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Profil

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Innsbruck
1996 – 2003 freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung Der Standard
1998 – 2001 Chefredakteurin des Fachmagazins architektur
2003 – 2006 Geschäftsführerin von ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
seit 2006 freie Mitarbeiterin Spectrum/Die Presse
seit 2012 freie Mitarbeiterin bei architektur.aktuell
2015 – 2016 Chefredakteurin von KONstruktiv
seit 2019 Vorsitzende von ORTE Architektur Netzwerk Niederösterreich
arbeitet als freie Architekturpublizistin in Wien

Lehrtätigkeit

2003 – 2012 Abteilung für Wohnbau und Entwerfen am Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien

Mitgliedschaften

Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs
ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich

Publikationen

Ordnung und Öffnung, in: Das österreichische Parlamentsgebäude - Facetten einer Erneuerung, Hrsg. Republik Österreich/Parlamentsdirektion, Park Books, Zürich 2023
ORTE – Architektur in Niederösterreich 2010-2020, Park Books, Zürich 2021 (mit Eva Guttmann und Gabriele Kaiser)
querkraft - livin' architektur/architektur leben, Birkhäuser Basel, 2019 (hrsg. mit Gabriele Lenz)
Architektur von Dietrich|Untertrifaller, Birkhäuser Basel, 2017 (hrsg. mit Gabriele Lenz)
Generationen Wohnen. Neue Konzepte für Architektur und soziale Interaktion | Alter(n)sgerechtes Planen und Bauen, Edition Detail, München 2015 (mit Christiane Feuerstein)
Walter Zschokke.Texte, Park Books, Zürich 2013 (hrsg. mit Gabriele Lenz und Claudia Mazanek)
ORTE – Architektur in Niederösterreich 2002-2010, Springer, Wien 2010 (mit Eva Guttmann und Gabriele Kaiser)
Wohnen, pflegen, leben – Neue Wiener Wohn- und Pflegehäuser, Bohmann Verlag, Wien 2009

Artikel

3. März 2012 Spectrum

Alle für einen

Ein Projekt im europäischen Geist: Leidenschaftliche Lehrer und ambitionierte Architekturstudenten von sechs Universitäten zeigten, wozu sie imstande sind. Die Aufgabe: ein Archiv für den Fotografen Mimmo Jodice in Neapel zu entwerfen. Zu sehen demnächst im Wiener Künstlerhaus.

Mimmo Jodice ist ein weltbekannter italienischer Fotograf. In den Veduti di Napoli hat er die Architektur und Stimmung seiner Heimatstadt Neapel auf unvergleichliche Weise eingefangen. András Pálffy, Professor für Gestaltungslehre und Entwerfen an der Technischen Universität Wien, lernte sein Werk anlässlich einer großen Ausstellung in Rom kennen und erfuhr vom Herzenswunsch des betagten Künstlers, dass sein beachtliches Archiv in seiner Geburtsstadt bleiben möge. In der Zwischenzeit entstand daraus ein europäischen Großprojekt der Architekturlehre: Ein Gebäude für das „Archivio Jodice“ stand auf Pálffys Initiative seit dem Wintersemester 2010 auf dem Entwurfsprogramm von sechs europäischen Universitäten. Unter der Ägide von neun Professoren und zahlreichen Assistenten nahmen 250 Studierende daran teil.

Trotz der durch die Semesterferien bedingten Ruhe ist an der Abteilung für Gestaltungslehre die Produktivität der letzten anderthalb Jahre in Form der Modelle im Maßstab 1:50 oder 1:33 spürbar. Von Mitte Dezember bis Mitte Jänner wurden sie gemeinsam mit den Arbeiten der Studenten aus Berlin, Dublin, Glasgow, Neapel und Weimar im repräsentativen Ambiente des „Gran Salone della Meridiana“ im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel präsentiert. Bald erscheint das Buch zum Projekt, und ab 23. März wird die Ausstellung der 65 besten Projekte für zwei Wochen im Wiener Künstlerhaus zu sehen sein. Schon allein diese Ausstellungspräsenz samt Publikation ist eine Wertschätzung, die Studentenarbeiten nicht oft zuteil wird. Sie sind die sichtbare Zusammenfassung eines bemerkenswert intensiven Prozesses, der entgegen aller immer wiederkehrenden Kritik an der Architekturausbildung aufzeigt, was eine engagierte Architekturlehre heute zu leisten imstande sein kann.

Im Zuge einer Exkursion lernten die angehenden Architekten Neapel und die möglichen, von Jodice selbst ausgesuchten Bauplätze kennen und wurden von den beteiligten Professoren in das Thema eingeführt. Adrian Meyer, zuvor Professor an der ETH Zürich und einer, der immer wieder Meisterschaft im zeitgemäßem Umgang mit dem gebranntem Ton bewies, hatte zeitgleich an Palffys Institut eine von der Ziegelindustrie finanzierte Gastprofessur in Wien inne. Frei nach einer Parabel von Louis I. Kahn („What do you want, Brick?“ And Brick says to you: „I like an Arch.“) übertitelte er seinen Entwurfskurs mit „Der Backstein will ein Bogen sein“ und stellte das Baumaterial Ziegel und die Ausführung gewölbter Haupträume als Bedingung seines Kurses. Es galt, den Backstein „als kleinstes gemeinsames Vielfaches für das konstruktive Entwerfen“ zu verstehen und seine spezifischen Eigenschaften auszuloten. Interessanterweise wählte schließlich nicht nur Meyers Entwurfsgruppe, sondern die Mehrheit der Studenten den Ziegel, das tradierte und typische Baumaterial der europäischen Altstädte, und es scheint, als wurde hier eine neue Leidenschaft für einen heute oft vorschnell als unmodernen und antiquierten Baustoff geweckt.

Prominente internationale Professoren- und Architektenkollegen wie Nicola di Battista, Ferruccio Izzo oder Martin Steinmann konnten für die Schlusskritik in Wien gewonnen werden. Heinz Tesar stellte sich von neun Uhr morgens bis ein Uhr nachts unermüdlich den Studierenden zur Verfügung. Die Kapazunder machen dies übrigens unentgeltlich, bloß die Reisekosten werden ihnen ersetzt. Und dann der Höhepunkt wieder in Neapel: Der Ausstellungseröffnung in einem der schönsten Räume der Stadt ging ein Studienprogramm mit Vorträgen von Theoretikern und Kritikern zum Thema „Archive der Gegenwartskunst und die historische Stadt“ voran. Auch der Kunstsammler Egidio Marzona, jetzt „Bauherr“ der aktuellen Semesteraufgabe, nahm teil, ebenso Alberto Campo Baeza und Tony Fretton, zwei weitere Charismatiker aus der Zunft der Architekten, die aus ihrem Erfahrungsschatz zum Thema beitragen konnten.

Den Ergebnissen sieht man die intensive Auseinandersetzung mit der Stadt und ihren viel zitierten Reibungen, mit Jodices Fotografien und den verschiedenen Professoren und Gästen an, auf die sich die Studierenden einlassen durften. An der Art der Darstellung kann man mit ein wenig Übung die Lehrer erkennen, aber keine Spur von Epigonentum. Adolf Krischanitz' Studenten lieferten kompakte, wie minimalistische Skulpturen anmutende Gussmodelle, aus Weimar kommen die zeichnerisch hoch anspruchsvollen Beiträge, bei Pálffy entstandene repräsentative Modelle aus Holz, Adrian Meyer bestand auf Karton und brachte die Architekturschüler dazu, zigtausende Ziegelsteinmodelle aus Pappe zu Kubaturen mit archaisch anmutenden, feinst strukturierten Oberflächen zu fügen. Mit Dienst nach Vorschrift ist das auf beiden Seiten nicht getan. Während der vorlesungsfreien Zeit wurde ebenso gearbeitet wie in vielen Nachtstunden.

Das Programm für Neapel nimmt an Ausmaß und Intensität zwar eine Sonderstellung ein. Den Studierenden die gesamte Spannweite einer Bauaufgabe und die Vielseitigkeit des Architektenberufs näherzubringen, renommierte Kollegen zu entmystifizieren und sie zu Gesprächspartnern der Studierenden zu machen zieht sich aber durch alle Semesterprogramme am Wiener Lehrstuhl für Gestaltungslehre. Ebenso die Arbeit mit Modellen, wie sie in der beeindruckenden Galerie hunderter studentischer Kartonmodelle, die in den Regalen des Instituts fein säuberlich angeordnet zu besichtigen sind, ist dort wesentlicher Teil des Entwerfens. Schon im Grundkurs gilt es Quader von vorgegebener Größe nach bestimmten Kriterien zu zerschneiden, zu verschieben oder zu verschwenken. In einer Grundform stecken tausende Lösungen. Enge Regeln binden nicht das Resultat, so die Erkenntnis. Es geht darum, kein Bild von Architektur zu schaffen, sondern Ideen konsequent in räumliche Tatsachen zu übersetzen.

Für die fortgeschrittenen Semester definieren die Regeln der Entwurfsaufgaben dann konkrete Bauherren und ihre Bedürfnisse, das städtische Umfeld, eine vorhandene Bausubstanz, die Historie eines Ortes und seine mögliche Zukunft. „Man muss das ganze Metier und seine Bestandteile kennen“, sagt Palffy, um Verständnis für das komplexe Zusammenspiel aller konstituierenden Elemente und aller beteiligten Akteure zu schaffen, inklusive der Erkenntnis, dass der Architekt nicht immer in der ersten Reihe stehen muss. Wenige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung im Künstlerhaus präsentiert das Institut am 28. März im Wittgensteinhaus sein Buch über die bisherigen Entwurfsprogramme. Vormerken, hingehen und nicht mehr über die Architekturlehre und die Studenten schimpfen!

4. Februar 2012 Spectrum

Betreten geboten

Würdig erinnern und zugleich einen öffentlichen Raum für alle schaffen: Ob dieses Konzept gelingen kann, wird am „Gedenkort Turnertempel“ in Wien zu überprüfen sein.

Vor einem halben Jahr noch war an der Ecke von Turnergasse und Dingelstedtgasse eine mit einem niedrigen Zaun umgrenzte Grün fläche mit ein paar Bäumen und einem Hinweis, die Grünfläche sauber zu halten. Verlegenheitsgrün, ohne Anmut, funktionslos, nicht betretbar und gerade dazu gut, im dichtverbauten Grätzel für ein wenig Freiraum zu sorgen. Es bedurfte schon eines besonderen Forscherdrangs, die schlichte Tafel auf dem angrenzenden Gemeindebau zu entdecken, die auf die ehemalige Existenz einer Synagoge anstelle der Grünfläche und deren Zerstörung in der Reichspogromnacht hinwies. Das abschließende „Niemals vergessen“ wirkte angesichts der Unsichtbarkeit der Inschrift wie eine leere Formel.

Erst als ausgehend vom Interesse an der Geschichte des Gebäudes ihres Arbeitsplatzes in der Herklotzgasse 21 vor ein paar Jahren eine Gruppe von Menschen ein umfangreiches Forschungsprojekt startete, wurde die Geschichte der Juden im 15. Wiener Gemeindebezirk und damit auch der Ort, an dem die Synagoge stand, zum Thema. Unter dem Titel „Das Dreieck meiner Kindheit“ haben Michael Kofler, Judith Pühringer und Georg Traska in einer Ausstellung und einem begleitenden Buch (Mandelbaum Verlag, 2008) sichtbar gemacht, was im kollektiven Gedächtnis der Stadt und des Bezirks verdeckt war. Ihnen ist der Anstoß dazu zu verdanken, dass die städtische „Kunst im öffentlichen Raum GmbH“ fünf Teams aus Künstlerinnen und Landschaftsarchitektinnen zum Wettbewerb für einen Erinnerungsort lud. Das Siegerprojekt des Künstlerduos Iris Andraschek/Hubert Lobnig und der Landschaftsarchitekten Maria Auböck/János Kárász verkörpert einen neuen Typus von Gedenkstätte, dem Verschämt- wie Unverschämtheit banaler, über den Charakter einer Pflichtübung nicht hinauswirkenden Gedenktafeln ebenso fremd sind wie Pathos.

Die „Turnertempel“ war ein wichtiges Identifikationsprojekt der Kultusgemeinde Sechshaus. Sein Architekt Karl König war Schüler und Mitarbeiter von Friedrich von Schmidt, Assistent von Heinrich von Ferstel an der Technischen Hochschule, deren Rektor er später wurde. Die 1872 fertiggestellte Synagoge war sein erstes eigenes Gebäude und wäre heute ein wichtiges Baudenkmal des Historismus. Im Morgengrauen des 10. Novembers 1938 wurde der Tempel von SS-Mitgliedern in Brand gesetzt. Im Mai 1940 ging die Liegenschaft durch „Arisierung“ an einen in der Nachbarschaft wohnhaften Transportunternehmer, der dort eine Garage errichtete. Das Rückstellungsverfahren endete 1950 mit einem Vergleich. Kurz darauf wurde die Garage um eine Tankstelle erweitert. 1973 erwarb die Gemeinde Wien das Grundstück, es folgten siebengeschoßiger Gemeindebau, Abstandsgrün und Gedenktafel. Die notorischen Geschichtsverdreher lassen sich weder durch den Geschichtsunterricht noch von Tafeln und Denkmälern beeindrucken, das ist immer wieder aufs Neue widerlich, aber Realität. Für die Menge derer, die ihnen aus Gedankenlosigkeit auf den Leim geht, ist jeder Versuch der Aufklärung nicht vergebens und eine entsprechende Erinnerungskultur von ungebrochener Notwendigkeit. Nach einer Form, in der dies sinnvoll - und vor allem für ein breites Segment an Rezipienten - geschehen kann, haben Andraschek/Lobnig und Auböck/Kárász mit ihrem Wettbewerbsbeitrag gesucht. Es sollte kein „Mahnmal“ werden, sondern ein Ort der Erinnerung, der auch im Alltag nutzbar ist.

Wesentliches Gestaltungselement sind Balken aus schwarz eingefärbten Betonfertigteilen mit der Struktur einer Holzmaserung, die an den verbrannten und eingestürzten Dachstuhl der Synagoge erinnern und die in ihren Dimensionen etwa jenen der realen Balken entsprechen. Sie liegen entweder bündig im sandfarbenen Stabilizer-Belag - einer gebundenen, sickerfähigen Oberfläche - oder ragen teilweise oder bis zur Gänze darüber heraus. Sie bilden Wegführungen und Plätze aus, sind selbst begehbar und können als Sitzgelegenheit dienen. Sie durchschneiden auch noch die oberste der beiden Stufen aus hellem Beton, die den Platz vom Gehsteigniveau abheben, und verzahnen damit den Platz mit dem Umfeld. Einen barrierefreien Zugang gibt es über eine Rampe entlang der Feuermauer des angrenzenden Hauses in der Dingelstedtgasse. Sechs bestehende Lindenbäume wurden in die Gestaltung integriert. Erst beim Durchwandern der Anlage fallen die wie beiläufig in den Boden eingelassenen Mosaike auf. Mit ihren Darstellungen von Lebensmitteln erinnern sie an Mosaikreste, wie wir sie aus frühchristlicher Zeit oder den Ausgrabungen in Pompeji kennen. Feigen, Oliven, Datteln sind erkennbar, Überreste eines Festmahls vielleicht, aber auch eine Dose eines bekannten Energydrinks, Obst in einem Plastiksackerl oder Kerne in einem Becher. Es sind Früchte aus südlichen Gefilden, die in der Thora erwähnt werden und im jüdischen Jahreskreis eine Rolle spielen, es sind aber auch Lebensmittel, die den heute in der Umgebung wohnhaften Migranten aus ihrer Heimat vertraut sind und auch längst Eingang in den Speiseplan autochthoner Wiener gefunden haben. Die Geschichte der Synagoge und der hier von den Nazis - unter dem Beifall der nichtjüdischen Nachbarn - vollbrachten Gräueltaten wird auf einer Tafel nächst der Rampe erklärt.

Der Platz animiert zum Betreten und Benutzen ebenso, wie er zum Innehalten und Gedenken einlädt. Er ist niederschwellig, weil zitathaft Gegenständliches wie die Mosaike und die Holzbalken neugierig machen und im besten Fall auch bislang Ignorante oder Unwissende dazu veranlassen, sich eingehender mit dem Sinn des Kunstwerks und der Geschichte des Ortes zu befassen. Was den Leuten gefällt, ist oft schwer mit den aktuellen Konventionen der Kunst in Einklang zu bringen. Ein hoher Grad an Abstraktion ist vielen nicht zugänglich, Pathos nicht mehr opportun, die Gefahr in Banalität und Kitsch abzugleiten groß. Dass in der Turnergasse ein Ort des Gedenkens, der das Geschehene mit Nachdruck vor Augen führt, zugleich ein Ort der Identifikation für die Anrainer geworden ist, hat auch damit zu tun, dass sich die vier Autoren offensichtlich mit dieser Problematik befasst haben.

7. Januar 2012 Spectrum

Gut fürs Geschäft

Über Räumlichkeiten, die den Innsbruckern und ihren Besuchern dringende und andere Bedürfnisse erfüllen: zwei Gestaltungen des Architekten Rainer Köberl.

Immer wieder verstand es der Innsbrucker Architekt Rainer Köberl, auch ihrem Zweck nach kommerziell orientierten Bauaufgaben so etwas wie „kulturellen Mehrwert“ zu verleihen. Ob ihm das in letzter Zeit nicht dennoch schön langsam zu wenig Inhalt sei, als Bauaufgaben vor allem Supermärkte, Boutiquen, Lokale und nun auch eine Bank zu gestalten? Klar, ein Museum, eine Kirche oder eine Moschee wären schon auch tolle Bauaufgaben, über die er sich freuen würde. Aber jede Aufgabe, so Köberl, habe einen wahren Inhalt. Den herauszuschälen, zu interpretieren und ihm Form zu geben hatte er im vergangenen Halbjahr anhand von recht weltlichen Bauten dreimal Gelegenheit.

Am Innsbrucker Mitterweg schuf er zwei Bauten für Auftraggeber, die beide mehrfach baukulturelles Verantwortungsbewusstsein bewiesen haben. Für M-Preis, jene Lebensmittelmarktkette, die kontinuierlich architektonisch ordentliche, oft auch herausragende Filialen realisiert, schuf Köberl seinen nun bereits vierten Markt, und in der gleichen Straße, näher am Stadtzentrum, eine Geschäftsstelle der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV). Beide sind Oasen im heterogenen Dickicht der beginnenden Stadtperipherie, wo ein wilder Mix an Gewerbe- und Wohnbauten wenig städtebaulichen Halt gibt und gestalterisch dem Motto „anything goes“ gehuldigt wird. Mit dem sehr luftigen, die Horizontale betonenden Supermarkt, den er mit Durchblicken auf begrünte Dachflächen und anderen Feinheiten veredelte, absorbiert Köberl recht geschickt den rauen Charme der Umgebung.

Mit der Bank hingegen, mit der wir uns hier ausführlicher befassen wollen, schuf er eine Stadtmarke, die aus dem unmittelbaren Rundherum ungeniert hervorsticht, sich davon distanziert und in großräumigerem Kontext gedacht ist.

Die BTV schreibt regelmäßig in den namensgebenden Bundesländern einen Bauherrenpreis aus. Mehrfach hat man sich selbst als verdienter Auftraggeber hervorgetan. Für das Grundstück am Mitterweg, auf dem es in einem Neubau zwei bestehenden Filialen in eine neue Geschäftsstelle überzuführen und zusätzliche vermietbare Geschäftsflächen zu schaffen galt, wurde ein geladener Architekturwettbewerb ausgelobt. Wiewohl es Signale gab, „etwas Kubisches“ im Sinn zu haben, widersetzte sich Köberl den Wünschen der Banker und schuf eine Art Pyramidenstumpf, der markant in die Höhe ragt. Nach einer ersten Wettbewerbsphase kam man zur Erkenntnis, das Grundstück sei zu knapp bemessen, um im Erdgeschoß der Bankfiliale ausreichend Entfaltungsmöglichkeit zu geben, und kürte keinen Sieger. Nachdem der Bauplatz um einen Zwickel erweitert werden konnte, schrieb man den Wettbewerb unter den gleichen vier Teilnehmern erneut aus. Köberl (Mitarbeit: Christopher Perchtold) bewarb sich wie zuvor mit einem extravaganten, völlig „unkubischen“ Entwurf und reüssierte.

Die auffällige Form gibt dem Gebäude Präsenz im Wirrwarr der frequentierten Vorstadtstraße. Köberl stellt sie in Bezug zu anderen markanten Baulichkeiten in der weiteren Umgebung, wie der weithin sichtbaren Allerheiligenkirche von Clemens Holzmeister, Josef Lackners Schule am Fürstenweg oder dem ehemaligen Pulverturm, der in Verlängerung der Achse des Mitterweg beim Flughafen liegt. Die sichtbare Gebäudehülle ist ein durchlässiger Filter, der das eigentliche – verglaste – Gebäude umhüllt.

Sie besteht aus schachbrettmusterartig auf einer Stahlkonstruktion angeordneten Platten aus glasfaserverstärktem Beton, deren Größe variiert, um trotz der geneigten Flächen durchgehend die horizontalen Linien beizubehalten. Der weiße Schleier wirft Licht-Schatten-Muster auf die Umgrenzungsmauer und in die Innenräume. Er schützt vor Einblicken und bewahrt von innen vor dem direkten Blick auf die wenig attraktive Nachbarschaft, lenkt diesen aber auch durch einzelne Fenster in die „schöne“ Umgebung – auf die Berge und in den Himmel.

Geerdet wird die luftige Figur durch eine Betonwand, die sich um das Gebäude windet. Sie begleitet die Zufahrt in die Tiefgarage und umgrenzt zwei Refugien im Freien: ein begrüntes Atrium an der Rückseite und eine mit zwei Fächerahornbüschen ausgestattete Terrasse, die östlich an die Besprechungsräume im Obergeschoß anschließt. Die verbaute Fläche ist knapp, Köberl wusste sie raffiniert zu nutzen und hat das Kunststück zuwege gebracht, dass sich das Gebäude von innen größer anfühlt als von außen, dies auch dank einer schlichten, aber edlen Innenausstattung mit Böden aus grau-weißem Terrazzo und von Köberl maßgeschneidert entworfenem Mobiliar im Schalterbereich. „Hirnförmiges“ Nussholz hat der Architekt hier sinnigerweise eingesetzt, und damit spielt er auch auf das bei Bankgeschäften notwendige Vorausdenken an, wie auch der karierte Schleier als Metapher für das „durchaus nicht nur sichere, sondern auch fragile Bankwesens“ zu deuten wäre.

Einem anderen Geschäft dient Köberl jüngstes Projekt. An die 20 Jahre schon suchte die Stadt nach einem Raum für eine öffentliche Toilette, bislang ein Manko in der prosperierenden Altstadt. Rainer Köberl, der es immer wieder verstand, unauffälligen Orten neue Reize zu verleihen, half bei der Suche und wurde im Parterre des historischen Stadtturms, wo seit den 1970er-Jahren die Stadtturmgalerie angesiedelt war, fündig. Vor etwa zehn Jahren wurde sie erweitert. Köberl ärgerte sich bereits damals darüber, dass man Geld in die Erweiterung steckt, anstatt den Künstlern bessere Räumlichkeiten zu beschaffen. Er schlug vor, die Bedürfnisanstalt hier unterzubringen, und durfte sie auch gestalten: in Gold und Schwarz, sehr großzügig, wobei Köberl die damalige Erweiterung nun recht gelegen kam, stellte sie ihm doch helle Räume zur Verfügung, wie man sie ansonsten für ein WC kaum anzudenken wagt. Eine Bank zum Rasten im Kassenbereich und der dahinter liegende Hof werten das stille Örtchen zu einem Ort der Stille auf, an dem es sich ein paar Schritte abseits des Trubels gut ausruhen lässt. Und die Stadtturmgalerie? Sie bekam neue Räume in der nahen Hofburg.

15. Oktober 2011 Spectrum

„Der Platz vor dem Ring ist verhaut“

Friedrich Kurrent im Gespräch. Über seine Gewinn- und Verlustrechnung, Freund- und Feindschaften – sowie seinen noch offenen großen Wunsch: eine Synagoge am Wiener Ring.

Friedrich Kurrent, den Prolog zu Ihrem ersten autobiografischen Buch beschließen Sie mit dem Satz: „Der Bach rauscht vorbei, das Leben rauscht vorbei“, den zur kürzlich erschienenen Fortsetzung über „Die Nullerjahre“ mit den Worten: „Das Wasser stürzt herab.“ Wie wichtig ist Ihnen das Wasser?

Mir war es immer wichtig, dass eine Siedlung an einem Bach ist.

Warum?

Weil man Schnee hineinschaufeln kann!

Schmerzt es Sie, nie einen größeren Wohnbau realisiert zu haben?

Ja, das ist bedauerlich. Schade ist es um ein Haus in einer Baulücke am Spittelberg. Der Einreichplan war genehmigt, es wäre ein zeitgemäßes Spittelberg-Haus geworden. Rudolf Wurzer hat es umgebracht. Sein Vorgänger als Planungsstadtrat, Fritz Hofmann, musste nach dem Reichsbrücken-Einsturz 1976 zurücktreten. Auf dem Bauplatz sind dann Bäume aufgeschossen. Wenn ich gewusst hätte, was kommt, hätte ich sie damals ausgerissen. Die gleiche Gemeinde Wien, die mir mit der einen Hand den Auftrag gegeben hat, hat ihn mir mit der anderen genommen.

Es gab auch noch andere Wohnbaukonzepte.

Für ein Gutachten an der Brünner Straße, 1970, habe ich ein einen Kilometer langes Haus vorgeschlagen. Abgestuft, um wenig Schatten zu erzeugen, und hinten waren lange Rampen, weil jede Wohnung den Autoabstellplatz direkt bei der Wohnung gehabt hätte. Heute mit den Elektroautos überhaupt kein Problem, damals zu utopisch. Also kann ich nicht sagen, es war ein Verlust.

Auch die Wohnraumschule, die Sie 1953 mit der Arbeitsgruppe 4 entwickelt haben, wäre nach heutigen Maßstäben aktuell.

Ja, genau so etwas sucht man heute: eine ganglose Schule, wo es nicht nur Klassen und Freiluftklassen gibt, sondern auch Wohnraum, wo alles stattfinden kann. Eine Schule mit Tierhaltung und Pflanzen, Nischen zum Basteln und so weiter.

„Ich glaube, er sieht die verrückte Alte noch immer gern“, beschrieb Michael Guttenbrunner Ihr Verhältnis zu Wien.

Ich habe Wien nie ausgelassen, wollte nie weggehen. Aber plötzlich hat man mich für das Bewerbungsverfahren für die Nachfolge von Johannes Ludwig an der TU München geladen. Nach drei Jahren bekam ich auch den Sakralbau-Lehrstuhl, den zuvor Josef Wiedemann innehatte.

Sie scheuen sich nicht, Kritik an Kollegen zu üben. Kommt das mit dem Alter?

Nein, das habe ich immer gemacht. Peichl ist mein Lieblingsfeind. Ich bin aus der von ihm organisierten Ausstellung „Die Sieben vom Schillerplatz“ ausgestiegen (Anm.: weil Ottokar Uhl und Anton Schweighofer nicht mit einbezogen wurden). Dann waren es nur noch sechs. Auf dem Sechser-Foto hat Peichl jedem eine rote Rose angesteckt – wie bei der Mafia. 20 Jahre später wurden in einem Fernsehfilm auch „Die vom Schillerplatz“ gezeigt, und man sah eine Einstellung mit diesem Foto, aus dem Spalt, Gsteu und Lackner ausgeblendet und Peichl, Holzbauer und Hollein zusammengerückt waren. Peichl war immer Karikaturist, und seine Architektur hat einen Stich ins Karikaturistische. Roland Rainer, der ihn bei der Stadthalle dazugenommen hat, hatte immer großen Respekt vor den Medien, aber Peichl hat das noch geschickter verstanden.

Das heißt, die Medien haben über Erfolg und Misserfolg mitentschieden.

Das hat damals begonnen. Wenn sie in München nach Rainer gefragt haben, sagte ich: „Er ist eine Kapazität, die mir aus der Entfernung lieber ist.“

Hat das auf Gegenseitigkeit beruht?

Ja, mit Schwankungen. Wir waren gut miteinander. 1990 hat mich Rainer angerufen und gefragt, ob ich für den „Kurier“ Architekturkritiken schreiben will. Ja, aber nicht ständig, habe ich gesagt. Wirklich meldet sich der Kulturressortchef Endler am nächsten Tag. „Machen Sie's?“, fragte er, und ich sagte, ja, hie und da. „Es muss nächste Woche sein, da wird das Haas-Haus eröffnet.“ Das „Haas-Haus“ hatte Rainer nicht erwähnt. Ich habe geantwortet, das kann ich nicht, weil ich noch nicht drin war. „Na, dann muss sich der Professor Rainer wen anderen suchen“, war die Antwort.

Sie haben etliche Gedenktafeln gestaltet.

Ja, für Adolf Loos und Josef Hoffmann zum 100. Geburtstag, dann für Plischke und für Josef Frank und die letzte für Anna Lülja Praun. So viele waren es nicht.

Zum 200. Geburtstag von Theophil Hansen 2013 wüssten Sie auch ein posthumes Geschenk – die Verlängerung der Hansenstraße.

Sie muss dann „Theophil-Hansen-Straße“ heißen, er hat hier gewohnt. Die Straße ist kurz, aber nicht zufällig so breit angeordnet, sie richtet sich nach der Flucht der Seitenrisalite der Museen. Aber der Platz vor dem Justizpalast bis zum Ring ist verhaut. Camillo Sitte kritisierte schon die „unrhythmische Stelle“ und schlug einen mächtigen Rundbau als Gelenk zwischen Parlament und Palais Epstein vor. Ich denke, dort müsste eine Synagoge hin. In den ersten Bezirk, nicht in die Leopoldstadt. Erstens war Leopold I. ein Antisemit, zweitens schrieb Ferdinand Kürnberger schon im 19. Jahrhundert: „Die Juden und die Praterhirschen wurden abgedrängt in Richtung Donau.“ An der Breitseite des Zwickels, gegenüber vom Justizpalast, nächst dem Parlament, wäre die ideale Stelle für ein „Haus der Geschichte“. Das muss natürlich ein Wettbewerb werden.

Seit wann arbeiten Sie an der Synagoge?

Schon im Jahr 2000 habe ich einen Typus für den Wettbewerb in München entwickelt, den man überall verwenden kann – größer, kleiner oder woanders. Dann hatte ich in der Neujahrsnacht 2006 den Geistesblitz, man könnte den Typus in Wien verwenden. Ich möchte, dass sie Wirklichkeit wird. Heuer im Februar habe ich Bürgermeister Häupl um einen Termin gebeten. Immerhin hat er mir zum Geburtstag gratuliert

1. Oktober 2011 Spectrum

Lernen in der Kiste

Der Zubau für die Hauptschule Rattenberg, Tirol: ein cooles Ambiente für die Schüler, trotzdem eine würdige Ergänzung des klösterlichen Bestandes. Und das alles mit einem Hauch Retro-Charme.

Der Innsbrucker Architekt Daniel Fügenschuh (Jahrgang 1970) begab sich mit seinem Vater einst zwecks Suche eines passenden Gymnasiums auf eine Tour durch mehrere Innsbrucker Schulen. Am damals noch jungen Gymnasium Reithmannstraße, geplant vom Architektenpaar Charlotte und Karl Pfeifer, imponierten dem jungen Fügenschuh die Modernität der Anlage sowie die Großzügigkeit der Gangflächen, und somit entschied das Gebäude die Schulwahl. Wie sehr Schulgebäude Persönlichkeiten und Karrieren prägen, würde sich schwer nachweisen lassen. Den Geruch seiner Schule, bestimmte Lichtverhältnisse, Räume, die eingeschüchtert haben, oder solche, in denen man sich frei fühlte, kann aber wohl kaum jemand aus seiner Erinnerung löschen.

Aus dem jungen Fügenschuh wurde immerhin einer der viel versprechenden Architekten der jüngeren Tiroler Generation. Noch als Student hat er seinen Eltern ein bemerkenswertes Haus in Igls geplant, um dann Architektenlehrjahre bei West 8 in Rotterdam und Michael Hopkins in London zu verbringen. Seit einigen Jahren wieder zurück in Innsbruck, kann er bereits auf ein respektables eigenes Werk verweisen. Sein erster Schulbau – eine Erweiterung der Hauptschule Rattenberg – ging kürzlich in Betrieb.

Seit den 1970er-Jahren ist die Hauptschule im ehemaligen Augustinerkloster, einem ab dem Ende des 14. Jahrhunderts errichteten Klosterkomplex, zwischen Stadtzentrum und Innufer untergebracht. Schon damals wurde ein neuer Trakt mit Turnsaal und darüber liegenden Klassen angebaut, der mit dem historischen Ensemble einen zur Stadt hin orientierten U-förmigen Hof umschließt. Das Feuerwehrhaus, das sich als „letzter Schandfleck“ der Stadt mitten auf dem Platz befand, musste weichen, um den sieben zum Wettbewerb geladenen Projektanten Raum für einen Erweiterungsvorschlag zu bieten. An Funktionen waren vor allem Infrastruktur für die Nachmittagsbetreuung der Kinder gewünscht, neue Umkleiden für den Turnsaal, ein zusätzliches Klassenzimmer und ein Kreativraum, der in der Ausschreibung noch etwas despektierlich „Bastelraum“ genannt wurde. Aus architektonisch-städtebaulicher Sicht war ein „Beitrag zur Bereinigung einer stadträumlichen Schwachstelle von Rattenberg“ gefragt, bei dem „Kontinuität im Sinne eines Weiterbauens“ Gegenstand des architektonischen Diskurses sein sollte. Ein Gegenstück, kein Gegenteil zum Bestand, so die Stellungnahme des Bundesdenkmalamtes, sollte der notwendige Erweiterungsbau werden.

Daniel Fügenschuh verstand es unter allen Wettbewerbsteilnehmern am besten, die notwendige neue Kubatur in jeder Hinsicht schlank zu halten und den Neubau so zu integrieren, dass viel Fläche im Freien erhalten bleibt. Oberflächlich gesehen, könnte man meinen, er hat nicht mehr gemacht, als eine schlichte Kiste parallel zum Anbau aus den 1970ern gestellt und die notwendigen Anschlüsse an den Bestand hergestellt zu haben. Aber was für eine Kiste! Und wie er sie mit dem Rest verwirkt, sodass auch die Nahtstellen attraktive Raumkonfigurationen werden! Raffiniert in der Materialisierung, in den Details und mit Räumen, die womöglich vieles von der Freiheit und Großzügigkeit vermitteln, die der Schüler Fügenschuh in den 1980er-Jahren in seiner Schule erfahren hat, wirkt der Zubau wie ein selbstverständlicher Teil des Ganzen und kein aus der Raumnot geborener Annex.

Der dreigeschoßige neue Flügel ergänzt die mächtige Klosteranlage respektvoll, aber ohne Scheu. Die Felder der äußeren Hülle der zweischaligen Betonkonstruktion bilden eine präzise austarierte Gliederung, die durch die feldweise unterschiedlichen Methoden der Oberflächenausbildung – schalglatt, poliert und gestockt – unterstützt wird. Das große quadratische Fenster wird mit seiner Umrahmung aus Kupfer zu einem Schule und Öffentlichkeit, Alt und Neu integrierenden Symbol.

Auf den ersten Blick wirkt der Zubau zur Stadt hin monolithisch und verschlossen, bietet aber mit seiner freien Erdgeschoßzone variantenreiche Möglichkeiten einer verschränkten Bespielung von Innenraum, überdachtem Freibereich und Platz. Den überdeckten Freibereich, der zum Beispiel als Freiluftklasse – eine Möblierung dafür ist in Arbeit – genutzt werden kann, geht über in das Foyer im zweigeschoßigen verglasten Gelenk, das den Neubau mit dem Turnsaaltrakt verbindet. An der Außenseite öffnet sich der einem gründlichen Lifting unterzogene Turnsaal Richtung Klostergarten und erweitert somit nochmals das mögliche Aktionsfeld ins Freie. Generell löst sich in der Art der Verschränkung die von außen als additiv wahrgenommene Aneinanderreihung von Turnsaal, Verbindungs- und Erschließungsglied und Betonriegel in ein wie selbstverständlich wirkendes Raumkontinuum auf. In erster Linie ist dies der Tatsache zu danken, dass Fügenschuh in der bestehenden Kubatur viele vorhandene „tote“ Flächen aktiviert hat. Die existierende Galerie des Turnsaals, die ehemals schwer zugänglich und nicht adäquat bespielt werden konnte, wurde zum Luftraum über dem Foyer hin geöffnet. Flächen für die Nachmittagsbetreuung mit einem zentralen blockhaften Tresen für die Essensausgabe sind auf dieser Ebene um den neuen Lichthof angeordnet.

Eine nonchalante Eleganz kennzeichnet alle offenen Bereichen und den Turnsaal, der auch extern und für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. In den Klassenräumen dominiert eine durchaus unbeschwerte Robustheit, der man einen gewissen Retro-Charme nicht absprechen kann: Die Wandtextur bildet die Lattenstruktur der Stulpschalung im naturbelassenen Beton ab, die im Zusammenspiel mit der Holzwollestruktur der Dämmplatten an der Decke akustisch vorteilhaft und optisch einfach lässig wirkt.

Erst wenige Wochen ist der Zubau in Betrieb – wie er den Schulbetrieb verändert und Persönlichkeiten zu prägen imstande ist, lässt sich also noch nicht sagen. Klar ist, dass hier einer sein gesamtes Wissen und sein ganzes Gespür dafür, was Schule sein kann – pädagogisch, gesellschaftlich, kulturell – in diesem Annex konzentriert hat.

30. Juli 2011 Spectrum

Umbau light gemacht

Aufeinandertreffen der Epochen. Das Rathaus in Kufstein wurde einer vorsichtigen baulichen Annäherung an die modernen Anforderungen eines Amtsgebäudes unterzogen.

So friedlich und still, wie die „Perle Tirols“ besungen wird, präsentiert sich Kufstein derzeit nicht. Die Stadt befindet sich im Wandel und verspricht architektonisch um einige Projekte angereichert zu werden. Prägten die letzte größere Umgestaltung des Stadtzentrums ab 1900 vermehrt Architekten aus dem süddeutschen Raum, findet heute die Tiroler Architekturszene ein vielfältiges Arbeitsgebiet im Spannungsfeld zwischen historischer Substanz und modernen Anforderungen vor. Die Fachhochschule Kufstein von Henke/Schreieck geht in die dritte Erweiterungsphase. Zwischen Unterem Stadtplatz und Fischergries nimmt ein Komplex mit Geschäfts-, Büro- und Wohnflächen, geplant von Daniel Fügenschuh, Form an. Johannes Wiesflecker zeichnet für die Erweiterung des Gymnasiums – erbaut 1907 vom Stuttgarter Willy Graf – verantwortlich.

Das Herzstück des Kufsteiner Erneuerungsbooms wurde im Frühjahr fertiggestellt: die Sanierung und Erweiterung des Rathauses durch Rainer Köberl in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro von Thomas Giner und Erich Wucherer. Schon bei der Adaptierung des Sudhauses des Innsbrucker Adambräus von Lois Welzenbacher zu einem Architekturzentrum – abgeschlossen im Jahr 2004 – bewies sich diese Konstellation als baukulturell segensreich. In Kufstein überzeugen sie nun mit dem alten neuen Rathaus, das aus einem 2008 ausgelobten Wettbewerb hervorging. Das bestehende, im Kern aus dem Mittelalter stammende Rathaus am Unteren Stadtplatz erfuhr seine letzte wesentliche Umgestaltung 1923/1924 von Willy Graf. Längst war es zu klein geworden und entsprach nicht mehr den Anforderungen eines modernen Amtshauses. Die Aufgabenstellung bestand darin, diesen Bestand einer Generalsanierung zu unterziehen und mit dem an der Rückseite angrenzenden und dem Oberen Stadtplatz zugewandten Bildsteinhaus sowie dem in Richtung Pfarrkirche angrenzenden Paramentenstöckl zu einem zeitgemäßen Verwaltungsgebäude zu verbinden.

Die Jury unter Vorsitz von Walter Angonese konnte sich damals nicht durchringen, einen ersten Preis zu vergeben. Köberl/Giner/Wucherer landeten zwar ganz vorne, aber eben bloß auf dem zweiten Platz. Grund dafür war wohl, dass sie die Vorgabe ignorierten, den bestehenden Ratssaal zu erhalten, und stattdessen mit einem neuen Saal das Bildsteinhaus bekrönten.

In der Überarbeitung des Konzepts gewann es an Homogenität und inhaltlicher Schlüssigkeit, wobei aber doch alle wesentlichen vorgeschlagenen Maßnahmen erhalten blieben und dem Wunsch der Auslober entsprochen wurde, den bestehenden gewölbten Rathaussaal zu erhalten. Mit seinen zwei Zugängen und dem alten Gewölbe, das von neuen, zurückhaltenden Interventionen wie einem hellen Terrazzoboden betont wird, versinnbildlicht er die Planungsphilosophie, die hinter dem Gebäude steht. „Nicht unsympathisch, sondern besonders – aber doch lapidar“ sollte die Anmutung des Hauses sein, formulierte Rainer Köberl in einer Notiz während der Planungsphase. Das ist gelungen und vor allem dem bewussten Umgang mit Materialien und der detailplanerischen Sorgfalt an allen Nahtstellen zwischen Alt und Neu zu danken.

Die essenziellste Überlegung bestand darin, den Haupteingang vom Unteren Stadtplatz in den neu hinzugekommenen Teil am Oberen Stadtplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zum Aufgang zur Pfarrkirche zu verlegen und dem Rathaus ein neues Gesicht zu geben. Ein Vorbau, der den Platz einengte und den Aufgang zur Kirche verstellte, wurde entfernt, dem Gebäude eine hellgraue Farbe verpasst. Über dem Gesims thront eine neue Gebäudekrone in Form ei- ner Wand aus weißen, im Zickzack angeordneten Lamellenwänden aus Metall, die den dahinter liegenden Rathaussaal beschatten und ab der Dämmerung hinterleuchtet zu einem schlichten, aber doch signifikanten urbanen Zeichen werden. Das Rundbogenportal mit verglasten Seitenteilen führt in ein Foyer, in dem ein Serviceschalter als erste Kontaktstelle fungiert. Dieser tonnengewölbte Raum geht über in das neu geschaffene Verbindungs- und Verteilergelenk des Komplexes. Die Treppen begleiten den eine vertikale Spange nach oben schaffenden Lichthof, wo es das Aufeinandertreffen der Konstruktionen aus unterschiedlichen Epochen zu lösen und das ganze Gefüge in ein Gleichgewicht zu bringen galt.

Der grob strukturierte Putz der alten Rathausfassade wurde ins Innere gezogen und sorgt nun in vertrauter Ockerfarbe für eine subtile und leicht deutbare Orientierungshilfe. Sonst dominieren Weiß an Böden und Wänden und Sichtbeton bei allen Maßnahmen, die dem alten Gemäuer konstruktiven Halt geben. Sobald die Raumfunktionen individueller gewidmet sind, kommt als Oberflächenmaterial robuste Kupfereiche dazu, aus der einzelne vom Innsbrucker Tischlermeister Gerhard Höckner ausgeführte Möbelstücke angefertigt wurden. Ein verglaster Liftschacht mit einer Intervention des Kufsteiner Fotokünstlers Nikolaus Schletterer und mannigfaltige Durchblicke über die Bauteile hinweg ermöglichen von jedem Geschoß aus Ausblicke in alle Richtungen. Alle Anschlüsse zwischen den verschiedenen Bauteilen und Materialien sind sehr präzise ausgeführt. Zuweilen verschwimmen die eindeutigen Grenzen zwischen Alt und Neu, weil man nicht die Strategie verfolgte, hundertprozentig alles Neue neu wirken zu lassen. Der Homogenität des Ganzen war diese Suche nach dem atmosphärisch Richtigen sicher förderlicher als eine sture, von korrekten archäologischen Kriterien bestimmte Strategie.

Fast alle Bürotüren sind transparent gehalten. Das fördert nicht nur die Kontaktaufnahme zwischen den Mitarbeitern, sondern auch zu den Besuchern, die nun nicht mehr anklopfen und fragen müssen, ob man eintreten dürfe, sondern schon vom Vorbereich aus erkennen, ob Warten angesagt ist.

Die Realisierung hat die Versprechungen des Wettbewerbsprojekts mehr als erfüllt. In der Zwischenzeit durften sich Köberl/Giner/Wucher auch mit der Verbesserung des unmittelbaren Umfelds, der Gestaltung des Unteren Stadtplatzes, befassen, die 2012 abgeschlossen sein wird.

25. Juni 2011 Spectrum

Die Lust am Faltenrock

Allerbeste Energiekennzahlen mit guter Gestaltung vereinen. Das geht. Ein Passivhaus vom Architektenteam Querkraft in Wien-Brigittenau.

Nüchterne Effizienz, aufgepeppt mit nutzerfreundlichen Zusatzangeboten und das Ganze gepaart mit viel Sportsgeist bei der Ausreizung gängiger Regeln, zeichnet seit jeher die Architekturkonzepte des Wiener Architektenteams Querkraft aus. Im Wohnungsbau mit seinen beschränkten Mitteln – sei es, weil die Wohnbauförderung eine bestimmte Kostenobergrenze festsetzt, ein Investor die Rendite maximieren möchte oder ein privater Häuslbauer auf sein Budget schauen muss – macht sich dieses Talent besonders bezahlt.

Als die Heindl Holding für das Grundstück an der Ecke von Universumstraße und Kampstraße nach geeigneten Architekten zur Umsetzung eines Passivhauses suchte, hielt man bewusst nicht nach Planern Ausschau, die als Passivhausarchitekten bekannt sind, betont Projektleiter Rainer Tietel. In erster Linie wollte man eine besondere, clevere Architektur. Ein energiesparendes Haus zu errichten, das die Kriterien eines „klima:aktiv Passivhauses“ erfüllt, war quasi die Zusatzaufgabe. Dieser Gebäudestandard verfügt über einen Heizwärmebedarf, der mindestens 80 Prozent unter jenem normaler Neubauten liegt. Anhand des Gesamt-Primärenergiebedarfs wird die energetische Qualität von Gebäudehülle, Wärmeversorgungssystem und Energieträger bewertet. Zudem ist der Einsatz besonders klimaschädlicher Baustoffe zu vermeiden, gute Raumluftqualität und Benutzerkomfort müssen gesichert sein. Die Herausforderung für die Architekten liegt dabei darin, trotz unumgänglicher Notwendigkeiten, die in einem Kriterienkatalog definiert sind, nicht ihre ureigensten Kompetenzen als Gestalter eines räumlich attraktiven Lebensumfelds zugunsten der bauphysikalischen Erfordernisse hintanzustellen.

Mit einem dick gedämmten Würfel mit kleinen Löchern ist der angepeilte technische Standard am leichtesten zu erreichen. Für das Team von Querkraft – Jakob Dunkl, Gerd Erhartt, Peter Sapp und Projektleiter Dominique Dinies – wäre dies allerdings eine unbefriedigende Lösung gewesen. Sie „kneteten“ dieses theoretische technische Optimum so lange, bis die Form gefunden war, die auch einen räumlichen und städtebaulichen Mehrwert anbieten konnte, und das Vorurteil entkräftet, Passivhäuser müssten zwangsläufig unelegant klobige, hermetisch abgeschlossene Gebäude sein.

Auf einem unregelmäßigen Rechteck entwickelten sie einen Baukörper mit zentralem Stiegenhaus, der den Blockrand nicht ganz schließt, sondern zum benachbarten – noch unbebauten – Grundstück eine Fuge lässt, durch die sowohl ein angenehmer, von der Straße abgesetzter Zugang entsteht als auch die Nachmittagssonne sich den Weg zu den hofseitig gelegenen Wohnungen bahnen kann. Entlang der Kampstraße schließt es an ein vom gleichen Bauträger errichtetes und von Françoise-Hélène Jourda geplantes Wohn- und Bürohaus an. An allen drei Seiten durchgehend umlaufende Balkone sorgen dafür, dass aus sämtlichen Zimmern der direkte Zutritt ins Freie möglich ist. Keine Fensterluken also, sondern pro Wohnung zwei bis vier bis zum Boden reichende, unterschiedlich breite Öffnungen. Um diesen privaten Freiräumen einen abwechslungsreicheren und räumlich angenehmeren Zuschnitt zu geben, wurden sowohl die Gebäudehülle als auch die Balkonplatten einer Verformung unterzogen: Indem die Außenwände Knicke nach innen und die Balkonzone Knicke nach außen erhielten, entstanden Balkontiefen, die eine sinnvolle Möblierung und bequeme Nutzung begünstigen und zudem die Begrenzungsflächen zu den jeweiligen Nachbarn gering halten. Selbst die kleineren Wohnungen verfügen so noch über einen zehn Quadratmeter großen Freiraum, bei den 74 Quadratmeter großen Eckwohnungen sind es gar 25 Quadratmeter.

Balkone oder Loggien sind immer eine jener Zone, in der die einzelnen Bewohner individuelle Gestaltungsambitionen ausleben, oft nicht zur Freude der Architekten. Querkraft hingegen lieferte den Bewohnern gleich ein passendes Instrument, um diese Kreativität zu befriedigen und zugleich dafür zu sorgen, dass eine rasche und unkomplizierte Begrünung ermöglicht wird. In den Geländerstäben wurden Lochungen vorgesehen, in die Halterungen zur Befestigung von Blumentöpfen und Pflanzkästen eingehängt werden können. Ein entsprechendes Sortiment an Schellen und Bügeln wurde an die Bewohner bereits ausgegeben und auf so gut wie allen Geländersegmenten arrangiert. Das Thema des Begrünens wurde nicht ausschließlich an die Bewohner delegiert: Vor den Büros der Erdgeschoßzone säumt entlang des Gehsteigs ein bepflanzter Streifen das Haus, und im hauseigenen Hof wuchern Blumen, Kräuter, Gräser, Sträucher und Bäume, dass es eine Freude ist. Begrünt sind auch all jene Dachflächen, die nicht von der riesigen Dachterrasse eingenommen werden, und zwar nicht in der üblichen konventionellen, gleichförmigen Art, sondern bewusst gestaltet.

Flächen zur individuellen Aneignung stehen auch in der internen Erschließung in hohem Ausmaß bereit. Das Entree ist kein winziger Schluf, sondern eine geräumige Halle. Ein Trinkwasserbrunnen sorgt für eine rasche Erfrischung außerhalb der eigenen vier Wände. Das Stiegenhaus ist so großzügig, dass es einlädt, zu Fuß zu gehen, und mit den breiten Gangflächen zu einem angenehmen, wohl auch als Begegnungsort tauglichen Binnenraum wird. Über der Eingangszone liegt ein zwei Geschoße hoher Gemeinschaftsraum mit vorgelagerter Terrasse. Genau darüber wurde nochmals ein – diesmal zum Stiegenhaus hin offener – Raum vorgesehen, der zur Bespielung durch die Hausgemeinschaft, zum Beispiel als Wintergarten, bereitsteht.

Es sind keine gestalterischen Kinkerlitzchen, die dieses Energiesparhaus zu einem angenehmen, sympathischen Wohnort machen, sondern wohlüberlegte Raumangebote, die über das Übliche hinausgehen, ohne für Kostenexplosionen zu sorgen. Das Haus offeriert eine robuste Struktur, die den frisch eingezogenen Nutzern die Möglichkeit gibt, sich auch außerhalb der eigenen Wohnung vielfach im Haus aufhalten zu können und im Idealfall zu einer Hausgemeinschaft zu werden, die diese Räume aktiv bespielt und gestaltet.

9. April 2011 Spectrum

Wie Schafe auf der Wiese

Sanfte Faltungen, beiläufige Nettigkeiten, gut strukturierte Freiräume: Eine neuer Stadtteil an der U2 wartet mit allerhand Erfreulichem auf. Ein paar Enttäuschungen gibt's auch.

Während man sich am künftigen Ende der U-Bahn-Linie U2 noch bis mindestens 2013 per Smartphone-Anwendungin die erweiterte Realität wird begeben müssen, um die Seestadt Aspern in ihren Dimensionen zu erfassen, braucht es in anderen Teilen des Donaustädter Stadtentwicklungsgebietes entlang der U-Bahn-Trasse keinerlei Wahrnehmungshilfen mehr, um die Wirklichkeit zu begreifen. Vorläufig endet die U2 an der Aspernstraße. Eva Česka und Friedrich Priesner (gemeinsam mit Georg Hurka „Česka Priesner Partner Architektur“ – kurz ČPPA) haben im Jahr 2000 ein städtebauliches Gutachterverfahren für das Areal gewonnen. Als Vorgaben hatten sie damals nur die Trassenführung der U-Bahn und die Lage der Station, aber keine Bebauungsdichten zu berücksichtigen. Die nicht unheikle Aufgabe, am Stadtrand ein neues Wohnquartier mit sämtlicher notwendiger Infrastruktur zu etablieren und die Themen Wohnen am Stadtrand und Urbanität in Einklang zu bringen, lösten sie durchaus überzeugend. Westlich der Trasse sahen sie einen breiten Grünzug vor, der im Bereich der Station zum Platz wird. Entlang dieser öffentlichen Freiräume sollte soziale Infrastruktur wie Kindertagesheime angesiedelt werden. Zur Erzherzog-Karl-Straße hin war ursprünglich ein Block mit Freizeit- und Sporteinrichtungen vorgesehen. Dreigeschoßige Randbebauungen sollten die Wohnquartiere entlang der Lavaterstraße und den Querachsen säumen, dazwischen schlugen sie in lockerer Struktur ein Gewirk aus niedrigen Baukörpern mir vielen privaten und halböffentlichen Freiflächen vor. Als städtische Geste war entlang des Platzes eine Spange aus oberirdischen Parkdecks mit Bürogeschoßen und einem Studentenheim vorgesehen, die dem zentralen Platz ein bauliches Rückgrat gibt und, indem sie die Trasse überbrückt, die Barrierewirkung derselben aufhebt.

Etwas mehr als zehn Jahre nach diesem einstimmig entschiedenen Wettbewerb ist vorerst von diesem Leitprojekt nicht mehr viel zu spüren. Es wurde nachverdichtet, und Wohnbau macht sich dort breit, wo im Wettbewerb gewerbliche oder öffentliche Bauten sinnvoller wären. Die Büro-Spange kam nicht. Stattdessen entsteht hier im Anschluss an den vom Architekten der U-Bahn-Stationen, Paul Katzberger, wunderbar großzügig als Spiel- und Aktionsfläche konzipierten Platz ein Wohnblock mit sieben über einer Geschäftszone gestapelten Geschoßen. Einen Block weiter westlich ersetzte man die vorgesehenen Sporteinrichtungen durch einen apart anmutenden Wohnbau, der die Widmung mit einer abgetreppten Gebäudefront schlau ausnützt und von pool Architektur stammt. Laut Beschreibung der Architekten dient er als „Lärmschutzwand für das dahinterliegende Wohngebiet“. Leider hat es aber trotz Höhenabstufungen auch die Sonne schwer, zu den niedrigen Bauten im Anschluss durchzudringen. Dahinter aber geht es im Sinne des Leitprojektes von ČPPA weiter, die wie üblich als Sieger des städtebaulichen Wettbewerbes mit der Planung eines Quartiers beauftragt wurden, dem wir uns hier ausführlicher widmen wollen. Gleichzeitig entstanden zwei weitere Quartiere, für die Room8 sowie AllesWirdGut gemeinsam mit feld72 verantwortlich zeichnen.

Ihre Bauherren durften sich Česka und Priesner selbst wählen und schätzen sich mit der Auswahl von GEWOG und WBV-GPA auch im Nachhinein glücklich, weil sie von ihnen nicht genötigt wurden, die mögliche Dichte auszunutzen. Andreas Fellerer und Jiři Vendl wurden als Kooperationspartner ins Boot genommen.

Ein schlichter Riegel mit vier Wohngeschoßen über einer mit Gemeinschaftsräumen und Büros genutzten Erdgeschoßzone fasst die Siedlung zur Lavaterstraße hin. Man kommt ohne spektakuläre Gesten aus. Statt dessen: sanfte Faltungen, wie in der Loggienzone des Straßentrakts oder den hölzernen Brüstungen der Terrassenhäuser dahinter, die der strengen Orthongonalität der Baukörper die Härte nehmen. Auffallend ist, mit welcher Feinfühligkeit zahlreiche Nettigkeiten ganz beiläufig Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit der privaten Freiräume verbessern. Dazu zählen die Ablagebretter unter den Terrassen- und Balkonbrüstungsoberkanten, die Blumentöpfe und andere Dinge von außen unsichtbar aufnehmen.

Die dreigeschoßigen Terrassenhäuser bilden das Zentrum der Anlage. Nach Südwesten orientieren sich die Zimmer und Aufenthaltsräume an Terrassen und Gärten. Westlich abschließende Kopfbauteile bergen Fahrrad- und Kinderwagenabstellräume in sinnvoller zentraler Position und zuoberst Waschküchen mit angrenzenden Gemeinschafts-Dachterrassen. Im Gegensatz zur wohnlichen, sonnigen Seite mit den Holzbrüstungen präsentiert sich die schattigere Laubengangseite kühler, besticht aber trotz der offensichtlich notwendigen Pragmatik mitsorgfältig überlegten Details und dezenten Stimmungsmachern, wie den weißen Lochblechbrüstungen mit Lilienornament.

Schön gelöst sind auch die Vorbereiche der locker, wie grasende Schafe angeordnetenReihenhäuser. Betonscheiben formen und überdecken ein attraktives Entrée in den Garten und stellen einen uneinsehbaren Winkel für Spiel- und Gartengeräte bereit. Eine weitere schmale Sichtbetonscheibe überdeckt den Hauseingang und das breite Wohnzimmerfenster, dem außen noch ein Holzwinkel als Sitzbank vorgelagert ist.

Großen Anteil daran hat die Freiraumgestaltung von Maria Auböck und János Kárász,die sich bauplatzübergreifend durch alle vierQuartiere zieht. Eibisch- und Hainbuchenhecken säumen die Mietergärten, von denenjeder mit einem Obstbaum bedacht wurde. Teilweise ist das Gelände sanft moduliert, Baumgruppen setzen Akzente, die Spielplätze sind mehr als nur eingezäunte Ebenen mit den ewiggleichen Standardgeräten. Die Erdgeschoßzone an der Lavaterstraße erhielt durch große Pflanzvitrinen grüne Akzente. Auch wenn das Grün noch Zeit zur Entfaltung braucht: Dank der Stellung der Baukörper zueinander, ausreichender Distanzen dazwischen und gut strukturierter Freiräume, erlebt man den Freiraum auch als siedlungsfremde Passantin schon jetzt mit Wohlgefühl. Schade nur, dass das städtebauliche Konzept im Lauf der Jahre so erodiert ist.

5. März 2011 Spectrum

Chance vertan

Eine Wiener Mustersiedlung hätte es werden sollen, nördlich des Heeresspitals. Sieben österreichische Biennale-Architekten haben daran gearbeitet. Gescheitert ist das Projekt, weil der Bauträger eine Erhöhung der Bebauungsdichte verlangte.

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, dass der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig „ die Entwicklung innovativer Bau- und Wohnkonzepte an der Schnittstelle von Architektur, Nutzerfreundlichkeit und Leistbarkeit“ als „ein Gebot der Stunde“ beschwor und zugleich ein Projekt, dass eben diese Innovationen leisten möge, vorstellte. Die sieben zum Thema Wohnbau im österreichischen Pavillon bei der Architektur- Biennale 2008 in Venedig vertretenen Architekturbüros, Maria Flöckner und Hermann Schnöll, Henke und Schreieck, Jabornegg & Pálffy, Marte.Marte, Wolfgang Pöschl/Tatanka Ideenvertriebsgmbh., Riegler Riewe und Gerhard Steixner, wurden beauftragt, rund 200 Wohnungen umzusetzen. Laut der österreichischen Biennale-08- Kommissärin und Anstoßgeberin für die Mustersiedlung, Architektin Bettina Götz, waren die Ansprüche an das Projekt hoch. Von Hinterfragung gängiger Bebauungsplanung im Wohnbau über neue Wohntypologien bis hin zu technologischen Innovationen sollten aus dem Projekt neue Erfahrungen und Rückschlüsse gewonnen werden. Auf die wird man weiterhin warten müssen. Die Architekten sind aus dem Werkvertrag mit dem Bauträger ausgestiegen, weil sie die verlangte Bebauungsdichte für den Standort nicht vertreten können.

Im März 2009 traf man sich mit der für den geförderten Wohnbau zuständigen Magistratsabteilung 50 und den Vertretern der Bauträger, um die Weichen für eine Realisierung auf einem Grundstück im Stadtentwicklungsgebiet nördlich des Heeresspitals zu stellen. Zwei Monate später folgte ein Workshop im Architekturzentrum, bei dem auch die für die Flächenwidmung zuständige Magistratsabteilung 21 vertreten war. Bei diesen Gelegenheiten deponierten die Architekten, dass die vorgegebenen Parameter für die Bebauung in hohem Ausmaß definiert sind und daher die Entwurfsfreiheiten stark einschränken. Eine Widmung, innerhalb deren eine maximale Dichte frei durch die Architekten verteilt werden könne, wäre wünschenswert, auch um später Ausnahmeregelungen, sprich „ unwesentliche Abweichungen von den Bebauungsbestimmungen“ nach Paragraf 69 der Wiener Bauordnung, zu vermeiden. Die zu diesem Zeitpunkt bestehende Widmung wurzelte in einem 1999 abgehaltenen städtebaulichen Wettbewerb. Gewonnen hatte diesen Architekt Johannes Kastner-Lanjus, der 2008 mit einer Verdichtung von 450 auf mehr als doppelt so viele Wohnungen auf dem Gesamtareal beauftragt wurde.

Nachdem das Baufeld für die Mustersiedlung, ein Grundstücksstreifen im Süden des Entwicklungsgebietes, definiert war, wurde fortan an einem gemeinsamen Ganzen gearbeitet. Einfach war es nicht, sieben unterschiedliche Positionen in einem Projekt zu vereinen, das geben alle Beteiligten zu. Dennoch war die Stimmung gut, das Arbeitsklima produktiv, und man habe in den Diskussionen voneinander profitiert. Geeinigt haben sie sich schließlich auf eine zusammenhängende Bebauung mit offener Hofstruktur, in der jedes Architekturbüro einen Abschnitt bearbeitet. Herausgekommen ist ein durchaus bemerkenswertes Konglomerat unterschiedlicher Wohnungstypen mit einem starken Fokus auf ein attraktives Wohnumfeld. In einer weitgehend für gemeinschaftliche Nutzungen freigehaltenen Erdgeschoßzone sollte man von einem Milieu zum anderen gelangen. Für benachbarte Abschnitte wurde jeweils eine gemeinsame Erschließung erarbeitet, was wirtschaftlich sinnvoll ist und die Verschränkung in den oberen Geschoßen gewährleistet. Ein außerordentlich hoher Anteil von Gärten, Loggien und Terrassen, als Wohnräume im Freien, war selbstverständlich. Eine geeignete bautechnische Variante konnte nicht mehr gefunden werden, angepeilt wurde jedoch ein modulares System, das auf alle Wohnungstypen angewendet wird, um den Bau wirtschaftlich abzuwickeln. Immer wieder wurde das Projekt mit der Wohnbaugesellschaft, der Kabelwerk Bauträger GmbH, besprochen und schließlich der Magistratsabteilung 21 zur Anpassung der Widmung vorgelegt. Spätestens als ein großzügigerer Rahmen in Aussicht gestellt wurde, als zur Realisierung des vorgelegten Projektes notwendig gewesen wäre, hätten die Alarmglocken schrillen müssen. Im guten Glauben, dass somit Luft für eine einfachere Umsetzung des vorgelegten Konzeptes geschaffen würde, verschwendeten die Architekten keinen Gedanken an eine weitere Verdichtung. Man hatte sich schließlich auf ein Projekt geeinigt, das über eine aus städtebaulicher Sicht für die Stadtrandlage angemessene Dichte verfügt, und wähnte sich zudem durch den Architektenwerkvertrag und das initiale Interesse des Wohnbaustadtrates abgesichert.

Ein Irrtum, wie sich Anfang September 2010 herausstellte, als die Wohnbaugesellschaft den Architekten mitteilte, dass die höhere Widmung auszunutzen sei. Statt 208 Wohnungen, wie im kaum mehr als zwei Monate zuvor abgeschlossenen Architektenvertrag festgehalten, sollten nun 340 realisiert werden. Kabelwerk-Geschäftsführer Peter Fleissner begründet die Verdichtung mit den durch die unerwartet hohe Widmung gestiegenen Grundstückskosten, deren Bewertung sich an der erzielbaren Nutzfläche orientiert. Zudem hätte in der letzten Widmungsphase die Stadtplanung im südlichen Teil zusätzliche Grundstücksfläche der Widmung zugeschlagen, die vom Bauträger dazugekauft werden musste. Würde die Wohnungsanzahl nicht erhöht, werden die einzelnen Wohnungen teurer.

Eine derartige Auftragsvergrößerung löst im Normalfall große Freude bei den Planern aus. Nicht so in diesem Fall, wo sich die Architekten bereits an der Grenze der in dieser Lage für sie vertretbaren Dichte bewegten und man überdies zuvor nie darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass das Widmungspotenzial auszunützen sei. Ein Schreiben, das Wohnbaustadtrat Michael Ludwig von der „ unerwarteten Wende“ des Projektes in Kenntnis setzte und das Interesse an der Realisierung einer Musterwohnanlage in Wien bekräftigte, blieb unbeantwortet. Ob der Unvereinbarkeit von Bauherrenwunsch und architektonischem Konzept stiegen die Architekten aus dem Vertrag mit dem Bauträger aus. Es sei ein idealistisches Projekt gewesen, so Bauträger Fleissner, das man gern realisiert hätte. Leider wurde die Widmung höher und waren die Architekten nicht flexibel genug, darauf zu reagieren. Ein Lapsus mit Folgen oder doch Kalkül? Wer profitiert davon, dass die räumliche Qualität für Anrainer und künftige Bewohner gemindert wird? Eine Chance ist vertan. Wie auf Anfrage der „ Presse“ das Büro des Wohnbaustadtrates mitteilt, werde es kein neues Grundstück für dieses Projekt geben. Mit der Vermittlung der Architekten an den Bauträger habe man seinen Teil erfüllt. Bedauerlich, dass sich diese nicht einigen konnten. Leistbares Wohnen, Wohnzufriedenheit und mehr Nachhaltigkeit seien die aktuellen Schwerpunkte. Genau das und noch mehr wollten die sieben Architekten. Es bleibt die Hoffnung, dass das Scheitern dieses so engagiert in Angriff genommenen Projekts zumindest einen Anlass liefert, über Instrumentarien nachzudenken, die den geförderten Wohnbau aus der Geiselhaft der Bodenpreise befreien.

29. Januar 2011 Spectrum

Der schöne Schutz

Bei Gefahr kümmert es niemanden, wie ein Hochwasserschutz aussieht. Halten muss er. Das heißt nicht, dass er in Trockenzeiten nicht auch etwas fürs Auge sein kann. Wie etwa im niederösterreichischen Persenbeug an der Donau.

Von jeher war der Donauabschnitt zwischen Persenbeug und Gottsdorf gefürchtet. Wilde Strudel, Wirbel und Untiefen machten die „Böse Beuge“ zu einer Herausforderung für die Schiffer, ehe ab dem 18. Jahrhundert die bedrohlichsten Felsen gesprengt wurden und schließlich Ende der 1950er-Jahre das Kraftwerk Ybbs-Persenbeugzu einem Sinnbild für die Macht des Menschen über das Wasser wurde. Aber das Leben am Strom birgt bis heute Gefahren. Die Kombination von Tauwetter und Regen sorgt regelmäßig für Alarmbereitschaft. Die nach der Jahrhundertflut von 2002 im großen Stil in Angriff genommenen Hochwasserschutzbauten sind noch nicht lückenlos umgesetzt. Die Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf konnte bereits einen ersten wichtigen Abschnitt zu Ende führen, für den zweiten haben Bund und Land die Mittel noch nicht freigegeben.

Es ist in Österreich nicht üblich, besondere Überlegungen auf die Gestaltung technischer Infrastrukturbauten zu verwenden. Kein Wunder, dass vorerst die Planung des Hochwasserschutzes an der Donau ohne architektonische und landschaftsplanerische Kompetenzen in Gang kam. Wasserbauingenieure sind darin geschult, die Kraft des Wassers mit allen technischen Finessen in die richtigen Bahnen zu lenken. Der Großteil davon – Pumpwerke, Fundierungen und Drainagen – tritt ohnedies nicht zutage. Den sichtbaren Dämmen, Schutzmauern und Wänden, in die bei Hochwassergefahr mobile Schutzelemente eingehängt werden, gesteht man zu, zwar nützlich, aber nicht schön sein zu müssen. Gerade in den reizvollen Landschaften des Nibelungengaus und der Wachau gänzlich ohne Gestaltungskompetenz zu agieren erschien wohl auch den zuständigen Landesbehörden fahrlässig, und so schlug man den Gemeinden Architekten und Landschaftsplaner vor, die für die Gestaltung der sichtbaren Elemente Sorge tragen sollten. Bürgermeister Manfred Mitmasser erinnert sich daran, dass er anfangs wenig darüber erbaut war, sich neben den Ingenieuren auch noch mit Architekten befassen zu müssen. War die Bauaufgabe doch beieiner pragmatisch ingenieurbaumäßigen Herangehensweise schon aufwendig und teuer genug. Immerhin hatte die Gemeinde 20 Prozent der Kosten zu tragen. Heute ist er froh darüber, einen hartnäckigen Architekten an seiner Seite gehabt zu haben.

Das zugeordnete Gestalterduo, der Wiener Architekt Karl Langer und der Landschaftsplaner Georg Schumacher, begnügte sich nicht mit der Rolle der Mauer-Verschönerer. Konfrontiert mit den Vorstellungen der Ingenieure und den örtlichen Gegebenheiten, erstellten sie statt eines Vorentwurfes eine Bestandscharakteristik. Diese illustrierte offenbar verständlich genug, welche Auswirkungen die geplanten Maßnahmen ohne gestalterische Intervention hätten. Parallel dazu entwickelten sie Maßnahmen zur besseren Integration des Hochwasserschutzes in die Landschaft und stellten Überlegungen zu Ausbildung der Übergänge zwischen den einzelnen Bauteilen an.

Dabei beschränkten sich Langer und Schumacher nicht auf die reine Formgebung einzelner Elemente, sondern bedachten stets die Auswirkungen des Gesamten auf Festland wie Flusslandschaft. Es ging um eine architektonische Haltung, die einerseits der Landschaft gerecht wird, andererseits aber auch den Sinn der technischen Zweckbauten nicht verleugnet und auf lange – auch optische – Haltbarkeit abzielt. Sie nahmen Einfluss auf die Linienführung der Mauern, schufen Torsituationen, gepflasterte Plätze und Fenster in die Landschaft, integrierten Sitzgelegenheiten und ergänzten ein Pumpwerk zur Rastinsel für Radtouristen. Am skulptural wirkenden Tor beim Pumpwerk die historischen Pegelstände ablesend, spürt man, dass mit der Donau nicht zu spaßen ist. Wenn der Pegel des hundertjährigen Hochwassers überschritten wird, muss der Polder geflutet werden. Die Fertigteile der Überlaufstrecke wurden in Form einer angedeuteten Welle ausgebildet. Das Wasser fließt deshalb nicht schneller darüber hinweg, aber ohne zu geschwätzig zu wirken, erzählt uns der Bauteil auch im trockenen Zustand von seiner Aufgabe.

Von einer außerordentlichen Anmut ist die Ausführung des Betons: Dunkles Hartgestein aus dem nahen Steinbruch Loja und Eisenoxid verleihen ihm eine Färbung, die jener des Felsens von Schloss Persenbeug nahekommt. Ecken wurden sandgestrahlt, Flächen gestockt. Das wirkt edel und altert schöner als schalreine Oberflächen. Was passiert wäre, wenn Gemeinde und Ingenieure die Kooperation mit den Architekten verweigert hätten, mag man sich gar nicht ausmalen. Der Wachau weiter flussabwärts wäre eine ähnlich sorgfältige Behandlung der Schutzbauten ebenfalls gut zu Gesicht gestanden.

13. November 2010 Spectrum

Bau, Herren, Preis

Ob Kleinod oder Großbaustelle: Routine und große Budgets sind zu wenig, um zum illustren Kreis zu gehören. Leidenschaft und Einsatz sind Voraussetzung. Ein Blick auf die diesjährigen Bauherrenpreisträger.

Was ist ein guter Bauherr, eine gute Bauherrin? Seit 1967 würdigt die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs Persönlichkeiten, die vorbildliche Bauten ermöglichen, mit dem Bauherrenpreis. „Exzeptionelle Lösungen, die in intensiver Kooperation von Bauherren und Architekten realisiert wurden“, sind gefragt. Das schließt Projekte, die ohne aktives Engagement der Bauherrschaft dennoch gut gelingen, aus. Um alle der eingereichten 114 Bauten gründlich unter die Lupe zu nehmen zu können, wurde das Beurteilungsverfahren des Bauherrenpreises heuer reformiert. Erstmals wurden Vorjurien eingesetzt, die bundesländerweise Baugeschichten vor Ort erhoben und maximal fünf Bauten pro Bundesland zu nominieren hatten. Die Hauptjury – Landschaftsarchitektin Maria Auböck, Architekturkritiker Otto Kapfinger und die Architekten Andreas Meck und Gerhard Mitterberger – kürte im Zuge einer viertägigen Reise durch Österreich daraus die verdienstvollsten Auftraggeber der Republik.

Von Architektur, Kunst und Kultur, die manchmal die Idylle stören, aber animieren, sich auf Neues einzulassen, schrieb Ulrike Böker, Bürgermeisterin des oberösterreichischen Ottensheim, in den Gemeindenachrichten anlässlich der erfolgten Eröffnung des neuen Amtshauses. Sie würdigte mit viel Empathie das Haus, lässt in der Danksagung an alle Beteiligten und vor allem an die Architekten, die bei solchen Gelegenheiten oft nur als Randnotiz aufscheinen, Wertschätzung für die geleistete Arbeit deutlich werden. Das aus einem offenen Wettbewerb hervorgegangene Gebäude der jungen SUE Architekten aus Wien erlangte als „authentische Union von politischem und planerischem Engagement, von ungeschönter Renovierung mit eindeutiger Modernität“ einen der sechs vergebenen Bauherrenpreise. Ein historisches Anwesen wurde unter strengen denkmalpflegerischen Auflagen zum Gemeindehaus ausgebaut. Pfleglich behandelt wurde das Alte, selbstbewusst, aber respektvoll angefügt der Neubau, der den öffentlichen Raum durch den Saal barrierefrei in den Arkadenhof und damit in das Herz der Anlage weiterführt. Im Wettbewerbsprojekt hatten die Architekten neben der sanften Renovierung des stark sanierungsbedürftigen Gebäudekomplexes aus dem 16. Jahrhundert ein davon abgesetztes gläsernes Forum auf dem Platz vorgesehen. Bei der Bevölkerung stieß der so deutlich exponierte Gemeinderats- und Mehrzwecksaal nicht auf ungeteilte Gegenliebe, und so wanderte – durchaus zum Vorteil des Gesamtprojektes und ohne die Intention eines offenen Amtshauses aufgeben zu müssen – der Neubau direkt in die Baulücke neben dem Bestand.

Ein historisches Denkmal gab auch den Anlass für eine zeitgemäße baukünstlerische Intervention im steirischen Eichberg. Dort ackerte vor fast 30 Jahren Altbauer Vinzenz Hammerl Fragmente eines Römersteins aus, meldete, wie es sich geziemt, den Fund und löste damit eine lange Geschichte mit Happy End aus. Es fügte sich, dass Architekt Klaus Kada sich bereit erklärte, einen Schutzbau für das wiederhergestellte römerzeitliche Doppelgrab zu konzipieren. Die winzige Landgemeinde unter Bürgermeister Uhl bewerkstelligte es mit viel persönlichem Einsatz, das Projekt zu finanzieren. Das skulpturale Stahldach spannt sich als schützender Raum über das Denkmal, spielt in seiner Zweigeteiltheit auf das hier begrabene Paar an, bildet eine Eingangssituation aus, fokussiert durch den verglasten Deckenschlitz das Tageslicht und „markiert lokal einen Wendepunkt der Akzeptanz moderner Baukunst“, wie Otto Kapfinger für die Jury formulierte.

Präzise Vorstellungen, ein befruchtender Diskurs zwischen den Beteiligten und Angemessenheit in der Wahl der Mittel, gepaart mit dem Anspruch, Betriebskonzept, Wirtschaftsgebäude und Landschaft auf hohem Niveau in Einklang zu bringen: Das Weingut Claus Preisinger im burgenländischen Gols von propeller z ist kein modernes Weinschloss, bei dem die Effekthascherei zelebriert wird, sondern ein landwirtschaftliches Betriebsgebäude, das bei hoher Alltagstauglichkeit und einem geerdeten Ambiente dem Sein und nicht dem Schein verpflichtet ist. – Auch größere Budgets, umfangreiche Bauvolumen und routinierte Auftraggeber sind durch die Schwerfälligkeit der daraus resultierenden Strukturen meist keine Garanten für herausragende Ergebnisse. Drei Fälle, in denen es dennoch klappte, sind die weiteren drei Bauherrenpreisträger.

Das Wohnhaus „Die Bremer Stadtmusikanten“ in der Wiener Tokiostraße von den ARTEC Architekten und der Wohnbaugenossenschaft Neues Leben – an dieser Stelle bereits gewürdigt – beweist, dass im geförderten Wohnbau bei einiger Anstrengung durchaus abwechslungsreiche Gebäudevolumina mit differenzierten Raumtypologien und attraktiven privaten Freiräumen und Zusatzangeboten realisierbar sind.

Künftige Bauherren in einem der wichtigen Wirtschaftszweige unseres Landes werden in der Tourismusschule Bad Hofgastein der Wirtschaftskammer Salzburg ausgebildet. In ihrem neuen Erweiterungsbau von Fasch & Fuchs wird ihnen nun nicht nur eine enorm verbesserte Lern- und Wohnumgebung geboten, sondern auch vermittelt, wie Architektur die atmosphärischen Potenziale eines Ortes zu nutzen und zu betonen vermag. Die Schule als Lehrer für eine moderne, umweltverträgliche und stimulierende Freizeitarchitektur!

Auch die neue Universitäts- und Landesbiblitothek Tirol an der Universität Innsbruck von den Architekten Eck & Reiter und Rossmann unter Bauherrschaft der Bundesimmobiliengesellschaft leistet mehr als bloß die längst überfällige Bereitstellung einer notwendigen Bildungsinfrastruktur. Sie verkörpert ein vorbildliches Verständnis von öffentlichem Bauen zum Wohle der ganzen Umgebung. Außerdem verbindet der Bau die einst hermetisch zum öffentlich Raum hin wirkenden Universitäts-Hochhäuser mit dem Stadtraum, bietet attraktive Freibereiche und lässt die Universität im Stadtraum präsent werden.

Eines ist allen gemeinsam: Routine allein reicht nicht, Leidenschaft für die Sache und ein überdurchschnittlicher Einsatz war notwendig, um all diese so gut angenommenen Bauten in die manchmal nicht sehr kunst- und architekturfreundliche Welt unserer Kulturnation zu setzen. Gratulation!

18. September 2010 Spectrum

Wider den Horror Vacui

Aufwendig in der Detailarbeit, im Ergebnis überzeugend: zwei schlichte Plätze in Niederösterreich, frei von jedem „visuellen Lärm“.

Wenn die Grundstruktur und gestalterischen Rahmenbedingun-sgen nicht stark genug sind, passiert es leicht, dass ein Platz durch stetiges Aufmöbeln an Form und Großzügigkeit verliert, keine Orientierung bietet und in funktionaler Hinsicht schwächelt. Wenn sich Moden ändern und der Erhaltungsaufwand steigt, stehen meist Neugestaltungen an. In ländlichen Gegenden versucht man dann gern den Mythos von der Qualität des alten Dorfplatzes aufleben zu lassen. Der Platz soll belebt sein, Infrastruktur für alle Eventualitäten anbieten, und dann werden noch Begriffe wie Identität und Identifikation bemüht. Wenn auf Planerseite nicht die Kraft da ist, die Einzelinteressen in ein demokratisches Ganzes zu kanalisieren, sondern diverse Sehnsüchte mit reicher Symbolik und üppiger Möblierung befriedigt werden müssen, ist am Schluss meist kein Platz mehr auf dem Platz. sDass der Horror Vacui kein Naturgesetz des Städtebaus ist und Aufgeräumtheit Qualität hat, lässt sich anhand zweier Plätze in Niederösterreich nachvollziehen.

Am Kirchenplatz in Stetteldorf am Wagram verursachten diverse Bäume und Stauden, unterschiedliche Platzniveaus, Restgrün und allerhand Platzmobiliar zu viel „visuellen Lärm“, wie Architekt Christian Knechtl die Problematik auf den Punkt bringt. Ihm war es ein Anliegen, „den planerischen Eingriff nach Fertigstellung des Platzes möglichst nicht sichtbar werden zu lassen“. In erster Linie wurde also aufgeräumt, die Lärmverursacher beseitigt und dem Platz eine Ordnung gegeben. Ein einheitliches Niveau ohne Bordsteinkanten, der Verzicht auf Poller und andere vertikale Trennelemente erlaubt die ungehinderte Nutzung des ganzen Platzes. Er ist barrieres-6;0frei, damit sowohl kinder- und kinderwagen-s als auch fahrradfreundlich und vereinfacht so notwendige Dinge wie Reinigung und Schneeräumung.

Neue Zonierungen markieren im Wechselspiel der Materialien – Granit, Asphalt, Grün – unterschiedliche Nutzungszonen, definieren einen Raum um die Gebäude und Artefakte am Platz, setzen sie einander in Beziehung und führen Gemeinde-, Schul- und Pfarrleben zusammen. Die Kirche erhielt eine Sonderbehandlung und wurde von einem Kreis aus Granitpflaster gefasst. Wie nebenbei und ganz organisch schmiegen sich befestigte Verkehrsflächen und begrünte Zonen aneinander, erzeugen einen Raumfluss, der durch das einheitliche Niveau der Oberfläche verstärkt wird. Den Gemeindewunsch, nächst der Kirche in irgendeiner Form die sieben Sakramente zu versinnbildlichen, erfüllte Knechtl mit Pragmatik und frei von Pathos. Sieben Lichtstelen erfüllen somit nicht nur ihre Funktion als Leuchtkörper, sondern werden für alle, die darin eine Bedeutung sehen wollen, unprätentiös zum Träger der gewünschten Symbolik.

20 neu gepflanzte rot blühenden Kastanien, die im Gegensatz zu den weiß blühenden Rosskastanien widerstandsfähiger gegen Miniermotten sind, beschreiben mit den umgebenden Gebäuden den dreidimensionalen Platzraum. Bei Dunkelheit kommt noch als immaterieller Raumbildner die Platzbeleuchtung dazu. Das Licht der Säulen wird ergänzt durch in die Platzoberfläche eingelassene LED-Leuchten, die mit weißem Licht das Kirchenschiff und die Bäume akzentuieren und in Orange dem Turm eine signifikante Fernwirkung geben. Die Lichtintensität ist steuerbar und somit an verschiedene Anlässe anpassbar.

Um die Kosten schlank zu halten (rund 200.000 Euro) galt es von vornherein zu berücksichtigen, dass ein guter Teil der Arbeiten als Eigenleistung der Gemeinde erbracht werden konnte und primäre Infrastruktur wie das Platzgefälle und die Position der Regen-Einlaufgitter weiterverwendet oder mit nur minimalen Mitteln adaptiert werden können. Knechtl hat mit den vorhandenen Ressourcen gut gearbeitet und einen robusten Platz geschaffen. Die Strukturierung erlaubt viele Nutzungsszenasrien und hat im menschenleeren wie im gut gefüllten Zustand passende Dimensionen. Die Art der Platzgestaltung und die verwendeten Materialien erfüllen ökologische und ökonomische Kriterien, indem darauf geachtet wurde, geringe Betriebskosten zu verursachen, aber auch möglichst lokale Materialien einzusetzen. Kurzum, ein angenehm kitschfreier Dorfplatz. So schön wie früher, aber mit heute tauglichen Mitteln gemacht.

In Neu-Guntramsdorf entstand ein Platz quasi als Begleiterscheinung eines Neubaus. Das bestehende Pfarrgemeindezentrum aus den 1960er-Jahren (Architekt Bruno Tinhofer) sbedurfte adäquater neuer Räumlichkeiten, um die gestiegenen Bedürfnisse der durch Zuzug wachsenden Gemeinde zu erfüllen. Das Architektenteam Runser/Prantl ersetzte den alten Pfarrsaal durch einen attraktiven eingeschoßigen Neubau mit einem unterteilbaren Saal und großzügigem Foyer, der an das bestehende zweistöckige Pfarrhaus angebunden wurde. Der einst kleinteilig strukturierte Vorplatz mit zahlreichen Niveausunterschieden und einem Patchwork aus Pflasterungen und Grünflächen war als Freifläche für Zusammenkünfte und Feierlichkeiten nicht brauchbar. Zur Straße hin mit einer beinahe mannshohen Mauer abgeschirmt, war er von der Straße aus kaum einsehbar. Auch hier musste die Bevölkerung von Elementen, die über die Jahre vertraut wurden, Abschied nehmen – besonders schwer dürfte es nicht gefallen sein. Auf ein einheitliches Niveau gebracht und mit einem schlichten Granitbelag versehen, der den Ein-Meter-Raster des Neubaus aufnimmt, wurde der Platz nicht nur nutzbar, sondern auch großzügig gemacht.

Die abschirmende Mauer ist gefallen, den Niveausprung zum Gehsteig bewältigen im Vorfeld der Kirche mit Betonmauern umsäumte Beete, aus denen die alten Bäume emporwachsen. Das Platzzentrum ist barrierefrei zugänglich. Ein paar Poller sind offenbar notwendig, um das unbefugte Befahren zu verunmöglichen. Das gestalterisch wichtigste Element ist ein als minimalistissche, weiß verputzte Stahlbetonkonstruktions ausgeführter Umgang, der dem Platz Halt und Fassung am Übergang zur dahinterliegenden Gartenfläche gibt und eine gedeckte Verbindung zwischen Kirche und Pfarrsaal herstellt. Fahrradständer wurden dahinter angeordnet und unterbrechen damit auch nicht die Kontinuität der ebenen Fläche. Beleuchtet wird mittels schlichter Stelen, die weder physisch noch optisch viel Raum einnehmen. Aus einem klein karierten Vorhof wurde ein öffentlicher Platz, der zwar nicht groß ist, aber viel Spielraum lässt.

21. August 2010 Spectrum

Ohne Speck und Spektakel

Schwarz und pur, ohne modisches Dekor und auffallend unauffällig in die Landschaft eingefügt: das jüngst erweiterte Weingut Loimer in Langenlois.

Als der Langenloiser Winzer Fred Loimer vor einem Jahrzehnt den Architekten Andreas Burghardt mitder Planung eines Präsentations- und Bürogebäudes beauftragte, stand er am Beginn seiner Karriere als einer der besten Weinmacher Österreichs. Burghardt hatte bisdahin noch kein Gebäude unter eigenem Namen geplant, mittlerweile fällt sein Name in so gut wie jeder Zusammenschau über die interessantesten Bauten für den Wein. Loimer hatte den Haindorfer Schlosskeller aus dem 18. Jahrhundert erworben, ein unterirdisches Netz aus geometrisch angeordneten Ziegelgewölben. Dort, wo die breite Treppe aus der Unterwelt nach oben führt, wurde damals das erste neue Gebäude – genannt Weinloft – realisiert. Straßenseitig ein Degustationsraum und im rechten Winkel dazu Büroräumlichkeiten umschließen einenHof. Das Ganze ist im Maßstab verträglich zur Umgebung, sogar niedriger als manch benachbartes Presshaus, kurzum ein Musterbeispiel für gut in die Ortsstruktur und die Landschaft integriertes zeitgemäßes landwirtschaftliches Bauen.

Zum Hof hin offen über großflächige Schiebefenster, zur Straße hin bis auf eine quadratische Verglasung nächst dem Eingang uneinsehbar und – das schreckte selbsternannte Ortsbildhüter wohl am meisten – rundum schwarz verputzt. Diese kompromisslose Reduziertheit unterscheidet sich von der bis heute in der landauf, landab in der neuen Weinarchitektur gepflegten Geschwätzigkeit mit ihren Zitaten und Anspielungen – sei es an feudale Architektur der französischen Chateaus oder in Form von vermeintlich weinbauspezifischen Materialien wie grünem Glas, Flaschen, Kork, Naturstein, Eichenholz oder was marketingbeflissenen Menschen sonst einfällt. Burghardt und Loimer haben sich nicht dazu verleiten lassen, Funktion und Inhalt zu überhöhen und als Ausdruck des im Zuge des Weinbooms erstarkten Selbstbewusstseins der jungen Winzerszene eine dekorierte Hütte zu bauen. Vor wenigen Jahren noch der letzte Schrei, sehen manche davon nämlich schon wieder ziemlich alt aus.

Heuer wurde die nächste Bauetappe fertig. Grund genug für einen Lokalaugenschein im neuen Keller, um zugleich die „Haltbarkeit“ des ersten Teils zu überprüfen. Der Nicht-Farbigkeit mit schwarzem Putz und Sichtbeton blieb man konsequent treu, dem Anspruch, möglichst große Teile der Kubatur im Gelände zu verbergen, ebenfalls. Angeordnet wurde der neue Bauteil dort, wo eine der unterirdischen Röhren des Reifekellers unter dem Weingarten durchsticht und sich so auf kurzem Weg Abfüllung und Auslieferung der edlen Tropfen praktisch bewerkstelligen lassen.

Eine schwarze Kiste umhüllt das Erdgeschoß. Über den innerhalb der Mauern gelegenen Hof wird das Lesegut angeliefert, um im Inneren per Sortiertisch und Rebler von allem befreit zu werden, was einer hohen Weinqualität abträglich sein könnte. Die Anlage auf drei Ebenen hat produktionstechnische Gründe, weil Trauben und Most nicht gepumpt werden müssen, sondern schonend per Schwerkraft in die Tiefe befördert werden, ist aber noch mehr dem Wunsch geschuldet, möglichst wenig Bauvolumen überirdisch zutage treten zu lassen. Im ersten Untergeschoß befindet sich die Presse und zuunterst der Tankkeller für an die 50 Edelstahltanks sowie das Flaschenlager, Abfüllung und Expedit, alles zum überwiegenden Teil von neu ausgesetzten Rebzeilen und begrünten Böschungen überdeckt.

Man spürt, dass eine auf das Wesentliche beschränkte und die Bedürfnisse maßgeschneiderte Funktionalität die Konzeption bestimmte und man wenig davon hält, Besuchermassen ein Spektakel darzubieten. Beeindruckend ist das Ganze dennoch, weil mit einfachen Mitteln vorexerziert wird, dass gute Gestaltung nicht in teuren Zutaten besteht, sondern bei der sorgfältigen Bedachtnahme auf das Notwendige beginnt. Kreuzförmig angeordnete Leuchtstoffröhren und schlanke, raumhohe Türen sowie die direkt in einer ästhetisch ansprechenden Typografie auf die Sichtbetonwändeangebrachten Raumbezeichnungen und Sicherheitshinweise sind Ausdruck einer gepflegten Betriebskultur.

Nur einen Ort gibt es, der nicht einzig dem Betriebsablauf zu Diensten steht: eine Aussichtsterrasse im Erdgeschoß, auf der mit Disziplin und Dezenz ein angemessener Rahmen zur Huldigung des Terroirs geschaffen wurde. Die Hermeneutik des von Wänden umgebenen Raums unter freiem Himmel wird nur durch eine bis zur Wandoberkante reichende Glasscheibe unterbrochen, die den Blick auf die bekannteste Lage der Region, den Heiligenstein, freigibt. Zusätzlich lenken Gucklöcher dosiert die Aufmerksamkeit auf weitere Punkte in der Umgebung.

Einziges Möbel ist ein mächtiger Tisch aus wetterfestem Baustahl, der mit seiner charakteristischen Rostschicht der Roheit dieses ungedeckten Raums Rechnung trägt. „Affig“ würde hier ein fein ausgearbeiteter Tisch mit weißer Oberfläche aussehen, wie er üblicherweise zur richtigen Beurteilung der Weinfarbe als Muss gilt, so Architekt Burghardt. Zudem steht ein solcher Tisch mit beeindruckenden acht Metern Länge ohnedies im Weinloft bereit.

Die Architektur des Weingut Loimer erscheint vorerst radikal in ihrer Reduziertheit, ist aber durchaus bodenständig und schlüssig. Wie die traditionellen niederösterreichischen Presshäuser mit gekalktem Ziegel- oder Lehmmauerwerk und ihren winzigen Lüftungsluken Nutzbauten von archaischem Charme sind (der durch Umrüstungen zu Kellerstüberln und den Verschönerungswahn von Freizeitwinzern sukzessive abhanden kommt), ist sie nichts anderes als eine moderne Entsprechung, funktional und ohne überflüssigen Speck. Die Geschlossenheit, der schwarze Putz außen und der Sichtbeton innen hat viele verstört, aber andere angezogen. „Das Gebäude sucht sich die Kunden aus“, sagt Loimer.

Die Bedenken ob der Richtigkeit des Konzepts, die den Architekten vor zehn Jahren plagten, kann er getrost ablegen. Das Weinloft hat immer noch Würde, es ist gealtert, ohne Schaden zu nehmen, der schwarze Putz frei von Rissen, die Holzböden altern sowieso schön. Man spürt, dass hier viel Betrieb ist, aber auch die Kinder der Familie willkommen sind und sich hier wohlfühlen. In einem kultivierten Umfeld wird gelebt und gearbeitet, Gebäude und Menschen biedern sich nicht an, veranstalten kein Spektakel. Weinloft und Keller, eine bestehende Maschinenhalle, die einst nur saniert und zwecks optischer Kompatibilität schwarz verputzt wurde, und die historischen Keller im Untergrund sind kommunizierende Gefäße und ein Beweis dafür, dass betriebtechnische Vernunft und Sinn für Ästhetik einander nicht ausschließen.

31. Juli 2010 Spectrum

Schwarzes Doppel

Großzügige Raumflächen und erstaunliche Homogenität bis in den letzten Winkel: ein Wohnhaus für zwei Familien in Hadersfeld am Rand des Wienerwalds.

Ein Carport, der über die gesamte Breite dem Haus vorgelagert ist, dann ein rechteckiger Hof, an drei Seiten umgeben von praktischen Nebenräumen und schließlich das Wohngebäude für zwei Familien – außen alles einheitlich aus schwarz lasiertem Holz: Was so ungewöhnlich scheinen mag, erweist sich bei genauer Betrachtung als landschaftsgerechtes und alltagstaugliches Modell für das Wohnen im Grünen. Es stammt aus dem Atelier Triendl und Fessler Architekten, geplant für zwei Familien aus der Großstadt, die sich der Kinder zuliebe für das Wohnen auf dem Land entschieden haben. Der Bauplatz mit Aussicht auf hügelige Wälder, Felder und Wiesen liegt in Hadersfeld, einer Ortschaft am nördlichen Rand des Wienerwaldes, zwischen Klosterneuburg und Greifenstein, abseits der Hauptverkehrsrouten. Eine wunderbare Gegend zum Wandern und Radfahren, es gibt viele Wochenendhäuser, und zusehends siedeln sich auch Stadtflüchtlinge wie die beiden Bauherrenfamilien dauerhaft hier an. Nirgendwo in Niederösterreich ist die Dichte anspruchsvoller Wohnhausarchitektur so hoch wie im Speckgürtel rund um Wien. Im Vergleich mit etlichen anderen schicken Wienerwaldresidenzen, die in den letzten Jahren errichtet wurden, zählt das hier besprochene mangels expressiv gekrümmter Fassaden und extremer Auskragungen zu den weniger spektakulären Objekten, besticht stattdessen sympathischerweise aber durch eine erstaunliche Homogenität, die in formalästhetischer wie funktionaler Hinsicht bis in den letzten Winkel durchgehalten wurde.

Die beiden Bauherrenfamilien sind einander beruflich und freundschaftlich verbunden, man ist designaffin und wusste, was man wollte: für jeden die in Größe, Zuschnitt und Ausstattung maßgeschneiderte Wohneinheit, ausreichend Intimität für die einzelne Familie, üppig Freiflächen zur gemeinschaftlichen Nutzung und qualitätsvolle Architektur.

Karin Triendl und Patrick Fessler stehen am Anfang ihrer Karriere als selbstständige Architekten. Die gebürtigen Innsbrucker haben nach internationalen Lehr- und Wanderjahren vor fünf Jahren das eigene Büro gegründet. Die Praxis im Atelier von Adolf Krischanitz – der sie gelegentlich immer noch zu Kooperationen einlädt – war gewiss auch eine gute Schule. Wie sie das Schlichte und Praktische mit Sinnlichkeit erfüllen, könnten sie bei ihm gelernt haben. Bei diesem Haus haben sie dieses Talent jedenfalls perfekt eingesetzt.

Der Sinn für das Pragmatische beginnt beim Carport, der eine gute, weil elegantere und preiswertere Alternative zu den dicken Garagen ist, die ansonsten wie gutartige, aber hässliche Geschwülste die Siedlungen durchsetzen. Ihn so breit wie möglich auszubilden ist angemessen in einer Lage, die ohne Auto schwer zu erreichen ist. Abstellräume und eine Werkstatt sind nicht in ein Kellergeschoß verbannt, sondern liegen dort, wo man sie braucht und täglich vorbeikommt. Verbunden und begleitet von einer Pergola, umfassen sie einen grünen Hof, der als Pufferzone zur Straße ebenso wirksam ist, wie er sich als umgrenzter sichtgeschützter Platz zum Spielen, Feste feiern oder Herumwerkeln nützlich macht. Er ist ein Schwellenbereich, der Besucher langsam an das Haus heranführt und den Bewohnern Zeit gibt, sich auf die Ankommenden vorzubereiten.

Der südliche Garten – unaufdringlich mit viel Gespür für den Ort gestaltet vom jungen Landschaftsarchitekturbüro LindleBukor – leitet von der großen Südterrasse über in die Landschaft. Im hausnahen Bereich wurde das Gelände in miteinander verzahnten Schichten terrassiert und bietet hier propere Rasenflächen und Rabatte zur geordneten Kultivierung, um dann sukzessive in einen wild bewachsene Wiese überzugehen. Ursprünglich war zwar überlegt worden, die Freibereiche klarer zu trennen und jeweils einer Familie zuzuordnen. Schlussendlich ist dies unterblieben, weil es, so wie es ist, gut klappt. Und der guten Form sind unzerteilte Terrassen- und Gartenflächen sowieso immer zuträglich.

Um die Bauzeit möglichst kurz zu halten, wurde der Rohbau aus Fertigteilen in Holzriegelkonstruktion mit massiven Holzdecken errichtet. Die beiden Einheiten sind denunterschiedlichen Familiengrößen entsprechend verschieden groß, haben den individuellen Gewohnheiten gemäß unterschiedliche Grundrisse. Hülle und gestalterisches Konzept sind hingegen weitgehend homogen. Im Erdgeschoß verfügt jede Wohnung über einen großen Einraum zum Kochen, Essen, Wohnen, Spielen, der über die Fenstertüren Ausgänge auf alle Freiflächen hat. Die offenen Küchen und dahinter die Nebenräume sowie die Treppen ins Obergeschoß sind zentral positioniert. Die kleinere Einheit verfügt über einen Luftraum über dem im Süden gelegenen Essbereich, der die sparsam bemessene Raumfläche mit einer wohltuenden Großzügigkeit aufwertet.

Zwischen den beiden Wohneinheiten war ursprünglich daran gedacht, ein Atrium einzufügen, man hat sich aber dann für einen Gemeinschaftsraum mit eigenem Sanitärbereich entschieden, der von beiden Einheiten aus zugänglich ist und gegenwärtig vor allemfür die Kinder ein geräumiger, das ganze Jahr über nutzbarer gemeinsamer Indoor-Spielbereich mit Terrassenzugang ist. Die Rückzugsorte – Schlaf- und Kinderzimmer sowie Bäder – liegen jeweils im Obergeschoß. An der großzügigen Wirkung im Inneren und der Homogenität der Außenhaut haben die Fensteröffnungen großen Anteil. Sie sind einheitlich als Fenstertüren ausgebildet, die durch ihre Gleichartigkeit eine flexible, den Bedürfnissen entsprechende Anordnung zuließen und dennoch keine Unruhe im Fassadenbild entstehen lassen. Die Glasflächen samt den außen liegenden schwarzen Rollos und im Obergeschoß die Absturzsicherungen aus Edelstahlgewebe ordnen sich unauffällig in die Fläche ein. Im Kontrast zur dunklen Haut sind die Oberflächen innen hell. Mineralisch beschichtete Böden in Hellgrau gehen einen schönen Dialog mit den weiß lasierten Holzdecken ein.

Das Haus ist als einzelnes, orts- und nutzerspezifisches Projekt geplant. Die Koppelung der beiden Einheiten ist aber so klug gelöst und die Unterschiedlichkeit der Innenraumkonzepte angesichts des homogenen Äußeren so überraschend, dass man dazu verleitet wird, in Gedanken das Gefüge weiterzustricken. Denn trotz seiner Prägnanz und Einzigartigkeit wohnt dem Gebäude etwas Prototypisches inne, das durchaus addierbar wäre.

26. Juni 2010 Spectrum

Kulturgut Freiraum

Der Wiener Yppenplatz ist ein robuster, flexibler Platz. Besser gesagt: Er war es. Eine Sanierung hat ihn bunter gemacht. Ist er auch besser nutzbar?

Der öffentliche Raum wird bei euch nicht wirklich gestaltet, oder?“, so der vorsichtig formulierte kritische Kommentar eines niederländischen Architekten nach einer dreitägigen Tour durch unsere Bundeshauptstadt. Stimmt, meistens wird nur eifrig möbliert. Ausnahmen gibt es. Aus jüngerer Zeit zum Beispiel den 2008 fertiggestellten Rudolf-Bednar-Park am Nordbahnhofgelände, geplant vom Züricher Büro Hager Landschaftsarchitektur. Hier wird auf über drei Hektar deutlich, was qualitätsvolle Landschaftsplanung leisten kann. Ein weitaus kleineres und unter engeren Rahmenbedingungen entstandenes früheres Beispiel ist, besser gesagt: war der Yppenplatz.

Die Wiener Landschaftsarchitektinnen Ursula Kose und Lilli Lička entwickelten auf dieser Leerstelle im Gründerzeitraster des 16. Bezirks vor zehn Jahren einen robusten, flexiblen und widerstandsfähigen städtischen Platz. Die praktischen Anforderungen dafür wurden in einem einjährigen Bürgerbeteiligungsverfahren erarbeitet. Offen und übersichtlich sollte der Platz sein, um für die Bedürfnisse aller Generationen und Geschlechter ausreichend Platz für Bewegung und Erholung bereitzustellen. Das Platzzentrum, unter dem sich ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg befindet, wodurch im Boden wurzelnde Bepflanzung unmöglich ist, wurde als „harte“ Fläche freigehalten, mit niedrigen, als Sitzbänke nutzbaren Betonwänden wurden drei Segmente markiert. Der Platz blieb als Ganzes nutzbar, auch diagonal durchlässig und erlaubte es einzelnen Gruppen, temporär Felder in Beschlag zu nehmen und für diverse Aktivitäten zu nutzen. An den Rändern wurden weiche Zonen mit Baumbestand angelegt und spezifischer definierte Bereiche wie ein Kinderspielplatz oder Möglichkeiten für Bocciaspiele angesiedelt. Auf der einen Schmalseite wurde der Ballspielkäfig untergebracht, gegenüber neben dem Marktamt ein von Bäumen beschatteter und von einer halbhohen Mauer geschützter Sitzplatz. Dadurch sollte nicht der ganze Platz von mächtigen und aggressiven Nutzergruppen wie adoleszenten Fußballern akustisch und raumgreifend dominiert werden, sondern auch weniger durchsetzungsfähigen Personen die Inanspruchnahme adäquaten Raums – nicht nur als passive Beobachter – erleichtert werden.

Der von Fachwelt und dem Vernehmen nach auch von den Nutzern positiv aufgenommene Platz wurde nun nach Plänen des Wiener Stadtgartenamtes neu gestaltet. Die Platzmitte wurde mit zwei mächtigen Pergolen aus Stahl, mandorlaförmigen Hochbeeten aus Beton, einem Wasserspiel und Wellenliegen ausgestattet. Der Asphalt erhielt wellenförmige Intarsien aus violettem und türkisem Gummigranulat. Im Fußballkäfig, für den KoseLička schon anno dazumal einen grauen Gummigranulatboden vorgesehen und budgetiert hatten, gibt es nun endlich einen solchen in sattem Türkis. Besondere Überlegungen flossen in die kreative Gestaltung des bestehenden Kinderspielplatzes. Eine in penibler Tischlerarbeit ausgeführte Karikatur eines windschiefen Marktstands dient als Eingang. Nebenan am richtigen Markt werden die alten Verkaufsbuden übrigens gerade nach und nach durch coole Metallkonstruktionen ersetzt. Birnenrutsche, Fruchtspieß, Bananenskulptur und eine Waagen-Wippe (der Zeiger ist nur aufgemalt und vermittelt daher kein physikalisches Vorschulwissen) ergänzen den sentimentalen Markt-Themenpark.

Wer im alten Yppenplatz eine fade Betonwüste gesehen hat, dem gefällt die neue Inszenierung womöglich besser. Der Platz ist nun bunter und auch dann nicht leer, wenn er menschenleer ist. Ist er auch besser nutzbar? Selbst wenn sie einmal bewachsen sind,werden die Pergolen nur minimale Flächen beschatten. Billiger und sinnvoller hätte man die Sandkiste überdacht, wo sich jene aufhalten, denen die Sonne am gefährlichsten wird. Das neue Platzmobiliar behindert das Passieren des Platzes in den Diagonalen. Vor dem Ballspielkäfig wurden Verweilmöbel für Jugendliche in Form entrindeter Baumstämme aufgebaut. Offenbar versucht man damit, dem Bedürfnis Pubertierender entgegenzukommen, die sich lieber auf die unbequemen Lehnen der Bänke als auf deren Sitzflächen hocken. Es ist lang her, aber tat man das nicht, weil es verboten war, und weniger aus Bequemlichkeit?

Gewiss war eine Sanierung des stark frequentierten Platzes notwendig. Die Graffiti zum Beispiel beschränkten sich zuletzt längst nicht mehr auf die dafür vorgesehenen Rückwände der Marktbauten. Jetzt erhielten sie „Bilderrahmen“ aus wildem Wein und Glyzinien. Ob das tatsächlich, wie erhofft, die Leidenschaft der Jugend zügeln wird, auf nicht gestatten Flächen zu sprayen? Blumen gibt es nun mehr als vorher. Die von KoseLicka konzipierten Kletterrosen am Marktamt, für die unter lose darübergelegten Betonplatten bereits Beete bereitet sind, wurden nie gepflanzt. Die geschmäcklerische Neugestaltung ist eine fragwürdige Oberflächenkosmetik, die Freiheiten in der Nutzung einschränkt und Historie negiert. Ja, der öffentlichen Raum ist – nicht nur in Wien – dilettantisch gestaltet und bedient kurzsichtige Interessen.

Auch was die historischen Gärten angeht, orten Landschaftsarchitekten, vertreten durch ein „Komitee zur Unterstützung der Gartendenkmalpflege im Bundesdenkmalamt“ unter der Regie von Eva Berger, Professorin für Gartenkunst an der Technischen Universität Wien, samt über 2000 durchwegs fachlich qualifizierten Unterzeichnern einer Petition an die Kulturministerin, kulturelle Kurzsichtigkeit. Die 1986 im Bundesdenkmalamt begründete Abteilung für historische Gartenanlagen existiert nicht mehr und soll mit einer Reihe weiterer Fachgebiete in einer „Abteilung für Kunstdenkmalpflege“ aufgehen. Für die Initiatoren signalisiert diese Neustrukturierung alles andere als eine Perspektive für eine Verbesserung der Situation des höchst sparsam und zögerlich behandelten Kulturgutes Freiraum. Zwar ist es vermutlich, ökonomisch gedacht, tatsächlich nicht sehr effizient, für jede Materie kleinste Ein-Personen-Abteilungen zu erhalten. De facto sind laut Berger rund 1700 Gartendenkmäler vorhanden. Nur 56 historische Park- und Gartenanlagen fallen aber in die Kompetenz des Bundes, nicht alle davon sind denkmalgeschützt, weil bei Anlagen in Privatbesitz zur Unterschutzstellung die Zustimmung der Eigentümer erforderlich ist.

Parks und Gärten im öffentlichen Besitz seien weniger bedroht als unzugängliche Anlagen in Privatbesitz, plädiert Eva Berger für umfangreichere Kompetenzen der Gartendenkmalpflege. Es braucht Budget und kompetentes Personal, um Eigentümer wertvoller Gartenanlagen zu beraten, den Bestand zu erforschen, Schutzmaßnahmen zu untersuchen oder Wiederherstellungskonzepte zu erarbeiten. Die Pflege von Gärten kostet Geld. Für viele Besitzer geht sie an die Grenzen der wirtschaftlichen Tragbarkeit. Gestaltete Freiräume jeglicher Art und Größe sind wertvolles Kulturgut und ein Beitrag zur Lebensqualität. Ihre Pflege und Erhaltung überwiegend von ökonomisch-kommerziellen Bedürfnissen abhängig zu machen ist kultur- und bildungspolitisch fahrlässig.

22. Mai 2010 Spectrum

„Ich war einfach goschert“

Friedrich Achleitner über Sinn und Unsinn der Kritik und seine Arbeit für die „Presse“, über das konservative Wien und das Interessante am Mittelmäßigen. Ein Gespräch zu seinem 80. Geburtstag.

Herr Achleitner, in Ihrem Architekturführer vorzukommen ist für Architekten sehr wichtig, weil quasi nicht existiert, was nicht drinsteht.

Das ist ja das Furchtbare! Wenn das Bundesdenkmalamt etwas im „Achleitner“ findet, sagt man „Vorsicht!“, und wenn nicht, dann nicht.
Das ist Unsinn. Mir geht es nicht darum, eine Liste wertvoller Sachen zu erstellen. Ich wollte immer zu bestimmten Problemen hinführen.

Gab es konkrete Erfolgserlebnisse?

Kaum. Punktuell merkt man, dass es nicht ganz umsonst ist. Die Textilschule in Dornbirn ist nur nicht abgerissen worden, weil in meinem Architekturführer fünf Zeilen enthalten waren. Meine erste Kritik in den „Bausünden“ in der „Abend-Zeitung“ war über diese grausliche Einzäunung, diese Werbefläche, am Stephansdom. Das wird jetzt nach 50 Jahren gemacht.

Die Literatur sei ein Vergnügen, die Architekturschreiberei Knochenarbeit, haben Sie einmal gesagt. Was war am mühsamsten?

Das Damosklesschwert, jeden Donnerstag etwas liefern zu müssen, damit es am Samstag in der Zeitung steht. Nach den zehn Jahren „Presse“ war ich total ausgepowert. Ich habe das von 1962 bis 1972 gemacht. Wöchentlich, oft auch zweimal die Woche.

Gab es Zurufe und Begehrlichkeiten?

Nein. Chefredakteur Otto Schulmeister war großzügig und musste sich viel anhören, weil sich damalige Platzhirsche ständig beschwert haben. Der Innsbrucker Bürgermeister hat alle Inserate gecancelt, weil ich kritisch über das Olympische Dorf geschrieben habe.

Sie sind aber der Architekturkritiker mit der besten Nachrede. Woher kommt das?

Ich glaube, das liegt nicht an den Kritiken, sondern daran, dass ich jahrelang in den Bundesländern herumgekrebst bin. Wenn in der Beilage der „Presse“ eine ganze Seite erschienen ist, dann war das was. In Wien ist es ja so: Wenn man einen kritisiert, hat man hundert Freunde. Wenn man einen lobt, hundert Feinde. Kritik ist leichter möglich, wenn man nichts weiß.

Unfundiert war Ihre Kritik ja nicht.

Ich trau mir heute nicht zu sagen, dass sie fundiert war. Ich war einfach goschert. Jetzt ist für mich persönlich Kritik überhaupt nicht mehr möglich.

Warum?

Solang ich Architekturkritik gemacht habe, war ich anders fokussiert. Nicht dass man Fehler sucht, aber man schaut kritisch, was falsch war. Sobald man einen Architekturführer macht, schaut man, was positiv ist, was man auswählen und in einem Kontext erwähnen kann. Das ist eine andere Blickweise.

Erwarten Architekten nicht automatisch eine affirmative Berichterstattung?

Mitte der 60er-Jahre hat Ferdinand Kitt in der Zentralvereinigung der Architekten eine Aktion gestartet, damit mehr über Architektur publiziert wird. Was geschrieben wird, hat er gesagt, ist wurscht, Hauptsache viel. Dann kam die Zeit, wo das Interessante und die Personen im Vordergrund standen. Vorher war die Diskussion eher thematisch orientiert. Es gab eine U-Bahn-Diskussion oder Kirchenbauaustellungen. Dann kamen Architekten wie Zünd-Up, Haus-Rucker-Co, Coop Himmelb(l)au, deren Namen ja fast Werbeslogans waren. Da begann es, dass mit der Architektur um Aufmerksamkeit gerungen wurde.

Hat sich mit dem Bauen auch das Schreiben darüber verändert?

Ein Teil der Architekturschreiber ist immer noch am Bauen dran. Aber es gibt viele Wellenreiter, die theoretisch herumspielen, was ja gerade modern ist, und die sich nichts mehr anschauen. Das habe ich nie verstanden. Aber die, die sich die Mühe machen, die Leute zu kontaktieren und sich Bauten anzuschauen, die sind natürlich im gleichen Boot. Was mir gefällt, ist: dass man an der Kunst-Uni Linz Projekte in Entwicklungsländern macht, wieder viel auf Baustellen arbeitet.

Diese Welle der großen Blasen hat ja im Wiener Stadtbild nicht so gegriffen.

Wien ist ein konservatives Pflaster. Hier hat auch die Postmoderne fast nichts angerichtet. Die großen Knüller gibt es halt nicht.

Sollte die eine Weltstadt nicht auch haben?

Ein paar schaden sicher nicht. Wenn zum Beispiel auf die Platte noch ein paar vernünftige Kulturbauten hinkommen würden! Das hätte schon die Grammatik einer Stadt. Ich habe dort einen neuen Stadtbegriff gelernt. Es gibt Punkte, wo man sich wie am Michigansee fühlt. Dann die vielen kleinen Einheiten und Siedlungen, die einen eigenen Charakter haben. Es gibt den fatalen Terminus, den Wolf Prix so gerne verwendet, die „Mittelmäßigkeit“. Die halte ich für interessanter als das Außergewöhnliche, weil damit eine andere Erfahrungswelt verbunden ist und auch Konventionen Bestätigungen für Qualität sind. Man darf nicht glauben, dass die Architekten, die in einer Stadt leben und sie gut kennen, die besten Entwürfe für die Stadt liefern. Das sind meistens die, die von außen kommen und andere Qualitäten erkennen.

In Wien bauen aktuell verhältnismäßig wenige Architekten von außen.

Man muss auch sagen, diese heutige Generation der Superstars ist eine, die goldene Eier ablegt und mit den Städten keinen Kontakt aufnimmt. Frank Gehry sagte allen Ernstes, Prag sei eine heitere Stadt. Was hat der gesehen? Es gibt keine finsterere Stadt als Prag. Das gab es schon früher. Fischer von Erlach hat sich bei seinem Festsaal im Stift Herzogenburg einen Schmarrn darum gekümmert, was Prandtauer rundherum gemacht hat.

Auf Architekten Ihres Alters reagieren manche jüngeren Architekten allergisch. Sie hingegen genießen in allen Generationen Respekt.

Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich das Glück habe, mir eine Arbeit angefangen zu haben, die so lange braucht. Dadurch kenne ich drei Generationen von Architekten. Wenn ich etwas sehr Persönliches sagen darf: Ich mag die Leute. Sie üben einen Selbstausbeuterberuf aus und werden nie zu ihrem Wert gehandelt. Auf Wienerisch gesagt ist es wirklich eine Scheißhackn. Es ist ganz selten, dass die Architekten genannt werden. Wenn es geglückt ist, dann tun die Bauherren, als hätten sie es selbst entworfen.

10. April 2010 Spectrum

Zum Glück doch kein Schlössl

Das ehemalige Männerheim in der Wiener Meldemannstraße wurde zum Pflegeheim umgebaut. Es heißt zwar „Seniorenschlössl Brigittenau“, bietet aber ein schönes Ambiente aus Unaufdringlichkeit und Gelassenheit.

Als das Männerwohnheim in der Meldemannstraße im Jahr 1905 errichtet wurde, galt es für die damals üblichen Wohnumstände der Arbeiterschicht als Unterkunft der kommoden Art. Ein Dutzend Personen, die unter desaströsen hygienischen Bedingungen in einer Zimmer-Küche-Wohnung hausten, das war kein seltenes Wohnszenario in dieser Zeit. Wer keine Wohnungsmiete bezahlen konnte, war darauf angewiesen, als Bettgeher zu leben. Im von Leopold Ramsauer und Otto Richter nach dem Vorbild englischer Billig-Unterkünfte für Arbeiter – nach ihrem Erfinder, dem Philanthropen Lord Rowton als „Rowton Houses“ bezeichnet – geplanten Haus gab es immerhin rund vier Quadratmeter große Schlafkojen, die ein Minimum an Intimität boten, Fließwasser, elektrisches Licht, Aufenthaltsräume, ja selbst eine Bibliothek.

Fast ein Jahrhundert lang diente das ursprünglich für 544 Bewohner ausgelegte Gebäude, das unter der allgemein üblichen Bezeichnung „die Meldemannstraße“ zum Synonym für eine letzte Zuflucht wurde, als Logis für Männer, für die „richtige“ Wohnungen unleistbar waren. Erst im Jahr 2003 wurden die letzten rund 230 Bewohner in neue Einrichtungen übersiedelt, und das vom Stadtzentrum gut erreichbare Haus wurde von der Stadt Wien versteigert. Ein privater Pflegeheim-Betreiber sorgte nun dafür, dass das Gebäude nicht nur eine neue Funktion und einen neuen Namen, sondern auch eine neue Adresse bekam. Der neue Haupteingang liegt nun an der Winarskystraße, womit zugleich Neonazis und sonstigen einschlägig interessierten Touristen eine potenzielle Pilgeradresse entzogen wurde, die gelegentlich hier auftauchten, weil Adolf Hitler drei Jahre lang in der Meldemannstraße Quartier bezogen haben soll. „Seniorenschlössl Brigittenau“ heißt das Haus nun nicht ganz passend. Das mit der Planung betraute Villacher Architektenduo Gasparin Meier hat sich nämlich auf keine süßliche Schlossarchitektur eingelassen, um bestimmte Emotionen zu bedienen und den alten Leuten eine anständige Wohnqualität in ihren letzten Lebensjahren zu bieten. (Warum unzählige Altenwohn- und Pflegeheime den lächerlichen Namen „Residenz“ verpasst bekommen, bleibt angesichts vieler Einrichtungen, die mit ihrer erbärmlichen Wohnqualität mehr zum Vegetieren als zum Residieren taugen, übrigens auch ein Rätsel.)

Sonja Gasparin und Beny Meier haben den Bestand, dessen Fassade an der Meldemannstraße unter Denkmalschutz steht, mit einem Zubau zu einer Funktionseinheit gekoppelt. Indem sie den neuen, siebengeschoßigen Bauteil in einem Respektabstand von einem Meter parallel zum Altbau entlang der Gartenseite anordneten, thematisieren sie die Dualität von Alt und Neu. Mit seiner mittlerweile Patina ansetzenden Kupferverkleidung an den Schmalseiten, dendunklen Stabgeländern der Loggien und Kompaktplatten in Holzoptik an der dem Park zugewandten Längsseite hebt sich der neue Trakt materiell von der weißen Putzfassade des Altbaus ab. Über Eck von der Meldemannstraße aus betrachtet, bemerkt aber, wie fein die Brauntöne mit der partiell in bräunlichem Backstein ausgeführten Straßenansicht des Bestandes harmonieren. Auch die Baukörperkonfiguration nimmt miteinem Mittelrisaliten Bezug auf die strenge Axialität des Bestandes, sodass der neue Annex bei aller formalen, zeitgemäßen Eigenständigkeit dem Alten durchaus eine gewisse Achtung entgegenbringt.

Im Erdgeschoß liegen Verwaltungs- und Serviceeinrichtungen sowie ein vom Fonds Soziales Wien betriebenes Tageszentrum, in dem untertags alte Menschen aus der näheren Umgebung betreut werden. Die Geschoße darüber schließlich sind der – meist allerletzte – Lebensraum für insgesamt 199 pflegebedürftige Senioren und Seniorinnen. Während fast 100 Jahre lang zuvor eine reine Männergesellschaft den Ort belegte, sind es nun überwiegend Frauen, die hier betreut werden. Im Neubau gibt es ausschließlich Einzelzimmer von rund 16 Quadratmetern mit direktem Zugang auf den Balkon. Im Altbau finden sich auch Doppelzimmer, von denen manche geteilt werden könnten, was zum Beispiel eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz vor einem schnarchenden Zimmergefährten sein kann.

Das Gemeinschaftsleben spielt sich im Wesentlichen im Herz des Gebäudes ab. Hier bringt ein Atrium Licht von oben in die Tiefe und ermöglicht geschoßübergreifende Kontaktaufnahme. Hier liegt der Erschließungskern, hier befinden sich an strategisch günstiger, weil guten Überblick bietender Stelle die Stationsstützpunkte sowie Aufenthaltsbereiche, in denen zum Beispiel gemeinsam gegessen wird. Dieser Bereich grenzt an die Naht zwischen den beiden Bauteilen, wo der Dialog zwischen Alt und Neu im Inneren besonders spürbar ist. Denn hier lässt es sich im Neubau entlang der dreiseitig verglasten „Trennfuge“ am Altbau vorbeipromenieren, dessen Fassade in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieb und nun zugleich Gebäudeabschluss des einstigen Männerwohnheims und Innenraumbegrenzung des neuen Teils ist.

Pro Geschoß überbrücken zwei Stege die Schlucht zwischen den Häusern. Die inneren Scheiben der Kastenfenster wurden aus Brandschutzgründen mit Fixverglasungen versehen. Sie sind aus Mattglas, um den Einblick in die dahinterliegenden Bäder undEingangsbereiche von Zimmern zu verhindern. Die äußeren Flügel wurden saniert undblieben erhalten. So entstand eine Situation,die den oft nicht mehr mobilen Bewohnern eine städtische Hausfassade in das Innere des gemeinsamen, halbprivaten Wohn- und Aufenthaltsbereiches holt, die in ihrer schlichten Schönheit Erinnerungen an das frühere Leben „draußen“ zu wecken imstande ist. Kommunikation nach außen und über Geschoße hinweg ermöglichen auch die beiden Fassadeneinschnitte im Mittelrisaliten an der Gartenfassade, wo durch das Aussparen von jeweils zwei Zimmern übereinander geräumige Loggien entstanden sind.

Vielleicht wird man das Haus den Menschen auch wieder 100 Jahre lang zumuten können – aber nur, wenn man sich irgendwann von den hausbackenen pseudonoblen Vorhängen und Möbeln in den Zimmern trennt, die auf künftige, von Ikea & Co. geprägten Pfleglingsgenerationen gewiss nicht stimmungsaufhellend wirken. Die architektonische Struktur in ihrer Unaufdringlichkeit und Gelassenheit ist jedenfalls frei von modischer Attitüde und Verspieltheit und daher robust genug, um längerfristig ein taugliches Ambiente für den letzten Lebensabschnitt zu bieten.

16. März 2010 zuschnitt

Welche Räume sind uns die Kinder wert?

Wohl kaum zuvor war das Thema der Kinderbetreuung im Vorschulalter auf der politischen Agenda Österreichs so präsent wie in den vergangenen anderthalb Jahren. Ab 2009 bzw. 2010 ist der Kindergartenbesuch in Österreich für alle Fünfjährigen verpflichtend 1 und halbtags gratis, wobei der Föderalismus eifrig gepflegt wird und in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen gelten, ab welchem Alter und in welchem Ausmaß Kostenfreiheit gewährt wird. Allein in Niederösterreich sind bereits 400 neue Kindergartengruppen in Betrieb gegangen, stolze 250 Millionen Euro wurden investiert.

Im Zuge der stark ideologisch geführten Debatte um die Rahmenbedingungen der Betreuung von Kindern im Vorschulalter trat die Frage nach adäquaten Räumen bloß am Rande in Erscheinung und wurde im Wesentlichen nur in der Architekturpresse 2 thematisiert. Nüchtern betrachtet sollten sich aus den politischen Initiativen für einen raschen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen zwei Annahmen ableiten lassen:

Annahme eins: Wenn die Beteuerungen, der Kindergarten sei keine Aufbewahrungsanstalt, sondern eine pädagogisch hochwertige Bildungseinrichtung, ernst gemeint sind, dann muss dies auch in baukultureller Hinsicht gelten.

Annahme zwei: Die flotte Umsetzung neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen führt zu einer raschen Umsetzung der Bauten. Effiziente Bauweisen, mit denen sich auch in ästhetisch anspruchsvoller Weise und den Kriterien der Humanökologie und Nachhaltigkeit entsprechend arbeiten lässt, müssten demzufolge Hochkonjunktur haben. Eine tolle Chance für Holzbauweisen!

Ernüchterung macht sich breit Die Suche nach ambitionierten Kindergartenbauten aus der jüngsten Zeit endet aber rasch in Ernüchterung. Jene Bauten, die unter dem Siegel „architektonisch wertvoll“ subsumiert werden können, kann selbst ein Vorschulkind an seinen zehn Fingern leicht abzählen. Österreich unternimmt endlich eine Nachjustierung an seinem Bildungssystem und löst damit ein so enormes Bauvolumen aus, wie man es eher in einem Katastrophengebiet als in einem der reichsten Länder der Welt vermuten würde. Ungefähr hundert Kindergartengruppen sollen allein in Niederösterreich bereits in adaptierten Metallcontainern untergebracht sein.

Mobile Kindergärten, kurz „Mobiki“, nennen sich diese auf den ersten Blick attraktiven Lösungen: Die Baukosten sind niedriger als jene fixer Bauten (wobei manche Fachleute daran zweifeln), die Errichtungszeit ist kürzer. Später kann die Gemeinde den vom Land bis zu hundert Prozent geförderten Container anderweitig einsetzen und kommt so kostenlos zu Sportplatzumkleiden oder anderen kommunalen Infrastrukturen. Auf einer Serviceseite der Oberösterreichischen Landesregierung findet sich sogar eine Liste mit dem Titel „Auswahl Container-Firmen die Kindergärten-Lösungen anbieten“ (sic!) 3. Diese erleichtern mit einer Reihe von Serviceangeboten zur einfacheren Abwicklung den Kindergartenerrichtern die Entscheidung. Die Pädagoginnen bemühen sich redlich, das unwirtliche Ambiente dieser Container freundlich zu gestalten. Grundsätzliche Mängel lassen sich damit aber nicht beheben, wie z. B. nicht kindgerechte Parapethöhen, suboptimale klimatische, akustische und atmosphärische Bedingungen.

Lösungen sind vorhanden – aber in Vergessenheit geraten

Beispielhafte Lösungen in Holz, die man allenfalls adaptieren müsste, wären vorhanden. In Wien hat, ermuntert von den Behörden, die sich statt eines Provisoriums ein rasch errichtbares System in Holzbauweise wünschten, das Architekturbüro Schluder/Kastner ein solches entwickelt. Diese Kindertagesheime in der Anton-Schall-Gasse (1992, in Kooperation mit Dietrich/Untertrifaller), in der Schrebergasse (1999) und der Andersengasse (2000) haben bewiesen, dass die Bauweise für die Bauaufgabe ohne qualitative Einbußen funktioniert. Aus derselben Zeit stammt auch das in Holzleimbinder-Konstruktion errichtete Kindertages heim in der Gschweidlgasse (1995) von Geiswinkler & Geiswinkler Architekten. Es wehte in Wien also bereits einmal ein für Holzbauweisen günstiger Wind. Nachfolgeprojekte sind dennoch nicht in Sicht. Es mag an der Uninformiertheit der Zuständigen liegen, dass man an diese Erfahrungen nicht anknüpft. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass es die Holzbaubranche verabsäumt hat, das Thema für sich zu besetzen. Immerhin wird das aus einem offenen Wettbewerb hervorgegangene Kindertagesheim in der Schukowitzgasse von Clemens Kirsch in Holzbauweise errichtet; prototypisches Potenzial hat dieses Projekt allerdings wenig. Das vorrangige Argument für den Holzbau war der Zeitdruck. Auch in Niederösterreich sind offene Wettbewerbe dünn gesät. Immer wieder stößt man auf Planungsauswahlverfahren, die nicht dazu angetan sind, Qualität hervorzubringen. Trotzdem kommt es singulär zu herzeigbaren und sogar vorzüglichen Ergebnissen.

Kindergarten mit Vorbildfunktion Eines der herausragenden ist der von Gabu Heindl geplante Kindergartenzubau in Rohrendorf bei Krems. Mit puren, ungekünstelten Materialien schuf sie ein anregendes Umfeld. Dass es kein reiner Holzbau wurde, ist dem Umstand zu schulden, dass die Planungszeit extrem kurz war und aufgrund des angrenzenden Bestandes sehr kontextspezifisch, also wohl auch mit einigem Improvisationstalent zu agieren war. Planung und Bau liefen zum Teil parallel und boten keine Chance für einen Holzsystembau. Die Sheddächer bestehen aus einer Leimbinderkonstruktion. Der Ziegelbau ist in eine Lärchenholzfassade gehüllt. Heindl machte sich die leichte Manipulierbarkeit des Holzes zunutze und integrierte nicht nur Abstellräume in die Fassade. Sie bildete daraus Nischen, Bänke und Sitzgelegenheiten. Hier können die Kinder unter dem auskragenden Dach witterungsgeschützt die Jahreszeiten erleben und haben Gelegenheit, taktile Erfahrungen zu machen und Prozesse der Alterung nachzuvollziehen. Tiefe, breite Fensternischen stehen auch im Inneren als Rückzugsorte mit Gartenblick zur Verfügung. Zusätzliches Licht kommt von oben durch die Sheds oder durch „Lichtkamine“ in den Nebenräumen, die zu beliebten Räumen für das In-den-Himmel-Schauen wurden. Auch bei der Ausstattung wurde Wert auf Qualität gelegt: Geöltes Eichenparkett und – zwar nicht von der Architektin geplante, aber von der Tischlerei Lechner aus Gföhl eigens angefertigte – Vollholzmöbel und Aufbewahrungsboxen aus verschiedenen Holzarten zeugen von Respekt vor den Bedürfnissen der Kinder und der Pädagoginnen. Viel gestalterische Energie floss in das Bemühen, sinnliche Erlebnisse zu stimulieren und dem Kindergartenalltag eine robuste Struktur zur Verfügung zu stellen.

Der Kindergarten ist ein öffentliches Gebäude und hat Vorbildfunktion. Wenn die Kindergartenoffensive auch einen bildungs- und kulturpolitischen Auftrag erfüllen will, darf die gestalterische Qualität der Kindergärten nicht ignoriert werden – egal in welchem Baustoff. Für Holz sind jedenfalls die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft.

30. Januar 2010 Spectrum

Wein, Löss, Landschaft

Keine der protzigen Kubaturen, wie sie anderswo aus den Weinbergen wachsen. Sondern ein Zeugnis des Respekts vor Landschaft und Dorfkultur: die Gebietsvinothek in Kirchberg am Wagram.

Dass repräsentative Gebäude der Vermarktung des Rebensaftes nicht abträglich sind, hat Tradition. Ob die imposanten Chateaux der Franzosen oder deren moderne Versionen – die um die Jahrtausendwende entstandenen Weingüter internationaler Stararchitekten ebenso wie die architektonischen Ambitionen in ostösterreichischen Winzerhöfen: Ein repräsentatives Umfeld zu schaffen und bauliche Zeichen zu setzen gehört für viele Weinmacher zum guten Ton.

Vor ziemlich genau vier Jahren ging im Architekturzentrum Wien die Ausstellung „WeinArchitektur – Vom Keller zum Kult“ zu Ende, die einen so gut wie vollständigen Überblick über die österreichische zeitgenössische Architektur im Auftrag von Winzerfamilien bot. Das Gros der Beispiele stammte aus dem Burgenland, dicht gefolgt von der Südsteiermark. Die Entscheidung, in signifikante Architektur zu investieren, haben die diesen Förderzielgebieten zugestandenen EU-Gelder, mit denen bis zu 30 Prozent des Investitionsvolumens abgedeckt werden konnten, gewiss erleichtert. Ein Ende des Architekturbooms ist in der Weinszene noch nicht zu erkennen, und mit Verzögerung scheint nun auch in Niederösterreich die Paarung Wein und Architektur an Exotenstatus zu verlieren.

Eines der bemerkenswertesten Weingebäude der jüngsten Vergangenheit ist in einer ebenso bemerkenswerten Gegend zu finden. Das Wiener Architektenteam gerner°gerner plus hat in Kirchberg am Wagram eine Gebietsvinothek realisiert. Für den namensgebenden Banal-Marketingslogan „In Wagram Weritas“ – können die Architekten nichts, das Gebäude ist aber wahrlich dazu angetan, dem Ort und der Region nicht nur im Hinblick auf Weinmarketing und Tourismus gute Dienste zu leisten, sondern scheint schon jetzt, einige Monate nach Eröffnung, ein wichtiger Identifikationsfaktor für die Bevölkerung zu sein.

Der Wagram, eine aus sandigem, mineralreichem Löss bestehende Geländeformation nördlich der Donau, zwischen Krems und Stockerau gelegen, bietet klimatisch und geologisch allerbeste Bedingungen für den Weinbau. Engagierte Winzer und Winzerinnen nutzten in der jüngeren Vergangenheit diese Voraussetzungen und weckten die regionale Weinszene – vor allem mit den Hauptsorten Grüner und Roter Veltliner – aus dem Dornröschenschlaf. Mit auffällig schicken Gebäuden haben sie sich bislang zurückgehalten. Die Energie floss vor allem in die Qualitätssteigerung und Markenpflege. Seit 2007 ist die Region Wagram – einst unter der wenig eindeutigen Bezeichnung Donauland gemeinsam mit Klosterneuburg geführt – ein eigenständiges Weinbaugebiet. Die besten Winzer der Region – immerhin 54 – präsentieren und vermarkten nun unter einem gemeinsamen Dach im wortwörtlichen Sinn ihre Weine.

Spätestens seit ihren Bauten für die burgenländischen Weingüter Wellanschitz und Hillinger zählen Andreas und Gerda Gerner zu den in der Weinszene etablierten Baukünstlern. Große Gesten und gewagte Konstruktionen sind ihnen nichts Fremdes. Bei der Kirchberger Gebietsvinothek hingegen punkten sie in erster Linie nicht mit dem offensichtlich Spektakulären, sondern mit Gespür und Umgang mit dem Ort und seinen topografischen Eigenheiten.

Weil Gemeinden, besonders die landwirtschaftlich geprägten kleinen, sparsam sein müssen, ist es schlau, wenn Funktionen gebündelt werden. Und so wünschte man sich ins „Weritas“ nicht nur eine Vinothek mit Platz für Lagerhaltung, Degustation und Verkauf, sondern auch Flächen für einen Gastronomiebetrieb, ein Tourismusbüro undVeranstaltungsräume. Nicht nur den Fotos nach, auch noch vor dem Gebäude stehend, erschließt sich nicht gleich, wo und wie all diese Funktionen in einem so kompakt und klein scheinenden Gebäude Platz finden.

Der Bauplatz, im Wesentlichen ein Park mit altem Baumbestand nächst dem Ortskern fällt nach Westen etwa zehn Meter steil in einen Graben ab. Die Architekten situierten den zweigeschoßigen Baukörper im Süden der zur Verfügung stehenden Fläche, scharf an der westlichen Hangkante. Das Parkgelände wurde derart modelliert, dass es vom bereits bestehenden Parkplatz zum verglasten Erdgeschoß sanft überleitet und das Gebäude quasi in der Umgebung aufgeht. Die Bäume durften im Mutterboden bleiben. Durch die Fugen der schützenden Baumscheiben blickend, lässt sich das ursprüngliche Geländeniveau noch erahnen.

Das an drei Seiten raumhoch verglaste Hauptgeschoß weist einen Rücksprung auf, dem entlang die Zugangsrampe unter Dach ins Innere leitet. Ähnlich logisch und die Ergonomie der vinophilen Kundschaft berücksichtigend geht es weiter. An die Rückwand schmiegen sich in einem Guss hinterleuchtete Präsentationsflächen für die besten Rebsäfte der Gegend, ausziehbare Tablare und Laden, dann ein kleiner Knick und das wandintegrierte Möbel geht in eine Sitzbank über. Dahinter öffnet sich ein mit einer tiefer Laibung versehenes Südfenster in die Landschaft. In der Mittelachse des Raumes zoniert ein Barmöbel den Raum in einen Degustations- und Verkaufsbereich und einen vom „schnellen Geschäft“ unbehelligten Restaurantteil mit 30 locker arrangierten Sitzplätzen. Im schmäleren, östlichen Bereich liegt auf gleicher Ebene das Tourismus- und Regionalbüro.

Die Bar umfängt auch den Abgang ins Untergeschoß, wo die Seminarräume nach Westen über die gesamte Fassadenfläche mit Ausblick in die Weingärten gesegnet sind. Introvertierter, weil ins Gelände integriert, befinden sich hier auch die Küche und das Herz des Hauses, das Weinlager, in dem 108 regionale Weine als Hauptdarsteller kein großes Bühnenbild brauchen, sondern, schlicht in Regalen gestapelt, auf die – wie man erzählt – eifrig anströmende Kundschaft warten.

Es sind nicht nur Weinliebhaber von auswärts, die das Haus frequentieren. Es braucht gar kein besonderes Glück, um den einen oder anderen Winzer im Restaurant anzutreffen, und wie es scheint, wurde das Weritas auch zu einem beliebten Ausgeh-Ort für die lokale Bevölkerung.

Kein Wunder. Denn so neu und gewagt diese Architektursprache in der Gegend auchsein mag, die Gebietsvinothek fremdelt nicht. Sie hat keine Gemeinsamkeiten, mit den riesigen Kubaturen, die anderswo aus den Weinbergen wachsen, marktschreierisch vom Prestige ihrer Bauherren und deren Weinen künden und dabei wenig Respekt vorLandschaft und Dorfstruktur zeigen. Den Architekten gelang ein Gebäude, das die feinen Tropfen vieler unterschiedlicher Winzer adäquat präsentiert, in dem ein Sonntagnachmittagskaffee ebenso Freude macht wieein abendliches Diner, wo sich architekturgeeichte Städter ebenso wohlfühlen wie bodenständige Winzer. Kein Firlefanz, nur angenehme Räume und schöne Aussicht.

Zur Info für alle Bürgermeister und Bürgermeisterinnen: Man bekommt so ein Gebäude, wenn man einen ordentlich vorbereiteten Wettbewerb ausschreibt, zu dem man fähige Architekturbüros einlädt. Ganz einfach, oder?

5. Dezember 2009 Spectrum

Norden so grün

Dänemark gilt als Musterland der Baukultur und Nachhaltigkeit. Dabei ist die Öko-Bilanz des Landes miserabel. Das soll sich nun ändern. Wie Kopenhagens Architektur und Stadtplanung versuchen, dazu einen Beitrag zu leisten.

Die dänische Hauptstadt hat sich in den letzen Jahren zu einem Hotspot für Architekturtouristen entwickelt. Neben den neuen Kulturgroßbauten im Binnenhafen wie der Oper von Henning Larsen und dem Königlichen Schauspielhaus von Lundgaard und Tranberg wurde ein umfangreiches Bauprogramm vor allem in Hafengebieten und aufgelassenen Industriearealen in Angriff genommen. Trotz des rapiden Wachstums scheint Kopenhagen nicht an Übersichtlichkeit, urbaner Qualität und der sprichwörtlichen Gemütlichkeit einzubüßen. Der demnächst zur Klimakonferenz eintreffenden internationalen Community muss sich die fußgänger- und radfahrerfreundliche Stadt in der grauen Winterzeit präsentieren, wo dievielen Hafenterrassen und Strandpromenaden nicht so mit Leben erfüllt sind wie während der wärmeren Jahreszeit. Bereits im Vorfeld wurde einiges unternommen, um zum Image als Musterland der Baukultur undNachhaltigkeit beizutragen. Dabei ist derzeitder ökologische Fußabdruck Dänemarks unter den weltweit schlechtesten. Das soll sich bald ändern. Bis 2025 hat sich Kopenhagen zum Ziel gesetzt, eine ausgeglichene CO2-Bilanz zu erreichen. Der Beitrag von Architektur und Stadtplanung wird in diesem Prozess intensiv thematisiert, schließlich ist der Gebäudesektor für 40 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich.

Das Dänische Architekturzentrum betreibtmit Unterstützung von Realdania, einem Fond, der sich die Verbesserung der Lebensqualität durch die gebaute Umwelt zum Ziel gesetzt hat, das Projekt Copenhagen X. Die Informationsplattform richtet sich an Bewohner und Besucher der Stadt und will denDialog zwischen professionelle Planern und Laien stimulieren und Stadtentwicklung transparent machen. Eine aufwendige Website informiert über abgeschlossene und geplante Bauprojekte und führt auch umfangreiche Programme für ein nachhaltiges Kopenhagen an. Publikationen, ein Angebot an geführten Bauvisiten und Fahrradtouren sowie Audioführungen, die kostenlos zum Download angeboten werden, komplettieren das Vermittlungsprogramm.

Schon im Vorjahr schickte man die Ausstellung „Building Sustainable Communities“, die 29 Architekten als Impulsgeber für eine bessere Welt präsentiert, auf eine internationale Reise. Thematisiert werden wenigerdie messbaren Fakten wie Energiekennzahlenund Dämmstoffdicken, sondern spürbare Annehmlichkeiten von Städten und Gebäuden wie Raumqualität und Tageslicht und auch, dass Bauen und Stadtentwicklung eineFrage von Respekt sowohl der Natur gegenüber als auch der Menschen untereinander ist. Umweltfreundlich agieren und gleichzeitig die Lebensqualität steigern ist die Botschaft, die stets mitklingt.

Noch bis zum 18. Dezember zeigt das Louisiana Museum für Moderne Kunst im Humlebæk, nördlich von Kopenhagen, die Ausstellung „Green Architecture for the Future“, die das komplexe Feld nachhaltigen Bauens anhand einer Fülle nationaler und internationaler Beispiele „intelligenter Architektur“ im Spannungsfeld von Ökologie, Ökonomie und Sozialem versammelt. Die an Themen und Beispielen dichte Schau im Untergeschoß des Museums endet im weitläufigen Skulpturenpark. Dort werden anhand architektonischer Strukturen nachhaltige Technologien und neue Materialien für die Besucher physisch erfahrbar gemacht. Eigens für die Ausstellung wurde unter Federführung der dänischen Architekten 3XN der Pavillon „Learning from Nature“ entworfen. Die heiter und unbekümmert wirkende, grellgrüne Konstruktion in Form einesendlosen Möbiusbandes wird mit Begeisterung von Jung und Alt als Klettergerüst in Beschlag genommen. Erst bei eingehenderer Auseinandersetzung erschließt sich das technische Innenleben. In und unter seiner poppigen Oberfläche birgt das Gebilde eine Reihe an innovativen Technologien.

Die energieautarke, biologisch abbaubare Struktur ist das Ergebnis eines intensiven Entwicklungsprozesses unter Beteiligung vonan die 20 Industrieunternehmen. Hauptbaumaterial ist schichtweise verklebter Kork. Verstärkend wirken Lagen eines Leinengewebes, das in Polyersterharz, gewonnen aus nachwachsendem Mais und Sojabohnen, eingebettet wurde. Auf die Oberfläche laminierte, nur einen Millimeter dünne Solarzellen liefern die Energie für die LED-Module zur Beleuchtung. Auch das Herumturnen der Besucher liefert Strom, indem die Energie aus Gewicht und Bewegungen mittels piezoelektrischer Kontakte in elektrische Energie umgewandelt wird. Eine Oberflächenbeschichtung sorgt dafür, dass sich die Hülle gleichsam von selbst sauber hält, und ist zudem in der Lage, 70 Prozent der Schadstoffe aus industriellem Smog im näheren Umfeld für die Menschen unschädlich zu machen.

Vor diesem Hintergrund an demonstrierter Leistungsfähigkeit von Planern und Industrie stellt während des Klimagipfels ein Symposium unter der Moderation von Peter Weibel und Hans-Ulrich Obrist die Frage, wie es von nun an weitergehen kann.

Viel näher an der Realität der Baupraxis und damit ein aus aktuellem Anlass beliebtes Demonstrationsobjekt ist das „Green Lighthouse“ des Architekturbüros Christensen & Co auf dem Kopenhagener Universitätscampus. Das zu Beginn des Herbstsemesters eröffnete Modellhaus ist Kopenhagens erstes CO2-neutrales öffentliches Gebäude. Die Initiatoren – die Universität in Kooperation mit dem VELUX-Konzern, dem Wissenschaftsministerium und der Stadtverwaltung – wollen damit ein internationales Leuchtturmprojekt nachhaltigen Bauens schaffen.

Der zylindrische Dreigeschoßer beherbergt auf rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche Serviceeinrichtungen für Studierende der naturwissenschaftlichen Fakultät. Tageslicht als primäre Lichtquelle in allen Räumen und ein natürliches Lüftungs- und Kühlungssystem garantieren ein angenehmes und gesundes Raumklima. Die Energieversorgung erfolgt in einer Kombination aus Solarkollektoren, Fernwärme, einer Wärmepumpe und Photovoltaik. Das Gebäudekonzept fußt weniger auf revolutionären, kostenintensiven Technologien als vielmehr auf ausgeklügelter Planung unter Einsatz marktüblicher Komponenten. 70 Prozent der Energieeinsparung haben ihre unmittelbare Ursache im Entwurf, behaupten die Architekten. Die Botschaft: Wir haben bereits die Mittel, um den Klimawandel zu bremsen. Man muss sie nur richtig einsetzen.

24. Oktober 2009 Spectrum

Wein und Wiese

Um die Abwanderung ins Umland zu stoppen, hat die Wiener Wohnbaupolitik eine „Neue Siedlerbewegung“ ins Leben gerufen. Und damit Raum für ambitionierte Architektur und Freiraumgestaltung geschaffen.

Um Wiener Jungfamilien vom Abwandern in Einfamilien- und Reihenhäuser im Umland abzuhalten, hat die städtische Wohnbaupolitik die „Neue Siedlerbewegung“ ins Leben gerufen. In den durchgrünten Gegenden vornehmlich des 21. und 22. Bezirkes entstanden unter diesem Titel etliche Siedlungen, die mit ambitionierter Architektur, Freiraumgestaltungen auf höherem als dem üblichen Niveau und mit guten Ideen zur Förderung der Gemeinschaft punkten können. Wiewohl „Neue Siedlerbewegung“ marketingtechnisch gewiss schlauer ist als ein einfallslos schlichtes „Wohnen im Grünen“, so fehlt der neuen Siedlerbewegung in jeder Hinsicht der visionäre Charakter ihrer aus einer Selbsthilfebewegung entstandenen historischen Namensvetterin aus der Zwischenkriegszeit. Allesamt sind die aus Bauträgerwettbewerben hervorgegangenen Gartensiedlungen jedenfalls qualitativ weitaus erfreulichere Erscheinungen als das, was sich in den unmittelbaren Nachbarschaften abspielt. Die wahre neue Siedlerbewegung manifestiert sich in nächster Nähe: Von findigen Baumeistern und Hausbau-Firmen auf das erlaubte Maximum aufgeblasene Häuser stehen dicht an dicht als Realität gewordene Alpträume vom eigenen kleinen Schloss auf der Gartenparzelle, für das Jungfamilien ihre gesamte Kauf- und Arbeitskraft verschwenden.

Dass Urbanität mit privatem, attraktivem gemeinschaftlichem Freiraum durchaus vereinbar ist, zeigt die 47 Wohnungen und zwölf Gartensiedlungshäuser umfassende Siedlung der Ganahl-Ifsits Architekten, eine von mehreren im Rahmen der „Neuen Siedlerbewegung“ errichteten Anlagen zwischen Hirschstetten und Breitenlee. Hanno Ganahl und Walter Ifsits zählen zu den routinierteren Wiener Wohnbauern. Ihre Architektur zeichnet sie dadurch aus, dass sie ohne großes Getöse auskommt, dafür aber viel Grips für interessante Wohnungstypologien und sinnvolle städtebauliche Lösungen aufgewandt wird.

Entlang der Ziegelhofstraße und der Pichlgasse situierten sie eine Blockrandbebauung, die an der Ecke durchbrochen ist, um eine bessere Harmonie mit der dahinterliegenden lockereren Bebauung herzustellen. Sie beherbergen einen Mix aus reihenhausähnlichen zweigeschoßigen Wohnungen mit Mietergärten sowie Geschoßwohnungen und Maisonetten mit Terrassen und Dachgärten, die geschickt gestapelt zwei angenehm proportionierte und gegliederte Baukörper von hoher Anmut ergeben. Die hochgezogenen massiven Brüstungen der Terrassen gewähren Intimität, Leichtbauwände im gleichen Anthrazit wie die Türen und Fensterrahmen trennen die privaten Freibereiche zwischen den Wohnungen. Die skulpturale Durchbildung der Baukörper mit Vor- und Rücksprüngen bringen zugleich praktischen Nutzen wie gedeckte Vorbereiche und Terrassenflächen.

Die Gemeinschaftseinrichtungen liegen inden verglasten Erdgeschoßzonen, dort, wo im Freibereich zwischen den beiden Riegeln ein kleiner Platz als Entree in die Anlage ausgebildet wurde. Dem Gemeinschaftsraumist eine teils überdeckte Holzterrasse mit integrierter beschatteter Sandkiste vorgelagert. Die Waschküche schließt nur durch eine Glaswand, die mit den Vornamen aller Bewohner versehen ist, getrennt daran an. So entstehen, ohne dass große Vereinbarungen und Umwege notwendig sind, im Alltag gut nutzbare Begegnungszonen und Aufenthaltsbereiche außerhalb des privaten Wohnbereichs. Das mögen Kleinigkeiten sein, selbstverständlich sind sie nicht, und der Wohnqualität sind sie allemal förderlich.

Die zwölf Häuser sind in zwei parallelen Zeilen angeordnet. Entlang der östlichen Grundstücksgrenze sind es Reihenhäuser, um durch die gekuppelte Bauweise dem Areal eine Fassung und einen Abschluss zum umgebenden Wirrwarr zu geben. Über den Eingängen kragen die Obergeschoße als markante, leicht abgeschrägte Kuben weit aus. Eine Etage höher geben sie der Terrasse des jeweiligen Nachbarn Rückendeckung.

Die innere Zeile besteht aus ebenfalls zweigeschoßigen, aber frei stehenden Haustypen mit Garten und Terrasse im zurückgestaffelten Obergeschoß. Alle Haus- und Wohnungstypen haben gute Grundrisszuschnitte, die frei von exaltierten Extravaganzen gut bespielbar sind.

„Wohnen im Weinspalier“ lautet der Projekttitel. Namensgebend dafür ist der markanteste Teil der Freiraumgestaltung, die von Jakob Fina gemeinsam mit „Rajek Barosch Landschaftsarchitektur“ konzipiert wurde und die sich in Form von mit Wegrandpflanzen bewucherten Streifen schon an der Straßenseite ankündigt. Das Herz des Freibereichs nimmt ein Weingarten ein, dessen Reben zwischen akkurat gesetzten Stahlprofilen aufgezogen werden. Abgerundet wird das Weinthema durch einen Sitzplatz unter einer Laube und einen vom Garten aus zugänglichen Weinkeller. Für eine weitere landwirtschaftliche Betätigung stehen dazumietbare Gemüsebeete samt Gartenhütten zur Aufbewahrung von Gerätschaften oder Sämereien bereit. Außer der Privatstraße zwischen den zwei Häuserzeilen, gibt es kein Wegesystem, das durch die Anlage führt. Nur Rasen- und Wiesenflächen strukturieren gemeinsam mit den Beeten und Rebzeilen den Raum zwischen den Gebäuden.

Die möglichen Nutzungsszenarien scheinen noch nicht völlig bis zu den Mietern durchgedrungen zu sein. Weder wurden in der vergangenen Saison die Beete bestellt, noch dürfte es Aktivitäten im Weinkeller geben. Damit das Angebot im Sinn seiner Erfinder genutzt wird, bedarf es einer Moderation, das war den Architekten von Anfang an klar. Und so hofft man nun allseits auf eine baldige Veranstaltung, um Ideen und Handlungsanweisungen zur Nutzung des Zusatzangebots zu kommunizieren, damit nicht auch in der zweiten Saison die Ernte ausbleibt. Die innen wie außen bereitgestellten Räumlichkeiten scheinen durchaus dazu geeignet, für eine selbstverwaltete Bespielung die notwendige Robustheit und Flexibilität zu haben.

Im Wildwuchs von Suburbia sind Anlagen wie diese Oasen der Erholung. Den Bewohnern ist dies deutlich bewusst, denn schon kommt das Bedürfnis nach einer besseren Abschottung zum Umfeld auf, um die Idylle zu schützen, weil nun auch schon Anrainer der Attraktivität der Freiräume in der Siedlung am Weinspalier gewahr wurden. Das ist vielleicht eines der besten Komplimente, macht aber auch deutlich, wie wichtig brauchbar gestaltete Parkanlagen als Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche auch am Stadtrand sind. Rasenstreifen hinter Thujenhecken sind zwar auch grün, sie ersetzen aber weder Wald und Wiese noch den Stadtpark.

22. August 2009 Spectrum

Härte und Noblesse

Symmetrie bis ins letzte Eck, viel Holz, aber ganz und gar nicht rural: das Weinlandbad in Mistelbach – ein Fest für Detailfetischisten.

Christa Prantl und Alexander Runser zählen zu den Detailfetischisten unter den Architekten. Das freut alle Rezensenten ihrer Arbeit, die handwerkliche Qualität schätzen, ist aber jenen, die sie auszuführen haben, oft eine Last. Ihre jüngste fertiggestellte Arbeit, der Kabinentrakt des Weinlandbades in Mistelbach, wäre ohne diese Konzentration auf die Präzision wahrscheinlich bloß ein angenehm anzusehendes Gebäude. Dass trotz enormen Zeitdrucks dennoch ein Stück Baukultur entstehen konnte, ist kein Wunder, sondern harte Architektenarbeit – in der Planung wie in der Überwachung der Ausführung auf der Baustelle.

Das Weinlandbad Mistelbach wurde 1960 in Betrieb genommen. Historische Aufnahmen zeigen eine weitläufige ruhige Anlage am Stadtrand, die ohne viel Chichi angenehmes Flair zu haben scheint. In den 1990er-Jahren traf auch das Mistelbacher Bad die Modernisierungswelle, und es wurde zum größten Erlebnisbad im Weinviertel aufgerüstet. Die Notwendigkeit eines neuen Kabinentraktes als Ersatz für den nicht mehr adäquaten Bestand nahm die Stadtgemeinde zum Anlass, einen geladenen Wettbewerb auszuloben, der nicht nur die Erarbeitung eines Vorentwurfs für die neuen Umkleiden umfasste, sondern auch die Formulierung einer „Grundsatzidee“ für ein von einem privaten Betreiber zu errichtendes „Gesundheitszentrum“ im Anschluss an das bestehende Bad.

Der Wettbewerb wurde flott abgewickelt. Ausgelobt wurde Anfang Dezember 2007, Abgabe anderthalb Monate später, entschieden Ende Jänner 2008. Runser und Prantl überzeugten die Jury unter Vorsitz von Max Rieder in allen Punkten, vor allem aber durch die gute Einfügung des Kabinentrakts in den Kontext der Umgebung. Drei Monate nach der Entscheidung, ein Jahr vor dem angestrebten und eingehaltenen Eröffnungstermin, wurden die Architekten beauftragt. Nach einer knapp bemessenen, dafür umso intensiveren Planungszeit standen gerade sieben Monate für die Ausführung zur Verfügung. Diese Umstände und die Notwendigkeit, auch während der Wintermonate zu bauen, war ausschlaggebend für die Wahl der Bauweise. Die Konstruktion besteht aus bis zu 16 Meter langen Brettsperrholz-Elementen, die in der Werkstatt vorbereitet und innerhalb weniger Wochen montiert wurden. Rural mutet die Anlage trotz der Holzbauweise aber ganz und gar nicht an. Das hätte in dieser Lage auch nicht gepasst.

Das Bad liegt an der südlichen Einfallstraße gegenüber einem Gewerbegebiet. Runser und Prantl vermieden es, auf das Wirrwarr mit besonders signifikanten Gesten zu reagieren, und erzielten durch einen schlichten, leicht geschwungenen Baukörper dennoch eine Form, die präsent ist. Um glatte Flächen ohne Knicke zustande zu bringen, wurden gebogene Brettsperrhölzer mit einer Krümmung von vier Millimeter auf einem Meter verwendet. Die Holzoberflächen wurden mit einem platingrauen Anstrich veredelt, der dem Gebäude nicht nur hinsichtlich des Holzschutzes Robustheit verleiht, sondern ihn auch mit der notwendigen optischen Härte ausstattet, um in der Gegend Geltung zu erlangen. Zugleich sorgt der silbrig schimmernde Farbton für eine gewisse Noblesse, die dem schlanken, insgesamt etwa 85 Meter langen Bauwerk gut zu Gesicht steht.

Es wird damit die Stadteinfahrt akzentuiert, aber auch ein beruhigendes Element geschaffen, das dem Straßenraum eine Fassung gibt. Die Krümmung trägt auch stark dazu bei, für das Bad ein Binnenmilieu, in dem von der Hektik des Gewerbegebietes nichts mehr zu spüren ist, zu erzeugen.

Das Dach des zweigeschoßigen Kabinentraktes kragt über dem Eingang und dem gläsernen Kassenbereich weit aus. Richtung Norden wird der Bogen von einem eingeschoßigen Trakt, der den Personalbereich und verschiedene Technikräume birgt, fortgesetzt. Im Wettbewerbsbeitrag war das Dachdieses Bauteils als langes Flugdach weitergeführt. Es fiel dem Sparstift zum Opfer, hätte aber die Linearität der Anlage stärker betont und einen folgerichtigeren Abschluss gebildet. Vor dem Gebäude wurde mit sparsamen Mitteln ein Platz ausgebildet, auf dem auch um die 200 Fahrräder geparkt werden können. Im Kontrast zum Asphalt verläuft vor dem Gebäude eine unversiegelte Fläche in Form eines Trockenbiotops, das zum Naturraum der angrenzenden Zayawiesen überleitet. Als Landschaftsarchitekt wurde Jakob Fina hinzugezogen.

Innen bilden vor den barrierefrei zugänglichen Kabinen- und Kästchenbereichen im Erdgeschoß zwei Wandscheiben einen Paravent-artigen Schutz vor den Zugängen und zonieren den Vorbereich. Im Obergeschoß bilden ein tiefer Balkon und das auskragende Dach eine riesige Galerie, von der sich das Geschehen im Bad beobachten lässt. Sie dient auch als Begegnungszone und bietet bei Sommergewitter einen vortrefflichen Schutz. Verzinkte Stahlgitter formen die Brüstung und werden als luftige aber robuste Schiebeelemente zum Verschließen der einzelnen Raumsegmente verwendet. Fugenbild und Stöße zeugen von hoher Präzision in der Planung. Die Bauweise erlaubt weder Schlampereien noch Schummeleien. Jede Leitungsführung, jede Öffnung muss sorgfältig im Vorhinein festgelegt werden. Nachträgliches Zuschmieren geht nicht.

Bis ins letzte Eck wird der Symmetrie und der Flächenbündigkeit gehuldigt. Zum Beispiel beim von Stephanie Krieger gestalteten Schriftzug an der Fassade, der so geplant wurde, dass keine Fugen die Buchstaben durchkreuzen. Weiß der Kuckuck, warumdie Lettern dann doch nicht ganz an den gewünschten Stellen gelandet sind. Ein gutes Gebäude muss gewisse Applikationen ertragen können, heißt es oft. Stimmt schon. Auchdas bei aller Schlichtheit bestechend edel wirkende Kabinengebäude ist ein starkes Stück Architektur, das viel aushält, ohne an Qualität einzubüßen. Die bunt gefleckten Tische auf der Terrasse vor dem im Süden angeordneten Bistro haben nicht die Architekten, die kein Mandat für die Einrichtung hatten, ausgesucht. Runser und Prantl sind sicher dankbar, dass der Fotograf da war, bevor sie aufgestellt wurden. Wäre es aber nicht gerade bei öffentlichen Gebäuden – undwas ist öffentlicher als ein kommunales Freibad, das von allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen frequentiert wird? – wichtig, Vorbildwirkung auszuüben und auf allenLinien mit gestalterischer Sorgfalt auf einemhohen kulturellen Niveau zu agieren?

1. August 2009 Spectrum

Wohnen bis 100 plus

Wie aus einem Sonderkrankenhaus mit 328 Betten ein wohnliches Milieu wird: zur Erweiterung des Geriatriezentrums in Wien-Ost.

Anfang Juli wurde der EU-weit ausgelobte Architektenwettbewerb um das beste Konzept zur Sanierung und baulichen Erweiterung des bestehenden Geriatriezentrums im Sozialmedizinischen Zentrum Ost entschieden: zugunsten von Delugan Meissl Associated Architects (DMAA). Die Wiener Baukünstler haben nicht nur fast zeitgleich auch den Wettbewerb um die neue Unternehmenszentrale der Bestattung Wien am Zentralfriedhof gewonnen, sondern reüssieren seit Jahren international auf hohem Niveau. In ihrem Portfolio befindet sich bislang kein Krankenhaus, aber gut ein Dutzend großvolumiger Wohnbauprojekte – ein Know-how, das beim Geriatriezentrum kein Nachteil war. Wohnatmosphäre statt Krankenhauscharakter lautet nämlich die Devise für die neuen Wohn- und Pflegeheime des Wiener Krankenanstaltenverbunds, die bis 2015 im Zuge der Geriatriereform fertiggestellt sein werden.

Das Geriatriezentrum beim SMZ Ost war das erste Haus für die geriatrische Pflege, das die Stadt Wien nach der Monarchie errichtete. Ab 1972 wurde das für knapp über 400 Betten ausgelegte Pflegeheim geplant, im Jänner 1982 ging es in Betrieb.

Delugan/Meissl befreien den aus drei in der Diagonale aneinandergeschobenen Türmen bestehenden Baukörper von zwei Annexbauten und schließen mittels L-förmiger Anbauten die zerklüftete Figur zu einem kompakten Baukörper. Zwei Pflegestationen können nun sinnvoll auf den zwei Karrees mit innen liegendem Atrium pro Geschoß sinnvoll organisiert werden. Das ganze Gebäude wird mit einer Loggienzone ummantelt, die jedes der Einzel- und Doppelzimmerum einen barrierefrei zu erreichenden Freiraum erweitert. Das geforderte neue Zentrum für Wachkoma-Patienten und Langzeitbeatmete bringen sie in einem winkelförmigen dreigeschoßigen Bau an der Langobardenstraße unter. Über einen eingeschoßigen Verbindungsbau erfolgt der Zugang in beide Häuser. Im städtebaulichen Kontext findet die Anlage nun besser Halt als bisher. Routiniert wurde das verborgene Potenzial der bestehenden Anlage entdeckt und in Form gebracht. Wie aber wird aus einer insgesamt 328 Betten umfassenden Sonderkrankenanstalt ein wohnliches Milieu? Die Bewohner und Bewohnerinnen sind hochbetagt, oft dement und bedürfen intensiver pflegerischer und medizinischer Betreuung. Im neu errichteten Bauteil werden Langzeitbeatmete und Wachkoma-Patienten jeden Alters betreut. Wie man einen Menschen in bestimmten Räumen zur Ruhe kommen lassen und ihm andererseits Motivation geben kann, sei ein interessantes Spannungsfeld, so Roman Delugan. Das Zimmer ist die Ruhezelle. Ausblick gibt es auch im Liegen, und die an Boden, Wänden und Decke in Holz gehaltene Loggia kann auch im Pflegebett befahren werden. Vorhänge schirmen die gläsernen Brüstungen ab und gewähren Sicht- wie Sonnenschutz. Die Loggientrennwand kann zum Nachbarn geöffnet werden, wenn der Wunsch nach Kommunikation und Gemeinschaft besteht.

Statt uniformer Krankenhausgänge mit Tagräumen an den Enden sind spannungsreiche Raumsequenzen ausgebildet. Die Atrien bringen Tageslicht, schaffen Durchblicke und sind Schauplatz von Inszenierungen mit luftbewegten Mobiles und aufsteigenden Wolken. Die Gärten, gestaltet von den Landschaftsarchitekten Isolde Rajekund Oliver Barosch, sind nicht nur von den Allgemeinbereichen aus zugänglich, sondernvon allen angrenzenden Räumen, ob Therapieraum oder Raucherzimmer, ob Personaldienstzimmer oder Angehörigenraum.

Trotz der Einschränkungen, die die bestehende Struktur mit sich bringt, gelingen in den Erschließungsbereichen abwechslungsreiche Raumsequenzen mit belebteren Zonenund Nischen, die außerhalb des Zimmers intime Refugien bilden. Der Zugang zum Thema sei leichter gefallen, so DMAA-Partner Dietmar Feistel, indem man so ein Geriatriezentrum zwar als eine ernste Angelegenheit, schlussendlich aber als doch nichts anderes als ein Wohnraum für einen bestimmten Lebensabschnitt betrachtete.

Zu Anfang der 1950er-Jahre kamen auf 120 Erwerbstätige zwei demente Personen. Hochrechnungen prognostizieren für das Jahr 2050 ein Verhältnis 15 zu eins. Geriatriezentren werden also zu normalen Wohnorten werden müssen. Wie und wo wohnen aber jene Senioren, die von der Demenz verschont bleiben und dank Pharma- und Kosmetikindustrie lange fit und fesch bleiben? Oder die, die in der eigenen Wohnung vereinsamen würden, oder jene, die gar keine eigene Wohnung haben? – Die Ausstellung „Ich wohne, bis ich 100 bin. Red Vienna, Grey Society“, die das Architekturzentrum Wien in Kürze eröffnet, transferiert die Erkenntnisse einer Studie des Wohnforums der ETH Zürich über die Wohnbedürfnisse der Alten in eine Inszenierung zum Mitmachen und Nachdenken.

Das Team Arquitectos (Heidi Pretterhofer, Dieter Spath) ergänzen die aus Zürich übernommene Schau und geben einen kurzen Überblick über die Entwicklung vom Siechenhaus zur Geriatrie mit Wohnambiente und zeigen ausgewählte aktuelle und geplante Beispiele vom Wohnheim für obdachlose Senioren über Mehrgenerationen-Wohnprojekte bis zu Pflegeheimen und Geriatriezentren. In Form von Piktogrammenliefern sie zu den vorgestellten Bauten schnellverständliche Zusatzinformationen, wie jene,dass der Pflegeheimbewohner in den meistenFällen weiblich ist. Ob dies so ist, weil zwar die Frauen ihre Männer pflegen, bis sie selber zum Pflegefall werden? Und umgekehrt? Diese Frage drängt sich auf. Auch die, ob man statt der vielen Themenwohnungen für Alte und Junge, Singles und Familien, Urbanisten und Insulaner nicht einfach dafür sorgen könnte, dass alle geförderten Wohnbauten so angelegt sind, dass sie unterschiedlichen Lebensstilen und -stadien gerecht werden. Den kühlen Einlagerungsraum neben der Wohnungstür, wo die gebrechliche Oma mühelos den vom Zustelldienst gelieferten Kartoffelsack einlagern kann, könnten alle anderen auch gut gebrauchen. Und wer wäre nicht froh, wenn sie beim Austritt auf ihre Loggia die Stolpergefahr gebannt wäre. Bitte mehr altengerechte Wohnungen, auch die Jungen werden dankbar sein!

12. Juni 2009 Spectrum

Form, Freiheit und etwas Farbe

Weder heimelig noch kuschelig,sondern flexibel, urban und weltgewandt: Das neue Wohnheim für Studierende in Innsbruck erinnert an die Sechzigerjahre, ohne mit der Retro-Mode zu flirten.

Was hat ein Wohnheim für Studierende heute zu leisten, was kann es leisten? Das 1969 in Betrieb gegangene Studentenheim der katholischen Kirche in der Innsbrucker Santifallerstraße – ein architektonisch bemerkenswertes Gebäude von Horst Parson – musste vor einigen Jahren geschlossen und schließlich abgetragen werden, um einem Neubau Platz zu machen. Zu groß wäre der Sanierungsaufwand gewesen, und zu unterschiedlich sind die Anforderungen, die heute an ein Studentenheim gestellt werden. Knappe neun Quadratmeter betrug die Grundfläche eines Einzelzimmers, 17 hatten die Doppelzimmer, Bäder und Toiletten waren am Gang, dafür war das Gebäude großzügig mit Gemeinschaftsflächen ausgestattet.

Die Zimmer im neuen Wohnheim sind rund 20 Quadratmeter groß und verfügen – wie könnte es heute anders sein – über Bad, WC und Balkon. Architekt Johannes Wiesflecker hat sich dennoch nicht nur Gedanken über den Komfort der Studierenden gemacht, sondern auch über deren Sozialisierung. Das Studieren hat sich verändert und damit auch das Wohnen. Gelernt wird vor allem individuell, im Internet, weniger im Austausch mit der Kollegenschaft. Darauf nimmt Wiesfleckers Konzept Rücksicht, verzichtet aber nicht auf die Ausbildung großzügiger Gemeinschaftsräume und liefert vor allem in der architektonischen Attitüde ein Gegenkonzept zum konservativ anmutenden Wie-daheim-Flair manch anderer neuerer Studentenheime. Wollen sie es kuschelig, müssen die Bewohner selber dafür sorgen. Die Architektur des Bischof-Paulus-Heimes gewährt ihnen einen Rahmen, in dem sich viel mehr ausleben lässt als der Rückzug in die erste eigene Häuslichkeit.

In Hochschulseelsorger Monsignore Bernhard Hippler hat Wiesflecker einen guten Bauherren gefunden. Seinem Einsatz ist es erstens zu verdanken, dass anstelle des alten Heimes kein renditeträchtigerer Wohnbau entstanden ist. In ihm hat darüber hinaus der Architekt einen intellektuellen Ansprechpartner gefunden, der auch bei Anfeindungen stets hinter dem Projekt gestanden ist.

Wiesflecker (Jahrgang 1961), der seit 15 Jahren sein eigenes Architekturbüro in Innsbruck betreibt und zu den profiliertesten Architekten der zurzeit aktiven mittleren Generation zählt, verbirgt seine Sympathien für die Sechzigerjahre nicht. Dabei zählt er ganz und gar nicht zu jenen Architekten, die eine spezifische Handschrift kultivieren, und um einer kurzen Retro-Mode zu erliegen, dafür scheint der geerdet wirkende Wiesflecker nicht anfällig zu sein. In gewisser Weise erweist der Neubau dem vom revolutionären Aufbruchsgeist der Entstehungszeit getragenen Vorgängerbau seine Reverenz, es wird aber auch die Auseinandersetzung mit großen Kollegen wie Herman Hertzberger und Louis Kahn spürbar.

„Was wir entwerfen, muss ein Angebot sein, das immer wieder bestimmte Reaktionen als Antwort auf bestimmte Situationen hervorzurufen vermag, es darf also nicht einfach neutral und flexibel – und folglich ungeeignet – sein, sondern muss jene breitere Leistungsfähigkeit besitzen, die wir als polyvalent bezeichnen“, so Hertzberger, dessen Studentenheim in der Amsterdamer Weesperstraat – eines seiner frühen Werke – ungefähr so alt ist wie Wiesflecker.

Städtebaulich trägt der Komplex des nach Bischof Paulus Rusch benannten Innsbrucker Heimes der Lage zwischen der Uferzone des Inns und dem Stadtquartier Rechnung. Er reagiert aber auf den Kubus der nebenan liegenden, im Jahr 1972 eingeweihten Kirche Petrus Canisius, ebenfalls von Horst Parson.

In fein choreografierten Sequenzen erfolgt der Übergang vom übergeordneten Organismus der Universitätsstadt Innsbruck in ihre kleinste Einheit, das Heimzimmer. Eine Platzmulde schafft Distanz zur Straße, die verglaste Halle wirkt einladend. Ein auffallend schickes Sitzmöbel aus Sichtbeton mit kardinalrot gepolsterten Sitzflächen erweist sich als Zusatznutzung eines Lichtkamins für die darunter liegende Tiefgarage und ist eine formale Anspielung auf Mobiliar im Stil der 1960er und 70er.

Die zwei Baukörper, die sich über der vom Straßenniveau abgesenkten, transparenten Foyerzone erheben, sind unterschiedlich ausgebildet. An den fünf Obergeschoßen des sechsgeschoßigen Sichtbetonkubus bilden sich sowohl an der Straßenfassade als auch an der dem Fluss zugewandten Seite in einem Wechselspiel aus hölzernen und verglasten Flächen die Zimmer ab. Ton in Ton sorgen orangefarbene Vorhänge für Sichtschutz und leichte Bewegung im Raster.

Sein um ein Geschoß niedrigerer Nachbar hat, dem Grundstücksverlauf folgend, einen trapezförmigen Grundriss, Stiegenhaus und Allgemeinbereiche liegen an der Straßenseite und bilden sich ebendort in Form einer expressiven Collage aus Glas und Metall ab.

Die Zimmer liegen entlang eines großzügigen Allgemeinbereiches, dessen Herz eine werkbankähnliche Küchenzeile bildet. Diese Zonen sind nur spärlich möbliert. Die Tische in den Zimmern sind so gestaltet, dass sie einfach zu tragen sind und daher leicht zum Beispiel zur Bildung einer größeren Tafel hinausgetragen werden können. Generell ließ das architektonische Konzept in den weiten Allgemeinflächen viel Raum zur Aneignung. Die Studenten nutzen dies. Möbel vom Flohmarkt oder dem elterlichen Dachboden bilden eine weiche, temporäre, veränderbare Schicht. Sie wirkt improvisiert, und die meisten der Möbel sind nicht dazu geeignet, designaffine Geister zu befriedigen, aber das Gebäude erträgt diese Attacken wider den guten Wohngeschmack mit Leichtigkeit. Es bildet einen kräftigen Rahmen, der seine jungen Bewohner und Bewohnerinnen herausfordert, der ihnen einen Gegenentwurf zur ländlichen Behütetheit bietet. Möglichst urban wollte Wiesflecker sein Gebäude anlegen, das ist ihm gelungen, auch im Sinne einer gewissen weltgewandten Ausstrahlung, die dem Haus zu eigen ist.

Ohne die puren Materialien – der Sichtbeton wurde auch innerhalb der Zimmer nicht kaschiert – käme dieses Flair nicht zustande. Sie helfen bei der Konzentration auf das Wesentliche, sind längerfristig immun gegen Moden. Neutral ist hier nichts, das Gebäude ist ein Statement und verlangt Nutzern und Rezipienten Stellungnahme ab. Die Leistungsfähigkeit im Sinne Hertzbergers scheint aus heutiger Sicht gegeben. Sogar die Tiefgarage, so Wiesflecker, habe er so konzipiert, dass sie als Veranstaltungshalle verwendet werden kann.

25. April 2009 Spectrum

Dem Kind gerecht, nicht kindlich

Viel Husch und Pfusch beim Bau von Kindergärten, doch hin und wieder ein Lichtblick. Zum Beispiel in Rohrendorf bei Krems: ein Bau mit ungekünstelten Materialien und Raum zum In-den-Himmel-Schauen.

Am Nachmittag gehe sie gern in den neuen Trakt des Kindergartens, um einen Kaffee zu trinken und die Stimmung zu genießen, erzählt Karin Zorn, Leiterin des Kindergartens in Rohrendorf bei Krems mit sichtlichem Stolz auf die Räumlichkeiten. Zu verdanken hat sie diese der Architektin Gabu Heindl, die sich mit ihrem Beitrag in einem geladenen Wettbewerb gegen die Lokalmatadore durchsetzen konnte. Mit puren, ungekünstelten Materialien schuf sie ein Umfeld, das die Bedürfnisse der kleinen Nutzer und ihrer Betreuerinnen perfekt erfüllt, auch wenn die Formensprache auf den ersten Blick nichts Kindliches hat. Kindgerecht ist er dennoch – und wie. Heindl hat großen Wert darauf gelegt, den größten Standortvorteil, den Garten, so zu berücksichtigen, dass er das ganze Jahr über erlebbar ist.

Die neuen Gruppen wurden mittels eines neuen Zugangs im Bauwich zwischen Bestand und benachbarter Feuerwehr angedockt. Dem leicht abfallenden Gelände folgend, leitet ein langer, sich verjüngender Gang als Promenade mit Sogwirkung ins Innere, der auch als Abstandhalter zwischen den „privaten“ Gruppenräumen und dem „öffentlichen“ Foyer wirksam wird. Kein Anstrich, keine Farbe, keine formalen Spielereien treten in Konkurrenz zu den naturgemäß omnipräsenten Spielsachen und Basteleien. Die gestalterische Energie floss vor allem in das Bemühen, sinnliche Erlebnisse zu stimulieren und dem Kindergartenalltag eine robuste Struktur zur Verfügung zu stellen.

Besonders die zum Garten hin orientierten Wände der Gruppenräume haben es in sich. Tiefe Fensternischen stehen als Rückzugsorte zum Basteln und Träumen oder als Mini-Bühnen zur Verfügung. Zusätzliches Licht kommt von oben, einerseits durch die Oberlichten der Scheddächer über den Gruppenräumen, andererseits durch „Lichtkamine“ in den Nebenräumen, die dadurch zu beliebten kontemplativen Räumen zum In-den-Himmel-Schauen wurden.

Die das Gebäude säumende Holzterrasse stellt auch bei matschigem Gartenboden eine brauchbare Aktionsfläche im Freien bereit, und in die Fassade integrierte Abstellräume schlucken alle Gerätschaften, die zum Spielen im Garten benötigt werden. Die Kinder nehmen das Angebot, das auf unaufdringliche Weise da ist, mit großer Selbstverständlichkeit an.

Auch Kindergarteninspektorin Martha Denk ist erfreut über den Zubau und zeigt ihn gerne her. Oft beobachte sie, dass die Sichtweisen der Kinderpädagoginnen und jene der Architekten nicht in Einklang stehen und mehr Vertrauen der einen in die fachliche Kompetenz der anderen wünschenswert wäre. In Rohrendorf hingegen sei das Zusammenspiel zwischen den Akteuren von hohem gegenseitigem Respekt getragen gewesen.

Fast 600 Kindergartengruppen sollen laut Auskunft der Abteilung Kindergarten der Landesregierung bis zum Jahr 2010 in Niederösterreich errichtet werden. 180 Millionen Euro werden investiert, um flächendeckend den Raumbedarf für die Betreuung von Kindern ab zweieinhalb Jahren zu decken. Meist handelt es sich um Zubauten und Adaptierungen, aber auch rund 60 Neubauten werden errichtet. Ob sich die 1000 zusätzlich angeworbenen Betreuerinnen auf ihren neuen Arbeitsplätzen so wohlfühlen werden wie Frau Zorn, ist hingegen nicht garantiert.

Denn obwohl das Land im Rahmen der Kindergartenoffensive tüchtig fördert – zwei Drittel statt des üblichen einen Drittels der Baukosten werden übernommen –, erweisen sich die Gemeinden als knickrige Auftraggeber. Architekten erzählen von geladenen Wettbewerben, bei denen den Teilnehmern für die Ablieferung aufwendiger Beiträge keine oder lächerlich geringe Entschädigungen angeboten werden. In Jurygremien fehlen oft die Fachpreisrichter, und transparente Dokumentationen der Entscheidungsfindungen sind ohnehin rar. Es kommt auch vor, dass zwecks Planerfindung mittels einseitiger „Ausschreibung“ bei einem halben Dutzend Architekten und Baumeistern die Honorarvorstellungen abgefragt werden und dann kurzum der Billigste beauftragt wird. Öffentlich anprangern wollen die meisten Architekten diese Gepflogenheiten nicht, denn für viele kleine und junge Büros sind diese Aufträge aus den Gemeinden die einzige Möglichkeit, zu Referenzprojekten zu kommen. Diese erhöhen wiederum die Chance, zu Wettbewerben für größere öffentliche Projekte geladen zu werden. Sie sehen sich also gezwungen, auch zu nicht kostendeckenden Bedingungen zu arbeiten.

Das Auskommen der Planer soll nicht unsere Sorge sein. Ihre Misere haben sie sich durch die Bereitschaft zu Honorardumping und fehlende Solidarität untereinander im Wesentlichen selbst zuzuschreiben. Es kann auch nicht erwartet werden, dass in Orten, in denen bis dato die Bau- und Vergabekultur aufgrund schlichter Unbedarftheit der Entscheidungsträger kein Thema war, die Kindergartenoffensive zu baukünstlerischenMeilensteinen führen wird. Und es ist umgekehrt auch nicht immer so, dass mangelhaft vorbereitete Wettbewerbe oder Direktbeauftragungen zwangsläufig zu schlechten Resultaten führen. Die interessanteren und zweifellos besseren Ergebnisse gibt es aber bestimmt in jenen wenigen Gemeinden, die ordentlich vorbereitete Verfahren abhalten, zu denen sie der Aufgabe gewachsene Planer einladen. Zumindest sollte man verlangen dürfen, dass öffentliche Gelder für gute Gebäude, die tatsächlich die vollmundig angekündigten Qualitätsverbesserungen erfüllen, eingesetzt werden und nicht zur Förderung der Freunderlwirtschaft. Klar, es ist Eile geboten, und die Gemeinden wollen sich nicht mit umständlichen Verfahren aufhalten. Damit sind aber keine unsauberen Vergabepraktiken und schnell hingepfuschte Bauten zu entschuldigen.

Gabu Heindl wurde dank des gelungenen Zubaus zur Teilnahme an weiteren Wettbewerben gebeten. Eigentlich ein schöner Erfolg für die international tätige Architektin und Theoretikerin, deren Architekturbüro gerade in Schwung kommt. Der eine oder andere Folgeauftrag aus Niederösterreich hätte gut in das Konzept gepasst. Dennoch hat sie zwei Einladungen ausgeschlagen. Nicht ohne sich vorher einerseits gründlich zu überlegen, ob sie sich damit nicht die Aussicht auf weitere Aufträge schon am Beginn verbaue und ob sich die Gemeinden, die sich immerhin dazu durchringen, an eine ihnen noch unbekannte Architektin heranzutreten, vor den Kopf gestoßen fühlen könnten. Ein gewisser Stolz, das Wissen um den Wert der eigenen Arbeit und kollegiale Solidarität haben schließlich gesiegt. Warten wir also ab, wie schädlich es ist, ein starkes Rückgrat zu haben.

Publikationen

2021

Architektur in Niederösterreich 2010–2020
Band 4

Der vierte Band der erfolgreichen Reihe Architektur in Nieder­österreich dokumentiert das Baugeschehen in diesem Bundes­land zwischen 2010 und 2020. Hundert mittels Text, Bild- und Planmaterial beschriebene Projekte legen Zeugnis ab von der Vielfalt und der Qualität ausgewählter Beispiele in sieben Ka­tegorien.
Hrsg: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
Autor: Franziska Leeb, Eva Guttmann, Isabella Marboe, Gabriele Kaiser, Christina Nägele
Verlag: Park Books

2019

querkraft – livin‘ architecture / Architektur leben lustvoll querdenken

Menschen Raum zu geben, Bühnen für das Leben in all seinen Facetten zu schaffen, querzudenken und den Mut zu haben, von eingetretenen Pfaden abzuweichen und nicht alles bierernst zu nehmen – so könnte man die Arbeitsweise von querkraft in kürzester Form zusammenfassen. Zum 20-jährigen Bestehen des Wiener
Hrsg: Franziska Leeb, Gabriele Lenz
Verlag: Birkhäuser Verlag

2013

Walter Zschokke. Texte
Gesammelte Texte des Architekten und bedeutenden Architekturpublizisten und Kurators Walter Zschokke (1948–2009)

Der Aargauer Architekt Walter Zschokke (1948–2009) hat über drei Jahrzehnte das Architekturschaffen und baukulturelle Geschehen in seinen beiden Heimaten, Österreich und Schweiz, beobachtet, kommentiert und analysiert. Der vorliegende Band ist die erste Sammlung seiner pointierten, ungebrochen aktuellen
Hrsg: Franziska Leeb, Gabriele Lenz, Claudia Mazanek, ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich, ZV der Architekt:innen Österreichs
Verlag: Park Books

2011

ORTE. Architektur in Niederösterreich III. 2002 – 2010

Die von Walter Zschokke initiierte und von ORTE herausgegebene Publikationsreihe setzt mit Band 3 die Bestandsaufnahme qualitätsvoller Architektur in Niederösterreich fort. Das Autorinnenteam – Eva Guttmann, Gabriele Kaiser und Franziska Leeb – hat aus einer Fülle an Bauwerken eine exemplarische Auswahl
Hrsg: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
Autor: Franziska Leeb, Eva Guttmann, Gabriele Kaiser
Verlag: SpringerWienNewYork

2009

Wohnen pflegen leben
Neue Wiener Wohn- und Pflegehäuser

Die Publikation liefert einen umfassenden Diskussionsbeitrag darüber, was zeitgemäße Raum- und Funktionsprogramme von Pflegeeinrichtungen leisten sollen und können und stellt dar, was Geriatrieplanung heute bedeutet und wie sich eine Kommune den Herausforderungen, die eine alternde Gesellschaft mit sich
Autor: Franziska Leeb
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH