Artikel
Moderne Rekonstruktion
Staatsoper Berlin
Die Wiedereröffnung der Staatsoper in Berlin wurde am 3. Oktober mit Robert Schumanns „Faust-Szenen“ groß gefeiert. Ein Kraftakt mit vielen Facetten und hohen Kosten hat fast ein Ende gefunden. Erst am 7. Dezember, wenn die letzten Arbeiten beendet sein werden, wird die Spielzeit beginnen. Ein Rückblick in die Planungsgeschichte und ein Rundgang mit dem Architekten HG Merz.
Eine Wiederentdeckung
Retrospektive der Fotografin Eva Besnyö in der Berlinischen Galerie
Wer derzeit die Berlinische Galerie besucht, hat das Glück, zwei Fotografie-Sonderausstellungen sehen zu können, die Berlin zum Thema haben: „Eva Besnyö. Budapest–Berlin–Amsterdam“ und „Friedrich Seidenstücker. Fotografien 1925–1958“. Seidenstücker ist den Berlinern vielleicht noch als Tierfotograf und Alltagschronist des Vorkriegs- wie des zerstörten Nachkriegsberlins ein Begriff. Bei Eva Besnyö ist nicht einmal solches zu erwarten; sie ist in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten.
Lebensverdichtungszellen
Facelift NGBK
Wie viel Musealität verträgt ein basisdemokratischer Kunstverein?
Nach 41 Jahren basisdemokratischen Kunstschaffens und 18 Jahren am Standort in der Kreuzberger Oranienstraße hat die Berliner NGBK ihren Ausstellungsraum einer Verjüngungskur unterzogen. Studio TZ Dresden hat die Eingangssituation geklärt, die Wände begradigt, neues Licht gesetzt.
Der Fotograf Alexander Rodtschenko
Der Maler, Fotograf, Typograf, Designer, Buchgestalter und Bühnenbildner Alexander Rodtschenko (1891–1956), einer der herausragenden Vertreter des russischen Konstruktivismus, wird in Deutschland fast ausschließlich als Fotokünstler wahrgenommen. So präsentiert die Schau im Berliner Martin-Gropius-Bau auch ausschließlich fotografische Arbeiten. Die vom Moskauer Haus der Fotografie übernommene Ausstellung vereint 350, zum Teil noch nie zuvor gezeigte Aufnahmen und Fotomontagen aus dem Nachlass der Familie Rodtschenkos mit Arbeiten aus russischen Museen, Privatsammlungen und Galerien.
Rodtschenkos Auseinandersetzung mit der Fotografie beginnt 1922, als er sich der Fotomontage zuwendet. Zwei Jahre später fotografiert er erstmals selbst, Motive bieten ihm seine unmittelbare Umgebung, die Familie und der Freundeskreis. Es entstehen so bekannte Aufnahmen wie die von dem Dichter Wladimir Majakowski mit kahl rasiertem Schädel, Anzug und Zigarette, das Porträt der lesenden Mutter mit Brille oder die Aufnahme der lachend rauchenden Warwara Stepanowa, seine Frau und Mitarbeiterin. Gemeinsam mit Majakowski arbeitet Rodtschenko in dieser Zeit an Werbecollagen und Plakaten, zum Beispiel für das Warenhaus GUM und den Staatsverlag Gossidat. Folgerichtig beginnt die Ausstellung mit diesen angewandten Arbeiten, zeigt Buchdeckel für Majakowskis „An Sergeij Jessenin“ oder „Gespräch mit dem Finanzinspektor über die Dichtung“ (beide 1926), Zeitschriftencover, das Plakat für Dsiga Wertows Film „Kinoglas“ (1924).
Kunst am Bau im U-Bhnhof Oberwiesenfeld
Soll man in Zeiten großer Aufgeregtheit wegen Jugendkriminalität und Landtagswahlen über Kunst am Bau in der Münchner U-Bahn schreiben? Ja, aber nicht, um das Image der zum Hort von Gewalt stilisierten Münchner Verkehrsgesellschaft zu heben – sondern in aufklärerischer Absicht: um von Zerrbildern zu erzählen, die sich in Köpfen festsetzen, und um zu zeigen, wie Kunst es vermag, einen anderen Blick auf die Welt zu eröffnen.
Der brutale Überfall zweier Jugendlicher auf einen Rentner im Sperrengeschoss der U-Bahnstation Arabellapark hat eine bundesweite Auseinandersetzung heraufbeschworen, die von wahlkämpfenden Politikern medial ausgeschlachtet wurde. Die bekannten Reflexe von Wegsperren bis Abschieben gehen grundsätzlich davon aus, dass der eigene Blick auf die Welt immer der richtige ist. Diese Selbstsicherheit hinterfragt der Münchner Künstler Rudolf Herz mit der großflächigen Wandarbeit „Ornament“, die er in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Hans Döring im U-Bahnhof Oberwiesenfeld realisiert hat.
Kunst am Bau im Bauamt Aschaffenburg
Darf das Verb „schlafen“ auf der Ankreuzliste stehen, wenn eine bayerisch-freistaatliche Behörde zum Nachdenken über sich selbst aufgefordert wird? Und was ist mit: träumen, lieben, genießen? Manch einem im Staatlichen Bauamt Aschaffenburg schien das zu heikel, allein schon wegen der Außenwirkung seiner Behörde. Doch weshalb tritt ein Bauamt überhaupt zu so weitreichender Selbstreflexion an? Den Anstoß gab die Kunst, besser gesagt: die viel geschmähte Kunst am Bau, Ergebnis eines Wettbewerbs, ausgelobt im Rahmen des Wiedereinzugs von Staatlichem Bauamt und Wasserwirtschaftsamt ins angestammte, generalsanierte und um ein Stockwerk erweiterte Domizil in der Cornelienstraße 1.
Die Stadt von morgen
Ausstellung zu 50 Jahren Berliner Hansaviertel
Gemeinsam mit 15 Künstlern wollen die Ausstellungsmacherinnen Annette Maechtel, Christine Heidemann und Kathrin Peters „Sedimente der Stadtlandschaft Hansaviertel freilegen“, sich „dem Spannungsfeld aus Sichtbarem und Unsichtbarem“ widmen und „die eingeschriebenen ideologischen Diskurse und Verhaltensweisen, die durch die nachkriegsmoderne Gestaltung von Architektur, Freiflächengestaltung und Inneneinrichtungen bedingt wurden“, untersuchen. Schließlich war das Hansaviertel die moderne Antwort des kapitalistischen Westens auf die repräsentative Karl-Marx-Allee des sozialistischen Ostens und eine Art Wiedergutmachung an so manchen im Nationalsozialismus geschmähten und vertriebenen Architekten.