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12. September 2026 mit Maurice Koepfli
Neue Zürcher Zeitung

«Man muss den Leuten die Angst vor Hochhäusern nehmen»

Ende September stimmen die Zürcher über Hochhäuser ab. Der Architekt Philipp Fischer baut Wohntürme in der grössten Stadt der Schweiz. Er erklärt im Interview, warum mit hohen Gebäuden Abrisse verhindert und Grünräume erhalten bleiben.

Die Beziehung der Stadt Zürich zu hohen Häusern ist kompliziert. Von den linken Parteien werden Hochhäuser als Renditebauten verschrien, die die Verdrängung von Familien und die Gentrifizierung beschleunigen, die SVP fürchtet um das Ortsbild. Eine ungewöhnlich zusammengesetzte Mehrheit im Gemeinderat hat den Vorschlag des Stadtrats für die Revision der Hochhausrichtlinien zerpflückt und die Gebiete für bis 40 Meter hohe Gebäude gestrichen.

Dagegen ergriffen FDP, GLP und Mitte das Referendum. Der Stadtrat hat seinen ursprünglichen Entwurf als Gegenvorlage eingebracht.

Ende Monat entscheiden die Stimmberechtigten. Die emotional geführte Debatte um Luxuswohnungen, die Herausforderungen einer wachsenden Stadt und den Klimawandel beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch Architekten wie Philipp Fischer. Der Mann, der das Zollhaus unweit des Zürcher Hauptbahnhofs entworfen hat, baut derzeit ein 85-Meter-Hochhaus für die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) auf dem Koch-Areal.

Frage: Herr Fischer, als Architekt haben Sie das Zürcher Stadtbild mitgeprägt. Die kommende Abstimmung zu den Hochhausrichtlinien hat die Architektenszene aufgeschreckt – was treibt Sie um?

Antwort: Philipp Fischer: Die bevorstehende Abstimmung bereitet mir Sorgen. Der Stadtrat hat in einem langjährigen Verfahren durchdachte Richtlinien erarbeitet, die klar definieren, wo und wie in Zürich langfristig Hochhäuser gebaut werden können. Die Linken und die SVP haben daraus eine Vorlage gemacht, die so schlecht ist, dass man meinen könnte, sie sei am Stammtisch entstanden. Viele Kolleginnen und Kollegen, unter ihnen namhafte Architekten, die auch im Ausland tätig sind, wurden ähnlich aufgeschreckt von der Vorlage des Gemeinderats.

Frage: Der Gemeinderat will die Gebiete für bis zu 40 Meter hohe Häuser fast vollständig aus den Hochhausrichtlinien streichen. Was stört Sie daran?

Antwort: Die Mehrheit im Gemeinderat setzt Hochhäuser pauschal mit Renditeobjekten gleich. Deshalb will sie Hochhäuser aus der Stadtplanung verbannen. Doch dieses «Streichkonzert» greift zu kurz und beantwortet keine der grundlegenden Fragen, die wir uns jetzt stellen müssen. Darin sind sich Architektinnen und Architekten weitgehend einig.

Welche Fragen sind das?

Antwort: Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Klimawandel, aber auch Themen wie Verdichtung und Hitzeminderung in Wohnquartieren. In Zürich wird zu viel abgerissen, es gibt zu viele versiegelte Böden und zu wenig Grünraum. Die Politik stand lange hinter diesem Vorgehen, in den letzten fünf bis zehn Jahren hat ein Umdenken stattgefunden. Hochhäuser können dazu beitragen, dieser Veränderung Rechnung zu tragen. Mit einem Ja zum Vorschlag des Gemeinderats wird es aber genauso weitergehen wie bisher.

Frage: Und der Gegenvorschlag des Stadtrats bietet Antworten?

Antwort: Ja. Es ist ein ausgewogenes Regelwerk. Das Prinzip ist einfach: Wer höher baut, muss am Boden mehr Grün- und hochwertige Freiräume schaffen und mit gut gestalteten, öffentlich wirksamen Erdgeschossen zur Qualität des Quartiers beitragen. Gleichzeitig ermöglichen die Richtlinien es Investoren und Genossenschaften, Siedlungen gezielt weiterzuentwickeln, ohne alle bestehenden Bauten abzureissen.

Mit den linken Parteien und der SVP ist eine Mehrheit des Gemeinderats der Meinung, dass genau das Umgekehrte der Fall sein wird. Der Gegenvorschlag des Stadtrats werde dazu führen, dass noch mehr Gebäude abgerissen und viel graue Energie freigesetzt werde. Zudem seien Bau und Betrieb hoher Häuser extrem unökologisch.

Antwort: Die Devise: «Hochhaus böse, Regelbau gut» hält sich hartnäckig. Obwohl es so viele Beispiele für Ersatzbauten gibt, die aus 24 Meter hohen, bis an die Baulinien reichenden Regelbau-Riegeln bestehen. Dabei wäre es oft sinnvoller, ein unternutztes Grundstück zu verdichten, indem beispielsweise mittig ein Hochhaus erstellt wird und die bestehenden Häuser rundherum erhalten bleiben. Das bietet auch Platz für Grünraum. Viele Genossenschaften, aber auch Investoren würden gerne so bauen. Auch sie haben gemerkt, dass sie in der Stadt Zürich Projekte eher realisieren können, wenn sie nicht alles abreissen. Mit dem Vorschlag des Gemeinderats würden die Möglichkeiten, im Bestand zu verdichten, extrem eingeschränkt.

Sehen Sie das nicht zu pessimistisch? Die SP betont, dass Gebäude bis 40 Meter nach wie vor möglich seien: mit Gestaltungsplan.

Antwort: Wenn eine Genossenschaft Bauherrin ist, kann das mit der linken Mehrheit in Stadtrat und -parlament durchaus funktionieren. Investoren werden hingegen sorgfältig abwägen, ob sich dieser zeit- und kostenintensive Prozess für sie lohnt. Viele dürften sich dafür entscheiden, Gebäude in der Regelbauweise zu ersetzen. Das Ergebnis solcher Überlegungen sieht man gut bei den Ersatzbauten in Seebach oder Schwamendingen: massive Gebäuderiegel, dazwischen Tiefgaragen, auf denen man mit grossem Aufwand Bäume pflanzt, die aber nie so gedeihen können, wie man sich das wünschte.

Frage: Die Gebiete für bis 60 oder 80 Meter hohe Häuser hat das Parlament beibehalten. Sehr hohe Gebäude könnten also weiterhin entstehen.

Antwort: Ja, diese Gebiete sind noch drin. Sowohl der Stadtrat als auch das Parlament wollen sie aber stark reglementieren. Je höher ein Hochhaus ist, desto mehr muss es für die Stadt leisten. Gerade im Erdgeschoss müssen die richtigen Nutzungen vorhanden sein. Zudem enthalten beide Vorschläge Anforderungen für gemeinnützigen Wohnraum. Das ist richtig so. Die Frage ist, wie weit diese Reglementierungen gehen sollen. Der Stadtrat will, dass bei einer Mehrausnützung mindestens 75 Prozent der so zusätzlich ermöglichten Wohnungen preisgünstig sind. Das ist eine klare Ansage. Das Parlament geht noch weiter und verlangt, dass 100 Prozent der Mehrausnützung preiswert vermietet werden.

Frage: Warum ist das ein Problem? Das 2011 an der Urne verabschiedete Drittelsziel verpflichtet den Stadtrat, dafür zu sorgen, dass bis 2050 ein Drittel aller Mietwohnungen in Zürich gemeinnützig ist.

Antwort: Ich bezweifle, dass sich Investoren finden, die eine Mehrausnützung anstreben, wenn sie damit keinerlei Gewinn erzielen dürfen. Nur schon deshalb geht der Vorschlag des Gemeinderats nicht auf.

Frage: Denken Sie, das Drittelsziel ist mit der Vorlage des Parlaments erreichbar?

Antwort: Nein. Nur schon weil sie gemeinnützigen Bauträgern – Genossenschaften, aber auch der Stadt – eine Riesenchance verbaut, ihre Siedlungen weiterzuentwickeln, ohne alles abzureissen. Ein grosser Teil der Gebiete, die der Gegenvorschlag für 40 Meter hohe Gebäude vorsieht, sind städtische oder genossenschaftliche Grundstücke. Es erschliesst sich mir nicht, warum das Parlament sich auf diese Gebäudehöhe eingeschossen hat – und das sage ich als liberaler SP-Wähler.

Frage: Gemäss einer Studie der ZKB sind die meisten Wohnhochhäuser in Zürich für Gutverdiener gedacht. Oft entstehen grossflächige Wohnungen mit wenigen Zimmern, die sich nicht für Familien eignen. Dafür werden günstige Wohnungen abgerissen. Was sagen Sie dazu?

Antwort: Ich bin absolut überzeugt, dass es nach einem Ja zum Gegenvorschlag des Stadtrats nicht zu einem Rendite-Bauten-Boom kommen wird – ich rechne eher mit dem Gegenteil. Wird die Vorlage des Gemeinderats angenommen, geht es genauso weiter wie in den letzten 25 Jahren, also in der Zeit, in der die Stadt intensiv umgekrempelt wurde und ein grosser Riegel mit wenig Grünraum entstand. Dabei wäre es viel besser, einen Teil der Gebäude zu erhalten und ein Hochhaus als Akzent zu erstellen. Das bietet den Vorteil, dass man den bestehenden Mietern, meist älteren Leuten, die in zu grossen Wohnungen leben, eine neue, altersgerechte Wohnung anbieten kann. Dafür werden grössere, ältere und somit günstigere Wohnungen für Familien frei. Genau da drückt der Schuh, und genau dafür bietet die Vorlage des Stadtrats enorme Chancen. Wichtig ist auch: Es heisst bis 40 Meter. Diese Limite wird bei ganz vielen Projekten nicht ausgenutzt werden. Die meisten Bauherren werden nur bis 30 Meter hoch bauen.

Frage: Warum?

Antwort: Ab 30 Metern Höhe gelten spezielle Brandschutzvorschriften. Sie sind ein Grund dafür, dass der Bau eines Hochhauses etwa 8 bis 15 Prozent teurer ist als der eines Gebäudes in der Regelbauweise. Es ist komplizierter, es braucht mehr Lifte. Aber gerade die ABZ zeigt mit ihrem Hochhaus auf dem Koch-Areal, dass es auch anders geht. Wir beweisen, dass so zahlbarer Wohnraum entstehen kann.

Frage: Sie sind der Architekt dieses Hochhauses. Wie schaffen Sie es, dass dort Mieten möglich sind, die für eine Genossenschaft funktionieren?

Antwort: Die wichtigsten Hebel sind das Bauland und die Effizienz der Grundrisse. Die ABZ erhält das Land von der Stadt im Baurecht. Der Preis ist anständig hoch, aber nicht in den Dimensionen, die man sonst auf dem Markt sieht. Dann haben die Architekten gelernt, zu rechnen. Wir planten sieben Wohnungen auf einem Geschoss mit einem Treppenhaus und drei Liften. Das ist ein hocheffizienter, kostenoptimierter Gebäudetyp. Die Mehrkosten für die erhöhten Brandschutzanforderungen und die aufwendigere Bauweise werden durch diese Effizienz mehr als kompensiert. Eine 5½-Zimmer-Wohnung für 2400 Franken pro Monat, inklusive Nebenkosten. Subventioniert 2000 Franken – das sind harte Fakten.

Frage: Die ABZ hat also den entscheidenden Vorteil, dass sie das Bauland günstig erhält. Wie teuer wären die Wohnungen bei einem privaten Investor?

Antwort: Das sieht man auf dem Nachbargrundstück mit dem Alto Tower, einem Hochhaus mit einer innovativen, nachhaltigen Tragstruktur und sehr guten Grundrissen. Die Mieten sind doppelt so hoch wie bei der ABZ. Interessant ist, dass es bei der Erstvermietung bereits eine Korrektur gab, weil sich keine Mieter fanden. Die Preise sind eklatant heruntergekommen, die Wohnungen inzwischen vermietet. Das zeigt: Je mehr Wohnungen wir bauen, umso mehr spielt der Markt.

Frage: Hinter der Vorlage des Gemeinderats stehen nicht nur die Linken, die sagen, dass damit Renditebauten verhindert werden, sondern auch die SVP. Sie befürchtet, dass der Gegenvorschlag des Stadtrats die Zuwanderung befeuern und zu Banlieues wie in Frankreich führen wird. Wie sehen Sie das?

Antwort: Das ist reine Polemik. Natürlich gibt es in hohen Häusern auch Menschen mit sozialen Problemen – das ist ein statistischer Fakt. Solche Probleme haben vielfältige Ursachen. Die Höhe des Wohngebäudes gehört aber nicht dazu. All das Negative, was viele Menschen spezifisch mit Hochhäusern verbinden, kann auch im Einfamilienhaus mit Umschwung oder im dreigeschossigen Gebäude im idyllischen Wohnquartier auftreten. Man muss den Leuten die Angst vor Hochhäusern nehmen, statt Vorurteile zu bedienen.

Frage: Wie nimmt man den Leuten die Angst?

Antwort: Indem wir beweisen, dass Hochhäuser nicht mit trostloser Anonymität gleichzusetzen sind. Bei der ABZ tun wir das, indem wir jeweils 21 Wohnungen um einen dreigeschossigen Gemeinschaftsraum angeordnet haben. So entstehen überschaubare Nachbarschaften innerhalb des Hochhauses. Hinzu kommt eine grosse, begrünte Dachterrasse, die so konzipiert ist, dass Kinder dort auch selbständig spielen können.

Frage: Das heisst also, dass die Klischees der anonymen Wohntürme bei bestehenden Bauten durchaus zutreffen?

Antwort: Nein, es gibt gute Beispiele, die ohne Gemeinschaftsräume funktionieren. Etwa das Lochergut. Da trifft man sich im Coop, in der Waschküche oder auf der grünen Terrasse. Und man muss auch sagen: Es gibt auch Leute, denen es völlig reicht, wenn man sich im Treppenhaus grüsst und dann weitergeht.

Frage: Würden Sie mit Ihrer Familie in ein Hochhaus ziehen?

Antwort: Absolut. Ich habe einen siebenjährigen Sohn und eine zehnjährige Tochter und würde sofort in ein Hochhaus ziehen. Gerade für Kinder kann diese Wohnform auch sozial sehr bereichernd sein: Viele Familien leben nahe beieinander, man begegnet sich im Alltag, und Freundschaften können unmittelbar im Haus entstehen.

Frage: Warum wohnen Sie nicht in einem Hochhaus?

Antwort: Momentan stellt sich diese Frage für mich nicht, denn ich bin sehr glücklich mit meiner Wohnsituation. Ich lebe in einem Haus eines bekannten Zürcher Architekten aus den 1960er Jahren. Interessanterweise hat dieses Haus bereits damals den üblichen Massstab des Quartiers überschritten. Gerade dadurch konnten aber viel Grün und Freiraum erhalten bleiben – eine Qualität, die man heute vielleicht noch stärker schätzt als damals. Inzwischen steht das Gebäude im Inventar der Denkmalpflege. Es wird also, solange ich lebe, sicher nicht abgerissen.

Frage: Die Beziehung der Stadt Zürich zu hohen Häusern ist kompliziert. Ab den 1950 Jahren wollten alle hoch hinaus, in den 1980 Jahren wurden Hochhäuser praktisch verboten, in den 2000ern kamen sie wieder zurück. Und jetzt fürchten viele, Zürich werde durch Hochhäuser verschandelt. Wie sehen Sie die Zukunft des Hochhauses in Zürich?

Antwort: Wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. So kommt es mir gegenwärtig vor. Der Vorschlag des Gemeinderats würde Hochhäuser praktisch verunmöglichen, nicht nur bis 40 Meter hohe. Auch für Häuser bis 60 und 80 Meter gäbe es massive Einschränkungen. Zürich hat eine Tradition, vor allem mit 40 Meter hohen Hochhäusern, um die uns Architektinnen und Architekten aus der ganzen Welt beneiden.

Frage: Zum Beispiel?

Antwort: Etwa die von Albert Steiner erstellte Siedlung Heiligfeld beim Letzigrund. Sie entstand in den 1950er Jahren, einer Zeit, in der einige schöne 30 bis 40 Meter hohe Häuser mit wunderbaren Grünanlagen gebaut wurden. Auch aus der heutigen Zeit gibt es schöne Beispiele. Ich mag den Prime Tower, er sieht immer etwas anders aus und vermittelt ein grossstädtisches Gefühl – in Sachen Grünraum hat der Ort aber Luft nach oben. Die nachträgliche Aufwertung und Verdichtung von Grünräumen ist eines der zentralen Themen für unsere Stadt. Und auch in diesem Punkt ist die Vorlage des Stadtrates klar besser als jene des Gemeinderats.

Welche mögen Sie nicht?

Antwort: In Zürich gibt es wenige, die mir nicht gefallen. In Zürich-West zum Beispiel das Renaissance-Hochhaus. Es ist ein solides Haus und ein Zeitzeuge. Mir ist es aber zu monoton – auch von innen. Es umfasst fast nur Kleinwohnungen. Aber diese nicht so gelungenen Hochhäuser sind ja auch der Grund, weshalb der Stadtrat mehr Qualität einfordern will. Es wäre sehr schade für die Stadt, wenn wir der Vorlage des Gemeinderates zustimmen würden, die Hochhäuser verunmöglicht und mit der Zürcher Tradition mittelgrosser Hochhäuser bricht.

15. April 2026 Neue Zürcher Zeitung

Neuer Anlauf für das Globus-Provisorium: Öffnung statt Abbruch, Terrasse statt Park

Seit Jahrzehnten versucht die Stadt Zürich erfolglos, an der Stelle des Gebäudes an bester Lage beim Hauptbahnhof etwas Neues zu realisieren. Nun setzt sie auf einen Kompromiss.

An der Bahnhofbrücke zwischen Hauptbahnhof und Central steht die Antithese für Zürichs Perfektion: das Globus-Provisorium auf dem Papierwerdareal.

Der Anfang der 1960er Jahre erstellte Bau auf einer ehemaligen Insel in der Limmat hätte eigentlich nicht einmal ein Jahrzehnt überdauern sollen. Inzwischen...

29. Oktober 2025 Neue Zürcher Zeitung

«Es ist kein grosses Haus», sagt der Stararchitekt Santiago Calatrava über seinen Bau am Bahnhof Stadelhofen

Mit dem Bahnhof Stadelhofen begann Calatravas Karriere. Sein neuster Streich prägt den Ort ein zweites Mal.

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13. Oktober 2025 Neue Zürcher Zeitung

Früher Trennlinie, heute Treffpunkt: wie ein Jahrhundertbauwerk den Zürcher Stadtteil Schwamendingen verändert

Seit dem Frühling ist der Überlandpark offen. Die grösste Bewährungsprobe steht ihm noch bevor.

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Seit einem Jahr verschwindet die lärmige...

26. Mai 2025 Neue Zürcher Zeitung

10 Jahre Bauzeit, eine 6,5 Meter hohe Plattform auf dem Stadelhoferplatz und fast 3 Millionen Tonnen Material – bald kommt das Milliardenprojekt am Stadelhofen

Das Haus zum Falken ist noch nicht einmal fertiggestellt, da folgt schon die nächste Grossbaustelle: 2027 soll der Ausbau mit dem vierten Gleis am Bahnhof Stadelhofen beginnen.

Der Bahnhof Stadelhofen ist einer der wichtigsten Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Zürich. Er verbindet die Stadt mit dem rechten Zürichseeufer, dem Unter- und Oberland. Neun S-Bahn-Linien verkehren im Halbstundentakt, 80 000 Reisende nutzen den Stadelhofen Tag für Tag. Tendenz steigend. Bis 2050 rechnen die SBB mit 130 000 Reisenden.

Momentan steht er allerdings wegen etwas anderem im Fokus: wegen der Baustelle für das imposante Haus zum Falken direkt neben dem Bahnhof. Die Axa-Anlagestiftung will damit einen städtebaulichen Akzent setzen. Das an eine Luxusjacht erinnernde Gebäude des Architekten Santiago Calatrava wird voraussichtlich Ende Jahr fertiggestellt. Momentan wird das Schutzgerüst demontiert und das Glasdach eingesetzt. Mit der Eröffnung findet die Bauerei am Stadelhofen aber nur ein vorläufiges Ende.

Denn schon jetzt ist die Kapazitätsgrenze des Bahnhofs ausgereizt, der Knotenpunkt ist ein eigentliches Nadelöhr. Mit seinen momentan drei Gleisen können zwischen Stettbach und Hardbrücke keine zusätzlichen Züge fahren. Der Tunnel zwischen Stadelhofen und Tiefenbrunnen hat zudem nur ein Gleis.

Ein viertes Gleis am Bahnhof soll Entlastung bringen.

Dieses Vorhaben ist nun einen wichtigen Schritt weiter: Seit kurzem liegen die Projektunterlagen öffentlich auf. Während eines Jahrzehnts wird diese Grossbaustelle nicht nur den Stadelhofen prägen.

Das Projekt

Der Bund will die Bahninfrastruktur landesweit weiterentwickeln. Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 erhält der Bahnhof Stadelhofen ein viertes Gleis, das an die bestehenden Tunnelverbindungen mit dem Bahnhof Stettbach (Zürichbergtunnel) und dem Hauptbahnhof Zürich (Hirschengrabentunnel) angeschlossen wird. In Richtung Tiefenbrunnen erstellen die SBB einen zweiten Tunnel (zweiter Riesbachtunnel) und ermöglichen damit Verbindungen im 15-Minuten-Takt am rechten Zürichseeufer.

Eine Grossbaustelle mitten in dicht besiedeltem Stadtgebiet ist ein grosses und komplexes Unterfangen – aber nicht das grösste, das die SBB in Zürich je unternommen haben. Der SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt, der Bau der Durchmesserlinie – mit dem neuen unterirdischen Bahnhofteil im Zürcher Hauptbahnhof, dem neuen Weinbergtunnel und der Erweiterung des Bahnhofs Oerlikon – sei insgesamt noch etwas grösser und komplexer gewesen.

Das neue Gleis am Stadelhofen entsteht unterirdisch auf der Höhe der Ladenpassage, allerdings etwa 40 Meter in den Berg versetzt. Drei Durchgänge verbinden dereinst das neue Perron mit der überkommunal inventarisierten Ladenpassage, die in den 1980er Jahren von Santiago Calatrava erbaut wurde. Das vierte Gleis wird von der Arbeitsgemeinschaft Giuliani Hönger Architekten sowie Caretta und Weidmann Generalplaner entworfen und gebaut. Calatrava hatte beim Wettbewerb ebenfalls ein Projekt eingereicht, den Zuschlag jedoch nicht erhalten.

Nach Vollendung verkehren auf Gleis 4 die Züge nach Stettbach und Tiefenbrunnen, auf Gleis 1 halten die Verbindungen in die Gegenrichtung. Auf den Gleisen 2 und 3 verkehren ausschliesslich Züge von und nach Bahnhof Stettbach.

Für den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen rechnen die SBB mit Kosten von rund 1,1 Milliarden Franken (+/- 20 Prozent). Für den gesamten im Rahmen von Step 2035 vorgesehenen Ausbau der Bahninfrastruktur hat das Parlament 16 Milliarden Franken gesprochen.

Der Terminplan

Bis das vierte Gleis den Pendelverkehr entlastet, dauert es noch mindestens elf Jahre. Die SBB rechnen damit, dass sie Mitte 2027 mit den Bauarbeiten beginnen können. Voraussichtlich 2036 sollen die neuen Tunnelverbindungen und das neue Gleis in Betrieb genommen werden. Danach folgen einjährige Umbauarbeiten an den bestehenden Gleisen 2 und 3. Diese erhalten unter anderem ein breiteres Mittelperron.

Die Einschränkungen

Der Bahnhof Zürich Stadelhofen spielt eine zentrale Rolle für ein funktionierendes S-Bahn-System. Alle rund 1,5 Minuten fährt ein Zug. Die Bauarbeiten müssen so geplant werden, dass auch während der etwa zehnjährigen Bauzeit ein pünktlicher und sicherer Zugverkehr gewährleistet ist.

Während der Bauzeit von knapp zehn Jahren bleibt der Bahnhof Stadelhofen fast durchgehend in Betrieb. Teilweise müssen betroffene Strecken in der Nacht oder für einzelne Wochenenden gesperrt werden. Der drastischste Einschnitt in den Zugverkehr geschieht voraussichtlich 2033, wenn die Strecke zwischen Stadelhofen und Stettbach während der gesamten Sommerferien gesperrt ist.

Den Tramverkehr tangieren die Arbeiten am Stadelhofen nur punktuell. Und zwar, wenn die Personenunterführung Mühlebachstrasse gebaut wird. Dann werden die Trams der Linien 8 und 11 umgeleitet, die Forchbahn wendet am Kreuzplatz.

Die Arbeiten an der Ladenpassage erfolgen in vier Etappen. Die Läden im jeweiligen Bereich bleiben geschlossen, ebenso die jeweiligen Zugänge zu den Gleisen. Falls sich die Einschränkungen als unzumutbar erweisen sollten, würden die SBB auf Nachtarbeit umstellen.

Für die Fussgängerinnen und Fussgänger bedeuten die Arbeiten am Bahnhofausbau hingegen mehr Einschränkungen. Denn weil es für die unterschiedlichen Tunnelteile verschiedene Baustellenzugänge gibt, sind diverse Baustelleninstallationen nötig. Darunter eine 569 Quadratmeter grosse Plattform mit Kran, die schräg links vor dem Bahnhofgebäude zu stehen kommt – und voraussichtlich acht Jahre lang dort bleiben wird. Damit sie den Trambetrieb nicht stört, wird sie auf 6,5 Meter hohen Pfählen über dem Stadelhoferplatz thronen.

Eine weitere Installation ist beim Kreuzplatz geplant. Im Merkurgarten zwischen Merkurstrasse und Zeltweg planen die SBB einen Materialumschlagplatz. Weiter ist dort ein Containerkomplex mit Büros, Sitzungsräumen, Sanitäranlagen, Toiletten und Werkstatt, Silos und Kränen vorgesehen.

Die wohl grössten Baustelleneinrichtungen sind beim Bahnhof Tiefenbrunnen, oberhalb des heutigen Tunnelportals, geplant. Auf über 900 Quadratmetern entstehen Baucontainer, Magazine und Trafostationen.

Eine 735 Quadratmeter grosse Fläche westlich vom Bahnhof Tiefenbrunnen wollen die SBB für bis zu drei Etagen an Containern nutzen. Weiter gibt es an der Ostseite des Bahnhofs eine 285 Meter lange, bis zu 26 Meter hohe Installation, wo das Aushubmaterial zum Abtransport verladen wird. Zudem sind Hallen vorgesehen, in denen das Material zwischengelagert werden kann.

Die Materialmengen

Ein Tunnelprojekt dieser Grösse geht mit viel Material einher. Für die neue Verbindung zwischen Hauptbahnhof, Stadelhofen, Stettbach und Tiefenbrunnen sind es rund 2,7 Millionen Tonnen. Das entspricht ungefähr der Lastmenge von 108 000 Sattelschleppern. Gut die Hälfte davon, nämlich 1,47 Millionen Tonnen, ist Aushub- und Ausbruchmaterial. Weiter werden 0,75 Millionen Tonnen Beton verbaut.

Für 60 Prozent des An- und Abtransports kommt die Bahn zum Einsatz. Der Beton wird vollständig mit Lastwagen transportiert.

Der neue Stadelhofen

Das zusätzliche Gleis ist nicht die einzige Veränderung, die das Milliardenprojekt mit sich zieht.

Die Seitenflügel des 1894 erstellten Bahnhofgebäudes erhalten ein zusätzliches, pavillonartiges Stockwerk. Darin ist ein Gastronomieangebot vorgesehen. Der Zugang zum Gebäude soll ebenerdig und damit besser zugänglich werden. Im Inneren ist eine – verglichen mit heute – grosszügige Verbindung zur Ladenpassage mit jeweils knapp vier Meter breiten Treppen- und Rolltreppenläufen vorgesehen.

Weiter erhält der Stadelhofen von der Mühlebachstrasse her eine neue unterirdische Verbindung zur Ladenpassage sowie eine Rampe zur dreigeschossigen Velostation in Calatravas Haus zum Falken.

6. Mai 2025 Neue Zürcher Zeitung

3½ Zimmer für 4000 Franken: In Altstetten stehen Zürichs erste Wohnhäuser von Herzog & de Meuron

Das einstige Arbeiterquartier wandelt sich zum angesagten Stadtviertel. Doch im Neubau der Stararchitekten sind mitten in der Wohnkrise noch Wohnungen frei – warum?

Beim Namen Herzog & de Meuron denkt man in Zürich an grosse Würfe wie das neue Kinderspital, den UBS-Campus am Paradeplatz oder das Forum UZH – den Neubau der Universität Zürich. Wohngebäude des berühmten Architektenduos gibt es zwar auch, etwa den Meret-Oppenheim-Turm in Basel oder den Zellwegerpark in Uster.

Doch die Stadt Zürich war diesbezüglich bisher ein weisser Fleck.

Mit der Überbauung Tilia in Altstetten hat sich das geändert. Früher standen hier drei in die Jahre gekommene Gebäude, dazwischen ein alter Schuppen, vor dem ein Autohändler einige Fahrzeuge abgestellt hatte.

Jetzt ragen unweit des Lindenplatzes sechs moderne, unterschiedlich hohe Gebäude in die Höhe, entworfen von den beiden Basler Architekten im Auftrag der Senn Development AG. 2021 verkaufte Letztere das Grundstück mitsamt baureifem Projekt an Swiss Life.

Die zwei höchsten Gebäude – ein sechsstöckiger Bau und ein 30 Meter hohes Hochhaus mit neun Stockwerken – stehen direkt an der Badenerstrasse. Die übrigen vier sind jeweils zu zweit dahinter angeordnet und haben vier bis fünf Stockwerke.

Je nach Licht wirken die Tilia-Häuser hellgrau oder beige. Zwischen den mehrheitlich eckigen Fenstern sind runde angeordnet. Die Kreisform wiederholt sich auch auf den eckigen Fensterläden – näheres Hinsehen zeigt: Die Punkte sind Löcher, durch die das Licht in die Räume dringen kann. Ästhetisch, aber nicht unbedingt praktisch.

Laubengänge und Treppen verbinden die hinteren Häuser miteinander. Laternen, die aussehen wie zu Eis erstarrte Seifenblasen, erleuchten nachts die Wege zwischen den Häusern.

Die moderne Überbauung unweit des Lindenplatzes fällt einerseits aus dem Rahmen, andererseits kann man sie stellvertretend für den Entwicklungsprozess sehen, der das Quartier in den letzten Jahren erfasst hat.

Altstetten ist jener Stadtteil von Zürich, in dem am meisten gebaut wird. Bis zu 20 Prozent des seit 2019 pro Jahr in der Stadt Zürich entstandenen Wohnraums befinden sich hier. Das einstige Arbeiterquartier mit rauem Ruf mausert sich zum hippen Stadtviertel, nächstes Jahr schliesst der Schlachthof beim Letzigrund nach über hundert Jahren. Die Stadt will das Areal umnutzen, damit es den Bedürfnissen der Bevölkerung besser entspricht.

Wo man hinsieht, ragen Baukräne in die Höhe. Momentan befinden sich drei grosse Überbauungen in Entstehung: Die Wohnsiedlung Letzi, deren Bau fast abgeschlossen ist, wird 265 Wohnungen umfassen. Mit dem Ersatz für die Siedlung Salzweg – über den die Stimmbevölkerung am 18. Mai an der Urne befindet – sollen 230 Wohnungen entstehen. Hinzu kommt das Koch-Quartier mit 365 Wohnungen.

Urbanität trifft auf Ländlichkeit

Jenseits der Badenerstrasse, hin zum Bahnhof Altstetten und zu den Bahngleisen, dominiert Urbanität.

Gemäss den aktualisierten Hochhausrichtlinien der Stadt könnte fast überall im Quartier 40 Meter in die Höhe gebaut werden. Im Bereich der Gleise sind auch 60 bis 80 Meter hohe Gebäude denkbar. Am Vulkanplatz zwischen Bahnlinie und Autobahn ragen moderne Bürokomplexe in die Höhe. Bald kommt mit dem UBS-Turm das höchste Holzhochhaus der Welt hinzu.

Dass in Altstetten kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, ist gewollt. Sowohl der kantonale wie auch der kommunale Richtplan haben den Stadtteil als Gebiet für die Siedlungsentwicklung – sprich für verdichtetes Bauen – definiert.

Der Lindenplatz war einst das Zentrum der Gemeinde Altstetten – quasi der Dorfplatz. Die Gebäude, die ihn heute einrahmen, stammen aus den späten 1950er Jahren, dahinter erhebt sich ein kleiner Hügel, auf dem zwei Kirchen thronen. Bis heute mutet der Ort ländlich an. Direkt hinter der Kirche liegt ein Blumenfeld, daneben eine Wiese mit alten Obstbäumen – die Altstetter Allmend.

«Ein tolles Quartier»

In der Tilia-Siedlung geht es geschäftig zu und her. Ein Umzugswagen wird gerade entladen, die Lifte sind noch mit Spanholzplatten ausgekleidet, damit sie nicht durch Kisten und Möbel beschädigt werden.

Letzten Winter waren die ersten Wohnungen bezugsbereit. Im März war es auch bei den Häusern direkt an der Badenerstrasse so weit.

Einer der Neuzuzüger wohnt seither in einer 2½-Zimmer-Wohnung im Hochhaus an der Badenerstrasse. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen.

Der 51-Jährige lebt seit zwanzig Jahren in der Stadt Zürich. Vor seinem Umzug nach Altstetten wohnte er in Albisrieden. «Dort war es so ruhig, ich hörte nicht einmal meine Nachbarn», sagt er.

Von Altstetten ist der Zuzüger begeistert. «Ein tolles Quartier, sehr vielseitig, urban und lebendig, mit kleinen Läden und Restaurants.» Der Stadtteil sei der entscheidende Faktor gewesen bei seiner Bewerbung um die Wohnung am Lindenplatz. «Ich weiss, ich gehöre zur Gentrifizierung.» Doch hier sei sie noch nicht so weit fortgeschritten. «Die Gesellschaft ist sehr durchmischt, nicht so wie zum Beispiel im Seefeld.»

Besonders angetan haben es ihm Details wie die Betondecke – «gefällt nicht jedem», sagt er – oder die runden Fenster. Durch eines davon blickt man direkt nach dem Betreten der Wohnung. Bei schönem Wetter kann man den Blick stadteinwärts bis zu den Alpen schweifen lassen. An diesem Tag ist es dunstig, die Sicht reicht immerhin bis zu den Hardau-Türmen.

Die Einrichtung ist schon fast komplett – vorwiegend Möbel im sogenannten Mid-Century-Style –, auf dem ausladenden Fensterbrett eines der runden Fenster ist ein Flugzeugmodell platziert, im Badezimmer sorgen zwei Servierwagen der Swissair für Stauraum. Nur der Bürotisch fehle noch.

Auf den gedeckten Balkon gelangt man von zwei Seiten her: vom Wohnzimmer und von der Küche mit Esszimmer. Er sei froh, habe er einen solchen sehr privaten Balkon, sagt der Neo-Altstetter. Bei den Wohnungen der unteren Geschosse sind die meisten Balkone von den Laubengängen aus einsehbar.

Der 51-Jährige nennt auch bei der eigenen Wohnung den einen oder anderen Kritikpunkt. Beispielsweise fehle es in der Küche an Abstellfläche, und die runden Fenster liessen sich mangels Läden oder Vorhangstangen nicht abdunkeln. Und die Läden der eckigen Fenster seien zwar schön, aber die Morgensonne habe er damit trotzdem direkt im Schlafzimmer, sagt der Mieter.
16 von 72 Wohnungen sind unvermietet

Noch immer sind 16 von insgesamt 72 Wohnungen zu haben. Das merkt man den Treppenhäusern an. Sie wirken noch unbelebt, erst vor wenigen Türen deuten Fussmatten, Schuhe oder Regenschirme auf Bewohner hin.

Woran liegt’s?

Mit einem Mix aus 1½-, 2½-, 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen richtet sich das Angebot an Einzelpersonen, Paare und kleine Familien. Die Grundrisse sind grosszügig: Die 3½-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 85 und 100 Quadratmeter gross. Flächen, die auch für vier oder fünf Zimmer reichen würden.

Die Preise sind entsprechend. Eine grosse 3½-Zimmer-Wohnung im vierten Stock kostet fast 4000 Franken im Monat. Die 167 Quadratmeter grosse 4½-Zimmer-Wohnung im neunten Stock mit Panoramaterrasse schlägt mit knapp 6000 Franken zu Buche. Keller oder Estriche gibt es nicht – dafür verfügt jede Wohnung über ein Reduit.

Arion Tsourekis ist Eigentümervertreter von Swiss Life, ist in Altstetten aufgewachsen und steuert die Vermarktung der Wohnungen. «Die Mieten bewegen sich im 70- bis 80-Prozent-Quantil», sagt er. Will heissen, 70 bis 80 Prozent der Angebotsmieten an vergleichbarer Lage sind günstiger.

Sind diese Preise selbst im nach Wohnraum ächzenden Zürich zu hoch?

«Nein», sagt Tsourekis. «Uns war von Anfang an klar, dass wir etwas Zeit brauchen werden, um alle Wohnungen zu vermieten», sagt er. «Es sind Wohnungen, die man besichtigen und erleben können muss.» Dann sei auch verständlich, warum man für 3½ Zimmer gleich viel zahle wie für eine durchschnittliche 4½-Zimmer-Wohnung. Es sei im gesamten Portfolio von Swiss Life eine aussergewöhnliche Liegenschaft.

Seit Abschluss der Bauarbeiten gehe es voran mit der Vermietung, sagt Tsourekis. Die Bewohnerschaft sei sehr gemischt – «von Gen-Z-Studenten bis zu Babyboomern». Er sei gespannt, wie sich das Zusammenleben entwickle. Die grosse Dachterrasse auf dem Riegelbau an der Badenerstrasse stehe allen Mietern zur Verfügung.
Pizza zum Mitnehmen – auf dem eigenen Teller

Die Tilia-Überbauung bietet nicht nur Neo-Altstettern ein zu Hause, sondern auch Alteingesessenen. Im Erdgeschoss an der Badenerstrasse hat ein Restaurant der Bindella-Gastronomie Santa Lucia seine Türen geöffnet. Seit 1979 ist der Betrieb im Quartier heimisch, bis vor einem Jahr im Migros-Gebäude, wenige Strassen weiter. Dort musste das Restaurant aber ausziehen, die Migros brachte stattdessen ein Molino-Lokal unter.

Verschiedene Bindella-Lokale befinden sich in Liegenschaften von Swiss Life. «Uns war es wichtig, einen erfahrenen Gastronomiebetrieb als Partner in diesem Projekt zu haben», sagt Arion Tsourekis. Diese wüssten genau, was sie brauchten, damit der Innenausbau im ersten Anlauf stimme.

So verfügt das Gebäude von Herzog & de Meuron nun auch über einen runden Pizzaofen, in dem pro Woche etwa 24 Kubikmeter Holz verbrannt werden. Am neuen Standort arbeitet das gleiche Team wie am alten. Die langjährigen Stammkunden seien ebenfalls mitgezogen, sagt der Patron Rudi Bindella stolz.

Das Lokal sei auch bei den Tilia-Bewohnern beliebt, sagt Bindella. Manche brächten gar ihre eigenen Teller mit, wenn sie ihre Pizzen abholten. Ein bisschen dörflich ist es eben auch in der Designerüberbauung.

25. November 2024 Neue Zürcher Zeitung

In Altstetten soll das höchste Holzhochhaus der Schweiz entstehen – zusammen mit weiteren Bauten gehört es bald zur Zürcher Skyline

Die Stimmbevölkerung hat sich klar für den Büroturm der UBS ausgesprochen. Doch nicht immer war das Verhältnis der Zürcher zu Hochhäusern so gut.

Die Zürcher Stimmbevölkerung hat am Sonntag den Weg für ein neues Hochhaus geebnet. Der 108 Meter hohe Büroturm aus Holz ist damit einen Schritt weiter. Momentan wäre es weltweit das höchste Holzhochhaus. 64,4 Prozent der Stimmberechtigten haben ein Ja zum Gestaltungsplan der UBS in die Urne gelegt.

Die...

14. November 2024 Neue Zürcher Zeitung

«Zwingli ruinierte Zürich und Escher war ein Visionär» – ein Besuch im Atelier von Santiago Calatrava

Nach dem visionären Entwurf des Bahnhofs Stadelhofen entsteht daneben ein neuer Bau des weltbekannten Architekten.

Die Architektur von Santiago Calatrava ist unverkennbar: raumgreifend, futuristisch, geprägt von organisch wirkenden geschwungenen Linien, die oft an Skelette erinnern. Seine Bauwerke beeindrucken weltweit, von New York bis Taipeh und von Dublin bis Dubai.

Sein Büro im Zürcher Kreis 2 will auf den ersten Blick nicht so recht in dieses Bild passen. Die Villa wurde 1926 erstellt und diente der Zürcher Brauereifamilie Hürlimann über Jahrzehnte als herrschaftliches Wohnhaus.

Jede Ecke inklusive Garten stehe unter Denkmalschutz, sagt Calatrava und begrüsst die Besucher herzlich mit einem festen Händedruck. Seinen eng getakteten Terminkalender lässt er sich nicht anmerken, er sprudelt gleich los und wirkt, als hätte er alle Zeit der Welt. Seit über fünfzig Jahren lebt der gebürtige Spanier in Zürich.

Ein Geschoss höher arbeiten die Ingenieure, ein Geschoss tiefer die Architekten. Dazwischen befindet sich Calatravas Büro. Es gibt viel über ihn preis – den Architekten und Ingenieur, aber auch den Menschen und Künstler.

Den Raum beherrscht ein langer Glastisch. Darauf liegen unter anderem Entwürfe für die Brücke, die dereinst in Eglisau den Rhein überspannen wird. Die Detailskizzen einzelner Brückenbestandteile zeigen: Calatrava justiert unermüdlich bei seinen Projekten. Verschiedene Bleistifte – von denen einige nur noch Stummel sind – liegen neben einem kleinen Aquarellmalkasten. Die Farben darin sind noch nass, der Architekt hat ein paar Farbkleckse an den Händen.

Nach Diplomen oder Auszeichnungen für sein Schaffen sucht man fast vergeblich. Einzig die Berufungen zum päpstlichen Berater für Kulturfragen und der erste Preis für einen Taubenwettflug, welchen er als Kind zusammen mit seinem Onkel, einem Taubenzüchter, ergatterte, haben einen Platz an der Wand erhalten.

«Il faut donner de l’importance à la recherche»

Santiago Calatrava ist ein Mann, der gerne spricht. Ein Stichwort reicht, und der 73-Jährige kommt ins Erzählen, wechselt von einem Thema zum nächsten, ohne dass es langweilig wird. Der eigentliche Anlass des Treffens gerät immer wieder in den Hintergrund. Drei Jahrzehnte nach dem Bahnhof Stadelhofen nimmt daneben ein weiterer Bau Calatravas Form an: das Haus zum Falken – welches je nach Sympathie mit einer Jacht oder einem gestrandeten Wal verglichen wird. Für Calatrava ist es «ein relativ kleiner Bau», wie er sagt.

Unabhängig von der Grösse eines Projekts steht im Zentrum von Calatravas Schaffen eine kreative Dualität, die auch in seinem Büro omnipräsent ist: Seine Tätigkeit als Architekt und Ingenieur ist untrennbar mit seinem künstlerischen Schaffen verbunden. Eine Ecke seines Arbeitszimmers ist der Lithografie gewidmet, im alten Hauswartshaus und in der Garage befindet sich das Atelier, in dem Calatravas Skulpturen entstehen. Nicht alle fertigt er selber an. Je nach Grösse und Material sucht er die Zusammenarbeit mit Spezialisten.

Jeden Tag malt oder entwirft er etwas. Er könne gar nicht anders, sagt er. Es gibt kaum eine Kunstgattung, an der er sich noch nicht versucht hat: von Aquarellzeichnungen über Bühnenbilder, Lithografien und abstrakte Malerei hin zu Keramik und Skulpturen aus allerlei Materialien.

«Die Bedeutung meiner Kunst für meine Architektur ist nicht sehr bekannt», sagt Calatrava. Doch was «scheinbar nebenbei» entsteht, bildet die Basis für so manches seiner Bauwerke. Er halte es mit Corbusier: «S’il faut donner de l’importance à mon travail, il faut donner de l’importance à la recherche passionnante.»

Eine Skulptur aus aufeinandergestapelten Würfeln zum Beispiel findet sich in der Form eines Hochhauses im schwedischen Malmö wieder, dem «Turning Torso».

Das Haus zum Falken am Stadelhofen hat seinen Ursprung in einer künstlerischen Studie: nämlich in einer Reihe von Wandinstallationen, die aus langen, farbigen Aluminiumlamellen gefertigt sind. Durch die Dreidimensionalität entsteht ein Spiel aus Licht und Schatten. «Diese Installationen waren die Inspiration für die Fassade», sagt Calatrava.

Wie die Installationen besteht die Aussenhülle des Hauses zum Falken aus langen, schmalen Streifen – wobei nicht Aluminium, sondern Glas verwendet wird. Das Konzept erinnert an eine überdimensionale Skulptur.

Der Rohbau steht frei, ohne Gerüst. Ein solches würde am hektischen Bahnhof stören. Aber auch den Arbeitern wäre es im Weg. Deshalb sind sie direkt am Gebäude angeseilt, wie Bergsteiger. Auch das macht die Baustelle aussergewöhnlich. Die oberirdischen Geschosse sind fast durchgehend einsehbar.

Mitte November steht die Montage der Fassade an. Die zu Gruppen zusammengefassten und vorgefertigten Fassadenelemente werden dann an ihren Platz gehängt. Die Halterungen an den Etagenböden sind bereits zu sehen. Sie seien hierfür in ihrer Position genau eingemessen worden, sagen die zuständigen Ingenieure.

Der Stadelhofen ist ein bedeutungsvoller Ort für Santiago Calatrava. Der 1990 fertiggestellte Bahnhof gehört zu seinen ersten Werken. Nochmals hier bauen zu dürfen, sei auch deshalb ein besonderer Anlass, sagt Calatrava. Aber nicht nur. Der kleine Stadelhoferplatz und das grosse Bellevue, zwei Plätze, die zusammen ein L bilden: Diesem ungleichen Paar mit unterschiedlichen Massstäben habe er immer eine grosse Bedeutung beigemessen. Es sei eine städtebauliche Besonderheit, die ihn an Italien erinnere.

Immer wieder holt Calatrava im Gespräch weit aus, um sich dann erneut dem eigentlichen Thema anzunähern. Man erhält einen Eindruck davon, wie er denkt, wie er Themen angeht.

«Du bist du und deine Umstände»

Zürich habe etwas Italienisches, genauer gesagt etwas Römisches, sagt der gebürtige Spanier. «Turicum war eine römische Kolonie.»

Zwingli habe die Stadt transformiert, «aber auch ruiniert», resümiert Calatrava. Die Anhänger der Reformation leerten die Kirchen, erst Chagall sei es mit seinen bunten Kirchenfenstern gelungen, wieder etwas Leben in das Fraumünster zu bringen.

Einen grossen Teil seines Lebens hat Santiago Calatrava in Zürich verbracht. In den 1970er Jahren kam er in die Schweiz, um «am Poly», wie er die ETH konsequent nennt, zu studieren. Dass er sein Heimatland nach sechs Jahren Architekturstudium verlassen habe, sei der damaligen Zeit am Ende der Franco-Diktatur geschuldet gewesen. «Die Umstände waren schwierig. Ich wollte nicht in Spanien bleiben, und ich wollte nicht ins Militär.»

Zürich, so sagt er, sei «eine grossartige Stadt». Auch wenn sie es Zugezogenen nicht immer leichtmache. Ganz anders sei es beispielsweise in New York. «Die Zeit, die es braucht, um New Yorker zu werden, ist die Dauer der Taxifahrt vom Flughafen bis zum Moment, wo man in Manhattan die Füsse auf den Boden stellt.» Auch wenn man dort direkt in einen Hundehaufen trete, wie es ihm bei seinem ersten Besuch passiert sei. «Man nannte mich einen ‹lucky man› deswegen», sagt er lachend. Bis heute fühle er sich als New Yorker und sei regelmässig dort.

Das Schicksal habe dazu geführt, dass er schliesslich einen grossen Teil seines Lebens in Zürich verbracht und das Schweizer Bürgerrecht erworben habe, sagt der 73-Jährige. «Aber ich bin kein waschechter Zürcher, das singen die Vögel von den Dächern.»

Calatrava begegnet dieser spezifischen Zürcher Eigenart mit Gelassenheit. «Es ist mein Leben, und ein grosser Teil meines Schicksals ist von mir selbst bestimmt.» So, wie es der spanische Philosoph José Ortega y Gasset gesagt habe: «Du bist du und deine Umstände. Aber vor allem: Du bist du.»

Dadurch, dass er nicht hier aufgewachsen sei, habe er eine andere Perspektive auf Zürich: die eines Betrachters, «nicht kontaminiert durch Insiderwissen». Das erlaube ihm möglicherweise sogar, die Stadt klarer zu sehen als Einheimische.

«Je ne suis pas un collectionneur»

Er erinnere sich gut an seinen ersten Eindruck von Zürich: eine Stadt mit damals rund 350 000 Einwohnern, aber drei Orchestern. Das Opernhaus, die Tonhalle und das Kammerorchester. «Das muss man sich einmal vorstellen!» Dann drei Hochschulen und ein Flughafen mit Verbindungen in die ganze Welt. «Wo findet man so etwas sonst?», fragt Calatrava rhetorisch.

Besonders angetan ist der Architekt futuristischer Gebäude aber von Zürichs Bauten aus dem 19. Jahrhundert. Der Hauptbahnhof, oberhalb davon das «Poly» und die Universität, entstanden in einer Zeit, als Zürich fast noch eine Stadtmauer hatte. «Escher und all die Leute, die diese Bauten vorangetrieben haben, das waren Visionäre, die die Stadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist.»

Solche städtebaulichen Visionäre fehlten heute, sagt Calatrava. Zürich seien die Grosszügigkeit und die Spontaneität abhandengekommen. Alles werde im Komitee, im Verein, in der Partei, «entre nous» gelöst.

Doch seine Meinung zur Architektur eines Ortes spiele keine Rolle, sagt der Architekt. Er wolle nicht werten und halte es deshalb mit Picasso: «Je ne suis pas un collectionneur.»

Immerhin seien «Umweltverbrechen wie die Sihlhochstrasse» oder die Tunnelstrasse beim Bahnhof Enge – «dieses Loch da unten» – heute nicht mehr denkbar, sagt Calatrava. Die Haltung der Stadtplanung habe sich komplett geändert. Früher sei alles derart auf das Auto ausgelegt gewesen, dass man neben dem ersten Hochhaus der Stadt – dem Haus zur Palme – eine Tankstelle gebaut habe. «Heute müssen die Städte die Fussgänger ehren.» Das sage er als einer, der keinen Fahrausweis habe, obwohl er Autos liebe.

Für Calatrava ist der Stadelhofen Inbegriff eines Orts, an dem Urbanität und Gartencharakter der Stadt aufeinandertreffen. Wie schon der Bahnhof sei auch das Haus zum Falken eine experimentelle Auseinandersetzung im Spannungsfeld dieser beiden Aspekte.

Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass die Axa-Anlagestiftung, der das Grundstück mit dem Neubau gehört, bei Calatrava «angeklopft» hat. Interessant seien nicht nur der Ort und die Lage, sondern auch die Motivation der Bauherrschaft, einen Beitrag an die Stadt zu leisten.

Das zurückversetzte Erdgeschoss schaffe zusätzlichen Platz vor dem Bahnhof. «Das wird man sehen, wenn die Baustelleninstallationen weg sind», erklärt Calatrava.

Die dreigeschossige unterirdische Velogarage werde zudem Ordnung auf den Platz bringen. Heute seien die Velos am Stadelhofen mehr schlecht als recht parkiert unter den schönen Platanen, manchmal geradezu hingeworfen, sagt Calatrava, der sich selber jeden Tag aufs Fahrrad schwingt, um von seinem Wohnhaus im Seefeld ins Büro zu fahren.

Voraussichtlich in einem Jahr werden die Arbeiten am Haus zum Falken abgeschlossen sein. Ende 2025 wird die Velogarage in Betrieb genommen. Dann ziehen auch die ersten Mieter ein, unter ihnen die Confiserie Bachmann im Erdgeschoss. Zwei der vier Obergeschosse sind an das Spital Zollikerberg vermietet.

«Architektur ist ein Erzeugnis des Geistes»

Etwas zurückgeben zu können, ist Santiago Calatrava ein grosses Anliegen. Bei Anfragen für Vorträge an Schulen sage er prinzipiell zu. Er sei selbst ein Produkt der Universität, alles, was eine Hochschule zu geben habe, habe er bekommen.

Und er nimmt sich gerne Zeit, den Besuchern sein Atelier in der Enge zu zeigen. Man merkt, dass es ihm Freude bereitet, Einblick in sein künstlerisches Schaffen zu geben.

Sein Atelier würde er gerne vergrössern, sagt Calatrava. Arbeit hätte er mehr als genug. Doch es sei schwierig, eine Bewilligung zu bekommen. «Wäre ich jünger, würde mich das Warten nicht so stören», scherzt er.

Voller Elan schreitet Calatrava durch den Garten zum Atelier. Dort sind zwei Schreiner gerade damit beschäftigt, Bilderrahmen für eine Serie von Kohlezeichnungen zu fertigen. Auf den Fenstersimsen stehen verschiedene Prototypen von Plastiken, die der Architekt entworfen hat.

Solche Werke könne er eng begleiten, kleinste Details anpassen, vielleicht auch einmal von vorne beginnen, wenn das Material nicht passe, sagt Calatrava. Ganz anders verhalte es sich mit seiner beruflichen Tätigkeit. Hier komme die Realität der Baumeister und Handwerker ins Spiel, die allen zugutekomme. Denn würde jeder Schritt, jeder Handgriff den Architekten überlassen, man stünde am Ende in einer Einöde.

«Als Architekt kann ich nicht hingehen und sagen: ‹Das ist mein Erzeugnis.›» Es sei vielmehr die Materialisierung eines Entwurfs durch eine enorme Menge Leute. «Ihre Hände sind es, die bauen.» Davor habe er grossen Respekt.

«Grosse Perioden in der Architektur gehen Hand in Hand mit grossen Perioden des Handwerks.» Man nehme nur die Wiener Werkstätte: Ohne Gustav Klimt, Josef Hoffmann oder Koloman Moser gäbe es etwa kein Palais Stoclet nahe Brüssel, «eines der schönsten Gebäude des 20. Jahrhunderts». Oder die Sagrada Família in Barcelona. «Ohne all diese guten Handwerker wäre nichts entstanden.»

Zum Beruf eines Architekten gehöre folglich auch, dass man loslassen könne. Schwer falle ihm das nicht, sagt Calatrava. Es gehe ja nicht anders.

Was Santiago Calatrava auch mit 73 Jahren nicht loslassen kann, ist die Arbeit. «Ich mache gern, was ich mache», sagt er, greift zu einem Bleistift und zeichnet zum Abschied eine Frauenfigur, die eine Taube fliegen lässt. Tauben möge er besonders, sagt er. Sie erinnern ihn an seinen Onkel, den Taubenzüchter.

8. Dezember 2023 Neue Zürcher Zeitung

«Es ist für mich sicher ein besonderer Ort»: Am Bahnhof Stadelhofen nahm die Karriere des Stararchitekten Santiago Calatrava ihren Lauf. Jetzt kehrt er zurück

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