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Artikel

5. November 2024 Bauwelt

Geist der Zeichensäle

Das Alleinstellungsmerkmal des Architekturstudiums an der TU Braunschweig – seine Zeichensäle – hat eine ungewisse Zukunft.

23. Dezember 2021 Bauwelt

Fotografischer Hyperkommentar

Das leere Venedig

Ästhetische Geheimnisse auf 400 aneinandergereihten Schwarz-Weiß-Bildern: Mario Peliti zeigt sein visuelles Archiv Venedigs derzeit im Palazzo Grassi.

13. Juli 2021 Neue Zürcher Zeitung

In der Verbindung von Kunst und Industrie lag für Mart Stam eine ganze Gesellschaftsutopie

Er scheiterte an der politischen Ideologie der frühen DDR, und trotzdem prägte der niederländische Gestalter erfolgreich ihre Produkte. Seine Wahlheimat war schliesslich die Schweiz.

Er war ein kompromissloser Modernist, politisch unbeirrbarer Sozialist und gläubiger Christ: der niederländische Architekt und Produktgestalter Mart Stam. Aber selbst wem dieser Name erst einmal nichts sagt, wer den gestalteten Dingen des Alltags wenig Augenmerk schenkt, der wird schon einmal mit einem...

17. Mai 2019 Bauwelt

Gebaute Abwehr

Stéphane-Hessel-Platz 1: Adresse des neuen Bauhaus-Museums. Der von Heike Hanada für das Museum entworfene Kubus wirft grundsätzliche Fragen auf; darüber, was als Quintessenz dieser Schule der Moderne bleibt, aber auch darüber, was Bauherr und Architektin daraus machen.

22. Oktober 2018 Neue Zürcher Zeitung

Das Bauhaus überlebte auch nach dem Zweiten Weltkrieg nur für eine kurze Dauer

Das Bauhaus wurde vor hundert Jahren gegründet, die Hochschule für Gestaltung Ulm von Max Bill wurde vor fünfzig Jahren geschlossen. Über den Mythos zweier deutscher Gestaltungsschulen.

Die Nachlassverwalter des Bauhauses in Weimar, Dessau und Berlin starten gerade mit einem riesigen Programm ins 100-Jahr-Jubiläum der weltweit berühmten Institution, die 1919 gegründet und 1933 wieder geschlossen wurde. Bevor sich nun aber alle auf die Berichterstattung über diese Feierlichkeiten stürzen,...

18. Juli 2018 Neue Zürcher Zeitung

Die Wiederauferstehung der Wagner-Bauten

Wien erinnert sich an den Architekten und Städtebauer Otto Wagner, der das Stadtbild des Fin de Siècle prägte.

Der Architekt Otto Wagner vertrat eine dezidierte, ungemein weitsichtige Haltung zur Stadt, die ihm nicht nur Freunde einbrachte. Um 1900, also an der Schwelle zur Moderne, entwarf, polemisierte, schrieb und publizierte er zum regulierten Wachstum Wiens, das sich damals anschickte, den jemals offiziell...

13. Juli 2018 Bauwelt

Fotografie im Aufbruch. 7. Triennale für Photographie in Hamburg

320 Künstler, 50 Kunst- und ­Kultur­institutionen, 80 Orte, 250 Termine: In Hamburg findet die 7. Triennale der Photographie statt.

12. Januar 2018 Bauwelt

Alles über den Loop im Kunstmuseum Wolfsburg

Sich selbst fressende Schlangen. Spiegelkabinette. Eine Kamera, die ein Tonband filmt, das die Geräusche der Kamera aufnimmt, die das Tonband filmt. Alles über den Loop im Kunstmuseum Wolfsburg.

13. Juni 2017 Neue Zürcher Zeitung

Die grüne Stadt

Vergessenes Terrain voll ruhender Kraft

Das Bevölkerungswachstum und der Klimawandel verändern unsere Städte. Da kann urbanes Grün zum entscheidenden Qualitätsfaktor der städtebaulichen Transformation werden.

Europas Städte stehen unter Druck. Im Jahr 2015 lebte weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung in städtischen Gebieten; und der Zuzug in «angesagte» Zentren hält an. Gemäss der seit bald hundert Jahren meist kritiklos praktizierten Doktrin der Funktionstrennung bedeutet dies meist: separierte Quartiere für Arbeit, Wohnen und Erholung sowie zentrale Bereiche für Bildung, Kultur und Kommerz, dazwischen hohes Verkehrsaufkommen.

Der Jahreskongress der Fachzeitschrift «Bauwelt» stellte deshalb die Frage, wie einem Zerfall der Städte in ihre Bestandteile begegnet werden könne, so dass Wohnen und Arbeiten wieder zusammenrückten. Ähnliches beabsichtigt die Deklaration «Urbane Gebiete», die als Novelle des deutschen Baugesetzes kürzlich verabschiedet wurde: In Mischgebieten aus Gewerbe, Wohnen, sozialen und kulturellen Einrichtungen darf zukünftig dichter und höher gebaut werden. Stärkere gewerbliche Lärmimmissionen sind zulässig, so sie das Wohnen nicht wesentlich stören. Ohne den dringlichen Handlungsbedarf in Abrede stellen zu wollen, muss man feststellen, dass in der Diskussion leider schon viel zu lange ein wesentlicher Garant humanen Städtebaus vergessen wird: das identitätsstiftende und für das Mikroklima günstige urbane Grün.

Ausgewogenes Wachstum

Derzeit scheint es an Phantasie für ein sozial, kulturell und wirtschaftlich ausgewogenes Wachstum der Stadt zu mangeln. Dabei ist dieses aber nicht neu, wie ein Blick zurück in die Phase städtischer Expansion und Erneuerung während der industriellen und gesellschaftlichen Revolutionen des 19. Jahrhunderts zeigt. Damals sprengten Europas Städte ihre Festungswerke. Gleichzeitig waren ihre Kerne übervölkert, veraltet, substanziell erschöpft. Der Wirtschaftsliberalismus liess Industrieansiedlungen vor der historischen Stadt wuchern, zudem wuchs die Bevölkerung dank besserer Ernährung und medizinischer Versorgung. Ersten unregulierten Entwicklungen mit dramatischen ökonomischen, sozialen und hygienischen Missständen begegneten weitsichtige Stadtplanungen. Sie formulierten eine geordnetere Wachstumspolitik: Eingemeindungen, moderne urbane Technik und vor allem strukturierendes Grün wurden die Basis städtischer Transformation.

Aus England, dessen Philosophie des Landschaftsgartens bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte, kamen praktische Modelle. Der sich als Landschaftsarchitekt bezeichnende Humphry Repton wusste um das komplementäre Zusammenspiel von Architektur und Natur, in einer mehrjährigen Kooperation mit dem Architekten John Nash holte er die Idee der Landschaft in die Stadt. Der Londoner Regent's Park von 1827 und die von dort ausgehende Bebauung städtischer Reihenhäuser mit vorgelagerten Grünzonen adaptierten den Klassizismus der Landsitze in naturähnlicher Umgebung für die sich erweiternde Stadt, wenngleich nur für betuchte Bürger.

Frederick Law Olmsted, Begründer einer amerikanischen Landschaftsarchitektur, folgte dieser Auffassung in dem ab 1857 eingerichteten, 341 Hektaren grossen Central Park in New York. Hier wuchs die hoch verdichtete steinerne Stadt um einen landschaftlichen Freiraum. Auch in deutschen Residenzstädtchen sahen Gartenkünstler ihre Disziplin früh schon in einer städtebaulichen Dimension. In München schuf Friedrich Ludwig von Sckell ab 1789 nicht nur den Englischen Garten, er legte nach 1807 in mehreren Abschnitten auch einen Generalplan zur Stadterweiterung vor, verknüpfte etwa das Raster der neuen Maxvorstadt durch eine Folge grüner Plätze mit der Altstadt. In Berlin war es ab 1840 Peter Joseph Lenné, der nach jahrelangen Verhandlungen den waldartigen Tiergarten zum Volksgarten umgestalten sowie in unzähligen Bebauungsplänen neue Stadtquartiere aufschliessende, baumgesäumte Strassenachsen ausarbeiten konnte.

Stadt im Klimawandel

Repton, Sckell, Lenné und viele andere führten im 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich Landschafts- und Stadtplanung, Architektur und Natur zusammen. Ihre weitsichtige Stadtnatur war Katalysator des Wachstums und sichert bis heute eine Lebensqualität in urbaner Dichte. Öffentliche Parks, üppige Alleen, städtische Gärten wurden Gemeingut, sie bilden eine anschauliche Kultur republikanischen Geistes. Und selbst wenn heute vom Verkehr bedrängt oder mit Freizeitaktivitäten strapaziert, bietet diese Stadtnatur elementare Erfahrungsräume mit Flora, Fauna, Jahreszeit, Wetter oder sozialer Interaktion – ein bedeutendes materielles wie ideelles Vermächtnis.

Neben dem neuerlichen baulichen Wachstum trifft derzeit der Klimawandel die Stadt mit besonderer Härte. Moderne Bauten mit reflektierenden Glasfronten oder hochgedämmten Fassadensystemen sind, anders als historische Häuser mit massiven Hüllen, kaum noch in der Lage, solare Einstrahlung bauphysikalisch zu speichern und zeitverzögert abzugeben oder einer internen Nutzung zuzuführen. Durch Quartiere, die sich durch eine hohe Verdichtung mit neuer Architektur auszeichnen, kommt zur globalen auch noch eine lokale Erwärmung: die Abstrahlhitze der Bauten und ihrer meist kaum begrünten Umgebungsflächen. Darunter leidet nicht nur der Mensch, sondern auch das städtische Grün. Alte Alleebäume wie Linde, Ahorn, Esche oder Eiche kommen an die Grenzen ihrer Lebensfähigkeit. Was sommerliche Dauertemperaturen von über 30 Grad und versiegelter Boden mit viel zu geringer Feuchte nicht schaffen, erledigen Insekten und Pilze. Die lädierte Konstitution vormals stattlicher Grossbäume dient dann – wie derzeit am General-Guisan-Quai in Zürich – als Argument, um sie zu fällen, da sie eine Gefahr bei Wind und Wetter darstellen könnten.

Zu dem gestressten Grün der Stadtzentren gesellen sich nach Jahrzehnten der Zersiedelung aber auch «durchbaute» Landschaften und eine «verländlichende» Begrünung in Fussgängerbereichen und auf Plätzen. Diese funktionale wie auch ästhetische und semantische Konfusion, die auf der Stadt lastet, könnte als Chance für ein erneuertes Verständnis von Urbanität und Natur begriffen werden. So hat die Intensivlandwirtschaft die Städte zu erstaunlich artenreichen Biotopen für zugewanderte Wildtiere und Pflanzen werden lassen. Sogar gefährdete Vogel- und Fledermausarten finden in der Stadt vielfältige, naturbelassene Lebensräume, denn hier werden Kunstdünger oder Pflanzengifte selten eingesetzt.

Und könnte nicht auch der Klimawandel als Chance begriffen werden, das städtische Grün um eine exotische Pflanzenwelt zu bereichern, statt Neophyten als artfremde Spezies zu verteufeln? Immerhin: Experimente mit hitzeverträglichen asiatischen Gehölzen werden in Basel, Wien oder Berlin von offiziellen Forschungsgruppen beobachtet.

Moderne Stadtnaturen

Neue urbane Grünräume sollten auf solider städtebaulicher und klimatologischer Basis sowie profunder Pflanzenkenntnis gründen, um perspektivisch in die wachsende Stadt wirken zu können. Die durchrationalisierte Stadt des 21. Jahrhunderts benötigt aber auch eigene Bilder und Geschichten, um ihre Transformation verständlich zu machen. Grünräume leben aus dem Kontrast zur materialisierten Stadt, zelebrieren den bewussten Zutritt, um mit dem Empfinden einer Grenzüberschreitung zu belohnen. Bot in der vielleicht als bedrohlich wachsend empfundenen Stadt des 19. Jahrhunderts die gezähmte Natur der gestalteten Parks und Promenaden die differente Erfahrung, so wären es heute allen ökonomischen Interessen entzogene Möglichkeitsräume, die es langfristig zu sichern gälte.

Die postindustrielle Stadt hält dafür noch genügend Reservoire in typologisch grosser Bandbreite vor: aufgelassene Bahntrassees, Industriebrachen und punktuelle kleinere Baulücken. Sie sind Konversionsflächen, ähnlich den obsolet gewordenen Festungsanlagen, die im 19. Jahrhundert die wachsenden Städte einzwängten. Aus ihnen wurde in Bremen ein bürgerschaftlicher Landschaftspark, in Wien die imperialen Prachtboulevards der Ringstrasse. Wo allerdings der Weitblick fehlte, fielen sie der Bodenspekulation anheim.

Brachen bieten aber nicht nur überraschende urbane Naturerfahrung, mit einem Artenreichtum sich weitgehend selbst regulierender Ruderal- und Sukzessionsvegetation, zu der auch migrantische Exoten gehören müssen. Sie sind auch politische Räume, nutzungsneutral und für spontane Eigeninitiativen offen, die zudem jederzeit gärtnerisch aktiviert werden könnten. Nur so ist allerorts die Begeisterung für improvisiertes «gardening» und «farming» zu verstehen, selbst noch neben dichtem Autoverkehr. Der französische Landschaftsarchitekt Gilles Clément prägte 2004 für diesen erwartungsoffenen Status den Topos der «dritten Landschaft»: Sie ist ein vergessenes Terrain voll ruhender Kraft, das «nichts» ist, aber «alles» werden kann.

24. Februar 2017 Bauwelt

Ratio und Ästhetik

Stapeln. Ein Prinzip der Moderne

Das Bremer Wilhelm-Wagenfeld-Haus widmet sich einem ­grundlegenden Prinzip der Moderne: dem Stapeln.

16. Februar 2017 Neue Zürcher Zeitung

Vergessenes Bauhaus

Mit Empathie erzählt ein neues Buch vom Hoffen und Scheitern der «Bauhaus-Stossbrigade Rot Front» im Moskau Stalins. Es kann aber die ausstehende architekturhistorische Forschung nicht ersetzen.

Das Hundertjahrjubiläum des Bauhauses rückt näher. Gegründet worden war es 1919 in Weimar. Sechs Jahre später, 1925, zog es weiter nach Dessau, wo es den legendären Neubau von Walter Gropius beziehen und das Lehrangebot weiter institutionalisieren konnte. Unter dem erstarkenden Nationalsozialismus vermochten...

15. Dezember 2016 Neue Zürcher Zeitung

Utopischer Überschuss

Im Kampf gegen die Wohnungsnot boten Baugenossenschaften einst bewährte Konzepte. Historische Anlagen wie Salvisbergs Werkssiedlung Piesteritz bei Wittenberg vermitteln heute neue Impulse.

Bezahlbare Wohnungen sind nicht nur in der Schweiz zum raren Gut geworden. Auch in vielen deutschen Grossstädten und wirtschaftlichen Ballungszentren fehlt es an preisgünstigem Wohnraum. Die Bundesarchitektenkammer zählt 770 000 fehlende Wohnungen und macht neben demografischen Faktoren – immer mehr...

26. Oktober 2016 Neue Zürcher Zeitung

Eine alte Freundschaft

Sie gelten als Ikonen der Moderne – das Bauhaus und die Van-Nelle-Fabrik. Darüber hinaus stehen sie für ein gemeinsames Verständnis der architektonischen Moderne in Dessau und in Rotterdam.

Was das Bauhaus in Dessau für die Architektur der klassischen Moderne in Deutschland bedeutet, ist für die Niederlande die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam: Beides sind ikonische Bauwerke der 1920er Jahre, entstanden aus umfassenden Reformbestrebungen, die weit über eine technisch-konstruktive oder ästhetische...

7. Oktober 2016 Bauwelt

Modulmania contra Weiterbau

Wohnungsbauwettbewerbe und Werkstätten

Seit Beginn des Jahres haben Institutionen in vier Bundesländern Werk­stät­ten und Wohnungs­­bau-Wettbewerbe ver­anstaltet. Was hat uns das gebracht?

12. August 2016 Bauwelt

Die Suche nach dem Paradies

Das Zürcher Museum Rietberg präsentiert einen sehenswerten Parforceritt durch die mehrere Tausend Jahre alte Geschichte des Gartens.

27. Juli 2016 Neue Zürcher Zeitung

Die ganze Welt in einem Garten

Die Parkanlagen von Hermann von Pückler-Muskau warten darauf, neu entdeckt zu werden. Eine grosse Ausstellung in Bonn vergegenwärtigt nun Pücklers Auslegung der Landschaft als politisches Weltmodell.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands rückten einige halb vergessene Marksteine der Gartengeschichte ins weltweite Bewusstsein. Das Gartenreich Dessau-Wörlitz, 1765 als erster Landschaftsgarten englischen Typs auf dem Kontinent begonnen, zählt seit 2000 zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Park in Bad Muskau...

20. Mai 2016 Bauwelt

Eine Stadt wie Deutschland

Ausstellung „Wolfsburg unlimited“ im Kunstmuseum Wolfsburg

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Wolfsburg inszeniert die VW-Stadt als Brennglas der Bundesrepublik.

11. Mai 2016 Neue Zürcher Zeitung

Bilder der baulichen Zustände Beiruts

Er wurde einst als Jungstar der deutschen Fotografie gefeiert: der 2005 verstorbene Nikolaus Geyer. Seine Sicht der gebauten Welt ist Thema einer Ausstellung der leisen Töne in Braunschweig.

In vielen Studienfächern ist die Abschlussarbeit, ob zu Diplom, Magister oder Master, eine lästige Pflicht, die selten unmittelbar eine Karriere initiiert. In künstlerischen Disziplinen ist es anders. Hier vermag bereits ein prägnant angelegtes und durchgestandenes Thema das Interesse von Kuratoren,...

8. April 2016 Bauwelt

Melancholisches Lebenswerk

Kubisch reduzierte Architekturen, farbenprächtige Textildesigns, unzählige Möbelentwürfe und Wohnungseinrichtungen: Das MAK Wien widmet Josef Frank und seinem Werk eine opulente Schau.

11. März 2016 Bauwelt

Die Ästhetik des Gebrauchs

Dem Verhältnis von Fotografie und Design widmet sich eine Ausstellung im Bremer Wilhelm Wagenfeld Haus.

16. Februar 2016 Neue Zürcher Zeitung

Ästhetisierung des Designs

Wilhelm Wagenfelds Fotoarchiv in einer Bremer Ausstellung

Der grosse Designer Wilhelm Wagenfeld sammelte systematisch Fotografien seiner Entwürfe. Sie wurden bei anstehenden Entwicklungsaufgaben zu Rate gezogen, wie eine Ausstellung in Bremen zeigt.

In den 1920er Jahren hatte sich die Fotografie in den Massenmedien wie auch der Werbung etabliert. Und emanzipierte sich nun neuerlich – nach ihrer ersten Abkehr vom kunsthandwerklichen, an der Malerei orientierten «Piktorialismus» mit Ende des Ersten Weltkriegs. Neben eine schnörkellos sachliche Strömung, vertreten beispielsweise durch Albert Renger-Patzsch, stellte sich jetzt der subjektive, verstärkt experimentelle Bildzugriff, propagiert etwa durch László Moholy-Nagy. Er sah die Kamera dem menschlichen Auge überlegen, das visuelle Eindrücke stets mit kognitiven Erfahrungen abgleiche. Nur die Fotografie mitsamt ihren Verzerrungen und Verkürzungen liefere das wahre zweidimensionale «rein optische Bild», so Moholy-Nagy. Mit seiner Spielart innerhalb der europäischen Bewegung der «Nouvelle Vision» verfolgte er sowohl surreale Tendenzen in der Bildkomposition als auch grafisch forcierte Anwendungsformen wie die Montage mit Schrift und Farbe in der Werbung.

Sehen und fühlen

Der Produktgestalter Wilhelm Wagenfeld (1900–1990) hatte ab 1923 unter László Moholy-Nagy (1895–1946) am Bauhaus in Weimar studiert. Dort leitete er unter anderem die Metallwerkstatt – mit einer «glücklichen Naivität», so Wagenfeld im Rückblick, und alles Technische bewundernd. Wagenfeld reformierte nach 1930 die ökonomisch wie ästhetisch rückständige deutsche Glasindustrie, entwickelte seine späteren Klassiker, etwa für die Jenaer Glaswerke: transparent zartes Teegeschirr, aber auch handfeste Küchenutensilien. Und dabei kam es für kurze Zeit zu einer neuerlichen Begegnung mit Moholy-Nagy, der bis 1937 eine richtungweisende Werbung der Jenaer Glaswerke verantwortete. Leicht surreale Arrangements, so der Rapport gläserner Teetassen mit einer magischen Fehlstelle etwas ausserhalb der Bildmitte, waren die fotografische Grundlage. Unklar ist allerdings, ob Wagenfeld diese Art optischer Verfremdung wirklich schätzte. Für ihn sollte gute Objektfotografie «sachlich, ernsthaft und keine Effekthascherei» sein.

Stets stand der haptische Gebrauchswert eines Alltagsgegenstandes im Mittelpunkt der Formfindungsprozesse Wagenfelds. Deshalb sah er nicht die Zeichenmaschine, sondern die Modellwerkstatt als eigentliche Geburtsstätte neuer Geräte. Mitarbeiter bezeichneten später Wagenfelds Methode als ein «Sehen mit der Hand». Aber auf eine visuelle Beweisführung, das «Fühlen mit dem Auge» verzichtete Wagenfeld in seinem Arbeitsprozess natürlich keineswegs. Nicht nur seine Zeichnungen – Entwurfsskizzen wie vermasste Werkpläne gleichermassen – sind von ästhetischer Autonomie.

Fotografie und Gestaltung

Wilhelm Wagenfeld pflegte zur internen wie externen Abstimmung vielfältige Gebrauchsweisen der Sachfotografie. Die Wagenfeld-Stiftung in Bremen, die den Nachlass des gebürtigen Hanseaten verwaltet, sichtete für ihre derzeitige Ausstellung zur Beziehung zwischen Fotografie und Design Wagenfelds aus rund 2000 Abzügen, Filmstreifen- und Glasplattennegativen bestehendes Bildarchiv.

Wagenfeld sammelte systematisch Fotografien seiner Arbeiten, nach Verlusten im Zweiten Weltkrieg nicht zuletzt auch deshalb, um die Dokumentation früher Entwürfe zu reorganisieren. Werkfotos aktueller Produkte kamen kontinuierlich hinzu. Die Abzüge wurden auf Karton montiert und chronologisch, nach Firmen oder auch nach Materialien in Ordnern zusammengestellt, mit Verweisen zum jeweiligen Fotografen, zu den Negativen und den greifbar vorliegenden Duplikaten. Diese Ordner, von denen 53 erhalten sind, dienten als reines Archiv, aber auch als Referenzmappen zur Kommunikation mit Firmen und als Grundlage für Ausstellungen oder Kataloge.

Sie hatten aber auch eine dritte, interne Funktion im Entwurfsprozess. Deshalb wurden auch verworfene oder ausgemusterte Entwürfe und Varianten archiviert und immer wieder als Bezugsmaterial anstehender Entwicklungsaufgaben zu Rate gezogen. Um eine Vergleichbarkeit der Objekte zu ermöglichen, bevorzugte Wagenfeld eine sachliche Fotografie.

Die Objekte sind meist vor neutralem Hintergrund harmonisch ausgeleuchtet, aus der Perspektive normal empfundenen Gebrauchs aufgenommen und ohne Effekte, etwa harte Schatten, inszeniert. In der Regel sind sie als Einzelstück unter Verzicht atmosphärischer Arrangements – etwa eines gedeckten Tisches – aufgenommen. Dergestalt dekontextualisiert und optisch systematisiert, unterstützten die Fotografien nun eine ästhetische Kanonisierung während Wagenfelds jahrzehntelanger Entwurfsarbeit, die Herausbildung von materialspezifischen Typen etwa oder morphologischen Reihen aus Grundform und Variationen. Bis weit in die 1960er Jahre folgte die Werkfotografie dieser sachlichen Ästhetik, im Urvertrauen in das Medium, dass es die Wirklichkeit «objektiv» abbildet.

Künstlerische Interpretationen

In Werbung und Präsentation kamen aber immer auch komplexere Kompositionen und künstlerische Interpretationen zum Einsatz. Die Bremer Ausstellung zeigt in einem Exkurs Beispiele freier zeitgenössischer Inszenierungen von Wilhelm Wagenfelds Produkten, etwa mittels kräftigem Schattenwurf in Hans Hansens Fotografien, die eigenen optischen Gesetzen folgen. Moholy-Nagy hätte daran seine Freude gehabt.

22. Januar 2016 Bauwelt

Abgesang auf Ferdinand Kramer

Die Bauten von Ferdinand Kramer im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt

7. Oktober 2015 Neue Zürcher Zeitung

Energie für die Kunst

In Hannover konnte jüngst der vom Zürcher Büro Meili/Peter geplante Erweiterungsbau des Sprengel-Museums eröffnet werden. Der Betonbau setzt den prägnanten Schlussstein in einen komplexen Baubestand.

Sein Spitzname existiert schon eine Weile, nun konnte es Ende September der Öffentlichkeit übergeben werden: das «Maschsee-Brikett», der dritte Bauabschnitt des Sprengel-Museums in Hannover, gelegen an der Uferpromenade des Maschsees südlich der Innenstadt. Auf knapp siebzig Metern Länge schiebt sich...

25. September 2015 Bauwelt

Städtische Inspektionen

Künstlerische Intervention zur Stadt in Bremen

Rund 50, auch mehrteilige künstlerische Stationen überziehen alle Bezirke Bremens, sie arbeiten mit bescheidenen Formaten, etwa an Litfaßsäulen, in Schaufenstern oder mit Schriftzügen im öffentlichen Raum, fragen auch nach virtuellen Erweiterungen des Realen.