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nextroom fragt: Michael Anhammer
nextroom fragt: Michael Anhammer, Portraitfoto: Mirjam Reither

Aus Franz und Sue wird neu - Franz&Sue. Die fünf Gründer verbindet nicht nur die Herangehensweise an Architektur, sie fanden, dass sie auch in der Unternehmenskultur eine gemeinsame Sprache sprechen. Michael Anhammer im Interview mit Martina Pfeifer Steiner.

08. August 2017

In welchen Bürostrukturen arbeiten Sie?

Wir sind fünf Partner: drei von Sue (Christian Ambos, Harald Höller und ich) und zwei von franz (Robert Diem, Erwin Stättner), die sich unter dem gemeinsamen Produktionsnamen Franz&Sue zusammengetan haben. Franz und Sue, so wie Ich und Du. Es macht uns Freude, dass wir Verantwortung teilen können, weil wir glauben dass man breit aufgestellt sein muss, um heutzutage ein Büro erfolgreich zu führen, miteinander sind wir stärker. Man sollte schon eine gewisse Größe haben - wir sind jetzt 40 Leute im Team - um der Komplexität der Architekturproduktion zu entsprechen. Es war aber nicht nur eine strategische, sondern auch eine Herzensentscheidung.
Es gibt bei Franz&Sue verschiedene Abteilungen mit Teams die Verantwortung übernehmen. Übrigens sind bei der Projektleitung die Frauen in der Überzahl. Es ist wichtig, dass die Leute Lust haben mit uns gemeinsam zu arbeiten und nicht für uns. Ein großes Thema bei uns ist Wohnbau, das eigene Produktionsstrukturen braucht. Oder die Wettbewerbsabteilung, hier können unsere MitarbeiterInnen kontinuierlich und in Ruhe arbeiten, es ist wichtig, dass dafür ein eigener Raum geschaffen wird.
Anlässlich der Fusion sind wir auch zusammengezogen, wir bauen aber bereits den neuen Standort. Wir konnten den Wettbewerb für ein Quartiershaus am Hauptbahnhof-Areal mit einem Konzept gewinnen, das ein achtgeschoßiges Bürogebäude ins reine Wohnviertel stellt. Ein Architekturproduktions-Cluster wird entstehen, in das wir mit weiteren Architekturinstitutionen und architekturnahen Unternehmen einziehen werden. Auf die Kantine im Erdgeschoß freuen wir uns schon besonders und auf Inspiration und Diskussionen, die sich in diesem Architektur-Hub ergeben werden.

Was inspiriert Sie?

Wir haben viel über das Work-Life-Balance Thema nachgedacht: Die große Herausforderung ist, dass engagierte MitarbeiterInnen auch außerhalb des Büros genügend Zeit und Raum bekommen. Bei uns im Team arbeiten ja durchwegs starke Persönlichkeiten, die – im besten Sinne – alle auch ihre Befindlichkeiten, Wünsche, Sehnsüchte haben, und das sind vierzig verschiedene, auf die es nicht nur die eine Antwort geben kann. Deswegen bleib ich jetzt auf der Metaebene von Inspiration: Wie kann man die Individualität in unserem vielfältigen Team leben? Wir sagen, es funktioniert gut mit Großzügigkeit. Natürlich muss es Verbindlichkeit geben, bei gemeinsamen Projekten kann nicht jeder kommen und gehen wann es passt, aber mit dem Zulassen eines möglichst großen Maßes an Selbstbestimmtheit, ergibt das eine Qualität. Es ist auch bereichernd, wenn jemand von längeren Reisen, von seiner Kinderbetreuung oder einem Sabbatical wieder zu uns zurück kommt.
Wir als Chefs nehmen uns Auszeiten, in denen das Handy rigoros ausgeschaltet wird und der Einzelne für mehrere Wochen im Stück nicht erreichbar ist. Und dann macht jeder etwas ganz anderes, was nichts mit Architektur zu tun hat. Da wir zu fünft sind, ist das kein Problem und wir können darüber hinaus üben, dass man nicht unersetzbar ist, es gibt immer die anderen, die Verantwortung übernehmen.

Was begrenzt die Verwirklichung Ihrer Visionen?

Vieles bei uns entsteht über Wettbewerbe. Wir nehmen jedoch schon wahr, dass Verhandlungsverfahren häufiger werden und dass sich die Art wie Lösungen abgefragt werden in den letzten Jahren sehr verändert hat. Wir merken dabei, dass die Wertschätzung für sorgfältige Planung nicht immer groß ist, als ob eine Idee etwas Störendes im Bauprozess wäre. Wir spüren immer wieder so ein grundlegendes Misstrauen gegenüber unserem Berufsstand.
Wir sind zudem ein Büro das nicht nur Ideen entwickelt, wir sind auch Generalplaner und sehen, dass bei großen Baustellen durch die Verrechtlichung das Partnerschaftliche, das wir als große Qualität in einem Bauprozess sehen, oftmals durch Claims gefährdet wird. Gibt es gegenseitiges Wohlwollen – und das wird manchmal schon als Schwäche wahrgenommen - von allen Seiten, entsteht viel eher Relevantes.

Welches Ihrer Projekte möchten Sie hervorheben?

Es sind drei Projekte, die ich erwähnen will: Das Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen, auch Schatzkiste Tirols genannt. Dieses ist insofern interessant, weil wir uns im offenen Wettbewerb mit einer starken Idee gegen 150 andere Projekte durchsetzen konnten, die wir sehr reduziert darstellten. In ein paar Strichen ist im Hang der schützende Kubus eingelassen und es wurde genauso in die Landschaft gesetzt, wie auf dieser ersten Skizze. Das Gebäude wird Anfang September 17 eröffnet.
Das zweite ist das Justiz-Gebäude in der Salzburger Altstadt. Der gesamte denkmalgeschützte Häuserblock aus 1900 wurde grundlegend saniert, der Hof entkernt. Für uns war dabei spannend: Wie funktioniert zeitgemäße Justiz? Wie können wir aus diesem hermetisch abgeschlossenen Block ein durchlässiges Gebäude sowie Gericht und Recht wahrnehmbar machen. Die zwei großen Höfe im Inneren werden nun zum öffentlichen Raum und es entsteht ein Ort, an dem Salzburg nicht touristisch ist, sondern den EinwohnerInnen gehört.
Ein Wohnbauprojekt im Karree Atzgersdorf sei noch hervorgehoben. Der Bauträger-Wettbewerb wurde für das ganze Quartier ausgeschrieben. Wir entwickeln, die Bebauung dieser riesigen Fläche nun aufgeteilt auf drei Architekturbüros gemeinsam mit drei Bauträgern. Diese Arbeitsweise der kleinteiligen Parzellierung mit elf unterschiedlichen Ansätzen erfordert einen intensiven Diskussionsprozess, wir glauben aber, dass dadurch eine neue Qualität der Vielfalt im Quartier entstehen kann.

Worüber sollten ArchitektInnen reden, einen Diskurs anzetteln?

Vor allem sollten sie miteinander reden. Das war für uns immer sehr wichtig. Es gibt seit acht Jahren die monatlichen Treffen, den “Fight Club“, dabei kann man in offener Runde aktuell in Arbeit befindliche Projekte herzeigen und unter KollegInnen diskutieren. Sue und Franz hätte es in dieser Form nicht gegeben, ohne dieses “miteinander und voreinander“ Reden. Wir sehen andere Büros lieber als Partner und nicht als Konkurrenz.
Ein zweites Feld ist die Kommunikation unseres Berufstandes nach Außen. Dass wir außerhalb unserer Community so sperrig wahrgenommen werden, hat schon auch mit uns selbst zu tun. Wir sollten dringend eine Sprache entwickeln, die auch verstanden wird. Oft sind wir so beseelt von der eigenen großen Idee, die bestimmt ganz viele gute Gründe hat, dass wir vergessen die Gegenseite mit ihren Anliegen wahrzunehmen und zu respektieren, es wäre wichtig hier dialoghafter vorzugehen.


»nextroom fragt« ist ein neues Format für die in der nextroom Architekturdatenbank vertretenen PlanerInnen und Planer, das Raum für eine übergeordnete Eigenpräsentation schafft. Fünf gleichbleibende Fragen laden ein, Einblicke in den Arbeitsalltag und die Bedingungen für Architektur zu geben - ob aus der Sicht junger oder arrivierter, großer oder kleiner Büros.

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