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Artikel

5. August 2013 Neue Zürcher Zeitung

Provenzalische Beton-Spitzen

Lieber spät als nie: In Marseille wurden zur Halbzeit des Jahrs als europäische Kulturhauptstadt spektakuläre Neubauten und renovierte bzw. umgenutzte historische Gebäude eröffnet. Ein Geheimtipp ist das Château Borély, nunmehr ein zauberhaftes Museum der dekorativen Künste.

Es ist immer dasselbe: Eine Stadt wird europäische Kulturhauptstadt, aber am Morgen nach dem Eröffnungsfest stapfen die ersten Besucher durch Baustellen, die Informationstafeln mit der Aufschrift «Eröffnung in x Monaten» säumen. Marseille exemplifizierte das heuer recht extrem, wurde der Grossteil der...

10. Juli 2013 Neue Zürcher Zeitung

Rudy Ricciotti: ein Igel mit Beton-Stacheln

Die Pariser Cité de l'architecture richtet Rudy Ricciotti die erste Werkschau aus. Auch wenn sie von der Inszenierung her nicht überzeugt, zeigt sie doch den Provenzalen als sensiblen Baukünstler, der als streitbarer Pamphletär gerne irritiert.

Die Galerie basse der Cité de l'architecture & du patrimoine in Paris ist ein langer, lichtloser Schlauch. Nicht unbedingt der ideale Ort für eine Ausstellung. In der dort zurzeit für den provenzalischen Architekten Rudy Ricciotti ausgerichteten Werkschau sind die Hauptexponate grossformatige Fotografien...

3. Juni 2013 Neue Zürcher Zeitung

Städtebau mit Qualität

Montpellier, die schnellstwachsende Stadt Frankreichs, setzt seit den 1980er Jahren auf zeichenhafte Architektur. Unlängst wurden Bauten von Massimiliano Fuksas, Zaha Hadid und Jean Nouvel eingeweiht.

Welcher dieser Grazien soll man den Preis der Anmut zuerkennen? Seit Ende 2011 ist Montpellier gleich um drei architektonische Wahrzeichen reicher geworden. Bei diesen gebauten «Grazien» handelt es sich freilich um Diven Rubensschen Zuschnitts. Gewaltig ist die Dimensionen von Zaha Hadids «Pierres Vives»:...

11. April 2013 Neue Zürcher Zeitung

Eine einzigartige Einzelgängerin

Die gebürtige Irin Eileen Gray hat fast ihr ganzes aktives Leben in Frankreich verbracht. Doch erst 36 Jahre nach ihrem Tod findet jetzt in ihrer Wahlheimat eine Retrospektive statt. Dem Genie der Designerin und Architektin wird die Schau im Centre Pompidou nur bedingt gerecht.

Eine verspätete Ehrung: Nach bereits weit zurückliegenden Retrospektiven in London und New York wird Eileen Gray (1878–1976) nun endlich auch in ihrer Wahlheimatstadt Paris eine Werkschau gewidmet. Die Irin zählte zu jenen Abenteuerlustigen, die in ihrem Geburtsland ausgebildet wurden, dieses aber in...

7. April 2013 Neue Zürcher Zeitung

Hollywood-sur-Seine

Luc Bessons neuer Filmstudio-Komplex bei Paris wird als der modernste in Europa angepriesen. Der amerikanischste aller französischen Regisseure hofft, damit auch Hollywoodproduktionen anzulocken. Ein Besuch vor Ort.

Neurasthenische Actionkino-Fans haben sich einen Spass beziehungsweise Sport daraus gemacht, die Opfer des Profikillers Léon zu zählen, dem Titelhelden eines der bekanntesten und besten Filme von Luc Besson. Die Zählungen reichen vom Einfachen zum Doppelten, von 26 bis 52, was Spielraum für endlose Debatten...

5. April 2013 Neue Zürcher Zeitung

Ein Dreispartentheater an der Seine

Am 31. März 1913 wurde das Théâtre des Champs-Elysées in Paris eingeweiht. Das Haus, heute ein Tempel des gebildeten Grossbürgertums, hat Architektur-, Theater- und Musikgeschichte geschrieben.

Das Pariser Théâtre des Champs-Elysées (TCE) trägt seinen Namen zu Unrecht: Es befindet sich über einen halben Kilometer von der berühmtesten Avenue der Welt entfernt, am andern Ende der Avenue Montaigne, die am Rond-Point der Champs-Elysées von der Prachtstrasse abzweigt. Zwar hatte die Pariser Stadtverwaltung...

28. Januar 2013 Neue Zürcher Zeitung

Marseille hat eine innigere Beziehung zum Meer als zur Kunst

Marseille hat jüngst sein Kulturhauptstadt-Programm lanciert. Mehrere Veranstaltungen illustrieren die besondere Beziehung der Hafenstadt zum Mittelmeer. Inwieweit Frankreichs zweitgrösste Metropole heuer ihren infrastrukturellen Rückstand wird aufholen können, steht offen.

Am Meere hängt, zum Meere drängt hier doch alles. Marseille und die Méditerranée – das ist eine Mischung aus Märchen und Mosaik. Sagenhaftes Epos und pointillistisches Gemälde in einem. So haben nicht nur Maler wie Cézanne, Renoir, Signac und Braque sowie lokale Genies wie das Stadtkind Adolphe Monticelli...

20. Januar 2013 Neue Zürcher Zeitung

Grande Dame des Designs

Mit der 87-jährigen Andrée Putman ist am 19. Januar in Paris die Grande Dame des französischen Designs verstorben. Mehr noch als mit ihren Möbelkreationen – darunter die Sitzbank «Eléphant» und das Sofa «Crescent Moon» – schrieb Putman mit ihren Inneneinrichtungen ab den 1960er Jahren ein Kapitel Designgeschichte....

17. Dezember 2012 Neue Zürcher Zeitung

Flaggschiff mit Fragezeichen

Der Pariser Louvre hat soeben im nordfranzösischen Lens einen Ableger eröffnet. Ein schlichter, transparenter Bau des japanischen Architekturbüros Sanaa, zwei gelungene Wechselausstellungen, aber Zweifel am Sinn des Ganzen machen das Unternehmen zu einem gemischten Erfolg.

Die spektakulärste Art, sich einen Überblick über das nordfranzösische Städtchen Lens und seine Umgebung zu verschaffen, ist, eine der beiden Berghalden von Loos-en-Gohelle zu besteigen. Diese riesigen Hügel aus Abfallmaterial der Steinkohleförderung begrüssen den Besucher schon am Bahnhof von Lens wie...

21. November 2012 Neue Zürcher Zeitung

Bauen mit Eisen, Licht und Luft

Dem Architekten der Bibliothèque nationale, Henri Labrouste, war zuletzt 1976 eine Retrospektive gewidmet worden, Victor Baltard, dem Erbauer der Pariser Hallen, noch gar nie. Zwei Werkschauen entwerfen jetzt ein differenziertes Porträt dieser Giganten des 19. Jahrhunderts.

Frankreichs Architekturerbe des 19. Jahrhunderts wird wiederentdeckt. Lange bildete das von dem unlängst verstorbenen britischen Historiker Eric Hobsbawm von 1789 bis 1914 abgesteckte «lange Jahrhundert» für hiesige Forscher, Lehrer und Kritiker wie auch für die meisten Architekten in baukünstlerischer...

27. September 2012 Neue Zürcher Zeitung

Glaspavillon mit goldenem Sonnensegel

Der Louvre in Paris präsentiert seine neue Abteilung für islamische Kunst: einen gläsern-goldenen Schrein für dreitausend Schätze aus dreizehn Jahrhunderten. Der Ausstellungsparcours überzeugt durch Eleganz, Transparenz und Intelligenz.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass im grössten Museum der Welt eine neue Abteilung eröffnet wird. Entsprechend gewaltig war der – finanzielle, architektonische, museographische und logistische – Aufwand, den der Louvre betrieben hat, um das am Samstag eröffnete Département des Arts de l'Islam aus dem...

7. September 2012 Neue Zürcher Zeitung

Vom Nachtschatten ins Tageslicht

Frankreichs Fonds régionaux d'art contemporain, vor dreissig Jahren ins Leben gerufen, fristeten lang ein Schattendasein. Sechs von ihnen werden bis 2015 einen architektonisch ambitionierten Neubau beziehen. Die entsprechenden Projekte, von Bordeaux über Dünkirchen bis Marseille, seien hier vorgestellt.

Wie ein zum Kasten komprimierter Walfisch liegt er da, der neue Fonds régional d'art contemporain (Frac) Bretagne im ebenfalls frisch aus der Erde gestampften Beauregard-Viertel von Rennes. Ein anthrazitfarbener Monolith, dessen auskragendes Flachdach noch einen letzten Rest animalisch anmutender Rundungen...

23. Juli 2012 Neue Zürcher Zeitung

Hip, Hype, Hurra!!

Mit der Erschliessung von 14 000 Quadratmetern hat sich das Palais de Tokyo in Paris fast verdreifacht. Der Erkundungsgang durch die neuen Gebäudeteile bietet eine halluzinierende Promenade architecturale durch eine Stadt in der Stadt.

«Hip, Hype, Hurra!», jubelte der Verfasser dieser Zeilen im Januar 2002 bei der Wiedereröffnung des Pariser Palais de Tokyo, das in ein zeitgenössisches Kunstzentrum verwandelt worden war. Dem ist heute nichts anzufügen – ausser vielleicht ein zweites Ausrufezeichen, hat sich die Nutzfläche doch jüngst...

23. April 2012 Neue Zürcher Zeitung

Dornröschens übervorsichtige Ambitionen

Die Hauptstadt der südwestfranzösischen Region Aquitaine will in die erste europäische Riege aufsteigen. Nach der gelungenen Neugestaltung der Quais an der Garonne muten die ersten Realisierungen weiterer urbanistischer Grossprojekte indes sehr durchwachsen an.

Und es ward Licht! Am 15. Dezember 1995 erstrahlte die Place de la Bourse in Bordeaux im Schein von 700 Leuchtquellen. Die 330 Meter umspannende Fassadenfront des schönsten Platzes von Frankreichs schönster Stadt erwachte an jenem denkwürdigen Tag zu neuem Leben. Ihre Illumination war nicht nur der Vorbote...

27. März 2012 Neue Zürcher Zeitung

Ein Tumulus für Vercingetorix

Die Schlacht von Alesia besiegelte die Romanisierung Galliens. Anderthalb Jahrtausende später begann ein Mythos die Geschichte zu umranken. Ein architektonisch stimmiges «Interpretationszentrum» beleuchtet nun beides: Fakt und Mär.

«Nos ancêtres, les Gaulois» – die Formel ist jedem Franzosen geläufig. Die meisten gebrauchen sie nur noch augenzwinkernd. Zum einen, weil Millionen von hiesigen Bürgern afrikanischer, asiatischer oder karibischer Abstammung schwerlich «gallische Vorfahren» hatten. Zum andern, weil es ins allgemeine...

17. Januar 2012 Neue Zürcher Zeitung

Prunkvolle Stadtresidenzen

Das Hôtel particulier ist eine Spezialität der französischen Kulturwelt. Eine Schau in der Pariser Cité de l'architecture et du patrimoine zeichnet die vielfältigen Wandlungen des Gebäudetyps nach.

«Hôtel» bezeichnet im Französischen sowohl öffentliche Institutionen («hôtel-Dieu», die mittelalterliche Krankenhaus-Vorform; «hôtel de ville», das Rathaus) als auch Privatbauten: das Hotel für Reisende und das Hôtel particulier. Letzterem widmet die Pariser Cité de l'architecture et du patrimoine eine...

11. Januar 2012 Neue Zürcher Zeitung

Unter dem goldenen Louvre-Libellenflügel

Am 4. Januar hatte der Louvre die Medien zu einem Besuch der Baustelle des Département des Arts de l’Islam eingeladen, das im Sommer eröffnet wird. Vorab gab es eine Pressekonferenz. Derlei Veranstaltungen sind notorisch zeitraubend, ich gehe nur selten hin. Im vorliegenden Fall war es allerdings die...

9. Januar 2012 Neue Zürcher Zeitung

Flugroboter bauen Termitenhügel

Die Architekten Gramazio & Kohler haben zusammen mit Raffaello D'Andrea ein sechs Meter hohes Bauwerk entworfen, dessen über 1500 Elemente durch Flugroboter zusammengesetzt wurden.

Assoziationen aus der Tierwelt sind unvermeidlich: Wie fliegende Rieseninsekten schwirren vier «Quadrokopter» durch die Ausstellungshalle des Fonds régional d'art contemporain (Frac) Centre in Orléans. Die mit vier Rotoren versehenen computergesteuerten Flugroboter landen auf einer Plattform, wo sie...

12. Dezember 2011 Neue Zürcher Zeitung

Im Reich der Riesen-Rhododendren

Im normannischen Tausend-Seelen-Dorf Varengeville liegen vier Gärten dicht beieinander, die, jeder auf seine Art, zu einer Reise durch das Reich der Flora einladen. Seit diesem Sommer sind alle vier für Besucher geöffnet – ein Rundgang in Begleitung ihrer Besitzer oder Betreiber.

Varengeville-sur-Mer, ein Tausend-Seelen-Dorf an der normannischen Küste. Eine lange Hauptstrasse, an der zwischen zwei Viehweiden hier und da ein Haus auftaucht. Seitenwege führen zu kleinen Siedlungen mit gepflegten Alt- und gediegenen Neubauten. Die spärliche Strassenbeleuchtung verstärkt nachts noch...

11. November 2011 Neue Zürcher Zeitung

Orpheus-Tempel an der Côte d'Azur

Im Seebad Menton an der französisch-italienischen Grenze hat der Architekt Rudy Ricciotti ein Museum für die weltweit grösste Sammlung von Werken von Jean Cocteau entworfen. Die Form des Baus überzeugt ebenso sehr wie der Inhalt.

Eine kantige Qualle. Eine plattgedrückte Seespinne. Ein unterseeisches Urtier mit einem Panzer aus Chitin oder einer Schale aus Muschelkalk. Von den Höhen der Altstadt von Menton aus weckt das am 6. November eröffnete Musée Jean Cocteau Collection Séverin Wunderman maritime Assoziationen. Sein Flachdach...

30. April 2011 Neue Zürcher Zeitung

Bruchlandung

Fliegende Untertassen sind nicht viel anders als Vögel oder Flugzeuge: Zwischen zwei Flügen verbringen sie die meiste Zeit am Boden. So auch der Ufo-Ausstellungspavillon, den die Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid 2008 für das Pariser Modeunternehmen Chanel entwarf. In diesem «Chanel Contemporary Art...

8. Februar 2011 Neue Zürcher Zeitung

Wiedergeburt des Stadtzentrums

Die Neugestaltung des Pariser Hallen-Viertels ist das urbanistische Grossprojekt der seit 2001 amtierenden Pariser Stadtverwaltung. Dieser ist es gelungen, trotz der hohen Komplexität des Unternehmens ein auf dem Papier überzeugendes Projekt zu erarbeiten. Mit der Umzäunung des östlichen Teils des Jardin...

3. Januar 2011 Neue Zürcher Zeitung

Der Architekt der Pariser Oper

Die Staatsverwaltung zeichnet sich mitunter – und das wohl in aller Herren Ländern – durch eine Mischung aus Krämergeist, kafkaesker Logik und totaler Taktlosigkeit aus. Frankreich macht da keine Ausnahme. Als am 5. Januar 1875 die neue Pariser Oper eingeweiht wurde, hatte der zuständige Minister vergessen,...

22. Dezember 2010 Neue Zürcher Zeitung

Räume in sanften Sepiafarben

Andrée Putman gilt als die grosse Dame des französischen Designs. Ihre Inneneinrichtungen und Möbelkreationen lassen den Geist der zwanziger und dreissiger Jahre wiederaufleben.

Sie verkörpere die französische Eleganz, heisst es von Andrée Putman oft. Das ist nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig. Es gibt verschiedene Arten der französischen Eleganz und verschiedene Arten, diese zu verkörpern – man denke nur an so unterschiedliche Figuren wie Coco Chanel, Claude Pompidou,...

12. November 2010 Neue Zürcher Zeitung

Sticken mit dem Ideenfaden

Das Museum von Villeneuve d'Ascq, soeben nach einem vierjährigen, knapp 30 Millionen Euro teuren Um- und Ausbau wiedereröffnet, ist ein erstaunliches Haus. Sein offizieller Bandwurmname, «Lille Métropole Musée d'art moderne, d'art contemporain et d'art brut» (LAM), benennt zugleich seinen Besitzer und...