Ästhetik der Raumgestaltung. Über den Pulten schweben nicht minder eindrucksvolle, ringförmige Beleuchtungskörper aus lackierten MDF-Platten, die ebenfalls speziell für diesen Raum entwickelt wurden. Das immer wiederkehrende Motiv der Linse in Assoziation zum Thema Augen und Optik zeigt sich in den Beleuchtungskörpern am deutlichsten.

Bislang diente das Obergeschoss nur zur Brillenanpassung, als Warteraum und für Büroräumlichkeiten ohne repräsentative Funktion. Nach dem Umbau rückten alle administrativen und technischen Bereiche in Nebenräume, die mit Originalmöbeln aus den 1970er Jahren bestückt beziehungsweise belassen wurden. Die roten Oberflächen der alten Stücke stehen in gekonntem Kontrast zu den neuen Objekten. Das Büro der Chefin begrenzt eine opake Glaswand, die die Portraits der fünf vorangegangenen Generationen des Familienbetriebs als großformatige Drucke aufzeigt. Eine stilvolle gestalterische Geste, die das stimmige Gesamtkonzept abrundet. (Text: Marion Kuzmany)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

Ansprechpartner:in für diese Seite: Maria Welzigwelzig[at]azw.at

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