Bauwerk

Ausstellungsinstallation „Freuds verschwundene Nachbarn“
Nicola Weber, Karin Grausam, rainer pirker ARCHItexture - Wien (A) - 2003
Ausstellungsinstallation „Freuds verschwundene Nachbarn“, Foto: Gerald Zugmann
Ausstellungsinstallation „Freuds verschwundene Nachbarn“, Foto: Gerald Zugmann
15. Dezember 2003 - Az W
Das Sigmund Freud-Museum Wien präsentierte von März bis September 2003 unter dem Titel „Freuds verschwundene Nachbarn“ eine Ausstellung, die anhand von Schriftdokumenten ein Bild der einstigen Hausgemeinschaft in der Berggasse 19 entwarf. Die Ausstellung ermöglichte einen Einblick in das Leben von acht jüdischen Familien, von denen viele durch den Nationalsozialismus vertrieben oder ermordet worden waren. Am Beispiel von acht Wohnungen wurden in einer Art exemplarischen Biografie eines Wiener Mietshauses die Themen Sammelwohnungen, Arisierung, Deportation, Emigration, Remigration, Rückkehr aus dem Lager sowie Entschädigungs- und Rückstellungspraxis der Zweiten Republik Schicht um Schicht vertieft.

Die komplexe Anforderung der ausstellungsgerechten Verräumlichung von „Akten“ und Schriftdokumenten lösten die Architekten mit acht fragilen Stahl-Glas-Schaukästen, die aufgrund ihres dreischschichtigen Aufbaus eine hypertextartige Hierarchisierung des Datenmaterials erlaubte. Die vorderste Glasschicht diente der Kurzinformation und Einstieg in das jeweils einer Wohnung zugeordnete Thema. Die mittlere Ebene gab Raum für wissenschaftliche Kommentare, Originaldokumente befanden sich auf der hintersten Schicht. Diese diagrammatische Tiefenstruktur ermöglichte eine schnelle Lektüre ebenso wie vertiefendes Lesen durch alle Schichten hindurch.

Während die beiden Schaukästen, die die Wohnungen 5 und 6 repräsentierten, in einem Verweis auf die Identität von ehemaligem Wohnort und heutigem Ausstellungsort Wandkontakt hatten, wurden die übrigen Schaukästen präzise im Raum nach Stockwerk der jeweiligen Wohnung und Zeit des zugeordneten Themas platziert.

Ein eigener Raum mit kopfhohen Sitzmöbeln (die der Raumkontur folgen) und eingebauten Lautsprechern gab einer Toninstallation den nötigen konzentrierten Rahmen. (Text: Gabriele Kaiser)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

Ansprechpartner:in für diese Seite: Maria Welzigwelzig[at]azw.at

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