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29. Juli 2026 Neue Zürcher Zeitung

«In Chur gibt es eine beachtliche Anzahl beeindruckender Bauten», sagt Architekt Heinz Caflisch und verrät, wo sich diese befinden

In unserer Sommerserie verraten Schweizer Lokalmatadoren die Geheimtipps aus ihrer Heimat. Wo sich Chur von seiner schönsten Seite zeigt, verrät diese Woche Heinz Caflisch, Architekt und Gründer des Designstudios Okro.

Was verbindet Sie mit Chur?

In Chur absolvierte ich die Lehre als Hochbauzeichner. In der Kantonshauptstadt Graubündens findet sich eine beachtliche Anzahl inspirierender Architekturbüros und beeindruckender Bauten, weshalb ich nach meinem Studium in Zürich zurückgezogen bin. Mittlerweile wohne ich seit 26 Jahren hier und kann mir keinen schöneren Lebensmittelpunkt vorstellen.

Wie startet man in Chur im Sommer am besten in den Tag?

Nur im «Quintacoira» schmeckt mir der Kaffee in Chur besser als bei uns im Atelier. Das Café hat eine eigene Rösterei in Chur und meistert die Braukunst auf beeindruckende Weise mit erstklassigem Kaffee.

Wo gibt es den besten Eiskaffee in Chur?

Eindeutig in der «Gelateria Evviva» der Stiftung Plankis. Die soziale Institution setzt sich für die Integration von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ein.

Welches ist Ihr liebster Ort, um sich an einem heissen Sommertag in Chur abzukühlen?

An heissen Sommertagen findet man mich mit meiner Familie in der Badi Sand. Das Freibad im Jugendstil liegt gleich um die Ecke von unserem Zuhause.

Wo zeigt sich Chur von seiner schönsten Seite?

Im Fontanapark. Er wurde 1729 als barocker Lustgarten angelegt und später in einen Landschaftsgarten überformt. Der rege bevölkerte Garten mit prächtigen Blumenbeeten und einem Wasserspiel ist besonders über Mittag Treffpunkt der Stadtbevölkerung. Highlights sind die historische Tuffsteingrotte, das imposante Fontanadenkmal und die bunten Gartenstühle, die Okro seit einigen Jahren liefern darf.

In welchem Hotel in Chur würden Sie Gästen einen Aufenthalt empfehlen?

Kein Hotel, sondern ein ganzes Ferienhaus: Das «Aux Losanges» in Tschiertschen. Seit 2025 gehört die Gemeinde zur Stadt Chur. Stéphane Lombardi und Armin Zink führen das Haus mit Herz und viel Verständnis für Kultur und Kunst. Lange als Pension Bellevue betrieben, wurde das Gebäude 1950 wegen des sumpfigen Untergrundes um 15 Meter bergwärts verschoben. Nach einem Umbau durch das renommierte Büro Caruso St John Architects ist das Haus mit Veranstaltungsraum seit 2017 unter dem Namen Aux Losanges als Kulturlokal für Konzerte und Ausstellungen für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wo ist die Abkühlung im Sommer am schönsten – gibt es einen Bergsee oder einen anderen Lieblingsort in oder in der Nähe von Chur?

Der Fluss Plessur fliesst durch Chur, ist aber leider in der Stadt nirgends zugänglich. Wenn man jedoch den Schienen der Arosabahn folgt und der Plessur entlang in Richtung Meiersboden die Sassalschlucht hinaufspaziert, finden sich kleine, unglaublich schöne Stellen zum Baden und Verweilen.

Welches Restaurant besuchen Sie am liebsten?

Das Museumscafé des Bündner Kunstmuseums ist traumhaft. Es befindet sich im Salon der historischen Villa Planta. Das Gebäude wurde in den Neunzigern von Peter Zumthor, Peter Calonder und Hans-Jörg Ruch sorgfältig restauriert und umgebaut.

Was bestellen Sie dort von der Karte?

Am liebsten bestelle ich das Rindstatar mit Guacamole und geröstetem Hausbrot.

Welches ist Ihr liebstes Bergrestaurant in der Region um Chur?

Das «Gasthaus am Brunnen» in Valendas. Die Lage im Zentrum des beschaulichen Bergdorfs, das vergangenes Jahr von der Uno zum «Best Tourism Village» gekürt wurde, ist phänomenal.

Welche Spezialität aus Graubünden sollte man unbedingt probieren?

Eine Tuorta da Nusch darf man nicht verpassen. Am besten eine von «Balcun At» in Müstair, die sind unschlagbar in Geschmack und Form.
Die Nusstorte ist die wohl berühmteste Leckerei Graubündens – obwohl es lange gar keine Baumnüsse in der Region gab. Die Torte ist ein Vermächtnis der Zuckerbäcker, welche in früheren Zeiten aus der damals verarmten Bergregion in die Welt zogen. Das Rezept stammt ursprünglich von der Tarte aux noix aus Südfrankreich, umfasst jedoch einen Mürbeteigdeckel, was die kulinarische Köstlichkeit länger haltbar macht. Mittlerweile werden in der Bündner Herrschaft im grossen Stil Nussbäume angebaut und verarbeitet. In Malans steht sogar eine schweizweit einzigartige Knackanlage.

Wo treffen Sie sich in Chur am liebsten mit Freunden zum Apéro?

Ganz klar in der «Werkstatt». Die ehemalige Kupferschmiede ist heute Bar sowie Kultur- und Veranstaltungsort und wird von jungen Churerinnen geführt. Es kommt nicht selten vor, dass aus einem Apéro in der Werkstatt ein abendfüllendes Programm wird. Hier treffen sich die kreativen Köpfe der Stadt, denn es gibt das beste Angebot an Drinks in Chur. Die gute Stimmung sowie die hohen Räume mit Industriecharme laden zum Verweilen ein.

An welchem Laden oder Markt gehen Sie nie vorbei, ohne etwas zu kaufen?

Immer samstags verkaufen regionale Produzenten ihre Köstlichkeiten am Churer Wochenmarkt in der Altstadt. Die Marktstände säumen die Untere und die Obere Gasse, wo sich auch das Atelier von Okro befindet. Da wir unsere Kundschaft auch samstags begrüssen, komme ich immer daran vorbei, und wir verbringen selten ein Wochenende ohne frisches Gemüse oder ein Bauernbrot aus der Region.

Welches ist Ihr liebstes Museum oder Ihre liebste Galerie in Chur oder der Region?

Das Bündner Kunstmuseum ist mit dem Zusammenspiel der neoklassizistischen Villa Planta und dem modernen Neubau des Architekturstudios Barozzi Veiga immer einen Besuch wert. Ausserdem kuratiert Manuel Solcà spannende Ausstellungen in seiner Galerie Solcà an der Reichsgasse.

Welchen Ausblick in Chur sollte jeder mindestens einmal erlebt haben? Wieso?

Das «Haldenhüttli» bietet einen wunderschönen Ausblick in die Surselva und auf die Stadt Chur. Ein kleiner Holzpavillon aus dem 19. Jahrhundert ist zugleich Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt und Rückzugsort für Liebespaare. Bei guter Witterung zeigen sich auch das imposante Massiv des Piz Tödi und sein Gletscher.

Welcher Ort in Chur inspiriert Sie besonders?

Die Heiligkreuzkirche ist Gebäude und Skulptur zugleich. Sie wurde von 1967 bis 1969 vom Schweizer Architekten Walter Maria Förderer als markanter Sakralbau in durchgehender Sichtbetonkonstruktion erbaut. Das stützenlos angelegte Kirchenschiff mit indirekter Belichtung und höhlenartig abgestufter Raumstruktur ist eines der prägendsten Beispiele des Brutalismus in der Stadt Chur.

Wenn Sie jemandem eine Wanderung oder einen Spaziergang empfehlen dürften: Welche Route wäre das?

Mit dem Hausberg Brambrüesch verfügt Chur als einzige Stadt der Schweiz über ein eigenes Sommer- und Wintersportgebiet, das direkt vom Stadtzentrum aus mit einer Luftseilbahn erreichbar ist. Das Hochplateau bietet vielseitige Erholung und dient als Ausgangspunkt für Wanderrouten – und im Winter für Schneeschuhtouren.

Gibt es einen Event im Sommer, den man in Chur nicht verpassen sollte?

Das Jazz Chur Festival in der Postremise in Chur, das dieses Jahr vom 2. bis 6. September stattfindet. Jazz muss man nicht verstehen, um ihn zu spüren. Es geht um den Moment, wenn Klänge wandern und die Musik plötzlich woanders hingeht als erwartet. Jazz lässt sich ungern streamen, selten auf später verschieben und auf keinen Fall von einem Algorithmus nachbauen.

Was würden Sie jemandem raten, der Chur zum ersten Mal besucht – worauf sollte man sich einlassen, und was sollte man eher vermeiden?

Ein Rundgang durch die Churer Altstadt lohnt sich immer. Hier gibt es verschiedenste Cafés, Bars, Restaurants und Geschäfte. Besonders zu empfehlen sind ein Besuch in der «Zuckerbäckerei» an der Unteren Gasse mit ihrem aufwendigen Interieur, die Boutique Laki Mi mit ihrem ausgewählten Sortiment oder der umfangreiche Fundus im Uhrenparadies Clavuot an der Kupfergasse.