nextroom.at

Profil

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Innsbruck
1996 – 2003 freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung Der Standard
1998 – 2001 Chefredakteurin des Fachmagazins architektur
2003 – 2006 Geschäftsführerin von ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
seit 2006 freie Mitarbeiterin Spectrum/Die Presse
seit 2012 freie Mitarbeiterin bei architektur.aktuell
2015 – 2016 Chefredakteurin von KONstruktiv
seit 2019 Vorsitzende von ORTE Architektur Netzwerk Niederösterreich
arbeitet als freie Architekturpublizistin in Wien

Lehrtätigkeit

2003 – 2012 Abteilung für Wohnbau und Entwerfen am Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien

Mitgliedschaften

Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs
ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich

Publikationen

Ordnung und Öffnung, in: Das österreichische Parlamentsgebäude - Facetten einer Erneuerung, Hrsg. Republik Österreich/Parlamentsdirektion, Park Books, Zürich 2023
ORTE – Architektur in Niederösterreich 2010-2020, Park Books, Zürich 2021 (mit Eva Guttmann und Gabriele Kaiser)
querkraft - livin' architektur/architektur leben, Birkhäuser Basel, 2019 (hrsg. mit Gabriele Lenz)
Architektur von Dietrich|Untertrifaller, Birkhäuser Basel, 2017 (hrsg. mit Gabriele Lenz)
Generationen Wohnen. Neue Konzepte für Architektur und soziale Interaktion | Alter(n)sgerechtes Planen und Bauen, Edition Detail, München 2015 (mit Christiane Feuerstein)
Walter Zschokke.Texte, Park Books, Zürich 2013 (hrsg. mit Gabriele Lenz und Claudia Mazanek)
ORTE – Architektur in Niederösterreich 2002-2010, Springer, Wien 2010 (mit Eva Guttmann und Gabriele Kaiser)
Wohnen, pflegen, leben – Neue Wiener Wohn- und Pflegehäuser, Bohmann Verlag, Wien 2009

Artikel

3. Juni 2006 Spectrum

Zu Fuß, per Bus, im Floß

Der Mega-Event, flächendeckend, das ganze Land zwei Tage lang im Zeichen der Architektur: Architekturtage 2006. Wer braucht sie? Was bringen sie?

Performances und Filme, Touren zu Fuß, per Bus oder mit dem Floß, Workshops und Diskussio nen, offene Ateliers und Besuche an „geheimen Orten“ locken am 9. und 10. Juni das Architektur-affine Publikum. Bereits zum dritten Mal findet die größte Architekturveranstaltung Österreichs statt, die man getrost einen „Mega-Event“ nennen kann. Zwei Tage lang steht das ganze Land im Zeichen der Architektur. Alle regionalen Architekturhäuser tragen die von der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten und der Architekturstiftung Österreich gestartete Initiative mit und zeichnen für die Programme in den Bundesländern verantwortlich.

Wer braucht die Architekturtage? Architektur ist in den Medien schließlich präsent wie nie zuvor. Kaum eine Tageszeitung oder Wochenpostille, die nicht regelmäßige Sonderstrecken über bemerkenswerte Werke der Baukunst und ihre Schöpfer und Schöpferinnen zeigt. Für TV-Werbespots scheuen sich selbst konservative Firmen nicht mehr davor, zeitgemäße Baukunst als Handlungsort zu wählen. Banken loben Architekturpreise aus, Flachdächer sind nicht mehr automatisch Grund zur Erregung. Die Medienwelt suggeriert, gute Gestaltung sei Teil des gesellschaftlichen Konsens und modernes Bauen eine Selbstverständlichkeit. Im richtigen Leben schaut es anders aus. Egal, ob man sich durch Fußgängerzonen oder krebsgeschwürartig wuchernde Gewerbegebiete bewegt, schon auf lärmschutzwandbegrenzten Autobahnen oder erst in den Raststationen Magenkrämpfe bekommt: Die Scheußlichkeiten sind in der Mehrzahl.

Um qualitätsbewusste Bauherren heranzuziehen, braucht es mehr als bunte Berichterstattung. Zwar stünde die Architektur auf dem Lehrplan für bildnerische Erziehung, wie sie diese aber an ihre Schüler vermitteln sollen, überfordert die meisten Lehrer. Es sind vor allem die Architekturhäuser, die als einzige unabhängige Institutionen auf hohem, aber verständlichem Niveau jene Bildungslücken zu stopfen versuchen, wo die Schulen versagen und sogenannte Bauberatungen diverser Behörden unzulänglich sind. Es geht nicht darum, aus Kindern kleine Architekten zu machen, und ein Haus wird nicht besser, wenn aus einem fünfeckigen Erker ein viereckiger wird. Es geht darum, die Menschen als kritische und mündige Nutzer des öffentlichen und privaten Raumes zu sensibilisieren.

„Bei den Architekturtagen kann man ohne Zugangsschwellen am eigenen Leib erfahren, wie qualitätsvolle Architektur auch im Alltag das Leben bereichern kann“, so Barbara Feller, Geschäftsführerin der Architekturstiftung. Genau diese Alltagsbauten stehen im Fokus des Programms, das vom Haus der Architektur Graz zusammengestellt wurde: Fünf Ausflüge führen zum „Außergewöhnlichen im Gewöhnlichen“. Luxusvillen und Repräsentationsbauten kommen dabei nicht vor. Workshops und Exkursionen für Kinder und Jugendliche sollen das Bewusstsein für architektonische Themen schärfen.

Weiter südlich konzentriert man sich auf die Präsentation des Kärntner Architekturführers. Der Autor Otto Kapfinger führt persönlich durch Klagenfurt und Oberkärnten. Ein Workshop zur Tourismusarchitektur in Velden, eine Architekturfahrt mit Preisrätsel in und um Völkermarkt und eine Entdeckungsreise für Schüler in Wolfsberg laden zur Auseinandersetzung mit der eigenen Region ein.

An „Infopoints für Architektur“ können in Innsbruck und Lienz potenzielle Bauherren Kontakte zu Architekten und Architektinnen knüpfen. Eine Floßfahrt auf dem Inn eröffnet ebenso neue Stadtperspektiven wie ein Spaziergang zu vergessenen Bauten in der Innsbrucker Innenstadt. Im Tiroler Architekturhaus aut dürfen Kinder Raumexperimente anstellen, und das Leokino gibt mit Jacques Tatis „Playtime“ - einer wundervolle Satire auf die moderne Stadt - Anlass zum Lachen und Nachdenken.

In Vorarlberg, wo die Pflege der Baukultur Tradition hat, wird das Architekturerlebnis mit Performances gesteigert: Alphörner auf dem Dach des Grenzüberganges Tisis/ Schan (aix architects) oder Theater bei der Frödischbrücke (Architekten Marte.Marte) sind nur zwei der Stationen auf einer Reise durch Raum und Sinne. Das zukünftige Haus des Vorarlberger Architekturinstituts, die Alte Naturschau in Dornbirn, wird zu den Architekturtagen bereits vorab von Architekten und Künstlern bespielt.

Auch in Salzburg sucht die Architektur den Dialog mit anderen Künsten. Die „Liturgie vom Bauen“, die der Künstler Otto Beck und Architekt Max Rieder gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen des Akademischen Gymnasiums erarbeitet haben, leitet die Architekturtage ein. Mehrere Führungen wenden sich an das an historischen und urbanistischen Zusammenhängen interessierte Publikum und beim „Interaktiven Familienprogramm“ dürfen auch die Jüngsten mitmachen. Und wer die Hauptstadt schon kennt, fährt nach Hallein und Saalfelden.

Mit Touren und Veranstaltungen im ganzen Bundesland sowie einem Architekturhappening in Steyr und dem Architekturfrühling in Haslach an der Mühl wartet das vielfältige Programm in Oberösterreich auf. Zum Ausspannen lädt das Architekturforum in seine Räumlichkeiten, wo sich „ArchitektInnen zum Anfassen“ auf ein interessiertes Publikum freuen.

Topografisch breit gestreut ist auch das Programm, das Niederösterreichs Architekturnetzwerk ORTE zusammengestellt hat: Das Waldviertel, St. Pölten und Schwechat werden bereist, in Krems wird gefeiert. Ein besonderes Schmankerl ist die Architekturfilmnacht im Autokino Großenzersdorf, das heute das einzige seiner Art in Österreich ist. In Waidhofen/Ybbs leitet Architekt Ernst Beneder einen Rundgang zu eigenen und anderen Projekten. Das junge Publikum erlebt die Stadt bei einer speziell konzipierten Führung und schafft mit einem Architekturbaukasten selbst Räume.

Der Architekturraum Burgenland lädt Kinder ein, selbst Architekt zu spielen und führt eine Exkursion zu aktuellen Bauten und geheimen Orten im Mittelburgenland und Ungarn.

Die Österreichische Gesellschaft für Architektur und das Architekturzentrum Wien (AzW) steuern gemeinsam mit dem Slowakischen Architektenverein das dickste Programmheft bei. Grätzelweise werden Touren zu neuen Bauten und Architekturateliers angeboten. In der Partnerstadt Pressburg gibt es Gelegenheit, das aktuelle Bauschaffen der Nachbarn in Augenschein zu nehmen. Das AzW hält die Türen bei freiem Eintritt offen. Zugleich beherbergt es ein Treffen des Europäische Forums für Architekturpolitik, Fachleuten aus 28 Ländern, deren Ziel bessere Rahmenbedingungen für Baukultur ist. Der Auftakt für die Architekturtage wird daher mit dem Architektur.Fest.Europa am 8. Juni ab 19 Uhr ein internationaler sein.

Die hiesige Szene zeigt sich stark wie nie zuvor. Dennoch mangelt es an Wertschätzung und adäquater Förderung durch die öffentliche Hand. Vor der Nationalratswahl 2002 schlossen sich daher die wesentlichen Architekturorganisationen, Standesvertretungen und Architekturhochschulen zur „Plattform für Architektur und Baukultur“ zusammen, um den Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern zu beleben. Auch Letztere hätten zu den Architekturtagen Gelegenheit, sich unters baukulturell bewegte Volk zu mischen und bei einem der Feste locker darüber zu sinnieren, ob sich die Forderung der Plattform nach einem Staatssekretariat für Baukultur nicht ins kommende Wahlprogramm übernehmen ließe.

Die Architekturtage finden am 9. und 10. Juni statt. Nähere Informationen unter www.architekturtage.at

13. Mai 2006 Spectrum

Warten, worauf?

Wie plant man eine alte Stadt neu? Man nehme: drei Stararchitekten, Ideen, eine Studie, einen Plan. Was jetzt noch fehlt, ist der Mut zur Entscheidung. Über den Versuch, die Eisenstadt Steyr zu beleben.

Groß war die Euphorie der Stadtväter, als in der Eisenstadt Steyr im Juli 2003 die Ergebnisse einer städtebaulichen Studie der besonderen Art präsentiert wurden. Mit Günther Domenig, Zaha Hadid und Luigi Snozzi waren drei Baukünstler von Rang geladen gewesen, um Gestaltungsvorschläge für das Areal um den Brückenkopf am Schiffmeisterplatz zu erarbeiten. Auslöser war das Umbaubegehren eines Sportartikelhändlers, der sein Stammhaus erweitern wollte. Der Gestaltungsbeirat pochte auf eine der Qualität des Stadtzentrums adäquate Lösung und nahm das Projekt zum Anlass, das städtebaulich problematische Umfeld an einer Schlüsselstelle der Stadt von Grund auf zu behandeln. „Weltklassearchitekten“ wollte man bemühen, und die drei angesprochenen Stars ließen sich nicht lange bitten. Sieger ging aus dem Verfahren keiner hervor. Der Gestaltungsbeirat empfahl der Stadt vielmehr, von jedem das Beste zu nehmen. Snozzi solle mit der Bearbeitung der Uferterrassen und einer Aufstiegshilfe zur Ennsleite beauftragt werden, Hadid eine Machbarkeitsstudie für ein als notwendig erachtetes Hotel erstellen, und Domenig wurde den Sporthausbetreibern als Architekt nahe gelegt.

Drei Jahre später ist von all dem nichts passiert. Das Zentrum und sein als Ensemble einzigartiger Stadtplatz leiden nach wie vor unter Verkehrsüberlastung, und immer häufiger stehen Ladenlokale leer. Sowohl zu Fuß als auch motorisiert ist die Anbindung des Altstadtkerns an die umliegenden Stadtteile, topografisch bedingt, nicht ganz einfach zu bewerkstelligen.

Dennoch ist seit dem Auftritt der drei Architekturkoryphäen etwas geschehen. In einem Bürgerbeteiligungs-Verfahren wurden Stärken und Schwächen des Stadtplatzes analysiert. Zur Erstellung eines städtebaulichen Leitbildes holte man sich Architekt Ernst Beneder. Dieser ist als ehemaliges Mitglied des Steyrer Gestaltungsbeirats mit der Stadt vertraut und seit seinem Stadtprojekt für Waidhofen an der Ybbs (1992 bis 2001) im Umgang mit historischen Stadtkernen und dabei auftretenden Interessenkonflikten geübt.

Beneder behandelte nicht nur den Platz an sich, sondern prüfte auch die übergeordneten stadträumlichen Bezüge. Sein „SteyrPlan“ geht vom Widerspruch zwischen der Einmaligkeit des Ortes und der unbewältigten Verkehrsproblematik, die diesen Lebensraum für viele Bewohner so schwer erfahrbar macht, aus. Steyr beeindrucke über die szenische Bildhaftigkeit der historischen Substanz hinaus als glaubwürdiger Lebensraum, ist Beneder überzeugt. Die Durchdringung von Stadt- und Naturraum, Arbeitswelt und Freizeit habe sensationelle, selten anzutreffende Qualitäten. Trotz einer Entfernung von nur 500 Meter Luftlinie sind aber für außerhalb der Altstadt lebende Bewohner die Einkaufszentren an der Peripherie leichter erreichbar als die Innenstadt.

Beneder zog also in seinen planerischen Überlegungen einen Kreis von 500 Metern Radius um das Zentrum und veranschaulicht damit, innerhalb welch kurzer Distanzen wesentliche Elemente der Stadt situiert sind. Um den Weg zur Altstadt nicht als unattraktiven Zwischenraum und verlorene Zeit zu erleben, schlägt er vor, die Verbindungswege als „Qualitätskorridore“ auszubilden. Unwegsamkeiten sollen entschärft werden, zum Beispiel mittels Aufstiegshilfen. Zudem könnte die überfällige Neuplanung des zentrumsnahen Bahnhofsareals Hand in Hand mit der Schaffung von neuen Wohnungen gehen, was Beneder generell als wichtigen Frequenzbringer zur Belebung der Innenstadt sieht. Im Klartext: Der motorisierte Individualverkehr sinkt, und die Belebung steigt, je mehr Menschen fußläufig bequem die Altstadt erreichen können.

Fokus des Plans ist der Stadtplatz. Seine Enden sind Nadelöhre und nicht für exzessiven Verkehr ausgelegt. Beneders Konzept zielt darauf ab, den Charakter eines freien Platzes wiederherzustellen. Außerhalb gelegene Parkplätze sollen fußgängerfreundlich angeschlossen, Parkmöglichkeiten auf dem Platz auf ein Minimum reduziert, und der öffentliche Verkehr soll mit einem kleinen Shuttlebus anstatt des behäbigen Linienbusses optimiert werden. Infrastruktureinbauten für den Markt und eine mobile Bühnentechnik vor dem Rathaus rüsten den Platz für Veranstaltungen. Die Aufstellung der Marktstände soll, an den beiden Engstellen beginnend, ins Platzzentrum leiten. Kurzum, der Platz soll als Aktivitätsfeld wiedergewonnen werden. Klar, dass damit weniger Platz für die Autos ist.

Dass etwas geschehen muss, scheint allen bewusst zu sein. Bürgermeister David Forstenlechner hebt zwar den breiten politischen Konsens für den SteyrPlan hervor und betont, dass alle zukünftigen Planungen und Baumaßnahmen auf Basis dieses Leitprojekts entstehen sollen. Ernsthaft in Angriff genommen oder beschlossen wurde einstweilen noch nichts. Noch scheint der Leidensdruck zu gering zu sein. Der Stadt geht es gut, sie bietet Lebensqualität, und es scheint, als würde man auf Großinvestoren warten, um, ausgehend von einem einzelnen Projekt, das Umfeld zu verbessern. Politisch heikel sind natürlich auch jene Bürgerstimmen, die sich vehement gegen einen „autofreien Stadtplatz“ wehren, da Frequenz- verluste für die ansässigen Geschäftsleute befürchtet werden. Beneder indes bezweifelt, dass die bereits jetzt schon raren Parkplätze tatsächlich zur Belebung beitragen.

Während Beneder den öffentlichen Raum im Zusammenhang betrachtet, erarbeitet Architekt Hermann Proyer seit drei Jahren gemeinsam mit Fachleuten und der Hausbesitzerin ein von der EU-gefördertes Konzept für einen internen Markt. Das Haus Grünmarkt 17, vordem als Modehaus genutzt, verfügt über rund 600 Quadratmeter Geschäftsfläche. Hier soll, so der Wunsch der Initiatoren, ein großer Umschlagplatz für biologische Waren aller Art - bespielt von Produzenten aus der Region - entstehen und ebenfalls als Attraktor für den Stadtplatz wirken.

Domenig, Hadid und Snozzi bewiesen, dass Gegenwartsarchitektur auf hohem Niveau durchaus mit einem historischen Stadtgefüge kompatibel ist. Auch die jetzt als so harmonisch empfundene Altstadt ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Bautätigkeit. Beneder lieferte eine brauchbare Analyse der Probleme samt Perspektiven für die Zukunft. Die Vorarbeiten für eine zeitgemäße Aufrüstung sind gemacht. Fehlt nur noch der Mut zur Entscheidung, die Stadt auf hohem Niveau weiterzubauen. Fähige Architekten und Architektinnen wären vorhanden.

25. März 2006 zuschnitt

Grau und schlau

Ein Pilotprojekt zur technischen Vergrauung von Holzoberflächen

In einer ganz normalen Großstadtgegend verbindet der Erdberger Steg den dritten mit dem zweiten Bezirk und schafft zwischen Rotunden- und Stadionbrücke für Fußgänger und Radfahrer eine Verbindung vom Grau der Stadt ins Grün des Praters. Auf der einen Seite dominiert die Nachbarschaft der architektonisch nichtssagende Komplex der Siemens Firmengebäude, am anderen Ufer erstreckt sich zwei Gründerzeitblöcke hinter der Schüttelstraße die Jesuitenwiese. Hier sind weder besonders laute Gesten nötig, noch drängen sich besondere städtebauliche Spezifika als Bezugspunkte auf.

In diesem Umfeld eine angemessene Gestaltungssprache zu finden, ist oft schwieriger, als an neuralgischen Punkten aufsehenerregende Akzente zu setzen. Als wäre er immer schon da gewesen, legt sich der Steg über den Kanal. Nur das mittlere Stützenpaar des in Brettschichtholzkonstruktion ausgeführten W-förmigen Tragwerks ragt in Fahrbahnmitte in die Höhe. Das Lärchenholztragwerk verbindet sich mit den Nebenträgern der Fahrbahnplatte, diversen Abhängungen und Verbindungen, Geländern und Masten aus Stahl sowie Fundamenten und Widerlagern aus Beton zu einer intelligenten Mischbauweise.

Um eine dem städtischen Umfeld entsprechende Wirkung zu erzielen, entschied sich Architekt Johannes Zeininger für ein Farbkonzept, das darauf abzielt, die Brücke möglichst »immateriell« und daher monochrom grau erscheinen zu lassen. Monochromie klingt einfach, erforderte aber doch Überlegungen und einigen Forschungsaufwand, um eine Holzlasur zu finden, die erstens dem Farbton der übrigen eingesetzten Materialien möglichst nahe kommt und zudem die natürliche Vergrauung des Holzes vorwegnimmt.

Günstig traf es sich, dass die Holzforschung Austria zeitgleich am Forschungsprojekt greywood arbeitete, sodass der Erdberger Steg zu einem Pilotprojekt avancierte. Die Holzwerkstoffe erhielten eine hellgraue Dünnschichtlasur, die eine »abkreidende« Eigenschaft hat, d.h. deren Beschichtungsstärke sich bei Bewitterung abbaut. Allmählich wird die Holzoberfläche freigelegt, an der sodann der bekannte Alterungsprozess mit dem Endresultat der typisch silbergrauen Lärchenholzoberfläche beginnen kann. Abgesehen von der ohnedies vorgeschriebenen vorbeugenden Ausrüstung bewitterter Flächen mit chemischem Holzschutz, hat diese mit fein abgestimmten Farbpigmenten versehene Lasur also im Wesentlichen den Sinn, die vor allem im urbanen Gebiet ungeliebte, meist etwas unregelmäßig wüst erscheinende Abwitterung optisch zu kaschieren. Heute, etwas mehr als zwei Jahre nach Fertigstellung scheint die Strategie ganz gut gelungen zu sein.

Auf »zeitgemäße, unsentimentale und professionelle Weise« kam das Holz beim Erdberger Steg zum Einsatz, würdigte die Jury des Wiener Holzbaupreises das Projekt und traf damit die Verdienste der Planer punktgenau. Das »Professionelle« bezieht sich in erster Linie auf die penible Ausführung des konstruktiven Holzschutzes, der bekannterweise das Um und Auf einer dauerhaften Holzkonstruktion ist. Statt einer Verblechung erhielten die konstruktiven Holzteile eine Abdeckung mit wasserfest verleimten, ebenfalls grau lasierten Schichtholzplatten und verblechten Fugen zur Ableitung des Wassers.

Es ist also nicht die theatralische Inszenierung, in die hier die Energie der Planer floss, sondern die sorgfältige ingenieurmäßige und werkstoffgerechte Detaillierung. Somit wurde daraus ein Beispiel dafür, dass es zwischen öder Banalität und Überinszenierung auch einen Mittelweg gibt, der hier mit Know-how, konsequenter Pragmatik und gestalterischer Sensibilität verfolgt wurde.

18. März 2006 Spectrum

Urban, suburban, Europan

Europäische Urbanität war das Thema des achten „Europan“-Wettbewerbs. Mit Projekten wie „Shopping-Schaum“, „Loop“, „Mostropolis“ oder „suburban block“ gingen österreichische Gemeinden ins Rennen. Einige preisgekrönt.

„Das Interesse der Gemeinden, sich an Europan zu beteiligen, war noch nie so groß wie heute“, freut sich Bernd Vlay, Generalsekretär von Europan Österreich. „European urbanity, Strategien und Lösungen für die europäische Stadt“ lautete das Thema der achten Ausgabe der größten europäischen Wettbewerbsinitiative im Bereich Wohn- und Städtebau. Fünf österreichische Gemeinden brachten Gebiete ein, für die es weiterführende Lösungen zu finden galt. 75 Standorte in 19 Ländern waren es insgesamt. Architekten und Architektinnen unter 40 sind teilnahmeberechtigt. Die Sieger stehen nun europaweit fest. Ab 7. April werden die österreichischen und ungarischen Beiträge in der Alten Seifenfabrik in Lauterach präsentiert.

Manchmal gern als Spielwiese für unerfahrene Berufanfänger abgetan, sind die im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgelobten Europan-Wettbewerbe längst zu einem anerkannten Verfahren mit beachtlicher Erfolgsquote geworden. Auch wenn in der Pragmatik des Alltags manch erfrischender Ansatz ordentliche Dämpfer erhält und es oft viele Jahre dauert, bis Projekte umgesetzt werden - was die Intensität der Vorbereitung, die Transparenz der Beurteilung und die Bemühungen um Nachbetreuung und Evaluierung angeht, ist Europan vorbildlich.

Während Österreich bisher meist mit Standorten in den Landeshauptstädten vertreten war, beteiligten sich an „Europan 8“ neben Wien mit Amstetten, Lauterach, Schwechat und Waidhofen/Ybbs vorwiegend kleinere Gemeinden. In Lauterach war eine Restrukturierung gefragt, um einem zersiedelten Gebiet eine Mitte zu geben. Hier wurde zwar kein erster Preis vergeben, das mit einem Ankauf bedachte Projekt von Thomas Kovári aus Zürich und der lobend erwähnte Beitrag von Rene Bechter sollen aber zunächst zumindest im Rahmen einer Bürgerversammlung diskutiert werden.

In Wien-Liesing galt es, ein ehemaliges Industrieareal beiderseits der Bahnstrecke in ein attraktives Wohn- und Mischnutzungsgebiet zu transformieren. Der „suburban block“ von Mirza Mujezinovic aus Trondheim erweist Le Corbusiers Unité - hier allerdings „flach gelegt“ - die Referenz.

Allein drei Standorte liegen in Niederösterreich. Hier stehen zwar im Bundesländervergleich die meisten Gelder für die Wohnbauforschung zur Verfügung, in der Realität spiegelt sich dies bislang nicht wieder. Erst als mit dem Aufstieg von Liese Prokop in die Bundespolitik dem architekturaffinen Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka auch das Wohnbauressort zufiel, begann sich im eingespielten Trott des geförderten Wohnungswesens ein frisches Lüfterl zu regen.

Seit Jänner 2006 muss jeder geförderte Wohnbau von einem Beirat begutachtet werden oder aus einem Wettbewerb hervorgehen. Die Europan-Beteiligungen von Amstetten, Schwechat und Waidhofen an der Ybbs sind eine Chance in Situationen, wo auf regionaler Ebene das kreative Potenzial zur strategischen Weiterentwicklung der Städte fehlt. In Waidhofen an der Ybbs wurden ein Industrieareal und eine große Parkplatzfläche in den Wettbewerb eingebracht. Wolfgang Kölbl siegte mit dem Projekt „Prolog“, das unter anderem die negativen Folgen einer Parkraumbewirtschaftung mittels Tiefgaragen hinterfragt. Für das unvermeidbare Freizeitvergnügen Einkaufen schafft er eine blasenförmige Struktur mit dem Titel „Shopping-Schaum“, und die Wohnfrage handelt er unter kommunikativen und sozialen Aspekten ab. Ebenso einen Preis erhielt das Projekt von Barbara Kolb und Christian Hader. Sie regieren auf die Voralpenlandschaft mit einer vertikalen Bebauung, die das Thema Schlucht in Architektur überträgt. Von beiden Preisträgern erhofft sich die Stadt neue Impulse und will mit ihnen weiterarbeiten.

Zu Amstetten gaben Julia Wiger, Sonia Leimer und Christina Linortner einen kritischen Kommentar zur Vermarktung des ländlichen Raumes ab. In „Mostropolis, die ungeheure Stadt“ dominiert ein riesiger Vierkanter, der Truckertreff, Raststätte und Buschenschank vereint. Pragmatischer näherte sich der Aufgabe einer Entwicklung zwischen zwei bestehenden Siedlungsgebieten die mit dem ersten Preis bedachte Spanierin María Belén Serrats Arsuaga, die Gewerbe- und Wohnzonen mittels abgesenkter Freiflächen trennt. Auch hier gibt es ernsthafte Absichten, das Projekt weiterzuverfolgen.

Innerstädtische Verdichtung auf dem aufgelassenen Brauerei-Areal war das Thema in Schwechat. Florian Haydn gewann mit einem spektakulären „Loop“, einer mehrgeschoßigen Großform mit Dachstraße, die einen vielseitig bespielbaren Innenhof umspannt. Relikte der Brauerei wie Feierhalle, Sudhaus oder Schlot bleiben als Kultur- und Freizeiteinrichtungen erhalten. Die Jury teilt die Bedenken der Stadt hinsichtlich der Möglichkeit einer etappenweisen Realisierung nicht und stellt mit diesem Projekt einen „signifikanten, einzigartigen Magneten“ in Aussicht.

Lisa Schmidt-Colinet und Alexander Schmögner entwickelten für dieses Areal einen extrem dicht wirkenden Teppich aus Patiowohnungen, der nach außen von einem umlaufenden Band mit Geschoßwohnungen gesäumt wird. Der kompakte Hyprid wurde mit einem Ankauf gewürdigt.

Der Weg von der Theorie und vom Wettbewerb zur Realisierung ist meist ein verschlungener. Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Baustadtrat laut überlegte, ob man die Europan-Entwürfe nicht der Einfachheit halber dem einen oder anderen ortsansässigen Architekten zur Weiterbearbeitung überlassen könne. Und oft genug wird ein visionäres Europan-Projekt in den Mühlen des Pragmatismus zu Mittelmaß zermalmt. Um dem vorzubeugen, werden die Kommunen und Stadtentwickler nach der Präsentation der Sieger nicht allein gelassen. Sechs Monate danach trifft man sich, um den Projektfortschritt zu überprüfen, und gibt Hilfestellung beim Verfahren. In der Praxis bedeutet das zudem, dass einzelne Jurymitglieder als Mediatoren und „Implementierungsengel“ (Zitat Vlay) den Gemeinden ebenso zur Seite stehen wie den beteiligten Jungarchitekten.

Wie Bernd Vlay betont, spielen auch die regionalen Architekturinstitutionen eine wichtige Rolle. Sie präsentieren die Wettbewerbsergebnisse vor Ort und liefern regionales Know-how und Plattformen zum Dialog mit Betroffenen und Experten. In Krems („Europan 7“) stimulierte etwa das niederösterreichische Architekturnetzwerk ORTE die Diskussion über Strategien zur Umsetzung der Siegerprojekte. Ohne diese Unterstützung, so Bernd Vlay, wäre das Projekt längst nicht so weit gediehen. Hier kooperiert der Bauträger GEDESAG mit den Preisträgern Florian Sammer und Karoline Streeruwitz, und auch das zweitplatzierte Team, SMAQ aus Rotterdam, soll bei der Erstellung eines Gesamtkonzeptes für den Stadtteil Lerchenfeld involviert bleiben.

Bereits 2002 unternahmen Heidi Pretterhofer und Dieter Spath mit der Studie habitat2000plus den Versuch einer Evaluierung der österreichischen Europan-Wettbewerbe. Die daraus entstandene Publikation „Im Boot“ (edition selene) sei hiermit wieder einmal allen innovationsscheuen Wohnbauakteuren als leicht verständliches, mit vielen guten Ratschlägen gespicktes Manual ans Herz gelegt.

11. Februar 2006 Spectrum

„Eine Stadt aus Brüsten“

Anfangs ein Symbolprojekt der Revolution, dann jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben: Kubas Nationale Kunstschulen werden restauriert. Die Freude darüber ist nicht ungetrübt.

„Sie sind mein innig geliebtes Baby und das wahrscheinlich gelungenste Werk meiner Karriere“, so Ricardo Porro. Die Rede ist von den „Escuelas Nacionales de Arte“, Kubas nationalen Kunstschulen. Fidel Castro beauftrage den jungen Architekten im Jänner 1961 mit der Planung der „schönsten Kunstakademie der Welt“ (Castro). Im Dezember darauf, so sein Wunsch, sollte der Komplex auf dem Gelände des einstigen Nobelgolfvereins „Havana Country Club“ fertig sein. Porro lud seine italienischen Kollegen Roberto Gottardi und Vittorio Garatti ein, am Projekt mitzuwirken. Eröffnet wurden die Schulen im Juli 1965, fertig gestellt waren allerdings bloß die beiden Schulen von Porro. Heute noch markiert ein halbes Dutzend in der Gegend stehender Pylonen aus Stahlbeton den Ort, an dem Gottardi das Theater der Schauspielschule vorgesehen hatte.

Die fünf Gebäudegruppen der Schulen für Skulptur, Modern Dance, Drama, Ballett und Musik im grünen Stadtteil Cubancán am Rand von Havanna bezeichnet der kubanische Architekturhistoriker Eduardo Luis Rodríguez als den Höhepunkt einer Architekturrichtung, die auf der Suche nach einer Moderne regionaler Ausprägung war. Sie sind Architektur gewordene Beispiele für „Cubanidad“, aber auch für die romantisch geprägte Aufbruchstimmung der ersten Jahre der Revolution, in denen die Kunstschulen als Schlüsselprojekt auf dem Weg zu einer neuen, egalitären Gesellschaft galten.

Die Schule für Plastische Künste mit ihren in katalanischer Wölbtechnik erzeugten Kuppeln bezeichnet Porro selbst als „eine Stadt aus Brüsten“, quasi ein Abbild der afrokubanischen Fruchtbarkeitsgöttin Oshún. „Ich wollte eine Schule bauen, die so weiblich ist wie das kubanische Eiland.“ Die Schule für Modernen Tanz hingegen sollte Dynamik und Emotion des Sieges der Revolution in Architektur übersetzten.

Gottardi und Garatti kamen mit weniger Symbolik aus, integrierten ihre Bauten aber ebenfalls harmonisch in die Landschaft. Gottardi schuf mit der Schauspielschule ein entlang schmaler Wegachsen angeordnetes kompaktes Gefüge, das an italienische Städte erinnert. Der Mangel an Stahl zwang die Architekten dazu, den fünfteiligen Komplex im Wesentlichen aus Ziegeln zu errichten. Stahlbeton wurde nur dort eingesetzt, wo er konstruktiv unvermeidlich war.

Vittorio Garattis Ballettschule ist eine Komposition extrem dünn wirkender Kuppeln und Schalen mit raffiniert gesetzten Lichtschlitzen, die der karibischen Sonne wohldosiert und effektvoll Einlass gewähren. Ballett wurde hier nie getanzt. Eine Zeitlang lang nutzte die nationale Zirkusschule den Bau. Ebenfalls nur teilweise ausgeführt wurde die Schule für Musik, die sich als 330 Meter langes Band ausgeklügelter Raumfolgen parallel zum Quibù-Fluss schlängelt.

Im Jahr 2000, als die Schulen in die Liste der 100 meistgefährdeten Bauten des World Monuments Watch aufgenommen wurden, bot sich den Besuchern ein Bild von schauriger Schönheit. Während in den Schulen für bildende Kunst und Modern Dance noch gelegentlich Studenten anzutreffen waren und die von den Planern beabsichtigte Integration von Natur, Menschen, Architektur und Kunst eindrucksvoll erlebbar war, drohte der Rest des Areals von der Vegetation überwuchert zu werden. Das tristeste Bild boten die Schulen für Musik und Ballett: Ruinen, einsturzgefährdet und hoffnungslos verloren, Architektur als ein Haufen Elend, zugleich immer noch voll poetischer Ausstrahlung.

Nach 1965 kam den Schulen, die kurz zuvor noch eines der gefeiertsten Projekte der Revolution waren, die Wertschätzung durch die politischen Eliten abhanden. Preiswerte Wohnungen brauchte man damals wie heute dringender als luxuriöse Kunstakademien. Wenn etwas gebaut wurde, dann Plattenbauten im Stil des sowjetischen Bruderstaats. Die Architektur der Kunstschulen erschien den politischen Hardlinern bald zu bourgeois. Ricardo Porro, der nach den Kunstschulen in Kuba keine Aufträge mehr bekam, verließ 1966 die Insel in Richtung Paris. Garatti wurde 1974 wegen des Verdachts der Spionage drei Wochen inhaftiert und, obwohl freigesprochen, des Landes verwiesen. Nur Gottardi lebt noch in Kuba.

Mit der bemerkenswerten Publikation „Revolution of Forms - Cuba's Forgotten Art Schools“ (Princeton Architectural Press, New York) des amerikanischen Architekturhistorikers John A. Loomis gelangten das Architekturjuwel und sein beklagenswerter Zustand in den Fokus der internationalen Fachöffentlichkeit. Bald darauf kontaktierte die kubanische Regierung die drei Architekten mit der Bitte, bei der Restaurierung der Kunstschulen mitzuwirken. Ricardo Porro zeigt sich zufrieden, dass die politische Führung dem weggelegten Kind wieder Anerkennung zuteil werden lässt. Ungetrübten Grund zur Freude hat er nicht.

Die Restaurierung leitet der Architekt Universo García. „Es ist unser Ziel, Fidel Castros Traum einer Verwandlung des exklusiven Country Clubs in eine Stadt der Künste zu komplettieren.“ Von einem italienischen Konzern kommt die Bauchemie zur Verfestigung des stark angegriffenen Ziegelmauerwerks. Vor Ort werden die Arbeiter im Umgang mit den Sanierungsprodukten geschult. Die für die Bauten bedrohliche Vegetation wurde auf dem gesamten Areal gerodet. Nutzungskonzepte sind in Arbeit, um die Ruinen der Schulen für Musik und Ballett wieder einer Verwendung zuzuführen. Roberto Gottardi plant bereits an der Fertigstellung und neuen Zubauten.

Neue Wege und Infrastruktur werden errichtet, was dem Original ästhetisch nicht unbedingt gut bekommt. Porro hat zwar Verständnis für notwendige Adaptierungen, eines regt ihn aber auf: „Stellen Sie sich vor, die installieren einen Polizeiposten am Eingang! Mein Konzept einer offenen Schule ist damit zerstört!“ Über Details informiert man ihn nicht. Er erfuhr zwar, dass die desolaten hölzernen Fensterrahmen „originalgetreu“ durch robustere Aluminiumprofile ersetzt werden. Wie plump sie tatsächlich wirken, hat er noch nicht gesehen. Vergangenen November feierte er seinen 80. Geburtstag. Der Einladung, auf der Architekturfakultät in Havanna zu unterrichten, wird er wahrscheinlich diesen Herbst Folge leisten: „Solange ich kann, helfe ich.“

Eduardo Luis Rodriguez, einer der vehementesten Kämpfer für den Schutz der Bauten der Moderne, wünscht sich, dass Porros Schulen so originalgetreu und sensibel wie möglich restauriert werden. Unter den Eingriffen, die der ursprünglichen Aura abträglich sind, leidet auch Maria Elena Martin, Professorin für Architekturgeschichte: „Was soll man tun, wenn man die Originalpläne respektieren will, aber die Mittel für eine adäquate Lösung nicht vorhanden sind?“

15. September 2004 zuschnitt

Draufgesetzt

Nicht Einfügen, sondern Draufsetzen lautet das Motto hingegen bei einem anderen Dachausbau in Holzkonstruktion. Jenseits dezenter Zurückhaltung thront in der Wiener Spitalgasse ein eigenwilliger schwimmbadblauer Körper auf einem Eckhaus aus der Gründerzeit. Das Gesims ersetzt eine nach außen geneigte Brüstung. Provokant markiert eine rote Linie den Schnitt zwischen Alt und Neu. Architekt Heinz Lutter schöpfte – wie es wohl jeder Planer versuchen und jeder Investor verlangen würde – die baurechtlichen Möglichkeiten aus. Im kreativen Umgang mit den Rahmenbedingungen entstand darüber hinaus aber auch eine räumlich interessante Lösung. Drei Geschosse zusätzlich waren an der Seite zur Spitalgasse gestattet, zwei an der schmäleren Seitengasse.

Ein reichhaltiges Freiraumangebot unterstützt das Wohnerlebnis zwischen und über den Dächern. Sobald der Entwurf feststand, galt es sowohl einen geeigneten Werkstoff als auch eine ausführende Firma zu finden, um das Objekt mit seinen komplizierten Winkeln und Schrägen möglichst ökonomisch umzusetzen. Holz erwies sich rasch als beste Option. Die Firma Unterluggauer aus Osttirol setzte den Bau vom Plan weg und nach einmaligem Naturmaßnehmen in Fertigteile um. Es handelt sich um eine Sandwich-Konstruktion aus innen mit Gipskarton beplankten Fichtenholzplatten. Die Schutzschicht der Hülle besteht aus einem dauerelastischen Flüssigkunststoff, der hellblau gestrichen wurde.

15. März 2004 zuschnitt

Hoch hinaus

Mit der bescheidenen Dachkammer des armen Poeten haben die aktuellen Raumschöpfungen in den urbanen Dachlandschaften nichts mehr gemeinsam. Der Terminus Dachbodenausbau beschreibt einige aktuelle Interventionen aber nur unzulänglich, denn die Dachzone ist zu einem beliebten Bauland geworden. Neben den klassischen Dachausbauten, die sich mehr oder weniger unauffällig in die vorhandene Stadtkontur einfügen, bis zu Aufbauten, die sich wie Satelliten über den Gesimskanten niederlassen, reicht das Spektrum des Möglichen. Die Begleiteffekte des Dachwohnungs-Booms bewegen sich im Zwiespalt von aufwertender Stadtreparatur und ökonomischer Ausnutzung bestehender Strukturen.

Der These, dass Nachverdichten im Stadtinneren Bauland am Stadtrand spart, könnte man entgegenhalten, dass in den ohnedies von Verkehr und Parkplatznot geplagten Stadtvierteln zusätzliche Bewohner prekäre Dichten noch verstärken.

Zwar können Dachgeschossausbauten in benachteiligten Stadtgebieten sozialen Segregationsprozessen entgegenwirken, es gibt aber andererseits zahlreiche Beispiele, wo an der vorhandenen Bausubstanz nichts verbessert und ausschließlich in den Dachraum investiert wird. Und dann wäre noch die in Sachen Dachausbau am lautesten geführte Diskussion zwischen den Bewahrern der historischen Dachlandschaft und den Verfechtern eines auch aus der Vogelperspektive zeitgemäßen Stadtbildes. Diese Spannungsfelder könnten entschärft werden, wenn sich die Diskussion auch darum drehen würde, wie man sich die Dachzonen am schonendsten – nicht nur im Sinn des Ensembleschutzes, sondern auch in ökologischer und soziologischer Hinsicht – zunutze machen kann.

15. März 2004 zuschnitt

Tarnkappe

In Graz wirft die Altstadtkommission ein besonders strenges Auge auf alle Interventionen in der innerstädtischen Dachlandschaft. Gegenüber vom Kunsthaus errichteten die Architekten Michael Georg Homann und Wolfgang Schmied zwei Wohnungen und ein Büro auf einem etwa 140 Jahre alten Haus am Murufer.

Es brauchte einige Überzeugungsarbeit, um den bestehenden Dachstuhl, der für das Vorhaben ungeeignet erschien, abtragen zu dürfen. Um Zeit, Gewicht und die Höhe des Deckenaufbaus zu minimieren, wurde schließlich der zweigeschossige Ausbau aus Massivholzplatten errichtet. Die straßenseitigen Schrägdachflächen mit Ziegeldeckung sind reine Camouflage, erfüllen aber die Auflagen der Altstadtschützer.

Einzig die Glasgauben mit zur Gänze ausklappbaren Flügeln an der Front wirken als zeitgemäße Statements nach außen. Dahinter verbirgt sich ein Haus auf dem Haus. Um die Belichtungssituation vor allem in der Mittelzone des Gebäudeblocks zu optimieren, wurde in die oberste Ebene des zweigeschossigen Aufbaus ein Atrium eingeschnitten, zu dem sich die angrenzenden Räume mit Glasfassaden öffnen. Über einen Glaskubus erschließt sich von diesem geschützten Freiraum eine Blickachse bis zur Mur. Ein Glasstreifen im Terrassenboden dient als Lichtbrunnen für das darunter liegende Geschoss.

15. März 2004 zuschnitt

Aufgebügelt

Selbstbewusst, aber straßenseitig weniger dominant fiel das Innsbrucker Dachprojekt FF50 der beiden jungen Architekten Christian A. Pichler und Ferdinand Reiter aus. Es lagert auf einem Gründerzeithaus im Stadtteil Wilten und beherbergt keine luxuriösen Oberschichtwohnungen, sondern drei Einheiten mit jugendlichem Flair.
Das im Rahmen des Tiroler Holzbaupreises 2003 ausgezeichnete Projekt wurde in vorgefertigter Holztafelbauweise errichtet. Die Wandoberflächen bestehen aus dunkelbraun befilmtem Sperrholz (Metsäform).

Alle Ver- und Entsorgungseinrichtungen birgt der zwischen die Satteldachflächen gelegte »Infrastrukturcontainer«. Seine Kertoträger lagern auf der Außenwand des Stiegenhauses, den straßenseitigen Stahlstützen und auf den Brettschichtholzstützen der seitlichen Dachflächen auf. Die Dachflächen dienen als diagonale Aussteifung. Straßenseitig gibt es über die vollverglaste Front Zutritt auf eine Terrasse. Der hofseitig in expressiver Gestik auskragende Bügel umfängt den Zugang auf die Dachterrasse, die als halböffentliche Zone allen Hausbewohnern zur Verfügung steht.

15. März 2004 zuschnitt

Auf Besuch

Das Dach als Bauplatz entdeckte auch das Berliner Architektur- und Designstudio Aisslinger, das im Rahmen des Designmai Berlin 2003 den »Loftcube« präsentierte: eine Wohn- oder Ateliereinheit zur Besiedelung urbaner Flachdächer. Die zwei Prototypen bestehen aus einer modularen Holzkonstruktion mit einer weißen Kunststoffverkleidung aus vakuumverformtem, weiß beschichteten Polystyrol. Die Außenwände sind großzügig verglast.

Innen bergen zwei »Funktionspaneele« aus CORIAN® die wichtigsten Infrastrukturen: jenes zwischen Bad und Küche ist mit durchschwenkbarem Wasserhahn und Wasch- bzw. Spülbecken ausgestattet, jenes zwischen Bad und WohBreadCrumb mit Duschtasse und Pflanzenbecken über die ein Duschkopf geschwenkt werden kann.

Die Philosophie der leicht zu transportierenden und einfach wie Möbel in Selbstmontage zusammensetzbaren Häuser für Stadtnomaden stieß auf enormes Echo. Die Idee, mit seiner Wohnung mobil zu sein, sich an verschiedenen Standorten andocken zu können, klingt verlockend. Stadtdächer könnten, so Werner Aisslingers Vision, im großen Stil angemietet und quasi als Loftcube-Landeplätze angeboten werden. Noch arbeitet man aber an der Serienreife des Produkts. Es gilt, die bauphysikalischen Eigenschaften zu verbessern und auch die Transportierbarkeit zu optimieren.

Bei den angepeilten Errichtungskosten von 55.000 Euro ist der Loftcube nicht gerade billig, dazu käme noch der Hubschraubertransport. Das Ziel lautet, ein System zu finden, das im Fahrstuhl transportiert und von vier Personen an einem Tag montiert werden kann. Noch ist der Loftcube also eine reine Designvision, es könnte aber sein, dass städtische Dachflächen bald als Edelcampingplätze erschlossen werden. Mit dem Denkmalschutz wird es vermutlich keine Probleme geben: erstens sind Flachdächer in Schutzzonen selten und zweitens sind die mobilen Dachhäuser als temporäre Interventionen zu werten.

27. Juni 2003 Der Standard

Sieben Häuser als Antwort auf die Skeptiker

Architekt Martin Trebersburg baut in der Solar City Linz-Pichling einen Geschoßwohnbau in Passivhaus-Qualität. Dort will er beweisen, dass Energie sparendes Bauen mit architektonischer Qualität und Kundenzufriedenheit vereinbar ist.

Vor zehn Jahren, so erzählt Architekt Martin Treberspurg, hätten ihn Kollegen wegen seines Einsatzes für energiesparendes Bauen und damit einhergehender höherer Wärmedämmungen noch beschimpft, weil „man so ja keine guten Häuser mehr bauen“ könne. Treberspurg selbst räumt ein, dass bei etlichen ökologisch motivierten Wohnbauvorhaben tatsächlich die Ästhetik hintan blieb - vor allem deshalb, weil die Entwicklung des Passivhauses nicht von Architekten ausgegangen sei. Sie „wird aber von ihnen auch nicht aufzuhalten sein“, so Treberspurg.

Wie eine hohe architektonische Qualität mit einem engagierten energetischen Konzept vereinbar ist, zeigt das Projekt „Einfach:wohnen“, das zurzeit in der Solar City Linz entsteht. Treberspurg gewann 1996 den städtebaulichen Wettbewerb für die Erweiterung des von der aus Norman Foster, Thomas Herzog, Renzo Piano (bis 1995), Richard Rogers und dem Energietechnikplaner Norbert Kaiser bestehenden READ-Gruppe (Renewable Energies in Architecture and Design) konzipierten Kerngebietes des Linzer Ökotrabanten im Stadtteil Pichling. Von der EBS Wohnungsgesellschaft wurde er mit der Errichtung von 93 Wohneinheiten in diesem äußeren Siedlungsring beauftragt.

Forschungsprojekt

Ein Niedrigenergiestandard und eine grundsätzlich ökologische Bauweise sind in der Mustersiedlung sowieso Pflicht. Um neueste Erkenntnisse einzubringen und sie im Rahmen dieses Teilbereiches auch wissenschaftlich auswertbar zu machen, hat Treberspurg eines der sieben Häuser als Passivhaus und eines als „Fast-Passivhaus“ konzipiert. Wirtschaftlichkeit, Ressourcenschonung und Nutzerakzeptanz werden professionell untersucht und ausgewertet. Die dadurch unweigerlich anfallenden Mehrkosten für Planung (z.B. Haustechniksimulationen) und sozialwissenschaftliche Begleitung werden über einen Forschungsauftrag, der über das Förderungsprogramm „Haus der Zukunft“ finanziert wird, abgedeckt.

Während in den fünf Niedrigenergiehäusern alle Räume noch mit normalen Heizkörpern ausgestattet sind, wird das besser gedämmte und mit einem Zuluft-Abluft-System mit Frischluftvorwärmung über einen Erdkollektor und Wärmerückgewinnung ausgestattete Fast-Passivhaus bereits mit kleineren Radiatoren ausreichend heizbar sein. Das hochwärmegedämmte Passivhaus schließlich kommt - abgesehen von einem mit Fernwärme beschickten Heizkörper im Bad - ohne Zusatzheizung aus. Für Warmwasser sorgen Solarkollektoren, die Berechnungen zufolge mindestens 60 Prozent des Jahresbedarfs abdecken werden.

In kleinen Bereichen kommen auch innovative Materialien zum Einsatz. Ein Fassadenteil des Passivhauses erhält zum Beispiel eine so genannte Vakuumdämmung, die eine fünf- bis zehnmal bessere Dämmleistung als herkömmliche Dämmstoffe aufweist und somit weniger dick aufträgt. Ansonsten war Kork als Dämmstoff vorgesehen, der aus Kostengründen jedoch dem üblichen Polystyrol weichen musste. Damit der dreigeschoßige Gemeinschaftsraum automatisch vor Überhitzung geschützt wird, sollen dort elektrochrome Verglasungen, die sich bei Sonneneinstrahlung dunkelblau verfärben, angebracht werden.

Bewerberansturm

Viermal so viele ernsthafte Bewerber als Wohnungen gibt es für das Passivhaus. Für Architekt und Bauherr der Beweis, dass die Richtung stimmt. Treberspurg: „Für mich ist klar, dass das Passivhaus der logische Endpunkt der Entwicklung eines sparsamen Hauses ist, weil es die beste Wohnqualität bietet.“ Abgesehen vom geringen Energieverbrauch ist das durch die automatische Be-und Entlüftung verbesserte Raumklima, das zugleich Schimmelbildung ausschließt, ein schlagendes Argument.

Und mittlerweile sollte auch die hin und wieder beklagte Lärmbelastung durch die Lüftungsanlage bei technisch korrekter Ausführung völlig vermeidbar sein. Der Ökoschmäh funktioniert bei einem Passivhaus jedenfalls nicht, oder zumindest nicht lang, glaubt Treberspurg. Unzulänglichkeiten erkennt man spätestens im ersten Winter, wenn die Leute frieren.

Hohe Anforderungen

Mit ein Grund, warum Passivhäuser bisher eher im privaten Einfamilienhausbau ein Thema sind: Die technischen Anforderungen an Planer und ausführende Firmen sind extrem hoch. Bei öffentlich ausgeschriebenen Bauten kann es da schon vorkommen, dass Firmen mit geringem Know-how zum Zug kommen.

Dem von manchen Bauträgern behaupteten und wohl auch befürchteten Boykott alternativer Technologien im geförderten Wohnbau soll hier durch die wissenschaftliche Begleitung und Bewohnerbetreuung durch die Beratungsagentur Wohnbund vorgebeugt werden.

Zwei Jahre nach Bezug wird bei den Bewohnern nachgefragt werden. Zusammen mit einer Analyse der gemessenen Energiewerte in den drei Haustypen des Treberspurg-Bauteiles in der Solar City werden dann - wenn alles gut geht - die Skeptiker vielleicht bekehrt werden können.

Publikationen

2021

Architektur in Niederösterreich 2010–2020
Band 4

Der vierte Band der erfolgreichen Reihe Architektur in Nieder­österreich dokumentiert das Baugeschehen in diesem Bundes­land zwischen 2010 und 2020. Hundert mittels Text, Bild- und Planmaterial beschriebene Projekte legen Zeugnis ab von der Vielfalt und der Qualität ausgewählter Beispiele in sieben Ka­tegorien.
Hrsg: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
Autor: Franziska Leeb, Eva Guttmann, Isabella Marboe, Gabriele Kaiser, Christina Nägele
Verlag: Park Books

2019

querkraft – livin‘ architecture / Architektur leben lustvoll querdenken

Menschen Raum zu geben, Bühnen für das Leben in all seinen Facetten zu schaffen, querzudenken und den Mut zu haben, von eingetretenen Pfaden abzuweichen und nicht alles bierernst zu nehmen – so könnte man die Arbeitsweise von querkraft in kürzester Form zusammenfassen. Zum 20-jährigen Bestehen des Wiener
Hrsg: Franziska Leeb, Gabriele Lenz
Verlag: Birkhäuser Verlag

2013

Walter Zschokke. Texte
Gesammelte Texte des Architekten und bedeutenden Architekturpublizisten und Kurators Walter Zschokke (1948–2009)

Der Aargauer Architekt Walter Zschokke (1948–2009) hat über drei Jahrzehnte das Architekturschaffen und baukulturelle Geschehen in seinen beiden Heimaten, Österreich und Schweiz, beobachtet, kommentiert und analysiert. Der vorliegende Band ist die erste Sammlung seiner pointierten, ungebrochen aktuellen
Hrsg: Franziska Leeb, Gabriele Lenz, Claudia Mazanek, ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich, ZV der Architekt:innen Österreichs
Verlag: Park Books

2011

ORTE. Architektur in Niederösterreich III. 2002 – 2010

Die von Walter Zschokke initiierte und von ORTE herausgegebene Publikationsreihe setzt mit Band 3 die Bestandsaufnahme qualitätsvoller Architektur in Niederösterreich fort. Das Autorinnenteam – Eva Guttmann, Gabriele Kaiser und Franziska Leeb – hat aus einer Fülle an Bauwerken eine exemplarische Auswahl
Hrsg: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich
Autor: Franziska Leeb, Eva Guttmann, Gabriele Kaiser
Verlag: SpringerWienNewYork

2009

Wohnen pflegen leben
Neue Wiener Wohn- und Pflegehäuser

Die Publikation liefert einen umfassenden Diskussionsbeitrag darüber, was zeitgemäße Raum- und Funktionsprogramme von Pflegeeinrichtungen leisten sollen und können und stellt dar, was Geriatrieplanung heute bedeutet und wie sich eine Kommune den Herausforderungen, die eine alternde Gesellschaft mit sich
Autor: Franziska Leeb
Verlag: Verlag Holzhausen GmbH