Artikel
Berliner Schloss: Septimius Severus
Irritationen um einen Forscher in Rom. Noch immer ist nicht gesichert, ob die wahrscheinlich in den siebziger Jahren deutlich überarbeitete Darstellung eines Hallenbauwerks sich auf ein Projekt von Adalberto Libera (1903–1963) für das Forum Romanum bezieht. Nicht nur die falsch dargestellte Tiefe und grobe Überformung des Triumphbogens mit den Voluten am Fries, auch die unbeholfenen Anschlüsse des Neubaus sprechen nicht für den Architekten.
Vom Schloss zu Hoesch
Das Vergabeverfahren in zwei Phasen für die Neuplanung des Landtags im Potsdamer Stadtschloss bleibt in Teilen undurchsichtig und wirft viele Fragen auf. Die niederländische Royal BAM Group mit Peter Kulka hat den Zuschlag erhalten. In diesem Monat wird auch Kulkas Erweiterung des Leopold-Hoesch-Museums in Düren fertiggestellt, das am Ende dieses Beitrags kurz vorgestellt wird – kein Schloss, dafür in Kulkas vertrauter Architektursprache.
Bologna Green
Messen dokumentieren den Trend der Zeit. Die Cersaie zeigt Fliesen und Badausstattungen aus aller Welt, doch nimmt das Grün für die Vermarktung von Mal zu Mal mehr Raum ein. Und die Architekten lassen bei ihren Vorträgen im Kongresszentrum die Fliesen ganz außer Acht. Sie stellen Projekte einer grünen Stadt vor.
Interview mit James Cuno
„The building is a testament to urban planning in Chicago as well as to the cultural ambitions and generosity of Chicagoans.“ James Cuno
Bauwelt: Für den Modern Wing des Art Institute of Chicago suchte der Architekt nach einer Anbindung an den Beaux-Arts-Bau von 1893. Welche gestalterischen Elemente sind hier besonders charakteristisch?
James Cuno: Das ursprüngliche Museumsgebäude verkörpert Würde, Kraft und Sicherheit; der Bau ist das Statement einer gewissen Großartigkeit. Dies entspricht der Diktion einer internationalen Architektursprache und steht ganz im Einklang mit den Ambitionen der Stadt Chicago auf der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die eindrucksvolle, wuchtige Konstruktion hat eine Fassade aus Indiana-Kalkstein, einem Material, das Beständigkeit suggeriert. Renzo Pianos Entwurfskonzept für den Modern Wing ist zwar von einer maximalen Durchlässigkeit geprägt, doch knüpft er an das ursprüngliche Museum an, indem er für den Neubau – von annähernd gleicher Größe wie das Gebäude von 1893 – ebenfalls Indiana-Kalkstein-Fassaden wählt. So ist zwar der Modern Wing mit seiner Verwendung von Glas und den stark betonten Vertikalen von schwebender Leichtigkeit geprägt, zugleich aber greift der Bau auf die gleiche Materialität zurück, um Kraft und Stabilität zu vermitteln.
Caja Mágica
Das Tenniszentrum von Dominique Perrault verfügt über aufschieb- und aufklappbare Dächer. Es liegt am Rand des neu angelegten Parks Manzanares von Ricardo Bofill im Süden von Madrid. Die Stadt hofft, mit dem großen Sportkomplex bei der Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2016 zu punkten.
Mekka als Megastadt
Vor zwei Jahren haben wir von den Großplanungen im Heiligen Bezirk von Mekka berichtet (Heft 11.07). Die neuesten Projekte, die auf Geheiß des saudischen Königshauses entstehen, sprengen nun vollends den Rahmen. Von der alten Stadtstruktur ist kaum noch etwas zu sehen. Vor dem Heiligen Stuhl in Rom war man bescheidener. Beim Bau der zentralen Achse Via della Conciliazione vom Tiber zum Petersplatz ging nur ein einziges historisches Quartier verloren. Das ist 70 Jahre her.
Kritische Rekonstruktion
Internationaler Wettbewerb Humboldt-Forum im Schlossareal Berlin
Das Berliner Schloss soll zum Humboldt-Forum für Internationales und Interdisziplinäres werden. Franco Stella hat den internationalen Wettbewerb gewonnen. Sein Konzept für ein öffentliches Forum verkehrt sich in der Darstellung ins Gegenteil: in einen Ort radikaler Vereinsamung.
Die verschiedenen Standpunkte zum Projekt „Berliner Schloss“ sind bekannt. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Autor dieses Beitrags befürwortet weder den vom Auslober des Wettbewerbs festgelegten originalgetreuen Wiederaufbau der drei Außenfassaden und der drei Fassaden im Schlüterhof noch die Forderung nach einer Kuppel am ehemaligen Hauptportal. Welche Symbolkraft kann das Hohenzollernschloss bald sechzig Jahre nach der Sprengung für Berlin und für Deutschland schon noch besitzen? Bauhistorisch ist es als reines Fassadenwerk interessant, aber nicht von absolut herausragender Gestalt, auch wenn es in den Erläuterungen für die Wettbewerbsteilnehmer den „bedeutendsten Bauwerken Nordeuropas“ zugeordnet wird. Das Schloss bedient daher mit seiner Hüllen-Rekonstruktion allein eine Verlockung der Vergangenheit.
11. Architekturbiennale Venedig
Erschöpfung macht sich breit. Und vieles liegt am Boden. Der diesjährigen Biennale von Aaron Betsky „Out there – Architecture Beyond Building“ ist eine radikale Thematisierung verloren gegangen. Jeder, der mitmachen darf, stellt sich selber aus – bis zum 23. November.
Transmitting Architecture
23. UIA-Weltkongress in Turin
2006 brachten die Olympischen Winterspiele für die Stadt Turin, die seit vielen Jahren unter den wirtschaftlichen Problemen des großen, die ganze Region prägenden Industriekonzerns Fiat leidet, einen wichtigen Schub (Heft 10.06). Der Werbeslogan „Always on the move“ begrüßte damals die Gäste aus aller Welt. Vom 29. Juni bis 3. Juli dieses Jahres stand in Turin der 23. UIA-Weltkongress „Transmitting Ar-chitecture“ im Mittelpunkt. Die Stadt wirbt nun mit „Passion lives here“. Der Kongress ist vorbei, und man ist schon in Erwartung des feierlichen 150. Geburtstags der Staatsgründung Italiens im Jahr 2011, bei der Turin – von 1861 bis 1865 die erste Hauptstadt des geeinten Landes – eine wichtige Rolle spielen wird.
Die Tramlinie 1 in Nizza
Von der Autobahn im Norden zur Altstadt im Süden oder entlang der Bucht? Die Diskussionen im Stadtrat zur ersten Tramlinie sind vorbei; seit kurzem ist die Strecke eingeweiht. Für das Depot war im felsigen Hang zwischen Wohnblocks und Umspannstation noch Platz.
Der Neuanfang ist gemacht und bereits heute für die Stadt ein Erfolg. Am 24. November 2007 eröffnete die Tramlinie 1 auf einer Länge von 8,7 Kilometern mit 21 Haltestellen. Sie wird von den Bewohnern mehr angenommen als erwartet, fährt zu Stoßzeiten alle vier Minuten und gehört wie selbstverständlich zum Stadtbild von Nizza, der fünftgrößten Stadt Frankreichs mit rund 350.000 Einwohnern, einschließlich der Vororte sind es über eine halbe Million. Das Projekt ist in einem engen Zusammenhang zu sehen mit dem teilweise schon über fünfzehn Jahre laufenden Straßenbahnprogramm zahlreicher Städte des Landes, zum Beispiel in Nantes (Heft 39.2000), Orléans, Straßburg, Lyon, Bordeaux, Grenoble, Montpellier und sogar in einer kleineren Stadt wie Le Mans.
In Nizza gab es eine Vorgeschichte, denn schon am 13. Januar 1900 fuhr die erste Straßenbahn auf den Gleisen des „Réseau des Tramways de Nice et du Littoral (T.N.L.)“. Innerhalb von zwanzig Jahren wuchs das Netz auf 11 Linien an. Wie in anderen Städten wollte man die Tram dann nicht mehr, da sie – damals noch deutlich langsamer unterwegs – den Straßenverkehr zu sehr „blockierte“. Die letzte Fahrt der Linie 7 fand am 10. Januar 1953 statt. Damit war die Geschichte der Tram zu Ende. Die Strecken wurden durch Busse ersetzt.
Die vom Meer zurückgesetzten Stadtteile von Nizza liegen meist an Hängen. Die Linie 1 mit den silbernen Niederflurbahnen der „Communauté d’Agglomération Nice Côte d’Azur“ führt von Norden einen Hügel hinunter in das Zentrum, erreicht hier westlich des alten Hafens fast die Promenade des Anglais und verläuft dann am Boulevard Jean Jaurès entlang des gedeckelten Flusses Paillon, macht einen Schwenk nach Osten zur Universität an der Rue Maréchal Vauban und führt dann wieder ein Stück nach Norden (Seite 27). Die Endhaltestelle Pont Michel liegt im Stadtgebiet „Bon Voyage“; von hier bietet sich ein imposanter Blick hinauf zum Mont-Gros, auf dem sich die 1880–92 erbaute Sternwarte des Pariser Opern-Architekten Charles Garnier erhebt, mit einer Kuppel von Gustave Eiffel. Eine Verlängerung der Linie bis zum Krankenhaus Pasteur und später den Fluss Paillon entlang in die nordöstlich gelegenen Vororte ist vorgesehen. Eine zweite und dritte Linie werden folgen; die Linie 2 soll „in zweiter Reihe“ entlang der Bucht durch die Stadt verlaufen und im Westen bis zum Flughafen und weiter nach Cagnes-sur-Mer führen. Die deutlich kürzere Linie 3 ganz im Westen von Nizza wird das Stadtentwicklungsgebiet in der Ebene längs des Flusses Var erschließen. Die Planungen gehen davon aus, dass schon 2020 das komplette Netz auf 36 Kilometer Länge fertig sein wird, doch gibt es bereits jetzt erhebliche Verzögerungen beim Projekt der Linie 2, da die Kosten stetig steigen und es nun auch noch Überlegungen gibt, die Strecke direkt entlang der Promenade des Anglais zu führen, um dieser damit wieder eine größere Bedeutung zu schenken. Außerdem sorgen einige Geschäftsleute der Stadt, die angesichts der zu erwartenden großen Baustellen um Einbußen fürchten, dafür, dass sich die Entscheidungen hinziehen.
Ein Faktor, der im Rahmen des Straßenbahn-Projekts von Seiten der Stadt immer wieder genannt wird, ist – neben der Reduzierung des Autoverkehrs – die Belebung von Teilen der Innenstadt. In diesem Zusammenhang ist auch das erklärte politische Ziel von Relevanz, alle wichtigen städtischen Einrichtungen im Zentrum zu belassen.
Deutscher Expo-Pavillon 2010
Shanghai in zwei Jahren: Vom 1.5. bis 31.10. findet nach der Expo Hannover die nächste universelle Weltausstellung statt. 70 Millionen Besucher werden erwartet. Den Programmgestaltern des am 17.4. präsentierten Deutschen Pavillons scheint die Fähigkeit, sich mit einem gewissen Ernst und Sachverstand einem Ausstellungsthema zu widmen, vollends abhanden gekommen zu sein.
Gedankenreiche Durchbildung
Gleich mehrere Bundesministerien umgeben die Maria-Schnee-Kirche in Wien. Schräg gegenüber des Haupteingangs und der bronzenen Statue des Heiligen Franz von Assisi ist das Office von Claudia Schmied, die seit Anfang 2007 das Amt der Ministerin für Unterricht, Kunst und Kultur bekleidet. Der MAK-Direktor Peter Noever hat den Raum künstlerisch gestaltet.
Arrivare a Venezia
Nordwestlich der Piazzale Roma beginnt das große Hafengebiet von Venedig, das dem Besucher nur bewusst wird, wenn er sein Auto auf der Insel Tronchetto parkt oder mit einem Kreuzfahrtschiff, das dort anlegt, die Stadt erreicht. Bei dem Wettbewerb soll ein großes Areal direkt neben der Piazzale Roma und dem Kopfbahnhof bebaut werden.
Ein neuer Eingang für Venedig? Damit ist das Projekt nicht präzis beschrieben. Wenn der Besucher nicht das Boot nimmt, bleibt ihm auch in Zukunft das wunderbare Entree über den Kopfbahnhof Santa Lucia oder die Ankunft per Bus am Piazzale Roma bzw. per Auto, das er an mehreren Stellen teuer parken kann. Das Terrain für den Wettbewerb, das früher der Bahn diente, liegt hinter dem großen alten Parkhaus der Piazzale Roma und übertrifft mit 40.000 m² bei weitem die Größe des Markusplatzes. Auslober des eingeladenen Wettbewerbs waren die Hafenbehörde von Venedig und ihre 2001 gegründete Baugesellschaft APV Investimenti, ein florierendes Unternehmen. Ihnen gehört nicht nur der Handels- und Ölhafen in Mestre sondern auch der Terminal für die Kreuzfahrtschiffe, die Jahr für Jahr zahlreicher in Venedig festmachen. Aufgabe war es, 2400 Parkplätze auf zwei Ebenen unterzubringen, dazu ein Hotel, Büros, einen kleinen Veranstaltungssaal und Gastronomie mit ein paar Läden, insgesamt ein Bauvolumen von 63 Millionen Euro.
Was ist alltägliche Architektur?
In Frankreich hat eine Bemerkung zur bevorzugten Architektursprache beim viel beachteten Preis „Equerre d’Argent“ Empörung ausgelöst. Eine Gruppe von Architekten übt heftige Kritik am Verlagshaus „Le Moniteur“, das seit 25 Jahren den Architekturpreis vergibt. Lassen sich die Wogen wieder glätten?
Bei der Vergabe eines Architekturpreises nimmt man gern eine Einordnung in Kategorien vor, als Basis für die Beurteilung. In Paris wird seit 1983 jedes Jahr der Preis „Equerre d’Argent“ vergeben, ausgelobt von der einflussreichen Verlagsgruppe „Le Moniteur“, die einen großen Teil der französischen Baufachpresse in ihren Händen hat und eng mit dem Kulturministerium verbandelt ist. Prämiert wird das „beste Gebäude des Jahres“. Der viel beachtete Preis wird diesmal am 28. Januar bei einer großen Festveranstaltung von der Ministerin an die Architekten und den Bauherrn überreicht. Bei der Bekanntgabe der Gewinner kam es im Oktober zu einem Eklat. Plötzlich war alles anders, und der Auslober stand in der Kritik. Es geht um den Kern, das zentrale Thema: die Einordnung und die Wertschätzung bestimmter Richtungen in der Architektur. Es stellte sich die grundsätzliche Frage, welche Strömungen beim „Equerre d’Argent“ wie gewichtet werden.
Dal Passato al Futuro
Giuseppe Mengoni baute mit englischen Geldgebern die Galleria und die großen Blocks drum herum in den Jahren 1865–1877. Die Fassade des Doms wurde ebenfalls erst im 19. Jahrhundert fertig. Jetzt sei es an der Zeit, auch dem modernen Mailand Raum zu geben. Gebaut wird aber nichts. Wie kommt es zu einer solchen Idee?
Dass ein Architekt aus eigenem Antrieb Planungseinfälle zu Papier bringt und sie uns dann zusendet, ist selten. Man muss diesen Entwürfen in der Regel keine weitere Beachtung schenken. Hier, bei dem Projekt „L’Arca del Duomo“, an diesem so überaus prominenten Ort, ist man jedoch geneigt, sich etwas näher mit dem Entwurf und besonders mit der Begründung des Verfassers zu beschäftigen. Vittorio Mazzucconi ist schon etwas älter, ein Mailänder Sonderling, der mit einer Stiftung gleichen Namens firmiert und vor allem an Seichtheit grenzende Gemälde malt.
Weiterbauen
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wird verlängert
Im ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais, wo heute die Parlamentarische Gesellschaft komfortabel residiert, hängt im Salon des zweiten Obergeschosses eine Canaletto-Vedute von Venedig. Das Palais steht gleich hinter dem Reichstagsgebäude an der Spree, und durch die großen Fenster des Salons ist das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus von Stephan Braunfels zu sehen. Das Büro-, Sitzungs- und Bibliotheksgebäude des Deutschen Bundestags entstand 2003, es bildet den östlichen Teil des „Bandes des Bundes“. Für die Präsentation am 16. November, bei der die Pläne zur Vollendung des Gebäudes vorgestellt wurden, hatte Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der Bau- und Raumkommission, diesen besonderen Salon ausgewählt.
Die neue Cité de l’Architecture et du Patrimoine in Paris
Paris besitzt seit September im Palais de Chaillot das größte Architekturmuseum der Welt. Die Sammlung reicht vom Mittelalter bis ins Jahr 2001. Doch die Auswahl der Werke, ihre Zusammenstellung und die komplizierten Raumzuordnungen machen nicht nur Architekten stutzig.
Die Zahl beeindruckt: 22.500 Quadratmeter stehen hinter den Fassaden des Palais de Chaillot von 1937 für das Architektur- museum mit Bibliothek, Veranstaltungssaal und Schulungsräumen zur Verfügung. Außerdem befindet sich hier die Architekturschule von Chaillot für Denkmalpflege.
Der Architekturkritiker François Chaslin hat einen Rundgang durch die Ausstellung gemacht. Francis Rambert, der Leiter der Abteilung Galerie d’Architecture moderne et contemporaine, erläutert seine Konzeption, die er mit Corinne Bélier und Fernando Marzá erarbeitet hat. Jean-Louis Cohen, der frühere Leiter des Gesamtprojekts, dem 2003 auf Druck der Politik der Auftrag entzogen wurde, hat für uns das neue Haus zum ersten Mal besucht. Pascal Mory berichtet als Projektleiter vom Nachbau eines Appartements von Le Corbusier; er steht in der ersten Etage des Museums. Der Kritiker Emmanuel Caille nimmt zum Konzept Stellung, und Simon Texier fasst zum Schluss die merkwürdige Planungsgeschichte des Palais de Chaillot am Trocadéro seit dem Jahr 1878 zusammen.
Die Punta della Dogana
Die Ausstellungen „Where Are We Going?“ und „Sequence 1“ in seinem Palazzo Grassi waren ein Erfolg. Jetzt hat der Milliardär und Kunstsammler François Pinault nach einem Deal mit Bürgermeister Masssimo Cacciari für weitere Ausstellungen auch die ehemalige Zollstation von Venedig übernommen. Bis zur Biennale 2009 soll sie von Tadao Ando umgebaut sein.
Tadao Ando ist voller Erwartung, sein Werk beginnen zu dürfen. Eile ist geboten, da das flache Triangel der ehemaligen Zollstation Punta della Dogana pünktlich zur Eröffnung der Kunstbiennale von Venedig Anfang Juni 2009 umgebaut sein soll. Nach dem Palazzo Grassi ist sie der zweite Ort in der Stadt, den sich François Pinault für seine Sammlung zeitgenössischer Kunst auserkoren hat. Und wie schon beim Umbau des Palazzo Grassi 2005 wird sich Ando wieder einer äußerst bedachten Architektursprache bedienen, ganz anders als die aktuelle Produktion aus seinem Büro in Osaka – genannt sei hier nur die brückenartige Beton-Großskulptur für das Meeresmuseum in Abu Dhabi.
In Kammer ...14
Dies ist die Geschichte einer Transformation von vehement symbolischer Kraft. Mit Blick auf das Schicksal der Stadt im Zweiten Weltkrieg erlangt sie eine übergeordnete Bedeutung, die losgelöst von allen konzeptionellen und architektonischen Eigenheiten herauszulesen ist. Der Ort, an dem einem Besucher noch heute der Atem stockt, wird mit der Planung neu gesehen.
Ziemniak/Kartoffel
In Anwesenheit von Florian Mausbach, Präsident des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, und Ulf-Dieter Klemm, Ministerialdirigent beim Auswärtigen Amt, eröffnete am 6. Juli die Ausstellung „Kunst am Bau – Deutsche Botschaften in Warschau und Mexiko-Stadt“.
Beim offenen Wettbewerb Kunst am Bau für den Garten der Deutschen Botschaft in Warschau wurden in der ersten Phase 340 Entwürfe eingereicht, von denen am 21. Juli 2006 zehn für die Weiterbearbeitung ausgewählt wurden. Nach der Jurysitzung am 20. Oktober entschied sich der Nutzer, den zweiten Rang – die Arbeit „Reflecting Pool“ von Rainer Splitt, ein Teich aus ultramarin eingefärbtem Polyurethan auf Kiesbett – zu realisieren. Alle Arbeiten der zweiten Phase waren vom 6. bis 19. Juli im Lichthof des Auswärtigen Amts in Berlin ausgestellt.
Neue Baukunst. Berlin um 1800
Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens beleuchtet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Neuerfindung Berlins vor 200 Jahren. Moritz Wullen, der Direktor der Berliner Kunstbibliothek, spricht von einer wunderbar gelungenen, geradezu paläontologischen Zeitreise in das Proterozoikum des klassischen Berlin. In der Tat bietet der Rundgang durch die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie Einblicke in ein unbekanntes, aber auch verlorenes Berlin.
Braunschweiger Helden
Ein Schloss und sein Schicksal. Die im Krieg ausgebrannte und 1960 abgerissene Residenz der Herzöge wurde mit Frauenkirchen-Fachleuten als Fassade einer Shopping-Mall wieder neu errichtet. Zuvor schlossen der Oberbürgermeister und die ECE Projektmanagement GmbH einen für beide Seiten lukrativen Pakt.
Metropolitan Architecture?
Die Zentrale des Chinesischen Staatsfernsehens in Peking
Das Hochhaus reizt, mit seiner Form und seiner Statik näher betrachtet zu werden. Nach der Lektüre der Beiträge des Projektarchitekten und des Chefingenieurs werden die Gründe deutlich, warum für das Gebäude an diesem Ort 100.000 Tonnen Stahl benötigt werden.
Man mag beim Office for Metropolitan Architecture das faszinierende, über Jahrzehnte weiterentwickelte theoretische Gerüst zu ihrer Sicht der globalen Stadt noch immer bestaunen, doch nun, bei näherer Betrachtung ihres bislang größten Bauwerks, dem neuen Fernsehzentrum CCTV, scheint die Aura von Rem Koolhaas und seinen Partnern etwas zu verblassen. In Peking wird trotz des imposanten Planungsmarathons kein Entwurfsprozess erkennbar, der Bestandteile gestalterischer und konstruktiver Neuerungen in einen wirklich schlüssigen Zusammenhang bringt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich bei den zwei geneigten Türmen und der bedrohlich wirkenden Auskragung alles auf ein rein auf Zeichenhaftigkeit ausgerichtetes Denken reduziert. Einmal konzipiert und von den Auftraggebern begeistert aufgenommen, wird nun alles in größter Eile umgesetzt.
Im neuen Central Business District der chinesischen Hauptstadt ist der Bau von politischer Bedeutung. Das Staatsfernsehen wird im nächsten Jahr die Olympischen Spiele in alle Welt übertragen. Hierfür ist eine markante und unverwechselbare Form gefragt, die die Größe des Landes und die neue Dimension der zentral gelenkten Fernsehanstalt verkörpert. Die Zahl der Programme soll im nächsten Jahr nochmals rasant wachsen. Unter diesen Prämissen ist der Koloss etwas ganz anderes als – um nur ein Beispiel zu nennen – die Casa da Música in Porto (Heft 21.05), die mit ihrem Reichtum an spannungsvollen internen Raumsequenzen und ihren vielschichtigen Bezügen zum Außenraum unverkennbar die Handschrift von Rem Koolhaas trägt. Koolhaas’ Standpunkt ist bekannt und hat Generationen von Architekturstudenten geprägt. Seine beständige Suche, sich aus der Behäbigkeit einer Nachmoderne zu lösen und aus den Zwängen der Globalisierung heraus eine neue Sicht der Dinge zu entwickeln, hat Konstanz. Ganz anders in Peking: Angesichts der Größe und der Wucht des über 230 Meter hohen „Loop“ kommt man nicht umhin, diesen Bau mit Entwürfen und Realisierungen von Macht und Prosperität zu vergleichen, die aus der Baugeschichte bekannt sind. Von seiner Intention her ist der Bau nicht neu.
Errichtet wird ein Doppel-Hochhaus mit einer hoch oben weit auskragenden Stahlkonstruktion. Dabei entsteht eine besondere Spannung, man meint, der Block sei instabil und könnte vielleicht sogar umkippen. Doch das gesamte Gebäude ist als eine biegesteife rechteckige Röhre ohne Anfang und Ende zu begreifen, deren Tragstruktur gleichzeitig die Fassade bildet. Damit ergeben sich große Freiheiten bei der Gestaltung der unterschiedlich genutzten Geschossebenen. Es handelt sich also um eine Umkehrung des – von wenigen extravaganten Beispielen einmal abgesehen – üblichen Hochhausbaus, bei dem der Kern den Halt bietet und eine meist leichte Stahlglas-Fassade an die Konstruktion der Stützen und Geschossdecken angehängt wird. Diese Umkehrung hat jedoch allem Anschein nach zur Folge, dass die Fassade schwer wirkt, viel Stahl die Sicht einschränkt und der Ausbau mit zahlreichen Sonderformen zurechtkommen muss.
Nimmt man die Originalität der mit einem System von intelligenten Werkzeugen errechneten Konstruktion einmal beiseite, ist CCTV aber auch ein Bürogebäude, wie man es schon früher als große Errungenschaft einer modernen Stadtplanung präsentiert bekam: Ein isoliert stehender Baukörper mit einem eigenen Kosmos, die Stadt außer Acht lassend. Der gesamte Business District von Peking mit rund 300 geplanten und zum Teil bereits gebauten Hochhäusern passt in dieses Bild. Warum wird eine solche „altbekannte Stadt“ der Hochhäuser, die bei uns niemanden mehr begeistert, in China, aber auch an anderen Orten wie zum Beispiel dem Business District „Moscow City“ von hiesigen Stadtplanern und Architekten so euphorisch gefeiert? Hier stellen sich grundsätzliche Fragen, die nicht nur mit kommerziellen Interessen zu tun haben können.
Sicherlich ist es für Rem Koolhaas und Ole Scheeren, sein Partner und Chefarchitekt für das Asiengeschäft, eine einmalige Herausforderung, in dieser Hast ein auch von der inneren Organisation her innovatives Gebilde zu planen und auf der größten Baustelle von Peking zu realisieren. Mit ehrgeizigen und verschwenderischen Bauherrn, die das Medienzeitalter beschwören, wird aus dem Vollen geschöpft. Konsequenzen für die Unabhängigkeit der Berichterstattung von Journalisten wird der Prachtbau jedoch nicht haben.
Die erwünschte Aufmerksamkeit wird das Gebäude wie auch das Olympiastadion von Herzog & de Meuron auf jeden Fall bekommen. Aber ob mit dem größten Fernsehzentrum der Welt – abgesehen von den rein formalen Eigenarten und dem tonnenschweren Kraftakt der Ingenieure – eine Entwicklung der Architektur sichtbar wird, die mehr ist als ein kleiner Baustein im Bild der schnellen Megacity von Koolhaas, bleibt zu bezweifeln.