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Artikel

22. Dezember 2020 Neue Zürcher Zeitung

Bahnhöfe sind Erinnerungsorte. Manchmal erzählen sie auch nur noch vom eigenen Verfall

Einst waren sie Kathedralen des Reisens und Prunkstücke unserer Innenstädte. Heute sind sie häufig nur noch Gerümpelkammern des raschen Konsums.

«Es ist eine Schande», sagte die Dame im Tourismusbüro in Hof. Wir waren ins Gespräch gekommen über den Bahnhof der Stadt. Schon bei der ersten Erwähnung dieses Gebäudes verfinsterte sich das freundliche Gesicht der Frau, und aus ihrem Mund kamen Sätze, die sich der Chef der Deutschen Bahn mit Sicherheit...

18. Februar 2020 Neue Zürcher Zeitung

Paternoster waren einst Symbole des Fortschritts, heute wecken sie nostalgische Gefühle

Wer zu faul zum Treppensteigen war und ein wenig Mut besass, liess sich vom ruckelnden und zuckelnden offenen Fahrstuhl befördern.

Jetzt kommt das vierte Stockwerk. Und dann geht es in die Dunkelheit. Die Kabine ruckelt ein wenig, es wird etwas lauter. Erst noch die schwarze Wand direkt vor meinen Augen. Jetzt gleite ich langsam hinein in einen dunklen hohen Raum mit einem riesigen Zahnrad. Es riecht nach Maschinenöl. Aber was geschieht...

17. Januar 2018 Neue Zürcher Zeitung

Nach Hitler kam Bob Dylan – In Nürnberg stellt sich die Frage nach dem Umgang mit dem Nazi-Erbe

In Nürnberg werden Touristen in Bussen zum einstigen Reichsparteitagsgelände gefahren. Braucht es solche Stätten wie die baufällige Zeppelinbühne, die einem den Kitzel gönnt, dort zu stehen, wo «der Führer» gestanden hat?

Auffällig drückt sich der junge Mann herum. Auf den endlosen Steinstufen der Tribüne vor dem Zeppelinfeld in Nürnberg, wo die Nationalsozialisten ab 1933 ihre monströsen Reichsparteitage abhielten, nähert er sich langsam dem Mittelpunkt des längst bröckelnden Bauwerks: Hier stand damals Adolf Hitler...

12. Januar 2015 Neue Zürcher Zeitung

Kontaminierte Erbschaften

Einst geplant für «tausend Jahre», bröckelt die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten in Nürnberg vor sich hin. Die Stadt will das Bauwerk als Mahnmal erhalten, Kritiker meinen, nur als Ruinen machten die baulichen NS-Hinterlassenschaften einen aufklärerischen Sinn.

Mit dem Versprechen, «in Stein gemeisselten monumentalen Wahnsinn» zu Gesicht zu bekommen, lockt ein Reiseveranstalter auf seinem Internetportal Touristen nach Nürnberg. Mit «Wahnsinn» wird gruselig das umschrieben, was noch übrig ist auf dem Zeppelinfeld, dem ehemaligen Aufmarschgelände der Nationalsozialisten:...

7. Juli 2014 Neue Zürcher Zeitung

Keine Luftschlösser

Das Luftmuseum in Amberg zeigt zurzeit pneumatische Architektur. Im Zentrum der den Architekten Vehovar & Jauslin und dem Ingenieurbüro «formTL» gewidmeten Schau steht das Dach des Busbahnhofs Aarau.

Wo könnte eine Ausstellung über «Bauen mit Luft» besser aufgehoben sein als in einem Museum, das sich mit seiner Idee und seinen zum Teil kuriosen Exponaten ganz dem flüchtigen Stoff verschrieben hat? Mitten in der östlich von Nürnberg in der Oberpfalz gelegenen mittelalterlichen Stadt Amberg steht dieses...

4. März 2013 Neue Zürcher Zeitung

Die Theatermacher

Zwischen 1870 und 1913 errichteten die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer mehr als 40 Theater in ebenso vielen europäischen Städten. Die Wünsche des Bürgertums nach Glanz und Glamour erfüllten diese «Baumeister der Illusion» von Hamburg bis Odessa.

Wenn die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer vor über hundert Jahren zu den Baustellen ihrer Theater fuhren, waren sie nicht selten wochenlang unterwegs. Bratislava, Hamburg oder Zürich mochten noch angehen und waren in wenigen Stunden oder in gut einem Tag zu erreichen. Aber Sofia,...