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Artikel

11. April 2012 Neue Zürcher Zeitung

Weisser Lurch im alten Hafen

Trotz seiner hochbedeutenden Sammlung war das Niederländische Filminstitut in Amsterdam bisher nur Insidern ein Begriff. Nun hat das Museum am Nordufer des IJ ein neues Haus bezogen, das sein extravagantes Aussehen den Wiener Architekten Delugan & Meissl verdankt.

Amsterdam, die Stadt der Grachten, begeistert nicht nur Wochenendtouristen. Seit Jahren pilgern auch Liebhaber der neuen Architektur in die niederländische Metropole, die Weltläufigkeit mit Altstadt-Charme zu verbinden weiss. Die pittoreske Enge abseits der noblen Kanäle rund um die barocke Herengracht...

21. März 2012 Neue Zürcher Zeitung

Säulenhallen und Ehrenbögen

Ruinen geben nicht nur Auskunft über frühere Kulturen, sie appellieren auch an das Gefühl. Nicht zuletzt deswegen pilgern wir zu den Baudenkmälern und Ausgrabungsstätten der griechisch-römischen Antike – auf die Athener Akropolis ebenso wie nach Pompeji, zur Maison Carrée in Nîmes oder zum Amphitheater...

14. März 2012 Neue Zürcher Zeitung

Subtil und selbstbewusst

Seit einigen Jahren wird die Innsbrucker Innenstadt mit gezielten architektonischen Interventionen verdichtet. Mehr noch als die von international tätigen Stars realisierten Werke vermögen die subtil und selbstbewusst ins Stadtbild integrierten Bauten von Hanno Schlögl und Daniel Süss zu überzeugen.

Innsbruck ist ein urbanistisches Juwel. An die malerische Altstadt rund um das Goldene Dachl schmiegen sich die barocke Hofburg und die von den Touristenscharen weit weniger beachtete Stadterweiterung des 18. und 19. Jahrhunderts, welche nach den Bombardements des Zweiten Weltkriegs sorgsam wieder hergerichtet...

11. Februar 2012 Neue Zürcher Zeitung

Kreolischer Klassizismus

Kubas Kolonialarchitektur ist ein Fest fürs Auge. Nach einem barocken Vorspiel wurde die Formenwelt des Klassizismus zum Ausdruck nationalen Selbstbewusstseins. Mehr noch als Havanna, die «Stadt der Säulen», wurden die antikischen Stadtbilder von Cienfuegos und Pinar del Río durch die neue Baukunst geprägt.

Einstürzende Prachtbauten und bröckelnde Fassaden bestimmen unsere Vorstellungen von kubanischen Städten. So wurde vor wenigen Tagen gemeldet, dass das Teatro Campoamor, bekannt aus Florian Borchmeyers Havanna-Film, in sich zusammengebrochen ist. Der architektonische Niedergang manifestiert sich besonders...

17. Dezember 2011 Neue Zürcher Zeitung

Baukünstlerischer Formenzauber

Nie gab sich die moderne Architektur phantasievoller als im Italien der Nachkriegszeit. Eine Ausstellung in Innsbruck zelebriert nun den gebauten Formenzauber jener zukunftsgläubigen Epoche.

Seit Jahren liegt Italiens Architektur darnieder. Einzig in Südtirol konnte sich eine lebendige Szene halten. Der zaghafte baukünstlerische Neuanfang in Sizilien und anderen Regionen schwächelt hingegen im eisigen Wind der Krise. Sie könnte das Bauen zum Erliegen bringen – oder ganz neue Kräfte freisetzen:...

2. Dezember 2011 Neue Zürcher Zeitung

Stiller Dialog

Als Guru der zeitgenössischen Baukunst und als Prophet des Junk-Space wurde Rem Koolhaas berühmt. Nun lässt der von ihm und seinem Büro OMA konzipierte Neubau der Rothschild-Bank in London ganz leise Töne anklingen. Sie finden ein Echo in der vom Rotor-Kollektiv inszenierten OMA-Schau im Barbican Centre.

Schön nennen wird sie kaum jemand, aber faszinierend ist sie doch: die City of London. Auch wenn Christopher Wren nach dem grossen Feuer von 1666 seine metropolitane Vision einer durch Plätze und Prachtsstrassen gegliederten Stadt nicht realisieren konnte, setzten er und sein talentierter Schüler Nicholas...

28. Oktober 2011 Neue Zürcher Zeitung

Labor der Moderne

Nach Israels Staatsgründung im Jahre 1948 mussten für Hunderttausende von Einwanderern neue Siedlungen geplant und Infrastrukturen geschaffen werden. Dabei kamen die Prinzipien der modernen Architektur und Urbanistik konsequent zum Einsatz. Dies zeigt derzeit eine vielschichtige Ausstellung in Basel.

Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Nebenwirkungen der Globalisierung beschäftigen uns immer mehr. Davon zeugt das aus ökologisch-regionalem Denken hervorgegangene «Slow Movement» ebenso wie die auf die Anprangerung sozialer Ungleichheit ausgerichtete «Occupy»-Bewegung. Mehr noch bereitet...

12. Oktober 2011 Neue Zürcher Zeitung

Weingrotten und Musentempel

Zeitgenössische Architektur hat in Italien einen schweren Stand. Einzig in Südtirol konnte sich jüngst eine spannende Szene etablieren. Viele Hauptwerke – vom umgebauten Schloss über das Weinhaus bis zum eleganten Wellnesscenter – dienen dem Tourismus als Aushängeschilder.

Kaum eine andere alpine Region ist von der Natur derart verwöhnt wie Südtirol. Hier locken Sonne, Berge, Schnee und Wein, aber auch alte Städte, Burgen und Herrensitze. Immer mehr Aufmerksamkeit geniesst zudem die Architektur der letzten hundert Jahre: etwa die dem Jugendstil verpflichtete touristische...

28. September 2011 Neue Zürcher Zeitung

Kristalliner Minimalismus

Im Umkreis der Place des Nations in Genf entstehen immer wieder neue Bauten. Soeben konnte das neue Wipo-Gebäude von Stefan Behnisch eingeweiht werden. Es erweist sich als beispielhaft für die Baukultur des internationalen Genf.

Genf hat viele Gesichter. Calvinistisch vornehm gibt sich die Altstadt, südlich heiter erscheinen die Gründerzeitquartiere am See und zurückhaltend kühl die Villenviertel im Norden der Stadt. Dort haben sich seit der Einweihung des Völkerbundspalastes und heutigen Uno-Gebäudes im Jahre 1936 viele internationale...

29. August 2011 Neue Zürcher Zeitung

Von Kopenhagen lernen

Kopenhagen ist eine schöne und lebenswerte Stadt. Damit dies trotz stürmischem Wachstum so bleibt, werden in den neuen Quartieren rund um den Innenhafen und in Ørestad unterschiedliche Städtebau-, Architektur- und Wohnkonzepte erprobt.

Bescheidenheit ist seine Sache nicht. Der 35-jährige dänische Senkrechtstarter Bjarke Ingels sieht sich als Protagonist einer neuen pragmatisch-utopischen Architektur, die Investorenfreundlichkeit mit zeitgenössischer Avantgardetheorie verbindet. «Yes is more» lautet sein Wahlspruch, dem er einen bereits...

23. August 2011 Neue Zürcher Zeitung

Aquädukte und Strassentunnels

Auf Wanderungen in der Schweiz stösst man mitunter auf Überreste römischer Verkehrswege – am Julierpass genauso wie im Berner Jura. Zwischen Tramelan und Tavannes folgt man bei La Tanne einer gepflasterten antiken Strasse und entdeckt dann auf dem nahen Pierre-Pertuis-Pass einen altrömischen Strassentunnel,...

18. August 2011 Neue Zürcher Zeitung

Bauen als kritische Kunst

Das Interesse an Ai Weiwei ist seit seiner vorübergehenden Inhaftierung grösser denn je. Nun wirft das Kunsthaus Bregenz einen Blick auf das architektonische Schaffen des chinesischen Multitalents.

Die grosse Touristenattraktion von Bregenz ist in diesem Sommer das phänomenale Bühnenbild von Umberto Giordanos Oper «André Chénier». Es zeigt den Leichnam von Jean-Paul Marat, der – Jacques-Louis Davids Schmerzensbild nachempfunden – als 24 Meter hoher Koloss statt aus einer Badewanne aus den Fluten...

6. August 2011 Neue Zürcher Zeitung

Architektur und Leben

Mit dem Wohnen verbundene Träume und Wirklichkeiten beschäftigen uns alle. Nun erkundet das Louisiana Museum in Humlebæk bei Kopenhagen die sozialen Aspekte der Baukunst in der Ausstellungsreihe «Grenzen der Architektur».

Es ist stickig und rauchig. Dicht gedrängt sitzen Menschen in einem provisorischen Unterstand auf Sofas und Sesseln. Sie tragen Atemmasken und Brillen. Man glaubt zunächst, eine Endzeitvision vor sich zu haben – doch die wandfüllende Fotografie verströmt eine seltsam entspannte Atmosphäre. Das irritierende...

3. August 2011 Neue Zürcher Zeitung

Architektonische Grandeur

Seit das Zentrum von Edinburg zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, renoviert die Stadt ihre Bauten. Soeben konnte das von Gareth Hoskins umgestaltete National Museum of Scotland, ein viktorianischer Prachtbau, wiedereröffnet werden.

Im sommerlichen Sonnenschein ist Edinburgs urbane Schönheit kaum zu überbieten. Über langgezogene Felsenriffe breitet sich die Architekturlandschaft derart glücklich aus, dass sich allenthalben zwischen den baukünstlerischen Steingebirgen Ausblicke öffnen auf die weite Landschaft, den Arthur's Seat oder...

7. Juli 2011 Neue Zürcher Zeitung

«Amate l'architettura»

Die Kreativität des Architekten Gio Ponti gründete auf einem spielerischen Umgang mit den Prinzipien der Moderne. Wie daraus Ikonen der Baukunst und des Designs resultierten, zeigen zwei Ausstellungen in Pontis Heimatstadt Mailand.

Die Bauten, Innenräume und Objekte, die Gio Ponti (1891–1979) in seiner langen Karriere verwirklichte, zeugen von klassischer Gestaltungskraft und mediterraner Unbeschwertheit. Auf Vasen schweben Frauen über metaphysischen Architekturen, und seine Häuser prunken anfangs noch mit den Giebeln und Säulen...

16. Juni 2011 Neue Zürcher Zeitung

Die Stadtform weiterdenken

Italien ist ein karger Boden für zeitgenössische Baukunst. Nur Südtirol bietet mit seiner kreativen Architektenszene eine Ausnahme. Jetzt soll die Reurbanisierung des Bahnhofareals von Bozen auch städtebauliche Massstäbe setzen. Eine Schau im Wiener Ringturm zeigt die Projekte.

Städtebauliche Kompaktheit ist einer der Vorzüge von Bozen. Eng an die Altstadt schliesst das rationalistische Viertel an, das unter Mussolini als Ausdruck faschistischer Vorherrschaft realisiert wurde, heute aber von vielen geschätzt wird, weil es Italianità ins heitere Alpenland bringt. Eine Gegenwelt...

7. Juni 2011 Neue Zürcher Zeitung

Hochhaus und Paradiesgarten

Die Architektur von Dienstleistungs- und Industriegebieten ist meist banal. Dass es auch anders geht, beweist die Roche Diagnostics AG in Rotkreuz. Ihr Campus überrascht mit zeichenhaften Bauten und botanisch interessanten Grünanlagen.

Vor der Bergkulisse der Innerschweiz setzt sich an der Autobahnkreuzung Rütihof ein heller Glasturm vornehm in Szene. Ortsunkundigen weist er den Weg durch das Industriegebiet von Rotkreuz zum neuen Campus der Roche Diagnostics AG. Dort angelangt, finden sie sich auf einem baumbestandenen Platz wieder,...

26. Mai 2011 Neue Zürcher Zeitung

Spielen mit Baustilen

Mit wegweisenden Universitäts- und Kulturbauten sicherte sich James Stirling einen Platz unter den grossen Architekten des 20. Jahrhunderts. Die Tate Britain in London zeigt nun seine Entwürfe in der von ihm realisierten Clore Gallery.

Sie war das Architekturereignis des Jahres 1984: die Eröffnung der Neuen Staatsgalerie in Stuttgart. Wer in Kunstkreisen etwas auf sich hielt, pilgerte in die schwäbische Metropole, um das «postmoderne» Meisterwerk kritisch zu bewundern. Die für diesen Retrostil sonst typischen Säulen und Giebel vermisste...

17. Mai 2011 Neue Zürcher Zeitung

Gestapelte Ausstellungscontainer

Das unmittelbar nördlich der Altstadt gelegene alte Hafengebiet von Antwerpen wandelt sich in ein neues Wohn- und Kulturviertel. Sein Wahrzeichen ist das der Stadtgeschichte gewidmete Museum aan de Stroom von Neutelings & Riedijk, das heute offiziell eingeweiht wird.

Antwerpen ist eine verkannte Schöne mit einem zweifelhaften Ruf. Doch die als Hochburg flämischer Nationalisten ins Gerede gekommene Stadt überrascht ihre Besucher mit kultureller Weltoffenheit. Stolz ist man vor allem auf die Modeszene. Ihr Schaffen präsentiert sie im schicken Viertel rund um Dries...

11. Mai 2011 Neue Zürcher Zeitung

Bauten und Monumente

Der Architekturdiskurs in Publikationen und an Hochschulen kommt nicht ohne Abbildungen aus. Drei Münchner Ausstellungen würdigen nun die Architekturfotografie von ihren Anfängen bis heute.

Alten Fotografien eignet etwas Magisches. Sie geben eine bekannte Welt wieder, die doch seltsam verwandelt scheint: der gepflästerte Mailänder Domplatz menschenleer, die spiegelglatte Seine in Paris, vollgestellt mit schwimmenden Badehäusern, und die Kairoer Altstadt, belebt von schemenhaften Turbanträgern....

7. Mai 2011 Neue Zürcher Zeitung

Grüner Torso

Mit dem Prime Tower hat Zürich das höchste Haus der Schweiz erhalten. Doch die schillernde architektonische Skulptur steht isoliert in der Stadtlandschaft.

Vom kleinen Strand in Küsnacht aus erscheint das höchste Haus der Schweiz gedrungen wie ein Schrank, der dank seiner grünen Farbe jedoch erstaunlich sanft mit den bewaldeten Höhenzügen verschmilzt. Auffälliger ist der Prime Tower in der Stadtlandschaft, wo er sich immer wieder anders präsentiert: Zum...

2. März 2011 Neue Zürcher Zeitung

Chromblitzende Zacken

Seit der Eröffnung des Max Museo in Chiasso Ende 2005 zählen Pia Durisch und Aldo Nolli zu den wichtigsten Vertretern der Tessiner Architektur. Nun beweisen sie ihr Können mit einem eigenwilligen Schulhaus in Gordola erneut.

Draussen in der Ebene von Gordola wähnt man sich zwischen weiten Ackerflächen und alten Bauernhäusern, Plastictunneln und Betonhallen fast wie in einem neorealistischen Film. Grosse Architektur erwartet man hier kaum, bis plötzlich ein Zackenband aufblitzt – fast, als ob die Gipfel der Tessiner Berge...

18. Februar 2011 Neue Zürcher Zeitung

Planen für die Zukunft

Die Gegend zwischen Bonn und Duisburg befindet sich im Umbruch. Alte Hafengebiete werden umgenutzt und Innenstädte aufgewertet. Eine Ausstellung in Köln zeigt nun, dass der städtebauliche Wandel am Niederrhein Tradition hat.

Das stolze Köln ist seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, was es einmal war. Wohl wurden Kirchen, Dom und andere wichtige Baudenkmäler wiederaufgebaut. Dennoch herrscht im Zentrum ein chaotisch anmutendes Gemisch meist recht banaler Häuser vor. Die alte Römerstadt steht seither für einen städtebaulichen...

16. Februar 2011 Neue Zürcher Zeitung

Der Poet des Eisenbetons

Der Palazzetto dello Sport in Rom machte Pier Luigi Nervi 1960 weltbekannt. Etwa zur selben Zeit hatte er zusammen mit ebenso berühmten Kollegen das Unesco-Gebäude in Paris und das Mailänder Pirelli-Hochhaus entworfen. Nun wird sein Werk in einer Römer Schau gefeiert.

Rom ist ein Fest der Architektur. An Fassaden und in Innenhöfen triumphiert die schöne Form. Auch technische Höchstleistungen lassen einen immer wieder staunen: Aquädukte und Brücken ebenso wie die Gewölbe des Palatins, die Vorhalle der Stazione Termini oder die Kuppeln von Pantheon, Petersdom und anderen...

9. Februar 2011 Neue Zürcher Zeitung

Frischer Wind am Tafelberg

Kapstadt hat viele Gesichter. Europäisch anmutende Trendquartiere finden sich hier ebenso wie übervölkerte Townships. Dank der gezielten Schaffung sicherer Fussgängerzonen entdecken nun Einheimische und Touristen den mediterranen Charme der Königin am Tafelberg.

Vom Meer her sollte man sich dieser Stadt nähern, um ganz langsam in ihre landschaftliche und urbanistische Schönheit einzutauchen. Doch die meisten Besucher – Ausländer wie Südafrikaner – erreichen Kapstadt vom Flughafen her durch eine trockene Ebene, in der sich in den letzten zwanzig Jahren die Townships...