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Zweckform mit Humor
Ausstellung über den Designer Walter Papst in Hannover
Er gehört zu den unbekannteren deutschen Formgestaltern nach dem zweiten Weltkrieg: der Designer Walter Papst (1924–2008). Sein Werk war ebenso unkonventionell und frohgemut wie sein mit gleicher Haltung geführtes Leben. Das demonstriert derzeit eine multimediale Ausstellung der Firma Wilkhahn im Museum August Kestner in Hannover. Für Wilkhahn hat Papst in den 50er und 60er Jahren sehr eigenständige Produkte entworfen.
«Ich projektiere nie allein»
Eine Ausstellung im Bauhaus Dessau folgt der Idee kollektiver Gestaltung, die Hannes Meyer dort im Lehrplan verankerte. Gestalt nahm sie in fünf Häusern in Törten und der Bundesschule in Bernau an.
Der Basler Architekt Hannes Meyer (1889–1954), der zwischen 1928 und 1930 Direktor am Staatlichen Bauhaus in Dessau war, steht nach wie vor im Schatten seines Vorgängers Walter Gropius sowie seines Nachfolgers Ludwig Mies van der Rohe. Diese Marginalisierung beruht nicht auf seinem vergleichsweise schmalen...
Was es vorher so nicht gab
Das Kunstmuseum Wolfsburg widmet sich der Zeichnung
Architekten sind ja Spezialisten für eine spezielle Sparte der Zeichnung, die heutzutage meist dem Computer entspringt: der Plan, anwendungsorientiert, in der Regel räumlich-technischen Inhaltes. Daneben wird (hoffentlich) die Handzeichnung im Entwurf gepflegt. Denn hier entfaltet sich eine phänomenologische Grundkonstante des Zeichnens, die intentionale Geste, das Abtasten einer Idee im konzentrierten, anschaulichen und mitteilsamen Denkprozess.
Hamburger Moderne
Der Hamburger «Architektur-Sommer» 2015 widmet sich den beiden Architekten Peter Behrens und Cäsar Pinnau. Der lange vergessene Architekturfotograf Ernst Scheel wird mit einer Ausstellung geehrt.
Seit 1994 richtet die Hamburgische Architektenkammer zusammen mit lokalen Akteuren im Dreijahreturnus den Architektur-Sommer aus. Die diesjährige achte Auflage bietet bis in den Herbst hinein an mehr als hundert Orten über zweihundert Veranstaltungen für interessierte Laien und Fachleute. Das doppelsinnige...
Späte Ehrung
Der seit 1969 vom Bundesministerium für Wirtschaft verliehene Designpreis der Bundesrepublik Deutschland geht erstmals an einen Formgestalter der ehemaligen DDR. Geehrt wird Karl Clauss Dietel.
Mit Karl Clauss Dietel aus Chemnitz hat erstmals ein Formgestalter der ehemaligen DDR den seit 1969 jährlich vom Bundesministerium für Wirtschaft verliehenen Designpreis der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk erhalten. Der 1934 in Sachsen geborene Dietel studierte nach der Ausbildung im Fahrzeugbau...
Mehr als Form
Für den deutschen Produktgestalter Wilhelm Wagenfeld (1900–1990) stand stets der Gebrauchswert eines Alltagsgegenstandes im Mittelpunkt seiner komplexen Formfindungsprozesse. Er erspürte zivilisatorische Umbrüche und schuf nach dem Zweiten Weltkrieg in wirkungsvoller Tätigkeit für die westdeutsche Industrie...
Karg, rein, puritanisch.
Fotos von Walker Evans im Berliner Gropius-Bau
Er wolle so fotografieren, wie James Joyce schreibt, hat der große amerikanische Fotograf Walker Evans (1903–1975) einmal gesagt. Damit meinte Evans nicht die Arroganz, die der Ire seinen Kollegen entgegenbrachte, sondern dessen freien Geist und seine ungeschönte Sprache für Umstände, wie sie eben sind.
Die vereinte Form
Rund 25 Jahre nach der Wiedervereinigung hält das DDR-Design Einzug ins Museum. Jenseits «ostalgischer» Legendenbildung erfährt die lange diskreditierte Industriekultur des sozialistischen Deutschland eine Rehabilitierung.
Mit der politischen «Wende» von 1989, mit der Übernahme der D-Mark und dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland im Oktober 1990 entschwand nicht nur ein totalitäres Staats- und Wirtschaftssystem mitten in Europa. In weiten Bereichen erodierte auch die Wertschätzung einer während 45 Jahren...
Baukunst im Dienste der Verführung
Nicht nur Fachmagazine und Ausstellungen waren nach dem Krieg in den USA und in Europa wichtige Vermittler neuer Entwicklungen in Architektur und Design. Auch der Männerzeitschrift «Playboy» kam eine bedeutende Rolle zu, wie derzeit eine Schau im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zeigt.
Der moderne Mann verbringt die meiste Zeit im Innenraum. Er mag seine Wohnung, das Cocktail-Mixen und nimmt gerne weiblichen Besuch mit nach Hause – für ein ruhiges Gespräch über Picasso, Nietzsche, Jazz und Sex. So umrissen die Herausgeber um Hugh Hefner ihr publizistisches Programm bereits in der allerersten...
Scharouns Theater in Wolfsburg bedroht
Der Architekt der Berliner Philharmonie, Hans Scharoun, beschäftigte sich zeitlebens in Wettbewerben und Entwürfen mit dem Theaterbau. Realisieren konnte er aber nur das Theater in Wolfsburg. Nun ist das Vermächtnis seiner organischen Raummodelle in Architektur und Städtebau durch ein Neubauprojekt bedroht.
Im kriegszerstörten Westdeutschland wurden zwischen 1950 und 1965 über 55 Theater gebaut, davon 40 als vollständige Neuerrichtung. Auch die 1938 gegründete Stadt Wolfsburg beschäftigte sich in dieser Zeit mit der Frage eines Theaters. Die Standortwahl fiel auf einen leichten Hang am südlichen Stadteingang,...
Ein Pionier der Baukultur
Das Landesmuseum Oldenburg widmet derzeit seinem Gründungsdirektor, Walter Müller-Wulckow (1886–1964), eine bestechende Sichtung seines baukulturellen Lebenswerkes, ausgehend von vier «Blauen Büchern» zur Baukunst, deren Verfasser er war. Das Museum erhielt 1991 den Nachlass aus Korrespondenz, Bibliothek und sekundärem Fotomaterial.
Als Walter Müller-Wulckow 1921 an das Landesmuseum Oldenburg kam, verfügte er bereits über fundierte Erkenntnisse der Baukultur. Nach der Promotion bei Georg Dehio, dem Begründer einer modernen Baudenkmalpflege, hatte er seit 1912 als freier Kunst- und Architekturkritiker in Frankfurt gearbeitet. Zudem...
Francis Alÿs
Ausstellungen in Wolfsburg und Heidelberg
Der Flaneur braucht die Großstadt – Architekturen, Menschen und Situationen bieten ihm Anlass zu intellektuellen Reflexionen. Während ihm im 19. Jahrhundert, mit seinen ersten Auftritten in den europäischen Metropolen, etwas blasiert Dandyhaftes ohne rechtschaffende Produktivität anhaftete, hat der Belgier Francis Alÿs diesen Typus Stadtspaziergänger in den letzten 25 Jahren zu einem handfesten künstlerischen Akteur umgewidmet.
Wegbereiter der Abstraktion
Ornamentgrafik-Ausstellung in Wolfsburg
Unter dem Generalthema „Auf der Suche nach der Moderne im 21. Jahrhundert“ unternimmt das Kunstmuseum Wolfsburg immer wieder „Sondierbohrungen“ in die vormoderne Kunst. Diesmal wagt man den Sprung zurück in den Zeitraum vom 15. bis ins 18. Jahrhundert und in ein Genre jenseits der Hochkunst – Blätter der Ornamentgrafik.
Einfach weiterbauen
Der Künstler Carlos Garaicoa vollendet gescheiterte Utopien
Architektur, Bücher und andere Druckerzeugnisse, das sind die Rohstoffe der Arbeiten von Carlos Garaicoa. Nach Beteiligungen an Gruppenausstellungen wie der documenta 11 zeigt der Kunstverein Braunschweig jetzt die erste Einzelausstellung des kubanischen Künstlers in Deutschland.
Die Poesie der armseligen Dinge
Alexander Brodsky im Az W
Was ist Architektur? Und wie möchte ich als Architekt arbeiten? Der russische Architekt und Künstler Alexander Brodsky hat auf diese beiden Fragen sehr persönliche Antworten gefunden – die im Umkehrschluss einiges über die gegenwärtige mentale Disposition der Disziplin aussagen.
Totalkünstler
Timm-Ulrichs-Ausstellung in Hannover
Ein bisschen fühlt man sich an Bazon Brock erinnert, der sich zu seinem 70. Geburtstag als „Wundergreis“ inszenierte, als Künstler (zwar ohne Werk), den es noch zu entdecken gelte. Im Falle von Timm Ulrichs allerdings harrt ein stupendes, in weiten Teilen unbekanntes Œuvre der Erkundung – zu seinem 70. Geburtstag veranstalten der Kunstverein Hannover und das Sprengel-Museum eine große Doppelwerkschau.
Kosmos Rudolf Steiner
Opulenter Versuch einer Positionsbestimmung
Doppelausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg
Die Kunstmuseen Wolfsburg und Stuttgart sowie das Vitra Design Museum haben das gewaltige Unterfangen vorgenommen, Rudolf Steiners Persönlichkeit und Werk als „verdrängtes Gen“ innerhalb der Evolution der Moderne einer Revision zu unterziehen.
Pragmatische Visionäre
Das AzW stellt das Gesamtwerk der legendären a4 vor
Eine selbstbewusst dreinschauende Boygroup empfängt derzeit die Besucher im Architekturzentrum Wien. Die übergroße Reproduktion eines Fotos zeigt Wilhelm Holzbauer und Friedrich Kurrent, beide etwas über zwanzig Jahre alt, sowie den zehn Jahre älteren Johannes Spalt. Zusammen agierten sie zwischen 1950 und 1970 als „arbeitsgruppe 4“ oder kurz „a4“.