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Artikel

8. Juni 2026 Neue Zürcher Zeitung

Britische Zurückhaltung in Backsteinrot: Das mexikanische Architektenteam Lanza Atelier entwarf den diesjährigen Pavillon der Serpentine Gallery

Die fünfundzwanzigste Ausgabe des Sommerhauses in den Kensington Gardens ist bereit, die ersten Gäste zu empfangen. Zum Jubiläumsjahr aber wird nicht etwa aufgetrumpft. Vielmehr ist die architektonische Struktur im königlichen Park dieses Mal so diskret wie nie zuvor.

Der Entwurf des mexikanischen Studios Lanza Atelier wirkt offen und fliessend – und ist dennoch durch einfache Formen klar definiert. In Backsteinrot duckt sich der langgezogene Bau mit flachem Dach in den Windschatten der Kunstgalerie. Auffallend sind nur seine Wände, die in Schlangenlinien mäandern....

5. Juli 2025 Neue Zürcher Zeitung

Mehr Erinnerung an eine unvergessene und omnipräsente Queen geht nicht

Norman Fosters Pläne für ein ausuferndes Denkmal zu Ehren von Elizabeth II. sehen eine üppige Gartenanlage im St. James’s Park in London vor. Das Herzstück soll eine Brücke aus Glas sein, die Ihre Majestät als vereinende Kraft symbolisiert.

London erinnert sich noch einmal im grossen Stil an Elizabeth II. Der 2022 verstorbenen Queen will die Stadt ein Denkmal setzen, das weit über die üblichen Statuen und Steine hinausgeht. Eine ganze, üppige Gartenlage im St. James’s Park wird es sein, die aber nicht nur mit Bäumen, Rasen und einheimischen...

5. Juni 2025 Neue Zürcher Zeitung

Gigantische, pillenförmige Kapsel: Die ersten Fotos des Serpentine-Pavillons der Architektin Marina Tabassum wurden enthüllt

Die Architektin Marina Tabassum aus Bangladesh setzt einen beweglichen Bau mit einem Ginkgobaum in die Kensington Gardens von London.

Und wieder hat die Serpentine Gallery in London einen neuen Nachbarn. Wie jeden Sommer, wenn die Kunstgalerie eine neue Folge in der Serie ihrer Pavillons in Auftrag gibt und dies als einen der wichtigsten Architektur-Events der Saison feiern lässt. Die kleinen Phantasiebauten, die dann jeweils in nächster...

19. Oktober 2024 Neue Zürcher Zeitung

Eine Institution des globalen und interdisziplinären Denkens: Das Warburg Institute in London erhält eine subtile Transformation

Es ist eine der ungewöhnlichsten Forschungseinrichtungen der Welt. Mit der Erweiterung und Renovierung blickt die kulturwissenschaftliche, rund 360 000 Bände umfassende Bibliothek des Warburg Institute in eine gesicherte Zukunft.

Verkürzt könnte man sagen, das Warburg Institute beschäftige sich mit globaler Kulturgeschichte und der Rolle der Bilder in der Gesellschaft. Doch das umreisst noch lange nicht die Besonderheit und Bedeutung dieser Londoner Institution. Ihr Schöpfer, der Hamburger Bankierssohn Aby Warburg (1866–1929),...

9. Juni 2024 Neue Zürcher Zeitung

Die Serpentine Gallery in London erhält einen Sommer lang eine asiatische Erweiterung

Der südkoreanische Architekt Minsuk Cho wurde mit dem Bau des diesjährigen Serpentine Pavilion beauftragt. Sein Bauwerk mit leerem Innenhof ist einem traditionellen koreanischen Haus nachempfunden.

Schwungvoll schmiegt sich das diesjährige Sommerhaus der Serpentine Gallery an den herrschaftlichen Sitz der Kunstgalerie. Wie ein stilisierter Komet mitsamt Schweif breitet es sich vom Haupthaus auf dem davorliegenden Rasen zwischen den Bäumen aus. Die Ausläufer des luftigen Baukörpers mit einem leeren,...

21. Juli 2023 Neue Zürcher Zeitung

Das Architekturbüro Herzog & de Meuron befragt in einer grossen Ausstellung seine eigene Arbeit

Im Royal College of Art in London zeigen die Basler Architekten eine Werkschau, die bewusst Lückenhaftigkeit in Kauf nimmt. Im Mittelpunkt stehen die Dynamik der Entstehung und die Nutzung der Architektur.

London liebt die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. Als sie im Jahr 2000 ihren Umbau eines alten Kraftwerks eröffneten, konnte niemand die Erfolgsgeschichte der Tate Modern voraussehen. Bald sollte das erste Londoner Projekt des Basler Büros mit fünf Millionen Besuchern jährlich doppelt so viele...

12. Juni 2023 Neue Zürcher Zeitung

Der neue Serpentine-Pavilion ist da – und es ist ein Gartenpavillon geworden wie aus dem Kinderbuch

«À table» nennt Lina Ghotmeh ihr luftiges Gebäude in Londons Kensington Gardens. Es ist der erste Pavillon der Serpentine-Serie, zu dem eine von der Architektin mitbestimmte Speisekarte gehört.

Jedes Jahr gibt die Serpentine Gallery in Kensington Gardens einen neuen Sommerpavillon in Auftrag. Es sind Phantasiegebilde, die immer nur ein paar Monate lang Bestand haben, von Juni bis Oktober. An ihre Entstehung ist nur die Bedingung einer Premiere geknüpft: Die jeweiligen Architekturbüros dürfen...

18. August 2021 Neue Zürcher Zeitung

Gleich neben dem britischen Parlamentsgebäude ist ein Holocaust-Memorial geplant. Das Vorhaben steht in der Kritik

Neben dem Westminster-Palace sollen ein Denkmal und ein Informationszentrum an die Opfer der Shoah erinnern. Gegen das Projekt regt sich Widerstand.

Der ehemalige britische Premier David Cameron hielt es 2016 für eine brillante Idee: die Errichtung eines Holocaust-Denkmals mit angeschlossenem Lernzentrum mitten in London. Das Vorhaben wurde seither von seinen Amtsnachfolgern, einigen Vorgängern und auch von führenden Vertretern der Opposition unterstützt....

17. August 2021 Neue Zürcher Zeitung

Jung, inklusiv und nachbarschaftlich: So präsentiert sich die jüngste Filiale dieses grossen Museums

Der Osten Londons wird neu gebaut. Der neue Ableger des Victoria & Albert Museum ist Teil eines umfassenden Reurbanisierungsvorhabens.

Noch ist alles eine riesige Baustelle. Mitten in einem Aussenquartier von London soll ein kultureller Knotenpunkt entstehen, der die ganze Gegend fundamental verändern wird. Was London mit der Tate Modern und um den Bahnhof von King’s Cross schon einmal gelungen ist, will die Stadt jetzt erneut versuchen:...

29. Juli 2021 Neue Zürcher Zeitung

Liverpool wird von der Unesco-Welterbe-Liste gestrichen. Doch auch andere Orte in Grossbritannien sind gefährdet. Selbst Stonehenge zählt dazu

Das Vereinigte Königreich widmet sich eigentlich allzu gerne seiner Vergangenheit. Nun steht allerdings die Erhaltung seiner Kulturdenkmäler in der Kritik. Auf der Insel reagiert man darauf mit Trotz.

Schon wieder tanzt England aus der Reihe. Dieses Mal wird dem eigensinnigen Land Unachtsamkeit im Umgang mit Stätten vorgeworfen, die mit dem Prädikat «Welterbe» ausgezeichnet wurden. Die prähistorische Stätte Stonehenge läuft Gefahr, von der Unesco-Welterbe-Liste gestrichen zu werden. Der Stadt Liverpool ist es schon passiert. Dabei werden Eintragungen nur sehr selten von der Liste entfernt, die inzwischen 1120 Stätten in 167 Ländern umfasst.

Liverpool ist erst der dritte Ort, dem die Ehre aberkannt wurde. Das Dresdner Elbtal gehört seit 2009 wegen des Baus der neuen Waldschlösschenbrücke nicht mehr zu den Stätten des Welterbes. Ebenso ein Wildschutzgebiet in Oman, das den Status erhalten hatte, um sich um den Erhalt der seltenen Arabischen Oryxantilopen zu kümmern – was nicht geschah.

Das störende Stadion

Mit dem von der Unesco verliehenen Titel ist die Verpflichtung verbunden, das so ausgezeichnete Natur- oder Kulturgut zu schützen und zu erhalten. Das aber, so der Befund des zuständigen Komitees, sei im Fall von Liverpool nicht geschehen. Die nordenglische Stadt hatte im Rahmen ihres «Liverpool Waters» genannten Stadtentwicklungsplans unter anderem den Bau von Hochhäusern und einem Stadion für den Fussballklub Everton in Auftrag gegeben. Besonders die geplante Sportarena störte die Denkmalschützer der Uno; die Stadt verliere mit diesen Bauvorhaben ihren Charakter, der zur Einstufung als Welterbe geführt habe.

Dabei stand der Geburtsort der Beatles erst seit 2012 auf der Welterbe-Liste, aber offenbar von Anfang an unter gewissen Vorbehalten. Zwar gehörte Liverpool im 18. und im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Handelszentren der Welt, und es spielte eine zentrale Rolle bei der Ausweitung des britischen Empire – auch weil es zu den Zentren des Sklavenhandels gehörte. Doch erlebte die einst wichtigste Hafen- und Handelsmetropole Nordenglands im 20. Jahrhundert einen fortschreitenden, dramatischen Bedeutungsverlust. Sie zählt auch heute noch zu den zehn ärmsten Städten des Vereinigten Königreichs.

In Liverpool und Umgebung wurde in der Nachkriegszeit und später vieles abgerissen, Industrieanlagen und Wohnraum, ohne dass die Baulücken wieder gefüllt worden wären. Ganze Strassenzüge lagen brach. Städtebauliche Entscheidungen und Fehlplanungen der Stadt sorgten seit Jahrzehnten immer wieder für Streit. Die alten Quaianlagen und das berühmte Albert Dock wurden von den achtziger Jahren an saniert und ziehen als Einkaufs-, Museums- und Freizeitviertel viele Besucher an. Auch teure Wohnungen entstanden in und um das Hafenviertel, das im Mittelpunkt der Regenerationsbemühungen der Stadt steht. Andere Viertel darbten indessen weiterhin. Liverpool konnte die Auszeichnung «Welterbe», die vor allem dem eigenen Selbstbewusstsein und dem Tourismus dient, also gut gebrauchen. Mit bedeutenden finanziellen Zuwendungen ist das Prädikat nicht verbunden.

Die Reaktionen in Liverpool

Der Liebesentzug der Unesco traf erwartungsgemäss auf kontroverse Reaktionen. Einige Denkmalschützer waren auf der Seite der Uno-Organisation, aber führende Persönlichkeiten der Stadt schrieben in einem empörten Leserbrief an die «Times», dass ihre Stadt heute in einem weitaus besseren Zustand sei als bei der Verleihung der Ehre im Jahr 2012. Zu den Unterzeichnern gehörten die Direktorin der Tate Liverpool, der Leiter der Liverpool Biennial, der Erzbischof der Stadt und der CEO des FC Liverpool.

Nach der Streichung von der renommierten Liste stellte sich bei den meisten, die sich für das Thema engagierten, Enttäuschung, aber auch selbstbewusster Trotz ein. Claire McColgan, die Kulturdirektorin der Stadt, schrieb auf einem Blog: «Ich ärgere mich, dass Menschen diese Entscheidung getroffen haben, die unsere schöne Stadt nicht besucht haben. Sie haben die Investitionen nicht gesehen, die unsere Stadt richtigerweise in ihre unglaubliche Infrastruktur gemacht hat.»

Das Komitee der Unesco hatte die Entscheidung im Juli an seiner laufenden 44. Sitzung im chinesischen Fuzhou getroffen. Das Gremium tagt normalerweise jährlich und befindet über Neuaufnahmen und den Zustand bereits in die Liste aufgenommener Welterbe-Stätten. Die Streichung ist das einzige Sanktionsmittel der globalen Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Welterbe-Stätten sind zunehmend bedroht, durch Kriege, den Klimawandel oder weil wirtschaftliche Interessen ihrer Erhaltung übergeordnet werden.

Tunnel für Stonehenge zu kurz

Das Gütesiegel «Welterbe» führt auch die prähistorische Stätte Stonehenge, und auch sie ist im Begriff, sich diesen Status nach Meinung der Unesco buchstäblich zu verbauen. Bis jetzt führt eine stark befahrene Autobahn an dem mythischen Ort vorbei. Jeder Passant kann im Vorbeirasen aus dem Autofenster einen Blick auf Stonehenge werfen. Nun ist ein 1,7 Milliarden Pfund teurer Tunnel geplant, der den Verkehr über 2 Meilen (3,2 Kilometer) unter dem Boden führen soll, um das Ensemble zu schützen. Doch dem Welterbe-Komitee ist er nicht lang genug.

Auch andere historische Stätten mit Welterbe-Status in Grossbritannien möchte sich die Unesco jetzt genauer ansehen, wie die Tageszeitung «The Guardian» berichtete. So wolle man erstaunlicherweise prüfen, ob die Zugehörigkeit von Teilen von Edinburg, dem Tower of London und historischen Minen in Cornwall noch gerechtfertigt sei. In der Nähe dieser Stätten sind ebenfalls Baumassnahmen geplant, die das Welterbe-Komitee kritisch sieht. Falls es so weit kommen sollte: Der Tower of London und Stonehenge werden – wie in den Jahrhunderten vor seiner Verleihung – auch ohne das Gütesiegel der Unesco auskommen.

11. Juni 2021 Neue Zürcher Zeitung

Was hinter dem Parkrand liegt: Die Architektin begnügt sich nicht mit dem Blick ins grüne Idyll

Sumayya Vally ist die bis jetzt jüngste Gestalterin des Sommerpavillons der Serpentine Gallery. Mit ihrem Büro Counterspace schuf sie einen Tempel für den Alltag – mit einer anständigen Prise Political Correctness.

Die Pop-up-Sommerhäuser der Serpentine Gallery genügen Ansprüchen an die Nutzbarkeit kaum, das ist jedes Jahr so: Die Pavillons gehören zur Sparte der Freestyle-Architektur, zur Kür (fast) ohne Pflicht. Manche dieser Gebäude gewähren etwas Schutz, andere kümmern sich nur um ihre eigene Schönheit, sie...

21. Juni 2019 Neue Zürcher Zeitung

Der Serpentine Pavilion ist ein schwebendes Schieferdach: japanische Architekturpoesie in den Kensington Gardens

Das Einfache kann besonders komplex sein: So in der Architektur des jungen Architekten Junya Ishigami, der für den diesjährigen Pavillon ein Steindach im Park auf feinen Metallstangen in die Höhe hebt und zur Welle formt.

Die erste Regenprobe hat das neue Sommerhaus der Serpentine Gallery in Kensington Gardens schon bestanden. Die lose übereinandergelegten Schieferplatten hielten dicht. Wie ein Vorhang fällt der Londoner Dauerregen in dicken Tropfen vom Dachfirst, dessen Aussenlinie der ungleichmässigen Form der Schieferstücke...

16. Juni 2019 Neue Zürcher Zeitung

Ein Konzertsaal im verlassenen Tal: Sawiris Milliarden holen auch die Berliner Philharmoniker nach Andermatt

Der neue Konzertsaal in Andermatt war ursprünglich als schnödes Konferenzzentrum geplant. Dann wurde aus einem Untergeschoss ein Auditorium für die Weltklasse.

Ein Konzerthaus der Spitzenklasse in einem hoch gelegenen Alpendorf, umgeben von kargen Bergen, ein paar Hotels und sonst nicht viel: Das kann einen romantisch stimmen – oder skeptisch machen. Wenn an diesem Wochenende die Berliner Philharmoniker zur Einweihung spielen, ist ein volles Haus garantiert....

17. Mai 2019 Neue Zürcher Zeitung

Einfach mal abtauchen – eine Typologie des Swimmingpools

Sie sind unschlagbar als Wohlstandssymbole und Ausdruck luxuriöser Lebensweise. Für die, die sie nicht besitzen, sind die Swimmingpools Traumorte. Anziehend ist auch, was unter der glitzernden Oberfläche liegt.

Pool, Sonne, blauer Himmel, vielleicht noch ein paar Palmen und was zu trinken. Diese Idee steht auf der Liste der klassischen Tagträume ziemlich weit oben, was man so hört. Aber ohne sich zuvor dorthin gewünscht zu haben, wäre das Erlebnis des gechlorten Paradieses nur halb so schön. Ein Pool ohne die...

5. Januar 2019 Neue Zürcher Zeitung

Peter Zumthor baut in Devon ein Fenster in die Natur

Ein Haus auf dem Land ist der englische Sehnsuchtsort par excellence. Der Architekt Peter Zumthor hat seine Vision davon auf eine Hügelkuppe im Südwesten Englands gebaut.

Ein Haus mitten im Niemandsland. Ausgestreckt auf einem Hügel in Devon, darum herum nur Landschaft. Die nächste Kleinstadt mit Zuganbindung liegt vierzig Autominuten entfernt, wenn alles gutgeht und einem kein Traktor entgegenkommt auf der kleinen Landstrasse. Denn dann gibt es kaum ein Ausweichen. Das...

26. September 2018 Neue Zürcher Zeitung

Design im Kopf – die Schweiz erobert London mit Kreativität

Das London Design Festival vereint im September eine immer grössere Zahl von Events, Messen und auch eine Biennale. Es ist eine Demonstration des kreativen Potenzials der Themsestadt. Auch die Schweiz ist mit starken Beiträgen vertreten.

Eine überdimensionale Petrischale steht auf dem Boden. Mit ihrem blau gekachelten Grund sieht sie aus wie ein Miniaturschwimmbad. Dabei soll sie in Wirklichkeit Bakterienstämme aus dem Ausstellungsraum auffangen. Die Bakterien entwickeln ein Eigenleben, sie agieren und interagieren unter der Glasscheibe...

20. September 2018 Neue Zürcher Zeitung

Kengo Kuma baut Weltklasse ohne Allüren

Die Dépendance des Victoria & Albert Museum im schottischen Dundee macht Schluss mit dem auftrumpfenden Gestus der Stararchitektur und liegt damit im Trend.

in Wohnzimmer für die Stadt soll es angeblich sein, das neue Museum in Dundee. Mit diesem Slogan wird die schottische Niederlassung des Victoria & Albert Museum beworben. Er stammt vom Architekten selbst. Aber er stimmt überhaupt nicht. Denn wer lässt sich schon gern von seinem eigenen Wohnzimmer in...

19. Juni 2018 Neue Zürcher Zeitung

Die Serpentine Gallery zaubert Poesie aus Zement und Stahl ins Londoner Stadtbild

Erst zum zweiten Mal entwirft eine Frau den prestigeträchtigen Sommerbau, den die Serpentine Gallery alljährlich in Auftrag gibt. Die Mexikanerin Frida Escobedo spielt mit Wasser, Licht und Schatten. Aber sie hat auch harte Materialien wie Zement und Stahl in ihrem Repertoire.

Das kleine Bauwerk in Kensington Gardens ist nur scheinbar bescheiden. Es will genau gelesen werden. Nach aussen gibt es wenig von sich preis. Streng, nüchtern, grau: So präsentiert sich der Sommerpavillon vor der Serpentine Gallery in diesem Jahr – bei flüchtigem Hinsehen. Als Partyort, der er schliesslich...

15. Mai 2018 Neue Zürcher Zeitung

Die Royal Academy of Arts ist ein Triumph des Understatements

Majestätisch war die Royal Academy of Arts schon immer. Mit einer Generalüberholung des Gebäudes durch David Chipperfield beweist die alte Institution 250 Jahre nach ihrer Gründung einen beeindruckenden Erneuerungswillen.

Die Royal Academy of Arts hat sich selbst ein Riesengeschenk zum 250. Geburtstag gemacht: den umfangreichsten architektonischen Eingriff ihrer Geschichte, einen Neubau am Altbau gewissermassen. Das Ergebnis ist zurückhaltend und sensationell in einem. Das muss man erst einmal hinbekommen.

Kein Wunder,...

15. März 2018 Neue Zürcher Zeitung

In London sind die Grenzen zwischen öffentlichem Raum und privatem Platz fliessend geworden

Immer mehr öffentliche Plätze werden in London privatisiert. Ist das ein Ausverkauf an demokratischen Rechten oder ein Zuwachs an Freiheit? – Eine Erkundungstour.

Sie trinken Kaffee unter Jalousien, lehnen mit ihren Zigaretten oder Bieren vor den Pubs: In englischen Städten hat sich der Aufenthalt im Freien durchgesetzt. Auch bei kühleren Temperaturen – Engländer kennen kein Frieren, oder sie geben es nicht zu. Italienische Lebensart wird hier auf eigene Weise...

8. Juli 2017 Neue Zürcher Zeitung

Ein Ort zum Sichversammeln

Der Serpentine Pavilion 2017

Für die Ewigkeit gedacht ist er nicht, Diébédo Francis Kérés Sommerpavillon für die Serpentine Gallery. Kéré nimmt Bauformen seiner Heimat Afrika auf.

«Meine Güte, was kann ich hier noch tun?» So fragte Diébédo Francis Kéré, der mit der Gestaltung des diesjährigen Sommerpavillons der Serpentine Gallery beauftragt wurde, nach der Sichtung der Liste seiner sechzehn illustren Vorgänger. Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Herzog de Meuron, Frank Gehry und Peter Zumthor hatten in der Vergangenheit eines der offenen Sommerhäuser gestaltet. Sie stehen jeweils nur ein paar Monate lang auf der Wiese vor der Serpentine Gallery in Kensington Gardens und ziehen Tausende von Architekturfans an.

Ein Baum, unter dem man sich niederlässt

Der Architekt der diesjährigen Ausgabe des Summer Pavilion, Diébédo Francis Kéré, stammt aus Burkina Faso und entschied sich, im wahrsten Wortsinne den eigenen Wurzeln treu zu bleiben. Sein Pavillon sollte wie ein Baum sein, unter dessen Ästen man Platz nehmen und sich austauschen kann – in Anlehnung an Versammlungsorte einer afrikanischen Dorfgemeinschaft. Der diesjährige Pavilion ist weder ausgesprochen skulptural, noch besitzt er die sesshafte Schwere eines Hauses, das für die Ewigkeit gedacht ist: Denn die Gefahr, in die eine oder anderen Richtung zu driften, besteht bei dieser Aufgabe.

Kérés Gebäude hingegen gewährt Schutz, aber zugleich auch Freiheit und Durchlässigkeit zur umgebenden Parklandschaft. Der Architekt schuf ein schirmartiges, hölzernes Dach, das an eine Baumkrone erinnert. Es ruht auf einem Geflecht von Stahlträgern, umgeben von tiefblauen Wänden, die sich über vier Eingänge zu einem Innenhof öffnen. Die Farbe Blau wird in Burkina Faso zu besonders festlichen Anlässen getragen oder verwendet. Und abendliche Veranstaltungen im Pavilion können ja auch immer zu kleinen – oder grossen – Festen werden.

Kostbares Wasser

Der Clou ist der Einsatz des Regenwassers, das vom Dach des Hauses gesammelt wird und in kleinen Wasserfällen seine Runden dreht, bis es in die Kanalisation läuft: Aus der Sicht des afrikanischen Architekten, in dessen Land Wasser rar ist, sollte es als etwas Besonderes geschätzt werden. Die verwendeten Materialien Holz, Stahl und Plastic verleihen seinem Bau Leichtigkeit. Nur der Boden ist aus Beton.

Diébédo Francis Kéré, Jahrgang 1965, ist der erste afrikanische Architekt, der einen Summer Pavilion in Kensington Gardens gestaltet. Sein Stil, der Elemente der Architekturmoderne mit afrikanischen Materialien und Bauweisen verbindet und doch ganz ohne Anflüge von Folklore auskommt, machte ihn zu einem internationalen Star. Schon als Kind interessierte er sich für Architektur, er studierte in Berlin, wo er Mies van der Rohe entdeckte und, wie er sagt, dessen Rationalität schätzen lernte. Er hat in Berlin ein Büro mit zwölf Mitarbeitern und fühlt sich einem sozial und ökologisch engagierten Design verpflichtet.

Schlingensiefs Operndorf

Eines seiner ambitioniertesten – und in deutschsprachigen Ländern vielleicht bekanntesten – Projekte ist das Operndorf in der Nähe von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Der verstorbene Theatermacher Christoph Schlingensief hatte es erträumt und initiiert. Bisher sind um den Aufführungsort bereits 23 Gebäude entstanden, darunter eine Schule, eine Krankenstation, Kunststudios und Wohnungen. Mit Aufträgen in Europa – darunter Geschäfte für die Schuhfirma Camper – finanziert der Architekt seine Arbeiten an anderen Orten der Welt wie in Indien, Mali, Jemen und in Kenya, wo er Schulen, Bibliotheken und Gesundheitszentren baut – oft gegen geringes Honorar oder pro bono.

26. April 2017 Neue Zürcher Zeitung

Kleines Haus ganz gross

Auf stille, nach aussen hin unspektakuläre Weise setzte das Londoner Designmuseum seine ehrgeizigen Pläne um. An einer neuen, feinen Adresse belebt es ein teilweise denkmalgeschütztes Gebäude neu.

Mit glamourösen Ausstellungen, die etwa Manolo Blahniks Schuhe zu Objekten der Begierde stilisierten, wurde das Design Museum London weltbekannt. Doch seine Anfänge waren bescheiden. Als Boilerhouse Project startete es 1983 mit einem Ausstellungsraum im Kellergeschoss des Victoria & Albert Museum. Dann...

23. Februar 2017 Neue Zürcher Zeitung

Wie ein Baum

Der aus Burkina Faso stammende und in Berlin tätige Architekt Diébédo Francis Kéré wird den diesjährigen Serpentine Gallery Pavilion in London bauen. Bereits konnten die ersten Computeranimationen vorgestellt werden.

Das Sommerhaus in Kensington Gardens wird in diesem Jahr wie ein Baum aussehen. Diébédo Francis Kéré aus Burkina Faso gestaltet den Pavilion der Serpentine Gallery, die alljährlich einen internationalen Architekten mit der Gestaltung eines heiter-luftigen Gartenhauses beauftragt. Ein schirmartiges, hölzernes...

8. September 2016 Neue Zürcher Zeitung

Ein Vorgeschmack auf das Paradies

Zu Recht ist England berühmt für seine Gartenkultur, die mit hoher Kunst den Eindruck vollkommener Natürlichkeit erwecken will. Ein sommerlicher Streifzug durch Gärten und Epochen lohnt sich immer.

Wenn der englische Sommer einmal nicht im nasskalten Dauertief versinkt, zeigen sich seine Landschaften und ihre Gärten in ihrer ganzen Pracht. In diesem Jahr haben wir Glück, und die Engländer, die Gartenmenschen sind, dürfen schwelgen – zusammen mit Tausenden von Touristen. In seinem Gedicht «The Glory...

17. Juni 2016 Neue Zürcher Zeitung

In der Welt verankert

Die Tate Modern in London hat Zuwachs bekommen. Der grossartige Erweiterungsbau von Herzog & de Meuron ist nicht bequem. Dennoch begleitete schon seit geraumer Zeit ein Hype das neue Haus.

Kaum eröffnet, erzählt der neue Erweiterungsbau der Tate Modern schon Geschichten: über seine vielfältigen Beziehungen zur Gegenwart und Vergangenheit, zu den Menschen, die ihn gebaut haben, und zu denen, die ihn künftig benutzen werden, über sein Verhältnis zur direkten Umgebung, zur Stadt und zur Welt...