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22. August 2015 Oberösterreichische Nachrichten

Vorbild Tirol: Politik will Bürger bei Kommunalbauten mit ins Boot holen

Landesrat Hiegelsberger kündigt Veränderung des Prozesses in Oberösterreich an.

Wer in Ischgl im Tiroler Paznaun nach ländlicher Idylle sucht, der wird enttäuscht. Das früher ärmliche Bergbauerndorf ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der größten Skisportzentren Österreichs geworden. Damit verbunden sind auch zahlreiche Bausünden, die sich über die Jahre angesammelt haben. Die Hotelburgen Ischgls sind nicht auf Ästhetik, sondern auf ein möglichst einträgliches Geschäft mit den Touristen ausgerichtet.

Platz für die Einheimischen

Von 2011 bis 2013 wurde im Ortszentrum ein Projekt realisiert, das einen Gegenpol zum touristisch geprägten Rest des Ortes darstellt. Das Gemeindekulturzentrum, das zwischen der Kirche und dem alten Pfarrhaus errichtet wurde, ist ein Gebäude, das laut Christian Schmid von der Gemeinde Ischgl ausschließlich für die Einheimischen errichtet wurde. Die Blasmusik findet in dem modernen, unaufdringlichen Bau genauso ihren Platz wie der Chor und die Bibliothek.

Ein zentrales Element des Projekts, das in Zusammenarbeit mit der Dorferneuerung Tirol realisiert wurde, ist die Einbeziehung der Bürger, die von der ersten Stunde an über die Schritte des Fünf-Millionen-Euro-Baus informiert wurden. „Wenn man die Bürger einbindet, schafft man automatisch eine höhere Akzeptanz“, sagt Nikolaus Juen, Vorstand der Abteilung Bodenordnung beim Land Tirol. Juen fungierte kürzlich als Gastgeber für Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger, der sich mit einer oberösterreichischen Experten-Delegation in einem Dialogforum über den Umsetzungsprozess von neuen Kommunalbauten in Tirol informierte.

„Bei uns in Oberösterreich fehlt in diesem Prozess noch eine Stufe. Die Einbindung der Bürger schafft auch ein Bewusstsein für die Architektur“, sagte Hiegelsberger.

Er möchte diese Vorgangsweise zukünftig auch in Oberösterreich fest verankern. „Weil kommunale Bauprojekte zwei Jahre Vorlaufzeit haben, sollten wir mit der Veränderung der Prozesse schnell starten“, sagte der Landesrat.

Neben Ischgl war die Delegation auch in Fließ (Bezirk Landeck) zu Gast, wo ein neues Gemeindezentrum mit Gemeindeamt, Postpartner, Supermarkt, einer Arztpraxis und einem Wohnhaus sowohl für Senioren als auch für junge Singles im Ortszentrum errichtet wurde. „Mit diesem Projekt schaffen wir es, dass die Jungen im Ort bleiben und auch die älteren Menschen nicht aus der Dorfgemeinschaft gerissen werden“, sagte Bürgermeister Hans Peter Bock.

In Inzing (Bezirk Innsbruck-Land), wo im Unterschied zu Ischgl und Fließ der Tourismus keine Rolle spielt, wurde der Delegation ebenfalls ein neues Gemeindezentrum vorgestellt. Dieses umfasst neben der Gemeindeverwaltung auch die Kinderbetreuungseinrichtungen des Orts und ein Kaffeehaus.

27. November 2014 mit Alexander Zens
Oberösterreichische Nachrichten

Die besten Bauwerke Oberösterreichs

„Jaaaa!“ Fred Hofbauer schrie seine Freude auf der Bühne der Daidalos-Preisverleihung heraus. Der Geschäftsführer des Wiener Architektenbüros Fasch & Fuchs und seine Kollegen sind einer der drei Gewinner des oberösterreichischen Architekturpreises Daidalos.

Bei der stimmungsvollen Gala am Dienstagabend in der Linzer Tabakfabrik mit rund 200 Gästen kamen die Emotionen hoch.

Der Daidalos wurde nach 2012 zum zweiten Mal vergeben und war wieder ein voller Erfolg: Knapp 90 Einreichungen gab es heuer. „Das zeigt, dass der Daidalos funktioniert“, sagten die Juryvorsitzende Kathrin Aste und ihre Kollegen in dem Gremium, Lorenz Potocnik und Simon Speigner.

Die OÖNachrichten haben mit der Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten den Daidalos ins Leben gerufen. Partner sind das afo architekturforum oberösterreich, Energie AG Power Solutions, Land Oberösterreich, Hypo Oberösterreich und Generali.

Geplanter Lebensraum sei wichtig für Wohlbefinden und Weiterkommen in der Gesellschaft, sagte der Ziviltechnikerkammer-Präsident Rudolf Kolbe: „Wir nehmen für uns in Anspruch, qualitativ hochwertig zu bauen.“

Agrar- und Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger betonte: „Bauen ist Zeitsprache.“ Warum es keinen Architekturlandesrat gebe? „Sowohl der Bau- als auch der Gemeinde- und Kulturreferent – alle setzen sich mit Architektur auseinander.“

Die Daidalos-Partner konnten von aktuellen oder jüngst abgeschlossenen Projekten erzählen. OÖN-Herausgeber Rudolf A. Cuturi berichtete vom laufenden Bau der Promenaden-Galerien. Acht Jahre habe man darauf hingearbeitet. Nun gehe er davon aus, dass es ein „sehr gutes Projekt mit nachhaltiger Architektur“ werde.

Ausblick schafft Weitblick

Die Hypo Oberösterreich hat ihre Zentrale an der Landstraße umgebaut und saniert. Dabei sei es sowohl um ein „einladendes Entrée“ für die Kunden als auch um angenehme Arbeitsplätze für die Mitarbeiter gegangen, sagte Generaldirektor Andreas Mitterlehner.

Unmittelbar vor dem Umzug in den Power Tower der Energie AG steht Klaus Dorninger, Geschäftsführer der Energie AG Power Solutions: „Wir freuen uns“, sagte Dorninger, der die „herausragende Architektur“ des Gebäudes betonte.

Generali-Regionaldirektor Reinhard Pohn hat in seinem Büro in der Zentrale an der Donaulände eine der schönsten Szenerien von Linz vor sich. „Der Ausblick vom Schloss über den Pöstlingberg bis zur Tabakfabrik schafft Weitblick“, sagte Pohn.
Drei Bildungsbauten gewinnen

Die Vorsitzende Kathrin Aste erklärte, dass die Jury, wie berichtet, die Einreichungskategorien (Wohnen und Bildungsbau sowie Sonderpreis für Kommunalbau) während ihrer Beratungen aufgelöst habe. Bei der Begutachtung sei klar geworden: „Die guten Projekte entzogen sich der Festlegung auf eine bestimmte Nutzung oder Typologie. Stattdessen sind sie vielschichtige Bauwerke, in denen Lernen, Wohnen, Kultur, Essen, sprich das Leben zusammenkommt.“

Der Architekturpreis wurde an drei „zukunftsweisende und innovative Lebensorte“ vergeben. So kam es, dass drei Bildungsbauten gewonnen haben.