Bauwerk

Filmmuseum
Friedrich H. Mascher, Erich Gottfried Steinmayr - Wien (A) - 2003
Filmmuseum, Foto: Bruno Klomfar
Filmmuseum, Foto: Bruno Klomfar
Filmmuseum, Foto: Bruno Klomfar
Filmmuseum, Foto: Bruno Klomfar

Filmmuseum

15. Dezember 2003 - Az W

Wie kann man das Unsichtbare verbessern? Indem man es noch unsichtbarer macht? Für den Vorführsaal eines Kinos, der im Dienste optimaler Filmrezeption völlig in den Hintergund tritt, trifft dies zu. Die Black Box von Mascher / Steinmayr bleibt dem Konzept von Peter Kubelka - Mitbegründer des Österreichischen Filmmuseums - treu, der in diesem Saal aus den 1950er Jahren nach dem Vorbild seines “Invisible Cinema” in New York ein weitgehend schwarzes Kino realisierte. Kubelka verwarf alle theatralischen Raumelemente (wie etwa den Bühnenvorhang), die von der Konzentration auf das Leinwandgeschehen ablenken oder die Farbtonwerte des Filmes verfälschen könnten. Auch im neuen Filmmuseum erweist sich die Farbe Schwarz als das ideale Werkzeug des Verschwindens, alles scheint beim bewährt Alten geblieben zu sein (selbst die wellenförmige Putz-Oberfläche der Wände musste keinem Velourbelag weichen) - die Veränderungen spielen sich wahrnehmbar im Unaugenscheinlichen ab: Sowohl die projektionstechnischen Erneuerungen als auch die Verbesserungen des Sitz- und Sichtkomforts können dem regelmässigen Kinogänger nicht entgehen.

Die Stufenananlage des Kinosaales wurde steiler gestellt, was die beiden vorgeschriebenen Fluchtwege ermöglicht, und die Leinwand (hinter der früher ein Fluchtweg lag) konnte um rund ein Viertel vergrössert werden. Anstelle technischer Wandaufbauten gibt es nun in die Wand integrierte Lautsprecherboxen (unsichtbar), die Akustikaneele sind aus Lochblech (unsichtbar), ein schwarzer Teppichboden schluckt den Trittschall (unsichtbar). Auch der Klapper-Klang der in die Hochstellung zurückschlagenden Sitzflächen ist passee, 163 bequeme Polstermöbel (natürlich schwarz) haben die peinigenden Holzsesselreihen abgelöst.

Das ebenfalls neu gestaltete Foyer dient tagsüber als Eingang zur Bibliothek des Filmmuseums, der Österreichischen Nationalbibliothek und als Verwaltungseingang der Albertina, die - von den sichtbarsten, ins Auge stechendsten Neuerungen abgesehen - ebenfalls von Steinmayr Mascher erweitert und adaptiert worden ist. Die mit der Albertina assoziierten Materialien wie Mannersdorfer Kalksandstein und Eichenholz sind auch im Foyer präsent, die Nutzungsgrenzen bewusst verwischt. Zwei neutrale Holzmöbel (Portierloge, Möbel für die Kinofunktionen) stehen solitär im Raum, tagsüber verschlossen, öffnet sich ein schwarzer Kubus abends zur Kinokasse mit Bookshop und Bar. Mit schwarzem Tresen und bündigen, in schwarzes Leder gekleideten Sitznischen kann und will die “Unsicht-Bar” seine Zugehörigkeit zur Black Box des Kinos nicht verbergen. (Text: Gabriele Kaiser, 12.12.2003)

teilen auf

Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at