Bauwerk

Stadthaus Mariahilf
stoll.wagner - Innsbruck (A) - 2014
Stadthaus Mariahilf, Foto: Birgit Koell
Stadthaus Mariahilf, Foto: Birgit Koell
Stadthaus Mariahilf, Plan: stoll.wagner ziviltechnikergesellschaft mbh
09. Februar 2016 - aut. architektur und tirol

In einem großteils geschlossen bebauten Straßenzug gegenüber dem Maria-Hilf-Park befand sich ein ca. 20 m von der Straße zurückversetzter mehrgeschossiger Wohnbau mit großem Vorgarten zur Straße im Süden. Der Eigentümer, die Firma Weinberg, entschloss sich dazu, den Bestand durch einen Neubau zu ersetzen und schrieb dafür einen Architekturwettbewerb aus, den stoll.wagner mit ihrem Beitrag gewinnen konnten.

Die Architekten setzten in das heterogene Umfeld einen sehr klar strukturierten und prägnanten Baukörper. Direkt an das östliche Nachbarhaus angeschlossen errichteten sie einen siebengeschossigen Wohnbau, der sich Richtung Straße wie ein großteiliges „Wohnregal“ präsentiert. Im Erdgeschoss wurde die Arkade des Nachbargebäudes weitergeführt, dahinter befindet sich eine zum Arkadenraum über eine verglaste Front geöffnete Geschäftsfläche. Über dem zurückversetzten Erdgeschoss kragen sechs Wohngeschosse aus, in denen großteils Kleinwohnungen untergebracht sind. Die Fronten öffnen sich raumhoch verglast Richtung Süden, mit in den Baukörper geschnittenen Loggien erhalten die BewohnerInnen einen kleinen Freiraum Richtung Maria-Hilf-Park und Inn.

Im Norden, wo das Grundstück an eine durchgrünte Hangstufe grenzt, ist der Baukörper ähnlich strukturiert, die Balkonflächen wurden hier als durchgehende Scheiben vor den Baukörper gesetzt. Zwischen den damit nach Norden bzw. nach Süden orientierten Wohnungen liegt eine quer gesetzte Erschließunsgszone, die von einer verglasten Decke abgeschlossen ist und Tageslicht in die Baukörpermitte und damit auch zu den Richtung Lichthof angeordneten Nebenräumen bringt. In den oberen beiden Geschossen springt der Baukörper zurück, die hier untergebrachten großzügigeren Wohnungen konnten dadurch mit privaten Terrassen ausgestattet werden.

Die notwendigen PKW-Stellplätze und Fahrradbereiche wurden nicht über eine Tiefgarage gelöst, sondern in einer gedeckten Erdgeschosszone hinter der Geschäftsfläche untergebracht. Das begrünte Garagendach, das im Norden in den Hang übergeht, bietet den BewohnerInnen einen geschützten, intimen Gartenraum, der unter Beiziehung der Landschaftsplaner trolf landschaftsarchitektur gestaltet wurde. Die Zufahrt zu den PKW-Stellplätzen liegt wie der Zugang zum Haus selbst in der Lücke zum westlichen Nachbarhaus, zu dem ein Mindestabstand eingehalten werden musste.

Sein charakteristisches Erscheinungsbild erhält der in zurückhaltender Materialität und Farbigkeit gestaltete, monolithische Baukörper durch prägnante Einschnitte im unteren westlichen und gegenüberliegenden oberen Bereich. Diese Einschnitte und Rücksprünge folgen nicht formalen Überlegungen, sondern wurden aus der spezifischen städtebaulichen Situation entwickelt. Im Osten wurden sowohl im Sockelbereich mit der weitergeführten Arkade, als auch im Dachbereich in Form der zurückversetzten Terrasse die vom Nachbargebäude vorgegebenen Höhen übernommen. Im Westen, wo der Baukörper bis zum 2. Obergeschoss auskragt, wurde zum einen eine entsprechend attraktive, zweigeschossige Eingangssituation geschaffen – ein Treppenkeil in einem gläsernen Zugangsbaukörper bildet den Aufgang zu den Wohngeschossen und führt hinauf auf das Garagendach. Zum anderen wurde durch den Einschnitt die Lücke zwischen Bestand und Neubau optisch aufgeweitet und ein Durchblick vom Straßenraum in den Naturraum geschaffen. In Rücksichtnahme auf die enge Nachbarschaft ist die dorthin orientierte Fassade als Lochfassade ausgebildet, kleine Fensteröffnungen belichten die dahinter liegende Erschließungszone bzw. die Nebenräume der Wohnungen. (Text: Claudia Wedekind)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

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