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Profil

Wojciech Czaja, geboren in Ruda Śląska, Polen, ist freischaffender Journalist für Tageszeitungen und Fachmagazine, u.a. für Der Standard, Architektur & Bauforum, VISO, db Deutsche Bauzeitung, und DETAIL. Er ist Autor zahlreicher Wohn- und Architekturbücher, u.a. Wohnen in Wien (2012), Zum Beispiel Wohnen (2012), Überholz (2015) und Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden (2015). Zuletzt erschien HEKTOPOLIS. Ein Reiseführer in hundert Städte im Verlag Edition Korrespondenzen. Er arbeitet als Moderator und leitet Diskussionsrunden in den Bereichen Architektur, Immobilienwirtschaft und Stadtkultur und veranstaltet unter dem Titel Ähm, ja also... Praxis-Workshops zum Thema Kommunikation und Präsentation. Er ist Dozent an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie an der Kunstuniversität Linz und unterrichtet dort Kommunikation und Strategie für Architekten. Außerdem ist er von 2015 bis 2021 Mitglied im Stadtbaubeirat in Waidhofen an der Ybbs.

Publikationen

Wir spielen Architektur. Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit, Sonderzahl-Verlag, Wien 2005
periscope architecture. gerner gerner plus, Verlag Holzhausen, Wien 2007
Stavba. Die Strabag-Zentrale in Bratislava, Wien/Bratislava 2009
Light/Night. The Nouvel Tower in Vienna, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010
Wohnen in Wien. 20 residential buildings by Albert Wimmer, Springer Verlag, Wien 2012
Zum Beispiel Wohnen. 80 ungewöhnliche Hausbesuche, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2012
Überholz. Gespräche zur Kultur eines Materials, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2015
Das Buch vom Land. Geschichten von kreativen Köpfen und g’scheiten Gemeinden, Wien 2015
Der Fuß weiß alles. Markus Scheer, Ecowin Verlag, Wals bei Salzburg 2016
Der Erste Campus, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2017
motion mobility. Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien, Park Books, Zürich 2017
Hektopolis. Ein Reiseführer in hundert Städte, Edition Korrespondenzen, Wien 2018

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Artikel

7. August 2004 Spectrum

Ein Hallo aus dem Hang

Wie eine Zunge streckt sich plötzlich eine grüne Plattform von der Straße weg, schleckt die Weite der Natur ab. Die neue M-Preis-Filiale im Osttiroler Matrei. Ein Lokalaugenschein.

Früher hätte man es noch des öfteren mit dem Michelfeit-Logo verwechselt. Ein weißes M auf rotem Hintergrund, der parasitäre Michelfeit-Punkt vom kleinen i machte den einzigen Unterschied. Nein, hier geht es um keine Möbelhaus-Promotion, die Rede ist vom M-Preis. Eine Tiroler Lebensmittelkette, Ursprünge irgendwann in den Zwanzigerjahren, Gründerin Therese Mölk (daher also das M). So weit, so biografisch. Bis sich schließlich eines Tages Architekt Heinz Planatscher eines frei stehenden Neubaus in Sillian annahm - an ein dekonstruktuvistisches Frühwerk Frank O. Gehrys erinnernd - und gleich das neue M-Logo auf einem roten Würfel mit designte. Das war vor über zehn Jahren.

Seitdem expandierte M-Preis mehr und mehr auf bis zu 110 Filialen, punktet größtenteils mit seiner eigenen Logistik (Verzicht auf Warenlager, stattdessen tägliche Frischwaren-Belieferung vom Zentrallager aus), Jahresumsatz 400 Millionen Euro. Wäre da nicht noch die erfrischende Kleinigkeit der Architekturkomponente! Während es gerade im Gewerbe üblich ist, jede einzelne Marktfiliale vom Giebel über die Markise bis zum Türgriff mit corporate-designten Selbstzitaten auszugestalten, ist die Architektur von M-Preis keine Frage der Form, sondern der Positionierung. Geschäftsführer Hansjörg Mölk: „Die Herausforderung besteht darin, den Kunden nicht nur eine attraktive Produktauswahl, sondern auch ein räumliches Erlebnis zu bieten und ihnen den täglichen Einkauf zu verbessern. Gelungene Architektur fördert eindeutig das Wohlbefinden.“

Mittlerweile kann das Unternehmen auf über 20 Architekten zurückblicken, mit denen bisher zusammengearbeitet wurde. Kamen ursprünglich einzig und allein in Tirol ansässige Ziviltechniker zum Zug, wurde mit Dominique Perrault bei der Filiale in Wattens erstmals auch ein ausländischer Architekt beauftragt. International ist mittlerweile nicht nur das primäre Element des Bauens, längst auch schon das sekundäre Element der Rezension: Holzbaupreise, Architekturpreise, Bauherrenpreise, Auszeichnungen und Publikationen en masse. „Es gibt Supermärkte, super Märkte, und es gibt M-Preis“, schreibt in einer Schwerpunkt-Ausgabe das Lifestyle-Magazin „wallpaper“.

„Wenn man noch vor zehn Jahren erklärt hätte, dass einmal Lebensmittelmärkte, noch dazu in einer alpinen Region, Bestandteil eines modernen Architekturtourismus sein werden, wäre man als verrückt oder zumindest als Spaßvogel angesehen worden“, erklärte Friedrich Achleitner einmal in einer Architekturkritik. Wie die Zeit schnell vergeht, heuer ist M-Preis sogar schon Biennale-tauglich. Neben vier Architekturbüros nahm Kuratorin Marta Schreieck - und das ist eine Seltenheit - mit der Tiroler Lebensmittelkette auch einen Bauherrn mit ins Boot. Grund genug, im zeitlichen Voraus, abseits von venezianischem Pomp, Jubel und Trubel auf die neueste M-Preis-Filiale zu blicken. Der Standort: Matrei in Osttirol, der Architekt: Hans-Peter Machné. Die Filiale: in bewährter M-Tradition - wieder anders, wieder neu.

Feldertauernstraße. Rechts steigen die Hänge an, ohne Schnee ist das Bild der dahingleitenden Gondelboxen für unser Tirol-Klischee zu grün, irgendwie skurril. Weit hinter dem hoch gelegenen Sägezahn-Horizont der Bergkette verschwindet die Seilbahn im Nichts. Links ein geböschter Geländesprung, einige Meter darunter beginnt das Virgental. Grüne saftige Wiesen, ab und zu - als wären es grasende Kühe - irgendwelche typisch westösterreichische, mehr oder weniger schöne Holzkisten darin verstreut. Es ist ein ruhiges, aber sehr heterogenes Bild einer von Menschenhand bereits durchmodellierten Landschaft.

Wie eine Zunge streckt sich plötzlich eine grüne Plattform von der Straße weg, schleckt die Weite der Natur ab. Ihre Kanten sind weich, amorph. Da, wo die Zunge in die Straße mündet, schmiegen sich die beiden Kantenenden an die Straße an und kaschieren den Geländesprung. Unter der weit ausladenden Ebene - von Dach kann man hier kaum mehr sprechen - befindet sich das lang gestreckte Lebensmittelgeschäft. Die Fassade springt hinter die Dachkante weit zurück, im Freiraum sind auf diese Weise einige überdachte Parkplätze definiert. „Die fließenden Formen, die übers Eck jedoch kantig ausgeführt sind“, beschreibt Architekt Hans-Peter Machné, „sind Teil des Entwurfs, der im weitesten Sinne mit der Dualität zwischen Landschaft und architektonisch gesetzten Eingriffen spielt.“ Im Klartext: Rein grundrisstechnisch ordnet sich der M-Preis der städtebaulichen Situation unter, übernimmt Ausrichtungen und Achsen. Vom Ambiente her wirkt er aber weniger als Bauwerk denn als weit gerecktes Hallo aus dem Berghang heraus.

In dieser Ambivalenz zwischen Positiv- und Negativarchitektur ergeben sich freilich einige großartige Spielmöglichkeiten, die einem herkömmlichen Hochbau - zumindest konzeptionell - vorenthalten bleiben. Ach so oft spricht man von der berühmten fünften Fassade, vom berühmten Dach, aus dem man häufig mehr herausholen will, als ihm eigentlich innewohnt. Oft genug wurde die fünfte Fassade bereits intellektuell ausgestopft, visualisiert, cool gerendert. Allein, die potenziell Schaulustigen sind meist Vögel und Flugzeuge. Ob das denn dafür steht?

Im Falle von Matrei grenzt an den Supermarkt eine Skiliftstation an, der davon beschlagnahmte Berg steigt steil an, birgt Hänge und Einfamilienhäuser. Der Architekt: „Für die Integration des Bauwerkes in die Landschaft wurde das Dach und dessen Anschluss an die Umgebung in seiner Gestaltung als fünfte Fassade behandelt. Dies umso mehr, da das Dach vom Skilift aus gut einsehbar ist.“ Hier hat Machnés Dachlandschafts-Gestaltung Berechtigung, vor allem aber regt sie neben allem rationellen Background ganz einfach zum Schmunzeln an. Für das Kiesdach wurden zwei verschieden graue Kiesarten verwendet: Die hellere dient als Hintergrund, mit der dunkleren wurde emblemgerecht ein „M“ und ein „Preis“ hineingeschrieben. Eine Werbung XXL für alle Skifahrer und Bergsteiger - clever und erfrischend lustig! Im Winter ist das himmelwärts strebende Bild nicht etwa gesamtheitlich von Schnee bedeckt, sondern kommt als Negativrelief durch korrekt eingepasste Heizschläuche zum Vorschein. Im Angesicht des M-Preises schmilzt also selbst der tiefgefrorene Winterschnee dahin?

Im wahrsten Sinne des Wortes ist die Präsenz ausgereifter Architektur hier zu einem essenziellen Teil der Werbelinie von M-Preis geworden. Architektur als Imageträger, oder wie Machné betont: „Aufgrund der Architekturszene, die sich rund um M-Preis entwickelt hat, findet die Know-how-Weitergabe und der Austausch von Informationen vielfach bereits direkt zwischen den Architekturbüros statt - und jedes Büro versucht einen Schritt weiterzugehen.“ Von der Filiale bis zum Internetauftritt und zum mit Poesie bedruckten Verpackungsmaterial der Feinkostabteilung - hier geht der Gedanke des Interdisziplinären auf. In Matrei ist seit kurzem ein weiterer kleiner, aber feiner Beweis dafür vorzufinden.

5. Juni 2004 Spectrum

Poesie in Flaschen

Umgeben von Truman-Show-artigem Familienglück ein plötzlicher Rhythmuswechsel: ein Wochenendhaus im burgenländischen Podersdorf. Ohne Fenster. Der Ausblick findet statt, wo Architektur ausgespart wird.

Der Nutzen des Weins kann der Kraft der Götter gleichgesetzt werden", wusste Plinius schon vor knapp 2000 Jahren. Wirft man einen Blick auf all die Bauten, die sich - wenn auch nur an der Peripherie ihres Nutzens - dem Weine widmen, so darf man Plinius heute einen neuen Wahrheitsgehalt zusprechen. In vino also veritas, denn seien es nun irgendwelche Weinwelten, eines der unzählig neuen Weingüter oder auch nur der Entwurf für ein fesches Flaschenetikett, so haben sich Gestaltung und Erschaffung rund um Bacchus mittlerweile zu einer neuen und feinen Nische in der architektonischen Disziplin hochgemausert.

Wein sei Poesie in Flaschen, meinte der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson. Nun, heute ist Wein vor allem die Poesie der Werbebranche und des Marktanteils. Architecture sells immer und überall: Wo eine Marke zu platzieren ist, ist das permanente Pochen auf Name, Logo, Standort und nicht zuletzt auf die Unverwechselbarkeit unverzichtbar. Umso beruhigender jeder Versuch, der sich dem Wein aus einer anderen Perspektive nähert.

Weingärten, grüne Streifen, eine linierte Landschaft. Ein Blick, eine Rahmung, ein eingefangenes Bild. Braun, Grün, Blau. Einmal im Jahr, während der Lese, knallblaue Bottiche auf den Rücken der Weinbauern. Idyllisch verklärt? Es ist die Landschaft, in die das burgenländische Podersdorf eingebettet ist. Dreht man sich kurz auf das Dorf zu, sehnt man sich gleich wieder nach der eingerahmten Idylle des Weins, möchte sich wieder abwenden vom Dorf. Zu Recht. Denn was sich hinter einem auftut, ist ein Truman-Show-artiges Spektrum an seriell aneinander gefügtem Familienglück. Das Orangerot der Tonziegeldächer (die Werbebranche war auf diesem Gebiet sehr erfolgreich) und die hellblauen und vanillegelben Putzfassaden ersticken jeden grünen Versuch der umliegenden Weingärten.

Doch: gegen Ende der Häuserzeile ein Rhythmuswechsel des Bebauten. Als Abschluss das Wochenendhaus eines Ärzteehepaares. Das Haus, es ist still. Der Architekt Johannes Baar-Baarenfels: „In diese ambivalente Situation zwischen banalem Gebauten und gekämmter Landschaft durfte nur ein sprachloses Haus gelegt werden.“ Zur Straße hin ist es nicht nur sprachlos, sondern geradezu stumm. Eine kurze Unterbrechung in der Baufluchtlinie ist eine deutliche Zäsur zum Nachbarhaus, markiert den Übergang zum Minimalistischen. Danach beginnt eine weiß verputzte Mauer. Kahl, allein drei vertikale Glaskiemen in der eigentlich fensterlos gedachten Fläche stellten sich als möglicher Kompromiss zwischen Bauherrschaft und Gemeinde heraus.

Wo die Fenster sind? Es gibt keine Fenster. Denn Architekt Baar-Baarenfels hat lediglich architektonische Elemente wie Körper, Säule, Wand und Dach aneinander gefügt. Teilweise sogar ohne Kontakt zueinander. Der Ausblick findet dort statt, wo Architektur ausgespart und daher mit Glasflächen abgeschlossen wurde. Fast könnte man meinen, man hätte dies einzig und allein den rauen Winterverhältnissen zum Trotz getan. Nicht zur Straße hin wird hinausgeblickt, sondern - als logische Konsequenz der prädestinierten Grundstückslage - auf die angrenzenden Weingärten und in den Himmel hinaus. Hier werden jene bewusst komponierten Bilder gerahmt, die die wenigen Hauptmotive während eines Wochenendes fernab großstädtischer Hektik sein sollen.

„Die Funktion muss auf die wesentlichen Dinge beschränkt sein“, so die Bauherren, „eine reduzierte Architektur wie diese war die einzig mögliche Konsequenz unserer Vorstellungen.“ Der Architekt fasst seine Methode noch präziser und spricht von „stripped to bare“. (Allein schon dem Begriff zuliebe müsste man an dieser Stelle jeden auch nur annähernd intellektuellen Diskurs über das Haus beenden.) Bis auf die nackte Haut also ausgezogen, war die Poesie des Ortes wichtiger als das Feilschen mit architektonischen und technischen Feinjustagen, die nun weder aufdringlich noch erkennbar sind. Das Pultdach beispielsweise - eine Art halbes Satteldach und mit 30 Grad die flachstmögliche Interpretation der hiesigen Baubestimmungen - ist zwar (bauphysikalisch bedingt) stolze 45 Zentimeter dick, doch wo die Auskragungen auf Wärmedämmung verzichten konnten, haben Isokörbe ihren Part übernommen und das Dach an seinen Kanten somit auf gerade einmal ein Viertel der Dicke verringert. Understatement als Planungsprämisse?

Jede Zurückhaltung der architektonischen Komponente ist Gewinn für den Bauherrn. Das macht das Projekt allen ELK-Fertighausvarianten und cool designten Architekturalternativen (schwebenden Kartoffeln, lindgrünen, windschief verzerrten Wohngebilden und aufdringlichen Selbstdarstellungsikonen) gegenüber höchst sympathisch. In letzter Instanz hat das auch die Gemeinde erkannt, die nach einem dreijährigen Kampf um die Baugenehmigung zu guter Letzt all ihre Vetos zurückgezogen hat. Doch es war nicht nur ein Kampf mit juristischen Details, sondern auch mit Spenglern, Glasern und Steinmetzen. Wie auch immer, am Ende sind die auskragenden Steinstufen nun vorgespannt, die großen Glasflächen selbst am Eck rahmenlos, die Spenglerdetails auf das Minimum reduziert oder gar entfallen. Ungewöhnlich auch die Innenraumbeleuchtung im Wohnzimmer, denn die konvexe Dachuntersicht wird indirekt beleuchtet. Und zwar durch wetterfeste Halogenleuchten von außen. Das bringt erstens die nötige Distanz, um auf der gewölbten Fläche eine schöne Lichtstreuung zu erzielen, zweitens bleiben selbst bei geöffneten Türen sämtliche fliegenden, blutsaugenden kleinen Ungeheuer draußen, wenn sie den hellen Quell ihrer Freude umwerben.

Lichtführung, Material und Raumklima senken Geschwindigkeit und Puls beim Betreten des Hauses. Die brodelnde Ruhe ist das Außergewöhnlichste in diesen Räumen, wo - in der zeitgenössischen Architektur selten genug der Fall - das architektonische Auge mit dem Genius Loci Freundschaft schließen kann. Glas, weißer Putz und heller Naturstein bilden sowohl im Innenraum als auch von außen betrachtet den zurückhaltenden Hintergrund für das Rundherum. Man wird das Gefühl nicht los, man stehe in einer dreidimensionalen Fotografie, in der ein verspielter Grafiker die Farbsättigung bis auf den Grad eines Schwarzweißfotos verringert hätte. Mehr noch: „Anfangs wollten wir um das Haus weißen Carrara-Marmor streuen“, so Johannes Baar-Baarenfels, „doch die Blendung wäre im Sommer unerträglich geworden.“

Stattdessen griff man nun zum grauen Kies der örtlichen Schottergrube. Das Material, das recht unverfroren bis über die Grundstücksflächen hinaus verstreut wurde und unter dem selbst der flächenwidmungstechnische Gehsteig spurlos verschwunden ist, lässt genug Raum für Interpretationen: Etwas gröber als der feine Sand am Meer, ist es die Projektionsfläche für den hier aufgesuchten Freizeitgedanken; etwas feiner als steiniges Geröll, ist es die überschwänglich ausgestreute Barrikade, um die Grausamkeiten des Traditionellen bereits ante portas abzuwürgen. Ein Freizeitdomizil als kleiner, aber feiner heterotoper Mikrokosmos in und gleichzeitig außerhalb von Podersdorf? Eine starke Geste, eine Gratwanderung zwischen Aggressivität und Poesie.

19. März 2004 Spectrum

Zum Heulen!

Um die Gefühlskomponente in der Baukunst ist es schlecht bestellt, sowohl in der Praxis wie auch in der Theorie. Architektur ist und bleibt eine Disziplin allein des Intellekts. Leider. Ein Plädoyer für „Love, Sex and Architecture“.

Kennen Sie das Buch „Blume ist Kind von Wiese“? Eine Wiener Volksschullehrerin hat dafür jahrelang Begriffsumschreibungen von Kindern nichtdeutscher Muttersprache zusammengetragen. So lautet etwa die Definition von Philosophie: „Viel so viel, so viele Bücher, so viele Seiten, so viel denken, so viel Kopf.“ Aus geisteswissenschaftlicher Sicht eröffnet da ein Achtjähriger mit seiner Aussage freilich ein weites Kampffeld, doch er bringt auf den Punkt, was nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern auch die Architekturpublizistik und -kritik so prägt. Denn was da alles gedacht, analysiert, hinterfragt und kritisiert wird, ist mitunter zum Gähnen. So schreibt etwa Fritz Neumeyer, Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität Berlin, in seinem Essay „Nachdenken über Architektur“: „Modernes Denken bewegt sich im Vernehmen und Einvernehmen dessen, was ist, und zugleich auch immer dessen, was
sein kann und folglich möglich sein soll.“ Alles klar?

Wie schön wäre es, wenn die verschiedenen Disziplinen in Symbiose existieren könnten. Doch anstatt einander zu bereichern und die Möglichkeiten zuzulassen, voneinander zu profitieren, ist es mit dem interdisziplinären Gedanken in Österreich nicht weit her, und an seine Stelle tritt das schöne, weil klare lineare Schema: Zuerst die Architektur, dann die dazugehörige Publizistik. Und so verkommt alles Denken über Architektur zu einem Hinterher-hecheln, je nach zu publizierendem Projekt einmal etwas fröhlicher, dann wieder in Trockenheit verröchelnd. „Es gibt so viele Möglichkeiten der Äußerung von Architektur, notwendige und überflüssige“, fasst Rem Koolhaas zusammen. „Deshalb wird Architektur für mich besser definiert, wenn nur das gebaut wird, was auf keine andere Art vermittelt werden kann.“ Und so klingt selbst einer, der in der gesamten Szene mit jedem neuen Projekt regelmäßig für Aha-Effekte sorgt und der gemeinhin nicht unbedingt als Pragmatiker und Utilitarist unter den Architekten gilt, plötzlich gleich wieder langweilig und unspektakulär.

„Warum sollen wir Dinge nur dann machen, wenn sie funktionell sind?“, kontert Françoise-Hélène Jourda, Architektin und Professorin an der Technischen Universität Wien. Von den Verboten und Voraussetzungen der modernen Architektur will sie gar nichts mehr wissen, denn immer nur politisch korrekte Konzepte seien auf Dauer langweilig. „Wenn wir es nur schaffen würden, zu Spaß und Freude zurückzukehren!“ Und auch der amerikanische Architekt Steven Holl ist der festen Überzeugung: „Der Kopf muss leer sein!“ Weshalb er das unbedingt sein muss? Falsche Frage - unverzüglich verstrickt sich Holl in Erklärungen und Hypothesen, im Nu ist das eben noch leere Denkzentrum des Menschen wieder bis zum Bersten gefüllt. Doch Aerobic für die Ganglien gehört in der Architektenschaft mittlerweile ohnehin zum guten Ton, man kann es drehen und wenden, wie man will: Architektur ist und bleibt eine Disziplin allein des Intellekts. Was schade ist.

Etwas mehr Esprit gefällig? Nun, statt immer nur zu denken, könnte man auch einmal lachen und weinen, vor Begeisterung hüpfen oder sich melancholisch hinter Jan Turnovskys Mauervorsprung verstecken (der den Versuch, Architektur nicht nur rationell, sondern eben auch einmal - beispielsweise - poetisch anzugehen, zumindest gewagt hat). Disneyland, Wurstelprater, diverse Pavillons auf diversen Expos, Themenparks und Kinoplexxxxe aller Art stellen unter dem subsummierenden Begriff Fun-Architecture dar, wie statt der Psyche nun Körper und Herz zum Zug kommen. Zwischen sprechenden Schlumpfhäusern, überdimensionalen Karotten und potemkinschen Renaissance-Städten fragt man sich letztlich nur, ob das denn tatsächlich sein kann, was Jourda unter Spaß und
Freude versteht.

„Die Architektur ist seltsamerweise nicht allen Modifikationen des Schönen zugänglich wie die übrigen Künste“, meint Dagobert Frey in seiner 1925 erschienenen Untersuchung „Wesensbestimmung der Architektur“. „Es gibt keine tragische und es gibt keine komische Architektur.“ Aber gibt es emotionale Architektur? Obwohl Bauwerke letztlich immer nur nach formalästhetischen und streng konzeptionellen Kriterien beurteilt werden, wird selbst erstsemestrigen Architekturstudenten bereits nahe gelegt, nicht nur an die Rezeptionsfähigkeit des Auges allein zu denken. Und so ist jedes Projekt plötzlich haptisch aufregend, ist in eine auditive Kulisse eingebettet, verströmt olfaktorische Reize und - na ja, mit dem Schmecken hapert's noch. Was neben allen intellektuellen und Sinneswahrnehmungen unterm Strich aber immer noch zu
kurz kommt, ist ironischerweise die Gefühlsebene selbst.

Die Emotion als verstümmelter Appendix am unbesiegbaren Architektenhirn? „Mittler zwischen Hirn und Hand ist das Herz“, verrät schon der Vorspann von Fritz Langs „Metropolis“ aus dem Jahre 1927, der sich mit der Trennung von Denken und Handeln befasst. Ein Dreivierteljahrhundert später hat sich die ehemals beherzte Feststellung zum modernen Slogan „Love, Sex and Architecture“ gewandelt. Während Hans Hollein bereits 1958 seinen unverschämten Skyscraper in Form eines erigierten Penis für Chicago entworfen hat (im Endeffekt nichts anderes als ein verfrühtes Achtundsechziger-Provokationsexempel mit Gefühlen und Trieben), hat es noch einige Jährchen gedauert, bis erste visionäre Ansätze in Österreich tatsächlich zum Tragen kamen. So beispielsweise der nackte Salzburger Triumphbogen der Künstlergruppe Gelatine im Sommer 2003. Der Triumph der einen währte nicht lange, tatsächlich nämlich durfte ihn letztlich die Prüderie für sich verbuchen.

Wenn es also darum geht, Architektur zur Abwechslung einmal emotional statt rational zu rezipieren, bleibt das Spektrum nach wie vor recht schmal. Stets eine Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch, ist es schlecht bestellt um die Gefühlskomponente in der Baukunst. Sowohl in der Praxis als auch in der Theorie. Denn Perzeptionswerkzeuge wie Herz und Emotionen, die in Kunst, Literatur und Musik geduldet, ja sogar gefordert sind, sind an dieser Stelle gänzlich verpönt. Ganz zu schweigen von Lachen und Weinen.

Stattdessen spricht man hierzulande gerne vom Auslachen, oder - auch das ist en vogue - etwas ist gleich einmal zum Heulen. Statt Lebensräume von Menschen zu optimieren, bemüht man sich meist nur um die Umwelt derjenigen, deren Fähigkeit und Bereitschaft zur Architekturauffassung unseren Insider-Maßstäben überhaupt erst gerecht wird. „Die Architektur von uns Architekten ist sicherlich steril und schematisch im Vergleich zur Sensibilität des Dichters“, meint Juhani Pallasmaa, Professor an der Universität Helsinki. Sein Plädoyer für die emotionale Komponente in der Architektur fällt unüberhörbar aus: „Das Spektrum der von der heutigen Architektur übermittelten Emotionen ist auf die visuelle ästhetische Komponente verengt, und es mangelt ihm sowohl am Extrem der Melancholie und Tragik als auch an dem der Ekstase.“

8. November 2003 Spectrum

Auf nach Disneylois

„Ich werde ständig gefragt, ob ich nun zum Winzer avanciert bin.“ Steven Holl, planender Architekt des „Loisiums“, über Weingärten, Kellergänge, Kork, grünes Flaschenglas, Etiketten und den Steven-Holl-Veltliner. Ein Gespräch.

Vor wenigen Wochen eröffnete das zungenbrecherische Loisium in - Langenlois. Was auf den ersten Blick das neue Produktionsgebäude eines Weinbauern zu sein scheint, entpuppt sich sehr bald als kommerzielles Schlaraffenland. Aber nichts anderes wollte die „Loisium Kellerwelt Betriebs GmbH“, die nun in der Loisiumallee 1 ihren neuen Sitz hat. Planender Architekt: der US-Amerikaner Steven Holl, Jahrgang 1947. Auf dem Programm stand nicht nur ein neues Besucherzentrum - man rechnet mit 150.000 Gästen jährlich -, sondern auch eine „Erlebniswelt“: Da kann man nun durch kilometerlange unterirdische Gänge waten und sich durch (mehr oder weniger) künstlerische Installationen beeindrucken lassen. Unter dem Motto „Machen Sie mit!“ also auf nach Disneylois!

Sie werden gern mit der Aussage zitiert: „Ich möchte jedes Projekt mit einem klaren und leeren Kopf beginnen.“ War Ihr Kopf beim Loisium auch leer?

Anfangs ja. Sehr leer und frei für Inspirationen. Zuerst besichtigte ich die Weingärten und sah das gesamte Grundstück. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch überhaupt keine Idee, wie das Projekt aussehen könnte. Heute sieht man, dass es sich sehr stark an den umliegenden Weingärten und vor allem an den unterirdischen Weinkellern orientiert. Die Morphologie dieser Kellergänge beziehungsweise Tunnelröhren schlägt sich nun in der Form der Glaseinschnitte im Kubus nieder, auch im Griff des Haupteingangs. Dieses Konzept ist schon der allerersten Skizze abzulesen, die nun als Etikett auf der Flasche des Steven-Holl-Veltliners verkauft wird. Ich werde übrigens ständig gefragt, ob ich zum Winzer avanciert bin.

Wenn man neben den Weinkellern nun auch die Weingärten betrachtet - in welchen Teilen des Projekts tauchen die auf?

Irgendwer sagte mir unlängst: „Ach, das Gebäude sieht eigentlich nicht danach aus, dass es irgendwas mit Weingärten zu tun hätte.“ Tut es aber doch, und zwar in einer sehr abstrahierten Form. In sehr ungewohnter Weise entsteht durch die Lichteinschnitte ein neues Bild von den Weingärten rundherum, die Blickbezüge und das Einfangen von Bilden in verschiedenen Formaten sind ein essenzieller Bestandteil dieser Korrelation zwischen dem Loisium und dem Wein. Das Gleiche trifft auf das Material zu: Ich habe beispielsweise noch nie ein Projekt mit Kork gemacht, und hier ist gleich der gesamte Innenraum damit ausgelegt. Auch in den Glasbrüstungen kehrt er wieder, das sieht man an den wasserstrahleingeschnittenen Löchern, die die Struktur des Korks imitieren. All diese Ideen resultieren aus der Tatsache, dass der Kopf am Beginn leer war, um Gefühle und Inspirationen zuzulassen. Alles ändere wäre persönlicher Stil und vorgefasste Meinung.

Wie in Ihren Aquarellen ist eines der immer wiederkehrenden Grundbestandteile Ihrer Projekte das Licht. Welche Rolle spielte das Licht beim Loisium?

Beim Loisium geht es um Inversion, um das Gegenüberstellen von Gegensätzen: Die Weinkeller sind dunkel, das Loisium ist hell. Wo es unter der Erde dunkel ist, ist hier nun eine Öffnung, die Tageslicht in den Raum bringt. Die Figur des unterirdischen Kellers wird zum Schlitz in der Fassade, der Tageslicht in den Raum bringt. Und dann gibt es da noch einen zweiten Punkt: Im gesamten Innenraum gibt es keinen einzigen Pfeiler, keine einzige Säule. Diese urtypische und klassische, ja fast schon archaische Komponente der Architektur kommt als Abbild dennoch vor: Im Verbindungsgang zu den Kellerwelten befinden sich in der Decke fünf kreisrunde Bullaugen, die in Form von „Lichtsäulen“ Licht nach unten führen. Die Fläche über den Bullaugen ist mit Wasser gefüllt, sodass sich unten Lichtreflexionen des plätschernden Wassers an Wand und Boden abzeichnen.

Ist es aber nicht so, dass Sie durch die Lichtsäulen und durch die anderen Einschnitte in die Hülle des Loisiums so viel Licht einfangen, dass der Raum für eine geheimnisvolle, sakrale Stimmung bereits zu hell ist?

Was aus meiner Sicht im Nachhinein nicht gelungen ist, ist das grüne Glas, mit dem einige Fensteröffnungen verblendet wurden. Die ursprüngliche Idee war, in Anlehnung an die gesamte Thematik, grünes Flaschenglas zu verwenden. Da das technisch nicht möglich war, mussten wir auf eine Variante zurückgreifen und haben ein gewölbtes Glas mit einer grünen Folie laminiert.

Das Loisium wirkte auf den Modellfotos viel wuchtiger und größer, in Wirklichkeit sieht es ein bisschen geschrumpft aus.

Der gesamte Baukörper ist um fünf Grad gekippt. Diese Neigung kommt zum einen dem Raumeindruck zugute, da der Innenraum auf Grund seiner nicht versehrten, sondern nur gekippten kubischen Form als Einheit wahrnehmbar bleibt. Und es ist damit auch gelungen, das Einsinken des Baukörpers in die Erde sichtbar zu machen. Dass man dieses Versinken nun auch in Wirklichkeit bemerkt, ist vielleicht der Grund dafür, dass das Gebäude kleiner erscheint. Ich sehe das aber nicht als Nachteil. Ganz im Gegenteil: Das Loisium ist eine Landmark geworden - und auf die Größe beziehungsweise deren optische Erscheinung allein kommt es da nicht an.

Ihre Projektpartner, Franz Sam und Irene Ott-Reinisch, haben angemerkt, wie aufwändig das Projekt und wie schwierig viele Detaillösungen waren. Ott-Reinisch im O-Ton: „Holl arbeitet skulptural, ihm geht es ums Licht, er kümmert sich nicht um Technik.“

Die technischen Details wie Haustechnik, Klimakonzept und die überaus schwierige Statik - das alles sind wichtige Themen, die dieses Projekt geprägt haben. In Kombination mit dem großen Zeitdruck - die Bauzeit hat nur neu Monate betragen - waren das nicht gerade die günstigsten Umstände für eine reibungslose Umsetzung. Die beiden hatten sicher eine harte Zeit, aber sie haben es in den Griff bekommen und gut gemanagt. Ich denke, das war eine Partnerschaft, die als Konstellation geklappt hat und wo jeder seinen Part eingebracht hat.

Haben Sie bei den Kellergängen auch ein Wörtchen zu sagen gehabt?

Oh nein, in diese disneylandartige Sache war ich nicht involviert.

Wie gehen Sie mit dem kommerziellen, diesem disneyartigen Loisium-Hype inmitten dieser „malerischen“ Naturlandschaft um?

Ich hätte mir gewünscht, da unten einfach die nackten Gänge zu belassen, anstatt sich auf Inszenierungen einzulassen. Aber die Realität ist eben nicht so clean, wie sie auf Renderings und Fotomontagen dargestellt wird. Was wir lernen müssen, und das haben viele Architekten noch nicht kapiert, ist, mit Kompromissen umzugehen. In den seltensten Fällen steht ein Gebäude so solitär da, wie es den vermeintlich perfekten Umständen entsprechen würde. Stellen Sie sich vor, ich plane ein Innenstadt-Café mit ausgefuchsten Details à la Carlo Scarpa und inszeniere jede einzelne Kante. Was passiert? Daneben schießt plötzlich ein 99-Cent-Store aus dem Boden! Da knallen doch zwei Realitäten aufeinander. Es ist ganz einfach: Es gibt das eine, und es gibt das andere - und beides ist okay.

Es gibt das eine, das andere - und am Hotel, dem dritten Teil des Projekts, arbeiten Sie noch. Wie geht es da weiter?

Die Bauherren sind einfach großartig: Sie wollten kaum etwas geändert haben. Und so geht es nun auf in die nächste Projektphase. Das Gesamtkonzept des Loisiums ist recht simpel: Es gibt drei Projektteile, die sich auf ihrem Grundstück beziehungsweise in der Erde unterschiedlich verhalten: Die alten Weinkeller befinden sich unter der Erde, das eben fertig gestellte Loisium steckt schief in der Erde, und das Hotel - noch etwas weiter oben - befindet sich auf der Erde, wird also vollkommen überirdisch sein. Das Hotel als letztes Teilstück des Projekts ist daher sehr wichtig, da es essenzieller Bestandteil des Konzepts ist. Geplanter Baubeginn ist März 2004. Genaueres will ich noch nicht verraten - bis dahin muss die Zeichnung auf dem Weinetikett herhalten!

17. Mai 2003 Spectrum

Schweizer Kiste mit Loch

In der Nacht leuchtet es in allen Farben, bei Tag nimmt es sich so weit zurück, dass seine Textur nur noch Spiegel ist: Lentos, das neue Linzer Kunsthaus. Zur Eröffnung am 18. Mai: eine Begehung.

Graz darf alles, Wien ist anders, in Linz aber beginnt's. Während man sich bisher über die dämli che Phonetik des Werbeslogans permanent den Kopf zerbrochen hatte, was denn da eigentlich beginne, gibt es seit kurzem eine erste zufrieden stellende Antwort. „Das Lentos ist mittlerweile der wichtigste Punkt in der Stadt geworden“, erklärt Bürgermeister Franz Dobusch. Museumsdirektor Peter Baum schwärmt von der „wunderbaren Leuchtmöglichkeit im Sinne eines Juwels“, unterm Strich aber ist bald klar, dass der neue Solitär an der Donau eine Diskussion ausgelöst hat, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten wird können.

Am 16. November 1998 wird nach einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren aus 219 Beiträgen der Sieger bestimmt. Das Projekt mit der Nummer 212 wird zur Realisierung empfohlen. Im Vergleich zwischen dem Siegerprojekt und dem heutigen, fertig gestellten Gebäude fällt auf, dass die Zürcher Architekten Weber + Hofer ihren Entwurf konsequent durchziehen konnten, ohne den Sex-Appeal des neuen Museums im Zuge der Planung geschmälert zu haben. Und das ist bei Wettbewerbsprojekten im öffentlichen Bereich keine Selbstverständlichkeit.

Die architektonische Hülle als Behältnis für die Kunst ist in einigen Landeshauptstädten bereits Thema qualitativ tief greifender Auseinandersetzungen geworden. Das Kunsthaus Bregenz von Peter Zumthor, das Kunsthaus Graz von Cook & Fournier, das noch heuer eröffnen wird, und nun das neue Lentos in Linz, spezialisiert auf Malerei des 20. Jahrhunderts, Grafik und Fotografie. (Lentos ist der keltische Name für Linz und bedeutet „an der Krümmung des Flusses liegend“, die kantige Alliteration macht das neue Museum zum Brandname.) Im Gegenzug: In Wien hat man zwar das außergewöhnliche MUMOK, wäre aber froh, wenn es nicht so wäre - denn anstatt sich auf einen normativen Diskurs über Museumsarchitektur einzulassen, überlegt man sich lieber, wie man am besten kreisrunde Bullaugen in die Sockel historischer Gebäude einschneiden kann. Der Deckmantel für die praktizierte Still-alive-Postmoderne ist der viel zitierte Bildungsauftrag, der in Wien offensichtlich gewichtiger ausfällt als anderswo - Beteiligung des Bundes am Bau des Lentos: null Euro.

Architekt Jürg Webers Trostpflaster: „Linz hat sich in politischer Hinsicht als so dynamisch herausgestellt - ein Mitspracherecht des Bundes hätte die ganze Abwicklung möglicherweise nur verkompliziert.“ Und so finanzierte man die „Schweizer Kiste mit Durchblick“, wie Direktor Baum das Konzept umreißt, aus Land, Stadt sowie privaten und öffentlichen Sponsorengeldern. Projektkosten: 33 Millionen Euro, Bauzeit: 29 Monate. Was macht die Schweizer Kiste also aus? „Wenn man das mit der bildenden Kunst vergleichen würde“, so der Architekt, „würde ich sagen, es ist Minimal Art, also die Reduktion auf das absolut Notwendigste.“ Im konkreten Fall ist das Notwendigste ein quaderförmiger Bau, der auf einer Länge von 130 Metern das vorrangige Wettbewerbsgebiet komplett ausfüllt. Die äußerste Hülle, das sind bedruckte Glasplatten. Das Loch in der Kubatur ist das Endergebnis einer städtebaulichen Überlegung: „Linz hat eine sehr schöne Stadtsilhouette, bei so einem niedrigen Gebäude ist es aber schwierig, zu diesem Stadtbild beizutragen.“ Anstatt mit dem Bauwerk also einen weiteren Hügel in der Skyline zu produzieren, haben Weber + Hofer das Gebäude zu einem Donaufenster reduziert, durch das sie auf die bereits vorhandene Skyline verweisen. Das eingefangene Bild im Panoramaformat zeigt die Kirchtürme im Stadtteil Urfahr, den Hintergrund bildet der mächtige Pöstlingberg. Oder anders: den Inhalt des Museums metaphorisch nach außen gekehrt, nichts anderes als eine zeitgenössische Antwort auf die Fotografie, Größe XXL.

Die Spannweite dieses schwebenden Balkens beträgt stolze 60 Meter, weit und breit keine Säule. Allein schon auf Grund der temperaturbedingten Materialausdehnung zwischen Sommer und Winter war es notwendig, den schwebenden Gebäudeteil als Brücke auszubilden. Wie ein riesiges Vierkantrohr aus Stahlbeton liegt das Galeriegeschoß wie auf Brückenpfeilern auf. Und zwar ohne das statische System jemals zum Selbstzweck zu erklären, wie es in der zeitgenössischen Architektur mittlerweile zum guten Ton gehört.

Bürgermeister Dobusch erinnert sich, wie während des Baus über den Stahlbetonkasten noch geschimpft wurde, aber „es hat einen großen Wandel in der Akzeptanz des Bauwerks gegeben“. Kein Wunder, denn seitdem hat sich auch einiges geändert. Diese Veränderung ist neben dem markanten Durchblicksfenster schließlich zur zweiten Visitenkarte des Lentos geworden: eine umgebende homogene Glashülle, die über den gesamten Baukörper gezogen wird. In einem Abstand von 80 Zentimetern zur Wand sind insgesamt 1800 Verbundsicherheitsgläser punktgehaltert. Wozu das Ganze? Ein ausgefuchstes, aber simples Manöver, wie man aus der zwar dreidimensionalen „Schweizer Kiste“, die an jeder Seite letztendlich dann aber doch nur zweidimensional ist, einen skulpturalen Baukörper machen kann, der auch in der Fläche noch Raum erzeugen kann. Ein Spiel mit Oberflächen und Oberflächlichkeiten also: 35.000 Mal ist der Schriftzug „kunstmuseum lentos“ in einer total reflektierenden Chromfolie angebracht. Aus der Nähe betrachtet, spiegelt man sich zwischen den Buchstaben in der diffusen Art und Weise, wie man das aus Schaufenstern kennt. In den spiegelnden Buchstaben aber kann man sich selbst und das reflektierte Stadtleben hinter sich dann genauer unter die Lupe nehmen.

Auf die Stadt übertragen, ergibt das nicht nur eine Vielschichtigkeit der Hülle, sondern auch eine der Erscheinungsformen: In der Nacht leuchtet das Gebäude wie ein diszipliniertes Feuerwerk in allen erdenklichen Farben und Helligkeiten. Am Tag hingegen gibt sich der Bau abweisend. Oder aber das Sonnenlicht wirft den Schatten der Chrombuchstaben auf die dahinter liegende dunkelgraue Ebene und erzeugt Tiefenschärfe. Oder - und das ist der subtilste Minimalismus am neuen Linzer Kunstmuseum - der Bau nimmt sich so weit zurück, dass seine Textur nur noch Spiegel für die Umgebung ist.

Jürg Weber: „Bauen ist nicht nur das Herstellen von Räumen, sondern ist immer auch ein Bauen der Stadt.“ Mit dem neuen Lentos ist ein Raum für Kunst geschaffen worden, der in sich stimmig und ruhig genug ist, um die Kunst Kunst sein zu lassen. Der Aspekt der Kunst ist vielmehr in den Außenraum getragen worden, um im Zwischenspiel verschiedenartiger „Bilder“ den österreichischen Städtebau um eine neue Facette zu bereichern.

9. Mai 2003 Spectrum

Mit a bissl Gstätten

Er ist wahrlich ein Unikum, der erste naturnahe Erlebnisspielplatz Wiens: Das Stadtgartenamt überließ die Planung Privaten - und die bezogen gar die Kinder in den Entscheidungsprozess ein.

Alles kann man nicht wissen. Auch nicht als Architekt. Wenn es die Bauaufgabe also erfordert und einem der Stoff ausgegangen ist, wendet man sich an Chefköche, Schwimmbadexperten, Krankenschwestern oder Bestattungsunternehmer. Sie alle wissen es in ihrem Metier jeweils besser und stehen dem Architekten mit Rat und Tat zur Seite. Einzig den Jüngsten unserer Gesellschaft schenkt man wenig Vertrauen - das Allround-Argument: „Wir waren sowieso alle einmal Kinder.“ Dieses „sowieso“ wird zu einem sehr relativen Begriff, wenn der besagte Zustand einmal mehr als ein viertel oder halbes Jahrhundert zurückliegt.

Kinder besitzen Kompetenzen und Fähigkeiten, die ihnen Erwachsene nicht zutrauen. „Schon mit zwei bis drei Jahren können Kinder über sich selbst reflektieren und Entscheidungen treffen“, bemerkt Richard Schröder in seinem Buch „Freiräume für Kinder(t)räume“. Die Siebziger- und Achtzigerjahre waren rege Zeugen von Projekten, in die Kinder einbezogen wurden. Doch die Schul- und Wohnbauten aus dieser Zeit blieben allein, der Aspekt der Wirtschaftlichkeit hat dem idealistischen Bestreben dieser wenigen Architekten ein rasches Ende bereitet.

Umso erfreulicher ist nun ein Comeback in Wien-Hietzing: der erste naturnahe Erlebnisspielplatz. Ein Partizipationsprojekt, in das Erwachsene und Kinder gleichermaßen einbezogen wurden. Der Prozess reicht bis ins Jahr 1998 zurück, als der damalige Landtagsklub des Liberalen Forums eine Untersuchung zu Spielplätzen in Wien durchgeführt hat. Gibt es in Wien einen naturnahen Erlebnisspielplatz? Das Resultat war verheerend, weit hinter den Vorreitern Bayern und Zürich dümpelte irgendwo Wien.

Naturnähe bedeutet hierzulande Rindenmulch auf dem Boden und Sandkisten aus Vollholz, die Erlebniskomponente beschränkt sich auf die Schaukelei. „Naturnah bedeutet: nichts einzuzäunen, nichts zu versiegeln, sondern mit natürlichen Mitteln eine Landschaft zu bauen“, erklärt Volker Dienst von „in progress consulting“, zuständiger Koordinator des Projekts, „naturnah bedeutet aber auch, eine gewisse Gstätten zu akzeptieren.“ Ex-Stadträtin und Vizebürgermeisterin Grete Laska ließ das damals aber kalt, sie machte sich um die ohnehin guten Spielmöglichkeiten in Wien keine Sorgen. Und so sah sich die damalige Landtagsabgeordnete Michaela Hack-Sauer dazu veranlasst, im Wiener Gemeinderat ein Pilotprojekt zum Thema „Naturnaher Erlebnisspielplatz“ zu beantragen: keine Thujen, kein Gummibelag, keine Hundewiese unter blühenden Holunderbüschen. Stattdessen eine kleine Stadt-Oase, in der ausnahmsweise einmal nicht die Architekten und Magistrate das alleinige Sagen haben. Damit wird das Projekt dem neuen deutschen Kinder- und Jugendhilfegesetz gerecht, das Städte und Gemeinden auffordert, Kinder und Jugendliche zu beteiligen, und in dem es in ¶ 8, Abs. 1 heißt: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ In Österreich ist ein entsprechender Passus auf Bundesebene nicht zu finden.

Wien ist - damit rühmt man sich heute immer noch - anders, aus der zuständigen Magistratsabteilung 42 (Stadtgartenamt) hörte man stolz: „Wir haben noch nie eine Projektplanung aus der Hand gegeben!“ Zum Glück haben sie es dann aber doch noch getan. Im Hietzinger Stadtteil Speising ist am Furtwänglerplatz letzte Woche der erste Spielplatz dieser Art fertig gestellt worden, für die Landschaftsarchitektur zeichnet das Büro „PlanSinn“ verantwortlich. Auf 5000 Quadratmetern gibt es einen Rodelhügel, verschlungene Wege und Wiesen, die je nach Topografie für Ballspiele zum Teil gemäht, zum Teil aber auch dem natürlichen Wachstum überlassen werden.

Doch dann fängt erst die Kür an: eine Schaukel für mehrere Kinder, eine Sandfläche, die über den Kistenstatus hinausgeht und in die man auf einem flachen Steg mit dem Rollstuhl hineinfahren kann, eine in der Sandfläche stehende mechanische Wasserpumpe und damit auch die daraus resultierende Konsistenz Matsch. Klettergestelle in den verschiedensten Formationen und Weideskulpturen, die gemeinsam mit den Kindern gebaut wurden und in die man hineinkriechen kann. Zu guter Letzt ein „Baumhaus ohne Baum“, aus einem Wettbewerb an der TU Wien hervorgegangen, an dem 600 Studenten teilnahmen und den Belinda Kainrath für sich entscheiden konnte.

Ein Juwel in Hietzing? „Die MA 42 wollte ständig alles einzäunen“, erklärt Michael Mellauner von „PlanSinn“, doch man müsse sich einmal vor Augen halten: „Die Einzäunung richtet sich nie an die Kinder, sondern immer gegen die Hunde.“ Statt eines Zauns ist die gesamte Spielfläche nun von einem leichten Niveausprung gesäumt. An der Geländekante sind sogenannte Gabionen zum Einsatz gekommen, „ein archaisches Element, das zwischen Künstlichem und Natürlichem steht“, so Mellauner. Man kennt die mit Steinen gefüllten Stahlgitterkäfige unter anderem von Herzog & de Meuron, die im Dominus-Weingut in Nappa Valley diese Gabionen erstmals zu einem architektonischen Gestaltungselement erklärt haben. Praktisches Detail am Rande: Die Gitter sind genau so grob, dass man in Kinderpatschen bequem drüberstapfen kann, für die Hundepfote wird's aber schon schmerzhaft.

„Freude am Abenteuer und Bestehen eines Risikos als Bestandteil des Spielwertes sind im Rahmen kalkulierter spielerisch-sportlicher Betätigung erwünscht“, schreibt die Deutsche Internationale Norm DIN 18034 über Spielplätze und Freiflächen zum Spielen vor. Wird das auch praktiziert? „Leider überhaupt nicht“, so Michael Mellauner, „wir haben nun für einen Park gekämpft, in dem man zumindest auch Essbares finden kann. Der erste in Wien!“ Im Klartext: Die Kinder können selbst entscheiden, ob sie von Kriecherln, Preiselbeeren oder von zwar essbaren, aber nicht eben wohlschmeckenden Beeren naschen möchten. Am Ende bleibt die Erfahrung am eigenen Leibe.

Und wo liegt nun die Partizipation an diesem Projekt? Sie liegt im relativ geringen Mehraufwand, nicht im Alleingang drauflos zu planen, sondern sich in jeder Planungsetappe mit Anrainern und Kindern zusammenzusetzen. Volker Dienst: „Insgesamt vier Informationsabende mit den Anrainern, an denen sie mit abstimmen und mitentscheiden können, und ein dreitägiger Workshop mit Kindern, deren Resultate dann in die Planung von ,PlanSinn' eingeflossen sind.“ Keine Hexerei also. Den planenden und ausführenden Instanzen wird zwar keine Arbeit abgenommen, doch sie können sich von konkreten Wünschen inspirieren lassen. Im Gegensatz zur allseits prakti-zierten „Wir-waren-sowieso-alle-einmal-Kin- der“-Attitüde ist diese Lösung eine Auseinandersetzung mit fundierten Tatsachen. Hoffentlich müssen nicht wieder zwanzig Jahre vergehen, bis jemand die Größe beweist, Verantwortung zu delegieren und sich über die bereichernde Komponente der Mitbestimmung drüberzutrauen.

Mittwoch, den 14. Mai, wird der erste naturnahe Wiener Erlebnisspielplatz um 15 Uhr eröffnet (Wien XIII, Furtwänglerplatz).

29. März 2003 Spectrum

Albatros, fliegend

Ach ja, das Schweben... Unerfüllte Sehnsucht von Architekten, Designern und Pro-Ego-Almdudler trinken-den Yogis. Anmerkungen zur neuen Strabag-Zentrale auf der Donauplatte.

EXPO 95, Wien - Budapest. Alles ausgebaggert, vorbereitet, geplant. Doch plötzlich blieben die Flächen leer, und so beschloss man in Wien kurzerhand, ein zweites Zentrum zu machen. Nach kaum sieben Jahren und einer zugebauten Donauplatte - allein zwei Grundstücke sind noch nicht verwertet - ist vor allem eines festzustellen: Fernab aller stadtplanerischen Diskurse kann man Atmosphäre wohl nicht gleich mit den Hochhäusern mitbauen, sondern muss abwarten. Abwarten, bis der Genius Loci eines Tages Einzug halten wird.

Doch bis es so weit ist, hat es keinen Zweck zu jammern. Und so befindet sich ein weiteres Projekt im Endspurt, Bezug im Sommer, Eröffnung im Herbst. Angesiedelt zwischen Ares-Tower und Tech-Gate, mit dem sich Holzbauer die eigene Sicht vom Andromeda-Veteranen hinaus auf die Donau verstellt hat, arbeitet die Strabag an ihrer neuen Konzernzentrale. Der Entwurf stammt aus der Feder der Architektenpartnerschaft Ernst Hoffmann und Franz Janz. Sinn und Zweck des Projekts: die Instanzen aus den derzeitigen drei Wiener Standorten unter einem Dach zusammenzufassen - ein Prestigeprojekt, das als solches gemeint war und als solches erkennbar sein wird.

Zwar ordnet sich die neue Strabag-Zentrale auf den ersten Blick dem bekannten Donauplatten-Kanon unter (kühl, streng, tot), doch auf den zweiten Blick ist es endlich wieder ein Projekt, das nach einer Flut gesichtsloser Klötze wieder an die Eleganz des deluganschen Riegels anknüpft. Die grundlegende Idee ist genauso rasch erklärt, wie man sie erkennt: Ein achtgeschoßiges, zackiges „S“ (S wie Strabag?), das unter Verschränkungen von 30 Grad die Fluchten der Neuen Donau und der umliegenden Straßen aufnimmt, wird um vier Vollgeschoße angehoben. Das Resultat: ein fliegender Albatros, stolze 13 Meter über Grund schwebend.

Ja, das Schweben . . . Unerfüllte Sehnsucht von Architekten, Designern und Pro-Ego-Almdudler trinkenden Yogis. In der Praxis werden es dann doch wieder mehr Stützen als im viel versprechenden Konzept, statt der schwebenden Baukörper sitzt dann meist ein Stahlbetonbaumhaus auf den obersten Wipfeln der Stahlbetonstämme. Welches Wunder also geschah, dass das Schweben der Strabag-Zentrale nun doch kein reiner Verkaufsgag war?

Die Antwort lautet: Statikerwettbewerb. Aus mehreren Entwürfen namhafter Statikbüros fiel die Entscheidung zu Gunsten des statischen Entwurfs von Gmeiner & Haferl, die nicht, wie üblich, auf Zug beanspruchte Stahlbauteile als hängendes „A“ einsetzten, sondern das statische Konzept auf den Kopf stellten und somit in ein stützendes „V“ verwandelten. So wird die Last der acht Geschoße direkt in die drei Stiegenhauskerne und in die herumstehenden Stahlbetonpfeiler eingeleitet. Das klingt zwar wieder einmal nach Stahlbetonwald (vor lauter Bäumen sieht man das Schweben des Hauses nicht mehr), doch die notwendigen statischen Elemente wurden in ihrer Anzahl auf ein Minimum reduziert und sind von der Fassadenfluchtlinie weit ab- und in die Gebäudemitte eingerückt. Die Konstruktion erscheint zurückhaltend, die Auskragung ist beachtlich.

Was außen konzeptionell stark begonnen hat, findet im Innern seine Fortsetzung: Die Büros folgen einem strengen modularen Raster, das nicht einmal der Statik erlaubt hineinzupfuschen. „Das ist unsere Vorstellung vom Bauen, und zwar im bildlichsten Sinne vom Aufbauen eines Hauses. Wir möchten immer den Rohbau vom Innenausbau trennen“, erklärt Architekt Franz Janz. Die Gründe sind evident: Erstens kann es irgendwie witzig sein, wenn zwei Systeme haarscharf aneinander vorbeilaufen (Architektenhumor), zweitens muss man im millimetergenauen Innenausbau nicht die üblichen fatalen Bau-Ungenauigkeiten des Rohbaus ausmerzen.

Das erlaubt in der Folge freilich die fescheren Details. Und davon gibt es eine Menge: Deckenelemente, die sich zur Glasfassade hin verjüngen und von außen betrachtet freilich sehr zart wirken; innen liegende Rollos, die mehr oder weniger luftdicht in der Führung sitzen, um die erwärmte Luft zwischen Glasfassade und Rollo absaugen zu können; viele integrierte Beleuchtungsideen; standardisierte Glasschiebetüren - und ein Farbkonzept von Oskar Putz, der die Teeküchen und WC-Boxen farblich hervorgehoben hat. Oskar Putz - die (etwas zu vorsichtig) wohlportionierte Menge an Lebensfreude im Innenraum, denn sonst ist alles aluminiumgrau, stahlgrau, RAL-grau, teppichgrau und mausgrau. Fast hat man das Gefühl, dass Hoffmann und Janz so viel Mut in die Statik investiert haben, dass für den Pinsel nicht mehr viel übrig blieb. Bleibt zu hoffen, dass die 800 farbigen Krawatten der Mitarbeiter die Fröhlichkeit des Farbkünstlers weiterspinnen werden.

Doch wenn einen nicht die Farben zum Kribbeln bringen, dann wohl zumindest Ausblick und Höhe. Man steht am Fenster und sieht unter dem seitlich anschließenden Trakt schon die Neue Donau. Da gibt es tatsächlich eine Anzahl an Arbeitszimmern, die einen im Panoramaausblick auf andere Arbeitszimmer und auf die Umgebung darunter die üblichen Dimensionen des Geschoßbaus neu überdenken lassen. Spätestens hier - beginnt man zu schweben.

Ein Gefühl, das in Zukunft nicht den „Strabagenten“ vorbehalten bleibt, sondern auch unzähligen anderen Glück bescheren können wird. Statt des ursprünglich angedachten Fitnesscenters im Dachgeschoß werden nun ein Restaurant und eine Bar als Aussichtsplattform über Wien fungieren. Und wer vor lauter Höhenangst den Weg ins Dachgeschoß nicht finden wird, ist auch auf ebener Erde gut aufgehoben. Sieben sogenannte „Kristalle“ - Glas-Stahl-Konstruktionen, die unter dem aufgeständerten Riegel in der Erde stecken - bergen infrastrukturelle Einrichtungen, die auf der Platte bisher nicht oder nur wenig zu finden waren: einige Restaurants, Shops, eine Veranstaltungshalle und vor allem das Strabag-Kunstforum, das sich der Förderung von Jungkünstlern verschrieben hat. Kunst zur Abwechslung einmal auf der anderen Seite der Donau - dem gebührt Respekt.

Alles in allem lockern die sieben kristallinen und windschiefen Boxen das konsequente und strenge Konzept von Hoffmann und Janz wieder etwas auf, was dem Projekt (und der Platte) sicherlich gut tut. Andererseits aber verlangen sie der Schlankheit des Projekts wiederum etwas Aufmerksamkeit ab: Wo im Endeffekt unten weniger Luft durchzischt, schwebt es oben auch weniger. Somit schaffen es Hoffmann und Janz, selbst aus diesem atemberaubenden Ding ein vergleichsweise unprätentiöses Projekt zu machen. Eine Geisteshaltung, die irgendwie sympathisch erscheint, bedenkt man, dass der Rest der Architekten meist zur gegenteiligen Masche neigt. Ob es jetzt sehr viel oder doch nur etwas weniger kribbelt, wenn man vor der neuen Strabag-Zentrale steht? Ein Urteil diesbezüglich scheint in Anbetracht aller übrigen Umstände unbedeutend.

11. Januar 2003 Spectrum

Und oben drauf einen Hut!

Es scheint der Mode zu entsprechen, bei Dachaufbauten die vorhandene Substanz als reine Erhöhung für das neu zu Errichtende zu benutzen. So kommt das Neue schön zur Geltung.

Was haben wir da nur geerbt vergangenes Jahr? Einen Haufen Schwierigkeiten, eine Quelle des Zwiespalts, lauter brisante Fragen. Wien im neuen Kleidchen, adrett herausgeputzt für den frischgedruckten Tourismusfolder - und im Rucksack eine aufgebürdete Portion Weltkultur. Da wird die neue Verleihung plötzlich zur Waffe gegen Fortschritt, zum omnipotenten Vorwand für alles mögliche, allem voran für die Beibehaltung der Schandflecke und Sauhaufen in dieser Stadt.

Das totgeredete Projekt Wien-Mitte stellt indessen andere Themen in den Schatten: Wie kann es sein, daß man sich über das eine Projekt die Köpfe einschlägt, auf der anderen Straßenseite aber deutlich weniger Hähne nach dem Unesco-Prädikat krähen? Da steht es also: das hübsche Hotel Hilton, bemühter Versuch, Bauhaus mit Jugendstil zu verweben. Der 18stöckige Bau galt schon zu seiner Eröffnung im Sommer 1975 als fragwürdig: „Als einziger Zierat Balkongitter, die so aussehen, als hätte sich ein nordafrikanischer Gastarbeiter den Scherz erlaubt, vierhundertmal das Wort Kitsch in arabischer Schrift schmiedeeisern zu verewigen“, schrieb ein politisch unkorrekter Rudolf John damals im „Kurier“.

Seit einem Vierteljahrhundert macht es schon ein bißchen auf Skyline, ließ sich irgendwann den fünften Stern wieder nehmen und galt seither als schwarzes Schaf unter den Luxushotels. „Wien kann auf sein Hilton stolz sein, denn es gleicht schier in nichts den anderen Hiltons überall auf dieser Welt“, schrieb „Die Presse“ am 7. Juni 1975. 27 Jahre darauf wurde das Wiener Hilton verkauft und wird nun umgebaut und aufgestockt. Geschätzte Baukosten: 175 Millionen Euro.

Während es in Österreich Brauch geworden ist, daß kleinformatige Zeitungen großformatige Projekte durch den Schlamm ziehen, bis sie zu Fall gebracht sind, verliert man dortselbst über das rege Treiben im dritten Wiener Gemeindebezirk kein Sterbenswörtchen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Käufer sind Hanno Soravia - und Christoph Dichand, der sich im Schatten seines Vaters offenkundig sicher fühlen kann; planender Architekt wiederum ist Hans Hollein. Die Mischung könnte kaum besser sein: Macht und Marie haben sie alle.

Der erste Schritt ist getan, der letzte Gast ausgecheckt, in wenigen Tagen wird das gesamte Inventar des Hotels versteigert werden. Wenn es nach Plan geht, rollen in Kürze die ersten Bagger und Kräne an. „Die Fassade soll in den Grundelementen erhalten werden“, erklärt der Architekt.

Ein wenig holleinisiert wird sie wahrscheinlich aber doch werden. Das letzte Geschoß, das sich durch den Fassadenrücksprung von den anderen 17 Geschoßen abhebt, wird abgetragen; an seine Stelle tritt ein markanter dreigeschoßiger Aufbau. Die Stahl-Glas-Konstruktion schwebt deutlich über der vorhandenen Bausubstanz und verwendet diese nun als Podest. Der Architekt klopft sich auf die Schulter: „Fast wie eine dahinflimmernde Wolke!“

Hollein, jahrzehntelang Wiener Verkörperung der Postmoderne, entdeckt eine neue Formensprache: Was sich beim „News“-Tower als Schuhschachtel-Erker über der Taborstraße angekündigt hat, kulminiert in den aktuellen Projekten Monte Laa und Hilton als kristallines Schuhschachtel-Geschwür, als ob es in der x- und y-Achse horizontal explodieren würde. Selbstzitat und Schöpfer scheinen großen Gefallen aneinander gefunden zu haben. Doch zugegeben: Effekt und Ästhetik sind überzeugend.

Und auffällig. Auch für die Behörden. Zunächst einmal muß alles dem Flächenwidmungsplan entsprechen, bei der Baupolizei eingereicht und vom Fachbeirat für Stadtgestaltung abgesegnet werden. Und dann könnten auch noch der Kunstsenat und die Zentralvereinigung der Architekten ihren Senf dazugeben. Viele Entwürfe von vielen Architekten schaffen diese Hürden gar nicht erst. Da gehört nämlich auch eine gehörige Portion Glück dazu. Zum Beispiel das Glück, Hans Hollein zu sein. Und als solcher nicht nur das Projekt zu planen, sondern auch Präsident von besagtem Kunstsenat zu sein. Und auch von der Zentralvereinigung der Architekten. Und natürlich auch vom Fachbeirat für Stadtgestaltung. Nun, da hat man es freilich schon ein wenig leichter, wenn man gleichsam Partei und Richter in einem ist. Wenigstens kann man Hollein keine Freunderlwirtschaft vorwerfen, dazu sind bekanntlich mindestens zwei notwendig.

Auch was Wien an Aufstockungen sonst noch zu bieten hat, ist zumindest qualitativ mit einem Wort erklärt: Mix Max. Von den Spielen aus unserer Kindheit sicherlich eines der besten. Lustige Figuren, plakativ Berufe verkörpernd, sind der Lustigkeit halber horizontal geviertelt: unten Füße, darauf der dicke Bauch, dann der Kopf, als Abschluß ein Hut. Was man damit macht, muß an dieser Stelle nicht erläutert werden, jedenfalls haben am Ende alle großen Spaß gehabt und gelacht. Auf den Hochbau übertragen: Man mixt alles mögliche zusammen, um maximalen Nutzen zu erzielen.

Nicht selten entstehen dabei Gebäude, deren unterschiedliche Bestandteile scheinbar keinen Bezug mehr zueinander haben. Es scheint der aktuellen Mode zu entsprechen, dem Paradebeispiel Holleins zu folgen und im Zuge des Umbaus die vorhandene Substanz als reine Erhöhung für das neu zu Errichtende zu benutzen. So kommt das Neue schön zur Geltung.

Mit den Bauklötzen ausgetobt hat man sich in jüngster Zeit beispielsweise auch im zweiten Wiener Gemeindebezirk, einen Katzensprung vom Donaukanal entfernt. Hier thront „Galaxy 21“, ein altbekannter Freund, den einst die Fellners behausten. Martin Kohlbauer hat den Galaxy-Tower bis auf seine statische Struktur abgetragen, ihm eine neue, weiße Hülle verpaßt und einen sechsstöckigen Zylinder - sowohl in geometrischer als auch in kleidungstechnischer Hinsicht - aufgesetzt. Bei Kohlbauers Projekt ist ein geübter Architektenblick ratsam. Denn der Zylindergrundriß ist nicht kreisrund, sondern elliptisch, was angeblich der Schlankheit des Gebäudes zugute kommt.

Kohlbauer war auf Grund statischer Gegebenheiten im Umgang mit der Kubatur zwar stark eingeschränkt - für die 4100 Tonnen auf dem Dach mußte eine eigene Stützenkonstruktion bis zum Fundament durchgesteckt werden -, dafür folgt das Resultat aber auch dem Baukasten-Prinzip. Wie dem auch sei, Galaxy 21 ist „das Bürogebäude für die hohen Ansprüche des 21. Jahrhunderts“, versichert uns der Bauherr.

Mix Max inspiriert also rundum. So wie das Spiel seinen Reiz erst erhält, indem man sich nicht an den bereits vorhandenen Figurfragmenten orientiert, hat auch die Architektur ihre neuen Vokabeln entwickelt. Klar, Kontraste sind spannend. Und sie gehören mittlerweile zum guten Ton, unspannende Übergänge hingegen zum alten Eisen. So bringen die Beine des einen besser den Bauch des anderen zum Vorschein, dieser wiederum unterstreicht den Kopf des Künstlers. Ehe man sich's versieht, tüftelt man lieber an ausgefuchsten technischen Details des Aufbaus herum statt an einer ausgewogenen Gesamtkonzeption. Und so stülpt jeder seine feschen Denkmäler überall dort über, wo es unten noch recht mittelmäßig und oben schon ziemlich hoch ist.

Die vertikale Gliederung der Gebäude, wie sie in Wien zur Zeit überhand nimmt, ist an sich kein neues Phänomen. Die klassische Komposition Basis / Schaft / Kapitell beziehungsweise Sockelgeschoß / Regelgeschoß / Attikageschoß ist schon aus der griechischen Antike und aus dem Klassizismus des vergangenen Jahrhunderts bekannt. Doch unterschiedliche Motive bringen unterschiedliche Resultate zustande. Damals war es das Bestreben, die Elemente implizit zueinanderzufügen, heute ist es das Bestreben, eines davon explizit hervorzuheben.

Die Kritik gilt aber nicht allein den Architekten, sondern in erster Linie den kollegialen, familiären und sich auf die Schulter klopfenden Kontrollapparaten und Absegnungsinstanzen, in denen die besten Freunde zu Hause sind. Wird sich in den Gremien, Ausschüssen und Beiräten in Zukunft also etwas ändern? Wahrscheinlich nicht. Denn wer würde schon ernsthaft Macht und Marie abschlagen? Vor allem aber: In 70, 80 Jahren werden die heute ach so starken Kontraste längst verwischt sein, alles Moderne und Störende wird sich in Luft aufgelöst haben. Wer wird die Aufstockung des Hilton dann noch als Aufstockung wahrnehmen? Wer wird 2080 noch den Unterschied zwischen Siebziger- und Neunziger-Architektur des vorigen Jahrhunderts wahrnehmen können? Oder wem ist schon einmal die Naht aufgefallen, an der das herrschaftliche Ringstraßenhotel Imperial in den zwanziger Jahren aufgestockt wurde?

5. Oktober 2002 Spectrum

Wenn der Hamamci schrubbt

Weltweit sind sie im Rückzug, in Wien wird einer neu gebaut: ein Hamam, ein türkisches Bad. Markus Spiegelfeld und Szolt Wanger haben nicht plump Orientalismus in einen Wiener Keller implantiert, sondern beide Kulturkreise an der Gestaltung teilhaben lassen.

Francesco, ein erfolgreicher römischer Architekt, erbt von seiner Tante, die sich schon vor langer Zeit in Istanbul niedergelassen hat, einen Hamam. Er bricht in die türkische Metropole auf, um seine Erbschaft anzutreten und sie daraufhin zu verkaufen, schließlich kommt doch alles anders. Der vorerst noch kühle und unsympathische Römer beschließt, in Istanbul zu bleiben, um gemeinsam mit Freunden und Bekannten seiner Tante den alten Hamam zu restaurieren. Wie zu erwarten war, verfällt Francesco während seiner Arbeit allmählich den Reizen dieser Stadt . . .

Regisseur Ferzan Ozpetek beschreibt in seinem 1997 erschienenen Film „Hamam“ das türkische Bad (wie auch der aufschlußreiche deutsche Untertitel ausgefallen ist) als einen Ort der Ruhe, der Inspiration, der homoerotischen Erlebnisse, schließlich als einen Ort, der die Liebe zu einer Kultur geweckt hat. Konstruierte Gefühlsduselei auf höchster Stufe? Und dennoch ein Film, der in den österreichischen Köpfen nachhaltige Bilder vom türkischen Baden produziert hat.

Verläßt man das Terrain der städtischen Hallenbäder, so ist in Wien das Saunieren bisher eine eher subkulturelle Angelegenheit für aufgeschlossene Paare. Das öffentliche Baden findet bestenfalls im Tröpferlbad statt, doch auch das ist schon längst zum Relikt vergangener Zeiten verkommen. Statt dessen (und wohl einige Preisklassen darüber) eröffnet dieser Tage (am 18. Oktober) ein Hamam. Christine Ruckendorfer, in Wien lebende Projektentwicklerin und Immobilienmaklerin, die vor vier Jahren das leerstehende Erdgeschoßlokal am Fuße der Mariahilfer Straße entdeckt hat: „Ich war fassungslos, mitten in der Stadt 1600 Quadratmeter zu finden, die so verwahrlost waren.“ Ob von Anfang an ein Hamam geplant war? „Das öffentliche Baden hat mich zwar immer schon fasziniert, doch erst mit dem Ort entstand die Idee.“ „Aux Gazelles“ - der frankophile Name des neuen Hamams in der Rahlgasse verspricht zum arabischen Raum eine größere Affinität als zum kleinasiatischen und signalisiert zudem, daß dieses Bad nicht in erster Linie ein multikultureller Beitrag zum Stadtleben, sondern eher „très chic“ ist.

Dadurch widerspricht der erste Eindruck der ursprünglichen Idee des Hamam-Besuchs, wie sie in dieser Form vor rund 800 Jahren in Anatolien entstanden ist. Damals vermischten sich die Rituale der Türken mit denen der Römer und Byzantiner: öffentliches Baden, nach Geschlechtern getrennt. Wichtiges Element ist das heiße und feuchte, aber ausgewogene Raumklima, das durch hypokaustische Wärme, also durch Beheizung über den Stein an Wand und Boden, erzielt wird. Die Architektur der ersten Hamams war maßgebend für die darauffolgenden Jahrhunderte: Nach einer genau vorgegebenen Raumabfolge betritt man den eigentlichen, achteckigen Waschraum. Das Oktogon - als polygonale Nachempfindung des vollendeten Kreises - ist durch eine Hauptkuppel bedeckt und erschließt kleinere, symmetrisch angeordnete Nischen, in die man sich zur Intimreinigung zurückziehen kann.

Der traditionelle Waschgang dauert einige Stunden, teilweise mit stoischem Daliegen auf den beheizten Marmorplatten, damit sich in der Hitze die Hautporen öffnen können, teilweise mit Selbstwaschung unter Zuhilfenahme von Kupferschalen. Den Höhepunkt eines Hamam-Besuchs bildet der Hamamci, der mit einem grobgewebten Tuch die abgestorbenen Hautzellen abschrubbt und dem westeuropäischen Besucher nach qualvollen Schmerzen lange Zeit in verklärter Erinnerung bleibt.

Einer der berühmtesten Hamams ist der Cemberlitas-Hamam in Istanbul, 1584 erbaut vom bekannten Architekten Mimar Sinan. Doch wer hat nun den Hamam in Wien gebaut? Heidulf Gerngroß erstellte das erste Konzept, wollte sich mit der Idee eines türkischen Bads nicht so recht anfreunden, präsentierte für das alte Gemäuer unter der Rahlstiege schließlich Entwürfe für ein Bierlokal. Ein Hamam in Wien? - Nein, das sei nicht systemimmanent. Der britische Architekt John Pawson kassierte daraufhin rund 30.000 Euro, um seine Bauherrin mit unbezahlbaren plätschernden Flüssen und Bächen für sich zu gewinnen. Der Grazer Architekt Hannes Lackner war ebenfalls bald aus dem Rennen, blieben letztlich nur noch Markus Spiegelfeld und Szolt Wanger, die das vorportionierte Projekt nun bis zur Umsetzung begleitet haben.

„Ich habe mir anfangs einfach immer die falschen Architekten ausgesucht“, blickt Christine Ruckendorfer zurück, „in vier Jahren fünf Architekten und 27 Mitarbeiter zu verschleißen war kein Vergnügen für mich.“ Viele Köche verderben den Brei, könnte man auf Anhieb meinen.

Und auf Anhieb könnte das auf „Aux Gazelles“ auch zutreffen. Doch bei genauerer Betrachtung haben Spiegelfeld und Wanger sensibel auf die Bauaufgabe reagiert. Nicht auf plumpe Art und Weise implantierten sie ein türkisches Bad in einen Wiener Keller, sondern ließen beide Kulturkreise gleichwertig an der Gestaltung teilhaben. Die unverputzten Spuren der Tonnengewölbe sind genauso ablesbar wie die sanften Pastelltöne auf ed-len Materialien; ein überdachter Gründerzeit-Innenhof als Bindeglied zwischen den beiden marmorverkleideten Hamams für Männer und Frauen.

Das beinahe Orientalische - will man der vorgefundenen Atmosphäre überhaupt einen Namen geben - ist in der architektonischen Umsetzung der vielen kleinen Räume als abstrahierte und zeitgenössische Metapher zu verstehen und nicht als sinnentleerter, disneyfizierter Orientalismus, der über alles Vorgefundene gestülpt wird, wovon beispielsweise viele österreichische Thermenhotels zeugen.

Während in Wien eines gebaut wird, sind die türkischen Bäder weltweit im Rückzug.

Vor 30 Jahren schon klagte Dogan Kuban, einst Direktor der TU Istanbul, über das Aussterben der Hamams: „Das Erhitzen von Wasser, die zahlreichen Reparaturen und die hohen Erhaltungskosten werden immer teurer.“ Die Errichtung eines Hamams in Wien wirkt Kubans frühen Zweifeln nicht entgegen, sondern verstärkt sie. Eine exotische und technisch unkonventionelle Bauaufgabe bringt hohe Errichtungs- und Erhaltungskosten mit sich, diese wiederum wirken sich auf den Eintrittspreis aus. Genau darin - da behält Heidulf Gerngroß recht, wenn er von Systemimmanenz spricht - besteht die langfristige Gefahr, Konzept und Publikum zu verfehlen.

Mit der Zeit und mit den Besuchern wird sich also weisen, ob „Aux Gazelles“ eine kulturelle Bereicherung für diese Stadt sein wird oder ob die 50.000 in Wien lebenden Türken und Araber nur ein Vorwand dafür sind, einen weiteren Lifestyle-Tempel für eine zahlungswillige gehobene Klientel zu eröffnen.

22. September 2001 Spectrum

Baustelle in progress

„Ich bekenne mich zum Starsystem, weil die Architektur in den letzten 20 Jahren Teil der Kulturindustrie geworden ist.“ Dietmar Steiner, Leiter des „Architektur Zentrums Wien“, über architektonische Hard- und Software, das Museumsquartier und warum er nicht daran denkt, Hans Hollein ans Bein zu pinkeln. Ein Gespräch.

Eine jahrzehntelange Diskussion hat ein Ende gefunden, auch ohne Leseturm läßt sich ein Museumsquartier eröffnen. Dichter, vielfältiger und größer entspringt aus dem roten MQ-Knopf unter dem Spittelberg auch das neue „Architektur Zentrum Wien“. In neuen Räumen, mit neuem Logo und unter seinem alten Leiter, Dietmar Steiner, beginnt hier am 11. Oktober der „Sturm der Ruhe“: Mit Projekten von Adolf Loos, Herzog & de Meuron, Adolf Krischanitz, Riegler & Riewe und vielen weiteren begibt man sich auf die Suche nach der emotionalen Komponente in der Architektur.

Dietmar Steiner, seit 1992, als das „Architektur Zentrum Wien“ auf Initiative von Minister Scholten und Planungsstadtrat Hannes Swoboda gegründet wurde, sind Sie nun Direktor. Wo hat Architektur in Wien vor 1992 stattgefunden?

Es hatte eben nie einen Ausstellungsraum für Architektur gegeben, was mit den aufkommenden Wanderausstellungen zu einem Problem geworden ist. Fallweise haben entweder das Zwanz'gerhaus oder das Museum für angewandte Kunst ausgeholfen. Diese Umstände waren eigentlich der Anlaß, von seiten der Politik eine professionelle Vermittlungsinstitution für Architektur vorzuschlagen.

Das Niederländische Architekturinstitut in Rotterdam (NAI) ist ein schreiendes Gebäude in einer Parklandschaft und macht sich selbst nach außen sichtbar. Der Baustellencharakter des AZW ist natürlich weitaus ungefährlicher als eine implizierte Stellungnahme zum aktuellen Baugeschehen.

Die Frage kommt immer wieder: Warum hat das „Architektur Zentrum Wien“ keinen Neubau? Erstens sind wir über unseren Standort glücklich, und diese Lage ist uns allemal wichtiger als ein neues Gebäude. Im Museumsquartier mitten in der Stadt an einer U-Bahn-Kreuzung - einen hochwertigeren Standort kann man sich nicht vorstellen. Und was das Gebäude betrifft: Die alten Räume, die uns zur Verfügung stehen, sind für die wechselnden Ausstellungen ein neutraler Hintergrund. Wir wollen bewußt keine architektonische Stellungnahme in unserer Hardware, da wir ja ohnehin wechselnde Architekturen präsentieren. Wir haben uns in zehn Jahren vom Provisorium bis zum heutigen Status quo gut entwickelt und sind sicherlich noch nicht am Ende: Ortner & Ortner hatten im Wettbewerbsentwurf für das Museumsquartier ein zusätzliches neues Gebäude für das AZW vorgesehen. Wer weiß, welchen Bedarf die Zukunft bringt.

Der In-progress-Ansatz einer Baustelle ist einerseits „cool“, andererseits macht Sie diese Tarnung nur für eine bestimmte Zielgruppe interessant, obwohl das AZW im Kulturcluster MQ weitaus größere Potentiale hat. Noch geht der Unwissende ahnungslos vorbei.

Da haben wir wirklich ein Problem, und wir werden das in nächster Zeit auch angehen. Für uns sind historische Fassaden nicht heilig, wir müssen mit zusätzlichen Maßnahmen auf uns aufmerksam machen. Leider haben wir nicht einen Ein- und Ausgang, sondern fünf Verbindungen in den öffentlichen Raum, daher müßte man alles extra kennzeichnen. Ich möchte mich vor allem vor der Fassade des Fischer-von-Erlach-Traktes bemerkbar machen. Und das wird sicherlich die Diskussion der nächsten Monate prägen.

Wiens zweitstolzeste Baustelle ist beendet - das AZW ist mitgewachsen. Ich nehme an, nicht nur räumlich.

Was wir bisher machten, wird sich im Grunde nicht ändern, nur können wir das ab sofort professioneller und effektiver realisieren. Es gibt nun zwei Ausstellungsräume, die man parallel bespielen kann. Wir haben auch das Podium für Diskussionen und Veranstaltungen dazubekommen. Neu ist auch die Bibliothek im Oktogon, die nun endlich auch öffentlich zugänglich ist. Es ist unser großer Wunsch, mit verschiedenen Aktivitäten der Idee der Zentrums näherzukommen. Es gibt bei uns keine Eintrittskarten, sondern nur Tagesmitgliedschaften, es ist also dem Besucher überlassen, wie und wohin er sich bewegt, was er sich ansieht und ob er sich nach der Ausstellung in die Bibliothek setzt, um noch etwas nachzulesen.

Vergangenes Jahr zeigte das „Architektur Zentrum“ eine Ausstellung unter dem Titel „Emerging Architecture“. Sie bemühen sich offensichtlich, neue österreichische Architektur zu forcieren.

Wir haben zwei Hauptaufgaben: internationale Entwicklungen nach Österreich zu bringen und nationale Entwicklungen ins Ausland zu bringen. Unsere selbstauferlegte Schamgrenze lautet, keine Einzelausstellung über einen lebenden österreichischen Architekten zu machen. Wir verstehen uns aber im wirtschaftspolitischen Sinne als Unterstützer österreichischer Architektur, und unser Konzept „Emerging Architecture“ ist daraufhin aufgebaut, jedes Jahr zehn junge Büros auszuwählen und diese Ausstellung inklusive Katalog dann auch auf Reisen zu schicken. Damit können wir jungen Büros, die sich noch nicht etabliert haben, einen Startschuß geben. Die letztjährige Ausstellung etwa war in Kopenhagen und Frankfurt und geht jetzt nach Budapest weiter. Für die heurige Ausstellung, die im Dezember stattfinden wird, sind wir noch in Verhandlungen mit Rom und Bordeaux. Diesen Export österreichischer Architektur verstehen wir mit aller Radikalität.

„Emerging Architecture“ und neue Architektur sind das eine. Andererseits schrecken Sie als Leiter eines unabhängigen „Architektur Zentrums Wien“ nicht vor regelrechten Kniefällen zurück, wie der superlative Artikel über „Unseren Mann von Welt“, Hans Hollein, im „profil“ bewiesen hat.

Das ist kein Kniefall! Ich erlaube mir auf Grund meines Alters, meiner Erfahrungen und meiner internationalen Kontakte eine gewisse Bewertung von Architekten. Über Hans Hollein kann ich das genausogut wie über jeden anderen machen. Hollein hat einfach internationale Bedeutung erlangt - da kann man ihm ans Bein pinkeln, soviel man will, das bleibt ein Faktum. Ich werde von vielen Architekten heftig dafür kritisiert, andererseits aber war eine viel größere Anzahl von Laien dankbar für so einen lockeren und unverkrampften Text. Ein Porträt über einen Architekten in einem Nachrichtenmagazin ist kein Diskurs im innerarchitektonischen Sinn, sondern es geht um Verständlichmachung, warum wer wichtig und berühmt ist und wer nicht.

Das Problem liegt nicht in der Berühmtheit eines Menschen, sondern darin, daß jemand zu Österreichs „wichtigstem Architekten der letzten 50 Jahre“ hochgelobt wird. Sie fügen sich diesem Starsystem?

Ich bekenne mich zum Starsystem, weil die Architektur in den letzten 20 Jahren Teil der Kulturindustrie geworden ist. Und das Starsystem ist Teil dieser Kulturindustrie. Wenn man eine Zeitschrift in die Hand nimmt, ist die Kritik unwesentlich. Die wichtigste Frage lautet: Ist das Projekt drin oder nicht? Natürlich gilt auf Grund der Gesetze der Kulturindustrie auch die Protegierung. Und wenn man Österreich im internationalen Zusammenhang betrachtet, so gibt es keinen österreichischen Architekten, der über dieses Land hinaus soviel Wichtigkeit erlangt hat wie Hollein.
Das AZW ist Teil der Kulturindustrie, wir müssen daher auch einem gewissen populären Starkult entgegenkommen. Wir versuchen aber trotzdem, uns eines Overkills von Starnamen zu enthalten. Das beste Beispiel wird im Oktober unsere Ausstellung „Sturm der Ruhe“ sein, in der kein Architektenname vorkommen wird. Es ist ein sehr riskantes Unterfangen, und ich kann mir auch vorstellen, daß wir schrecklich abstürzen werden.

Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Detonation Deutschland“ haben Sie in einem Interview Adolf Loos zitiert: Es gebe keine Architektur ohne Zerstörung. Was ist im MQ zerstört worden?

Ein gewachsenes historisches Biotop. Der Charme des Vergessenen ist nun verschwunden, was mit der politischen Entdeckung aber natürlich Hand in Hand geht. Egal welches Projekt hier realisiert worden wäre - Shopping City oder Revitalisierung ohne Neubauten: alles hätte diese alten Spuren getilgt. Insofern war die Kombination Neubau/Altbau immer noch die beste Lösung, um in eine neue Zeit vorzurücken. Ich bin mit dem fertigen Ding dennoch nicht sehr glücklich, da das gesamte Areal homogenisiert wurde. Was das „Architektur Zentrum“ betrifft, haben wir uns - so gut es ging - dagegen gewehrt und hätten uns gewünscht, mehrere alte Spuren offensichtlich zu machen. Ich bin glücklich über das Lob des Bauleiters, der in unserem Hof gemeint hat: „Nur bei euch im AZW wird man in Zukunft merken, wie es einmal war.“ Das spricht für keine Nostalgie, sondern nur gegen das Suggerieren neuer Bausubstanz auf dem Niveau eines Gemeindebaus aus den fünfziger Jahren.

Publikationen

2024

Wien Museum Neu

Der Band ist eine visuelle und essayistische Reflexion über ein bedeutendes Kultur-Bauprojekt an einem der zentralen Orte Wiens in unmittelbarer Nachbarschaft zu Karlskirche, Künstlerhaus und Musikverein.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Müry Salzmann Verlag

2022

mittendrin und rundherum
Reden, Planen, Bauen auf dem Land und in der Stadt Ein nonconform Lesebuch

Seit über 20 Jahren ist nonconform in Deutschland und Österreich in der räumlichen Transformation tätig. Architektur ist für das interdisziplinäre Kollektiv nie bloß ein fertiges, fotogenes Resultat, sondern immer auch ein lustvoller, horizonterweiternder Prozess, in den die Bürger:innen einer Gemeinde,
Hrsg: Wojciech Czaja, Barbara Feller
Verlag: JOVIS

2022

Brick 22
Ausgezeichnete internationale Ziegelarchitektur

Vom handgemachten Ziegelstein zum hoch entwickelten modernen Produkt: Das Bauen mit gebrannten Tonblöcken schöpft heute aus einem Erbe von neun Jahrtausenden Baugeschichte und dank ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, ihrer konstruktiven Qualitäten und ihrer Nachhaltigkeit sind Ziegel bis heute
Hrsg: Wienerberger AG
Autor: Wojciech Czaja, Anneke Bokern, Christian Holl, Matevž Celik, Anna Cymer, Isabella Leber, Henrietta Palmer, Anders Krug
Verlag: JOVIS

2021

Frauen Bauen Stadt

Wie weiblich ist die Stadt von morgen? Im Jahr 2030 werden weltweit 2,5 Milliarden Frauen in Städten leben und arbeiten. Traditionell war die Arbeit am Lebenskonzept Polis in ihrer Beauftragung, Planung und Ausführung jedoch männlich dominiert. Frauen Bauen Stadt porträtiert 18 Städtebauerinnen aus
Hrsg: Wojciech Czaja, Katja Schechtner
Verlag: Birkhäuser Verlag

2020

Almost
100 Städte in Wien

Was macht ein Reisender, wenn er nicht reisen kann? Er reist trotzdem. Wojciech Czaja setzte sich im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 aus Frust auf die Vespa und begann, seine Heimatstadt Wien zu erkunden. Er fuhr in versteckte Gassen, unbekannte Grätzel und fernab liegende Adressen am Rande der Stadt
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2018

Hektopolis
Ein Reiseführer in hundert Städte

Jede Stadt ist anders. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter, aber auch ihre ganz eigenen Geschichten. Der vielreisende Stadtliebhaber Wojciech Czaja widmet sich in seinem Buch Hektopolis genau diesen ortsspezifischen, feinstofflichen Beobachtungen, Erlebnissen und Anekdoten. Porträtiert werden hundert
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Edition Korrespondenzen

2017

Motion Mobility
Die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien

In einem von der Grundstückssuche bis zur Fertigstellung interdisziplinären Prozess planten Pichler & Traupmann Architekten, FCP Fritsch, Chiari & Partner als Ingenieure und das Beratungsunternehmen M.O.O.CON in Zusammenarbeit mit der Agentur Nofrontiere Design und SIDE Studio für Information Design
Autor: Wojciech Czaja, Matthias Boeckl
Verlag: Park Books

2012

Wohnen in Wien
20 residential buildings by Albert Wimmer

Wie wohnen die Wienerinnen und Wiener? Inwiefern decken sich architektonisches Konzept und gelebter Alltag? Der Architekturjournalist Wojciech Czaja und die Fotografin Lisi Specht werfen gemeinsam einen Blick hinter die Fassaden des geförderten Wiener Wohnbaus und bitten die Mieter und Eigentümerinnen
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: SpringerWienNewYork

2012

Zum Beispiel Wohnen
80 ungewöhnliche Hausbesuche

Wohnen ist eine zutiefst persönliche Sache. Kein Raum in unserem Leben steht uns so nahe wie unsere eigene Wohnung, wie unser eigenes Haus. Die beiden Autoren Wojciech Czaja und Michael Hausenblas reisen quer durch Österreich und sind zu Besuch bei Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wirtschaft. Die
Autor: Wojciech Czaja, Michael Hausenblas
Verlag: Verlag Anton Pustet

2007

91° More than Architecture

Architektinnen und Architekten sind Arbeitstiere. Viele von ihnen arbeiten zehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 50 Wochen im Jahr. Die wenige Zeit, die zwischen den dichten Arbeitsstunden noch übrig bleibt, ist wie ein Heiligtum und muss als solches respektiert werden. In diesem Sinne ist 91°
Hrsg: Wojciech Czaja, Eternit Österreich, Dansk Eternit Holding
Verlag: Birkhäuser Verlag

2007

Periscope Architecture
gerner°gerner plus

Vor zehn Jahren haben Andreas und Gerda Gerner mit einem Einfamilienhaus begonnen: „Für ein erstes Projekt ist das Haus Hinterberger sehr unkonventionell. Wir haben uns permanent gefragt: Trauen wir uns das? Seitdem hat man sich oft aus dem Fenster gelehnt“ Entstanden ist das schwebende Haus Südsee in
Hrsg: GERNER GERNER PLUS.
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH

2005

Wir spielen Architektur
Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit

Was ist eigentlich ein Kind? Der Jurist wird uns darauf eine andere Antwort geben als der Soziologe, der Pädagoge eine andere als der Philosoph. Und der Architekt? Wird er schweigen und weiterbauen?
Autor: Wojciech Czaja
Verlag: Sonderzahl Verlag