SchloR – Schöner Leben
Erweiterung, Neubau, Sanierung, Umbau, Zubau, Wien (A) - 2025
GABU Heindl Architektur
Spectrum
2019 Promotion: Dissertation „Das andere PPP – Politik. Planung. Popular Agency. Radikaldemokratische Ansätze zu Architektur und Stadtplanung“, Akademie der Bildenden Künste
2001 Postgraduate Diplom: Architecture & Urban Design, Princeton University: M.Arch. II
1996 Austauschstudienjahr Architecture & Urban Design, Geijutsu Daigaku, Toyko
1998 Diplom der Architektur, Akademie der Bildenden Künste Wien: Mag. Arch.
Seit 2007 Geschäftsführerin von GABU Heindl Architektur | Städtebau
2003-2007 ARGE mit Sophie Valla, Amsterdam und selbständige Tätigkeit
2002-2003 Projektarchitektin bei de Architekten Cie., Amsterdam
2001 Projektarchitektin bei Diller + Scofidio, New York
1999 Mitarbeit bei Architektin Franziska Ullmann, Wien
2022 – aktuell Professorin und Leiterin des Fachgebiets für Bauwirtschaft und Projektentwicklung „Architektur Stadt Ökonomie“ an der Universität Kassel
2021-2022 Professorin für Städtebau an der TH Nürnberg
2019-2023 Diploma Unit Master, Architectural Association School of Architecture (AA), UK
2018-2021 Visiting Professor, The University of Sheffield, UK
2015-2020 Externe Lehrbeauftragte, Institut für Raumplanung, TU Wien
2015-2020 Externe Lehrbeauftragte, Akademie der bildenden Künste Wien
2014-2015 Gastlehrauftrag, Kunstakademie Düsseldorf
2009-2015 Externe Lehrbeauftragte, Akademie der bildenden Künste Wien
2007-2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin Plattform Geographie | Städte | Landschaften sowie
Ökologie | Nachhaltigkeit | Kulturelles Erbe, Akademie der bildenden Künste Wien
2004-2007 Universitätsassistentin, Institut für Gebäudelehre, Technische Universität Graz
2001-2003 Guest Instructor in Architectural Design: MSC1 studio, International Master program, Public Buildings, Master 1 design course, Delft University of Technology, The Netherlands
2002 Masterclass „Fortress Europe, Hotel Europa“, Berlage Institute, Rotterdam, The Netherlands
2001 Assistant in Instruction, Introduction to Architectural Thinking, Princeton University, USA
2000 Assistant in Instruction, First Year Design Studio, Princeton University, USA
*
Seit 2000 Gastkritikerin und Jury-Mitglied an diversen Architekturfakultäten und Universitäten:
AA London, Städelschule Frankfurt, Leibniz Universität Hannover, Chinese University of Hong Kong, Geidai University Japan, Berlage Institut Rotterdam, Technische Universität Berlin, Aalto University Helsinki, KTH Stockholm, Ryerson University Toronto, McGill University Montreal, u.a.
BEIRATS- | JURY-TÄTIGKEIT
2017-2020 Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Wels
2012-2015 Mitglied im Architekturbeirat der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)
2011-2013 Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Linz
2017 Jury Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit
2012 Jury Staatspreis Architektur Verwaltung und Handel 2012
Seit 2012 Jury-Mitglied in diversen Architektur-Wettbewerben:
Schulbau-Wettbewerbe im Rahmen der BIG Architekturbeiratstätigkeit
Wohn- und Heimbau-Wettbewerbe im Rahmen der Tätigkeit als Gestaltungsbeirätin, entsandt durch die Kammer der ZiviltechnikerInnen | Architekt:innen und Ingenieur:innen sowie für CCEE MOBA und für IPR Praha.
EHRENAMTLICHE VORSTANDSTÄTIGKEIT
2017-2023 Vorstandsmitglied der Wienwoche – Verein zur Förderung der Stadtbenutzung
2013-2017 Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) sowie Redaktionsmitglied von Umbau
2005-2006 Vorstandsmitglied Haus der Architektur Graz
Mitglied der Sezession Wien
Mitglied der ZV – Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs
2025
– Changing Spatial Practice: Alliances, Activism and Networks. Kadambari Baxi, Isabel Glogar, Gabu Heindl, Bernadette Krejs, Tatjana Schneider, Gesellschaft für Medienwissenschaft (Eds.) in: Dimensions. Journal of Architectural Knowledge, Vol. 5, No. 9/2025, transcript 2025 (405 Seiten)
2024
– Nonsolution. Zur Politik der aktiven Nichtlösung im Planen und Bauen, Gabu Heindl, Drehli Robnik, Hamburg: adocs, 2024 (110 Seiten)
2023
– APCC Special Report für Klimaministerium. Kapitel 4. Wohnen (peer-reviewed).
Gabu Heindl, Andrea Jany, Meike Bukowski, Katharina Kreissl, in: APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches Leben, Görg, C., V. Madner, A. Muhar, A. Novy, A. Posch, K. Steininger und E. Aigner (Hg.). Springer Spektrum: Berlin/Heidelberg 2023
2022
– Stadtkonflikte. Radikale Demokratie in Architektur und Stadtplanung, Gabu Heindl, Wien: Mandelbaum, 3. überarbeitete Auflage, 2022 (270 Seiten)
– Working Women Wohnen. Wohn-, Arbeits- und Alltagsraum-Konzept für Frauen*: solidarisch, leistbar, leiwand. Forschungsbericht, durchgeführt durch GABU Heindl Architektur, im Auftrag der Magistratsabteilung 50, Referat Wohnbauforschung und internationale Beziehungen, Wien, 2020
2021
– Gerechte Stadt muss sein! Studie zur Bestandsanalyse und Zukunftsorientierung einer gerechte(re)n Stadtplanung. GABU Heindl Architektur, Arbeiterkammer Wien, 2021 (164 Seiten)
2020
– Stadtkonflikte. Radikale Demokratie in Architektur und Stadtplanung, Gabu Heindl, Wien: Mandelbaum, 2020 (270 Seiten)
– Working Women Wohnen. Wohn-, Arbeits- und Alltagsraum-Konzept für Frauen*: solidarisch, leistbar, leiwand. GABU Heindl Architektur, Studie im Auftrag der Magistratsabteilung 50, Referat Wohnbauforschung und internationale Beziehungen, Wien, 2020
2019
– Building Critique. Architecture and its Discontent, Eds. Gabu Heindl, Michael Klein, Christina Linortner, Leipzig: Spector Books, 2019 (180 Seiten)
– Bodenpolitik. Für leistbares städtisches Wohnen. Sammlung bodenpolitischer Argumente und Instrumente mit Schwerpunkt Wien. Gabu Heindl, Elisabeth Kittl, Expertinnenpapier im Auftrag der GBW Wien, 2019 (23 Seiten)
2017
– Dritter Baukulturreport. Szenarien und Strategien 2050. Co-Autorin mit Plattform Baukulturpolitik, im Auftrag des Bundeskanzleramts Österreich, 2017 (256 Seiten)
2015
– Umbau 28 Das Geschäft mit der Stadt, Hg. ÖGFA | Österreichische Gesellschaft für Architektur, Basel: Birkhäuser, 2015 (128 Seiten)
– Spielräume | free play, Hg. Gabu Heindl, Graz: HDA Verlag 2015 (80 Seiten)
2012
– Just Architecture! ERA21. 2012#1, Gast-Herausgeberin, Prag 2012 (88 Seiten)
2009
– Position Alltag. Architecture in the Context of Everyday Life, Hg. Gabu Heindl, Markus Bogensberger. Graz: HDA Verlag, 2009 (172 Seiten)
2008
– Arbeit Zeit Raum. Bilder und Bauten der Arbeit im Postfordismus, Hg. Gabu Heindl, Wien: turia+kant, 2008 (230 Seiten)
– Five Platforms, Five Ecologies, Review VI, Eds. Institute for Art and Architecture, Salzburg: Verlag Anton Pustet, 2008 (176 Seiten)
Ausstellungsarchitektur
„Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute“. Wanderausstellung zu den im Nationalsozialismus als »Asoziale« und »Berufsverbrecher« Verfolgten (kuratiert von Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und KZ-Gedenkstätte Flossenbürg), Eröffnung Berlin, 2024, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, 2025, Neuen Rathaus in Leipzig, 2026. Weitere Stationen folgen.
Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum. Ausstellungsarchitektur (kuratiert von: Stefan Benedik, Laura Langeder, Monika Sommer), Haus der Geschichte Österreich, 2021
Jugend ohne Heimat. Kindertransporte aus Wien. Ausstellungsarchitektur (kuratiert von Sabine Apostolo und Caitlin Gura-Redl), Jüdisches Museum Wien, 2021
Urban Conflicts – A Housing Manifesto. C.A.R.E. A Housing Manifesto for Intersectional Solidarity. Gabu Heindl Solo Exhibition, Brno Gallery of Architecture (CZE), 2021
Wir stellen die Statistik auf den Kopf. So barriere-arm wie möglich. Ausstellungsarchitektur (kuratiert von Stephanie Kiessling (MA 57), Frauenservice Wien (MA 57), 2020
Nicht mehr verschüttet. Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse Forensische Anordnung. Ausstellungsarchitektur (kuratiert von Birgit Johler) Haus der Geschichte Österreich, Wien, 2019
»Wir wissen es, daß diese Beamtenschaft ihre Pflicht auch im neuen Wien tun wird«, Die Wiener Stadtverwaltung 1938, Ausstellungsarchitektur (kuratiert von Christian Mertens, Gerhard Murauer, Grafik von Larissa Cerny), Wienbibliothek im Rathaus, Wien 2018
Verfolgt. Verlobt. Verheiratet. Scheinehen ins Exil, Ausstellungsarchitektur (kuratiert von Sabine Bergler und Irene Messinger, Grafik von Toledo i Dertschei), Jüdisches Museum Wien, 2018
heimat:machen, Ausstellungsarchitektur, (kuratiert von Birgit Johler, Magdalena Puchberger, Grafik von Renate Höllwart), Volkskundemuseum Wien, 2017
Die 70er. Damals war Zukunft, NÖ Landesausstellung Schallaburg, Ausstellungsarchitektur (kuratiert von trafo.K u.a., Grafik von Toledo i Dertschei), Schallaburg 2016
Wien. Die Perle des Reiches, Über Raum- und Stadtplanung im nationalsozialistischen Wien
Ausstellungsgestaltung (kuratiert von Ingrid Holzschuh, Monika Platzer, Grafik von Toledo i Dertschei) Architektur Zentrum Wien, 2015
Spielräume | Free Play, Kuratierung und Gestaltung, Haus der Architektur, steirischer herbst 2015
Just City: Installation Einzel-Ausstellung, im Rahmen der Ausstellungsreihe Compact City, 4AM Forum for architecture and media, Brno, 2011
Wild Translation: Partizipatives Ausstellungsprojekt von Gabu Heindl & trafo.K im Kontext der Ausstellung „Utopia and the Everyday“, Centre d'Art Contemporain Genf, 2009
Mock-Ups in Close-Up. Architectural Models in Cinema 1927 – 2007
Ausstellung des Filmprojekts von Gabu Heindl, Drehli Robnik, Storefront for Art and Architecture,
New York (USA), 2008
Architektur 24/7 - an everyday relationship, Gruppenausstellung, Ausstellungskurator:innen: Markus Bogensberger, Gabu Heindl, steirischer herbst / Haus der Architektur Graz (AUT), 2007
Inbetween: Diverse Activities: Ausstellungsprojekt von Gabu Heindl and Claudia Slanar, Salzburger Kunstverein (AUT), 2007
Work: Images and Buildings of Work in the Post-Fordist City, Gruppenausstellung, Kuratierung: Markus Bogensberger und Gabu Heindl steirischer herbst / House of Architecture - Graz, 2006
– Sonderpreis Holzbaupreis Wien wienwood, 2025
– Finalist European Collective Housing Award für SchloR, 2024
– 1. Preis, Ausstellungsarchitektur, »Die Verleugneten« Wanderausstellung zu den im Nationalsozialismus als »Asoziale« und »Berufsverbrecher« Verfolgten, Berlin, 2023
– 3. Rang, Bauträgerwettbewerb Attemsgasse. DIE STADT, für „Fünf Freund:innen“, 2020
– 2. Preis, geladener Wettbewerb, Kindergarten Münichsthal, 2019
– Auszeichnung Schönste Bücher Österreichs 2020 für Building Critique. Architecture and Its Discontents, Gabu Heindl, Michael Klein, Christina Linortner (Hg.), Leipzig: Spector Books, 2019
– 1. Preis, geladener Wettbewerb Kindergarten Furth bei Göttweig, 2019
– 2. Preis, geladener Wettbewerb zur Neugestaltung der "Fußgängerzone Herzog Leopold
Straße und Beethovengasse" Wiener Neustadt, 2016
– 1. Preis, Open International competition, „From Those You Saved“, Commemoration expressive of gratitude to all the Poles who rescued Jews in German-occupied Poland, (mit Eduard Freudmann), Warschau, 2015
– IOC/IAKS Award in Bronze für "Positioning a school as a central sports- and community center for the entire neighborhood – BG Zehnergasse, Internationale Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen, 2015
– Bauherrenpreis/Anerkennung der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs für „Fünf Höfe für die Zehnergasse“, 2014
– Vorbildliches Bauen, NÖ Landesregierung, 2014
– Niederösterreichischer Baupreis, Anerkennung 2014
– 1. Preis, geladener Wettbewerb für Gestaltungs- und Entwicklungsleitlinien für den Wiener Donaukanal (mit Susan Kraupp), MA19, Stadt Wien, 2011
– 1. Preis, geladener Wettbewerb, Montessori Schulcampus Donaustadt, Wien, 2011
– Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich für Architektur 2011
– 1. Preis, geladener Wettbewerb, Schul-Erweiterung und Umbau BRG Zehnergasse, Wiener Neustadt, 2010
– 40 under 40 – Europe’s emerging young architects and designers 2010
– 1. Preis, geladener Wettbewerb für Kunst am Bau in der Justizanstalt Krems, 2010
– Yo.V.A.3 - Young Viennese Architects Nr. 3, 2009
– Margarete Schütte-Lihotzky Projektstipendium, 2009
– 1. Preis, geladener Wettbewerb, Kindergarten Rohrendorf bei Krems, 2008
– Auszeichnung für „Arbeit Zeit Raum” als eines der schönsten Bücher Österreichs 2008
– JAE Best Design Article Award 2005/2006, ACSA | Association of Collegiate Schools of Architecture, Philadelphia, USA, 2006
– 2. Preis, Boarding House, geladener Wettbewerb (mit Rataplan und Sophie Valla), 2003
– The Rolex Mentor and Protégé Arts Initiative Award, Mentor: Alvaro Siza, 2002
– Butler Travelling Prize für „Sublime Excretions“, 2000, Princeton University, USA
– Lobende Erwähnung und Publikation von “ATON´S EYE New archeological museum Kairo (mit P. Achhorner und F. Winkler), 2002
– Fulbright Stipendium für Post Graduate Studies an der Princeton University, USA, 1999/2000
– Schütte-Lihotzky-Preis für „Waste City“, Wien, 1998
– Bunkacho Fellowship, Ministry of Education and Science, Japan, 1997
wienwood 25, Sonderpreis, SchloR – Schöner Leben
ZV-Bauherrenpreis 2014, Nominierung, Erweiterung BRG Zehnergasse
Erweiterung, Neubau, Sanierung, Umbau, Zubau, Wien (A) - 2025
GABU Heindl Architektur
Spectrum
Niederösterreich (A) - 2021
GABU Heindl Architektur
ORTE architekturnetzwerk niederösterreich
Umbau, Neugestaltung, Wien (A) - 2014
GABU Heindl Architektur
Architekturzentrum Wien
Erweiterung, Wiener Neustadt (A) - 2013
GABU Heindl Architektur
ORTE architekturnetzwerk niederösterreich
Krems an der Donau (A) - 2011
ORTE architekturnetzwerk niederösterreich
Venedig (I) - 2009
GABU Heindl Architektur
newroom
Linz (A) - 2009
GABU Heindl Architektur, Hito Steyerl, Sebastian Markt
afo architekturforum oberösterreich
Rohrendorf bei Krems (A) - 2008
GABU Heindl Architektur
newroom
Umbau, Wien (A) - 2008
GABU Heindl Architektur
Architekturzentrum Wien
Wien (A) - 2007
GABU Heindl Architektur, Manfred Hasler
Architekturzentrum Wien
Raum- und Materialpädagogik
Lehren und lernen Der Kindergarten ist der erste öffentliche, nicht familiäre Wohnraum des Kindes; er ist ein erster Lernraum in einem erweiterten sozialen Umfeld. Kindergärten sind im Zeichen der innigen Beziehung zwischen pädagogischen Konzepten und deren Manifestationen in gebauter Form zu verstehen und zu beurteilen. Dafür hat sich heutzutage das Sinnbild vom „Raum als Erzieher“ und vom „aktiven Raum“ etabliert.
Allerdings ist gebauter Raum manchmal langlebiger als eine Lehrmeinung; der pädagogische Raum muss also nicht nur „lehren“, sondern auch selbst „lernen“ können. Kindergartenbauten stehen somit in einem Spannungsfeld zwischen einer Räumlichkeit, die auf eine spezifische gegebene Pädagogik zugeschnitten ist, und den Veränderungen, denen gegenüber er offen sein sollte. Dass der gebaute Kindergarten nicht einfach nur den geforderten gesetzlichen Normen exakt angemessen sein soll, heißt auch, dass ArchitektInnen als AnwältInnen der Kinder auftreten müssen. Sie müssen darauf beharren, dass die Einhaltung von Mindestraummaßen nicht gut genug ist, dass Kindergartenbau keine Frage von quantifizierten Zuteilungen ist, dass es stattdessen um die Qualitäten von Räumen geht, in denen Kinder sich bewegen, essen, lernen, spielen und ruhen können. In den folgenden und davon ausgehenden Beschreibungen steht Holz nicht nur für nachhaltiges Bauen, gutes Raumklima und einen angenehmen Geruch, für ein erlebnisreiches und gleichzeitig robustes Baumaterial, das gerne zur Gestaltung von Maßstäblichkeit und Atmosphäre im Innen- und Außenraum eingesetzt wird, sondern auch für ein Material, das in der Beziehung zwischen pädagogischem Konzept und räumlicher Ausformulierung eine Rolle spielt.
Trennen und behüten Ein historisch prägnantes Beispiel für die Verräumlichung eines Kindergartenkonzepts, das von einer strengen Einteilung in Gruppen ausgeht, ist der Entwurf eines Pavillonsystems von Margarete Schütte-Lihotzky aus dem Jahr 1929, das sie mit dem Kindergarten Rinnböckstraße 1961 bis 1963 in Wien realisierte. Im Sinn der funktionalistisch, medizinisch und pädagogisch motivierten Moderne geht es in diesem Kindergartentyp darum, einzelne Gruppen in klar strukturierten, voneinander scharf getrennten Pavillons mit zugehörigen Freilufthöfen unterzubringen. Das hatte den Sinn, um sich greifende Kinderkrankheiten oder von Kind zu Kind springende Läuse gruppenweise isolieren zu können. Nicht einmal Baumläuse hätten bei diesem Konzept eine Chance auf Verbreitung gehabt, da jeder Gruppe ihr Hof und jedem Hof sein Baum zugewiesen wurde. Übersichtlichkeit sowie die Schutz- und Fürsorgefunktion dieses Grundrisses gehen hier mit einer Reglementierung der kindlichen Umgebung einher.
Dieses traditionelle Gruppenraumkonzept wird öffentlichen Kindergärten durch die österreichische Bauordnung bis heute weiter vorgeschrieben, auch wenn PädagogInnen die Ergebnisse dieser Normierung improvisierend aufzuweichen versuchen, indem sie etwa über starre Mauern hinweg Gruppen mischen. Den seit den 1970er Jahren mit Begriffen wie „vermauerte Kindheit“ kritisierten Erziehungsbauten stehen natürlich schon lange reformpädagogische Konzepte gegenüber, die für die Selbstständigkeit der Kinder, für das Selbsterlernen und die Kultivierung von sozialem und emotionalem Wissen eintreten. Diesen Überlegungen entsprechen alternative Raumkonzepte, die auch für öffentliche Kindergärten von Belang sind.
Erleben und reduzieren Wenn es in Rudolf Steiners Waldorf-Pädagogik darum geht, die fixe Rhythmik des chronometrischen Tages- und Wochenablaufs durch starke Bezüge zu Jahreszeiten und Wetter zu ergänzen, wird deutlich, wie wichtig großzügige Innen- und Außenbeziehungen sind. Als sinnliches und gleichzeitig mathematisch abstrahierbares (Spiel-)Material ist Holz nicht nur in Montessori-Kindergärten wichtig. In der Pädagogik nach Maria Montessori nimmt sich der/die menschliche ErzieherIn so weit wie möglich zurück, im Waldkindergarten tut dies sogar der gebaute Raum in seiner Erziehungsfunktion: Hier hält die Architektur sich so weit zurück, dass es gar kein Gebäude mehr gibt, dass die Kinder nicht nur mit Holz spielen, sondern im Holz – und zwar im Holz in seiner nach wie vor unüberbietbar nachhaltigsten, nämlich unbearbeiteten Form. Der Wald selbst fungiert als aktiver Raum des Kindergartens; das Holz der Bäume bietet Dach, Windschutz und erlebnisintensiven Lernraum. In diesem in Skandinavien entwickelten Erziehungsraumtypus ist die Betonung des „Gärtnerischen“ am Kindergarten am stärksten.
Öffnen und fordern Insofern, als das spielende Lernen im Kindergarten immer schon Einübung in einen kommenden Arbeitsalltag ist, geht es heute darum, sich auf Arbeitsformen auszurichten, die vor allem von Kreativitätsforderungen bestimmt sind. Hier wäre auch von der Reggio-Pädagogik zu sprechen – mit ihrem Fokus auf die Entwicklung von Kreativität und ihrem Konzept der „sprechenden Wände“ – und nicht zuletzt vom Raumkonzept des „offenen Kindergartens“, in dessen Richtung innovative öffentliche Kindergartenkonzepte heute weisen: Diese aktuelle Programmatik fordert – entgegen den Schemata der Bauordnung – die Auflösung fixer Gruppenräume und die Gestaltung von Funktionsbereichen wie Ruhe, Kommunikation oder Bewegung, die die Kinder frei wählen können und in denen sie sich tendenziell in unterschiedlich großen Gruppen selbst organisieren.
Der Abbruch von pädagogisch-räumlichen Wänden für einen offenen Kindergartenbetrieb verläuft parallel zu schulischen Lehrkonzepten, die ebenfalls dynamische Gruppenarbeit gegenüber Frontalunterricht im fixen Klassenzimmer bevorzugen. Ein gutes Beispiel für eine Verräumlichung dieses Erziehungskonzepts – bei dem einmal mehr Holz eine wichtige gestalterische Rolle spielt – ist der 2007 erbaute städtische „Fuji Kindergarten“ von Tezuka Architects in Japan. Im Gegensatz zu Schütte-Lihotzkys Raumstrukturierung zeigt dessen Grundriss „offene Gruppen“ unter einem gemeinsamen Dach rund um einen zentralen Garten. Während der geschlossene Innenhof noch überschaubar ist, hat das Dach Erlebnisqualitäten, die mit denen des Waldkindergartens vergleichbar sind: Das für die Kinder begehbare Dach ist von Bäumen durchstoßen. Die Dach-Löcher rund um die Stämme sind nur mit Netzen gesichert, in die die Kinder – ob risikofreudig oder einfach nur verspielt – hineinspringen können, was sie auch gerne tun. Das „Herausfordern“ der Kinder steht hier der Sorge um ihre Sicherheit produktiv gegenüber.
Freiraum im Gefängnishof, Freiheit für den Donaukanal: Gabu Heindl forscht theoretisch und plant praktisch, wie man Räume benützt
Dass eine Basis in den Theorien von Architektur und Urbanismus nicht bedeutet, dass man sich nur mit Gleichwissenden im Elfenbeinturm aufhält, zeigt das Werk der Wiener Architektin Gabu Heindl. Einerseits in der Uni-Welt (Akademie der bildenden Künste Wien, Rotterdam, Princeton) zu Hause, hat sie ebenso ein umfangreiches OEuvre an konkret fassbarer Architektur realisiert.
Für Heindl kein Widerspruch: „Forschen und Vermitteln ist für mich Teil der Architektur. Ob Theorie oder Praxis: Man braucht für beides Konzept, Haltung und Humor.“ Paradebeispiel: Die 2010 fertiggestellte Möblierung des Männerhofs der Justizanstalt Krems. In den engen, dunklen Raum, der kleiner als ein Kinderfußballfeld ist, faltete sie ein ebensolches aus Kunstrasen hinein, das am Rand aufrollend zur Parkbank wird und dort, wo es sich nicht mehr ausgeht, einfach die Wand hinaufläuft: Gesellschaftskritik mit Sitzkomfort. Neben einer Faszination für das Thema Film (sie realisierte den Umbau des Filmmuseums und einen Filmpavillon auf der Biennale Venedig) ist ihr Kernthema die Reflexion darüber, für welche Menschen man baut, wie sie sich durch Räume bewegen und warum.
Die nächsten Schritte zur Destillierung der Theorie in die Praxis stehen fest: Für den Neubau des Evangelischen Gymnasiums Donaustadt werden neue pädagogische Konzepte mit den Lehrerinnen entwickelt, und den Wettbewerb, Gestaltungsregeln für den Wildwuchs am Donaukanal zu finden, gewann sie soeben zusammen mit Susan Kraupp. Ihre Idee: Bereiche des gastronomisch überlasteten Ufers für Nichtbebauung offenzuhalten. Bewegungsfreiheit für alle.
2009
„position alltag“ zeigt, wie sich Architektur in unterschiedlichen Alltagskontexten positioniert bzw. in alltäglichen Gebrauchskontexten wahrgenommen und tatsächlich „verwendet“ wird.
Neben einer Annäherung international renommierter AutorInnen an fünf unterschiedliche „positionen“ des Alltäglichen
Hrsg: Gabu Heindl, Markus Bogensberger
Verlag: HDA
2008
An welchen Orten arbeiten wir? Und wie sehen Räume prekärer Arbeit aus?
Das Bürohaus, die Fabrik mit Stechuhr und Fließband sind Raumbilder aus Zeiten fordistischer Effizienz und Disziplin. Wie aber sehen die postfordistischen Arbeitsräume der „flachen“ Hierarchien, der flexiblen Kooperationen und
Hrsg: Gabu Heindl
Verlag: Verlag Turia + Kant