Bauwerk

Kapelle Nonsbach
Franz Koppelstätter - Nonsbach (A) - 2010
Kapelle Nonsbach, Foto: Dietmar Tollerian
Kapelle Nonsbach, Foto: Dietmar Tollerian
Kapelle Nonsbach, Foto: Dietmar Tollerian

Kapelle Nonsbach

Die Kapelle in Nonsbach – ein aus der regionalen Typologie entwickelter Andachtsraum ohne vordergründige sakrale Symbolik – tritt als individuelle Entwurfsleistung in Erscheinung und ist doch das Werk vieler Hände. Vier persönlich und wirtschaftlich eng verbundene Familien eines Innviertler Weilers entschlossen sich 2008 zum Bau einer Gemeinschaftskapelle, noch ohne feste Vorstellung, wie das kleine Gebäude aussehen und wo im lockeren Verband der Vierseithöfe es konkret errichtet werden sollte. Sie betrauten einen aus der Gegend stammenden angehenden Architekten mit der Planung und gaben ihm damit Gelegenheit, sein Studium mit einem realisierten Bauwerk abzuschließen. Da Franz Koppelstätter seinen Bauleuten keinen nur den eigenen Vorstellungen gerechten „autistischen“ Entwurf vorsetzen wollte, initiierte er einen zwei Jahre andauernden kollaborativen Planungsprozess, in dem sämtliche Projekt-Entscheidungen – von der ersten Annäherung an Typologie, Standort und Bauweise bis zu den kleinsten Details der Materialisierung – konsensuell getroffen wurden. Auch wenn in den in zahlreichen Arbeitsmodellen nachvollziehbaren Verzweigungen des Konzepts immer wieder auch Beton ein Thema war, entschied man sich letztlich einhellig für Holz. Die drei für den Bau der Kapelle benötigten Lärchen stammen aus einem Nachbardorf, sie wurden zu Pfosten geschnitten und einseitig gesäumt, die ungesäumte Seite händisch nachbearbeitet. In einer nahen Tischlerwerkstatt wurde der Baukörper in Teilen inklusive der Schalung aus gespaltenen Lärchenholzschindeln vorgefertigt und auf dem Bauplatz „unter den Eschen“ in einem Tag zusammengebaut. In seiner Einfachheit hält der 12 m2 fassende Bau eine fast rätselhafte Wandlungsfähigkeit bereit. Das die rissige Textur der Oberfläche streifende Tageslicht verleiht dem inneren Raumabschluss eine deutungsoffene Tiefe, das Edelstahlgewebe im Eingangsportal und im Schiebeladen des Fensters changiert reizvoll im Unbestimmten. Vertraut/fremd auch die äußere Form: je nach Standpunkt und Entfernung wähnt man jeweils einen ganz anderen Baukörper vor Augen. (Text: Gabriele Kaiser)

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Für den Beitrag verantwortlich: afo architekturforum oberösterreich

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