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Profil

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Innsbruck
1996 – 2003 freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung Der Standard
1998 – 2001 Chefredakteurin des Fachmagazins architektur
2003 – 2006 Geschäftsführerin von ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
seit 2006 freie Mitarbeiterin Spectrum/Die Presse
seit 2012 freie Mitarbeiterin bei architektur.aktuell
2015 – 2016 Chefredakteurin von KONstruktiv
seit 2019 Vorsitzende von ORTE Architektur Netzwerk Niederösterreich
arbeitet als freie Architekturpublizistin in Wien

Lehrtätigkeit

2003 – 2012 Abteilung für Wohnbau und Entwerfen am Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien

Mitgliedschaften

Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs
ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich

Publikationen

Ordnung und Öffnung, in: Das österreichische Parlamentsgebäude - Facetten einer Erneuerung, Hrsg. Republik Österreich/Parlamentsdirektion, Park Books, Zürich 2023
ORTE – Architektur in Niederösterreich 2010-2020, Park Books, Zürich 2021 (mit Eva Guttmann und Gabriele Kaiser)
querkraft - livin' architektur/architektur leben, Birkhäuser Basel, 2019 (hrsg. mit Gabriele Lenz)
Architektur von Dietrich|Untertrifaller, Birkhäuser Basel, 2017 (hrsg. mit Gabriele Lenz)
Generationen Wohnen. Neue Konzepte für Architektur und soziale Interaktion | Alter(n)sgerechtes Planen und Bauen, Edition Detail, München 2015 (mit Christiane Feuerstein)
Walter Zschokke.Texte, Park Books, Zürich 2013 (hrsg. mit Gabriele Lenz und Claudia Mazanek)
ORTE – Architektur in Niederösterreich 2002-2010, Springer, Wien 2010 (mit Eva Guttmann und Gabriele Kaiser)
Wohnen, pflegen, leben – Neue Wiener Wohn- und Pflegehäuser, Bohmann Verlag, Wien 2009

Artikel

28. Juni 2000 Der Standard
27. Februar 1999 Der Standard

Ortsgerecht kontra ortsüblich

Mit der gebauten Nachbarschaft hat die kleine Siedlung bei Krems wenig zu tun. Architekt Ernst Linsberger zog es vor, seine Bebauung am Charakter der Landschaft zu orientieren.

Die kleine Siedlung von sechs Reihenhäusern liegt im Dorferweiterungsgebiet von Gneixendorf. Der Weinbau bestimmt die gewachsene Landschaft, und so entwickelt sich auch der Ort auf zu Bauland umgewidmeten Weingärten. Betrachtet man die neue Siedlung in ihrem nächsten Umfeld, bietet sich ein geradezu skurril anmutendes Bild: Die dem Geländeverlauf folgende abgetreppte niedrige Bebauung liegt inmitten von Weingärten, die wiederum von einer allen ländlichen Klischees entsprechenden Einfamilienhausbauung gerahmt werden.

Gemessen an der gebauten Nachbarschaft sind die sieben Häuser ein Fremdkörper. Bewertet man jedoch ihre Verträglichkeit mit der Landschaft, so sind die flachen, dem Geländeverlauf nach gestaffelten niedrigen Häuser mit den wie Zeigefinger in den Himmel ragenden Schornsteinen wie geschaffen für die Gegend. Ernst Linsbergers Siedlung mag vielleicht für manche ein Stachel im Fleisch sein. Der Vergleich mit den freistehenden Häusern im grellen Heurigenbarock macht sicher: Was an einem Ort seit Jahren üblich ist, muß ihm noch lange nicht gerecht werden.

Erschlossen wird das Grundstück von Westen. Hier liegt der Autoabstellplatz, von dem ein Fußweg zu den Hauseingängen an der nahezu völlig geschlossenen Nordseite führt. Linsberger entschied sich für den Typus des Atriumhauses, das ein Höchstmaß an Intimität gewährt: Ohne ständiger Beobachtung ausgesetzt zu sein, kann im Freien gegessen, gespielt, vielleicht sogar geschlafen werden. Die im Norden liegenden Kinderzimmer haben über Fenstertüren ebenso direkten Zugang in den Hof wie der zentral gelegene Eßbereich.

Vis-à-vis der Kinderzimmer hat die Küche mit einem raumbreiten Fensterband ebenfalls Blickverbindung zum Atrium, das von den Bewohnern nahezu ganzjährig als zusätzlicher Wohnraum im Freien intensiv genutzt wird. Im südlichen Teil des Hauses liegen das Elternschlafzimmer und das Wohnzimmer. Während das Eßzimmer klar dem Atrium zugeordnet ist, ist der dem Wohnzimmer zugeteilte Freiraum der Garten, in den ein Holzrost als befestigte Terrasse überleitet.

Die Begrenzungmauern aus Sichtbeton bieten auch in diesem etwas mehr extrovertierten Bereich ein angenehmes Maß an Privatheit, sind aber nur so hoch, daß die nachbarschaftliche Kommunikation möglich ist. Die rohen Mauern nehmen Maß an den Reihen der Weinstöcke. Läßt man die Natur gewähren, werden sie in wenigen Jahren begrünt sein. Die Vegetation wird dann die jetzt klare Grenze zwischen Grünland und Wohnbebauung entschärfen.

Die Bedeutung dieser Siedlung liegt darin, daß sie den gar nicht so geringen Unterschied zwischen ortsgerechter und ortsüblicher Bauweise aufzeigt. Ernst Linsberger verweigert radikal jede Orientierung am gebauten Umfeld. Seine Meßlatte waren die allseits präsenten Weinberge. Gleichzeitig aber haben die Häuser mit den geschützten Innenhöfen weitaus mehr atmosphärische und funktionale Gemeinsamkeiten mit den alten Bauernhäusern in den Dorfkernen, als vor rustikalen Zitaten strotzende Minischlösser.

12. Dezember 1998 Der Standard

Ein ganz normales Haus

Ein ganz anderes als die anderen, aber dennoch ländliches Haus, gelang Paul Katzberger und Karin Bily in einem Dorf bei Krems.

Die Verstädterung der Dörfer im Zuge gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderung brachte mit sich, daß städtischen Lebensformen gewaltsam Mutationen ländlicher Bauformen übergestülpt werden. Mächtige ausgebaute Krüppelwalmdächer haben die Landschaften optisch in Beschlag genommen. Raumplanerische Probleme wurden verdrängt, Fassadenromantik hingegen gefördert.

So ist auch der Ort Egelsee bei Krems durch rege Bautätigkeit geprägt. Angefangen von süßlich pastellfarbenen Fassaden mit weißen Faschen über Erker und Giebelchen - alle Klischees von Rustikalität sind verbreitet. Dies um zu erklären, wie es kommen konnte, daß das heute vorgestellte Haus in seiner Entstehungsphase wegen seines Andersseins heftig angefeindet wurde. Dabei hatten die Architekten nichts anderes als ein möglichst einfaches Haus für eine ortsansässige Familie im Sinn.

Es liegt auf einer leichten Anhöhe in einem der neuen Siedlungsgebiete mit freistehenden Einfamilienhäusern. Die an der Nordseite vorbeiführende Straße ist ins Gelände eingeschnitten, das dadurch abrupt abfällt. Die Architekten nutzten diese Lage, um das Untergeschoß, das nur an der straßenseitigen Schmalseite sichtbar ist, zu versenken.

Der Beruf des Bauherren, er ist Bauingenieur und war an der gemeinschaftlichen Planung beteiligt, sollte nach Meinung von Katzberger/Bily im Gebäude Ausdruck finden. Sie entwarfen also ein Haus, an dem Konstruktion und Material (Beton) als Handwerkszeichen des Statikers auftreten.

Leben auf dem Land bedeutet Leben mit dem Auto. Der Abstellplatz wurde also straßenseitig unter dem weit auskragenden flachen Dach in das Haus integriert. Das Kellergeschoß birgt mit Diele, Garderobe und Nebenräumen das „Hinterland“ zur Parkzone.

Auf Gartenniveau tritt das Haus mit dem oberirdischen Wohngeschoß nur noch eingeschoßig in Erscheinung. An die Sichtbetonscheibe im Norden schließen die Längswände an, die in einen in stumpfem Rot gehalten und von weißgerahmten Fensterelementen durchbrochen sind. Darüber liegen auf einem Stahlbetonrost Oberlichtfenster, die weniger der Wand- als der Dachzone zugehörig erscheinen. Ein regelmäßiger Raster zarter Stahlstützen und die klare Unterscheidung der tektonischen Elemente fügen sich zu einer leicht lesbaren, geordneten Tragstruktur.

Zur Straße hin ist das Wohngeschoß hermetisch abgeschlossen, die Eingangstür im Kellergeschoß aber als offene Geste verglast. Im Inneren blieben die Betonoberflächen der Roste zwischen den Wandscheiben und den Oberlichten sowie teilweise auch die der Decken sichtbar. Wohldosiert ist die Transparenz der Gebäudehülle. Während der große Wohnraum, der fast die Hälfte des Geschosses einnimmt, jeweils über Eck großzügig verglast ist, verfügen die beiden Zimmer nur über schmale Fenstertüren. Über die Decken streicht durch die Oberlichten tief in die Räume einfallendes Tageslicht. Da dieses Geschoß ausschließlich Wohnzwecken dient kann durch das Lichtband und die wandhohen Fenster stets der Stand der Sonne miterlebt werden.

Vielleicht haben die einstigen Kritiker erkannt, daß es sich hier in seinem Bezug zum Großraum, seiner Selbstverständlichkeit und seiner Funktionalität doch um ein ländliches Haus handelt, auch wenn es den eingeprägten Bildern nicht entspricht.

Mag.arch. Paul Katzberger und
DI Karin Bily,
Paulanerg. 13, 1040 Wien,
Tel. 01/587-75-55

Publikationen

2021

Architektur in Niederösterreich 2010–2020
Band 4

Der vierte Band der erfolgreichen Reihe Architektur in Nieder­österreich dokumentiert das Baugeschehen in diesem Bundes­land zwischen 2010 und 2020. Hundert mittels Text, Bild- und Planmaterial beschriebene Projekte legen Zeugnis ab von der Vielfalt und der Qualität ausgewählter Beispiele in sieben Ka­tegorien.
Hrsg: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
Autor: Franziska Leeb, Eva Guttmann, Isabella Marboe, Gabriele Kaiser, Christina Nägele
Verlag: Park Books

2019

querkraft – livin‘ architecture / Architektur leben lustvoll querdenken

Menschen Raum zu geben, Bühnen für das Leben in all seinen Facetten zu schaffen, querzudenken und den Mut zu haben, von eingetretenen Pfaden abzuweichen und nicht alles bierernst zu nehmen – so könnte man die Arbeitsweise von querkraft in kürzester Form zusammenfassen. Zum 20-jährigen Bestehen des Wiener
Hrsg: Franziska Leeb, Gabriele Lenz
Verlag: Birkhäuser Verlag

2013

Walter Zschokke. Texte
Gesammelte Texte des Architekten und bedeutenden Architekturpublizisten und Kurators Walter Zschokke (1948–2009)

Der Aargauer Architekt Walter Zschokke (1948–2009) hat über drei Jahrzehnte das Architekturschaffen und baukulturelle Geschehen in seinen beiden Heimaten, Österreich und Schweiz, beobachtet, kommentiert und analysiert. Der vorliegende Band ist die erste Sammlung seiner pointierten, ungebrochen aktuellen
Hrsg: Franziska Leeb, Gabriele Lenz, Claudia Mazanek, ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich, ZV der Architekt:innen Österreichs
Verlag: Park Books

2011

ORTE. Architektur in Niederösterreich III. 2002 – 2010

Die von Walter Zschokke initiierte und von ORTE herausgegebene Publikationsreihe setzt mit Band 3 die Bestandsaufnahme qualitätsvoller Architektur in Niederösterreich fort. Das Autorinnenteam – Eva Guttmann, Gabriele Kaiser und Franziska Leeb – hat aus einer Fülle an Bauwerken eine exemplarische Auswahl
Hrsg: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
Autor: Franziska Leeb, Eva Guttmann, Gabriele Kaiser
Verlag: SpringerWienNewYork

2009

Wohnen pflegen leben
Neue Wiener Wohn- und Pflegehäuser

Die Publikation liefert einen umfassenden Diskussionsbeitrag darüber, was zeitgemäße Raum- und Funktionsprogramme von Pflegeeinrichtungen leisten sollen und können und stellt dar, was Geriatrieplanung heute bedeutet und wie sich eine Kommune den Herausforderungen, die eine alternde Gesellschaft mit sich
Autor: Franziska Leeb
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH