Bauwerk

Haus 67
Claudia Cavallar - Weiden am See (A) - 2014
Haus 67, Foto: Albert Handler
Haus 67, Foto: Lukas Schaller
Das Haus liegt im alten Ortskern von Weiden in der Mitte einer kleinen Gasse – eigentlich einem langgezogenen Wirtschaftshof, den im Allgemeinen nur diejenigen, die dort wohnen und arbeiten betreten. Das Gebäude rechts fehlt, ebenso fehlen die Häuser in der gegenüberliegenden Zeile, wodurch das Haus von ungewöhnlich viel Freiraum umgeben ist. Die meisten Wohnhäuser der Zeile sind zu verschiedenen Zeiten im 20. Jahrhundert umgebaut, vielleicht auch neu gebaut worden, die Stadl und Wirtschaftsgebäude eigentlich undatierbar. Bis auf ein, zwei Ausreisser, denen man gestalterische Ambition ansieht, besteht die Gasse einfach aus Gebautem, vermutlich Selbstgebautem.

Trotz des Unspektakulären, sogar Banalen der einzelnen Gebäude, ist ihr Zusammenwirken ansprechend. Die Wahl der Bauherren ist, denke ich, weniger auf das Objekt selbst als auf das Ensemble gefallen, den Chor. Gemeinsam mit den Bauherren wurden daher zwei Entscheidungen getroffen: einerseits mit dem Neubau innerhalb des Volumens des alten Stadls zu bleiben und andererseits nach außen hin genauso unauffällig und anonym aufzutreten wie die Nachbarshäuser, dem Chor ein weiteres Mitglied hinzuzufügen.

Beim Entwurf ging es darum, den großen hohen Raum, der den Reiz des alte Stadls ausmachte, zu „erhalten“ und gleichzeitig zu gewährleisten, daß verschiedene, möglicherweise inkompatible Situationen parallel ablaufen können.

Die Räume und Raumnischen sind aus dem vorgegebenen Volumen herausgeschnitten, ineinander verzahnt und räumlich zueinander und zum Ganzen in Beziehung gesetzt.
Gleichzeitig mit den Trennwänden und Decken wurden die Stauräume geplant und ausgeführt, um ansonsten unzugängliche Resträume für die Unterbringung von Geräten und Kleidungsstücken, als Bücherregale oder Ablagen auszunutzen.

Dusche, WC und Schlafzimmer sind geschlossene Raume, bei denen man die Tür hinter sich zumachen kann; der vom Dachbalken abgehängte Balkon des Schlafdecks und die darunterliegende Sitznische sind artikulierte, privatere Bereiche des großen Raumes, der öffentlichste Raum ist die Küche mit dem großen Esstisch, von der man direkt in den Garten kommt. Durch die große Faltschiebetür und die unmittelbare Verbindung zum Garten wird der Küchenbereich zu einem Zwischenstück zwischen Innen und Außen, zu einer Loggia, mit dem Garten als einem daran anschliessenden Raum des Hauses.

Die verwendeten Materialien stammen alle aus dem gängigen ländlichen Baumarkt Repertoire. Ziel war es, möglichst sparsam zu bauen: sparsam was das (beschränkte) Budget der Bauherren, aber auch was den Arbeitsaufwand und den Materialverbrauch anging. Im Prinzip: möglichst wenig Schichten und Verkleidungen; Bevorzugung von lokalen Materialien; Verwendung von Materialien, die beim Altern einen gewissen Reiz entwickeln bzw. die leicht und billig „erneuerbar“ sind – z.B. durch einen neuen Anstrich – sobald sie schäbig wirken.

Die (mit Steinwolle gefüllten) Hochlochziegelwände wurden als Sichtziegelmauerwerk ausgeführt, aussen mit farbigem Besenstrich verputzt und innen mit Kalkfarbe weiss gestrichen. Die Bodenplatte aus Stahlbeton ist zugleich der Fussboden im Erdgeschoss. Die Holztrennwände und Zwischendecken wurden – ausser im Bad wo sie verfliest sind, farbig bzw. klar lackiert. Das Dach wurde mit kleinformatigen Eternitplatten belegt, die mit der Zeit durch die Verschmutzung an Profil gewinnen.

Das Haus ist energietechnische weitgehend auf erneuerbare Energien ausgelegt: Solarpaneele auf dem Dach für die Warmwasserbereitung und ein Pelletsofen, der das ganze Haus heizt. (Text: Architektin)

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Für den Beitrag verantwortlich: ARCHITEKTUR RAUMBURGENLAND

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Akteure

Architektur

Bauherrschaft
Ulrike Tschabitzer-Handler

Fotografie