nextroom.at

Profil

Studium der Betriebswirtschaft (mag.rer.soz.oec.) und der Architektur in Graz. Architekturvermittlerin, Journalistin, Architekturpublizistin, Autorin, Reisende. Lebt in Vorarlberg und Wien.

2017 – 2021 Redakteurin bei nextroom. Interviewreihe »nextroom fragt« mit 33 Interviews zur Architektur, 27 Statements zur Architektur, 10 Statements zur Landschaftsarchitektur, 15 Reportagen; Bauwerksdokumentation, Buchbesprechungen.

2008 – 2015 Architekturvermittlungsprojekte für das vai Vorarlberger Architektur Institut:
Projektleitung nextroom Architekturdatenbank, Sammlungspartner Vorarlberg
Projektleitung „Architektur vor Ort“, monatliche Architekturführungen
Konzept „architekturJetzt – Kulturvermittlung an junge Menschen“
Projektleitung „Unit Architektur – Baukultur im Unterricht“
2014 Kuratorin der Ausstellung „Unit Architektur | Architektur begreifen“ im vai Dornbirn
2015 Ausstellung „Unit Architektur | Architektur begreifen“ im Spittel, Fachhochschule Kärnten 

2010 Konzept „Impulswoche technik bewegt“ für bink - Initiative Baukulturvermittlung für junge Menschen
2013 Konzept „Baukulturkompass“ für bink – Initiative Baukulturvermittlung für junge Menschen

2011 – 2016 Redaktionsleitung „vorum – Zeitschrift der Raumplanung Land Vorarlberg“, insgesamt 9 Ausgaben

Monatliche Kolumne auf kultur-online.net – PS: Architektur; Artikel in Fachzeitschriften: hochparterree, zuschnitt, materialegno, modus
Häusergeschichten in Der Standard, VN Leben Wohnen, Neue Vorarlberger Tageszeitung

Publikationen

„Franz E. Kneissl | Der Praterstern ist kein Himmelskörper | Gesammelte Texte“, Martina Pfeifer Steiner (Hrsg.) mit Beiträgen von Otto Kapfinger und Gottfried Pirhofer, Verlag Sonderzahl, 2017 

„rastlos - Architekt Werner Pfeifer 1919–1972“ Martina Pfeifer Steiner (Autorin und Herausgeberin) mit Beiträgen von Robert Fabach und Marina Hämmerle, Park Books, Zürich, Sept. 2018

„33 Interviews zur Architektur“ herausgegeben von nextroom, Müry Salzmann, 2019

„Monografie Rudolf Wäger 1941–2019“ mit Marina Hämmerle, Herausgeber vai Vorarlberger Architektur Institut, Az W Architekturzentrum Wien, Birkhäuser, Jänner 2021

Veranstaltungen

Kuratorin Ausstellung „Unit Architektur – Architektur begreifen“ für das vai Vorarlberger Architektur Institut, 2014 und 2016 in der Fachhoschschule Kärnten

Kuratorin mit Marina Hämmerle und Markus Gohm „Rudolf Wäger. Baukünstler. 1941–2019“ für das vai Vorarlberger Architektur Institut, Februar 2021

Auszeichnungen

2014 Bank Austria Kunstpreis für Unit Architektur vai

Karte

Artikel

18. Januar 2022 newroom

Unter der Hohen Brücke am Tiefen Graben

Schreiben als Architektur. Die junge Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Wien bezeichnet sich als schreibende Architektin und hat ihre Masterarbeit am Institut für Kunst und Architektur nur einem Ort gewidmet. Wien 1., Hohe Brücke, Tiefer Graben. Diesen Ort hat Ella Felber monatelang nahezu täglich besucht und ihre Skizzen gemacht, mitzuverfolgen im dritten Kapitel ‚Unter der Hohen Brücke – a sketchbook’. Die einzelnen Seiten bekommen Überschriften (die unten stehen): spielen/durchgehen/zwischendurch-verweilen „Selbst die Wiener Linien meiden diesen Ort. Oben da huscht er schnell hinüber, der Bus. Davor und danach biegt er ab.“/was wir in Straßen öfter tun könnten/stehen/bleiben/wenn ich auf der Brücke stehe/fallen/lagern und erinnern „Erinnern ist mehr als nur an etwas zu denken“.

Aber beginnen wir mit dem ersten Kapitel – besser noch zuvor, mit dem Cover. Die Buchgestalterin Franziska Füchsl machte drei davon. Auch sie ging auf Spurensuche an diesem Ort und fertigte Frottagen an. „Die Frottage als Zeichentrick, einen Ort abzunehmen, ohne Überblick auf Ausschnitte bedacht, steht mit der Zeichnung gewordenen Unebenheiten anders da, als der plane Plan ...“ – eine passende Assoziation zum Buchwerk. Für Ella Felber gibt es einen Unterschied in gebauter und geschriebener Architektur, doch beides sind Ansätze zum Ortsbegriff. In ihrem Essay des ersten Kapitels stellt die Autorin klar, dass sie nicht über Architektur schreibt, auch nicht über Architektur in der Literatur, sondern als Architektin, die schreibt – als Architektur. „My search for a project became / my search for a place became / my search for a synthesis became / my synthesis of a search in a place.“

„Writing as Architecture – an imperfect inventory“ ist die Suche und Reflexion über Ortskonstruktionen durch das Wort, ohne den literaturwissenschaftlichen Anspruch Texte abzuhandeln. Nein, unperfekt, spielerisch, ein nicht abgeschlossenes Inventarium darf es sein. Mit dieser Palette ausgestattet geht Ella Felber ins zweite Kapitel: ‚Im Inneren der Stadt – a sequence of encounters’. Begegnungen sind für sie der Moment, in dem Orte entstehen, nämlich erst durch die Interaktion. In diesem Fall durch das immer wieder Hingehen zum ‚Tiefen Graben‘ ‚Unter der Hohen Brücke‘. Die Rolläden sind in der Wahrnehmung sehr präsent, denn viele sind geschlossen. Was könnte dahinter sein, wie wäre es hineinzugehen? Und wieder zurück auf der Straße, etwas anderes erregt die Aufmerksamkeit, es wird reflektiert, weitergegangen. So entstehen vielschichtige Orte im Geschriebenen, immer verankert am Tiefen Graben.

Auf dieses wertvolle poetische Büchlein dürfen sich die Leser:innen einfach einlassen, sie werden das Changieren in Englisch-Deutsch gar nicht merken, und mit neuem, inspiriertem Blick ihre eigenen Orte finden und erleben.

verknüpfte Publikationen
- Unter der Hohen Brücke

17. Januar 2022 newroom

Exemplarische Nachhaltigkeit – Baumschlager Hutter Partner

Handlich, total animierend zum Blättern, kommt dieses Buch daher. Die kleine Irritation durch den englischen Titel (es geht jedoch auf Deutsch um Nachhaltige Architektur von Baumschlager Hutter Partners, wie aus dem Untertitel klar wird) und die etwas trockene Gestaltung mit Auflistung der exemplarischen Bauten am Cover, wird gekonnt für den zweiten Blick mit den durchscheinenden Fotos im Inneren des Umschlags überspielt, der die simpel weiße, unbeschriftete Broschur einhüllt. Es beginnt mit einem Fotoessay, in dem die elf ausgewählten Bauten vorgestellt werden, eingeschoben nur der Text zu den Ursprüngen der Ökologiebewegung vom Herausgeber Wolfgang Fiel.

Im zweiten Teil geht es dann ganz pragmatisch um die Daten zu den ausgewählten Bauten: Eine Doppelseite für Lageplan und Projektbeschreibung, die nächste für die stichwortartige Auflistung der Schlüsselfaktoren und die erläuternden Pläne (Schnitt und ein Grundriss), die dritte für die grafische Aufbereitung von Heizwärmebedarf, Gesamtenergiebedarf, CO2 Emissionen im Betrieb im Vergleich und einer Lebenszyklusbetrachtung. Das ist niederschwellige Faktenvermittlung, die auch den unbedarften, interessierten Leser:innen Erkenntnisse erschließt.

Eröffnet wird die beispielhafte Reihe über Nachhaltigkeit in der Architektur mit der damals aufsehenerregenden Öko-Hauptschule in Mäder, die 1998 noch unter Baumschlager Eberle fertiggestellt wurde. Das Büro Baumschlager Hutter Partner gibt es seit 2010, die vier Punkthäuser in der Seestadt Aspern (2015) sind Beispiele im Wohnbau, die Schule am See in Hard (Vorarlberg) wird ausführlicher bezüglich sozialem Mehrwert von ökologischer Architektur behandelt, angefügt auch ein Interview mit dem Direktor dieser Schule. Zum Schluss gibt es noch eine Überblickstabelle zu Energieeffizienz und Klimaschutz. Mit dieser unprätentiösen Publikation ist ein wirklich interessanter Beitrag gelungen, um breitbandig das Verständnis für die Wirkung von nachhaltiger, qualitätsvoller Architektur anzuregen. Well done!

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- Coming Full Circle

21. Dezember 2021 newroom

Lilli Lička – Zusammenspiel

„Unsere Disziplin umfasst grundsätzlich ein sehr weites Feld, das von Landschafts-, Naturentwicklungsplanung bis zur Landschaftsarchitektur als gestalterische Domäne reicht. Landscape Architecture insgesamt beinhaltet alle Maßstäbe und auch die unterschiedlichsten Fragestellungen. In Österreich feiern wir heuer das 40-Jahre-Jubiläum dieser Studienrichtung an der BOKU. Das Fachgebiet gibt es natürlich schon viel länger, an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat sich eigentlich ein großer Entwicklungsschub abgespielt, und zwar in der Thematisierung des öffentlichen Raumes. Dadurch reichte die Bedeutung der Landschaftsarchitektur über die Gartenkunst hinaus und ist in der Gesellschaft angekommen. Je nach Dekade gab es unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte. Wir haben an der BOKU jetzt ein Archiv gegründet mit Vor- und Nachlässen und können diese sukzessive und auch besser beobachten. Angefangen in den 1950er Jahren, wo viele Aufträge Infrastruktur wie Autobahnen zum Inhalt hatten, ist später die Gestaltung des öffentlichen Raumes in den Vordergrund getreten, und mit den 1970er/80er Jahren wurden durch die Umweltbewegung die ökologischen Aspekte so richtig angeheizt. Es wurde wichtiger, zur Verbesserung des Klimas, der Lebensräume im weiteren Sinne – also der verschiedenen Habitate, Biotope – auch im urbanen Raum über die Begrünung hinaus einen Beitrag zu leisten.

Da stehen wir jetzt also: die gestalterische Komponente hat sich weitgehend etabliert, soziale Aspekte mit Thematisierung der Grünraumgerechtigkeit ebenfalls. Wir haben Papiere mit den besten Klimazielformulierungen, auch im kleineren Maßstab gelingt viel, z.B. bei Wohnbau, Plätzen, Parks, doch auf der mittleren Ebene – Stadtteile, Blockbetrachtungen, regionale Maßnahmen – gibt es zwar gute Ansätze und Forschungen, in der Umsetzung besteht jedoch noch großer Handlungsbedarf. Auch die Tourismus- oder Immobilienwerbung profitiert von intakter Landschaft, es gibt in diesen Sparten aber noch große Missstände, wenn es kein Bewusstsein über die Einbettung des Bauwerks in die Landschaft gibt – Stützmauern und riesengroße Garageneinfahrten sind irreversibel. Das ist ein fachspezifischer Punkt, dass die Auswirkungen von Landschaftsarchitektur extrem langfristig zu denken sind, zerstörte Lebensräume sind nicht mehr wiederherzustellen. Im Zusammenspiel mit Kulturtechniken wie Wasserbau, Lawinenverbauung – lauter Studienrichtungen an der BOKU – müsste die Landschaftsarchitektur ebenfalls einen größeren Part übernehmen. In der Architektur stehen wir diesbezüglich auch erst am Anfang, diese profitiert zwar immer von einem guten Freiraum, aber wenn die städtebauliche Setzung des Gebäudes falsch ist, können schöne Pflanzen auch nichts mehr retten.“

Lilli Lička, geb 1963, LL-L Lilli Lička – Landschaftsarchitektur, Institutsleiterin Landschaftsarchitektur an der BOKU Universität für Bodenkultur, Wien. Eine ihrer Initiativen die nicht nur Utopie bleiben sollen: Der Westbahnpark im 15. Bezirk, der als Teil der westlichen Frischluftschneise für den Erhalt eines erträglichen Wiener Stadtklimas dringend erforderlich ist, um urbane Hitzeinseln auszugleichen.

13. Dezember 2021 newroom

Was Peter Zumthor lieb und wertvoll ist

Das ist wieder typisch Zumthor. Er stellt eine schwarze, edle Kiste hin, wohlproportioniert, die Öffnung zur Seite gefüllt mit einer beweglichen, minimal auskragenden Lamellenstruktur. Ehrfürchtig nimmt man die wertige Black-Box in die Hand, zieht die hochformatigen, schmalen Heftchen heraus, 18 sind es – und pragmatisch einfach geklammerte, wie Programmprospekte eines Museums.

„Ein Fest im Kunsthaus Bregenz“ wurde im September 2017 für vier Monate ausgerufen und der große Architekt bespielte sein Haus von oben bis unten mit der Ausstellung „Dear to me“, begleitet von 150 Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten und – eben – Gesprächen mit Künstlerinnen, Künstlern, Kulturschaffenden seiner Wahl, die nun als transkribierte Texte in den dünnen Heftchen vorliegen. Man möchte mit der fantastisch poetischen Installation „Lungenkraut“ und den zarten Pflanzen, die im obersten Stockwerk schwebten und durch Licht mit grafischen Schatten zusätzliche Dimensionen eröffneten, beginnen, sollte sich jedoch bezüglich Buchwerk in den zweiten Stock begeben, wo in einem Buchregal-Labyrinth 40.000 Bücher Zwischenstation im Kunsthaus machten.

Der Buchhändler Walter Lietha war nämlich einer der Gesprächspartner:innen. Ein Glücksfall ermöglichte diese logistische Mammutaktion, denn das „Antiquariat Narrenschiff“ des großen Sammlers übersiedelte just zu dieser Zeit von Chur nach Trin. An diesem Abend wurde tief philosophiert. „Am Anfang stehen die heiligen Schriften des Hinduismus, die Veden, als Sammlung von Weisheiten in Schriftform. Sie sind das Älteste, das die Menschheit kennt, und vielleicht überhaupt das Beste“, sagt Lietha.

Im ersten Geschoß füllte die Musikinstallation von Olga Neuwirth den Raum – zentral mit der filigranen Skulptur, bei der die Besucher:innen die Kurbel der kleinen Spieluhr drehen durften und damit den aufgespannten sechzehn Meter langen Lochstreifen sichtbar zum Klingen brachten. In klassischer Hängung vervollkommnete das fotografische Essay von Hélène Binet die Stimmung, das die berühmte Pflasterung des Weges auf die Akropolis in Athen aus den Fünfzigerjahren von Landschaftsarchitekten Dimitris Pikionis (1887–1968) abbildet. Auch die Gespräche mit diesen beiden interessanten Frauen sind nachzulesen.

Im Erdgeschoss wurde das Kunsthaus zur Bühne – ein mittiges großes Podest und rundherum eigens entworfene Fauteuils und Polstersessel. Die siebzehn Gespräche fanden hier statt. Als Wim Wenders zu Gast war, wollte man damals schon am liebsten mitschreiben, als er erzählte was beim Entstehen des Films „Der Himmel über Berlin“ den liebevollen Blick der Kamera ausmachte. Wie wertvoll, dass diese denkwürdigen Ereignisse im Kunsthaus Bregenz nun nachhaltig nachlesbar sind.

verknüpfte Publikationen
- Dear to Me

9. November 2021 newroom

Maria Auböck – Pflanzenskulpturen

„Die Zukunft der Landschaften Österreichs wird auch davon geprägt, ob es eine Gartenkultur und ob es für die Profession der Landschaftsarchitektur Auftraggeber gibt. Alle Bemühungen gehen in eine Richtung: wir entwerfen neue Freiräume für die kommenden Generationen! Dies gelingt nur im Zusammenwirken von Landschaft, Bauwerk und Gartenkultur. Wenn ich meine Wünsche zur Landschaftsarchitektur auf drei Punkte bringe, klingt das so: Gesetze und Normen sollen handlungsorientierte Vorgaben sein und in den Regionen sowie vor allem in den ländlichen Gemeinden Österreichs Landschaftsarchitektur ermöglichen. AuftraggeberInnen sollen in Zukunft in der Lage sein von sich aus diesen Bedarf nach „substantieller Schönheit“ zu erkennen. Und dass eben auch die Budgets für Grünraumgestaltung der komplexen Aufgabenstellung adäquat dotiert sind.

Wir arbeiten im Team und wir können natürlich unsere spezifische Handschrift nur dann zeigen, wenn wir Akzeptanz haben, wenn unsere Partner diesen Gestaltungsansatz verstehen. Bei unseren Pflanzplänen schauen wir darauf, dass wir eine Gehölzauswahl treffen, um zwölf Monate im Jahr Blüten haben. Das Überraschende bleibt jedoch in der Materialwahl immer ein attraktives Thema, besonders im Wohnbau. Schön zu sehen, wenn mit der Zeit ineinander gewachsene Strukturen entstehen, die persischen Teppichen gleichen. Es geht nämlich nicht um die Dominanz einer Idee, sondern um das Zusammenwirken der Elemente! Bei Platzgestaltungen und im öffentlichen Raum suchen wir hingegen die minimalistische Zugangsweise, genannt “das intelligente Nichts“, aber dazu brauchen wir auch Partner die das verstehen. Unsere Installation bei der Architekturbiennale Venedig 2014 ist wiederum ein Beispiel für unsere intellektuelle Projektierung, wie sie im produktiven Dialog mit János entsteht. Diese Pflanzen wären sich niemals ohne das Zusammenstellen durch Menschen begegnet, denn es waren Gehölze aus aller Welt, willentlich ganz eng zusammengesetzt, wie die Flüchtlinge in einem Boot am Mittelmeer. Und das war dann überraschend: Wir haben unsere Installation als eine temporäre gemacht, sie blieb jedoch weitere vier Jahre – zwar transformiert – bestehen, und sehr erfreulich war, dass sich unsere ausgewählten Bäume danach durch diverse Anfragen begannen, bei den anderen Pavillons und in den Biennalegärten zu implementieren.“

Maria Auböck, geb. 1951, Auböck+Kárász Landscape Architects, Wien. Landschaft ist für Maria Auböck und János Kárász ein Konglomerat der verschiedensten Naturelemente und des kontextuellen Wissens um den Ort und um die Geschichte. Ihre Arbeit formuliert sich deshalb gestaltbezogen und kulturorientiert. Schwierige Flächen in schöne Aufenthaltsorte zu wandeln heißt für das Team auch, sie schlanker, präziser und funktionaler zu halten.

31. Oktober 2021 newroom

Denkwürdiges am Weißensee

Landschaft weiter denken. Baukultur zwischen privaten und öffentlichen Interessen. Das wurde vom „Universitäts.club | Wissenschaftsverein Kärnten“ in Kooperation mit dem Architektur Haus Kärnten und weiteren Partnern zum „Baukulturjahr 2021“ ausgerufen. Baukultur trägt maßgeblich zur Lebensqualität bei. Grund und Boden sind kostbar. Klimaschutz und Artenvielfalt haben höchste Priorität. Beim Symposium am Weißensee – es ist der schönste, türkiste, klarste Kärntens – geht es um ein Umdenken, um nachhaltigen Tourismus, auch um den Wirtschaftsstandort Kärnten, es geht um Lebensqualität. Die Vortragenden waren sehr gut gewählt, von einigen Highlights an dieser Stelle mehr:

Alfons Dworsky, emeritierter Professor für Architektur an verschiedenen Universitäten, hat die Strukturen im ländlichen Räumen eingehend untersucht und wichtige Bücher geschrieben. Das letzte dreiteilige Werk „Landschaft lesen“ (Strukturen: Flur.Ort.Haus / Überlegungen zum Bauen am Land / Architektur als soziales Ereignis, hg. Verein LandLuft) mit Judith Leitner. Beide gaben einen aufschlussreichen Überblick von der Landschaftsgenese über Landwirtschaft und Infrastruktur bis zum Umgang mit Naturgefahren: „Bauen ist Stoffwechsel mit der Natur.“

Die Landschaftsarchitektin Maria Auböck postuliert in ihrem Referat mit dem Titel „Mut zur Schönheit“: „Zeit ist ein Baumaterial!“ und die Landschafts- und Freiraumgestaltung als Wertschöpfung für kommende Generationen. Der Freiraum schafft ja den Zusammenhang jeglicher Baukultur! Die nachhaltige Weiterentwicklung von Siedlung und Landschaft sei für alle Gemeinden eine Herausforderung, es brauche das Umdenken in Zeiten des Klimawandels, um dem aggressiven Landschaftsverbrauch in den Regionen zu begegnen und zu neuen Profilen zu kommen.

Für Hermann Knoflacher gibt es ohne Kommunikation keine Kultur, auch keine Baukultur. „Steht etwas verkehrt, entsteht Verkehr!“ Der Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien ist nach wie vor auch medial sehr präsent und seine Thesen stellen einen wesentlichen Beitrag zum Konzept der Sanften Mobilität dar. Es spricht mitreißend von einer evolutionären Degeneration. „Für die Komplexität der künstlichen Welt, die uns in den beiden vergangenen Jahrhunderten passiert ist, sind wir evolutionär nicht vorbereitet und nicht ausgestattet. Sie überwältigt uns. Und deshalb setzt sich das Auto ganz tief im Stammhirn des Menschen fest.“ Umgangssprachlich könne man also sagen, dass das Auto im Hirn jede Sicht auf das Auto kontrolliert! „Die Geschwindigkeiten dieser Zeit liegen außerhalb unserer Erfahrung. Der damit verbundene Maßstabsverlust findet nicht nur im Raum statt und wirkt unsichtbar auf uns zurück. Noch nie war es so leicht, der Unwirtlichkeit der geplanten, gebauten und organisierten Welt zu entkommen, wie mit dem Auto und noch nie war es so leicht möglich, Unwirtlichkeit gewinnbringend zu erzeugen. Grenzüberschreitungen täuschen Freiheiten vor, die meist in die Falle gefährlicher Abhängigkeiten führen.“

Jedenfalls – WEITER DENKEN!

19. Oktober 2021 newroom

Andreas Winkler – Wertsteigerung

„Der kulturelle Boden für Landschaftsarchitektur unterscheidet sich im ländlichen und städtischen Raum sowie in den verschiedenen Staaten erheblich. Wir sitzen ja im Süden von Österreich, am Millstättersee, ich habe wiederum den Kontext in der Schweiz und Deutschland kennengelernt, weil ich sechs Jahre bei Günther Vogt, zuerst in Zürich und dann in München, arbeitete. Dort gibt es eine ganz andere Basis, eine viel längere Geschichte und damit ein völlig anderes Selbstverständnis. Die Entscheidung, wieder an meinen Heimatort zurückzukehren und hier mein eigenes Büro aufzubauen, traf ich sehr bewusst. Zweifellos gibt es im ländlichen Raum große Themen und stark gestiegenen Bedarf. Der Bebauungsdruck ist groß und die Frage wie in diesem hochwertigen, vorgegebenen Landschaftsraum das bebaute Umfeld bewusster und nachhaltiger gestaltet wird, brisant.

Eine große Motivation ist es, neben den verschiedenen nutzungsorientierten Themen der Landschaftsarchitektur – in dieser Region immer wieder auch im touristischen Konnex – uns bei partizipativen Planungsprozessen in der Regionalentwicklung einzubringen. Unter breiter Bürgerbeteiligung versuchen wir die Lösungsansätze aus dem Ort heraus zu entwickeln und die Qualitäten auch in die Umsetzung zu bringen. Baukulturvermittlung und das Einbeziehen der BürgerInnen sind ganz wesentlich, Sensibilisierung und Vertrauen wachsen mit jedem Projekt. Ein Argument ist dabei durchaus die Wertsteigerung in ökologischer, sozialer und eben auch ökonomischer Hinsicht. Zahlreiche Studien belegen, dass im Empfinden der Bevölkerung Lebensqualität sehr eng an qualitativ hochwertige Freiräume gekoppelt ist und dass Immobilienpreise in durchgrünten und ökologisch nachhaltig geplanten Wohnbezirken signifikant höher sind. An einem Platz mit Aufenthaltsqualitäten wird sich auch eher Gastronomie und Geschäftsleben finden. Die Gestaltung von Freiräumen ist maßgeblich beim Zusammenspiel von Architektur und Natur.“

Andreas Winkler, geb. 1982, Winkler Landschaftsarchitektur, Seeboden, Kärnten. Das Atelier für Freiraumplanung und partizipative Regionalentwicklung trägt mit seinem Standort im ländlichen Raum durchaus zur kulturellen Stärkung des Verständnisses für dieses Thema bei.

12. Oktober 2021 newroom

Kostbarer Boden

Boden – in aller Munde. Inzwischen berichten die Medien beinahe täglich darüber. Boden – das brisante Thema. Die fortschreitende Versiegelung trägt maßgeblich zur Klimakrise bei und gefährdet die Ernährungsgrundlagen der Menschen. Die Spekulation und Hortung von Grundstücken verteuert den Wohnbau und führt zu einer schleichenden Privatisierung des öffentlichen Raums. Die Verdrängung städtischer Produktionsbetriebe verstärkt die Monofunktionalität. Außerhalb der großen Zentren finden wir uns in einer Landschaft mit Einkaufszentren, Chaletdörfern und Einfamilienhaus-Teppichen wieder, während die Ortskerne veröden und das Verkehrsaufkommen explodiert. Raumplanungsgesetze, Steuergesetzgebung und Förderwesen gehören gründlich hinterfragt. Das Az W Architekturzentrum Wien hat sich diesem Thema fundiert angenommen und schickt die eindringliche Schau „Boden für Alle“ in zwei mobilen Varianten auf Wanderschaft durch ganz Österreich. Zum brandaktuellen Diskus in Vorarlberg macht sie im vai halt.

Boden ist kein Joghurt

Anschaulich und konkret, kritisch und manchmal unfreiwillig absurd erläutert die Ausstellung politische, rechtliche und wirtschaftliche Hintergründe: Wie wird Grünland zu Bauland? Wer plant die Raumplanung? Wieso steigt der Preis für Grund und Boden? „Kaum ein Politiker hat mehr eine Ahnung von fundamentaler Bodenökonomie und weiß, was das wirtschafts-, demokratie- und sozialpolitisch überhaupt bedeutet. „Das regelt der Markt“, jaja. Was soll das denn für ein Markt sein? Wenn die Leute mehr Joghurt essen, was machen die Produzenten? Mehr Joghurt. Und wenn die Nachfrage nach Joghurt wieder sinkt, dann produzieren sie weniger. Das ist Markt. Aber Boden? Sie können dieses Gut ja nicht vermehren!“, so wird eine Schweizer Nationalrätin zitiert. Adäquat plakativ, in kräftigen Farben, übersichtlich und grafisch an Mind-Maps erinnernd, bis zur Karikatur ausgereizt, kommen die Botschaften rüber: „GrundeigentümerInnen in Kitzbühel können bei der Umwidmung von Grünland in Bauland und anschließendem Verkauf bis zu 15.937 % Gewinn machen“. Nein, es handelt sich hier nicht um einen Tippfehler! „Pro Minute werden in Österreich 9,89 m² Straßen gebaut.“ „Zwischen 1951 und 2016 ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche um beinah die Größe der Steiermark zurückgegangen.“ Bodenpolitik hat mit uns allen zu tun und diese Ausstellung will vor Ort aufrütteln.

Vorarlberger Ansätze

Die vier, auch in der begleitenden (sehr wichtigen!) Publikation eingeschobenen Kapitel „Gutes auf den Boden bringen“ zeigen Alternativen auf. Es finden sich sogar zwei Best-Practice-Beispiele aus Vorarlberg darunter! Im vai illustriert zusätzlich eine Tafel der Landesraumplanung das „Raumbild Vorarlberg“ sehr anschaulich. Auch der Verein Bodenfreiheit wird in Dornbirn mit aufrüttelnden, brisanten Fragestellungen ausführlicher behandelt. Im Buch erfährt man, wie diese Gruppe Gleichgesinnter mit höchst innovativen Mitteln um die Freihaltung von Boden kämpft. Es gelingt dem Verein mitunter an strategisch wichtigen Orten kleinere Grundstücke „frei“ zu kaufen, sie haben aber obendrein mit dem Instrument des Gehrechts eine Möglichkeit entdeckt, Freiflächen zu sichern. Mit Rücksicht auf landwirtschaftlich auferlegte Beschränkungen wird das Recht erworben über den Grund zu spazieren, der dadurch nicht mehr bebaut werden darf.
Das zweite Vorarlberger Beispiel antwortet auf die Zersiedelungsproblematik und präsentiert eine modellhafte Masterarbeit (Kunstuniversität Linz, Studienrichtung Architektur), die sich der Nachverdichtung einer bestehenden Einfamilienhaussiedlung in Götzis „Unter der Bahn“ widmet. Neun freistehende Einfamilienhäuser aus den 1950er, 70er-Jahren in einem bestehenden Siedlungsgebiet werden unter die Lupe genommen. Besonderheit, vielleicht auch Zeichen von Aufgeschlossenheit, ist der gemeinsame Garten zwischen den Häusern, der ohne Zäune auskommt. Im Forschungsprojekt wurden fünf Nachverdichtungsmuster – Cluster, Hofhäuser, Winkelhofhäuser, Blockrand – geprüft, die für bis zu achtmal mehr Menschen Wohnraum bieten könnten. Die Variante mit Blockrandbebauung kam bei den EigentümerInnen am besten an, weil die Grünflächen komplett erhalten bleiben würden. Interessant war jedoch auch der Cluster-Vorschlag, der die Typologie von freistehenden Häusern fortführt. Ein bevorstehender Generationenwechsel könnte hier wohl zur Bereitschaft umzudenken beitragen, neben den Argumenten für die Verringerung der relativen Baukosten, die Vermeidung von sozialer Vereinsamung und Anpassung der Wohnfläche an die individuellen Bedürfnisse.

Radikale Transformation

Neben solchen regionalen Akupunkturen kommen in der Ausstellung auch spektakuläre internationale Projekte wie die zwei Umnutzungen von Verkehrsbauten in Seoul vor: Vor mittlerweile 20 Jahren entschied sich die Hauptstadt Südkoreas für den ersatzlosen Abriss einer knapp 6 km langen Stadtautobahn und die Freilegung des darunterliegenden zubetonierten Flusses. Der nun freigelegte Cheonggyecheon-Kanal bringt mit seiner höchst reizvollen, mannigfaltigen Landschaft nicht nur Lebensqualität und Biodiversität in die Stadt, sondern dient auch dem Hochwasserschutz. Ein erstaunlicher Nebeneffekt ist der verbesserte Verkehrsfluss. Ein Erklärungsmodell für dieses Phänomen könnte das Braess-Paradoxon (1968 vom deutschen Mathematiker Dietrich Braess veröffentlicht) sein: Unter der Annahme, dass jeder Verkehrsteilnehmer seine Route so wählt, dass es keine andere Möglichkeit mit kürzerer Fahrtzeit gibt, zeigt das Modell, dass eine zusätzliche Handlungsoption zu einer Verschlechterung der Situation für alle führen kann. Es entsteht das paradoxe Situation, dass der Bau einer zusätzlichen Straße – also eine Kapaziätserhöhung – bei gleichbleibendem Verkehrsaufkommen, die Fahrtdauer für jeden einzelnen Autofahrer erhöht. Mit der Transformierung einer vierspurigen Stadtautobahnabfahrt in eine parkähnliche Fußgängerbrücke mit Gärten, Teecafés, Blumenläden, Bibliotheken und Gewächshäusern gab es 2017 in Seoul noch eine großangelegte Draufgabe für nachhaltige Stadtentwicklung.

Doch bleiben wir bei den Autobahnen! Ist dieses bodenvernichtende Themenfeld ausreichend mit der Landesraumplanung verknüpft? Warum werden bei diesen immensen Eingriffen in die Natur die LandschaftsarchitektInnen nicht zwingend in die Projektierung eingebunden? Warum dürfen die StraßenplanerInnen unbeachtet und undiskutiert so absurd viele Bodenflächen versiegeln? Die Herausforderung zur Ressource Boden betrifft nicht nur ALLE sondern ALLES.

28. September 2021 newroom

Isolde Rajek – Stadtwildnis

„In der Landschaftsarchitektur geht es natürlich um viel mehr als um Klimamaßnahmen. Der große Ruf nach Grün, Bäumen, nach der Schwammstadt wird immer lauter. So nachvollziehbar das ist, muss man doch aufpassen nicht eifrig abzudriften ins Abliefern von „Haustechnik“ für den Freiraum. Für mich muss die Landschaftsarchitektur den Menschen irgendwie berühren, verzaubern. Das klingt etwas pathetisch, aber es ist meine Idealvorstellung – einen Raum herzustellen, der aus dem Alltag herauszubringen und in einen anderen Zustand zu versetzen vermag. Man kreiert ja Atmosphären in der Landschaftsarchitektur, die beim Einzelnen Assoziationen, Erfahrungen, Erinnerungen auslösen können. Die zukunftsträchtige Stadt braucht Räume, die nicht so determiniert sind. Üblicherweise wird in genau definierte Bereiche für Kinder, Ältere, Jugendliche etc. funktionell zerpflückt. Ich denke, es braucht auch den großen offenen Raum der über die vegetative Wirkung eine „Wildniszone“ ohne Regeln, ohne Vorgaben entstehen lässt, den man selbst aktiv entdecken kann – einen anarchischen Raum. Irritationen finden ganz schnell statt, da muss man gar nicht viel anders machen, aber das ist eigentlich das Interessante, die Leute brauchen halt etwas Zeit sich zu arrangieren.

Die Freiflächen um das Atelierhaus C21 im Sonnwendviertel sind ein von der Nutzung her komplett undefinierter Raum, der sich als Sukzessionsfläche nach und nach entwickeln soll, eine Art Pionierfläche, bei der unterschiedliche Substrate zum Einsatz gekommen sind. Wir werden sehen, was sich ansiedelt, etabliert, wie er sich verändert. Informelle Rückzugsräume entstehen durch große Sitzsteine, auch die Bäume sind so gesetzt, dass man sich vorbei drücken, seinen Weg suchen muss und eigentlich in Zwiesprache mit den Pflanzen kommt. Wir arbeiten gerne mit großen Modellen, wo wir diese Feinheiten in Vegetation, Sichtachsen, Raumbildung und –abschlüssen darstellen können. Ein erhebender Moment ist dann, wenn das Bauwerk hineingesetzt wird und sich in der Landschaft verortet.“

Isolde Rajek, geb. 1964, rajek barosch landschaftsarchitektur, Wien. Der Freiraum des C21 im Wiener Sonnwendviertel war für Isolde Rajek und Oliver Barosch ein Experimentierfeld. So wie das Atelierhaus neutralen Raum für unterschiedliche Lebensvorstellungen und Tätigkeiten schafft, werden die modellierten Sukzessionsflächen rundherum zum Potenzial für die Entwicklung in eine zunehmende Stadtwildnis, reich an Spontanem und Unvorhergesehenem.

14. September 2021 newroom

Luxuriös wohnen in Balkonien

Feines Format, vielversprechende Dicke, angenehm klassische Buchgestaltung. Schon beim ersten Durchblättern bleibt man interessiert hängen bei den Schwarzpan-Vignetten mit roten Einsprengsel, die Überblick geben über die zwölf vorgestellten Meilensteine im europäischen Terrassenwohnbau. Man bleibt auch an den klar gegliederten Texten hängen, den gut zuordenbaren, immer im oberen Viertel der Seite platzierten kleinen Fotos mit Bildunterschriften, und hat auf den ersten Blick, unmerklich schon ganz viel erfahren: Zum Beispiel, dass die Planstadt „Olympisches Dorf“ in München als Lebens- und Wohnmodell bis heute einzigartig ist. Die grüne Insel mit 5.000 Wohnungen, in Clustern geordnet, bietet Qualitäten wie Wohnstraße, Badesee, großes Forum, überdachte Passagen, Läden, Restaurants, Ärztezentrum und Hotel. Auch der Wohnpark Alt-Erlaa von Harry Glück in Wien wird unter dem Kapitel „Autarke Inseln“ eingeordnet. Höchst interessant, über die Rezeption dieser umstrittenen Bauwerke nachzulesen. Alt-Erlaa kam von Anfang an bei den BewohnerInnen sehr gut an, es dauerte jedoch, bis dieses hochleistungsfähige urbane Wohnmodell in Architekturkreisen anerkannt und als solches vermittelt wurde.

„Die Möglichkeit einer Grünen Stadt“ lautet das große Kapitel, das aus einem Manuskript von Harry Glück entnommen ist. Der Architekt verfasste Zeit seiner professionellen Tätigkeit Texte zur Frage des Wohnens und der Stadt, die unter „Schriften zur Architektur für Menschen“ veröffentlicht wurden. „Die Forderung, die Natur in die Stadt zurückzuholen, auch in der Stadt im Einklang mit einer sensibel entwickelten Form der Natur zu leben, ist eine viel realistischere Ideologie als die Stadt-Romantik, die in der intellektuellen Boheme vorherrscht. Wozu kommt, dass diese Sphären einander keineswegs ausschließen – tatsächlich ermöglicht erst eine kompakte und gleichzeitig durchgrünte Stadt jene lebendige Bewohnbarkeit, in der sich Urbanität überhaupt entwickeln vermag.“ Wie viele von den brisanten, aktuellen Themen sind damit schon vorweggenommen! Das Essay „Die Erfindung des Terrassenwohnhauses“ der Herausgeber Gerhard Steixner und Maria Welzig bietet zudem Grundlegendes wie Interessantes zur Thematik.

Dichte an der Peripherie (Terrassenhaussiedlung in St. Peter Graz) – Verkehrsindizierte Sonderformen (z.B. Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße in Berlin als architekturhistorische Einzigartigkeit, deren Qualitäten erst nach vierzig Jahren mit unter Denkmalschutz-Stellung gewürdigt wurden) – Dicht im Blockraster – Hybride in Kernlage – das sind die weiteren Ordnungskapitel für die zwölf Projekte, die nach ausführlicher Beschreibung jeweils mit seitenfüllenden Fotos illustriert sind. Vorangestellt wird das phänomenhafte Beispiel der Ferienstadt „La Grande Motte“ in Frankreich, das sich in der Rezeption vom Betonmonster zum Nationalen Kulturerbe entfaltete. Sonnenterrassen für alle. Die Feriensiedlung mit 25.000 Apartments wurde von Anfang an (in den 1970er-Jahren) angelegt wie eine ständig bewohnte Stadt, mit Schule, Rathaus, Kirche, Synagoge, Sport-, Kultureinrichtungen und Friedhof. 9.000 Menschen wohnen das ganze Jahr im heute als Modell für allgemeinen Wohnbau geltenden Quartier und zwei Millionen UrlauberInnen besuchen jährlich die Stadt am Meer.

Diese Publikation über den Luxus für Alle bietet wirklich spannende Geschichten über lebenswerte Wohnmodelle, über die Veränderung der Sichtweisen und Einschätzung. Dass die Bewohnerinnen und Bewohner die Wohnqualitäten immer schon als solche erkannt und geschätzt haben, darf zum Nachdenken anregen!

verknüpfte Publikationen
- Luxus für alle

7. September 2021 newroom

Raum. Material. Boltshauser

Gute Bücher riechen gut. Die Monografie „Roger Boltshauser“ riecht sehr besonders gut – nach Naturharzöl-Imprägnierung. Es ist zudem ein schier haptisches Vergnügen darin zu Blättern, darum sei die Gestalterin Andrea Gassner aus Feldkirch zu Beginn genannt – langjährig und inspirierend ist deren Zusammenarbeit mit dem Architekten. Inspirierend das 530 Seiten-Schwergewicht auch für die LeserInnen.

„Lange war nicht klar, ob mein Weg in Richtung Architektur oder in Richtung Kunst gehen sollte. Das Architekturstudium empfand ich als eine gute Grundlage.“ Roger Boltshauser ist beiden Disziplinen treu geblieben. So beginnt jedes dokumentierte Projekt mit einer Zeichnung neben der trockenen Fakten-Seite, und die Schlusskapitel „Couvertskizzen“ sowie „Reliefarbeiten“ geben darüberhinaus Eindruck von seinem künstlerischen Oeuvre, sind aber auch wesentlicher Teil der werkmonografischen Ausstellung in der Architekturgalerie Berlin im Sommer 2021.

Der Herausgeber Martin Tschanz verrät in seiner Ouvertüre, dass der Start mit dem Konzept schon zehn Jahre her ist. Sorgfalt und Detailgenauigkeit zeichnen das Buch aus und sind Begriffe die unter vielen anderen auch auf die Architektur Boltshausers anzuwenden sind. Seine Architektursprache entwickelt er in enger Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Material und den ihm eigenen konstruktiven und strukturellen Möglichkeiten. Gebaut wird in Lehm, in Backstein oder Keramik, in Holz, Beton, oder Stahl und Glas. Aufsehen erregten die frühen Werke mit dem Lehmbauer Martin Rauch, wie die Gerätehäuser mit Zielturm der Sportanlage Silhölzli und vor allem die archaische Skulptur in Schlins, die mit und für Martin Rauch als Experiment und Statement in Stampflehm errichtet wurde.

Die Dokumentation eines jeden Bauwerks geht in die Tiefe: Nach dem künstlerischen Beginn kommen Planzeichnungen, Grundrisse, Details, Schnitte oder Studien, einfach alles was von Interesse sein könnte. Es folgen Fotos der Baustelle oder Materialstudien oder vom 1:1 Mock-up. Spannend. Das Buch lässt sich Zeit in der Aufbereitung. Die erläuternden Texte sind so lange, wie die erzählte Geschichte interessant ist, und die Architekturfotografien so viele, wie die BetrachterInnen zur Erfassung und Vorstellung des Bauwerks brauchen. Das Wohnhochhaus Hirzenbach z.B., bei dem die Rücksprünge bzw. Glasgeschoß-Unterbrüche im Schnitt als rhythmisierte Hochausscheibe mit dem Kräfteverlauf erklärt werden, die dadurch Pakete mit Duplexwohnungen und Ebenen mit Lofts bieten. Wegen dem Ozeanium im Basler Zoo möchte man sofort dorthin fahren um dieses nicht nur zu besichtigen sondern zu erleben. „Dem Schnitt durch einen Felsen gleich erinnert der Aufbau der Wände an geologische Formationen der Meere. Sowohl innen wie auch außen kommt Stampflehm zum Einsatz. Ausgehend von der Idee eines Gebäudes, das wie ein Fels monolithisch und geheimnisvoll in der Brandung steht, zeigt sich in der äußeren Erscheinung eine horizontale Schichtung als Übergang von hartem Fels über weicheres Gestein bis hin zu erdigem Lehm“, steht geschrieben. Faszinierend auch die Glasbausteinfassade beim Forschungsgebäude GLC ETH Zürich oder die Fotos vom Hochhaus H1 im Zwhatt-Areal die vielschichtige Wohnqualitäten vermuten lassen.

Themen der Nachhaltigkeit sind bei Boltshauser ebenso gewichtig wie kompositorische und raumgestalterische. Der Faktor Klima spielt auf allen Maßstabsebenen und in allen Planungsphasen eine Rolle, beeinflusst die städtebauliche Setzung ebenso wie Grundrisse und Fassaden, die Wahl der Materialien und der haustechnischen Ausstattung. Mit dem ausführlichen Essay des Architekten „Was Architektur für eine nachhaltige Zukunft zu leisten vermag“ zum Schluss wir dies eindrücklich vermittelt.

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- Roger Boltshauser

7. September 2021 newroom

Joachim Kräftner – Abkühlung

„Dass mehr Grün in der Stadt einen unabdingbaren Kühleffekt hat und gleichzeitig Lebensqualität, Biodiversität und Wohlbefinden wesentlich erhöht vermitteln inzwischen auch die Medien täglich. Da trifft ein Bauwerksbegrünungsprojekt wie das beim ersten Innenstadt-IKEA in Wien durchaus auf großes Interesse. Statt der blau-gelben Kiste auf grüner Wiese im Speckgürtel gibt es das neue Konzept – weltweit an etwa dreißig Standorten – von individuell für die jeweilige Stadt geplanten Möbelhäusern. Der Wettbewerbsentwurf von querkraft sah vor, das Haus im großen Maßstab zu begrünen, und in der letzten Stufe holten die Architekten uns ins Team, um nachzuweisen, dass die Bepflanzung in den überdimensionalen Trögen auch technisch realisierbar ist. Die im Endeffekt 160 Bäume am Dach und in der „Hochregal-Fassade“ kühlen laut Simulationsmodell die unmittelbare Umgebung um bis zu zwei Grad. An heißen Tagen kann jedermann/frau auf der öffentlich zugänglichen Dachterrasse die Wirkung der Gehölze erleben. Es wurden stadtklimaverträgliche, für den Wiener Raum geeignete und an der Gehölzvegetation Schwedens orientierte Pflanzarten ausgewählt. Jeder der weißen, runden Stahlblechtröge für die bis zu sechs Meter hohen Bäume wird von der sensorgesteuerten Bewässerungsanlage versorgt. Neben der logistischen Herausforderung die Bäume mit je mindestens 15 m³ Erde auf das Haus zu bringen war es auch statisch höchst anspruchsvoll, einen sechs Tonnen schweren Topf als Punktlast am Gebäude zu platzieren. Trotz dieses Aufwands beziffert IKEA den Anteil der Bauwerksbegrünung mit nur einem Prozent der gesamten Baukosten.

Ich denke, wir Landschaftsarchitektinnen und -architekten können mannigfaltige neue Qualitäten einbringen. Vor allem in der Stadt macht Bauwerksbegrünung sehr viel Sinn, wo es im Erdgeschoß für Freiraumgestaltung und Bäume keine Möglichkeit gibt. Pflanzen sind mit ihrer großen Blattmasse natürlich die beste Klimamaßnahme und das hat schon im Kleinen große Wirkung. Eine Kletterpflanze an der Hausecke wie wilder Wein, Veitschi, Kiwi oder die wüchsige Glyzinie an der Fassade schaffen sofort ein deutlich angenehmeres Mikroklima. Aber auch im großen Maßstab haben wir mittlerweile schon einen hohen Standard erreicht. Der Urban Heat Island-Strategieplan Wien, der Grünflächen-Potenzialkataster und die neue ÖNORM für Vertikalbegrünung sind absolut wichtige Schritte um die Stadt noch grüner und somit zukunftsfit zu machen.“

Joachim Kräftner, geb. 1972, Kräftner Landschaftsarchitektur, Wien. Bauwerksbegrünungen sind in der Stadt, wo Freiraum in der Erdgeschoßzone so knapp ist, geeignete Maßnahmen um die Aufheizung zu reduzieren und lassen zudem wertvolle Gemeinschafts- und Aufenthaltsräume entstehen. Die Realisierung eines Großprojekts wie der Innenstadt-IKEA in Wien polarisiert durchaus, zeigt aber mit Sicherheit einen Weg für klimaresilientes Bauen in der Stadt auf.

17. August 2021 newroom

Carla Lo – urban und grün

„Parks-Straßen-Plätze stellen als urbane Typologien momentan die große Herausforderung dar – dort gibt es auch höchsten Handlungsbedarf. Landschaftsarchitektur ist oft eng mit der Architektur verbunden, bei diesen Aufgaben ist man jedoch etwas freier. Da gibt es zwar die Randsituationen oder die begleitenden Fassaden, und je nach Ausgeprägtheit versuchen wir darauf zu antworten, Einklang zu finden, nicht zu übertrumpfen und mitunter neue Identitäten zu stiften. Doch bei Parkanlagen sind wir funktionsunabhängiger, es entsteht eine eigene Mitte, in der Komposition unterschiedlicher Elemente haben wir einen größeren Spielraum, setzen mit Bäumen und Bepflanzung unterschiedliche Kulissen, starten und begleiten auch Aushandlungsprozesse unter den NutzerInnengruppen. Wir haben im gerade fertiggestellten „Cooling-Park“ vor dem „Haus des Meeres“ in Wien – also wirklich im wörtlichen Sinn – mit Wasser-, Nebeldüsen und Klimabäumen einen gekühlten Vorbereich zum ehemaligen Flakturm geschaffen. Die Low-Tech-Maßnahmen sind aber genauso wichtig: ein besonderes Gehölzsortiment, ein neuer Umgang mit Belägen und wo immer möglich arbeiteten wir mit Grünfugen, sodass wir den Versiegelungsgrad gering halten und die Wasserdurchlässigkeit erhöhen können.

Ich denke, dass urbane historische Platzflächen DIE Herausforderung bezüglich Klimawandel sind, und da weiß ich noch nicht so recht, wie damit umgehen. Wir haben uns über die Jahrzehnte auf eine Vorstellung des architektonischen Platzes verständigt, doch sind wir damit heute in der Stadt noch Klima-fit? Von den NutzerInnen kommt ständig der Wunsch nach grün und grüner. Man kann jedoch nicht aus jedem Platz einen Park machen. Was ist hier das richtige Maß? Diese Frage wird uns gewiss weiterhin stark beschäftigen.“

Carla Lo, geb. 1976, Carla Lo Landschaftsarchitektur, Wien. Bei der Umgestaltung des Loquaiparks in Wien-Mariahilf schafft das Büro Durchlässigkeit und in einem breit angelegten Aushandlungsprozess zwischen AnrainerInnen, MittelschülerInnen und PensionistInnen in unmittelbarer Nachbarschaft vielfältige Aufenthaltsqualitäten. Die ursprüngliche Dreiteilung des Parks bleibt erhalten, neu aber ist die Verbindung. Alle 102 Bäume bleiben erhalten.

27. Juli 2021 newroom

Raoul Bukor – Atmosphäre schaffen

„Landschaft hat als Lebens- und Aufenthaltsraum immens wichtige Funktionen – angefangen bei den ökologischen bis zu den klimatischen – und verhandelt Themen wie Biodiversität, Umgang mit Wasser, urbane Überhitzung. Im Verhältnis zur Landschaft bildet sich auch die gesellschaftliche Haltung zur Umwelt, zu natürlichen Ressourcen und zum sozialen Umfeld ab und sollte aus unserer Sicht stark gespielt bzw. lesbar gemacht werden. Genauso wichtig sind aber die atmosphärischen Aspekte, die Landschaftsarchitektur einbringen muss. Welche Bilder von Natur können wir hier evozieren? Es geht um die Kompositionen von Raum und Material, die Erinnerungsverbindungen und Assoziationen wecken – ein Durchschreiten der individuellen (Sehnsuchts-)Bilder auf Gefühlsebene, das in weiterer Folge zur Identifikation führen kann. Der unmittelbare Dialog mit den ArchitektInnen für ein Verschmelzen von Innen und Außen ist ebenfalls entscheidend und ein anregender, komplementärer Zustand, in den wir uns begeben können. Es findet aktuell ein starker Umdenkprozess statt – natürlich gibt es auch großen Nachholbedarf! – und den Entscheidungsträgen wird die Bedeutung von qualitätsvoller Freiraumgestaltung zunehmend bewusst.

Bei einem Pflegeheim beispielsweise, einem geschlossenen System, wo die Menschen kaum noch mobil sind, versuchten wir abwechslungsreiche Interaktionsmöglichkeiten mit Garten, Landschaft und durch szenische Elemente Bezugspunkte zum eigenen Leben zu schaffen, um damit Vertrautheit und Wohlbefinden zu fördern. Auch beim Vorplatz der BUWOG wollten wir das zentrale Thema des Unternehmens nach außen bringen: Ein „Teppich“ als grafische Pflasterfläche wurde ausgerollt und mit Sitzgruppen, Sofas, Zimmerpflanzen assoziierten Elementen ergänzt. Dieser Platz in der Wiener Innenstadt wird sehr gerne und durchaus heterogen genutzt. Bei solchen öffentlichen Räumen aber auch generell in der Landschaftsgestaltung ist es immer spannend, wie sie sich über die Zeit entwickeln.“

Raoul Bukor, geb. 1980, Lindle+Bukor atelier für landschaft, Wien. Landschaft ist für Raoul Bukor und Christian Lindle nicht nur physische, lebensnotwendige Umgebung, die Änderungen in Nutzung und zunehmender Urbanisierung ausgesetzt ist, sie bildet vor allem auch den poetischen Raum, den Ort der Imagination und Interpretation, Sehnsucht und Emotion.

6. Juli 2021 newroom

Club der vier Architekten

Es trifft sich gut, dass diesen Sommer eine Erkundungstour zu Bauten der Protagonisten der Neuen Vorarlberger Bauschule so komfortabel und konzentriert in zwei Kulturhäusern abgehandelt wird: in Dornbirn im vai – Rudolf Wäger – und in Bregenz im Vorarlberg Museum – Karl Sillaber und C4 Architekten. Club der vier (= C4) nannten sie sich und gemeint waren Max Fohn, Helmut Pfanner, Karl Sillaber und Friedrich Wengler. 1960 nahmen Fohn/Sillaber, die jungen Absolventen der Technischen Hochschule Graz, am Architekturwettbewerb zum Neubau der Volksschule Nüziders teil und gewannen ex aequo mit Pfanner/Wengler, die einander von der Staatsgewerbeschule in Innsbruck kannten, den zweiten Preis. Die Jury war von der gleichwertigen Qualität der Konzepte so überzeugt, dass sie den beiden Teams vorschlug, die Schule gemeinsam zu planen. Damit war C4 Architekten gegründet. Fohn, Sillaber und Pfanner arbeiteten in Bregenz, Wengler weiterhin von Innsbruck aus. Der Untertitel zur Ausstellung bzw. des gleichzeitig erscheinenden Katalogs lautet darum „Neues Bauen in Vorarlberg und Tirol. 1960–1979“ und beleuchtet ausschließlich die Bauten, die im Kollektiv der vier entstanden sind.

Erfolgsgeschichte

Als Schlüsselwerk des modernen Schulbaus in Vorarlberg gilt heute das Projekt in Nüziders, und die Erfolgsgeschichte von C4 nahm mit dem gleich anschließenden Gewinn des Wettbewerbs zur HAK/HAS Bregenz ihren Lauf. Der Schulbau bildet also den Hauptstrang in der Sonderausstellung im Vorarlberg Museum. Fünf Projekte veranschaulichen exemplarisch mit Architekturmodellen Entwicklung und Typologie: angefangen mit der kleinteiligen, eingeschoßigen Hofschule in Nüziders, über die großräumige HAK im urbanen Kontext, die als Gangschule konzipiert ist, die Pavillonschule in Lustenau-Hasenfeld, die Hauptschule in Nenzing, bei der C4 die gestaffelten Baukörper um einen Innenhof gruppieren, bis zum Hallentypus des Bundesgymnasiums in Feldkirch Anfang der 1970er Jahre. Die Kunsthistorikerin Ingrid Holzschuh – Kuratorin und Herausgeberin des Katalogbuchs – erzählt, dass Karl Sillaber des Öfteren in der Modellbauwerkstätte von Michael Rast, wo diese feinziselierten Miniaturen entstanden, vorbeischaute und auch sonst sehr aktiv beteiligt war, beim Ausforschen von Plänen, die in der Sammlung des Architekturzentrum Wien, das den Nachlass von C4 verwaltet, fehlten. Diese mussten allesamt neu gezeichnet werden. Dafür waren die Projekte mit historischen Aufnahmen durchwegs sehr gut dokumentiert.

Die Fotografien sind auch das Medium der Vermittlung – ganzseitig im Buch, als Blow-up-Bilder zwischen die Tischvitrinen geschoben in der Ausstellung. Die beschreibenden Texte stammen aus alten Zeitschriften wie „planen – bauen – wohnen“, „Der Aufbau“ oder „architektur aktuell“. Sind im Katalog die Bauwerke chronologisch dokumentiert, bilden sie in der Schau thematische Gruppen: Lernen in der Mittelachse und rundherum Arbeiten/Wohnen, Erholen/Bewegen und Verwalten/Pflegen mit den weniger bekannten Ein- und Mehrfamilienwohnhäusern, Büro- und Gewerbegebäuden, Frei- und Hallenbädern, Gemeindezentren, Rathaus sowie Krankenhaus, die in der gemeinsamen Schaffensperiode zwischen 1960 und 1979 in Vorarlberg und Tirol entstanden sind.

Beständige Qualitäten

Mit aktuellen Bildern der Fotografin Petra Rainer werden drei Projekte in den Fokus gerückt: Die Wohnsiedlung in der Bregenzer Amtstorstraße offenbart noch immer ihre Qualitäten. „Diese Reihenhaussiedlung folgt sowohl den Schichten (= Krümmung) des Hanges als auch der Mulde im Gelände. Dadurch wird nicht nur eine besondere Einbindung erreicht, sondern auch die visuelle Erfassbarkeit des langen Baukörpers“, lobte sie schon Friedrich Achleitner in seinem Standardwerk „Österreichische Architektur des 20. Jahrhunderts“. In der einen Hälfte des Doppelwohnhauses Fohn/Sillaber am steilen Pfänderhang wohnt heute der Sohn von Karl. Die Farbfotos zeigen die gestaffelten Sichtbetonkuben überwuchert mit üppigem Grün, was bereits im Entwurf bezüglich Kühlung Programm war. Und sie zeigen auch den Großvater mit seinen Enkeln in den im Split-Level versetzten Raumabfolgen. Die dritte Bildserie widmet sich der Volksschule Lustenau-Hasenfeld, deren den Klassen zugeordneten Lernhöfe heute noch genauso aussehen und funktionieren wie damals.

Karl Sillaber kommt auch ausführlich zu Wort. Es ist durchaus eine Bereicherung der monografischen Werkschau, dass die Gespräche der Az W Ausstellung „Vorarlberg – Ein Generationendialog“ noch einmal zugänglich werden. Diese Ausstellung wurde übrigens auch im vai gezeigt, dabei lässt die Kuratorin Sonja Pisarik die Pioniere (Purin, Wäger, Wratzfeld, C4) der 1960er Jahre Vorarlbergs in den Dialog treten mit den „Jungen“. Karl Sillabers GesprächspartnerInnen waren Matthias Hein, Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur sowie Helena Weber. Alle miteinander verbinden persönliche Bezüge, Engagement und Exkursionen mit der Zentralvereinigung der ArchitektInnen und vor allem eine große Wertschätzung für Person und Werk der jeweils anderen. Schön, dass diese Gespräche jetzt transkribiert im Buch nachzulesen und in der Ausstellung als Projektion nachzuschauen sind.

So bleibt noch das Vorwort der Az W Direktorin Angelika Fitz als Resümee zu zitieren: „Dieser erstmalige umfassende Einblick in das Werk von C4 macht Lust auf Architektur. Das Buch öffnet den Blick für überraschende Raumerlebnisse. Es lässt Material in seiner Ursprünglichkeit spürbar werden. Es zeigt wie Gebäude selbstbewusst und doch sensibel mit der Landschaft interagieren ... Selbst wenn neue Anforderungen an das Bauen dazugekommen sind, vor allem ökologische Fragen betreffend, so gibt es auch in dieser Hinsicht bei C4 noch viel wiederzuentdecken, wie ihre großartigen verdichteten Wohnformen, die bei äußerst sparsamem Bodenverbrauch die Qualitäten eines Einfamilienhauses aufnehmen, wenn nicht gar durch gemeinschaftliche Mehrwerte übertreffen.“

6. Juli 2021 newroom

Günther Vogt – Landschaft als Park

„Auch in der Stadtplanung ist ein starker Paradigmenwechsel spürbar, und das wird wohl in nächster Zukunft so bleiben: Klimawandel, die Thematik von Biodiversität kündigt sich am Horizont an, in Zeiten von Corona steigt das Bewusstsein über die Bedeutung des öffentlichen Raums, dazu kommt noch die Diskussion zur Innenverdichtung. Aber es stellt sich auch die drängende Frage, wie viel Mobilität wir der Landschaft und somit uns selbst noch zumuten wollen. Wir müssen neue Strategien entwickeln, dabei sollten wir aber nicht mehr nur einzelne Länder betrachten, sondern ganz Europa. Ich postuliere seit Jahren, die Stadt von der Landschaft her zu denken und nicht so statisch als Zentrum und Peripherie. Der Bezugsraum, der Kontext ist damit meistens zu klein gesetzt. Aber ich denke, da fehlt sehr oft auch die Vision wie sich das entwickeln soll. Wir kennen sehr viele klassische urbane Elemente wie den Park, den Boulevard ... es gibt jedoch zunehmend diese hybriden Räume, vor allem im alpinen Raum, und die Überlagerung von Infrastrukturen. Die Schweiz z. B. ist schon Stadt, sie wird nur noch nicht so verstanden, weil die Leute nicht Städter sein wollen – vielleicht aus Angst vor einem Identitätsverlust. Es ist durchaus ein vorstellbares Szenario, dass man die Schweiz als Großstadt liest und auch nutzt. Das Verständnis eines ganzen Landes als Stadt bringt auch ein Verständnis der Landschaft als Park mit sich. Die Park-Idee ist grundsätzlich eine städtische. Auf europäischer Ebene meint „Stadt“ beim Blick auf den Alpenraum die an den Alpenbogen anschließenden Großstädte wie Mailand, Ljubljana, Wien, München, Zürich, Lyon, und „Park“ die Alpen. Der erste Entwurfsschritt in unserem Büro ist immer die Erweiterung des Maßstabs.

Ende der 1980er Jahre war die Befürchtung groß, dass wir in den kommenden vierzig Jahren einen massiven Verlust von Waldflächen erleben werden. Als Studenten demonstrierten wir daher gegen das Baumsterben. Heute haben wir aber sogar mehr Waldfläche als damals. Vordergründig sieht es so aus, als wäre das eine frei zugängliche Landschaft, aber im Prinzip handelt es sich analog zur Stadt um eine private. Diese verwaldeten Gebiete behalten aber das Potenzial erneut urbanisiert zu werden und wir können nicht alle diese Flächen zu Nationalparks erklären. Das Problem der Verwaldung ist, dass dahinter keine Idee steht, und dass diese brachgefallene Landschaft immer noch in einem urbanisierten Kontext steht. Ich finde, da besetzen wir LandschaftsarchitektInnen das Feld zu wenig. Alle neuen Aufgaben und Themen unserer Disziplin wie Nachhaltigkeit, Ökologie oder naturnahe Gestaltung kamen nicht aus der Fachdisziplin selbst, sondern aus gesellschaftlichen, politischen Prozessen und Entwicklungen, von denen wir inhaltlich mehr getrieben und getragen werden, als von jenen aus der eigenen Profession.“

Günther Vogt, geb. 1957, Landschaftsarchitekt, Zürich, London, Berlin, Paris. Die Herausforderung an die Landschaftsarchitektur ist für Vogt, sie in größeren Räumen zu denken. Das dies möglich ist hat Haussmann – wenn auch damals rein militärisch motiviert - im 19. Jahrhundert gezeigt und in Paris über 20.000 Gebäude abgerissen, um riesige Schneisen durch die Stadt zu legen. Ähnlich radikal müsste auch in einigen Großstädten interveniert werden, um auch zukünftig eine gewisse Lebensqualität zu gewährleisten. Im bisher größten Arbeitsmaßstab realisiert das Büro Vogt die Rectory Farm im Westen von London oder den neuen Stadtteil Grasbrook in Hamburg.

22. Juni 2021 newroom

Gewichtige Werkschau. Mensch Stadt Landschaft

„Baumschlager Eberle Architekten stammen aus dem Vorarlberger Rheintal. Daher sind die Architekten von vornherein gewohnt, auf Schwemmland mit dem darauf sprießenden Mischmasch zu planen“, schreibt Eberhard Tröger, neben Dietmar Eberle Herausgeber der imposanten Werkschau aus einem Jahrzehnt. Dass Baumschlager – Carlo Baumschlager ist, wird zwar an keiner Stelle erwähnt ... muss auch nicht sein, man geht seit 2010 getrennte Wege.

Die klaren Linien der Bucharchitektur zeichnen sich nach außen ab. In der Mitte ein cremegelb eingefärbtes Inlay mit Essays und Interviews, in selbstverständlichem Nebeneinander von Deutsch und Englisch, das chronologische Werkverzeichnis (39 Bauten gewichtet mit Texten, Bildern, Plänen, plus 14 noch ausführlicher) wird rhythmisiert mit den Fotoserien „Mensch Stadt Landschaft I – IV“ von Claudia Klein, die auch für die gediegene Buchgestaltung verantwortlich zeichnet.

Dass das Haus „2226“ (Wohlfühltemperatur von 22 bis 26 Grad) als Schlüsselwerk der neuen Schaffensphase ab 2010 anzusehen ist, zeigt sich auch am Titelbild. Das eigene Bürogebäude im Lustenauer Millennium Park war eine Gelegenheit mit neuen Denkansätzen zu experimentieren: Wenig Energie und mit wenig Technik, haltbaren Naturmaterialien einen zeitgemäßen sozio-kulturellen Beitrag leisten. Der weiße Monolith mit gleichmäßigen, hohen, schmalen Öffnungen und achtzig Zentimeter dicken Außenwänden kommt ohne Klimatechnik aus. Jedes der ausführlicheren Projekte wird mit der einseitigen Satellitendraufsicht eröffnet, ein prägnanter Text, der Schwarzplan, natürlich hochkarätige Architekturfotografie und informative Grundrisse geben angenehmen Halt und Struktur. Ein sorgfältig und schön gemachtes Buch, das eine eindrückliche Architekturreise rund um die Welt mit 600 Projekten von Baumschlager Eberle Architekten nachvollziehen lässt.

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- Baumschlager Eberle Architekten

1. Juni 2021 newroom

Anna Detzlhofer – In Bewegung

„Bewegung an sich ist ein ganz wesentliches Element der Freiraumgestaltung. Ob Park, Straße oder Platz, man erfährt den Freiraum in der Regel gehend oder (rad)fahrend. Aber auch der Zeitfaktor ist in der Landschaftsplanung ein spezielles Thema. Einerseits durch die Jahreszeiten sowie das Wachstum der Pflanzen und Bäume, andererseits ergibt sich eine permanente Veränderung durch die Pflege und Nutzung. Der Freiraum, vor allem in der Stadt, stellt sich schon viel deutlicher als eine soziale Bühne für Bewegung dar, als in der Architektur. Auch die Vermittlung atmosphärischer Qualitäten ist rein fotografisch – im Standbild – bei der Landschaftsarchitektur viel schwieriger.

Begegnungszonen beispielsweise funktionieren ja auf dem Prinzip der Bewegung. Die Gestaltung schafft Bedingungen und Möglichkeiten für Begegnung, kodiert die Oberflächen neu, schafft Aufenthaltsqualitäten, verändert die Raumverteilung zugunsten einer gleichwertigen Nutzung, es geht nicht mehr darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Aufenthaltsbereiche funktionieren allerdings nur mit natürlicher Beschattung und das spielt bei der Diskussion zum Thema Klimawandelanpassung eine immer größere Rolle. Der Baum bringt neben Schatten auch die Natur in die Stadt, versöhnt sie regelrecht. Da liefert die Landschaftsplanung gewichtige Argumente und obendrein umfassende Lösungen.“

Anna Detzlhofer, geb. 1960, DnD Landschaftsplanung, Wien. Begegnungszonen sind auch Bewegungszonen. Bei der Umgestaltung der Wiener Neubaugasse von Anna Detzlhofer und Sabine Dessovic wurden dreißig Bäume gepflanzt, neue Nutzungsmöglichkeiten und mehr als hundert konsumfreie Sitzgelegenheiten geschaffen. Die „kühle Meile“ bringt klimafreundliche Dynamik in den urbanen Raum.

31. Mai 2021 newroom

Einlassen auf das Werk von Rudolf Wäger

Rudolf Wäger ist eine Ausnahmefigur in Österreichs Architekturlandschaft. Seine Bauten sind aus der sogenannten Vorarlberger Bauschule nicht wegzudenken. Längst überfällig war die Monografie über den Baukünstler, die eine wesentliche Grundlage für die Ausstellung im vai Vorarlberger Architektur Institut in Dornbirn darstellt. Wägers vielbeachtetes Pionierwerk – klug konzipiert, maßvoll und perfekt in Planung und Ausführung – mit einer Vielzahl an kostengünstigen Einfamilienhäusern, heute noch wegweisenden Wohnanlagen und vor allem Reihenhäusern von Errichtergemeinschaften, prägte die Vorarlberger Baukultur nachhaltig. Als es den Begriff Baugruppe noch lange nicht gab, fanden sich schon Anfang der 1970er Jahre engagierte Bauwillige zusammen und realisierten die Siedlung Ruhwiesen in Schlins. Die Reihenhausanlage wurde vom großen Architekturpublizisten Friedrich Achleitner als „ein wesentlicher Beitrag zur Lösung des Wohnproblems mit geringen Mitteln in ländlicher Situation“ gepriesen. Und auch das als Ikone geltende Würfelhaus, 1965 geplant und erbaut, „könnte man einen Schlüsselbau für Vernunft im Wohnbau nennen: optimale Raumausnutzung und billige, jedoch gediegene Konstruktion, die einen großen Anteil von Eigenleistung erlaubt“, stellt dieser im Standardwerk „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ fest.

Die drei KuratorInnen – Martina Pfeifer Steiner und Marina Hämmerle, gleichzeitig Autorinnen, sowie Markus Gohm, Fotografien – schöpfen nach zwei Jahren intensiver Recherche und tiefgründiger Verarbeitung des Materials aus dem Nachlass, der vom Az W Architekturzentrum Wien verwaltet wird, den zahlreichen Gesprächen, Reportagen, Interviews aus dem Vollen. Rudolf Wäger hat in seinem letzten Lebensjahr ebenfalls an Konzept und Gewichtung der Bauwerke mitgewirkt. Doch wie gelingt die Transformation der Vermittlung des Lebenswerks von einer umfassenden Publikation in eine kurzweilige, charakteristische, erlebbare Ausstellung? Die BesucherInnen dürfen sich einlassen, treiben lassen, dorthin wo der Blick hängen bleibt. Die Ausstellung lässt in fragmentarisch angedeuteten Raumsequenzen und großformatigen Fotografien die konstruktiven und räumlichen Ansätze Wägers atmosphärisch nachvollziehen. Bilder lösen Emotionen aus: ein Wohnraum mit massivem rotgekacheltem Ofen, die klare Schichtung bis zur Treppe spürbar; Hochformate die den Betrachter in die Zimmerflucht treten lassen, staunend über die Lichtführung; ein Außenblick der sich auf das Gebäudeensemble richtet. Jeder Positions- ein neuer Perspektivenwechsel.

Wertig inszeniert sind auch die Kleinplastiken: „Also angefangen habe ich mit den Skulpturen vor der Architektur. Bevor ich je ein Haus baute, habe ich schon Figuren gemacht“, sagt Rudolf Wäger im Filmportrait des vorarlberg museum, das gemütlich im dem letzten Haus in Übersaxen nachempfundenen Wohnbereich nachgeschaut werden kann. Zitate wie diese finden sich auch verstreut an den Wänden appliziert. Ein weiteres Kapitel in der Ausstellung ist die umlaufende Plänegalerie. Die Wäger’schen Grundrisse zu betrachten ist ein Genuss und Erläuterungen zu seinen Häusern begannen immer mit: „das sieht man genau im Grundriss ...“. Der Häuserteppich mit chronologisch gereihten, verfügbaren Foto-Miniaturen gibt zudem einen aufschlussreichen Überblick der insgesamt 120 Bauten des Baukünstlers und ein auf Video festgehaltenes Interview mit Rudolf Wäger sowie das 2018 ausgestrahlte Österreichbild über die Pionierleistungen der Neuen Vorarlberger Bauschule ergänzen diese Eindrücke. Einfach einlassen, und wer noch mehr erfahren will, vertieft sich in die Monografie „Rudolf Wäger. Baukünstler. 1941–2019“.

18. Mai 2021 newroom

Erinnerungspassagen. Ikonen der Moderne

Eines der Reihenhäuser in der Weissenhofsiedlung von J.J.P. Oud, die Villa Tugendhat von L. Mies van der Rohe, das Haus Schminke von Hans Scharoun und eine Wohnung in der Unité d´Habitation von Le Corbusier, das sind die vier Schauplätze, denen sich das Buch mit neuem, unkonventionellem Blick annähert. Es sind die Erinnerungen der Kinder, die in diesen berühmten Gebäuden aufgewachsen sind. Dass die physische Umgebung eine prägende Komponente für die psychologische Entwicklung darstellt, wurde mehrfach untersucht und thematisiert. Mit diesem Bewusstsein gehen die AutorInnen in die Gespräche mit den „Kindern der Moderne“ – die gewählte Methode ist das „Oral-History“ Interview –, die Erinnerungen bleiben jedoch in ihrer Unvollständigkeit und Subjektivität einfach stehen. Da erinnert sich Rolf Fassbaender anhand des Fotoalbums an das lebendige Treiben der Kinderschar in der Weissenhofsiedlung, Ernst Tugendhat, der emeritierte Professor für Philosophie berichtet etwas distanziert über den „Prunkbau in einer Stadt wie Brno“, den er als solchen im Erwachsenenalter empfindet. Für Helga Zumpfe, geb. Schminke sind „die offenen Räume und weiten Flächen sowie die Freundschaft, die sich zwischen Scharoun und der Familie entwickelt hatte“ präsent. Gisèle Moreau konnte sich eigentlich nie vorstellen, in einem anderen Ambiente als der Unité d´Habitation zu leben und erzählt aus der Perspektive des Kindes, der Mutter und nun als Großmutter.

Es geht also nicht darum die Prägungen beim Aufwachsen in berühmten Gebäuden herauszufiltern, sondern um das Teilen und Verorten des alltäglichen Wohnens und der Erinnerungen. Dies gelingt auch sehr aufschlussreich illustriert mit markierten Grundrissen, die mit den Kernaussagen der damaligen BewohnerInnen verlinkt sind. Nach dieser „Führung“ durch das jeweilige Gebäude können sich die LeserInnen auf ein ausführliches Fotoessay einlassen, das die Ikonen der Moderne in der heutigen Zeit zeigen. Durch die emotionale, im Vorfeld erzählte Geschichte, wird dieser Rundgang sehr erlebnisreich, es gelingt eine direkte Beziehung herzustellen, das Interesse die Innen- und Außenräume zu erkunden ist geweckt. Es verwundert nicht, dass dieses Projekt den Lawrence B. Anderson Award, ein Stipendium für kreative Dokumentation für einen Alumnus des MIT, erhalten hat. Leinengebunden, angenehm farbenfroh in blautürkis und rot hält es sich auch in der Gestaltung nicht zurück. Dass es sich um eine Übersetzung handelt, verrät allerdings die Passage bei Herrn Fassbaender: „Als sein Vater, von Beruf Sänger, einen Vertrag mit einem Stuttarter Theater abschloss, siedelten sie aus Aachen, wo der kleine Rolf geboren wurde, über.“

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- Kinder der Moderne

11. Mai 2021 newroom

Daniel Büchel – reichhaltig

„Reichhaltig ist eigentlich alles, das ganze Environment – ein großer Fundus! Ich bin jemand, der sich komplett auf einen Ort einlässt und diesen im besten Fall noch verstärkt. Ich schaue, welchen Reichtum ich vorfinde und je intensiver und länger ich mich so einem Ort hingebe, umso mehr ist zu entdecken. Ich versuche die Dinge völlig vorurteilsfrei zu sehen, gar alles hat einen Wert für mich. Es gibt fast nichts, was man nicht einsetzen oder verwenden kann und das kann so weit gehen, dass eine kaputte, mit Krakelee überzogene Spanplatte aus den 50er Jahren – beispielsweise im ersten magdas-Hotel beim Prater in Wien – als Baumaterial für Möblage verwendet wird. Selbst im absurdesten Abbruchmaterial, das nur noch im Bauschuttcontainer landet, kann man noch etwas erkennen. Damit bin ich irgendwie aufgewachsen, in Galtür auf der Bieler Höhe, das hat mich stark geprägt. Diese karge Felslandschaft, genauso spartanisch und bescheiden ist auch das Leben dort. Auf 3.000 Meter Höhe muss man halt sehr, sehr bewusst mit allem umgehen. Es beginnt schon damit, wie man ein Feld aufbereitete, es von Steinen freimachte, diese am Rand als Parzellierung und Zaun auftürmte oder am Dach die Holzschindeln damit beschwerte, damit sie nicht davonfliegen. Was für das Wohnzimmer nicht mehr genügte, hat man im Stall oder Schuppen weiterverbaut. Da wurde nichts weggeworfen und in diesen knappen Ressourcen liegt die Poesie und ein Erfindungsreichtum.

Im aktuellen Hotelprojekt, dem Umbau eines ehemaligen Priesterwohnheims mit Kapelle am Dach und teilweise noch vorhandenem Originalmobiliar aus den 1950er Jahren, habe ich einen stark klerikal besetzten Ort vorgefunden und das war eigentlich der Ausgangspunkt für meine Arbeit. Ich habe dort quasi archäologische Arbeit betrieben, indem ich mit den noch vorhandenen Fragmenten die originalen Zimmer aus der ersten Bauphase des Hauses rekonstruiert habe oder Einbauschränke und Zimmerausstattung in ihre Bestandteile zerlegt habe und geschaut wie man alles einsetzen kann. Daraus entstand ein reichhaltiger Katalog und zwar nicht nur mit Stühlen, Tischen und dem ganzen losen Inventar, das dort herumsteht, sondern wirklich mit dem ganzen Bestandsmaterial, aufbereitet und sichtbar gemacht. Mich als Gestalter so weit zurückzunehmen, wirklich gar nichts mehr zu entwerfen, sondern dem Ort mit Respekt zu begegnen, was ich vorfinde neu zu inszenieren oder anders zu sehen, ist ein zentrales Element meiner Herangehensweise. In allem einen Wert und die Qualitäten zu erkennen, diese auch einsetzen zu können hat aber nichts mit der Vintage-Mode, die oft teurer als Neuware ist, zu tun. Ich bleibe da schon im Low-Budget-Bereich und greife zu im Überfluss.“

Daniel Büchel, geb. 1968, Architekt und Designer, Wien, Vorarlberg. Beim ehemaligen Priesterwohnheim in der Wiener Ungargasse, das nun ein magdas-Hotel wird, bleibt das Zeitfenster zum Erbauungsjahr 1964 offen. Mit Respekt dem Vorgefundenen zu begegnen und dieses wieder neu inszenieren, so lautet das Leitbild für die Umnutzung, was absolut der Philosophie der Caritas entspricht.

6. April 2021 newroom

Angelika Bachmann – reichhaltig

„Reichhaltig bedeutet für mich, wie breit gefächert ein Projekt aufgebaut ist, ob es gelingt die vielfältigen Anforderungen zu erkennen und mit dem Entwurf die Antworten zu geben. Der Ort, die Aufgabe und das Vorhandene bilden gleich zu Beginn des Prozesses einen komplexen Verbund und wirken anfangs oft wie ein zu reichhaltiges Essen. In diesem Prozess ist es wichtig die wesentlichen Dinge herauszufiltern, manche Details in gewissen Entwicklungsstufen auch bewusst zu übersehen oder zu überhören, um den roten Faden in den ganzen Schichtungen nicht zu verlieren. Reichhaltig wird für uns eine Arbeit oder ein Projekt, wenn wir damit Teil eines größeren Ganzen werden und Entsprechendes aus dem Ort und dem Vorhandenen entwickeln. Deswegen lassen wir unsere Hände von Projekten, welche nur ‚nehmen‘ und nichts ‚geben‘.

Ein Projekt kann meist viel mehr, als in der Aufgabenstellung gewollt und formuliert. Danach suchen wir. Nach dem Mehrwert für das Dorf, die Stadt, die Landschaft oder die Menschen: Wenn der Schulhof zum öffentlichen Platz wird, das Gerätehaus der Feuerwehr zum Haus der Dorfgemeinschaft, ein Foyer wochentags zum Speiseraum oder wenn aus dem Projekt einer Turnhalle ein Kletterzentrum für die Schulen entsteht. Wir arbeiten gerne mit Überlagerungen und für vermeintlich nicht zusammenpassende Dinge suchen wir einen gemeinsamen Weg: Eine Werkstatt zusammen mit Seniorenwohnungen, ein Rathaus mit einem Theatersaal, ein aktives Kloster mit einem Studentenheim. Oder wie beim Entwurf eines größeren Schulumbaus zwischen Eisenbahn, Landestraße und Autobahn, bei dem wir uns der vorgekauten Lösung und dem bloßen Abarbeiten des Auftrags mit hohem Arbeitsaufwand und konkreten Vorschlägen widersetzten. Das Bewusstmachen bisher nicht gekannter Möglichkeiten und eines Mehrwerts, schaffte bei allen Beteiligten Vertrauen und eine hohe Identifikation mit dem Projekt.“

Angelika Bachmann, geb. 1967, Architekturbüro Stifter + Bachmann, Pfalzen/Südtirol. Ausgehend vom Kontext versuchen Angelika Bachmann und Helmut Stifter dem Ort immer einen reichhaltigen Mehrwert zurückzugeben. Bei einer komplexen Schulsanierung in Blumau beispielsweise, konnten sie die Auftraggeber von einer sanften Sanierung des Altbaus und einem Erweiterungsneubau überzeugen und so mit Vorplatz wie Zwischenräumen eine neue identitätsstiftende Situation schaffen.

23. März 2021 newroom

Gabriele Riepl – reichhaltig

„Reichhaltig bedeutet für mich vielfältig und dass etwas einfach, aber komplex ist. Es geht immer darum, dass man im zweiten Schritt, auf weiteren Ebenen Potenzial erkennen kann, dass eine Atmosphäre entsteht, die anregend ist und auch um eine vielschichtige Nutzung. Räume sollen stimulierend sein und Aktivitäten fördern, nicht verhindern. Abgesehen davon, dass ein Konzept immer organisatorisch oder logistisch gut durchdacht sein muss, sollte es noch einen Mehrwert bieten. Lustiger Weise passiert es bei unseren Projekten immer wieder, dass Bauherren im Nachhinein entdecken, dass die Räume mehr ermöglichen, als auf den ersten Blick erkennbar war. Da kann schon mal eine Dreifachturnhalle zur Stadthalle umbenannt werden. Und daran merken wir, dass ein Konzept aufgegangen ist. Im Großen und im Kleinen, überall kann etwas einbezogen werden, das den BenutzerInnen Vielschichtigkeit bietet: beim Wohnen genauso wie bei komplexeren Bauvorhaben, bis hin zum Industriebau.

Der Raum dazwischen spielt dabei eine bedeutende Rolle. Bei den Bildungsbauten beispielsweise, wo Begegnungszonen beiläufig vorhanden sind und eigentlich die offene Atmosphäre des Austauschs ausmachen. Genauso werden mit Lichtführung Funktion und Raum maßgeblich beeinflusst. Es kommt auf den Wechsel zwischen Offenheit und Geschlossenheit, Innen- und Außenbezügen bei den Bauwerken an.“

Gabriele Riepl, geb. 1954, Riepl Riepl Architekten, Linz. Die Bauten der Riepl Riepl Architekten schaffen immer reichhaltigen Mehrwert, wie bei den Gebäuden des Campus der Johannes Kepler Universität die vielfältige Nutzungen sowie Begegnungen zulassen und fördern oder beim Oberösterreichischen Kulturquartier/Offenen Kulturhaus in Linz das sich mit seinem Platz zu einem der lebendigsten Orte in Linz entwickelt hat.

22. März 2021 newroom

Ein Beitrag. Strategie der Überwindung

Nur weil Adolf Hitler seine „Jugendstadt“ Linz zur „schönsten aller Donaustädte“ ausbauen wollte, die es mit Wien und Budapest aufnehmen könne, und im Zusammenhang mit der Errichtung der Nibelungenbrücke zwei portalhafte, monumentale Brückenkopfbauten ans Ufer stellte – kann man deshalb von kontaminierten Bauten sprechen? Noch dazu war die Bestimmung als Oberfinanzpräsidium zu funktionieren doch relativ harmlos. 1945 wurde die Baustelle wieder aufgenommen und es entstand ein neues Amtsgebäude der Finanz- Landesdirektion. Ja, es ist legitim solche plakativen Aufhänger in der Schlagzeile zu verwenden, vor allem wenn es dann im Buch um Architektur geht, um den Umbau und die Erweiterung der Kunstuniversität Linz durch Architekt Krischanitz. Wohltuend, wie sich der Herausgeber Georg Schöllhammer bedächtig dem Vorgefundenen und daraus Gemachten annähert: „Räumliche und baugeschichtliche Übergänge, Schnittstellen, Berührungspunkte und Anschlussstellen (durchaus auch im historischen Bedeutungsfeld, das im Begriff Nazibau opak mitschwingt) sind ein Generalthema dieses Projekts, das zwölf Jahre nach dem Wettbewerb nun fertiggestellt ist, und Antwort auf die Fragen nach dem Widerspruch zwischen Inhalt und Form.“

Im kunsthistorischen Aufriss erfährt man von Gabriele Kaiser Interessantes über den Prozess in der Entstehungsgeschichte. Wolfgang Kil hätte vielleicht in seiner Betrachtung zu „Denkmalsturz. Gleichgültigkeit. Kunstgeschichte.“ bei den „acht Notaten über „Das Böse“ in der Baukunst und wie man sich seiner erwehrt“ das negative Leitwort nicht so oft verwenden müssen, wenn er höchst aufschlussreich über Hitlers Offizialbauten in Weimar oder der „Chipperfield-Provokation“ bei der Sanierung des Hauses der Kunst in München schreibt. Interviews des Herausgebers mit dem ehemaligen Rektor Reinhard Kannonier und der aktuellen Rektorin Brigitte Hütter geben einen Eindruck, wie die NutzerInnen mit der Architektur umgehen. Dass das einzige, nach außen sichtbare Zeichen der Revitalisierung der denkmalgeschützten Baustruktur die Kunst-und-Bau-Installation der Künstlerin Karin Sander – nämlich der „Transzendenzaufzug“ – ist, die einen wesentlichen funktionellen Mehrwert hat, spricht für die Qualitäten, die sich nur im Inneren erschließen. „Adolf Krischanitz großzügige Entkernung des biederen und kleinräumigen Inneren dieses als Verwaltungskomplex für die Finanzbehörde errichteten Objekts nimmt diese Dialektik wahr, nimmt sie auf und setzt sie als Motiv um. Dabei wird sie mit ihren neuen funktionsflexiblen Erschließungs-, Nutzungs- und Lichtkonzepten in einer klaren, struktual gedachten und schnörkellos formulierten Architektursprache vermittelt, der es nie darum geht, mit rhetorisch gesetzten modernistischen Antithesen gegen den neoklassizistischen Bestand zu agieren“, so Schöllhammer. Ein Buch über Architektur, das Geschichte, historische Baukultur und damit verknüpfte Konnotationen umfassend und anregend thematisiert.

verknüpfte Publikationen
- Strategie der Überwindung

9. März 2021 newroom

Mark Gilbert – wegweisend

„Seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten, hat die Architektur neue Wege gesucht, ja suchen müssen. Es wurde zunehmend klar, dass es weniger um das Spektakel sowie das Setzen von Macht- und Marktwahrzeichen geht, sondern um das Schaffen einer fairen und gesunden Umwelt. Unsere Prioritäten müssten sich ändern. Man denkt nun an die Städte, die überall wachsen und sich verdichten. Diese Entwicklungen werfen neue Fragen auf: Wie können Ballungsräume leistbar bleiben, wenn jeder dort hinziehen will? Wie kann ein gleichwertiger Zugriff auf den städtischen Raum für alle gesichert werden? Wie können wir mit immer knapper werdenden Mitteln eine schöne und qualitätsvolle Plattform für das städtische Leben gestalten? Es geht dabei auch um die Natur, das Klima und die Ressourcen. Damit ist jedoch nicht nur die Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Ausstoß gemeint. Es bedarf vielmehr eines gesunden Umdenkens wie wir mit der Ressource Boden umgehen, über wirksame Widmungsstrukturen, die der Gemeinschaft dienen, und wie wir den Lebensraum für Biodiversität sichern können.

Wir müssen uns mit Fragen über die Beziehung von Stadt und Land konfrontieren, wenn die Grenzen zwischen den beiden schwinden, neue Zielsetzungen definieren und dazu Strategien entwickeln oder sogar erfinden. Das alles beinhaltet für mich der Begriff „wegweisend“, was ich keinesfalls mit dem „Visionären“ – den genialen Strich, den brillanten Wurf – gleichsetze. Ich verstehe es vielmehr als eine dialektische Entwicklung und Entfaltung von Erkenntnissen, die immer mit Widerstand und Widerspruch begleitet sind. Bauen ist ein kollektiver Prozess, in dem viele Akteure und Interessen geachtet werden müssen. Fortschritt und Entwicklung entstehen aus dem Dialog, durch den gegenseitigen befruchtenden Austausch. Das ist das Wesen der Dialektik. Orientierung und Bewegung sind vielmehr kollektives Ereignis, als individueller Blitzschlag.“

Mark Gilbert, geb. 1961, trans_city, Wien. Das überwiegende Tätigkeitsfeld von Mark Gilbert und Christian Aulinger ist der Wiener Wohnbau. Dabei geht es immer um die spezifischen Lösungen in einer Dialektik der sehr komplexen und vernetzten Szene, bestehend aus Bauträgern, Banken, aus Politikern, Beamten, aus Soziologen und Planern, die Grenzen ausloten und gemeinsam den Weg weisen.

Publikationen

2021

Rudolf Wäger Baukünstler 1941–2019
Ein Pionier in Vorarlberg

Als gelernter Zimmermann war Rudolf Wäger (1941–2019) in der Architektur Autodidakt. Das 1965 eigenhändig errichtete „Würfelhaus“, ein emblematisches, auf das Wesentliche in Material und Gestalt reduziertes Kleinhaus, wurde zum viel beachteten Pionierwerk der „Vorarlberger Baukünstler“ – jener Gruppe,
Hrsg: vai Vorarlberger Architektur Institut, Architekturzentrum Wien
Autor: Martina Pfeifer Steiner, Marina Hämmerle
Verlag: Birkhäuser Verlag

2019

33 Interviews zur Architektur

Dieses Buch ist die Bestandsaufnahme einer Zunft, die unsere Lebensräume gestaltet. Was treibt sie an, was nervt, wie sieht ihre Arbeitswelt aus? So viele Köpfe wie Haltungen und Visionen. Fünf Fragen bilden den konstanten Rahmen, die vielfältigen Antworten geben Einblick in die heutigen Bedingungen
Hrsg: nextroom
Autor: Martina Pfeifer Steiner
Verlag: Müry Salzmann Verlag

2018

Rastlos: Architekt Werner Pfeifer 1919–1972
Vom Montafon bis Tanganjika

Leben und Werk des Vorarlberger Architekten Werner Pfeifer sind Ausgangspunkt für ein atmosphärisches Kaleidoskop der fortschrittsgläubigen 1950er- und 1960er-Jahre. In zwei verschränkten Buchteilen wird das berufliche Feld des Architekten beleuchtet und darüber hinaus ein lebhaftes Bild des Menschen
Autor: Martina Pfeifer Steiner
Verlag: Park Books

2017

Der Praterstern ist kein Himmelskörper
Gesammelte Texte

Kneissls Gabe der Registrierung, der Beschreibung feinster Nuancen und Verhaltensmuster im Alltagsleben, im Ballett der öffentlichen und privaten Raumnutzungen, in den grotesken Powerplays von Politik und Medien, in den beruflichen Kämpfen und flottierenden Ideologien, all das fand bei ihm im fortschreitenden
Hrsg: Martina Pfeifer Steiner
Autor: Franz Eberhard Kneissl
Verlag: Sonderzahl Verlag