Volksschule 44 und Hort Pichling
Sanierung, Erweiterung, Umbau, Linz (A) - 2024
archinauten
afo architekturforum oberösterreich
Tobias Hagleitner hat 2008 an der Kunstuniversität Linz im Fach Architektur diplomiert und 2018 promoviert. Seit 2007 freischaffend in den Bereichen Baukunst, Gestaltung und Architekturkommunikation. Als Architekturkritiker schrieb er u. a. für die OÖNachrichten, in Vorarlberg für die vom vai Vorarlberger Architektur Institut kuratierte Reihe zur Baukultur „Leben & Wohnen“ in den VN. Er ist freier Mitarbeiter und Kurator im afo architekturforum oberösterreich (2020/21 interimistischer Leiter) und Redakteur für die nextroom-Sammlungstätigkeiten von afo und vai.
seit 2012 Lehraufträge zu Raum, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum an Kunstuniversität Linz und KU Linz
10/2025–04/2026 Mädchen* sein!?, Lentos Kunstmuseum Linz (Ausstellungsarchitektur gemeinsam mit Margit Greinöcker)
11/2023–04/2024 Stadtlabor, Nordico Stadtmuseum Linz (Gestaltung und Kuratierung gemeinsam mit Klaudia Kreslehner)
09/2023–09/2030 Linz Blick, Dauerausstellung Nordico Stadtmuseum Linz (Gastkurator)
04/2023–09/2023 schee schiach Ep. 1 & 2, afo architekturforum oberösterreich (Co-Kurator)
11/2021–02/2022 Kühne, Schulte, Gegenwart. Soziale Stadtbausteine der Zwischenkriegszeit in aktueller Perspektive, afo architekturforum oberösterreich (Konzept und Gestaltung)
11/2020–03/2021 Das gewisse Etwas. Über die Begeisterung für Architektur in fünfundsechzig Dingen, afo architekturforum oberösterreich (Konzept und Gestaltung)
05/2021–09/2021 Sehnsuchtsort Schule, afo architekturforum oberösterreich (Kurator mit Teresa König und Uschi Reiter)
01/2020–07/2020 Egon Hofmann–Linz. Künstler Industrieller Kosmopolit, Nordico Stadtmuseum Linz (Ausstellungsgestaltung mit Margit Greinöcker)
03/2019–08/2019 Es zog mich durch die Bilder. Kubin@nextcomic-Festival, Landesgalerie des OÖ Landesmuseums (Ausstellungsgestaltung)
03/2017–04/2017 Erfahrene Landschaft II, Architektur Haus Kärnten (Kurator, Konzept und Gestaltung)
05/2016–07/2016 Erfahrene Landschaft I, afo architekturforum oberösterreich (Kurator, Konzept und Gestaltung)
09/2013–02/2014 Kunterbunt. „Klasse Kunst“ zum Thema Farbe, Landesgalerie Linz (Ausstellungsgestaltung mit Margit Greinöcker)
04/2013–06/2013 Innenansicht Suedost. Vorarlberg, vai Vorarlberger Architektur Institut (Co-Kurator und Gestaltung mit Azra Akšamija, Margit Greinöcker et al.)
07/2012–08/2012 Innenansicht Suedost. Linz, afo architekturforum oberösterreich (Co-Kurator und Gestaltung mit Azra Akšamija, Margit Greinöcker et al.)
2022 Forschungspreis Architektur der zt: Bundeskammer
2013 START Stipendium „Architektur und Design“ des bmukk
2011 Schütte-Lihotzky-Projektstipendium
2008 Kunstpreis der Diözese Linz
2008 Talentförderungsprämie Land Oberösterreich
Sanierung, Erweiterung, Umbau, Linz (A) - 2024
archinauten
afo architekturforum oberösterreich
Erweiterung, Grünbach (A) - 2020
mit Margit Greinöcker
afo architekturforum oberösterreich
Umbau, Linz (A) - 2010
mit Gunar Wilhelm
afo architekturforum oberösterreich
Sanierung, Linz (A) - 2008
mit Kunstuniversität Linz, Roland Gnaiger, Richard Steger, Lotte Schreiber, Gunar Wilhelm
Architekturzentrum Wien
Architekturprofessorin Sabine Pollak fordert neue Modelle, wie wir leben, wohnen und arbeiten. Städte wie Linz sollten den Raum dafür schaffen.
Das zehnte „Superstadt“-Symposium an der Kunstuniversität Linz ist der Zukunft der Stadt gewidmet. Zum runden Jubiläum der international ausgerichteten Veranstaltung für Stadtforschung und -entwicklung rückt Kuratorin Sabine Pollak den Austragungsort selbst in den Fokus. Ob Linz „super“ ist, bespricht sie mit OÖNachrichten-Architekturkritiker Tobias Hagleitner.
OÖNachrichten: Die Linzer Stadtentwicklung gerät derzeit immer wieder in die Kritik. Wie sehen Sie den planerischen Umgang mit der Stadt?
Sabine Pollak: Stadtplanung ist eine sehr komplexe Aufgabe. Es gibt kein Rezept, wie es richtig geht. Linz ist prinzipiell eine offene und vielfältige Stadt. Die Buntheit an Bauformen, die Durchmischung von dichten und leeren Flecken, von niedriger und hoher Bebauung – diese Vielfalt mag ich, und die sollte beibehalten werden. Aber es fehlt auch an vielem. Es gibt für die Randbereiche der Stadt keine sinnvollen Strategien. Es gibt ein massives Verkehrsproblem, das in vergleichbaren Städten viel entschiedener angegangen wird. Es fehlt an zeitgemäßen, urbanen Wohnformen.
Wie würden denn „urbane Wohnformen“ aussehen? Woran denken Sie?
Junge Leute tun sich zum Beispiel zusammen, gründen eine Genossenschaft und entwickeln in diesem Rahmen ganz andere Formen zu wohnen, zu arbeiten und zusammenzuleben. Solche Projekte wirken immer auch positiv ins Umfeld, da entstehen neue Dinge rundherum. Es wäre toll, wenn die Stadt das erkennen und Grundstücke zur Verfügung stellen würde, um alternative Konzepte ausprobieren zu können. Es braucht Experimente. Im geförderten Wohnbau, wie er derzeit durch das Land Oberösterreich reglementiert ist, geht leider gar nichts. Das ist eine Katastrophe für die Wohnbauentwicklung einer Stadt wie Linz.
Sie sind seit zehn Jahren in Linz tätig, Ihr Lebensmittelpunkt ist Wien. Ist Linz vielleicht doch zu klein, um mit dem Angebot einer Großstadt mitzuhalten?
Die Größe ist nicht entscheidend, wenn man sieht, was sich am Wohnsektor in vergleichbar großen Städten in Deutschland oder der Schweiz tut. Da gibt es eine Fülle an alternativen Angeboten, Baugruppenprojekte, neue Finanzierungsmodelle etc. Dasselbe gilt für den Arbeitsraum. Mit der Tabakfabrik gibt es ein positives Linzer Beispiel. Da ist sicher noch zu wenig los. Aber es ist ein Punkt in der Stadt, der das grundsätzlich leisten kann. Linz hat einige solcher Punkte zu bieten, die sehr spannend und städtisch werden können. Davon brauchen wir mehr, die vorhandenen müssen wir stärken.
Ein Themenblock des Symposiums ist dem öffentlichen Raum gewidmet. Worum geht es da?
Wir wollen vor allem die Rolle der Kunst im öffentlichen Raum diskutieren. Die erste „Superstadt“ war im Kulturhauptstadtjahr 2009. Das hat Linz verändert. Der Höhenrausch ist nicht mehr wegzudenken, die Museen gehen gut. Aber es gibt vieles auch nicht. Die Stadt wird kaum noch mit künstlerischen Interventionen bespielt, von denen wichtige Impulse für die Stadtentwicklung ausgehen könnten. Da hat Linz vom „Ausnahmejahr“ wenig gelernt. Stattdessen ist der öffentliche Raum kontrollierter geworden.
„Superstadt“ beschäftigt sich diesmal auch mit der Donau. Welche Bedeutung hat der Strom für Linz?
Wir setzen uns an der Kunstuniversität seit einiger Zeit mit der Verbindung von Stadt und Wasser auseinander, mit den vielen Möglichkeiten, die der Freiraum der Donau für Linz bietet. Das ist speziell für die wachsende Industrie- und Kulturstadt, so nah an diesem großen Fluss zu sein, mit dem Schiffsverkehr direkt am Hauptplatz. Damit sollten wir uns stadtplanerisch viel mehr auseinandersetzen: einerseits die wertvollen Naturräume erhalten und noch besser zugänglich machen, andererseits vorausschauend überlegen, wo und wie die Uferräume bebaut werden können, wie sich die Stadt künftig mit der Donau entwickeln kann.
Zwei Verandahäuser für drei Generationen: Eine Geschichte vom gekonnten Umgang miteinander und mit den Bedingungen des Ortes.
Initiiert hat das Projekt eigentlich das jüngste Familienmitglied. Wäre die kleine Tochter nicht gewesen, wären die jungen Eltern vielleicht nicht so oft aus Wien zu Oma und Opa nach Schärding auf Besuch gefahren und womöglich gar nicht auf die Idee gekommen, sich dauerhaft dort niederzulassen.
So aber wurde der Entschluss gefasst, das Metropolenleben aufzugeben und gemeinsam mit den (Groß-)Eltern das Projekt „Mehrgenerationen-Wohnen“ am ländlichen Rand des Städtchens zu wagen.
Das Bestandsobjekt wäre groß genug für alle gewesen. Aber der Zustand des einfachen Bauernhauses hätte eine so aufwändige Sanierung erforderlich gemacht, dass Überlegungen in diese Richtung schnell verworfen waren.
Also Neubau. „Wir haben uns wirklich viele Architekturbüros angeschaut“, erzählt Bauherrin Johanna Tschaikner. Sogar in Vorarlberg wurde recherchiert. Mit Tom Lechner alias LP architektur wurde schließlich im Salzburgischen ein Partner für das Vorhaben gefunden, der auch der älteren Generation zusagte und deren anfängliche Skepsis gegenüber Architekten schnell verfliegen ließ: „Da hat die Chemie gepasst.“
Gartenpavillons
Gemeinsam mit der kleinen Baugruppe entwickelte das Büro ein schlichtes Konzept aus zwei flachen Baukörpern, die auf die unterschiedlichen Wünsche der Familien, auf die Topografie und die umgebende Vegetation sensibel eingehen. Das Holzhaus für die Jungen nimmt in etwa die Stelle des ursprünglichen Gebäudes ein und hat ein Sockelgeschoß aus Beton untergeschoben, das sich talseitig zum unmittelbar anschließenden Wald öffnet.
Der Quader für die Eltern wurde im rechten Winkel dazu an die nördliche Grundgrenze positioniert. Das erhaltene Wirtschaftsgebäude nehmen die beiden „Pavillons“ in ihre Mitte. So ausgewogen arrangiert, ergibt sich insgesamt ein idyllisches Ensemble um den gemeinsamen Gartenhof. Bemerkenswert ist das vertrauensvolle Miteinander, das sich im Lauf der Umsetzung zwischen Bauherrschaft und Architekt, aber auch mit den Handwerksbetrieben entwickelt hat. So lag die gesamte Firmenrecherche, Ausschreibung und Kostenkontrolle bei der jungen Bauherrin und auch die Bauaufsicht übernahmen aufgrund der Distanz zwischen Architekt und Baustelle weitgehend die Auftraggeber – mit der „Rat-auf-Draht-Methode“, wie unbeschwert erklärt wird. Fragen und Probleme wurden via Telefon in Wort und Bild vermittelt, der technische Leiter im Architekturbüro half und koordinierte aus der Ferne.
Möglich ist so ein Prozedere sicher nur, wenn die Handwerker mit Begeisterung dabei sind, ihr ganzes Know-how einbringen, umgekehrt aber auch die Professionalität der Planer und die Ansprüche der Bauherrschaft respektieren. „Und das hat super funktioniert“, erklärt die Bauherrschaft, die für das Projekt fast ausschließlich Betriebe aus nächster Nähe engagierte.
Geistesverwandte
Die beiden Häuser sind keine fotogenen Prachtkisten. Um Repräsentation ging es hier nicht. Die eigentliche Qualität erschließt sich im Gebrauch, im Wohnen. Ein lebendiges, gelebtes Verständnis von Schönheit und gutem Design, das sich im unterschiedlichen Inneren der verwandten Bauten beweist. Sehr authentisch und hier wie dort äußerst wohnlich und behaglich wurde je nach Geschmack, Bedürfnissen und Gewohnheiten ausgestattet und ein eigener, passender Stil gefunden. In beiden Fällen aber überzeugt das Gespür für die natürlichen Qualitäten der Materialien und der Mut, sie so zu zeigen, wie sie sind. „Das beeindruckt mich an dieser Architektur“, sagt Bauherr Vincent Tschaikner, „wenn du vorher gut überlegst, wie es sein soll, musst du nichts verstecken, nichts aufstemmen, nichts verputzen. Wenn die Wand steht, dann ist sie fertig. Das ist cool, das ist ein sinniger Gedanke. Nichts ist hier versteckt.“ „Na ja!“, entgegnet seine Frau verschmitzt und klopft auf das sägeraue Holz, „die Dämmung schon“.
Das Pfarrheim der katholischen Pfarre St. Stephanus in Sierning wurde mit dem Neubau mitten ins Ortszentrum gerückt, ganz nah an die Kirche.
Pfarrer Karl Sperker fand erst im zweiten Bildungsweg zur geistlichen Berufung. Vorher arbeitete er als Techniker und Projektleiter am Bau. Das biografische Fundament lässt sich noch ahnen, wenn der Kirchenmann mit Kenntnis und Begeisterung von der Entstehung des neuen Pfarrheims erzählt. Zu Recht ist auch etwas Stolz dabei. Denn die Pfarre hat es sich nicht leicht gemacht.
Mit dem neuen Haus wollte man den unterschiedlichsten Interessengruppen entgegenkommen. Es sollte nicht nur der Pfarrgemeinde intern dienen, sondern sich der Bevölkerung von Sierning insgesamt öffnen und einen Beitrag zur Lebendigkeit mitten im Ortskern leisten.
Räumliche Nähe
Der Bauausschuss der Pfarre, das Baureferat der Diözese, das Denkmalamt und viele engagierte Gemeindemitglieder waren in Vorbereitung, Entwicklung und Planung involviert. Die wichtigen Fragen, was das künftige Pfarrheim eigentlich können muss, welche Funktionen es für wen erfüllen soll, wurden leidenschaftlich debattiert.
Einmal ausverhandelt, gingen die Beteiligten mit einem umso solideren Raumprogramm in Phase zwei. Architekturbüros wurden zum Hearing geladen, mit der Architektenkammer wurde darauf ein geladener Wettbewerb akkordiert, den Architekt Klaus Landerl, Linzer „Filialist“ des Architekturbüros ARKADE, gewann.
Anstelle eines abgerissenen Bestands fügt sich der Neubau in das attraktive Sierninger Kernensemble aus Kirche, Gemeindeamt, Schloss und Wirtshaus. Die expressive Geste (asymmetrische Grundform, weit und spitz auskragende Dächer, Freitreppe), mit der die Kirche „umarmt“ wird, wirkt auf den ersten Blick als formale Übertreibung.
ie erweist sich aber insgesamt als wirksam, mit den beengten Verhältnissen am Bauplatz räumlich umzugehen. Äußerst nah rückt das großflächig verglaste Objekt an die Kirche aus Steyrtaler Konglomerat heran. Das in Teilen über tausend Jahre alte Baudenkmal wird zum integralen Teil des Raumerlebnisses im Pfarrsaal. Die Farbe der Metallfassade, der verwendete Stein, bewusst gesetzte Blickachsen und auch die künstlerische Glasarbeit an der Nordostfassade bringen Ort, Kirche und Pfarrheim in Dialog – ohne Anbiederung, selbstbewusst, aber mit Respekt.
Gelebte Baukultur
Auf den Bauplatz so passgenau zugeschnitten wie auf die Bedürfnisse der Gemeinde bietet das Haus im oberen Geschoß flexible Trennmöglichkeiten für kleine wie große Veranstaltungen (bis zu 160 Sitzplätze). Zusammen mit dem natürlich belichteten Untergeschoß ergibt sich für kirchliche wie weltliche, für Erwachsene wie Jugendliche Nutzungen der passende Rahmen.
Von „gefühlt zwanzig Bauherren“ spricht Architekt Klaus Landerl und verhehlt nicht, dass basisdemokratisches Vorgehen alle Beteiligten sehr fordert. Bis in die Bauphase wurde Mitsprache gewährt. Die entscheidende Rolle des Architekten war es, die vielfältigen Wünsche in ein bauliches Ganzes zu bringen, und zwar so, dass sich in der Architektur am Ende nicht ein schwacher Kompromiss, sondern die Überzeugungskraft des Konsenses zeigt.
Tatsächlich gibt das Haus seiner gemeinschaftsbildenden, öffentlichen Funktion eine passende Form. Es zeigt sich rundum offen, einladend, ohne „Rückseite“. Es ist ein Ort der Zusammenkunft mitten im Dorf. Und das ist nicht nur frommer Wunsch, sondern gelebte Wirklichkeit. Denn, glaubt man Pfarrer Sperker, und das sei dem Mann Gottes zugestanden, so steht die Gemeinde heute geschlossen hinter „ihrem“ Bauwerk. Das ist der eigentlich wertvollste Lohn all der Mühen im Entstehungsprozess.
Das kirchliche Vorbild sollte deshalb zu denken geben, insbesondere den weltlichen Teilen der Macht, also all jenen, die öffentliche Mittel verwalten, verplanen und verbauen und dabei dennoch glauben, auf Beteiligungsverfahren und ordentliche Wettbewerbe verzichten zu können.
Landschaftsarchitektin Karin Standler fordert einen professionelleren Umgang mit Grün- und Freiräumen. Es brauche Planung und politischen Willen.
OÖNachrichten: Linz kann sich über 50 Prozent Grünanteil freuen. Es gibt Parks und Gärten im gesamten Stadtgebiet. Kritik ist da wohl ‚Jammern auf hohem Niveau’?
Standler: Quantität allein ist nicht entscheidend. Vor allem geht es um Qualität. Gute Grün- und Freiräume machen eine Stadt oder Gemeinde erst richtig lebenswert. Linz hat sicherlich eine gute Ausgangslage. Die Frage ist, wie mit dieser Ressource langfristig umgegangen wird. Linz wächst, es wird gebaut und verdichtet. Da fehlt es an programmatischer Entwicklung und Kontrolle seitens der Stadtplanung, um auch künftig ausreichend Durchgrünung und geeignete Freiräume für alle Stadtteile gewährleisten zu können. Auf den Punkt gebracht: Wie viel Versiegelung wollen wir noch ohne Ausgleichsmaßnahmen?
Welche Instrumente wären dafür notwendig?
Wer hohe Freiraumqualitäten einfordern will, muss zuerst verbindliche Kriterien definieren. Es bräuchte passende Strukturen in der Stadtverwaltung, um das dann auch durchzusetzen und zu überprüfen. Das ist eine Schnittstellenfrage, weil das Thema in unterschiedliche Zuständigkeiten fällt: Die räumliche Einbettung betrifft die Stadtplanung, Pflege und Erhaltung das Gartenamt, sobald es um die konkrete Ausgestaltung geht, tangiert es den Sozialbereich, Umwelt- und Naturschutzanliegen kommen dazu. Es braucht die proaktive Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen und Personen, vor allem aber die Einbindung geeigneter Fachleute, die evaluieren, was sich bewährt hat oder wo es Handlungsbedarf gibt, die beraten, was in Pflege und Planung nachhaltig verbessert werden kann.
Sie haben positive Beispiele von Parkanlagen aus aller Welt gesammelt. Was könnten oberösterreichische Städte oder auch kleinere Gemeinden davon lernen?
Die Freiräume sind sehr unterschiedlich. Eine Gemeinsamkeit ist aber, dass sie sich aktiv den Herausforderungen der Zeit stellen und zugleich die Ansprüche des jeweiligen Umfelds ernstnehmen. Wie schaut ein klimawirksamer Park aus? Wie lässt sich ein guter Kommunikationsort herstellen? Was bedeutet naturnahe Gestaltung in der Stadt? Diese Dinge sind übertragbar. Ein wichtiger gemeinsamer Ansatzpunkt ist auch das Bedürfnis nach Natur. Das ist ein Herzensanliegen der Bevölkerung, das zeitgenössisch interpretiert und innovativ umgesetzt werden kann.
Gibt es eine tolle Idee, die sich 1:1 übernehmen ließe? Einen konkreten Vorschlag?
Es geht nicht darum, Dinge zu kopieren. Aber es gibt natürlich Städte, denen es bei vergleichbaren Voraussetzungen gelingt, eine interessante Vielfalt für Mensch und Natur zu schaffen. Dazu braucht es einen Mix an unterschiedlichen Freiräumen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Typologien. Gestaltung ist so vielseitig! Aber diese Kultur der Gestaltung muss eben etabliert werden. Und das beginnt schon im Privaten: Rollrasengärten mit Thujenhecken, in denen kein Schneeglöckerl mehr aufkommt – das tut meiner Seele weh! Es ist an der Zeit, Gartenkultur wieder zu beleben und zu stärken. Die Gemeinden könnten mit gutem Beispiel vorangehen.
Das kostet Geld. In Zeiten der Sparpolitik nicht gerade populär…
Ja klar, die Frage ist, welche Parkanlagen werden wir uns in Zukunft noch leisten können. Verbesserung bedeutet nicht unbedingt Verteuerung. Im Gegenteil. Wer mit der Vegetation vor Ort arbeitet, wer stadt- und raumbezogen denkt und professionell plant, kann gegenüber herkömmlichen Pflegekonzepten sogar Geld einsparen. Schließlich geht es darum, dass wir durch Grün- und Freiräume Impulse für Stadtentwicklung setzen. Gelungene Freiraumgestaltung stärkt das Stadtleben, wirkt ins Stadtbild und wird zum Träger einer Stadtkultur.
Eigenheim muss nicht sein – das Land ist schon genug zersiedelt. Wenn, dann bitte kompakt, ökologisch und mit Sinn für die Umgebung.
Der Bauplatz liegt an einem sanft geneigten Osthang am Rand einer Einfamilienhaussiedlung, die hier, auf halbem Weg zwischen den Ortskernen von Windischgarsten und Roßleithen, seit gut zwanzig Jahren langsam aber kontinuierlich bergwärts wächst.
Verständlich, dass in dieser Lage gern gebaut wird. Das Panorama in die Bergwelt der Pyhrn-Priel-Region und hinunter ins Windischgarstener Becken ist phänomenal, hinterm Haus schließen Wiesen und Wälder an. Wer Sinn für dieses sensible Umfeld hat, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Es gilt, räumliche Qualitäten zu erhalten und zu nutzen, die zugleich mit dem neuen Haus ein weiteres Stück zurückgedrängt werden.
Reduziertes Repertoire
Das nötige Feingefühl für dieses Dilemma war beim „Haus mit Giebel“ gegeben. Und zwar von Seiten der Planenden genauso wie von der Bauherrschaft. Die junge Familie wünschte sich ein Haus, das sich in die Umgebung fügt, das die Natur und die Aussicht wirksam in den Wohnraum holt. Sie wollte ruhiges, aufgeräumtes Design in Holz, Beton und Glas. Das waren Qualitätsansprüche, die Sandra Gnigler und Gunar Wilhelm alias mia2/ARCHITEKTUR mit Freude aufgriffen.
Mit einer bewusst reduzierten Auswahl an Materialien und Formen entwarfen sie ein Haus, das schlicht ist und komplex zugleich. Schlicht in der Art, wie es dasteht in seiner klaren, wohlproportionierten Struktur aus Sockel, Erdgeschoß und Dach. Komplex in der räumlichen Vielfalt, die es bietet. „Wir mögen keine Sackgassengrundrisse“, erklärt Sandra Gnigler: „Wir versuchen, den Raum als Kontinuum zu fassen.“ Und das ist gelungen. Es ist ein Haus der gut gestalteten Übergänge – hausintern von Raum zu Raum, aber auch von innen nach außen.
Raffinierte Räume
Hangseitig verschwindet das Erdgeschoß gut einen halben Meter tief im Gelände, sodass der Wohnraum wie ein Gefäß vom Sockel und der anschließenden Wiese umfangen wird. Talwärts, vier Stufen nach oben, entfalten sich Essbereich und Küche mit viel Luftraum bis hinauf zum First. Noch luftiger lässt es sich im Sommer einrichten, wenn die großen Fenster übers Eck zur Gänze aufgeschoben werden.
Das leicht erhöhte „Zwischenpodest“ der Wohnküche verdankt sich dem darunterliegenden kleinen Keller für Lager und Haustechnik. Die versetzte Geschoßigkeit macht sich die topografischen Eigenheiten des Grundstücks ideal zunutze. Die leicht erhabene Position, die sich so ergibt, bietet beste Sichtverhältnisse, über die Nachbarschaft hinweg, hinaus in die Bergkulisse.
Formal und organisatorisch raffiniert, ist das Haus auch ökologisch vorbildlich. Das Volumen wurde kompakt gehalten, der Flächenverbrauch bestmöglich beschränkt. Es wurde konsequent aus Holz errichtet und natürlich gedämmt. Bemerkenswert ist zudem der hohe Anteil an Eigenleistung. Beim Betonieren des Kellers, bei der Fassade aus geflämmten Brettern am Giebeldreieck oder der Inneneinrichtung beteiligte sich die Bauherrschaft mit etlichen Arbeitsstunden.
Das Haus strahlt das aus. Es ist spürbar, dass es etwas zu tun hat mit den Leuten, die es für sich errichtet haben und mit der Landschaft, in der es steht. Das macht eine sympathische Aura. Und darin unterscheidet es sich so angenehm von den vielen Häusern, die blind Vorbilder von anderswo kopieren oder gleich laut Katalog geliefert werden. Im Preis zeigt sich letztlich, dass dieses individuelle, maßgeschneiderte Planen und Bauen nichts mit überteuertem Luxus zu tun haben muss, wenn die Architekten ihr Handwerk beherrschen.
Und das tun die beiden: Anlässlich der Heinrich-Gleißner-Preisverleihung an die Welser Architekten Luger&Maul vor wenigen Wochen wurde auf deren Vorschlag der Förderpreis an Sandra Gnigler und Gunar Wilhelm vergeben.
In ihren Arbeiten zeige sich „hohes Engagement für gute zeitgemäße Architektur ohne Hang zum modisch-spektakulären, wohl aber zum handwerklich richtigen und gestalterisch überlegten Bauen“, so Luger&Maul in ihrer Begründung.
Diakonie Linz: Menschen ohne feste Bleibe haben kaum geschützte Rückzugsorte. Es ist eine Frage der Baukultur, solche Räume zu schaffen und gut zu gestalten.
Das Of(f)‘nstüberl der Linzer Diakonie liegt in der Starhembergstraße. Es ist ein unauffälliges Häuschen, etwas kleiner und älter als die üppiger dekorierten Nachbarhäuser aus der Gründerzeit.
Fertiggestellt im Jahr 1864, entstand es bereits in dem schachbrettartigen Straßenraster, das zwei Jahre vorher von einer offenbar langfristig und strategisch planenden Stadtregierung angelegt worden war, um südöstlich des Zentrums ein neues Wohnquartier, das sogenannte Neustadtviertel, zu errichten.
Häuser wie dieses, die nicht denkmalgeschützt, weder wichtig noch besonders sind, werden normalerweise früher oder später abgerissen, um profitablerem Volumen Platz zu machen. In manchen Fällen ist das richtig, weil eine lebendige Stadt Veränderung braucht. Aber nicht immer und nicht überall.
Raum kultivieren
In Linz wäre es angebracht, Baugeschichte mehr zu schätzen, zusammenhängende Ensembles im Stadtgefüge zu erkennen und auch einfache Bauten als Kulturgüter wahrzunehmen und zu erhalten. Sie sind wichtig für ein bisschen Charme und Identität in einer Stadt, die stellenweise mit Härte und Gesichtslosigkeit zu kämpfen hat. Baukultur, also kultiviertes Bauen, bedeutet manchmal eben auch, nicht zu bauen, weil im Bestand Werte liegen – gesellschaftliche, historische, ästhetische –, die mit Geld nicht zu bemessen sind. Für eine solche Kultur der baulichen Wertschätzung ist das Of(f)‘nstüberl vorbildhaft.
Seit 1997 betreibt die Evangelische Stadt-Diakonie am Standort ein Tageszentrum, einen geschützten, warmen Raum ohne Konsumzwang für alle Menschen, denen das fehlt. Um die 15.000 Besuche von mehr als 1000 Personen werden im Jahr gezählt. Nach knapp zwei Jahrzehnten dieser intensiven Nutzung gab es baulichen Handlungsbedarf, um die bestmögliche Betreuung der Gäste weiter gewährleisten zu können.
Gemeinsam mit den Nutzern konnte Architekt Martin Urmann Hauseigentümer wie Fördergeber überzeugen, dass ein Umbau des Bestands mehr Sinn macht als Abriss und Neubau. Städtebaulich betrachtet konnte so eines der ältesten Häuser im Viertel erhalten werden. Innenhof und Straßenzug profitieren von der geringeren Traufhöhe dieses nur zweistöckigen Objekts. Solche „Lücken“ im Blockrand schaffen Licht und Sicht und werten damit das gesamte Viertel auf. In sozialer Perspektive wurde ein „Stammplatz“ für jene Menschen bewahrt und verbessert, die einen solchen Ort der Wohnlichkeit und Vertrautheit am meisten missen.
Menschen respektieren
Herr R. ist einer von ihnen. Während der Öffnungszeiten von 8 bis 12 Uhr vormittags wird das Of(f)‘nstüberl für ihn zum Zuhause. Er nimmt Platz in dem schmalen, gemütlichen Wintergarten, der seit der Renovierung als heller Übergangsraum zwischen drinnen und draußen gern genutzt wird. „Wir sind froh“, sagt er, „dass es so einen Ort gibt.“ Hier trifft er Bekannte, unterhält sich, kann Wärme tanken, bekommt Beratung. Manchmal hilft er im Garten oder beim Wäschemachen.
An diesem kalten Tag ist viel los, obwohl schon bald Mittag ist. Fast alle Tische sind belegt. Der Aufenthaltsraum im Erdgeschoß wurde von Zwischenwänden befreit und zieht sich nun als großer offener Raum komplett barrierefrei von der Straßenseite bis zum Gartenhof.
„Die Infrastruktur hat sich mit dem Umbau sehr verbessert“, sagt Sozialarbeiter Alex. „Unsere Gäste können ihre Wäsche waschen, sich duschen. Oben gibt es Ruheräume mit Liegen. Es ist weniger beengt, die Leute haben Platz und verteilen sich besser. Das vermeidet auch Reibereien.“ Viele der Gäste halfen bei der Renovierung mit, von Abbrucharbeiten bis zur Möblierung. Das war Teil des umsichtigen Konzepts: Begrenzt vorhandenem Budget und beschränktem Raumangebot begegnete Architekt Urmann mit einer Strategie der Einfachheit, die mit wenigen, punktgenauen Eingriffen bauliche Aufwertung und betriebliche Optimierung schafft. Das Haus erfüllt den Bedarf uneitel, zweckmäßig und robust, aber mit ästhetischem und atmosphärischem Anspruch.
Stadtplaner Reinhard Seiß kritisiert die mangelnde Planungskultur im Land. Die Hochhauspolitik in Linz hält der Oberösterreicher für verantwortungslos
OÖNachrichten: Der geplante Bruckner-Tower oder das Weinturm-Hochhaus werden in Linz derzeit heiß diskutiert. Hochhäuser polarisieren. Sind Sie pro oder contra?
Reinhard Seiß: Das Problem sind nicht Hochhäuser an sich, sondern ihr unreflektierter Einsatz. Es ist erschütternd, mit welcher Oberflächlichkeit Projekte oft argumentiert, ja schöngeredet werden. Gebäude mit 80, 100, 120 Metern haben einen großen Wirkungsradius. Da wäre ein vertiefter Diskussionsprozess vonnöten. Doch wird so getan, als gingen Hochhäuser nur jene etwas an, die sie planen, bauen und genehmigen. Das mag bei Projekten von ortsüblicher Dimension funktionieren, aber nicht bei Höhen, die den bestehenden Bebauungsplan um ein Vielfaches sprengen.
Die genannten Projekte zeigen immerhin architektonischen Anspruch…
Nur, weil etwas in zeitgenössischem Gewand daherkommt, heißt das nicht, dass es gut ist. Architektur muss mehr sein als Form und Oberfläche. Zu sagen, ein Gebäude sei schön, ist bei Hochhäusern zu wenig, vor allem wenn diese Behauptung von den Planern und Betreibern selbst stammt. Die meisten Türme in Österreich sind architektonisch banal und zeigen bloß die serielle Vervielfältigung ein und desselben Geschoßes. Da bieten historische Bauten auf vier Geschoßen mehr Differenziertheit. Aber es geht um mehr: Wie nachhaltig sind diese Hochhäuser beispielsweise? Wie teuer kommt ihre Sanierung oder Umnutzung? Es ist sicher zu wenig, das geforderte Raumprogramm des Investors zu erfüllen, insbesondere, wenn Architektur gesellschaftspolitische Verantwortung für sich reklamiert.
Da ist auch die Verantwortung der Stadt angesprochen, der Politik, die solche Projekte genehmigt?
Natürlich! Vor allem die Planungspolitik ist in der Pflicht. Ein Hochhaus hat vielfältige Auswirkungen auf das Umfeld. Da geht es um die Struktur des Viertels, um Verkehrsfragen, um Beschattung, um Windturbulenzen und nicht zuletzt um das Stadtbild, die Silhouette. Jahrhundertelang war Städtebau auch akribische Stadtkomposition. Heute meinen Kommunalpolitiker selbstüberschätzend, über Stadtgestalt autonom entscheiden zu können.
Als Raumplaner kritisieren Sie Bodenverbrauch und Zersiedelung. Hochhäuser wären doch ein Gegenmittel?
Als Stadtregion betrachtet – und so müssen wir Städte heute betrachten – braucht Linz für sein Wachstum keine Hochhäuser. Linz leidet nicht unter Baulandknappheit wie etwa Innsbruck, sondern unter fehlender Flächeneffizienz. Was wir in Gewerbegebieten, Fachmarktzentren und bei Supermärkten allein für Parkplätze an Boden vergeuden oder für freistehende Einfamilienhäuser verbrauchen. Das Argument des Wachstumsdrucks ist unzulässig, solange im Umkreis von 15 Kilometer um den Linzer Dom auch nur eine einzige Einfamilienhausparzelle zur Bebauung ansteht und verdichtete Flachbauten weiterhin bloß Ausnahmeerscheinungen sind.
Können Hochhäuser als private Investments nicht auch Impulsgeber für die Stadtentwicklung sein?
Immobilienprojekte sind keine Gefälligkeit von Investoren, sondern eine attraktive Anlageform. Und Hochhäuser sind nur eine sehr eitle Spielart davon. Dabei vergisst die Politik: Jede Hochhauswidmung widerspricht dem Gleichheitsprinzip. Ein einzelner Grundeigentümer wird mit einer Vervielfachung des Grundstückswerts gegenüber allen anderen, die dieses Recht nicht bekommen, begünstigt. Bei frei finanzierten Wohn- oder Bürobauten müsste dieser Mehrwert adäquat abgegolten werden. In München oder in Basel und anderen Schweizer Städten wird das bei Großprojekten konsequent betrieben. Selbst in US-Städten zahlen Begünstigte sowohl an die Anrainer als auch an die Allgemeinheit. Dass man sich hierzulande wehrt, auf diese Weise Gerechtigkeit zu schaffen, sagt viel über unsere Politik.
Die Form überrascht, der Inhalt noch mehr: Das neue Hauptquartier und Kundenzentrum der Miba-Gruppe in Laakirchen.
Von der Zukunft der Arbeit wird viel geredet. Lieblingswörter sind „Digitalisierung“, „Innovation“ oder „lebenslanges Lernen“. Ein konkretes Bild davon wird den Reden selten beigefügt.
Stattdessen mehren sich die Fragezeichen. Wie sieht sie nun aus, die Arbeitswelt von morgen? Welche Architektur ist nötig, um den Wandel hinzukriegen? Solche Fragen beschäftigten wohl auch die Unternehmensleitung der Miba, als die Erweiterung des Firmensitzes um eine neue Hauptverwaltung anstand.
Das künftige Gebäude sollte Technologie-, Lern- und Kundenzentrum für die Industrie-Gruppe sein. Gewünscht war ein Ort, der Kreativität und Kommunikation zulässt, an dem neue Ideen entwickelt werden können. Der unternehmensinterne Prozess führte zum Wettbewerb.
Alte Bauform
Das Architekturbüro Delugan Meissl überzeugte mit einer für den Zweck unkonventionellen und doch vertrauten Bauform und setzte das Raumprogramm in der traditionellen Gestalt eines Vierkanthofs um. Das lässt sich einerseits symbolisch begründen – Stichworte sind „regionale Identität“ oder „historische Verwurzelung“ –, andererseits gibt es funktionale Argumente für die Typologie.
Die geschlossene Form um einen Innenhof macht immer dann Sinn, wenn unterschiedliche Arbeitsbereiche aus Gründen der Effizienz unter einem Dach vereint und vernetzt werden sollen, wenn innere Verbindung und Durchlässigkeit gewünscht sind bei gleichzeitiger Abgrenzung nach außen.
Das war in der Geschichte bei Burgen, Klöstern oder bäuerlichen Betrieben so. Für Verwaltungsbauten galt das hingegen kaum. Ein Büro war eine eindeutig abgrenzbare Funktion innerhalb des Unternehmens, organisiert in containerartigen Zimmern mit Sessel, Tisch und Ladenschrank, aufgefädelt an langen Gängen, gestapelt in öden Kisten. Das Miba Forum bricht mit unsinnig gewordenen Konventionen und organisiert die Arbeit in einem Bürogebäude neu. Die Vierkant-Form bietet dafür gute Voraussetzungen.
Delugan Meissl nutzte sie optimal. Die Erschließungsflächen des Erdgeschoßes sind als breite „Wandelhalle“ konzipiert, die um den Hof von gut 30 mal 15 Metern Länge läuft. Von hier öffnen sich die Konferenz- und Meetingbereiche in unterschiedlicher Durchlässigkeit. Die geschlossenen Wandflächen sind mit einer hochwertig gestalteten Ausstellung zu Produkten und Geschichte des Unternehmens bespielt. Ansonsten gewähren Verglasungen und Öffnungen Einblick ins unmittelbare Geschehen: Gearbeitet wird im stilvoll kaffeebraunen Ambiente der Cafeteria, an den langen Tischen der Besprechungsräume, im großen Veranstaltungssaal und unter den Bäumen im Hof. „Arbeit“ bedeutet in diesem Bereich des Hauses vor allem miteinander reden, ins Gespräch kommen, sich austauschen. Und das funktioniert sichtbar gut.
Neue Arbeitswelt
Das Obergeschoß ruht als Holzkonstruktion auf dem Stahlbeton-Massivbau darunter. Das schlanke Tragwerk aus Buchen-Furnierschichtholz spannt ein mehrfach geneigtes und geknicktes Dach auf, unter dem sich die Bürolandschaft entfaltet. Angestammte Arbeitsplätze gibt es hier nicht. Gearbeitet wird, wo es beliebt bzw. wo ein Platz frei ist. Es wirkt aber gerade nicht wie ein „Großraum-büro“.
Das liegt an den gut gesetzten Raumzellen für Besprechungen, den Aufenthaltsnischen und Möblierungen für Schließfächer und Archiv. Für Abwechslung und Atmosphäre sorgt nicht zuletzt die komplexe Dachform, die mit ihrem Ableger bis in den Hofbereich eine unnötig expressive Zuspitzung erhielt.
Eine Portion zu viel Pathos hat auch das verwinkelte Wegesystem durch den kleinen Park abbekommen. Die noch zart bewachsene „Streuobstwiese“ ist aber insgesamt ein stimmiges Verbindungselement – zwischen den Gebäuden des Firmenensembles, zwischen dem historischen Bild von einem Vierkanthof und seiner modernen Interpretation.
Haslach an der Mühl: Wo niemand wohnt und keiner arbeitet, ist bald Leblosigkeit und Verfall. Ganze Orte sind in Gefahr. Doch es gibt Gegenmittel.
Gleich die erste der zwanzig „Baukulturellen Leitlinien des Bundes“, die im August vom Ministerrat beschlossen wurden, ist den Ortskernen gewidmet. Sie sollen unter dem Motto „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ als lebenswerte Kulturlandschaft erhalten werden.
Es bleibt abzuwarten, wie ernst der Bund die Vorsätze nimmt und noch mehr, ob sich Länder und Gemeinden von dem Dokument, das mit breiter Beteiligung von Fachleuten erarbeitet wurde, begeistern lassen. Projekte, die schon „auf Linie“ sind und den Weg weisen könnten, gibt es jedenfalls. Ein Beispiel ist die prämierte Baukulturgemeinde Haslach.
Gestärkte Identität
Haslach hat etwas von dem Charme, der sonst italienischen Städten nachgesagt wird: vom Maßstab her wie ein Dorf, vom Gefühl her wie eine Stadt. Es gibt Vielfalt auf kleinstem Raum. Es gibt Arkadenhöfe, Gassen, Plätze. Es gibt Läden und Cafés, Museen, Handwerk, Industrie und sogar ein Kino. Dass sich Haslach so präsentiert, ist nicht selbstverständlich.
Das hat mit bewussten Entscheidungen und vorausschauender Planung zu tun. Mit Menschen, die in Vereinen, in der Wirtschaft oder Politik den Wert der Gemeinde erkennen und den Mut haben, in die Zukunft zu investieren – nicht nur Geld! Vor allem braucht es gute Ideen, Engagement und kontinuierliche Überzeugungsarbeit.
Eine Person, die daran großen Anteil hat, ist Architekt Josef Schütz. Wenn der gebürtige Haslacher sich und seine Arbeit vorstellt, beginnt er ganz von vorn, mit seinem Architekturdiplom im Jahr 1985: „Sterbender Ortskern mit trügerischer Identität“. Dass er den biografischen Bogen so weit aufspannt, ist keineswegs Nostalgie. Es ist der schlüssige Startpunkt einer unablässigen beruflichen Auseinandersetzung mit seiner Heimatgemeinde, mit der Baukultur vor Ort. Eine wichtige Etappe war etwa die Sanierung des Hauses am Marktplatz, wo Schütz seit Mitte der 1990er-Jahre sein Architekturbüro betreibt. Im Jahrzehnt darauf folgte die Revitalisierung des Vonwiller-Areals. Es wurde in einem nächsten Schritt um das „Textile Zentrum“ erweitert. So unterschiedlich diese und weitere Projekte im Ort bislang waren, verwandt sind sie in der Vielseitigkeit ihrer Nutzung.
Außerdem im Respekt für das historische Gefüge und dem Anspruch, Mehrwert für das öffentliche Leben zu schaffen.
Lebendiger Ortskern
Eines der jüngeren Projekte ist das Haus in der Windgasse in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Alten Turm“. Anstelle eines Altbestands, der sich in die ortstypisch sehr schmale und lange Baulücke „geklemmt“ hatte, wurde ein Massivbau aus vorgefertigten Elementen hochgezogen. Von außen ist es simple, zeitgenössische Architektur, in ihrer inneren Logik aber knüpft sie an Bewährtes an.
Der lokalen Bautradition folgen etwa die Lage der Stiege, der Lichthof oder das sogenannte Durchhaus. Letzteres verbindet die Straße mit dem lauschigen Gartenhof, wo sich im rückwärtigen Bereich ein einfacher Holzbau als Infrastruktur für kleine Veranstaltungen an die Ringmauer schmiegt.
Vorbildlich im Sinn der Ortsentwicklung ist dieses Projekt, weil es sich nicht nur um die Wohnlichkeit im Inneren sorgt, sondern die Lebensqualität für die Gemeinde, ihre Bewohner und Gäste mit im Blick hat. Das Haus sucht die Öffentlichkeit. Objekt und Ort haben etwas miteinander zu tun. Gerade am Land ist außerdem wichtig, dass die Architektur gegenwärtige Lebensmodelle zulässt.
Offene, flexible Grundrisse mit intelligenter Erschließung bieten Wohnraum für Single bis Familie, erlauben die Nutzung als Atelier, Büro oder Werkstatt und deren Kombination. So kommen Wohnen und Arbeiten, Privates und Öffentliches in harmonisches Zusammenspiel. Der größte Vorteil der Nutzungsoffenheit: Was immer die künftigen Ansprüche sein werden, das Bauwerk wird sich leicht daran anpassen können. Das ist die Fitness, die „nachhaltige“ Dorfhäuser brauchen. Um sterbende Ortskerne am Leben zu halten, braucht es von solchen aber noch viel mehr.
Architekt Franz Riepl aus Sarleinsbach stört, wie oberösterreichische Kommunen bauen. Auf der Baustelle des Gemeindeamts Wilhering macht er seinem Ärger Luft.
OÖNachrichten: Sie haben Amtshäuser der vergangenen Jahre fast lückenlos im ganzen Land dokumentiert. Was beschäftigt Sie so sehr daran, dass Sie sich die Arbeit antun?
Riepl: Mich stört vor allem deren Unangemessenheit. Es interessiert offenbar nicht mehr, was zu einem Ort passt und stimmig ist. Vorbilder von irgendwo werden übernommen, die nichts mit der Region zu tun haben. Da überraschen mich die Gegensätze: Jeder rennt im Trachtenjanker herum und muss bio essen, aber wenn gebaut wird, reicht der letzte Schmarren von der Stange. Ursprünglichkeit und Echtheit sind en vogue – beim Kochen. Beim Bauen interessiert man sich nur für den besten Preis und die einfachste Montage.
Was konkret finden Sie denn am Neubau des Gemeindeamts hier in Wilhering problematisch?
Das alte Amtshaus in Wilhering-Ufer ist ein ganz normales Haus. Ein ordentliches, einfaches Gemeindeamt. Warum braucht es jetzt eine höchst komplizierte Verschränkung einander widersprechender Bauteile in unterschiedlichen Materialien? Zwei zusammengeschusterte Körper, die sich nicht richtig verschneiden! Es gelingt nicht mehr, ein einheitliches Haus zu gestalten.
Sie denken, dass das früher besser gelungen ist. Was war so anders als heute?
Rathäuser aus dem 19. Jahrhundert werden bis heute erhalten und genutzt. Warum? Sie bleiben im Maßstab. Sie waren in ihrer Struktur verwandt mit dem Ort. Früher ist ein Amtshaus integriert worden – wenn nicht in den Ort, dann in die Landschaft, zum Beispiel mit Bäumen. Hier ist nichts als Asphalt vorgesehen. Wir haben ein Gemeindeamt ohne Beziehung zum Ort. Und warum ein Flachbau? Riesige Fladen von Amtshäusern werden gebaut. Das braucht zu viel Grund und ergibt Proportionen, mit denen nicht ortsgerecht gearbeitet werden kann. Ein einfaches Haus wie ein Gemeindeamt käme mit einem viel flächensparsameren Körper aus.
Das Land Oberösterreich zeigt sich aber stolz auf „seine“ Baukultur. Was läuft da schief?
Was Politiker in Sonntagsreden vertreten und was sie fördern, stimmt nicht überein. Es gibt wohl – oft nur halbherzig durchgeführt – einen Wettbewerb, gewissermaßen als Leitbild. Aber dann wird von Bauträgern übernommen. Die wollen nicht Architektur entwickeln, sondern Bauten realisieren, oft ohne Mitwirkung des Architekten, ohne Verständnis. Das ist ein Bruch. Schlimm ist, dass die öffentliche Hand dieses Prozedere vormacht. Sie müsste Vorbild sein.
Und wie könnte das gelingen? Was wäre vorbildhaft aus Ihrer Sicht?
Man darf die Gemeinden nicht alleinlassen. Das Geld wird zwar zur Verfügung gestellt, aber Qualität braucht auch Betreuung. Es braucht Leute in Land und Gemeinden, die sich kümmern, die eine Haltung haben und das einfordern. Das müssen gar nicht immer Fachleute sein. Viele in der Verwaltung wissen zwar, dass die öffentliche Bauentwicklung im Land nicht gut ist. Aber sie halten sich zurück. Widerspruch ist offenbar nicht gewünscht. Es wird viel zu stur nach übergeordneten Leitbildern gearbeitet. Nur weil an einem Ort etwas tauglich ist, muss das nicht überall richtig sein. Da wird zu schemenhaft gedacht und am Ende hat das Gebäude mit der Örtlichkeit und dem tatsächlichen Bedarf einer Gemeinde nichts zu tun.
Sie reden von Unangemessenheit. Was zeichnet denn das Angemessene aus?
Was im Bauen angemessen ist, wird nur über Zahlen beurteilt und nicht über das „Feeling“. Aber Lebensglück gibt es nur übers „Feeling“, über Atmosphären. Das ist entscheidend beim Bauen. Darum denke ich, sollte man etwas vorsichtiger und bedächtiger vorgehen. Und man sollte sich auch erlauben, kritischer darüber nachzudenken.
Immer höher, immer öfter, immer mehr geht mit Holz. Aber geht auch geförderter Wohnbau? Ja. Wenn alle wollen. Zu sehen am Neubau im Dragonerquartier Wels.
Im modernen Holzbau überschlagen sich die Superlative. Der beliebte Wettbewerb ums höchste Haus erfährt soeben eine Neuauflage in Holz. Das macht Furore, bringt Investoren Geld und lässt sich gut vermarkten.
Aber einmal beiseite mit der Euphorie: Wie alltagstauglich ist der Holzbau wirklich? Was kostet der Spaß? Und warum Holz, wenn sich Ziegel und Beton bewähren? Das sind Fragen, die Bauträger und Politik umtreiben, wenn der umjubelte Baustoff im geförderten Wohnbau zur Sprache kommt.
Den ersteren geht es – hoffentlich nicht nur – ums Geschäft, den letzteren – hoffentlich nur – um die bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung. Den Architekten liegt im besten Fall die gestalterische Qualität der Häuser am Herzen, die Würde und Schönheit des Lebensraums.
Daraus folgen recht unterschiedliche Ideen von einem „guten“ Pilotprojekt in Holz. Dass trotzdem eine Art Konsens möglich ist, lassen Land und Stadt Wels als fördernde wie genehmigende Instanzen, die WAG als Bauherrschaft und die Welser Architekten Luger & Maul im Dragoner-Quartier erkennen.
„Hartnäckig dranbleiben, Bereitschaft zum Gespräch und gegenseitiges Vertrauen“, erklärt Max Luger positiv bilanzierend die günstige Konstellation der Beteiligten. Das gute Klima hat eine Vorgeschichte. Seit die WAG vor knapp 20 Jahren das Areal vom Bund übernommen hat, begleiten Luger & Maul die Entwicklung. Die Kaserne, 1858 für die k. u. k. Dragoner errichtet, mit drei Höfen und insgesamt 300 Metern Länge ein imposantes Baudenkmal, galt es zu beleben, was ab 2006 nach den Plänen der Architekten nach und nach geschah.
Erst entstanden 30 Wohnungen im Westhof, dann wurde betreutes Wohnen eingerichtet, später kamen Gewerbenutzungen hinzu. All das mit Sinn für die Substanz und Blick auf das Gesamte.
Ein spannender Prozess
Mit den zwei Neubauten, dreigeschoßige Holzriegel, die sich im Westen auf beachtliche sechs Etagen stapeln, wurde das Areal nun stadtauswärts gefasst. In ihre Mitte nehmen sie das ehemalige Pferdehospiz, einen kleineren, ebenfalls denkmalgeschützten Ergänzungsbau mit künftig weiteren sieben Wohnungen. Der bislang größte Holz-Wohnbau im Land war ein Pilotprojekt. Planer und ausführender Holzbaubetrieb hatten den Nachweis zu erbringen, dass ein mehrgeschoßiger Holzwohnbau mit hinterlüfteter Fassade mit den eng definierten Förderkriterien des Landes vereinbar sei.
Es brauchte ein Bauwerk, das dem favorisierten Standard-Massivbau mit Kunststofffenstern und Vollwärmeschutz kostenmäßig das Wasser reichen kann. Das wurde geschafft, als Bonus die bekannten Holz-Vorteile dazu: kürzere Bauzeit, bessere Ökobilanz, wohliges Wohngefühl.
Vom Beispiel lernen
Die Kuben in silbergrauer Tannenschalung strahlen solide Harmlosigkeit aus. Es gibt keinen architektonischen Übermut, keinen Firlefanz. Aber es gibt gestalterischen Willen und Ideale außer dem Profit. Das zeigt sich an wohnlichen Grundrissen, überlegten Außenraum-Beziehungen und im Bemühen um stimmige Details.
Pilotprojekte sind zum Lernen da. Was kann also gelernt werden? Wenn künftig mehr geförderter Wohnbau entstehen soll, der nicht nur benutzt, sondern auch langfristig gemocht wird, dann braucht es Verhandlungsbereitschaft wie bei diesem Projekt.
Denn seien es die Ansprüche von Architekten, Auftraggebern oder Behörden – alle haben einen gewissen Ermessensspielraum, können mit pragmatischer Umsicht und wohlwollender Logik Kompromisse finden.
Wer lernen will, muss fragen: Warum sind Allgemeinflächen so knapp bemessen? Muss jedes Detail reglementiert sein? Ist alles überflüssig, was über das Nötigste hinausgeht? Und für wen wird das Geld eigentlich eingespart? Und außerdem: Wie wäre es, im Land einen Standardkatalog der Schönheit als Förderbedingung zu erarbeiten?
Architekturkritiker Hagleitner fordert höhere Steuern auf Widmungsgewinne und strengere Förderregeln.
OÖNachrichten: Zehntausende Hektar Gewerbe- und Industrieflächen in Oberösterreich liegen brach. Dennoch gibt es immer neue Widmungen. Woran liegt das?
Hagleitner: Erstens weil es wirtschaftlich interessant und Grund zu billig ist. Gewidmetes Bauland wird gehortet. Das führt zu Verknappung. Zweitens gibt es festgefahrene Planungsmodelle: Ein Neubau ist einfacher zu konzipieren als die Umnutzung eines brachliegenden Areals. Drittens gehen Verkehr und Widmungen oft Hand in Hand. Grundstücke sind vergoldet, ehe die Umfahrungsstraße errichtet wird.
Ist das gut für den Wirtschaftsstandort oder schlecht wegen Zersiedelung und teurer Infrastruktur?
Aus Sicht des einzelnen Investors oder Eigentümers ist es kurzfristig gut. Aber gesamtwirtschaftlich und langfristig entsteht großer Schaden. Zum Standort gehören auch Aspekte wie Lebensraumqualität.
Wie kann man das ändern?
Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Seit den 1950er-Jahren gab es Entballung, jetzt ist Zeit für Verdichtung. Das bedeutet nicht Käfighaltung oder Übereinanderstapeln etwa von Wohnungen, sondern intelligentes Nutzen vorhandener räumlicher Strukturen.
Generell werden in Österreich täglich 22 Hektar Boden verbaut und versiegelt. Freut das die Architekten wegen der Bautätigkeit?
Nein, die Zahlen müssen jeden alarmieren. Architekten, Bauunternehmer, Politiker, Investoren sind Menschen, die auf ihre Ressourcen achtgeben sollten. Leider herrscht der Massenbau vor. Nicht nur Fläche liegt brach, sondern auch geistiges Kapital der Architekten.
Wie soll man den Verbrauch landwirtschaftlicher Böden senken?
Es muss rentabel sein, Böden zu bewirtschaften. Regionale Nahrungsmittel müssen einen Wert haben. Außerdem braucht es höhere Steuern auf Widmungsgewinne. Und Einfamilienhäuser sollten weniger stark gefördert werden: Die Folgen eines Neubaus bei Energie, Raumordnung und Infrastruktur müssen berücksichtigt werden.
Derzeit wird auf Landesebene eine Raumordnungsnovelle verhandelt. Was erwarten Sie sich davon?
Dass Mängel behoben werden und der Flächenverbrauch sinkt. Ein Gesetz ist aber nicht alles. In Österreich gäbe es eines der strengsten Gesetze für den Einzelhandel, doch es scheitert an der Umsetzung. Bestehende Siedlungskerne sollten weiter entwickelt werden.