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Artikel

26. Juni 2021 TagesAnzeiger

Das Stöckli im Zebramantel

Das Zürcher Büro Clou Architekten ergänzt ein Einfamilienhaus mit einem Pavillonhaus und liefert so die moderne Antwort auf das traditionelle Stöckli.

Wohnen miteinander und doch auf Distanz: Im Stöckli verbrachten früher die Eltern ihren Lebensabend, nachdem sie das Bauernhaus ihren Kindern vermacht hatten. Wie man das legendäre Stöckli aus Jeremias Gotthelfs Zeiten in die Moderne holen kann, zeigt das Zürcher Büro Clou Architekten.

Das neue Stöckli...

29. Mai 2021 TagesAnzeiger

Architektur als Therapie

Silvia Gmür Reto Gmür Architekten zeigen mit dem Bürgerspital Solothurn, wie innovativer Klinikbau heute aussieht.

Fahles Licht, kahle Wände, nüchterne Atmosphäre und unangenehme Geräusche: Ein Spital betreten wir in der Regel nur ungern. Die Empfindungen schwanken zwischen mulmigem Gefühl und echter Angst. Möglichst schnell möchten viele deshalb die Klinik wieder verlassen. Die meisten Bauten dieser Prägung entstanden...

12. Mai 2021 TagesAnzeiger

So schön können Sozialwohnungen sein

Harry Gugger Studio eröffnet das Basler «Wohnbauprogramm 1000+» mit einem prägnanten Holzgebäude in Modulbauweise.

Schon von weitem leuchtet der Bau: In kräftigem Schwedenrot steht das kompakte, aber feingliedrige dreigeschossige Holzhaus auf einem kleinen Plateau am Hirtenweg 12 in Riehen. Unweit des Friedhofs Hörnli markiert es seine Präsenz unter verschiedenen Wohnbiotopen, kleinteiligen Bauten mit Gärten und...

1. Mai 2021 TagesAnzeiger

Das Juwel im Park

Elisabeth & Martin Boesch Architekten haben das Kurtheater Baden saniert – mit viel Liebe zum Detail.

Lisbeth Sachs (1914–2002) gilt als eine der ersten und eine der prägenden Architektinnen der Schweizer Architekturgeschichte. Der Architekturtheoretiker Stanislaus von Moos bezeichnete sie in seinem Nachruf als «Doyenne der Schweizer Architektinnen». Schon mit ihrem Einstieg in die Berufswelt sorgte...

3. April 2021 TagesAnzeiger

Das verborgene Haus

Das junge Zürcher Büro Schneider Türtscher baut eine alte Scheune in eine lichte Wohnhauserweiterung um.

Liechtenstein ist klein, man kennt sich. Claudio Schneider ist hier aufgewachsen, seine Partnerin Michaela Türtscher im benachbarten Vorarlberg. Beide haben Architektur an der ETH Zürich studiert und gemeinsam 2013 ein Büro in Zürich eröffnet. Schneider Türtscher starteten mit einem Direktauftrag für...

6. März 2021 TagesAnzeiger

Wo sich Geschichte und Gegenwart begegnen

Felix Partner Architektur und Design haben ein historisches Gebäude im Engadiner Stil in ein Nullenergiehaus verwandelt.

Hier wurde die erste Schweizer «Heidi»-Verfilmung von 1952 gedreht. Und dieses Dorf wurde auch der Drehort der Neuverfilmung des Schweizer Klassikers von 2015: Heidis Zuhause Latsch thront gut sichtbar auf einer Kuppe auf 1588 Meter über Meer, oberhalb von Bergün, der letzten Ortschaft vor dem Albulapass.

Im...

14. November 2020 TagesAnzeiger

Ein Refugium mit Seele am Waldrand

Alfredo Häberlis Haus «Waldsicht» im bernischen Köniz vereint Ökologie und Gestaltung.

Sein Anspruch an gute Architektur ist hoch: «Ich will einem neu gebauten Haus eine Seele geben, die beim Einzug sofort spürbar ist», sagt Alfredo Häberli. Mit seinen Ausstellungskonzeptionen, Architekturprojekten und Designentwürfen gehört der Zürcher zu den gefragtesten Designern weltweit.

Seine...

14. September 2019 TagesAnzeiger

Die schönsten Wanderrouten für Architektur-Fans

Ein neuer Bildband zeigt Touren zu den Juwelen der zeitgenössischen Architektur in den Schweizer Bergen.

Holzhäuser mit Sprossenfenstern, Giebeldächern und Kisten voller leuchtend roter Geranien vor den Fenstern – wie zu Heidis Zeiten präsentiert sich die Idee vom Bauen in den Alpen. Die Realität sieht heute leider oft anders aus: Grosse Hotelbauten, gesichtslose Riesenchalets mit mehreren Dutzend Wohnungen oder von Technokraten gestaltete Bergbahnstationen prägen die Architektur in den Bergen. Doch Ende der 80er-Jahre begannen zahlreiche Architekten in der Schweiz, eine Gegenposition einzunehmen.

Auf deren Spuren begaben sich die Autoren Reto Westermann und Üsé Meyer. Ihr Buch «Architektur erwandern» führt zu 42 Beispielen zeitgenössischer Architektur in der alpinen Landschaft – vom Wallis bis ins Engadin und vom Jura bis ins Tessin. Wie sich die Bauten erwandern lassen, haben die beiden Autoren akribisch zusammengetragen. Mit vielen Fotos, kleinen Bauplänen, Kartenausschnitten, Tourenprofilen und praktischen Hinweisen ist die Publikation sorgfältig gestaltet.

Der Bildband führt seine ebenso wander-wie architekturbegeisterten Leser zu Fuss langsam an die Objekte heran und lässt ihnen genügend Zeit, sich mit den Gebäuden und der Landschaft auseinanderzusetzen. Die ausgewählten Bauwerke reichen vom einfachen Ferienhaus auf der Rigi bis zur weltbekannten Monte-Rosa-Hütte oberhalb von Zermatt. Die Touren decken im Schwierigkeitsgrad sämtliche Bereiche vom gemächlichen Winterspaziergang über eine einfache Zweitageswanderung bis hin zur Hochgebirgswanderung ab.

Trendsetter aus dem Tessin und Graubünden

Der Band versammelt die bekannten Juwelen zeitgenössischer Architektur wie Mario Bottas Kapelle Santa Maria degli Angeli auf dem Monte Tamaro, mehr begehbare Skulptur als klassisches Gotteshaus. Der Sakralbau lässt sich in rund fünf Stunden vom Monte Lema aus in einer Gratwanderung mit Aussicht auf den Lago Maggiore und den Luganersee erreichen.

Von ähnlichem Weltruhm ist Peter Zumthors Therme in Vals. Der Basler Architekturstar sorgte als einer der Ersten für Furore in Graubünden, einem Kanton, in dem der Tourismus-Boom der Nachkriegszeit besonders starke Spuren und damit auch zahlreiche gesichtslose Bauten hinterliess. Zumthors Badehöhle kann in fast acht Stunden Gehzeit von Vrin aus erreicht werden – eine lange Wanderung über steil abfallende Wiesen, schroffe Felsen und kleine Schneefelder.

Die Bündner Beispiele haben in den letzten Jahren Schule gemacht. 2008 beispielsweise eröffnete die Anenhütte auf der Gugginalp im Wallis. Die Bremgartner Architekten Peter und Prisca Tscherrig bauten im hintersten Lötschental eine moderne Unterkunft, die einem grossen Felsblock gleicht und im Inneren nicht nur Mehrbettzimmer, sondern gar zwei Suiten aufweist. Um auf fast 2500 Meter über Meer saunieren zu können, muss man rund 4,5 Stunden ab der Fafleralp einrechnen – Trittsicherheit wird vorausgesetzt.

Im Kanton Bern wiederum steht das 2002 errichtete Berghaus Niesen. Der Bau des Berner Architekturbüros Aebi & Vincent – in drei gemütlichen Stunden zu erreichen – ist fast rundum verglast und wirkt so leicht und schwebend. Der Neubau ergänzt das 1856 erbaute Berghaus und steht mit seinen klaren geometrischen Formen im Kontrast zum schweren Walmdach des Hauses, aber auch zur natürlichen Berglandschaft.

Hüttenzauber im Kanton Luzern

Der Band lädt auch zu kleineren Entdeckungen ein: So überrascht im Kanton Luzern auf dem Jakobsweg bei Willisau ein moderner Holzpavillon. Der mehrfach ausgezeichnete Bau aus der Feder des Luzerner Architekturbüros CAS Chappuis Aregger Solèr bietet rastenden Pilgern ganz zeitgemäss Schutz vor der Witterung. Der Waldpavillon ist eine erfrischende Variante der klassischen Hüttenarchitektur: Holzscheite wurden zu Wandscheiben aufgeschichtet und mit schmalen Stahlprofilen umfasst. Das filigrane Flachdach scheint – auf schlanken Stützen ruhend – über den Wänden zu schweben.

Bau von Weltruhm oder Trouvaille: Allen Bauten gemein ist, dass sie keine anbiedernden Chaletbauten sind, die eine verklärte Vergangenheit evozieren. Vielmehr verkörpern sie eigenständige Objekte mit einer modernen Architektursprache, die regionale Traditionen neu interpretieren.

[ «Architektur erwandern», Reto Westermann/Üsé Meyer, Werd Verlag 2019, 268 Seiten, ca. 49 Franken ]

15. August 2017 Neue Zürcher Zeitung

Die Geburt des Designs aus dem Geist der Poesie

Der Designer Ettore Sottsass stellte in den siebziger Jahren das Design auf den Kopf. Zu seinem hundertsten Geburtstag schauen verschiedene Museen auf sein vielfältiges Werk zurück.

Sie ist knallrot, tragbar und leicht: Die Reiseschreibmaschine «Valentine» war ein Hingucker in den Schaufenstern, als der Hersteller Olivetti sie 1969 auf den Markt brachte. Sie machte ihren Erfinder Ettore Sottsass weltberühmt. Die «Valentine» wurde ein begehrtes Design-Objekt, denn Sottsass hatte...

14. Juni 2017 Neue Zürcher Zeitung

Achtung Flirtmöbel

Die zum zwölften Mal durchgeführte Design Miami Basel hat sich neben der Art Basel als fester Wert etabliert. Dieses Jahr präsentieren rund 50 Design-Galerien Unikate und Editionen der Möbelkunst.

Sie war von Anfang an dabei: die Galeristin Gabrielle Ammann. 17 Design-Galerien stellten bei der Premiere der Design Miami Basel, der globalen Messe für Design, in der Basler Elisabethenkirche aus. Die zwölfte Ausgabe der Designmesse versammelt nun fast 50 Galerien aus aller Welt in der Basler Messehalle...

11. April 2017 Neue Zürcher Zeitung

Comeback der Eleganz

Der kühle, skandinavische Stil bekommt Konkurrenz. Neu lockt die Möbelbranche mit Goldglanz, edlem Marmor, Samt und Art-Déco-Anleihen, wie ein Besuch des Salone del Mobile in Mailand gezeigt hat.

Zu prunkvoll, zu prächtig, zu prätentiös: Diese Vorurteile begleiteten das Material Samt in den vergangenen Jahrzehnten. Doch nun ist das feine Gewebe zurück. Die Mode hat es – wieder einmal – vorgemacht. Designer wie Alessandro Michele von Gucci, Stella McCartney oder Valentino schickten ihre Models...

29. März 2017 Neue Zürcher Zeitung

Dinge neu denken

Er gilt als einer der besten Gestalter seiner Generation. Industrielle Fertigung und handwerkliche Perfektion treffen im Werk von Stefan Diez auf Einfallsreichtum und Leidenschaft.

Er steht kennzeichnend für eine neue Designergeneration: Stefan Diez kombiniert handwerkliches Können und digitale Werkzeuge ganz selbstverständlich miteinander. Die oft radikale Suche nach neuen Wegen ist charakteristisch für die Arbeit des Münchners. Mit grosser Passion lotet er die Grenzen von Materialien...

14. April 2016 Neue Zürcher Zeitung

Der Design-Gipfel

Der Salone Internazionale del Mobile in Mailand vermag auch in seiner 55. Ausgabe zu begeistern. Die Leitmesse des Designs lockt mit runden Geburtstagen, neuen Labels und zahlreichen Neuauflagen.

Der Himmel hängt hier voller weisser Papier-Mobiles. Es ist nicht irgendein Papier, das in der luftigen Installation «Honminoshi Garden» in einem Hinterhaus im Mailänder Brera-Quartier verwendet wird. Es ist feinste «Mino Washi»-Qualität, die seit Jahrhunderten in der japanischen Präfektur Gifu produziert...

7. April 2016 Neue Zürcher Zeitung

Der Architekt als Designer

Für Richard Neutra gehörten Haus und Interieur untrennbar zusammen. Für seine Bauherren entwarf er deshalb auch Möbel, oft als Einzelstücke.

Sie sind der wahr gewordene amerikanische Traum: Die eleganten südkalifornischen Flachdachvillen von Richard Neutra sind heute Ikonen der Architekturgeschichte. Sie verkörpern das Lebensgefühl der 1950er Jahre auf das Schönste. Frei, offen und transparent behaupten sie ihren Platz in der Natur. Mehr...

6. März 2016 Neue Zürcher Zeitung

Das Lob der gewöhnlichen Dinge

Was muss ein Designobjekt leisten? Es muss funktionieren und eine angenehme Atmosphäre schaffen, wie Jasper Morrison sagt. Was das heisst, zeigt er in Zürich mit einer Auswahl von Arbeiten.

Eine Holzkiste, die an eine Studentenbude denken lässt: «Crate» stammt aber von einem der etabliertesten Designer weltweit. Jasper Morrison liess sich in diesem Entwurf von einer Weinkiste inspirieren, die er in seinem Pariser Appartement fand. Sie diente ihm als improvisierter Nachttisch. Als die nur...

23. Januar 2016 Neue Zürcher Zeitung

Zurück in die Zukunft

Der grosse Trend der IMM Cologne 2016 heisst Mid-Century-Stil. Möbel aus der Mitte des 20. Jahrhunderts erleben eine durchaus verdiente Renaissance; aber auch junge Talente markieren Präsenz.

Don Draper hätte daran sicher seine Freude gehabt: Der «Votteler Chair» scheint direkt aus dem Set der Kultserie «Mad Men» zu stammen. Man kann sich gut vorstellen, wie sich der charismatische Werber aus dem New York der Sixties in diesem Ruhesessel einen Whisky gegönnt hätte. 1956 von Arno Votteler...

5. Januar 2016 Neue Zürcher Zeitung

Sinn für Ästhetik und Ergonomie

Tod des Designers Richard Sapper

Richard Sappers Karriere begann in Stuttgart. Doch berühmt wurde er erst in Mailand, wo er in den letzten fünfzig Jahren legendäre Designobjekte schuf. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Er schrieb Designgeschichte: Richard Sapper erfand für vielerlei Objekte neuartige Lösungen – von der Espressokanne über Radios, Stühle und Leuchten bis hin zu Schiffen. Seine Karriere begann er bei Mercedes-Benz in Stuttgart. Der 1932 in München geborene Gestalter musste jedoch nach Mailand gehen, um weltberühmt zu werden. Zunächst arbeitete er ab 1958 dort für Giò Ponti, danach gemeinsam mit Marco Zanuso für die Warenhauskette La Rinascente. In Sappers Studio entstanden Gegenstände, die jeder kennt. Wie beispielsweise die Niedervolt-Halogen-Leuchte «Tizio» (1972) für Artemide, der Wasserkessel «9090» mit dem wehmütigen Dreiklang (1983) für Alessi oder der Laptop «Thinkpad 700C» (1991) für IBM. Charakteristisch für seine Entwürfe waren die dezidiert technische Handschrift und der Sinn fürs Detail. Oberstes Ziel war ihm, Dinge zu schaffen, die aufgrund ihrer Ästhetik und ihrer verbesserten Ergonomie den Alltag erleichtern und verschönern. Der Produktdesigner wurde mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichnet. Allein der Compasso d'Oro, Italiens bedeutendster Designpreis, ging zehnmal an den Wahl-Mailänder. Wie erst jetzt bekanntwurde, starb Richard Sapper am 31. Dezember in Mailand.

3. Dezember 2015 Neue Zürcher Zeitung

Experimente einer legendären Kunstschule

Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus steht am Anfang eines umfassenden Design-Verständnisses. Als offenes Experimentierfeld lieferte die Designschule die Vorbilder für die Gestalter von heute.

Lyonel Feiningers expressionistische Stadtansicht, Paul Klees phantastische Figuren, Wassily Kandinskys im Raum schwebende Gebilde und Herbert Bayers abstrakt-geometrische Formen: Die Postkarten, die zur grossen Weimarer Bauhaus-Ausstellung im Sommer 1923 entworfen wurden, sind so unterschiedlich wie...

18. April 2015 Neue Zürcher Zeitung

Geschichten erzählen

Der 54. Salone Internazionale del Mobile präsentiert sich mit übervollem Programm. Die Leitmesse des Designs lockt in Mailand mit runden Geburtstagen, der Verbindung von Tradition und Moderne sowie Materialexperimenten.

Ein Page in Livree heisst den Besucher willkommen. Tritt man ein, findet man sich versetzt in ein Kaufhaus längst vergangener Tage. Dort lockt eine Parfümerieabteilung, hier eine Schuhabteilung, da besticht ein Weinregal. Doch halt, alles ein Fake! Die Inszenierung dieses Department-Store hat sich Lee...

23. Januar 2015 Neue Zürcher Zeitung

Probier's mal mit Gemütlichkeit

Auf der internationalen Möbelmesse in Köln gibt es die neue Gemütlichkeit als einen der grossen Trends zu entdecken.

Es ist ein Möbel zum Drinversinken: Der Lounge-Sessel «808» von Thonet bietet als moderne Interpretation des Ohrensessels einen Ort des Rückzugs und der Ruhe. Das für seine Bugholzklassiker renommierte Unternehmen hat sich für seine Messeneuheit die jungen Gestalter Claudia Kleine und Jörg Kürschner...

24. Oktober 2013 Neue Zürcher Zeitung

Die Zukunft ist leuchtend

In der Ausstellung «Lightopia» zeigt das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein verschiedene Facetten des Lichtdesigns. Dabei stellt es die Frage nach den Zukunftsperspektiven des künstlichen Lichts.

Es ist ein Schauspiel des Augenblicks: Über den Köpfen der Besucher hängt ein gigantischer Kronleuchter. 560 Glühbirnen an drei Aluminiumringen verströmen sanftes Licht. Sie sind mit einer Wetterstation in Italien verbunden. Entlädt sich dort irgendwo ein Blitz, flammen sie kurz und grell auf. Die Installation...

27. November 2012 Neue Zürcher Zeitung

Der schöne Schein der Warenwelt

Die Pop-Art gilt als eine der einflussreichsten Strömungen der Kunst nach 1945. So wie sie Markenwerbung und Symbole des Alltags zitierte und verfremdete, so inspirierte sie in der Folge das Design. Nun geht das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein der Dynamik des Verhältnisses von Pop-Art und Design nach.

Als ob ein riesiger Pinsel in gelbe Farbe getaucht und dann mit einem einzigen Strich über die Leinwand gezogen worden wäre – so wirkt Roy Lichtensteins Grossformat «Yellow Brushstroke» von 1965. Der Hintergrund besteht aus einem Raster gleichmässig verteilter blauer Punkte. Kreisrund wie die gemalten...

24. Januar 2012 Der Standard

Gib mir die Kugel

Der französische Architekt Antti Lovag hat in den 1970er-Jahren Kugelhäuser gebaut, die das Wohnen von morgen revolutionieren sollten. Andrea Eschbach hat den in Vergessenheit geratenen Visionär in Südfrankreich besucht

Auf einer Betonkugel liegt ein Teppich aus Moos, Metallstrukturen geben Efeu Halt. Still ist es in diesem ganz speziellen Märchenwald hoch über Tourettes-sur-Loup in den französischen Alpes-Maritimes. In den bewaldeten Hängen dämmern Modelle und Prototypen, Gelungenes und Verworfenes des hierzulande wenig bekannten Baumeisters Antti Lovag vor sich hin.

Vier Jahrzehnte ist her, dass auf diesem versteckten Grundstück in Roureou eine Utopie Gestalt annahm. Wie eine gestrandete Ufo-Flotte liegt hier ein gigantisches Anwesen aus Wohnkugeln, erdacht als Domizil für den Pariser Börsenmakler Antoine Gaudet. Lovag ist ein Mann, um den sich bis zum heutigen Tag zahlreiche Legenden ranken. Geboren als Antal Koski 1920 in Ungarn, wuchs er in der Türkei, Ungarn und Skandinavien auf und studierte in Stockholm zunächst Schiffsbau. Sein Biograf und Archivar Pierre Roche gibt an, Lovag habe im Krieg auf Seiten der Finnen, dann der Russen gekämpft, sei bei der Flugstaffel Fallschirmspringer gewesen, kurz vor Kriegsende mit einem Jagdflieger nach Schweden geflohen. 1945 nahm er eine neue Identität als Antal Lovag an, sein Geburtsjahr datierte er kurzerhand vor auf 1925. Ein Jahr später segelte er von Stockholm nach Frankreich, wo er in Paris die École des Beaux-Arts besuchte und gelegentlich im Atelier von Jean Prouvé mitarbeitete. Dort lernt er, dass man, „um ein Material beherrschen zu können, es zunächst einmal verstehen muss“.

Kampf dem rechten Winkel

1963 zog es Lovag an die Côte d'Azur. Gemeinsam mit Architekten wie Pascal Häusermann experimentierte er mit Formen, die von der Natur inspiriert waren. Bald nannte sich Lovag konsequent Habitologe. Was dies genau heißt, darüber lässt sich der Non-Konformist nur sehr vage aus. So entspreche die von ihm entwickelte Art des Bauens den Bedürfnissen des Menschen. Er entwerfe „Habitats“, Wohnräume, für den Menschen. Nichts weniger als das Modell für das Wohnen von morgen hat Lovag dabei im Sinn. Für ihn bedeutet dies in erster Linie eine Rebellion gegen die gerade Linie und den rechten Winkel: „Der rechte Winkel ist ein Angriff gegen die Natur“, befindet Lovag im Gespräch. Eine Begegnung mit dem Industriellen Pierre Bernard aus Lyon wurde zu einem Wendepunkt in Lovags Karriere. In Port-La-Galère entstand zwischen 1971 und 1980 das „Maison Bernard“: 26 Wohnkugeln wuchsen wie Pilze aus dem Boden. Der Mäzen finanzierte daraufhin dem bewunderten Freund ein weiteres Kugelhaus in Théoule-sur-Mer.

Die Bauarbeiten begannen 1979, 14 Jahre später erst ist die ondulierende Wohnlandschaft fertiggestellt. Eine Herausforderung nicht nur für Lovag, sondern auch für den Bauherrn. „Ich habe keine Kunden“, sagt der Querkopf, „sondern Komplizen. Denn ich habe zwei Bedingungen: Ich mache weder einen Kostenvoranschlag noch einen Plan.“ Auf 1200 Quadratmetern und vier Ebenen verteilt gruppieren sich 25 Kugeln. Das Gebäude ist ein Labyrinth, endlose Gänge mäandern durch Salons, Suiten, Büroräume, Bibliothek, Konferenzsaal und Kino, im Garten glitzern zwei Swimmingpools. Weiträumige Hallen wechseln sich mit grottenhaften Räumen ab, helle Farben kontrastieren mit dunklen. Bullaugen, Kuppeln und ellipsenförmige Fenster aus Plexiglas zaubern Lichtspiele im Innern. Alles ist rund oder geschwungen. Lovag zeigt sich als virtuoser Spieler: So finden sich auf dem Grund des Swimmingpools drei Fenster, die die darunter liegenden Zimmer in eine Unterwasserwelt verwandeln. Und die Küche lässt sich über Schienen komplett auf die Terrasse drehen.

Für den französischen Bildhauer César waren Lovags Bauten „riesige bewohnbare Skulpturen“. Ihrer Faszination konnte sich auch Pierre Cardin nicht entziehen. Der französische Modemacher erwarb 1989 das avantgardistische Haus für 50 Millionen Francs. Im Palais Bulle fühle er sich wie im Weltraum, gab Cardin einmal zu Protokoll. David Bowies Weltraum-Song „Space Oddity“ passt perfekt zu einem anderen Bau Lovags: Wie bei einer Mondlandung liegt das Interferometer-Laboratorium in der kargen Landschaft der Hochebene von Calern. Das 1979 entstandene Sphärenhaus, Teil der Sternwarte der Côte d'Azur, scheint aus einer fremden Welt zu stammen. Ein Raumschiff der Forschung.

Alles in Bewegung

Lovags Meisterwerk ist jedoch das Domizil für Antoine Gaudet. Zahllose gigantische Seifenblasen bieten 1600 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt über das terrassierte Waldgelände. Im Laufe der sich hinziehenden Bauarbeiten verlor Gaudet jedoch das Interesse. Der Bau, halb Vision, halb Ruine, verfiel. Lovag, der seit 1970 gleich daneben in einer kleinen grünen Wohnkugel wohnt, musste zusehen, wie sein Lebenswerk immer mehr verkam.

2006 jedoch verliebte sich ein Millionär, der namentlich nicht genannt werden will, in die ewige Baustelle. Der neue Investor schoss eine zweistellige Millionensumme in die Fertigstellung seines „Traumhauses“ ein. Vier Jahre später war die Utopie Wirklichkeit geworden. Im Zentrum des wohl schlüssigsten Werk Lovags steht eine große Halle, die Innen und Außen wirkungsvoll verschränkt. Ein kleiner Bach fließt durch den Bau, Palmen und Kakteen gedeihen in diesem Patio, riesige Felsen säumen den Pfad. An die zentrale Halle schmiegen sich Kugelräume. Ein lichtdurchflutetes Raumensemble, in dem alles den Lovag'schen Gesetzen gehorcht: Keine Türen, außer der Haustür und WC-Tür. Das Mobiliar ist beweglich, Wandschränke lassen sich verschieben, das runde Bett dreht sich um die eigene Achse. Die Natur ist allgegenwärtig. Sogar vorgefundene Kalkfelsen werden integriert.

Lovag, dieser „Prophet des Runden“, wie er einmal genannt wurde, lebt heute vereinsamt. Den Funken, den er mit seinen Wohnutopien entzündet hat, hat er jedoch weitergegeben. Wer nach seinen Gesetzen bauen wollte, den nahm der Exzentriker in Workshops auf. Lovag blickt immer noch nach vorn: „Die Vergangenheit interessiert mich nicht.“ Er ist längst wieder auf der Suche nach einem Abenteurer, einem Komplizen im Geiste.

Buchtipp: Pierre Roche: „Antti Lovag. Habitologue“, France Europe Editions, Nizza 2010

15. November 2010 Neue Zürcher Zeitung

Verführerische Moderne

Wie kein zweiter Fotograf hat Julius Shulman die Protagonisten der amerikanischen Architekturmoderne begleitet und damit Ikonen des American Way of Life geschaffen. Eine Schau in Mannheim erhellt die fotografischen Prinzipien dieses Meisters der Inszenierung.

In der Ferne funkeln die Lichter von Los Angeles. Hoch über der Stadt sitzen zwei junge Frauen in weissen Cocktailkleidern anmutig vor den wandhohen Fenstern. Der hell erleuchtete Glaskubus scheint wie ein Raumschiff ins Dunkel über dem endlosen Häusermeer vorzustossen. Die Aufnahme des Case Study House...

17. April 2010 Neue Zürcher Zeitung

Anders sitzen

Ganz unbescheiden behauptet die Leitmesse der Möbelbranche: «The Event is back.» Und in der Tat sind am 49. Salone Internazionale del Mobile in Mailand spannende Inszenierungen und zahlreiche Neuheiten zu bewundern. Auffällig viele Gestalter widmen sich dem Thema Stuhl.

Ein Eispalast im frühlingshaften Mailand: 50 000 transparente Prisma-Stäbe aus Plastic verwandeln den Kartell-Showroom in eine frostige Winterlandschaft. Die lichte Welt ersann Tokujin Yoshioka, der mit der Installation seine neuen Werke in Szene setzt. «The Invisibles» nennt sich das Projekt. Es handelt...