Stromkilometer 2.001,4
Die Gefahren des Hochwassers haben die Stadt von der Donau abrücken lassen. Im Zwischenbereich zwischen Stadt und Fluss sind übergeordnete Verkehrsstränge, Straßen und Schienen, Sport- und Freizeitanlagen und der Hochwasserschutzdamm angeordnet, von dessen Rücken man auf die Donau hinabschauen kann. Ausgedehnte Altarme der Donau und Augebiete sind im Bereich der Stadt nur in Resten erhalten und vom Strom und seinen Wasserstandsschwankungen abgeschnitten. Der Strom selbst wurde durch den Bau des Kraftwerks Altenwörth aufgestaut und damit die großen Amplituden der Wasserstände gekappt.
Die Intervention der Landschaftsplanerinnen KoseLicka in Kooperation mit dem Künstler Werner Reiterer thematisiert die Augebiete und die landschaftsgestalterisch wirksamen Kräfte der Donau als ein ungefesselter Fluss mit deutlich sichtbaren Wasserständen. Zwei Eingriffe vermögen den Realitätsbegriff zu kippen: Wasserstandsschwankungen der Pfeilerlacke und Baumstumpf.
Die natürliche Eigenschaft eines Gewässers, unterschiedlichen Niveaus anzunehmen, wird aufgegriffen, übersteigert und durch Einbringen einer manipulierten Messlatte inhaltlich aufgebrochen. In der Pfeilerlacke werden Wasserstandsschwankungen von etwa 2 m Höhe hervorgerufen. Durch regelmäßiges Wiederholen dieses Prozesses wird eine Zeitrafferaufnahme natürlicher Hochwassersituationen erstellt, die in ihrer kurzen Abfolge (4 h Füllung und 6 h Entleerung) für Besucher eine zusätzliche Irritation darstellt. Der Wasserzulauf von der Donau zur Pfeilerlacke erfolgt über das vorhandene Einlaufbauwerk 2, der Ablauf über die bestehende Drainageleitung im offenen Graben und das Pumpwerk Kremsfluss.
Ein überdimensionierter Baumstumpf mit frischer Schnittfläche, so als wäre gerade ein mächtiger Baum gefällt worden, wird im Augebiet implantiert. Der künstlich erzeugte Parameter bewirkt bei den Spaziergängern eine gewisse Unsicherheit gegenüber der eigenen Wahrnehmung. Die Frage, ob es sich um Realität oder Täuschung handelt, kann nicht eindeutig beantwortet werden.
Für den Beitrag verantwortlich: ORTE architekturnetzwerk niederösterreich, 09.08.2001
AnsprechpartnerIn für diese Seite: Bettina Rodinger
Bauherrschaft




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