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Artikel

8. Dezember 2015 Neue Zürcher Zeitung

Tanz um eine Ikone

Der «Chair One» steht im Mittelpunkt einer Konstantin Grcic gewidmeten Schau in München. Diese ästhetisiert die Prototypen des Stuhls, statt sie als Etappen eines Gestaltungsprozesses zu vermitteln.

Manche Möbel sind Ikonen. Ihr Design wirkt zeitlos und erzählt doch auch die Geschichte einer Ära und ihrer Eigenarten. So hat Verner Pantons geschwungener Freischwinger von 1967 die Zeit überdauert, obwohl sein extravagantes Design Ausdruck einer radikalen Haltung der späten 1960er Jahre ist – damals...

2. Juni 2015 Neue Zürcher Zeitung

Der unabhängige Blick

Architekturfotografie hat nicht nur eine baukünstlerische, sondern auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Eine Münchner Ausstellung zeigt, wie wichtig dabei die Unabhängigkeit des Fotografen ist.

Irgendwo im nirgendwo, eine Frau steht am Strassenrand und wartet. Der graue Asphalt vor ihr ist von verwahrlosten Stadthäusern und leeren Läden gesäumt. Kein Mensch weit und breit. Auf dem Trottoir steht eine Litfasssäule mit grellen Werbeplakaten. Eine Telefonzelle und die Bushaltestelle, an der die...

27. Februar 2015 Neue Zürcher Zeitung

Vermittler zwischen den Kulturen

Die Bauten des 49-jährigen David Adjaye suchen den Dialog zwischen den Menschen. Gleichzeitig ergänzt der ghanesisch-britische Architekt den westlich dominierten Architekturdiskurs um eine längst überfällige Stimme aus Afrika, wie derzeit eine Ausstellung in München zeigt.

Wie eine Festung schottet sich das Dirty House von seiner Umgebung im Nordosten Londons ab. Die Ziegelfassaden des kubischen Baus sind anthrazitgrau, fast schwarz. Ein weisses Flachdach schwebt über dem zweiten Stock und hebt sich klar von dem dunklen Volumen ab. David Adjaye entwarf das ungewöhnliche...

26. Oktober 2011 Neue Zürcher Zeitung

Geschichten von Nutzen und Nutzlosigkeit

In Lissabon fragen Architekten und Designer nach den Leitbildern ihrer Disziplin: Wo liegen ihre politischen Ziele, und worin besteht ihr gesellschaftlicher Stellenwert? Das Experimenta-Design-Festival diskutiert mit internationalen Protagonisten und stellt Ideen sowie mögliche Optionen für die Zukunft in den Raum.

Die Mechanismen des globalisierten Marktes haben die internationale Designwelt der letzten Dekade massgeblich geprägt. Doch glamouröse Selbstinszenierungen und rekordverdächtig teure Einzelstücke sind heute Paten einer vergangenen Ära. Stattdessen stellt sich die Disziplin unter dem Druck der Wirtschaftskrise...

9. September 2011 Neue Zürcher Zeitung

Monumente des Wissens

Seit Jahrhunderten hüten Bibliotheksgebäude das schriftlich festgehaltene Wissen der Menschheit. Eine Ausstellung des Architekturmuseums in der Pinakothek der Moderne in München widmet sich nun der Geschichte dieses Bautyps.

Im digitalen Zeitalter erobern Texte den virtuellen Raum als E-Books, auf Online-Seiten oder in grossen Datenbanken. Die Leser werden so zu gewieften Usern, welche im Internet stöbern, elektronische Lexika konsultieren und Texte downloaden. Die ubiquitären Möglichkeiten eines Zugriffs auf die Datenwelt...

24. August 2008 Bauwelt

Weltoffen und sinnlich, würdevoll und bescheiden

Sep Ruf zum Hundertsten

Der Bonner Kanzlerbungalow sollte ohne Pathos auskommen: zwei gegeneinander versetzte Würfel mit Flachdach, die sich zwischen die hohen Bäume im Park des Palais Schaumburg ducken; das Wohn- und Empfangsgebäude öffnet sich mit geschosshohen Glas­schiebetüren zur Natur. Ein mutiges Bekenntnis zur Moderne ließ Ludwig Erhard 1963 von seinem Te­gern­seer Nachbarn, dem Münchner Architekten Sep Ruf (1908–1982), erbauen. 45 Jahre später vermag das schlichte Gebäude immer noch Maßstäbe für die ästhetische und gesellschaftliche Rolle von Baukultur in Deutschland zu setzen: All das kann Architektur leisten! Weltoffen und sinnlich, zugleich würdevoll und bescheiden, propagierte das Haus obendrein eine neue, von Häkeldeckchen und Nierentischen entrümpelte Form des Wohnens.

21. Dezember 2006 Bauwelt

Räume, Licht und Farbe

Opulente Dan-Flavin-Retrospektive in München

Mit unerschütterlicher Wucht breitet sich das gleißend weiße Licht aus, dringt in alle Winkel des hohen Ausstellungsraums vor. Die Welt scheint sich in ein vielsagendes Nichts aufzulösen, dessen Zentrum an der Stirnseite des Raums prangt wie der Altar in der Hauptapsis einer Kirche. „The nominal three“ nannte Dan Flavin dieses Werk aus sechs vertikalen Lichtstäben, die wie ein Triptychon an der Wand angebracht sind. Gerade so, als ob die Heilige Dreifaltigkeit ein zufälliges Nebenprodukt handelsüblicher Leuchtstoffröhren wäre. Der intellektuelle Anspruch, den diese Arbeit von 1963 nicht ohne Ironie und Doppeldeutigkeit in der Widmung an den Nominalisten Wilhelm von Ockham (1280–1349) formuliert, gehört ebenso wie politische Aussagen zur Kunst von Dan Flavin dazu. Doch das Potential und der Reiz der Werke des 1933 in New York geborenen und vor zehn Jahren verstorbenen Künstlers liegen in der unmittelbaren Erfahrung der Kunst selbst. Seit 1963 arbeitete Flavin ausschließlich mit Leuchtstoffröhren. Er schuf mit diesem banalen Industrieprodukt beeindruckende Lichtszenerien, die er weder als Skulptur noch überhaupt als Kunst gedeutet wissen wollte. Als Susan Sonntag 1964 gegen die Interpretation als Zähmung und Reduktion von Kunstwerken wetterte, könnte Dan Flavin ihr Gewährsmann für die Praxis gewesen sein: Seine nüchternen Leuchtröhren rufen eine Sensibilität sinnlicher Erfahrung auf den Plan, die sich selbst genügt, ganz ohne Worte.

Die Pinakothek der Moderne in München zeigt über 70 Werke des Künstlers und lässt die weihevollen Räume im Ostflügel des Braunfels-Tempels in wohltuend sachlichem Licht erstrahlen. Mehrere Serien Dan Flavins sind in der chronologisch geordneten Retrospektive versammelt. Einige von ihnen, die „Monuments for V. Tatlin“ oder die „icons“, wurden noch nie in diesem Umfang als Werkgruppe gezeigt, sie befinden sich sonst als Einzelstücke über verschiedene private und öffentliche Sammlungen verteilt. Skizzen des Künstlers zu einzelnen Werken und Fotos ergänzen die sehr sorgfältig kuratierte Schau – ein Eindruck, der sich mit jedem Schritt durch die Räumlichkeiten neu präsentiert und dabei verdichtet. So ergießt sich das leuchtende Grün der unbetitelten Lichtbarriere von 1973, die Flavin seinem Freund und Galeristen Heiner Friedrich widmete, in den angrenzenden Flur der Mittelachse, wo es zu pinkfarbener Luft verpufft. Nach längerem Verweilen erst lässt dieses starke Nachbild die Netzhaut los, bis man wahrnimmt: Es ist doch kein rötliches, sondern ein schlichtes weißes Licht, das sich an diesem Herbsttag mit dem fahlen Tageslicht mischt. „Schlicht ist nicht einfach schlicht“, meinte Dan Flavin einmal. „Es ist schlicht anspruchsvoll.“

Publikationen

2024

Architektur in Vorarlberg
Portrait einer regionalen Baukultur

Architektur und Baukultur in Vorarlberg erfahren international große Wertschätzung. Besonders ihr ökologischer Anspruch und ihre kulturelle Wirkung setzen Maßstäbe. Dieses Buch versammelt architektonische Positionen und die spannendsten Gebäude aus den Jahren seit 2000. Es gibt einen umfassenden Überblick
Hrsg: Sandra Hofmeister, Verena Jakoubek-Konrad
Verlag: Detail

2008

Mein liebster Stuhl / My Favourite Chair
Von Architekten, Designern und ihren Lieblingsstühlen.

Worauf sitzen Gestalter und andere kreative Menschen am liebsten? Auf einer Vespa, einem Bistro-Stuhl in der Lieblingsbar, einem Panton Chair? Prominente Architekten und Designer überraschen mit ihren Geschichten, Fotos und Skizzen rund um ihre liebsten Sitzgelegenheiten. Egal, ob Gebrauchsgegenstand,
Autor: Sandra Hofmeister
Verlag: Callwey GmbH