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Artikel

24. Juni 2017 Neue Zürcher Zeitung

Die Welt als Farbquadrat

Die Wirklichkeit nicht länger abbilden, sondern konstruktiv umbilden, war das Credo von De Stijl. Nicht nur die Kunst, sondern auch die Umwelt geriet dabei zur ästhetischen Versuchsanordnung.

«Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau» lautet der berühmte Titel eines Bildes, das der abstrakte Expressionist Barnett Newman in Primärfarben auf die grossformatige Leinwand brachte und dabei eine ungewöhnliche Wette mit dem Betrachter einging. Tatsächlich wurden zwei Exemplare dieser Gemäldeserie in...

21. Juni 2017 Neue Zürcher Zeitung

Bauen gegen das Vergessen

Der Wirtschaftsaufschwung hat in Chinas Städten und Dörfern tiefe Spuren hinterlassen. Der Pritzkerpreisträger Wang Shu baut gegen das Vergessen alter Kulturlandschaften und Handwerkstraditionen.

Neue Architektur in China – das war in den letzten dreissig Jahren vor allem eine grosse Abriss-Show: Die mit dem Wirtschaftswachstum im Gleichschritt wachsende neue Mittelklasse wurde in oft seelenlosen Funktionsstädten untergebracht, die quasi über Nacht aus dem Boden gestampft wurden. Einige entstanden...

26. Januar 2017 Neue Zürcher Zeitung

Venezianische Demaskierung

Die Fassadenarchitektur der Lagunenstadt erinnert an einen ewig währenden Karneval. Der Umbau des historischen Fondaco dei Tedeschi hinterfragt die Maskerade kritisch – ohne sie jedoch zu zerstören.

Die Kurve des Canal Grande ist hier so scharf, dass das Vaporetto immer etwas bremsen muss. Langsam schwebend nähert man sich dem Nadelöhr der Rialtobrücke und ihren Nachbargebäuden: Rechts steht der Palazzo dei Camerlenghi, der den abrupten Verlauf des Canale im Renaissancegewand fast mimetisch nachzeichnet....

7. Januar 2017 Neue Zürcher Zeitung

Metamorphosen des Wassers

Mit dem Umbau und der phänomenalen Aufstockung des Kaispeichers im Hamburger Hafen ist Herzog & de Meuron ein Meisterwerk gelungen. Eine Betrachtung

Es könnte kaum programmatischer sein, das Tor zur neuen Elbphilharmonie. Ist es doch kein pompöser, repräsentativer Eingang, sondern viel profaner – ein Tunnel mit einer fast endlosen Rolltreppe: In einer ungewohnten Bogenlinie führt die sogenannte Tube durch die ersten sechs Etagen des alten, wuchtigen...

30. Dezember 2016 Neue Zürcher Zeitung

Die Stadt zwischen den Fronten

Beim Übergang von Bürgerkriegs- in Zivilgesellschaften gehen Architekten, Planer und Entwicklungsvisionäre zunehmend ganz eigene Wege – etwa beim Bau von Drohnenflughäfen für Afrika.

Es sind verstörende und bedrückende Bilder, die die Öffentlichkeit wenige Tage vor Weihnachten aus Syrien erreicht haben. Dass selbst die humanitäre Hilfe die Menschen in Aleppo nicht erreichte, wirft einen dunklen Schatten auf die Weltgemeinschaft, ihre Diplomaten und Staatsführer. Wenn eine zerstörte...

17. Oktober 2016 Neue Zürcher Zeitung

Paradoxes Zeichen

Was wäre Antwerpen ohne seinen Hafen? Das Havenhuis von Zaha Hadid sollte eine Hommage an die Stadt, ihre Geschichte und Zukunft werden. Aber setzt dieser Janus-Bau tatsächlich das richtige Signal?

«Der Bürgermeister von Antwerpen – das bin ich», sagt Marc van Peel. Eigentlich nur im Scherz – allerdings würde man es dem grauen Mittsechziger mit der kleinen Monokel-Brille durchaus abnehmen. Mit einer ausladenden Geste fährt seine Hand über die gestrichelten Zonen auf der Landkarte. Beiderseits der...

23. September 2016 Neue Zürcher Zeitung

Raumcontainer und Glitzerkabinett

Zwei neue Kunstmuseen in Toyama und Oita schufen Orte mit architektonischem Anspruch in beengten Citylagen. Nur die Kunstpräsentation will nicht immer überzeugen.

Es ist gar nicht so lange her, da schossen die Museumsneubauten in Japan wie Bambus aus dem Boden. Wegweisende Architekturen waren darunter, wie das weisse, kreisförmige Museum für zeitgenössische Kunst von Sanaa in Kanazawa, das hinter einem Tunnel verborgene Miho-Museum von Ieoh Ming Pei oder auch...

1. Juli 2016 Neue Zürcher Zeitung

Architektur der Backsteinexzentriker

Vor hundert Jahren gründeten Architekten und Designer die Amsterdamse School. Backstein war der Stoff, aus dem skurrilste Formenwerke geschaffen wurden. Kann man sie heute nur noch belächeln?

Es hat etwas von einem besonders grossen Tortenstück mit extra viel Schlagrahm. Das unweit des Amsterdamer Centraal-Bahnhofes sich erhebende Scheepvaarthuis (Schifffahrtshaus) mag nur in eine karminrote Backsteinhaut gehüllt sein – der Opulenz seines preziösen Bauschmucks wirkt das nicht entgegen. Unzählige...

26. Mai 2016 Neue Zürcher Zeitung

Bilder einer Stadtzukunft

Das Schicksal unseres Planeten und seiner Gesellschaften entscheidet sich künftig vor allem in den Städten. Deshalb spielt die Rotterdamer Architekturbiennale diesmal mit den Bausteinen der Urbanität.

Rau und unverletzbar wirkt die alte Loft-Etage. Ausstellungstische bilden einen Archipel in der Leere des Raums. Wenn Orte, an denen Ausstellungen stattfinden, programmatisch sein können, dann ist es dieser gleich mehrfach: Das betonsichtige, aus der Erstnutzung entlassene Fenix-Kaffeespeicherhaus, in...

28. April 2016 Neue Zürcher Zeitung

Eine Kette kunstvoller Transiträume

Über U-Bahnen wird neuerdings auch in der Schweiz wieder diskutiert. Denn der öffentliche Verkehr unter Tag ist schnell. Er kann aber auch chic sein, wie in Düsseldorf sechs urbane U-Bahnhöfe zeigen.

U-Bahnhöfe zählen nicht zu den Orten, die die Stadtlust befeuern. Zwar wollte man einst mit den legendären Moskauer Metrostationen «den Geist anregen und erhellen, mehr als Paläste und Theater es je vermögen». Aber solche Bemühungen um eine Aufwertung der verkehrstechnischen Unterwelt gingen in der Nachkriegszeit...

7. April 2016 Neue Zürcher Zeitung

Slow Urbanism

Die Revitalisierung alter Hafenareale gehört zu den Lieblingsthemen des Städtebaus der letzten dreissig Jahre. In Antwerpen zeitigt der seit zehn Jahren laufende Umbau einige interessante Ergebnisse.

Exzentrische Modemetropole, hochkarätiger Diamanten-Umschlagsplatz, Malerschmiede – Antwerpen haften einige schillernde Etiketten an. Geerdet wird das Image der 500 000 Einwohner zählenden Metropole vor allem durch den zweitgrössten Hafen des Kontinents: Binnen weniger Jahrzehnte hat sich ein riesiger...

30. März 2016 Neue Zürcher Zeitung

Mit der Natur verheiratet

Immer mehr Heiratskapellen entstehen in Japan. Wer sich nobel vermählen will, wählt gerne ein christliches Ambiente, das von einem möglichst namhaften Architekten kreiert wurde.

Wer durch Japan reist, den beeindrucken die vielen buddhistischen Tempel und Shinto-Schreine. Sie haben sich als Urzellen der Besiedlung in ihren historischen Bauformen erhalten – wieder und wieder authentisch rekonstruiert, wie es die Tradition verlangt. Hier werden alle wichtigen Feste des Lebens begangen...

11. Februar 2016 Neue Zürcher Zeitung

Ikone der Markenarchitektur

Die in aerodynamischen Kurven schwelgende Architektur des TWA-Terminals auf dem New Yorker John F. Kennedy Airport traf den Nerv der Nachkriegszeit. Davon berichtet eine neue Monografie.

Mit seiner dynamischen Schalenkonstruktion, die den Flügelschlag eines zum Start ansetzenden Vogels zu imitieren scheint, gilt das New Yorker TWA-Terminal von Eero Saarinen als die Architektur-Ikone des Jet-Zeitalters. Dass der Ende der 1950er Jahre einsetzende Wechsel hin zu Düsenflugzeugen bei der...

14. Dezember 2015 Neue Zürcher Zeitung

Panoptikum des Verkehrs

Bahnhofs-Eldorado Arnhem Centraal

Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes beschert sechs Grossstädten der Niederlande neue Bahnhöfe. Wie kein anderer wirkt der Bahnhof Arnhem Centraal als städtebaulicher Kristallisationspunkt.

Sobald der ICE in Richtung Amsterdam den Bahnhof von Arnhem erreicht, bleibt der Blick an den Gleisüberdachungen hängen, die sich so fliessend weich wie die Landschaft über die Bahnsteige legen und dabei noch den Himmel hindurchscheinen lassen. Im November wurde nach 20-jähriger Planungs- und Realisierungszeit auch der letzte Bauabschnitt des Grossprojektes abgeschlossen. Nun kann man den Quantensprung ermessen, der sich hier bei der Konzeption und der Gestaltung eines Bahnhofs vollzogen hat. Der heute 58-jährige Amsterdamer Architekt Ben van Berkel, der als Jungstar 1997 den Wettbewerb mit seinem Büro UN Studio gewann, hat einen hochverdichteten Bahnhofkomplex geschaffen, der das Ankommen und Abfahren zur eigentlichen Leitidee des Bauwerks macht – arrangiert auf engstem Raum, mit kurzen Wegen. Dabei bringt Ben van Berkels Inszenierungsgabe die fliessend-gewundene, hierarchielose Formengeometrie mit der Vielzahl der Verkehrsflüsse in eine ungewohnte Interaktion.

Strömungsbewegungen

Zwei den Trassees zugewandte 16-geschossige Bürohochhäuser und ein daran angedockter, die alte Bahnhofstrasse säumender Flachkomplex mit einem Kongresszentrum bilden das neue Rückgrat der Station Arnhem Centraal. Selbstverständlich benötigte das Programm auch Parkdecks – 900 Stellplätze auf zwei weitläufigen Untergeschossen, zwischen denen der regionale Busbahnhof Platz finden musste. Eine komplexe Stapelaufgabe: Um die Anforderungen zu meistern, entwickelte UN Studio V-förmige Stützwände aus Beton, die den ganzen Komplex tragen. Sie fächern sich dabei raumbildend vom untersten Untergeschoss bis ins oberste Stockwerk auf und können so auch als Erschliessungskerne dienen, in denen keine klaustrophobischen Ängste aufkommen. Denn von oben fällt sogar etwas Tageslicht in die mit Laufstegen erschlossenen Sichtbetonkanäle hinein.

An den aus Bürotürmen und Bushaltestelle gebildeten Komplex dockt der neue Hauptbahnhof fliessend an. Dabei komplettiert er die Anlage, indem er sie einerseits mit der City, andererseits aber auch mit den Gleisanschlüssen durch eine netzartig optimierte Erschliessungsstruktur verknüpft. Die Bahnhofshalle wird nicht nur zum Umschlagplatz aller Verkehrsströme – sie wird mehr noch zum Abbild der Bewegungsabläufe, die sich in dem Gebäude ereignen. Aus der Box des niedrigen Flachbaus wächst dazu eine grosse, biomorph gekrümmte Schalenkonstruktion hervor, die auf drei unterschiedlichen Höhenniveaus wie eine topografische Landschaft für die verschiedenen Verkehrsmodi erschlossen wird.

Fast schwellenlos die Grenzen zwischen innen und aussen nivellierend, mündet die vor dem Gebäude ansteigende, terrassierte Platzanlage in die zentrale Empfangshalle, die wie ein Panoptikum den Blick freigibt auf die miteinander überall durch Krümmungen und Windungen verbundenen Ebenen und die unterschiedlichen Strömungsbewegungen, die sich auf ihnen vollziehen. Die Schwerkraft scheint in diesem hohen, stützenlosen und durch grosse Augenlinsen üppig belichteten Zentralraum jedenfalls fast aufgehoben zu sein – alles hat den Anschein, übereinander oder ineinander zu fliessen.

Das ist äusserst praktisch, weil es den gestressten urbanen Nomaden – über 100 000 sollen es pro Tag sein – augenblicklich einen Überblick verschafft. Frei nach dem Motto «What you see is what you get» wird ihnen ihr Ziel – das Ticket-Center, die beiden unterirdisch angelegten und doch sichtbaren Velo-Ebenen, die Überlandbusse, die verglasten Parkdecks – direkt vor Augen geführt, und sie wissen ohne Beschilderungen, über welche Boden- oder Brückenrampen sie sich wohin wie bewegen müssen – Treppenstufe gibt es im Bahnhof von Arnhem keine einzige.

Ein besonderer Eyecatcher ist in diesem Totaltheater der Bewegung die in einem grossen Schwung zum Kongresszentrum hinaufführende Balkonrampe, die an einer in sich verdrehten und mit dem Dach organisch verschnittenen Wirbelstütze aufgehängt ist. Das alles erinnert an Eero Saarinens legendäres aerodynamisch gespanntes TWA-Terminal in New York. Anders als dort wurde das Gebäude dann aber infolge der Finanzkrise nicht aus Sichtbeton, sondern aus einer dem Bootsbau entlehnten Stahlhohlkonstruktion gefertigt. Das war günstiger und erlaubte es den Architekten, den reduzierten Kostenrahmen des Bahnhofs von 37,5 Millionen Euro einzuhalten. Es entpuppte sich auch architektonisch als die präzisere Lösung, so dass man nicht nur mit dem Auge, sondern gerne auch mit den Händen über die Konturen und Oberflächen der Schalenhülle fährt.

Überhaupt ist es auffällig, wie sehr bei aller Grossmassstäblichkeit des Projektes auf gute Details geachtet wurde. Die Edelstahlbalustraden zitieren in ihren Aufhängungen die V-Form der Gebäude- und Plattformstützen. Das Sitzmobiliar steht für einmal nicht wie ein Fremdkörper im Leeren, sondern ist subtil samt Laptop-Tresen in die künstliche Bodentopografie eingepasst. Und der eindrückliche Meeting-Point-Lüster schwebt wie eine grosse Lichtwolke im Raum. Überall merkt man, wie gerne Ben van Berkel den Massstab wechselt und das auch kann.

Bahnhofs-Eldorado

Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes hat auch in fünf weiteren Grossstädten in den Niederlanden eine Welle von Bahnhofsneubauten angestossen, die es allerdings architektonisch nicht mit dem neuen Bahnhof von Arnhem aufnehmen können. Drei von ihnen sind schon in Betrieb, diejenigen von Breda und Utrecht aber noch im Bau. Bereits vor zwei Jahren eröffnet wurde der in einem gemeinsamen Kraftakt von Benthem Crouwel, Meyer van Schooten (MVSA) sowie West 8 geplante Bahnhof Rotterdam Centraal, der eine Verdreifachung des Fahrgastaufkommens auf über 300 000 Reisende pro Tag ermöglichte. Sein markantes, wie ein aufgerissenes Haifischmaul in den Stadtraum ausgreifendes Schrägdach ist vor allem städtebaulich gelungen: Als grosses Eingangstor zur Stadt vermittelt es – eingehüllt in eine schuppige Aussenhaut aus zerrspiegelartig reflektierenden Edelstahl-Lamellen – massstabsgerecht zwischen dem benachbarten Groothandelsgebouw und den Bürohochhäusern des Delftse Poort.

Der imposante, nahezu stützenlose Platzraum darunter ist von allen Seiten zugänglich, aber auch sehr weitläufig und nicht besonders hell belichtet. Umso mehr Tageslicht lässt das gläserne Faltdach hindurch, das alle Gleisanlagen in einer grossen Horizontalen überkragt. Der darauf flächig aufgebrachte Sonnenschutz produziert nicht nur acht Prozent des Stroms für den Bahnhof, sondern bietet den wartenden Reisen darunter auch ein überaus belebtes Licht-und Schatten-Spektakel.

Auch der Kopfbahnhof von Den Haag besitzt ein gläsernes Dach aus Photovoltaikzellen, unter das die Architekten von Benthem Crouwel sowohl die Bahnsteige und Shops als auch eine spektakulär quer dazu verlaufende Stadtbahn integriert haben. Die direkt anschliessende, für Büros genutzte brutalistische Hochhausscheibe von Koen van der Gast aus dem Jahr 1973 blieb dagegen bestehen. Schaut man sich nur an, wie die neuen Bahnhöfe in den Niederlanden konsequent die Ausnutzung der Flächen mit Büroraum potenzieren, scheint Den Haag Centraal seiner Zeit immer schon etwas voraus gewesen zu sein. Nur für weitere Shops musste das Erdgeschoss des sanierten Hochhauses entkernt werden.

In der Kunst- und Universitätsstadt Delft ist man schliesslich so weit gegangen, die Gleise von einem Nachkriegsviadukt in den Untergrund zu verlegen – erst einmal zwei, bis 2020 sollen noch zwei weitere folgen. Doch anders als in Stuttgart liess man den denkmalgeschützten Bahnhof von 1885 unangetastet. Die ortsansässigen Mecanoo-Architekten entwickelten einen mit seinen vier Etagen auf die benachbarte Überbauung abgestimmten Neubau, der im Erdgeschoss mit Bahnhofshalle und Shops, darüber aber mit drei mäanderartig um Lichthöfe geführten Büroetagen der Stadtverwaltung aufwartet.

Tradition und Innovation

Die Fassade wurde versehen mit kleinteiligen, spiegelnden Paneelen und solchen, die wie alte, matte und opake Butzenscheiben anmuten. Diese Lust an der Überlagerung von lokaler Tradition und zeitgenössischer Innovation ist auch im Inneren zu spüren: So wandert der Blick bei der Rolltreppenfahrt aus dem Untergrund auf eine alte Stadtkarte von 1877, die riesenhaft vergrössert dem modellierten Relief der Deckenlamellen in Delfter Blau-Weiss aufgedruckt wurde. Zugleich wird durch die transparente Fassade der weitläufige Vorplatz mit der Gracht und dem Altstadt-Panorama gerahmt – eine Ansicht, die bestimmt auch das Delfter Malergenie Vermeer, so jedenfalls mutmassen die Architekten, beeindruckt hätte.

7. September 2015 Neue Zürcher Zeitung

Architektur am Nullpunkt

Das Architekturmuseum München feiert das Werk des 2005 verstorbenen Architekten Paul Schneider-Esleben mit einer grossen Schau. Sie zeichnet die sprunghaften Entwicklungslinien des Architekten nach.

Musikfans jubeln auf, denken sofort an jene Band, die der Welt zeigte, dass deutsche Pop-Musik computermaschinell klingen und in ihrer ganzen entsubjektivierten Roboterhaltung die Gemüter erregen und zum Tanzen bringen kann. Denn der Name Schneider-Esleben wird gemeinhin mit der Electronic-Band Kraftwerk...

21. Juli 2015 Neue Zürcher Zeitung

Architektur des langen Atems

Vor vier Jahren stieg Eduardo Souto de Moura dank dem Pritzkerpreis in die Spitzenriege der Architektur auf. In seinem Werk verbinden sich regionale Traditionen mit einer globalen Architektursprache.

Viele Ausstellungen hat der von Álvaro Siza entworfene Pavillon auf der ehemaligen Nato-Raketenstation Hombroich seit seiner Eröffnung 2009 noch nicht erlebt. Statt Wechselausstellungen gibt es hier alle paar Jahre «Injektionen», die den thematischen Bogen zum Gebäude und zu seinem besonderen landschaftlichen...

6. Januar 2015 Neue Zürcher Zeitung

Aufstrebende Lichtgestalt

Seit Jahren wird in Düsseldorfs Zentrum geplant und gebaut. Dort ragt auch das legendäre Dreischeibenhaus in die Höhe. Das ehemalige Thyssen-Hochhaus wurde nun saniert und in einen Büroturm umgewandelt – mit überzeugendem Ergebnis.

Nur wenigen Bauten gelingt es, in ihrer Nomenklatur das architektonische Programm zu verankern. Eine Ausnahme ist das Hochhaus der ehemaligen Phönix-Rheinrohr AG, aus der später ThyssenKrupp wurde: Schon früh hat sich im Volksmund der Name «Dreischeibenhaus» eingebürgert – ganz sicher auch ein Indiz...

18. Dezember 2014 Neue Zürcher Zeitung

Virtuose Einfachheit

Im Siegerland haben Schneider & Schumacher an der A45 die vierzigste Autobahnkirche Deutschlands realisiert. Der Sakralraum des in Holzständerbauweise errichteten Solitärs erinnert an ein Zelt.

Für seine Autobahnen wird Deutschland oft beneidet – ein einmaliges Kuriosum sind dabei die sogenannten Autobahnkirchen, die seit 1958 stets in bester automobiler Erreichbarkeit an Ausfahrten errichtet werden. Das vierzigste Exemplar hat nun inmitten des noch unterversorgten Siegerlandes seinen Standort...

15. Dezember 2014 Neue Zürcher Zeitung

Gute Stube im Stadtraum

Die flandrische Universitätsstadt Gent ist reich an Baudenkmälern, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Trotzdem hat zeitgenössische Architektur hier eine Chance – sofern sie die Auseinandersetzung mit der lokalen Baukultur sucht.

Drei hohe Türme markieren das Stadtzentrum von Gent. Verbürgt auf allen Stadtveduten, stellen sie so etwas wie die architektonische Identitätsfigur der Stadt dar, und das seit über 600 Jahren. Im Hundert-Meter-Abstand ragen sie in die Höhe: im Osten der Westwerk-Turm der Sankt-Bavo-Kathedrale, im Westen...

20. Oktober 2014 Neue Zürcher Zeitung

Im Bauch der Stadt

Rotterdam sieht sich gerne als Experimentierlabor für zeitgenössische Architektur und Städtebau. Mit der gerade neueröffneten Markthal hat die Innenstadt ein ambivalentes Wahrzeichen städtischer Verdichtung und Durchmischung bekommen.

Ein monumentaler Torbogen, von kleinen quadratischen Lochfenstern perforiert, streckt sich wie eine gewaltige römische Tonnenhalle in die Länge. Auf den ersten Blick wirkt das erste grosse Heimspiel des Rotterdamer Büros MVRDV nicht so, als habe man sich beim Entwurf allzu lange mit Details aufhalten...

29. September 2014 Neue Zürcher Zeitung

Weiterbauen ohne Ausrufezeichen

Aachen feiert das 1200. Todesjahr von Karl dem Grossen und hat deshalb in den letzten Jahren auch in Architektur und Stadtraum investiert. Der bauliche Zusammenklang war dabei wichtiger als das Errichten singulärer Leuchttürme.

Um Europa wird in jüngster Zeit mehr gestritten, als dass an ihm gebaut würde. In Aachen kann man das mit Gelassenheit sehen, schaut man doch hier in diesem Jahr auf die glorreiche kulturelle Vorgeschichte des Kontinents zurück. Die Europastadt im deutsch-belgisch-niederländischen Dreiländereck ehrt...

16. Juni 2014 Neue Zürcher Zeitung

Natürlich urban

Zum sechsten Mal widmet sich die Internationale Architekturbiennale Rotterdam den komplexen Problemen globaler Urbanisierung in einer opulenten Zusammenstellung von Fallstudien. Dabei steht die Koexistenz von Stadt und Landschaft als Planungsaufgabe im Mittelpunkt der Schau in der Rotterdamer Kunsthal.

Es klingt nach einem doppelbödigen Wortspiel: «Urban by Nature», das Motto der sechsten Internationalen Architekturbiennale von Rotterdam, (IABR) kann man sowohl mit «Von Natur aus urban» als auch mit «Urban durch Natur» übersetzen. Die gleichnamige Ausstellung, die wie ihre Vorgängerinnen in der jüngst...

30. Mai 2014 Neue Zürcher Zeitung

Vom Revier zum Park

Eine Ausstellung in der Zeche Zollverein in Essen zeigt, wie im Ruhrgebiet aus vormaligen Industriezonen eine zusammenhängende Kulturlandschaft entsteht.Mehr

Um die Zukunft der Städte weltweit zu sichern, muss die Landschaft verstärkt in die Planungspraxis integriert werden. Unter dem Vorzeichen von Biodiversität, Klimaschutz und nachhaltigem Versorgungsmanagement gilt es Stadt und Landschaft in einen Zustand der Koexistenz zu bringen. Ein Beispiel dafür...

6. Mai 2014 Neue Zürcher Zeitung

Hausbaum ohne Wurzeln

In den letzten Jahren sorgte der Berliner Architekt Jürgen Mayer H mit Raum- und Formexperimenten für Furore. Auf die Karlsruher Mensa, den Metropol Parasol in Sevilla und diverse Bauten in Georgien folgt nun das baumförmige Justizgebäude der Provinz Limburg in Hasselt.

Mit dem Stadthaus Scharnhauser Park in Ostfildern, der elastisch sich dehnenden Mensa der Karlsruher Hochschulen und dem wolkenartig sich aufbäumenden Danfoss Universe im dänischen Nordborg wurde der 1965 in Stuttgart geborene und in Berlin tätige Jürgen Mayer H zum Shootingstar der deutschen Architekturszene....

24. April 2014 Neue Zürcher Zeitung

Genialer Formenzauberer

Der Wiener Architekt und Pritzkerpreisträger Hans Hollein hat wie kein anderer die österreichische Architektur erneuert. Am 24. April ist er kurz nach seinem 80. Geburtstag in Wien gestorben.

Das kleinste, wohl auch bizarrste Artefakt, das seinen Schreibtisch je verliess, war eine in Zellophan verpackte Tablettenkapsel. Die «Architektur-Pille» erfand Hans Hollein 1967. Wie der Beipackzettel verrät, war sie vor allem ein imaginäres Gedankenexperiment: Nahm man nur eine davon, bedeutete das...

Publikationen

2019

Wohnen für Alle
Bautenkatalog

Der kostengünstige Wohnungsbau ist ein politisches Dauerthema. Seit den Zwanzigerjahren bemühen sich Kommunen immer wieder, internationale Maßstäbe für diese wichtige Bauaufgabe zu setzen. In der Tradition eines sozial orientierten Siedlungsbaus geht es vor allem darum, nicht nur politisch, sondern auch
Autor: Paul Andreas, Karen Jung, Peter Cachola Schmal
Verlag: DOM publishers

2009

Takaharu + Yui Tezuka
Nostalgic Future/Erinnerte Zukunft

„Roof House“, „Wall-less House“ oder „Sky House“ heißen die Hausprojekte, die das junge japanische Architekturbüro Tezuka Architects, Tokio entwirft. Aber auch große öffentliche Bauten wie der Fuji Kindergarten oder das Naturkundliche Museum für Matsunoyama führen vor, wie sehr das zunehmend auch international
Hrsg: Paul Andreas, Peter Cachola Schmal
Verlag: JOVIS