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Artikel

29. November 2024 TagesAnzeiger

Le Corbusier bemalt Eileen Grays Haus, und der Geschlechterkampf beginnt

Die Designerin baut sich eine Zuflucht am Meer, dann verliebt sich der Stararchitekt – ins Haus. Ein Film dokumentiert die Geschichte als Krimi.

Eileen Grays Haus wird zum Schauplatz der Gewalt. 30 Meter über dem Mittelmeer ist es in der Nähe des kleinen Küstenstädtchens Roquebrune bei Cap Martin gelegen. Unzugänglich, versteckt, geheimnisvoll. Die Côte d’Azur ist, wie sich das gehört in Südfrankreich, azurblau.

Das Haus, es heisst «E.1027»...

17. März 2021 TagesAnzeiger

Bezahlbar und lebenswert – Diese Architekten bauen anders

Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal erhalten die wichtigste Auszeichnung der Branche. Die Pariser sind Pioniere der menschenfreundlichen Wohnbauten.

«Es gibt keinen Grund», hat die soeben mit der wichtigsten Architekturauszeichnung gewürdigte Architektin Anne Lacaton in einem Interview gesagt, «warum ein Raum mit guter Qualität viel kosten muss.» Deshalb spricht sie auch nicht gern vom sozialen Wohnungsbau, der gerade weltweit zur Mangelware wird....

23. Juni 2020 TagesAnzeiger

Hitlers Geburtshaus wird zur Polizeistation

Der Umbau soll die Erinnerung an den Nationalsozialismus beseitigen, anstatt sie zu reflektieren. Ein Akt ignoranter Architektur – und nicht der einzige.

Es ist dieser Eishauch der Geschichte, vor dem man sich an Hitlers Geburtsort Braunau am Inn ängstigt. In dem unglücklich berühmt gewordenen oberösterreichischen Städtchen im Innviertel wurde Adolf Hitler 1889 geboren. Auf Google Maps ist zu sehen, dass «Hasan's Kebap» und «Jia's Asia Tisch» nah sind.

Im...

19. Februar 2020 TagesAnzeiger

Trumps Architektur-Befehl

Donald Trump will per präsidiales Dekret einen bestimmten Stil für Regierungsbauten verordnen. Architekturkreise sind alarmiert.

«Nicht hinter jeder dorischen Säule verbirgt sich ein blutbefleckter Diktator.» Dass dieser Satz des Bauhistorikers Winfried Nerdinger stimmt, zeigt der Umkehrschluss: Stünden Stahl und Glas als emblematische Materialien der Moderne, so wäre jedes Hochhaus von Moskau bis Dubai ein Hort basisdemokratischer...

11. Oktober 2019 TagesAnzeiger

Die Männer vom Bau

Architektur als Protagonistin: Zwei Comics erzählen das Leben von Mies van der Rohe und Le Corbusier.

Dass der Comic über Ludwig Mies van der Rohe mit dem Bild einer nackten Frau namens «Der Morgen» beginnt, ist kein Beitrag zum Sexismus der Moderne. Es ist eine Idee, die einerseits hineinführt in das von Sexismen nicht gerade freie Leben von Mies als bedeutsamem Architekten der Moderne. Die aber andererseits auch die Missverständnisse in der Rezeption dieser Ära zur Pointe verdichtet.

Von Anfang an gelingt es dem spanischen Cartoonisten Agustín Ferrer Casas, der vor seiner Comic-Karriere Architekt war, den Leser zu fesseln. Einem der vielen Mies-Bonmots zufolge entsteht ja Architektur als Baukunst erst dann, wenn man zwei Backsteine sorgfältig zusammenfügt. In diesem Fall ist zu sagen: Die Kunst der Graphic Novel beginnt dort, wo sich Bild und Text zu jenem Ganzen verbinden, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Ein begriffsstutziger König

Das heisst: Die Nackte, eine Skulptur von Georg Kolbe, die sich im 1929 zur Weltausstellung von Mies ersonnenen, ikonischen «Barcelona-Pavillon» befindet, wird so richtig schön erst durch die dazugehörige Sprechblase. Diese stammt vom damaligen König von Spanien, Alfons XIII., der von Mies durch den Pavillon geführt wird, der aber nicht das Geringste von der Eleganz und Radikalität der Architektur begreift. Mit Blick auf die Nackte aber meint der König: «Sehr schön, ja.»

Ferrer, der Mies’ Geschichte in Rückblenden erzählt, braucht nur ein Dutzend Bilder, um die Geschichte des Architekten mit der Geschichte der Moderne und der Geschichte Deutschlands zwischen Weimarer Zeit und Nazi-Horror zu verdichten. Die Ökonomie dieser Erzählweise ist verblüffend. Sie bedient sich simpler Sätze, während sie sich der Ligne claire eines Hergés annähert. Mies würde sagen: «Weniger ist mehr.» Dabei aber wird das Erzählen Ferrers, der die narrativen und visuellen Möglichkeiten zu nutzen weiss, die sich aus dem Zusammenspiel von Comic und Architektur ergeben, nicht nur der Komplexität moderner Architektur, sondern auch der Vielschichtigkeit einer Künstlerbiografie gerecht.

Mitunter ein mieser Typ

Man begreift schon beim Barcelona-Pavillon nicht nur auf Anhieb die Entwurfsprinzipien von Mies, etwa die Emanzipation der Wand vom Trag- zum Raumelement oder den fliessenden Raum als Verweben von innen und aussen, sondern man ahnt auch sogleich, dass Mies nicht nur ein genialer Geist war – sondern zugleich ein mitunter mieser Typ.

Einer, der den eigenen Namen erfindet: Geboren als Ludwig Mies, Sohn eines Maurers, schnappte er sich den Namen der Mutter (Rohe) und erfand das nach Noblesse klingende «van der» dazu. Dreister lässt sich eine düstere Ausgangslage kaum erhellen. Den Rest seiner Karriere als Herzschrittmacher der Moderne verdankte Mies seinem Talent, einer Neigung zum apolitischen Opportunismus – und vor allem den Frauen.

Mies greift zur Zigarre, zum Drink, zur Frau

Dass Mies immer wieder zur Zigarre, zum Drink oder zum nackten Weib greift im Comic, ist folgerichtig. Der Weiberheld und Egomane, der fast alle verrät in seinem Leben, hat nicht nur hoch gebaut (wie am Seagram Building zu sehen ist, das als Setting im Comic zu Audrey Hepburn in «Breakfast at Tiffany’s» passt); er hat sich auch hochgeschlafen. Gestorben vor 50 Jahren, am 17. August 1969, war Mies van der Rohe ein grosser Architekt und ein nicht ganz so grosser Mensch. Dazwischen die Geschichte der Moderne souverän und anschaulich zu erzählen, ist aber auf jeden Fall grosse Comic-Kunst.

Das erzählende Zusammenschauen von der Architektur als jener Bildkunst, die wie keine andere öffentlichkeitswirksam ist, und den populären Mechanismen der Bilderwelt im Comic gelingt auch dem Architektur-Krimi «Der Pavillon». Auch hier ist der Zeichner, der Schweizer Andreas Müller-Weiss, ein studierter Architekt. Er hat sich, um die letzten Lebensmonate von Le Corbusier dramaturgisch zu fassen, einen Krimi-Plot samt «Ich glaube, er ist tot»-Leichenfund (Messer in der Brust, allerdings ist es nicht das von Corbusier) ausgedacht. Wobei der Plot den Heidi-Weber-Pavillon in Zürich, mittlerweile umbenannt in Centre Le Corbusier, mit dem von Eileen Gray entworfenen und von Le Corbusier mit Wandbildern ausgestatteten Haus «E.1027», also der berühmten Maison en Bord de Mer an der Riviera, auf etwas komplizierte Weise zusammenschaltet.

Anders als beim Mies-Comic erscheint beim Corbusier-Cartoon, der ebenfalls eine ganz eigene Bildsprache entwickelt, ein Vorabwissen um architekturgeschichtliche Zusammenhänge unabdingbar.

Die alten weissen Männer am Bau

Beiden Comics gemeinsam ist, dass die Biografien dieser Architekturlegenden kenntnisreich ausgedeutet werden. Vor allem auch dort, wo dem Licht der Moderne ein Schatten des Persönlichen zur Seite steht. War früher die Architektur im Comic Teil des Settings, so wird der grosse Bilderlieferant der Gegenwart, die Architektur, nun selbst zum Protagonisten. Genau rechtzeitig insofern, da die Architekturgrössen der Moderne, sozusagen die alten weissen Männer am Bau, als schillernde «Stars» des 20. Jahrhunderts allmählich altmodisch erscheinen. Es erscheint logisch, dass sie nun im Comic reanimiert werden, in einer Bildkunst, die ebenfalls das 20. Jahrhundert als eigentliches Zuhause kennt.

- Agustín Ferrer Casas: «Mies – Mies van der Rohe. Ein visionärer Architekt». Carlsen, 176 Seiten, ca. 32 Franken.
- Andreas Müller-Weiss: «Der Pavillon – Mord an der Promenade Le Corbusier». Edition Moderne, 72 Seiten, ca. 37 Franken.

23. August 2019 TagesAnzeiger

Ist doch die Höhe

In Dubai und New York entsteht gerade eine teure Spektakel-Architektur, die nur noch Kulisse sein soll. Eine Polemik.

Ein mittelaltes Paar, eher der Kompaktklasse zuzurechnen, steht vor der mutmasslich spektakulärsten Treppenanlage der Welt. Er trägt ein rotes Shirt, sie ein graues – und dazu eine Tasche mit dem Aufdruck «Mind Body». Beide haben einen verhalten fröhlichen, möglicherweise auch eher besorgten Ausdruck...

22. Juli 2019 TagesAnzeiger

Im Schatten seiner eigenen Türme

César Pelli, der Architekt der Petronas Towers in Kuala Lumpur, ist gestorben. Er schuf ein überragendes Werk, das über Höhe hinausreicht.

Dass der in Argentinien geborene und jetzt in den USA im Alter von 92 Jahren gestorbene César Pelli als Architekt der Petronas Towers in Erinnerung bleibt, ist so logisch wie tragisch. Logischerweise wird jeder Architekt, der das jeweils höchste Haus der Welt erbaut, genau für diesen Superlativ gewürdigt....

Publikationen

2012

Häuser des Jahres
Die besten Einfamilienhäuser

In diesem Buch werden die besten Einfamilienhäuser präsentiert. „Häuser des Jahres – Die besten Einfamilienhäuser“ heißt der neue Award für Einfamilienhausarchitektur, den der Callwey Verlag zusammen mit dem Deutschen Architekturmuseum auslobt. Das Buch stellt die 50 besten Projekte aus dem Wettbewerb
Autor: Gerhard Matzig, Wolfgang Bachmann
Verlag: Callwey GmbH