Haus N.
Neubau, Wien (A) - 2003
Der Standard
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Studium der Architektur an der TU Wien und University of Michigan, USA.
Diplom 1991, Dissertationsstudium 2007–2010.
Architektin, Architekturpublizistin, Kuratorin. Regelmäßige Tätigkeit als Kritikerin für Fachzeitschriften und Die Presse, spectrum zu den Themen Architektur und Städtebau, Kulturgeschichte und Design. Zahlreiche Textbeiträge, Ausstellungen und Publikationen. Fulbright Guest lecturer 2015/16, University of Minnesota, USA.
2001 – 2003 Lehrauftrag an der TU-Graz, Institut für Raumgestaltung, Vorlesung und Übung.
2015 – 2016 Fulbright Gastprofessur an der Universität Minnesota
Thema: „Comparative Urban Planning in Central Europe and in the United States. The Transfer of Cultural Knowledge through Different Urban Structures.“ Basierend auf den Forschungen für das Buch: „Lernen vom Raster – Strasshof an der Nordbahn und seine verborgenen Pläne“, Hg. Judith Eiblmayr, Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien 2013.
1997 – 2003 Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur - ÖGFA.
2001 – 2003 Vorstandsvorsitzende der ÖGFA.
Mitgliedschaft bei ÖGFA und Zentralvereinigung der Architekten.
Bücher:
Elizabeth Scheu Close – Amerikanische Architektin mit Wiener Wurzeln
Judith Eiblmayr
Verlag Anton Pustet, 2025
Bad Gastein ab I an Iaufgebaut
Hg. Judith Eiblmayr, Philipp Balga
J&J edition, 2021, '22
Styria Media Center
Hg. ArchitekturConsult
Autorin: Judith Eiblmayr
erschienen im Juni 2015
Birkhäuser Verlag
ISBN 978-3-0356-0551-8
Tour de Palais
Hg. Iris Meder, Judith Eiblmayr
Grafische Gestaltung: grafisches Büro Wien
Günter Eder
erschienen im Mai 2015
ISBN 978-3-200-04141-7
Baukulturführer 79 - Musiktheater Linz
Hg. Nicolette Baumeister, München / Berlin
Autorin: Judith Eiblmayr
Büro Wilhelm. Verlag, Amberg, 2014
ISBN 978-3-943242-32-4
Lernen vom Raster – Strasshof an der Nordbahn und seine verborgenen Pläne
Hg. Judith Eiblmayr, mit Beiträgen von Erich Bernard, Günter Dinhobl, Judith Eiblmayr, heri & salli, Caroline Jäger-Klein, Franziska Leeb, Johanna Rainer, Manfred Russo und Fotografien: Philipp Balga
Grafische Gestaltung: Katharina Erich, www.katharinaerich.at
Titelidee: Katharina Erich und Judith Eiblmayr, Tribute to Robert Venturi und Denise Scott-Brown, „Learning from Las Vegas“, Cambridge 1972
erschienen im Oktober 2013
NWV - Neuer Wissenschaftlicher Verlag - Architektur
ISBN 9 783708 309439
Opera House. Musiktheater Linz
Terry Pawson & ArchitekturConsult / archinauten
Text Judith Eiblmayr
Idee, Konzept und Grafik: Katharina Erich, www.katharinaerich.at
Hg. ArchitekturConsult, erschienen im Mai 2013 bei Callwey
ISBN 978-3-7667-2050-4
HAUS HOCH – Das Hochhaus Herrengasse und seine berühmten Bewohner
Hg. von Judith Eiblmayr und Iris Meder
2. erweiterte Auflage erschienen 2013 bei Metroverlag
ISBN 978-3-902517-92-0
Der Donaukanal – Die Entdeckung einer Wiener Stadtlandschaft
Judith Eiblmayr / Peter Payer
erscheint im Mai 2011 bei Metroverlag
ISBN 978-3-99300-031-8
Die Österreichische Nationalbank und ihre Architekten
Dissertation am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege, Technische Universität Wien
März 2010
Der Teufel steckt im Detail – Architekturkritik und Stadtbetrachtung
Texte von Judith Eiblmayr, mit einem Essay von Daniela Strigl
erschienen im Februar 2010 bei Metroverlag
ISBN 978-3-99300-011-0
HAUS HOCH – Das Hochhaus Herrengasse und seine berühmten Bewohner
Hg. von Judith Eiblmayr und Iris Meder
erschienen im September 2009 bei Metroverlag
ISBN 978-3-902517-92-0
Der Attersee – Die Kultur der Sommerfrische
Hg. von Judith Eiblmayr, Erich Bernard,
Barbara Rosenegger-Bernard, Elisabeth Zimmermann
erschienen im Juli 2008 bei Christian Brandstätter Verlag
ISBN 978-3-85033-022-0
Moderat Modern – Erich Boltenstern und die Baukultur nach 1945
Katalog zur Ausstellung im Wien Museum
Herausgegeben von Judith Eiblmayr und Iris Meder
Farb- und Schwarzweißabbildungen
Broschierte und gebundene Ausgabe, 248 Seiten
erschienen im Verlag Anton Pustet, Salzburg 2005,
ISBN 3-7025-0512-1
Anna-Lülja Praun – Möbel in Balance
Katalog zur Werk- und Lebensschau zum 95. Geburtstag im Haus Wittgenstein
Herausgegeben von Judith Eiblmayr und Lisa Fischer
Farb- und Schwarzweißabbildungen
broschierte Ausgabe, 85 Seiten
erschienen im Verlag Anton Pustet, Salzburg 2001,
ISBN 3-7025-0435-4
Schulbau 2000 – Schulbau in Wien
Unterrichtsbehelf für Bildnerische Erziehung und Werkerziehung
Hg. BM für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Medienservice
Konzeption und Texte: Judith Eiblmayr
Eigenverlag BMUK, Wien 1999
Architektur des Geldes
Die Baugeschichte der Oesterreichischen Nationalbank
Hg. Oesterreichische Nationalbank,
Konzeption und Texte: Judith Eiblmayr
Coverfoto: Rupert Steiner
Eigenverlag OeNB, Wien 1999
TEXTBEITRÄGE für BÜCHER, KATALOGE und WEBSITES:
Architektur und Psychodynamik
in „ARCHITEKTUR TRANSDISZIPLINÄR“, S. 39 ff
Hg. Mariela Dittrich, Andrea Rieger-Jandl
Autor:innen: Judith Eiblmayr gem. mit K. Paulitsch
IVA Verlag, Wien 2016
• Das Juridicum
• Studienräume
beide in „Stätten des Wissens. Die Universität Wien entlang ihrer Bauten 1365–2015“, S. 311 und S. 321
Hg. Julia Rüdiger, Dieter Schweizer
Autor:innen: Judith Eiblmayr et al.
Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2015
Heri & Salli
in „Time Space Existence. Made in Europe“, S. 106
Hg. GlobalArtAffairs Foundation
Autor:innen: Judith Eiblmayr et al.
2014
ISBN 9789490784157
Die Sichtbarmachung des Gesehenen – Zur Entwicklung der Architekturfotografie in Österreich
Dossier „Architekturfotografie“ zum Thema „Architektur & Fotografie“ auf nextroom.
• Ateliers und Interieurs / Studios and Interiors
• Zur Sichtbarmachung des Gesehenen – Architektur als Objekt vor dem Objektiv / On the Visualization of the Seen: Architecture as the Object in Front of the Photographic Objective
in „pez hejduk. vor ort_on site“
Hg. Pez Hejduk, mit Beiträgen von Ruth Horak, Judith Eiblmayr, Elke Krasny und Helmut Weber.
Metroverlag, Wien, November 2012
So nahe bei Wien und eine solche menschenleere Fläche!
in „Strasshof an der Nordbahn. Die NS-Geschichte eines Ortes und ihre Aufarbeitung“, S. 89 ff
Hg. Irene Suchy
Metroverlag, Wien, April 2012
Ungekünstelte Kunst. Ein Dach für das Passionstheater Oberammergau
Autor:innen: Judith Eiblmayr, Martin Zigon, Michael Seidel, Matthias Pfeifer
Hg. Karlheinz Wagner, Waldhör Verlag, Wien, Juni 2010
• Architektur nobler Zurückhaltung – Erich Boltenstern (1896 – 1991)
• Poesie durch Präzision – Wilhelm Holzbauer
beide in „Kunst Kunst Kunst – Der Große Österreichische Staatspreis“,
Katalog zur Ausstellung, S. 62 f und S. 94 f
Hg. John Sailer, Verlag Jung & Jung, Wien 2003
Dienst an der Kremser Bau(amts)kultur
Die Architektur österreichischer Amtshäuser zeichnet sich seit Generationen durch einen speziellen Charme aus, der „das Ungemütliche“ schlechthin repräsentierte. Das Wiener Architektenteam BEHF beweist, dass durch gezielten „Rückbau“ das Gegenteil möglich ist.
Krems, Stadt im Aufbruch, Architektur und Städtebau. Eine Bilanz, 2003
Schönbrunnerstraße 74 – BEHF mit BÜRO X
Broschüre making it 2, Hg. Marc Gilbert, Wolfgang Niederwieser, Wien 2000
Vorwort zur Architektur Wilhelm Holzbauers
in „Wilhelm Holzbauer – Arbeiten aus den letzten fünf Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, Katalog zur Ausstellung, S. 6 f
Hg. Universität für angewandte Kunst
Eigenverlag Univ. f. angewandte Kunst, Wien 2000
Ernst Linsberger
Doppelwohnhaus in Krems an der Donau 1991 – 94
in „Meisterschule Roland Rainer“, S. 48 ff
Springer Verlag Wien New York, Wien 1998
• Analyse der Ursachen für den Bruch in der österreichischen Designidentität
• Lösungsmöglichkeiten für eine Zustandsverbesserung
beide in „Design in Österreich – Studie und Datenbank des MAK“, Österreichisches Museum für angewandte Kunst,
Wien 1992
ARTIKEL:
siehe http://www.eiblmayr.at/publikationen/index.htm
Ausstellungen:
Moderat modern – Erich Boltenstern und die Baukultur nach 1945
Ausstellung im Wien Museum Karlsplatz von 20.10.2005 – 29.1.2006
Anna-Lülja Praun
Werk und Lebensschau der Architektin zum 95. Geburtstag
im Haus Wittgenstein von 11. – 24.5.2001
Herbert Eichholzer – Architektur und Widerstand
Ausstellung im Haus Wittgenstein von 12.11. – 4.12.1998
Anna-Lülja Praun – Werkschau der Architektin
bei Minerva Buchhandlung von 19.6. – 13.7.1997'
Architektur als Unterhaltung – Über ein neues Rollenverständnis der Architektur
Veranstaltungsreihe der Österreichischen Gesellschaft für Architektur
von 4.4.2001 – 22.2.2002
coming up: Elizabeth Scheu Close - American Architect with Viennese Roots.
VORTRÄGE:
Open Office versus Private Corner - Großraumbüro und das Recht auf Intimsphäre
Miba Forum Laakirchen, 20. 7. 2019
Blaha office Seminar, 3.3.2020
Dem Schach Raum geben
„ARCHITEKTUR HÖREN“ – Special: Rösselsprünge bei Loos
Gespräch mit Michael Ehn, Schachhistoriker
Bridge Club Wien, 16.2.2018
Anna Lülja Praun - Pionierin als Architektin in Österreich
für TU Graz und Ortwein-Schule,
Prenning bei Graz, 29.9.2018
Sprechen über Architektur
Werkvortrag von Judith Eiblmayr
ZV Architekt:innen Österreich, Wien, 11.1.2018
My Home Is My Castle - Das schwere Erbe von Suburbia
ÖGFA (IG Architektur), Wien, 10.5.2019
Soroptimistinnen Club Traunsee, Gmunden, 15.11.2018
Ausschuss der Ziviltechnikerinnen, Wien, 15.11.2017
HDA, Graz, 19.4.2017
Kamingespräch, Wien, 6.3.2017
Werkschau, Salzburg, 10.11.2016
Fulbright Womens Roundtable, Wien, 23.5.2016
Architektur als kreative Dienstleistung
Mödling, 18.7.2017
Die Stadt als Bühne - Von der Hochstraße zur Herrengasse, 200 Jahre Leben in Wien
mit Iris Meder
HG+ Infopoint, Wien, 9.6.2016
A planned Ideal City and the Legacy of its Plot
University of Minnesota, 11.12.2015
Is there a Perfect Town? The Rational Grid andthe Medieval Maze -
Two Systems of Urbanization
University of Minnesota, 19.11.2015
Margarete Schütte-Lihotzky - Talk and a Tour on the
Frankfurt Kitchen
MIA - Minneapolis Institute of Art, 17.11.2015
Vater, Großvater, Übervater. Zwei Generationen Holzmeister-Schüler.
Hannes (1905–1971) und Hansjörg Eiblmayr (1936–2013)
Internationale Fachtagung „Gibt es eine Holzmeister-Schule?“
Innsbruck, 16. - 18.10.2014
Was bewegt? Zur Situation von Architektinnen im
österreichischen Baugeschehen
Initiative Architektur Salzburg, 27.11.2013
Venus oder Eisenguss? Gendermainstreaming in der Architektur
Institut f. Architekturtheorie, TU Wien, 14.5.2013
ArchitektIn als DienstleisterIn?
frauwt - Netzwerk Wirtschaftstreuhänderinnen, 23.11.2010
2006 Arbeiterkammer Wien Innenraumgestaltung, mit Irmgard Frank (Umsetzung 2006 – 2008)
Eine Auszeichnung nach der anderen, zuletzt der weltweit renommierteste Preis für innovativen Glasbau: Der Glaspavillon, den Aneta Bulant-Kamenova und Klaus Wailzer ans Salzburger „Haus Sailer“ angebaut haben, ist drauf und dran, ein Klassiker zu werden.
Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen läßt, läßt sich klar aussprechen.
Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus
Was macht die Bauaufgabe Einfamilienhaus und in der Folge die Analyse derselben immer wieder interessant? Oder besser: Wodurch macht sich ein Einfamilienhaus - gemeint sind hier sogenannte „Architektenhäuser“, deren Anteil am österreichischen Privathaus-Bauaufkommen ganze 5 Prozent beträgt - beziehungsweise ein Detailbereich desselben immer noch interessant genug, um spezifisch beschrieben zu werden?
Sind nicht sämtliche Grundrißvarianten bereits durchgespielt und verfeinert, ist nicht - auch formal - „alles schon einmal dagewesen“? Ja und nein, ist die logische Antwort, das Einfamilienhaus muß nicht immer neu erfunden werden, um trotzdem neu und gut zu sein. Es kann übrigens auch alt und unscheinbar sein und erst durch qualitätvolle Eingriffe in architektonische „Hochform“ gebracht werden.
Ein Haus, dem dieses Schicksal in bislang zwei Etappen widerfahren ist, ist jenes der Familie Sailer in Morzg bei Salzburg. Als das 1939 errichtete Gebäude in den späten siebziger Jahren von den Teppichgaleristen und Kunstsammlern Ingrid und Franz Sailer erworben wurde, war an ihm bereits mehrmals „herumgebaut“ worden, und es präsentierte sich zu diesem Zeitpunkt als historisierende Fünfziger-Jahre-Villa. Diese sollte für die Zwecke der Familie adaptiert werden, und so wurde Anna-Lülja Praun mit der Neugestaltung der Innenräume beauftragt. - Schon bei der Wahl dieser Architektin bewiesen die Bauherrn Stil: Praun - mittlerweile 92jährig und immer noch aktiv - ist in der Tradition einer zeitlosen Wiener Moderne des Möbelbaus verhaftet und dafür bekannt, trotz ihrer bestimmenden gestalterischen Eingriffe eine Qualität an Freiraum für die Bewohner zu erzeugen, in welchem diese ihre eigenen Geschmacksvorstellungen entwickeln und entfalten können.
Prauns üblicher Ansatz eines klaren, auf Durchlässigkeit bei Blickachsen und Wegführung zielenden Raumkonzepts und ihr im Stil unverkennbares, jedoch mit den persönlichen Dingen der Bauherrn bestens kompatibles Maßmobiliar haben auch dem „Haus Sailer“, als das es im Praunschen Werk einen wichtigen Platz einnimmt, sein spezifisches Gepräge verliehen.
Zwanzig Jahre später haben sich die Bedürfnisse der Hausbewohner gewandelt, oder besser: weiterentwickelt. Sie wollten das nach wie vor unverändert gültige hohe Niveau bei der Qualität der Innenräume nun auch im Außenraum erreichen. Es sollte der Bezug zum Garten, der bislang lediglich über eine kleine Loggia und über einen Ausgang vom Wohnzimmer treppab gegeben war, in verstärktem Maße hergestellt werden können.
Beim klimatischen Fixpunkt an Salzburgs oftmals wolkenverhangenem Himmel, dem Schnürlregen, ist eine „Beziehung zum Außenraum“ freilich nicht durchwegs ungetrübt herzustellen. „Wetterfleck“ und Gummistiefel sind nicht umsonst gern getragene Salzburger Accessoires für draußen. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, einen verregneten Sonntag im Garten - obzwar vor der völligen Durchnässung textil geschützt - als entspannenden Zeitvertreib zu empfinden.
Die Bauherrn hatten die konkrete Vorstellung, daß sie sich die Natur unabhängig vom Wetter als ganzjährig „belebbaren“, zusätzlichen Raum erobern wollen. Nicht vom Formalen her wußten sie, was sie wollten, sondern im Sinne einer klar formulierten zusätzlichen Lebensqualität, die durch diesen Zubau erreicht werden sollte. „Wir waren angenehm überrascht, Bauherrn zu treffen, die so bewußt Vertrauen in ihre sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten hatten“, meinten die beiden Wiener Architekten Aneta Bulant-Kamenova und Klaus Wailzer und gingen daran, das gewünschte sinnliche Element eben möglichst „elementar“ auszubilden und eine (Architektur-)Sprache zu finden, die diese Intention präzisiert auszudrücken vermag.
Bulant-Kamenova und Wailzer haben das Ansinnen ihrer Auftraggeber regelrecht auf den Punkt gebracht. Der von ihnen entworfene und in geklebter Konstruktion entwickelte Ganzglaspavillon ist dem von diversen Vorbauten und Zierrat befreiten Haus wie zur Veredelung vorgelagert. Dabei wird die kubische Wirkung des strahlend weißen Baukörpers eher noch verstärkt, als daß sie durch den Annexbau formal bedrängt würde. Dies ist kein klassischer Wintergarten, der als Anhängsel des massiven Baus wirkt, sondern ein auf konstruktive und ästhetische Reduktion angelegtes Glashaus mit maximaler funktionaler Entsprechung im Sinne der Klassiker dieser Art - wie das „Farnsworth House“ von Mies van der Rohe oder das „Glass House“ von Philip Johnson.
Anders jedoch als bei diesen solitären, transparenten Pavillons, die ausschließlich auf größtmögliche Verschmelzung ihres Innenraums mit der umgebenden Natur abzielten, soll mit dem Sailerschen Glashaus auch eine Staffelung von Räumen zwischen drinnen und draußen erfolgen. Lülja Prauns Raumkonzept wurde insofern konsequent weiterverfolgt, als eine sukzessive räumliche Annäherung von den Wohnräumen zum Grünraum hin stattfinden kann: vom Musiksalon niveaugleich ins Glashaus, weiter auf die Terrasse und über drei Stufen in den Garten.
Über der sockelartigen, mit Granitplatten belegten Terrasse, die vom Haus bis an die Grundstücksgrenze reicht, wird der Außenraum ganz konkret definiert: Die Gartenmauern aus Sichtbeton bestimmen seine Länge und Breite, die sowohl Glashaus wie auch Terrasse überspannende Pergola aus verzinktem Stahl schafft dessen horizontalen Abschluß.
Und sollten die Drahtseile, die zwischen den I-Trägern gespannt sind, erst einmal bewachsen sein, wird ein „grünes Dach“ in der warmen Jahreszeit diese Wirkung noch verstärken. So entsteht ein geschützter Hof, ein Semiatrium dessen Hauptorientierung sich westseitig in den Garten ergibt.
Aus dem Glashaus heraus verlegt kein konstruktives „Sprießelwerk“, sei es aus Holz oder Aluminium, den Blick ins Freie, ohne lästige Steher, die das Sehfeld „parzellieren“, können Wiese, Bäume und Himmel in einem erfaßt werden. Die Vorstellung, bei Regen nur von einer gläsernen Membran „beschirmt“ im Liegestuhl zu liegen, läßt einen den entspannenden Effekt eines „inversen Aquariums“ erahnen. Auch im Winter ist wohl ein stark kontemplativer Charakter gegeben, wenn man aus dem beheizten, neutralen Raum heraus den Schneefall rundherum beobachten kann.
Die formale Reduktion, die letztendlich die außergewöhnliche Eleganz dieses gläsernen Raumes ausmacht, stellte konstruktiv eine große Herausforderung dar, sowohl für die Architekten als auch für die ausführende österreichische Glasfirma, die diesen Auftrag als „experimentell“ einstufte. Es wurde - erstmalig in Österreich - eine geklebte Ganzglaskonstruktion hergestellt und montiert.
Die tragenden Elemente bilden dabei zwei Dreischicht-Glasstützen beziehungsweise -Glasbalken, die durch einfache Zapfenverbindungen miteinander befestigt sind und allen anderen lediglich geklebten Glasteilen den nötigen Halt geben. Als vertikale Aussteifung dienen vier sogenannte Glasschwerte, um die Windlasten abtragen zu können. Gefertigt wurde aus laminiertem Isolierglas mit erhöhter Sonnenschutzfunktion, die Dachfläche ist zwecks Beschattung 40prozentig punktgerastert. Auch bei der großdimensionierten, rahmenlosen Terrassentür wurde der Weg der technischen Herausforderung beschritten.
Trotz der relativ geringen Kubatur und der verhältnismäßig kleinen Dimension dieser Bauaufgabe wurde der Wille zur schlichtestmöglichen Versachlichung des Bauherrnwunsches unter Einsatz und Entwicklung innovativer Technologie mit einer wahren Preisflut belohnt. Den Anfang machte der Architekturpreis des Landes Salzburg 1997, es folgten die Wahl zum „Haus des Jahres 98“ der Zeitschriftenredaktionen von „Häuser“ und „Schöner Wohnen“ und der Bauherrnpreis für „Das goldene Haus 98“ der Münchner Zeitschrift „Das Haus“.
Eine echte Sensation allerdings stellt der Gewinn des „Benedictus Awards 98“ dar, der als der weltweit renommierteste Preis für innovativen Glasbau gilt, vom American Institute of Architets organisiert und von der amerikanischen Firma DuPont, einem Hersteller von Glaslaminaten, gesponsert wird. Aneta Bulant-Kamenova und Klaus Wailzer sind nun Träger derselben Auszeichnung, die etwa 1993 an den britischen Stararchitekten Sir Norman Foster vergeben wurde.
Um zur Thematik des Einfamilienhauses zurückzukehren: Das Haus Sailer ist deshalb so ein wichtiger Beitrag dazu, weil es zeigt , daß auch ein schlichtes, unprätentiöses Haus zu einem Kulturträger höchster Qualität geraten kann, wenn die Bauherrn dies nur wollen. Deren Aufgeschlossenheit, ihr „altes“, gediegenes Haus neu aufgekommenen persönlichen Bedürfnissen anzupassen und dies von Architekten in einer zeitgemäßen Formensprache interpretieren zu lassen, ist hier, im Wittgensteinschen Sinne, klar ablesbar: Alles, was überhaupt gedacht werden kann, läßt sich klar planen. Und auch - wie an diesem Beispiel ersichtlich - mit höchster Präzision bauen.
2025
Elizabeth Scheu Close, 1912 in Wien geboren und 2011 in Amerika gestorben, wuchs in einem von Adolf Loos geplanten Haus auf. Ihre Eltern waren neuen Ideen sehr aufgeschlossen: Die Mutter, Helene Scheu-Riesz, war Autorin und Verlegerin von Kinderbüchern, der Vater ein Rechtsanwalt und politisch engagierter
Autor: Judith Eiblmayr
Verlag: Verlag Anton Pustet
2013
Wenn es nach den Vorstellungen seiner Erfinder gegangen wäre, könnte Strasshof an der Nordbahn heute „die größte und schönste Stadt Niederösterreichs“ sein, geplant auf einem orthogonalen Straßenraster nach US-amerikanischen Vorbild. Eine „Garten- und Industriestadt“, die 1908 nach der Errichtung des
Hrsg: Judith Eiblmayr
Verlag: NWV Verlag GmbH
2010
Seit fast zwei Jahrzehnten ist Judith Eiblmayr als Architektin tätig, parallel dazu verfasst sie Architekturkritik für Fachzeitschriften und Zeitungen. Die Themen sind dabei vielfältig wie die Architektur selbst: von der Revitalisierung des Palais Palffy bis zum Neubau der Hauptbücherei, von der Containerarchitektur
Autor: Judith Eiblmayr
Verlag: Metroverlag
2005
Erich Boltenstern (1896-1991) war eine der zentralen Figuren der Wiener Architektur im 20. Jahrhundert. Einer der Schule von Oskar Strnad entstammenden spezifisch wienerischen Moderne verpflichtet, profilierte er sich erstmals 1930 mit dem Grazer Krematorium für den „Wiener Verein“, dessen Geschichte
Autor: Judith Eiblmayr, Iris Meder
Verlag: Verlag Anton Pustet
2001
Anna-Lülja Praun zählt zu den wichtigen Persönlichkeiten der österreichischen Architektur des 20. Jahrhunderts. Sie wurde 1906 in St. Petersburg geboren, verbrachte aber ihre Kindheit und Jugend in Sofia. 1924 begann sie als eine der ersten Frauen in Graz ein Architekturstudium. Im Atelier von Clemens
Autor: Judith Eiblmayr, Lisa Fischer
Verlag: Verlag Anton Pustet