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14. Dezember 2011 Der Standard

Ein Kreuz mit fünf Ecken

Kreuz im hellen Licht: Die Kapelle im Seelsorgezentrum für die Voestalpine Linz.

Die x-Architekten aus Linz schälen Räume aus der Landschaft und verstecken helle Kerne in dunklen Schalen. Ganz neu: eine Seelsorgestelle

Linz - Es ist einer der einfachsten Büronamen aller Zeiten, den sich die „x-Architekten“ Bettina Brunner, David Birgmann, Rainer Kasik, Max Nirnberger und Lorenz Promegger gaben, als sie sich nach dem Studium in Graz zusammenschlossen. Das „x“ steht für sie als Variable für eine Summe aus fünf Teilen. Dem Standort Linz ist man nach dem ersten erfolgreichen Projekt, einem in Gold gehüllten Möbelhaus in Freistadt, hinterhergezogen.

Seit 2003 gibt es auch eine Zweigstelle in Wien, „der Hauptstandort ist aber definitiv Linz“ , wie David Birgmann betont. Nach etwas mehr als zehn Jahren hat das Quintett (Jahrgang 1967 bis 1973) ein beachtliches Werk vorzuweisen. Auf einen formellen Stil will man sich nicht festlegen, arbeitet aber immer wieder mit Flächen, die sich wie Schollen aus dem Gelände auffalten oder sich darüber wie kantige Vorhänge drapieren, und hüllt gerne helle und warme Wohnräume in Fassaden aus edlem Schwarz.

Eng mit der Landschaft verschränkt ist das neueste Werk von x-Architekten: die im Sommer eröffnete Seelsorgestelle „Treffpunkt Mensch und Arbeit“ der Diözese Linz. Der Ort war denkbar unwirtlich: Eine Schlackehalde zwischen Bahn und Stadtumfahrung auf dem Areal der Voestalpine. Die Architekten bauten nicht in die Höhe, sondern setzten eine blick- und lärmgeschützte Oase ins Gelände. „Wir haben die Räume aus dem Erdreich freigeschürft und so eine höhlenartige Form gewonnen“ , erklärt Birgmann. Nach außen schlackig-rauh, im Inneren wärmen dafür lange Lichtbänder und Flächen aus weißlackierten Fichtenbrettern die Stahlarbeiterseelen.

Stille Einkehr kann eben auch hinter der härtesten Schale Einzug halten.

26. November 2011 Der Standard

Im Land der Königskunden

Der Bauherrenpreis rollt den Auftraggebern der Architektur einen Teppich aus und zeigt zugleich einen Querschnitt durch das Bauen in den Bundesländern.

Fragt man Architekten nach ihren Traum- und Wunschprojekten, erhält man erstaunlich oft, viel öfter als „Konzerthaus, Museum, Turm in Dubai!“, die Antwort, man wünsche sich eigentlich am liebsten einen Traumbauherren, der weiß, was er will und über Sinn für Architektur verfügt. Man will verstehen und verstanden werden, man will eine Aufgabe lösen, man will kooperieren. Architektur entsteht nicht solo auf der Tabula rasa, es gehören immer zwei dazu.

Dass neben den Architekten auch die andere Hälfte dieser Partnerschaft geehrt wird, darum kümmert sich seit 1967 einmal jährlich der österreichische Bauherrenpreis, der vorige Woche von der Zentralvereinigung der Architekten (ZV) in Klagenfurt verliehen wurde. 37 Nominierungen und fünf Preisträger wurden unter den 123 eingereichten Bauten aus allen Bundesländern gekürt. Die dreiköpfige Jury (Otto Kapfinger, Eva Rubin und Jurij Sadar) hatte dafür über 2000 Kilometer zurückgelegt, um alle nominierten Projekte inklusive ihrer Bauherren und -damen vor Ort unter die Lupe zu nehmen.

Das Spektrum reichte dabei von handgefertigten Low-Budget-Umbauten bis zu landesbehördlichen Großprojekten. Nebenbei bietet es einen hervorragenden Überblick über den gegenwärtigen Stand der Baukultur in Österreich.

Die mit Abstand größte bauherrliche Leistung wurde im Auslober-Bundesland Kärnten gekürt: Der Neubau des Klinikums Klagenfurt, seit 2010 das drittgrößte Krankenhaus Österreichs. „Das Klinikum ist ein irrsinnig komplexer Bau. Für Kärntner Verhältnisse ist das nicht selbstverständlich, dass ein europaweiter Wettbewerb erfolgreich umgesetzt und gegen politische Widerstände durchgebracht wird“, erklärt ZV-Kärnten-Vorsitzender Reinhold Wetschko die Jury-Entscheidung.

Über zehn Jahre wurde an dem 327-Millionen-Euro-Projekt geplant, entschieden und gebaut, drei Architekturbüros - Dietmar Feichtinger, Priebernig „P“ und Müller & Klinger/Architects Collective - waren beteiligt. Der preiswürdige Aspekt, eben keinen Krankenhausmoloch aufzutürmen, sondern einen maximal dreigeschossigen Komplex, dessen große Fensterflächen sich um Gärten und Höfe gruppieren, wie eine Ziehharmonika aufzuspannen, blieb bis zum Schluss erhalten. „Es war ein permanenter Prozeß zwischen Architekten und Nutzern, ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, freut sich Bruno Roland Peters, Betriebsdirektor des Klinikums. „Die Grundsatzentscheidung für einen Neubau anstatt der aufwändigen Sanierung des alten Krankenhauses mit seinen mehr als zwei Dutzend Einzelpavillons hat sich als richtig erwiesen.“

Am entgegengesetzten Ende des Größenspektrums und von Österreich ging ein Preis an die Artenne Nenzing in Vorarlberg. Die Bauherren Hildegard und Helmut Schlatter hatten für den Umbau einer Scheune zu einem Kulturort für Veranstaltungen und Ausstellung sogar eigens einen Architekturwettbewerb ausgelobt, den Hansjörg Thum aus Feldkirch gewann. Ohne die Grundsubstanz der Tenne anzurühren, wurde diese behutsam möbliert, ihr rural-rauer Charme durch Materialien wie unbehandeltes Stahlblech ergänzt.

Primus Oberösterreich

Eine erstaunlich hohe Anzahl an Einreichungen traf dieses Jahr aus Oberösterreich ein, und gleich zwei der fünf Preise gingen folgerichtig auch dorthin. „Ein gewisses Ungleichgewicht gibt es zwar immer, die Dichte und Qualität der Einreichungen aus Oberösterreich hat uns aber völlig überrascht“, berichtet Reinhold Wetschko, der die Jury begleitete.

In Linz wurde ein zweiter Umbau honoriert; dieser dauerte aber ungleich länger. 1999 hatte das Bankhaus Carl Spängler, Österreichs älteste Privatbank, die zwar privilegiert gelegene, aber heruntergekommene Immobilie aus dem 15. Jahrhundert am Hauptplatz erworben und einen jungen lokalen Architekten mit dem Umbau beauftragt. Es wurde eine intensive Zusammenarbeit, die fast zehn Jahre dauerte. „Das Haus war absolut desolat!“, erinnert sich Architekt Andreas Heidl. „In den letzten 200 Jahren hatte niemand auf die Primärstruktur Rücksicht genommen, das Gebäude war am Ende der Leistungsfähigkeit.“

Die Vorgaben: „Es sollte auf keinen Fall protzig und vergoldet sein, sondern funktionell, schlicht und einfach, passend zu unserem Kundensegment im Private Banking“, erklärt Spängler-Niederlassungsleiter Johann Penzenstadler. Mit gegenseitigem Vertrauen und beidseitiger Geduld machten sich Bauherr und Architekt daran, das sechs Meter schmale und 52 Meter tiefe Haus in mehreren Bauabschnitten sorgfältig zu füllen. Wände wurden entfernt, Technik diskret unter Holzböden versteckt, Fast-Einstürze verhindert.

„Vieles musste blitzschnell am Telefon entschieden werden“, sagt Heidl. Am Ende war sogar noch Platz übrig, der zu einem Ruheraum für die Mitarbeiter wurde.

Als einziger öffentlicher Bauherr wurde das Land Oberösterreich mit einem Preis bedacht. Für die Landwirtschaftliche Berufs- und Fachschule Ritzlhof (Architekten: Dickinger-Ramoni) wurde ein alter Vierkanthof mit einem Vierkant-Atrium ergänzt, um das sich helle Räume aus Holz - das Material war eine explizite Forderung des Bauherren - für die 600 Schüler gruppieren.

Begeisterung schließlich überkam die Jury auf 2000 Metern Seehöhe angesichts des Erlebniskomplexes „Freiraum“ an der Ahornbahn in Mayrhofen (Tirol) von M9 Architekten aus Innsbruck. Fern jeder Skihüttigkeit von der Stange ragt ein auskragender Balken aus Beton und Panoramafenstern weit in die hochalpine Luft. Der Beton für den Bau wurde ökologisch vorbildlich vor Ort erzeugt.

Fazit von Reinhold Wetschko: „Als Momentaufnahme österreichischer Architektur zeigen alle Einreichungen eine Qualität, die an sich schon preiswürdig ist.“ Ein ermutigendes Signal für die Bauherren der Zukunft.

23. November 2011 Der Standard

Gute Laune ohne Lederhose

Ulrich Stöckl und Michael Egger machen Baukultur am Rande Tirols und haben viel Spaß dabei

Die Region Kitzbühel gilt nicht gerade als Hort modernen Bauens. Auch das in den 1960er-Jahren gegründete Feriendorf Königsleiten (5000 Betten) zeigt sich als Sammlung ins Monströse aufgepumpter Rustikalität. Seit einem Jahr jedoch hat Königsleiten ein schnittiges Stück alpiner Baukultur: die Talstation der Seilbahn von Stöckl Egger und Partner (SEP).

„Wir haben den 17.000-Kubikmeter-Bau landschaftsschonend in den Berg integriert“, erklärt Michael Egger. „Auch das Material greift dessen Schichten auf: Sichtbeton, Naturstein und weißes Blech stehen für Fels, Geröll und Schnee.“ Darüber hinaus löst der Bau gleich noch das Park-, Fußweg- und Verkehrsproblem des Retortenortes. Sichtbeton statt Geranienbalkone? Kein Problem in Tirol, die Resonanz war positiv, sagt Egger. „Bei technischen Gebäuden wird Modernität hier sogar erwartet. Bei Wohnhäusern ist die Akzeptanz viel geringer.“

Nichtsdestotrotz haben Stöckl und Egger zusammen mit aufgeschlossenen Bauherren schon mehrere detailliert ausgetüftelte Wohnbauten geplant und gebaut. „Für das, was wir tun, gibt es in der Region eben wenig Konkurrenz. Wer etwas Modernes will, kommt zu uns. Die anderen machen dann die Lederhosenarchitektur.“

Gegründet würde das Büro 2004, als die beiden Schulfreunde (Jahrgang 1970) nach dem Studium in Graz zurückkehrten. „Am besten funktionieren wir eben im Gebirge“, lacht Ulrich Stöckl. Raum fand sich in einer alten Garage im Hofe der Egger'schen Tischlerei, die man mit Lamellen aus Holzresten des väterlichen Betriebs kostengünstig verkleidete.

Eine Freude am Material, die sich durch alle Bauten des jungen Büros zieht. Kein Wunder, denn das Arbeitsmotto lautet: gute Laune, lockere Atmosphäre. „Man verbringt ja mehr Stunden im Büro als in der Freizeit. Das geht nur, wenn es Spaß macht. Das kostet zwar Geld, aber am Ende ist das Ergebnis besser, und es zahlt sich immer aus.“

9. November 2011 Der Standard

Stromlinien in Form

Rames und Karim Najjar lassen sich für ihre Architektur vom Design von Yachten inspirieren. Und die Brüder planen diese gleich mit

Wenn Architekten anfangen, Yachten zu designen, haben sie in der Regel schon alles andere gebaut und gönnen sich nach der Pflicht die Kür des Entwerfens für einen Bekanntenkreis aus Scheichs und Microsoft-Bossen, in dem der Rotstift keine Rolle spielt. Ganz anders das 1999 gegründete Wiener Büro Najjar & Najjar: Für die Brüder Rames und Karim Najjar sind die schlanken Schiffe der Anfang.

Ihr erstes großes Projekt, der 2002 fertiggestellte schlauchförmige Neubau der Forschungsabteilung für Semperit in Wimpassing, zeigte mit seiner glatten, windschnittig modellierten Metallhaut schon den Weg auf. „Für die Konstruktion der doppelschaligen Wände und die Linien und Übergänge der Fassade haben wir auf das Know-how und den hohen Designanspruch des Bootsbaus zurückgegriffen“ , sagt Rames Najjar. Seitdem entwickelt man mit Schiffsbauingenieuren Yacht-Prototypen fürs Wasser und baut mit gleicher Freude am präzisen Detail an Land.

Eine perfekte Aufgabe für das Büro war daher das Welterbe- und Schifffahrtszentrum am Kremser Donauufer, das im September eröffnet wurde. Ein 80 Meter langer Stahlträger bildet ein neues Tor zu Stadt und Fluss und wirkt dabei durch seine scharfkantige Hülle leicht. Ist das Architektur, Design oder designte Architektur? „Im Deutschen klingt der Begriff Design immer etwas frivol, wenn Architekten ihn benutzen. Aber für uns ist daran nichts Überflüssiges“ , erklärt Rames Najjar.

Denn hinter den glatten Flächen steht das Prinzip des Forschens und Erfindens. Das zeigen die Studien von kleinen, fast fragilen Raumobjekten, „Kinetics“ genannt, die Najjar & Najjar neben dem Bauen anfertigen. „Diese Experimente sind Statements über das, was wir architektonisch für richtig halten. Wie Räume, die sich von innen durch Bewegung oder von außen durch die Kräfte der Natur permanent verändern.“

Verändert hat sich auch das Büro: Seit 2009 gibt es eine Filiale in Beirut, die ersten Bauten in Nahost sind schon im Entstehen. Und ein Yachthafen ist, für alle Fälle, auch vorhanden.

2. November 2011 Der Standard

Ideen in Bewegung

Freiraum im Gefängnishof, Freiheit für den Donaukanal: Gabu Heindl forscht theoretisch und plant praktisch, wie man Räume benützt

Dass eine Basis in den Theorien von Architektur und Urbanismus nicht bedeutet, dass man sich nur mit Gleichwissenden im Elfenbeinturm aufhält, zeigt das Werk der Wiener Architektin Gabu Heindl. Einerseits in der Uni-Welt (Akademie der bildenden Künste Wien, Rotterdam, Princeton) zu Hause, hat sie ebenso ein umfangreiches OEuvre an konkret fassbarer Architektur realisiert.

Für Heindl kein Widerspruch: „Forschen und Vermitteln ist für mich Teil der Architektur. Ob Theorie oder Praxis: Man braucht für beides Konzept, Haltung und Humor.“ Paradebeispiel: Die 2010 fertiggestellte Möblierung des Männerhofs der Justizanstalt Krems. In den engen, dunklen Raum, der kleiner als ein Kinderfußballfeld ist, faltete sie ein ebensolches aus Kunstrasen hinein, das am Rand aufrollend zur Parkbank wird und dort, wo es sich nicht mehr ausgeht, einfach die Wand hinaufläuft: Gesellschaftskritik mit Sitzkomfort. Neben einer Faszination für das Thema Film (sie realisierte den Umbau des Filmmuseums und einen Filmpavillon auf der Biennale Venedig) ist ihr Kernthema die Reflexion darüber, für welche Menschen man baut, wie sie sich durch Räume bewegen und warum.

Die nächsten Schritte zur Destillierung der Theorie in die Praxis stehen fest: Für den Neubau des Evangelischen Gymnasiums Donaustadt werden neue pädagogische Konzepte mit den Lehrerinnen entwickelt, und den Wettbewerb, Gestaltungsregeln für den Wildwuchs am Donaukanal zu finden, gewann sie soeben zusammen mit Susan Kraupp. Ihre Idee: Bereiche des gastronomisch überlasteten Ufers für Nichtbebauung offenzuhalten. Bewegungsfreiheit für alle.

29. Oktober 2011 Der Standard

Wenn Städte zu Donuts werden

Auf der ersten österreichischen Leerstandskonferenz wurde nach Strategien gegen die Verödung der Innenstädte gesucht

Wenn Handelsbetriebe auf die grüne Wiese wandern und die Mitte sich leert, wird das für Kleinstädte bald zur Existenzfrage. Die erste österreichische Leerstandskonferenz suchte nach Strategien gegen die Verödung.

Staubige Auslagen in brandneu gepflasterten, aber menschenleeren Straßen im Ortskern. Baumarkt, Lagerhaus, Getreidesilos und schäbige Einkaufszentren entlang der Bundesstraße am Ortsrand. Ein Bild, das landauf, landab wiederkehrt. Mag der gewerbliche Leerstand in den Wiener Einkaufsstraßen noch ein ästhetisches Problem sein, wird der Exodus bei Handelsflächen in kleineren Gemeinden schnell zur Existenzfrage. Ziehen Frequenzbringer wie Apotheken oder Bäcker weg, verödet das ganze Zentrum.

Ob und wenn ja wie hier gegenzusteuern ist, damit beschäftigte sich vorige Woche die erste österreichische Leerstandskonferenz im oberösterreichischen Ottensheim. Initiiert von den umtriebigen Architekten von nonconform, kam ein breites Teilnehmerfeld aus Architektur, Raumplanung, Verwaltung, Stadtmarketing und Wirtschaft aus Österreich und Deutschland zusammen.

Regionen bluten langsam aus

Was dabei schnell klar wurde: Den Österreichern geht es hier noch verhältnismäßig gut. Ostdeutsche Städte wie Leipzig verzeichneten einen Leerstand von 60.000 Wohnungen. Im ländlichen Bereich, der rapide überaltert, kommt es schnell zum „Donut-Effekt“, wie Hilde Schröteler- von Brandt, Professorin an der Uni Siegen, erklärte. Gerade die identitätsprägenden Ortszentren entleerten sich zuerst. Wo die Einwohner fehlen, rutschen auch die Handelsflächen mit ins Donut-Loch. Wenn wie in Südwestfalen ganze Regionen langsam ausbluten, hilft auch ein auf Konkurrenz setzendes Stadtmarketing nicht mehr viel - die Erfolge liegen hier in der Vernetzung.

Wesentliches Erfolgskriterium dabei: ein fundiertes Leerstandsmanagement. Das heißt, Daten zu erheben und verfügbar zu machen, um überhaupt ein Bewusstsein für das oft viel zu lange verdrängte Problem entstehen zu lassen. Erst dann kann der Markt wieder belebt werden. In Waidhofen/Ybbs bemerkte man bei der Vorbereitung zur Landesausstellung 2007, dass das Stadtzentrum zwar prachtvoll saniert und hübsch anzusehen, aber fast ausgestorben war. Der als Alarmsignal geltende Prozentsatz von 20 Prozent gewerblichen Leerstands war nahezu erreicht. Als Gegenmaßnahme beschloss die Gemeinde einen Mietzuschuss für Handelsflächen bis 150 Quadratmeter in den ersten drei Jahren. „Anfangs gab es dagegen Proteste der alteingesessenen Betriebe“, berichtet Johann Stixenberger, Unternehmer und Berater der Stadterneuerung in Waidhofen. „Als der Leidensdruck hoch genug war, haben auch sie eingesehen, dass etwas geschehen musste.“

Überregulierung als Hindernis

Für Interessenten richtete die Stadt eine Hotline ein, um Informationen über verfügbare Objekte zu erleichtern. „Vorher musste man fünfmal herumtelefonieren, um überhaupt den Eigentümer herauszufinden“, sagt Stixenberger. Mit dieser provisionsfreien Transparenz mache man sich bei den Maklern zwar keine Freunde, diese seien aber ohnehin nur an Gesamtobjekten und kaum an der Vermarktung einzelner Ladenflächen interessiert.

Ein speziell österreichisches Hindernis dabei: Die Überregulierung durch Denkmalschutz, Brandschutz und Bauordnungen macht schnelle, niedrigschwellige Verbesserungen fast unmöglich. Fraglich bleibt, ob kommunale Mietzuschüsse, wenn überhaupt leistbar, langfristig Erfolg haben.

Klar ist: Was letztendlich zählt, ist der Umsatz der Ladenbesitzer. „Dazu braucht man Frequenzverstärker wie Bäcker, Café, Arztpraxen und auch Schulen. Die machen 50 Prozent der Tagesfrequenz aus“, erklärt Stixenberger. Doch trotz Finanzspritzen und Anreizen geht ohne Beteiligung der Bevölkerung nichts. Temporäre Nutzungen, wie in Stadt Haag oder Ottensheim, das trotz Leerstands aufgrund der Nähe zu Linz noch relativ gut dasteht, helfen bei der Initiative und Bewusstseinsbildung. Ob jedoch die Kaufkraft von der grünen Wiese irgendwann wieder ins Zentrum zurückschwingt, bleibt abzuwarten.

29. Oktober 2011 Der Standard

Die Natur imitieren

Der malaysische Architekt Ken Yeang plant seit 40 Jahren grüne Städte und Wolkenkratzer. Ein Gespräch über die Frage, wann ökologisches Bauen wirklich ökologisch ist.

STANDARD: Sie haben sich schon in den 70er-Jahren mit ökologischem Bauen beschäftigt, als das noch niemand tat. Wie kam das?

Yeang: Ich forschte damals an der Universität Cambridge über Buckminster Fuller. Nach sechs Monaten sagte ich zu meinem Chef: „Ich glaube, ökologisches Bauen muss dringend entwickelt werden“. Er sagte: Gut, dann tun Sie das. Also ließ ich das Projekt sein, dissertierte über grünes Bauen, und gründete ein Jahr später mein Büro. So wurde die Ökologie zum Leitthema meines Lebens.

STANDARD: Was genau macht ökologisches Bauen ökologisch?

Yeang: Der ganzheitliche Blick. Viele reden von grünem Design, CO2-neutralem Design, Design gegen Klimawandel und so weiter. Aber wir dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren, und das Ziel ist die Umwelt als Ganzes.

STANDARD: Sie haben einmal den Begriff Eco-Mimicry geprägt. Was heißt das genau?

Yeang: Sehen Sie, die Natur an sich existiert immer in einem stabilen Zustand. Nur durch uns Menschen werden diese Kreisläufe gestört - ökologisch, klimatisch und energetisch. Wenn wir aber die Arbeitsweise der Natur imitieren - und das nenne ich Eco-Mimicry - kommen wir einer stabilen Umwelt wieder näher.

STANDARD: Was müssen wir dafür tun?

Yeang: Erstens: Energie. Die Natur nutzt nur solare Energie, keine fossilen Brennstoffe. Also sollten wir das auch nicht tun. Zweitens: Die Natur kennt keinen Abfall - das ist ein rein menschliches Phänomen. Wenn wir die Natur imitieren wollen, müssen wir also alles wiederverwerten, was wir produzieren.

STANDARD: Und können die Bauten die Sie entwerfen, das schon? Gibt es vollständig biologisch abbaubare Wolkenkratzer?

Yeang: Sie müssen nicht biologisch abbaubar sein, aber man kann sie so planen, dass man sie am Ende wieder auseinandernehmen kann - man nennt das „design for disassembly“. Wir haben das schon entwickelt, aber noch ist es zu teuer.

STANDARD: Wolkenkratzer dienen in erster Linie zur Profitmaximierung. Sind die Leute, die Wolkenkratzer bauen, an Ökologie überhaupt interessiert?

Yeang: Sie behaupten es zumindest. Man baut Wolkenkratzer, wenn der Boden knapp und teuer ist. Aber ab einer gewissen Höhe wird das eine reine Ego-Angelegenheit. Dann geht es nur darum, dominant zu sein. Die vernünftige Höhe liegt meiner Meinung nach bei etwa 60 Stockwerken. Was darüber hinausgeht, ist ineffizient und auch nicht ökologisch.

STANDARD: Wie überzeugt man egozentrische Kunden, wertvolle Nutzfläche für Pflanzen zu opfern?

Yeang: Das müssen wir gar nicht. Die Vorteile liegen auf der Hand! Pflanzen können ein Gebäude um zwei bis drei Grad herunterkühlen. Sie verbessern das Mikroklima und die Luftqualität. Und schließlich die Biophilie: Studien haben gezeigt, dass Patienten schneller gesund werden, wenn sie auf Pflanzen schauen statt auf eine kahle Wand. Und - was für die Auftraggeber wichtiger ist - in Büros mit Grünpflanzen fühlen sich die Leute wohler, sind produktiver, und es gibt weniger Krankmeldungen.

STANDARD: In Abu Dhabi entsteht zurzeit nach Plänen von Norman Foster mit Masdar eine komplett neue Stadt, die sich nur aus erneuerbaren Energien speist. Ist das der richtige Weg in eine grüne Zukunft?

Yeang: Eine grüne Stadt muss vier Aufgaben lösen können: Sie muss technisch CO2-neutral sein. Die Bewohner müssen selbst ökologisch verantwortungsvoll leben. Das Wasser braucht einen geschlossenen Kreislauf mit natürlich gereinigtem Abwasser. Dieses aber aus dem Meer zu nehmen, es zu entsalzen und durch die Wüste bis nach Masdar zu pumpen, ergibt keinen Sinn. Und schließlich bedarf es eines Netzes von Grünflächen. Masdar hat aber keine grüne Infrastruktur. Für mich ist das keine ökologische Stadt. Es ist technisch sehr clever gelöst, aber im Grunde ist es eine gute Idee am falschen Ort.

STANDARD: Was wäre ein besserer Ort?

Yeang: Wien zum Beispiel! In gemäßigten Zonen wie hier lebt die Hauptbevölkerung der Welt. Diese Bevölkerungsdichte finden Sie nicht in kaltem Klima oder in den Tropen und in der Wüste schon gar nicht. Sie haben ja in Wien sogar schon Häuser, auf denen Bäumen wachsen, von diesem Architekten - wie heißt er noch gleich?

STANDARD: Hundertwasser?

Yeang: Genau! Der österreichische Botschafter in Malaysia hat mir einmal ein Buch über ihn geschenkt.

STANDARD: Heutzutage wird alles Mögliche als grün und nachhaltig bezeichnet. Haben diese Begriffe überhaupt noch eine Bedeutung?

Yeang: Es gibt viel „Greenwash“, das heißt, das Thema Ökologie wird trivialisiert. Die Medien brauchen ab und zu ein grünes Thema, das dann sehr albern und oberflächlich abgehandelt wird. Und die Projektentwickler benutzen den Begriff als Köder, um ihre Immobilien besser verkaufen zu können. Aber die Architekten sind oft noch schlimmer!

STANDARD: Warum das?

Yeang: Es gibt diese „green wannabes“, die behaupten, sie würden grün bauen, weil ihr Gebäude LEED-platinzertifiziert ist und basta. Aber das reicht nicht. Ich will nicht über einzelne Kollegen herziehen, und diese Bewertungssysteme sind auch sinnvoll, aber sie bestehen nur aus unvollständigen Einzelaspekten. Ein wirklich grünes Gebäude, so wie diese Architekten behaupten, gibt es noch überhaupt nicht.

STANDARD: Sie arbeiten jetzt seit fast 40 Jahren im Dienste des grünen Bauens. Können Sie sich schon optimistisch zurücklehnen? Hat die Welt die Botschaft verstanden?

Yeang: Ich denke, in den letzten zehn Jahren haben es plötzlich sehr viele Leute verstanden. Da hat ein Wandel eingesetzt. Also: Ja, ich bin optimistisch. Wir dürfen nur nicht genügsam werden und die Hände in den Schoß legen. Die Forscher müssen noch mehr forschen, die Ingenieure mehr entwickeln, die Architekten weiter grünes Bauen optimieren.

STANDARD: Also werden Sie vorerst nicht in Pension gehen.

Yeang: Oh nein! Ich bin erst vor kurzem in London Partner einer Firma geworden und pendle zwischen Großbritannien und Malaysia. Es gibt genug zu tun!

25. Oktober 2011 Der Standard

Räume voller „Rosen“

Heike Schlauch und Robert Fabach vom Bregenzer Büro raumhochrosen bauen für eine spezielle Kundschaft: Kinder und Singvögel

Bauen für Kinder gehört wohl zu den kompliziertesten, da vermeintlich einfachsten Aufgaben: Kreis, Dreieck und Quadrat in Rot, Gelb und Blau scheinen oft der leichteste, sind aber der banale, falsche Weg. Heike Schlauch und Robert Fabach vom 2001 gegründeten Büro raumhochrosen machen es sich nicht so einfach: Ihren Räumen für Kinder und Jugendliche gehen Befragungen der anspruchsvollen Klientel voran. Beim Mädchenzentrum Amazone in Bregenz gab es eine klare Absage an schweizerisch-sprödes Grau: Die Girls verlangten nach leuchtenden Farben - und bekamen sie.

„Uns hat immer interessiert, wie Kinder Räume wahrnehmen“, so Heike Schlauch. „Davon können wir etwas für unsere Arbeit lernen.“ Für die Kleineren entwarfen sie das übermütige „Kinderland“ in Bern, für die Älteren das dezentere Jugendinfozentrum in Dornbirn.

Holzbauklassiker für Menschen und Vögel

Der poetische Büroname passt zum Programm des Kleinen, aber Detaillierten: „raumhochrosen heißt, dass es über das Technische und Funktionelle hinausgehen soll. Wie ein Haiku, aus dem jeder etwas anderes herausliest: Wer mit uns baut, bekommt Räume voller Rosen.“ Ganz prosaisch sind die beiden aber auch in der Vorarlberger Architekturszene aktiv und vermitteln Wissen über dortige Holzbauklassiker, nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene.

Und sogar an Gefiederte, wie die augenzwinkernde Serie von Vogelhäusern (Maßstab 1:33), die sie 2006 von vier klassischen Ländle-Bauwerken anfertigen ließen. Mit Erfolg: „Vieles an den Häusern funktioniert auch im kleineren Maßstab für Vögel wie im Original für Menschen. Wir waren verblüfft, welche Resonanz das fand. Es kamen sogar Bestellungen aus Russland!“, erinnert sich Heike Schlauch. Für eine Neuauflage der vergriffenen Serie wird zurzeit gesammelt.

19. Oktober 2011 Der Standard

Von der Mur bis Manhattan

Büros in drei Städten, Bauten von S bis XL: Die Architektinnen mit dem affirmativen Namen „yes“ lassen sich in keine Schublade stecken

Die Zeit, als sich die Architektinnen Ruth Berktold und Marion Wicher beim Studium an der Columbia University in New York kennenlernten, liegt schon länger zurück. Seit 2002 sind sie in Graz und München tätig. Ein kleines Büro am Broadway leisten sich die beiden allerdings immer noch - aus Sentimentalität, und weil man die Tür zu den USA nicht ganz zustoßen will. An diesen drei Orten firmieren die beiden unter dem freundlichen Namen „yes architecture“. Denn: „,Yes!' ist der Ausruf in diesen euphorischen Momenten, wenn bei einem Projekt der Knoten aufgeht.“

Von Konferenzzentrum bis Einfamilienhaus

Nicht nur verschiedene Orte, auch unterschiedlichste Bauaufgaben prägen die Arbeit der affirmativen Architektinnen: Vom 120-Millionen-Mammutprojekt des UN-Konferenzzentrums in Bonn bis zum „Haus D“ für eine sechsköpfige Familie in der Steiermark. Letzteres ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar: mit Hanf gedämmt, mit Lehm verputzt und - ganz amerikanisch - mit Zedernschindeln verkleidet. Damit schaffte es das Haus sowohl in eine Reihe schicker Publikationen als auch auf die Nominierungsliste des Steirischen Holzbaupreises.

Österreicher sind experimentierfreudiger

Anfangs gingen für die gemeinsame Arbeit noch etliche Autobahnkilometer drauf, heute teilen sich die beiden die Projekte auf. „Inzwischen verstehen wir uns blind“, sagt Marion Wicher. Offenen Auges dagegen sehen sie die Unterschiede zwischen den beiden Ländern: „In Österreich ist man experimentierfreudiger, da kann's auch mal etwas schludrig sein, wenn das Konzept stimmt. Die Deutschen sind perfektionistischer, wertkonservativer.“

Missen möchten Berktold und Wicher die binationale Erfahrung auf keinen Fall: „Das Arbeiten in mehreren Ländern ist eine echte Bereicherung. Man geht die Dinge leichter an, fühlt sich nicht so leicht persönlich angegriffen.“

15. Oktober 2011 Der Standard

Turbine fürs Wohnzimmer

Ein mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnetes Kraftwerk zeigt, wie Architektur und Ingenieurbau in Eintracht zum Motor für eine idyllische Kleinstadt wurden.

Sanfte grüne Endmoränen, her-ber Bergkäse, das Märchenschloss Neuschwanstein, ein als eigensinnig und rebellisch geltender Menschenschlag und reichlich Regen: Für diese Dinge ist das Allgäu im Südwesten Bayerns bekannt. Ganz nebenbei sammelt das Allgäu aber auch preisgekrönte Architektur. Die jüngste dieser Auszeichnungen, der Deutsche Architekturpreis (zweiter Platz), wurde vorgestern, Donnerstag, feierlich vom Bundesbauminister verliehen. Sie ging an dasselbe Bauwerk wie schon die vorigen zwei Preise: an das Wasserkraftwerk in Kempten von Becker Architekten.

Kraftwerke sind für die 62.000-Einwohner-Stadt nichts Neues. Idylle und Industrie gehen im Allgäu seit langem Hand in Hand. Bereits 1852 kam die Eisenbahn, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Zentrum der Textilindustrie. Die Energiequelle für die Maschinen wurde praktischerweise gratis vor die Haustür geliefert: Die Iller, der Fluss mit dem steilsten Gefälle in Europa, fließt mitten durch den Ort.

Mehr als ein Dutzend Wasserkraftwerke, massive Querriegel im Strom, leiten die alpinen Wassermassen durch ihre Turbinen. Im Juli 2010 ist ein weiteres dazugekommen, und es ist kein Riegel. Vielmehr scheint ein schlanker weißer Wal im eisgrünen Wasser gestrandet zu sein, dessen geschwungene Form sich an der steilen Uferkante entlangschlängelt.

„Hier hat jeder seine eigenen Assoziationen - mal Fisch, mal Gletscher, mal gefrorene Welle“, lacht Architekt Michael Becker, der entspannt an der Ufermauer lehnt. Und er selbst? „Uns sind bei der ersten Begehung diese bizarren Gesteinsformationen im Flusslauf aufgefallen. Die weichen, vom Wasser geschliffenen Konturen mit ihren Abbrüchen und Höhlungen sind dann zum Leitbild unseres Entwurfs geworden.“ Mit dieser Idee gewann das ortsansässige Büro, bis dahin eher für solide, kantige Wohnbauten aus Holz bekannt, 2006 den Wettbewerb, den der Kraftwerksbetreiber, die Allgäuer Überlandwerke (AÜW), ausgeschrieben hatte.

Dabei ging es um weit mehr, als nur eine Umhüllung für Turbinen zu finden. Das Ensemble aus dem 19. Jahrhundert - Spinnerei rechts, Weberei links des Flusses und ein filigraner Steg dazwischen - steht unter Denkmalschutz, die letzten Betriebe waren aber längst abgesiedelt. 1996 kaufte die Stadt das Areal. Dank der malerische Lage am Fluss mitten im Ort schien ein Umbau der heruntergekommenen Ziegelbauten zu Wohnungen ideal. Der Haken: Das alte Kraftwerk aus dem Jahre 1956, dessen Turbinen 24 Stunden am Tag dröhnten.

„Im Sommer hat man das Pfeifen drei Kilometer weit gehört“, erinnert sich Werner Leege vom AÜW, der neben Michael Becker am Ufer steht. „Jetzt hat das Kraftwerk fast Wohnzimmercharakter.“ Tatsächlich: Nur ein leises, sanftes Summen erklingt aus dem weißen Wal - das gesamte Kraftwerk wurde auf einen Teppich aus Schaumgummi gesetzt, die fast unsichtbaren Öffnungen wurden auf ein Minimum beschränkt.

Das Schallproblem war gelöst, und auch das Kraftwerk selbst hätte man, wie sonst auch, ganz den Ingenieuren überlassen können. Tat man aber nicht. Dafür war der Ort für die Stadt zu wichtig. Den zukünftigen Bewohnern und Touristen musste man mehr bieten als eine in den Fluss gestellte Kiste. Und wenn weltweit bei Museumsbauten die Architektur immer mehr als Magnet fungiert, warum sollte sie das nicht auch bei einem Wasserkraftwerk tun?

Das Resultat: eine gelungene Kombination von Infrastruktur und Architektur. Durch eine feine, aber sichtbare Fuge getrennt, sitzt Letztere wie ein schützender Deckel auf der Anlage zur Stromgewinnung. Gleichzeitig macht sie deren Funktion sichtbar.

„Wir wollten eine Form finden, die diese Art der Energiegewinnung symbolisiert, aber nicht banal ist“, erklärt Michael Becker. „Das Einströmen der Welle in den Einlaufkanal, der in weichen Formen verläuft, dann ein Schwingen von links nach rechts, am Kraftzentrum der Welle bricht sich schließlich der Grat des Betons und rollt aus ins Unterwasser.“

Dass dieses Formenspiel mit der Poetik der Hydrologie weit mehr als reine Behübschung ist, zeigt sich an der Sorgfalt der Oberfläche, die den Bau wie eine Haut mit feinen eingestreuten Steinen überzieht, und an der millimetergenauen Präzision des darunter liegenden Gerüsts aus Stahlbetonrippen, in dem keine Stelle der anderen gleicht. Gebäude und Landschaft zugleich, macht das Bauwerk dem denkmalgeschützten Ensemble am Ufer keine Konkurrenz. Nur dort, wo sich der diskrete Eingang befindet, schwappt die steinerne Welle kurz über den neu angelegten Fuß- und Radweg am Ufer.

„Anfangs waren wir noch skeptisch gegenüber der Form, aber jetzt sind wir begeistert“, erinnert sich Werner Leege, der schon mehr als 1000 neugierige Besucher durch das Innere des Baus geführt hat. „Viele wollen gar nicht mehr gehen, die muss man regelrecht nach Hause begleiten!“

Sie sind fasziniert von den Daten, die Leege routiniert abspult - wie die 3000 Haushalte, die die zwei Turbinen pro Jahr versorgen können - und staunen über das Labyrinth an beinahe sakralen Hohlräumen, das sich unter dem Beton verbirgt. Die Kinder spähen hinunter, ob sich auf der 46 Meter lange Fischtreppe gerade ein Lachs illeraufwärts schlängelt. „Viele fragen natürlich nach den Kosten. Mit 15 Millionen Euro liegen wir aber im Rahmen eines normalen Kraftwerks.“

Die Kalkulation ist also voll aufgegangen, stimmt Michael Becker zu. „Das Kraftwerk ist ein perfektes Marketingobjekt geworden, es passt genau in den Zeitgeist“, sagt der Architekt. „Alle haben an einem Strang gezogen, und so ist es eine Win-win-Situation für alle geworden“ - und ein weiterer Stein im Mosaik des Allgäus.

12. Oktober 2011 Der Standard

Kanten für das Land

Bodenständiger Name, innovativer Inhalt: Das 2009 gegründete Wiener Büro Franz erfindet neue Räume aus einfachen Formen

Wien - Dritter Stock, zweiter Hinterhof, ein Fabrikloft mit hohen Fenstern: ein Architekturbüro wie aus dem Drehbuch einer Vorabendserie. Robert Diem und Erwin Stättner sind frisch eingezogen und freuen sich, dass der Umbau zu Ende ist. Kein Wunder: Es ist schon das dritte Zuhause in zwei Jahren für die beiden vom Büro mit dem lakonischen Namen Franz. Gegründet Anfang 2009, kam der Erfolg so schnell und unerwartet, dass die Räume bald zu klein wurden.

Kaum hatte man sich zur Selbstständigkeit entschlossen, klingelte schon das Telefon. Der erste Wettbewerb war gewonnen: eine Schule in Deutsch-Wagram, Budget 16 Millionen, Baubeginn so schnell wie möglich. „Ein irrsinniger Glücksfall für ein junges Büro, das es noch gar nicht wirklich gab“, sagt Robert Diem.

Passgenau in die Landschaft

Computer wurden gekauft, Mitarbeiter eingestellt, der Terminplan eingehalten. Seit vier Wochen ist die Schule fertig: Die zwei kantigen Riegeln aus himmelblauem Aluminium mit den bunt verteilten Fenstern wurden passgenau in die Landschaft gesetzt, ohne den Maßstab zu sprengen.

Typisch für Franz: ein klares, für jeden verständliches Konzept, das ihren Bauten eine Einfachheit verleiht, die nie banal ist. „Für schwierige Aufgaben eine einfache Lösung zu finden reizt uns am meisten. Wir sind keine Theoretiker. Was zählt, ist, wie es am Schluss dasteht“, sagen die beiden.

Der Name ist Programm

So auch bei dem Haus für Robert Diems Bruder: Die Erinnerung an eine glückliche gemeinsame Kindheit in einem niederösterreichischen Streckhof wurde übersetzt in drei durch einen Gang verbundene Quader mit dazwischenliegenden geschützten Höfen.

Ein ganz neuer Typ Haus, der doch zum Ort passt - genauso Programm wie der Name, den sie nach langem Grübeln ihrem Büro gaben: „Wir bauen nicht spacig und wollten auch keinen designten Namen. Franz hat etwas Einfaches, Verständliches, und so wollen wir auch bauen.“

28. September 2011 Der Standard

Pragmatik auf Rezept

Das Büro tp3 aus Linz liefert Architektur und Grafik aus einer Hand

Alles begann mit einer Bürogemeinschaft. Die Miete war zu teuer, der Raum zu groß, also schlossen sich die Architekten Andreas Henter und Markus Rabengruber mit den Grafikern Martin Ulrich Kehrer und Horst Scheiböck zusammen und gründeten das Fundament für eine - wie sich herausstellen sollte - jahrelange interdisziplinäre Kooperation. Die Adresse: Tummelplatz 3. Der daraus resultierende Büroname: tp3. Die Dienstleistung: Architektur und Grafik aus einer Hand.

Trotz der Kombination der Künste haben die tp3-Architekten seit Bestehen ihres Büros 2005 einen ziemlichen pragmatischen Ansatz entwickelt: „Unsere Objekte entstehen aus der Nutzung heraus“, sagt Andreas Henter. „Das Wichtigste ist für uns die Funktion sowie ein pragmatischer Ansatz von Nachhaltigkeit. Von futuristischen Entwürfen und Renderings halten wir nicht viel. Die sind zwar wichtig, um einen Prozess in Gang zu bringen, aber das können die anderen besser.“ Schließlich wird die Sache auf den Punkt gebracht: „Für uns beginnt Architektur dort, wo man die Tür aufsperrt und ins Haus reingeht.“

Das Rezept scheint erfolgreich zu sein. In nur sechs Jahren wurden rund 50 Bauwerke errichtet. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf Einfamilienhäuser und Apotheken. „Für so ein junges Büro haben wir bereits ein ziemlich großes Portfolio“, sagt Henter. „Das ist einerseits Engagement und Begeisterung für die Sache, andererseits eine gehörige Portion Glück. So ehrlich müssen wir schon sein.“

Auch die Sache mit den Apotheken ist ursprünglich einem reinen Zufall zu verdanken. Mittlerweile hat sich daraus ein eigener Gestaltungszweig entwickelt. Heute gelten die tp3-Architekten in ganz Oberösterreich als die Meister pharmazeutischer Räume. Sie liefern nicht nur den Entwurf für den Raum, sondern meistens auch das dazugehörige Logo.

Der jüngste Wurf ist die Wasserapotheke am Hauptplatz in Linz (entstanden in Zusammenarbeit mit Franz Moser). Die Regale sind aus weißem, transluzentem Plexiglas. Die durchschimmernden Medikamente erinnern an ein buntes Röntgenbild. Highlight jedoch ist die sogenannte Rezeptur. „Apothekenarchitektur hat eine lange Kultur. Früher ist man in die Apotheke hineingekommen, und sofort hat alles nach den selbstproduzierten Cremes und Salben gerochen. Heute sind die Labors meist in die hintersten Ecken verbannt.“

Hier ist das anders: Mitten im Verkaufsraum steht ein weißes Mischpult mit braunen Fläschchen. Hier kann man den Pharmazeuten bei ihrer ureigentlichen Arbeit zusehen. „Endlich riecht es wieder nach Apotheke“, sagt der Architekt.

17. September 2011 Der Standard

Ein Dorf sieht rot

Wie die Planung eines neuen Marktplatzes einen Ort verändern kann, wenn man die Bewohner mitreden lässt, zeigt Zeillern im Mostviertel

Ein Dorf wie viele in Österreich. Nicht weit von Autobahn und Bundesstraße, wenige Kilometer hinter einem Kreisverkehr mit überdimensionierten Birnen in der Mitte. Malerisch gelegen in einem breiten Talkessel zwischen sanften Hügeln. Ein Schild am Ortseingang sagt „Willkommen in der Wohlfühlgemeinde 2009“. Es gibt eine Hauptstraße, zwei Wirtshäuser und einen Nahversorger. Ein Hahn kräht, eine Katze räkelt sich in der Sonne, ein Bach rauscht. Von irgendwoher ertönt ein Blasmusikorchester. Es gibt ein schmuckes Schloss und eine schlichte, weißgetünchte Kirche. Dazwischen gibt es einen Marktplatz, über den die Kirchgänger in Anzug und Dirndl nach der Sonntagsmesse spazieren. Das Dorf heißt Zeillern, und sein Marktplatz ist brandneu - und rot.

Auf dem roten Platz steht Dorfpfarrer Rupert Grill und freut sich: „Bevor es den Platz gab, war die Kirche von wucherndem Gestrüpp verdeckt, man hat sie im Vorbeifahren gar nicht mehr gesehen. Eine Verbindung zum Schloss gab es auch nicht. Dabei werden dort mehr als 50 Hochzeiten im Jahr gefeiert. Jetzt steht die Kirche im Blickpunkt, und die Hochzeitsgesellschaften können von der Kirche ohne Umweg zur Feier gehen.“ Ein Dorfbewohner grüßt den Pfarrer und schiebt sein Rad über den rotgefärbten Betonboden. Eine ältere Frau in Tracht bleibt vor der langen Wand aus kantigen Holzlamellen am Rand des Platzes stehen und liest die Neuigkeiten im Schaukasten. Für die „Zeillinga“ ist die Architektur offenbar kein Fremdkörper. Und das liegt daran, dass sie sie selbst geplant haben.

2008 beschloss die Mostviertel-Gemeinde, den seit langem leerstehenden ehemaligen Gasthof an dieser Stelle zu kaufen. Auf der einen Hälfte des Grundes entstand ein Wohnbau. Die andere Hälfte, 560 Quadratmeter groß, wurde reserviert für einen neuen Marktplatz. Der alte, der aus kaum mehr als einem kleinen Brunnen bestand, war längst dem Durchgangsverkehr zum Opfer gefallen. Es stellte sich nun die Frage: Was tun mit den 560 Quadratmetern? Was muss ein Dorfplatz für eine 1750-Seelen-Gemeinde können? Und: Brauch ma des überhaupt? Wozu ist das gut, wenn man nicht einmal drauf parken kann?

Nach einem öffentlichen Hearing beauftragte die Gemeinde schließlich die Architektengruppe nonconform mit der Planung. Deren Vorschlag, dabei die Bevölkerung miteinzubeziehen, stieß auf offene Ohren. Für nonconform nicht das erste Projekt dieser Art. „Wir hatten früher bei vielen öffentlichen Projekten erlebt, dass die Leute nicht informiert werden, dann etwas Fertiges vor die Nase gesetzt bekommen, und niemand weiß, warum das dann genau so ausschaut“, sagt Architekt Roland Gruber. Daher entwickelten die Architekten 2005 ein Gegenkonzept: Sie entwerfen live und vor Ort und fragen die Leute, was sie eigentlich wollen. „So ein Platz ist schließlich keine rein ästhetische Aufgabe, die man zu Hause am Schreibtisch lösen kann. Es geht um das Herz eines Ortes, da will jeder mitreden.“

Also schlugen nonconform für drei Tage ihre Zelte in Zeillern auf - auf neutralem Boden im Pfarrheim der Kirche - und luden zur Ideenwerkstatt. Der Erstkontakt zwischen Architekten und Bewohnern: ein zögerliches Abtasten. „Da gab es Berührungsängste“, erinnert sich Wolfgang Strobl von der Dorferneuerung Zeillern. Viele erwarteten, wie sonst üblich, schon fertige Ergebnisse präsentiert zu bekommen. Als ihnen klarwurde, dass die Ergebnisse von ihnen erwartet wurden, fingen die Ideen nur so zu sprudeln an. Der Marktplatz war dabei nur eine von vielen. „Es kamen 200 Leute, und am Ende hatten wir 500 Ideen“, sagt Wolfgang Strobl. „Damit hatte niemand gerechnet.“

War es anfangs nur um einen kleinen Dorfplatz gegangen, wurde nun der ganze Ort und seine Zukunft zum Thema. Aus den Ideen entstanden Arbeitsgruppen zu Themen von Wanderwegen bis zu Altenbetreuung: Demokratie wie aus dem Lehrbuch. Für den Platz selbst destillierten nonconform aus den Vorschlägen drei Szenarien. Bei der Abstimmung am Schluss wurde die Idee des „Roten Teppichs“ zum Sieger gekürt, der den Platz mit den wichtigen Punkten im Ortszentrum verknüpfen sollte.

Einer dieser Punkte: Das Schloss, gleichzeitig Sitz des Österreichischen Blasmusikzentrums (mit Konzerten und Festivals), hat sich als ideale neue Marke für den Ort angeboten. Das schwachbrüstige Label „Wohlfühlgemeinde“ wurde eingemottet, man setzt auf die Marke Musik. „Wir wollen die Gemeinde neu positionieren“, sagt Bürgermeister Rupert Perger (VP). „Dank der Ideenwerkstatt haben wir einen Plan für die nächsten 20 Jahre entwickelt.“

Dass das Schloss in Gemeindebesitz steht und sich rechnen muss, zeigt die andere, nüchterne Seite. In einem kleinen Ort ohne große Gewerbegebiete zahlt man einen neuen Dorfplatz nicht aus der Kaffeekassa, noch dazu drohten Wirtschaftskrise und gekürzte Fördermittel den Plan zu kippen. Es wurde also wieder die „Brauch ma des?“-Frage gestellt. „Da war einiges an Überzeugungsarbeit nötig“, erinnert sich der Bürgermeister. Anfang dieses Jahres konnte endlich mit dem Bau - die Kosten betrugen rund 350.000 Euro - begonnen werden, Ende Juli wurde er feierlich eröffnet.

„Als die Leute dafür abgestimmt haben, fanden sie die Farbe lustig. Vielen war nicht klar, dass das ernst gemeint war“, erinnert sich Wolfgang Strobl lachend. Natürlich gibt es Gegenstimmen, die über das „Mostviertel-Moskau“ spotten, doch sie halten sich in Grenzen. „Dann hören sie: Hättets halt mit abgestimmt!“, sagt Dorferneuerer Strobl, der sich selbst über Mangel an tatkräftiger Zustimmung nicht beklagen kann: Die von ihm entworfenen Sitzbänke aus Lärchenholz baute er gemeinsam mit Helfern aus dem Dorf vor Ort zusammen. Ein weiteres Zeichen, dass die Bewohner den Platz als den ihren ansehen. „Hätten wir nur gute Architektur eingekauft, wäre er vielleicht genau so schön geworden“, sagt Bürgermeister Perger. „Aber er hätte nicht diese Akzeptanz.“

31. August 2011 Der Standard

Schanzwerk aus Tirol

Geschwindigkeit und Eleganz: Die Baukünstler von LAAC Architekten aus Innsbruck lieben die Dynamik von Ski und Bob

Die Skater waren begeistert. Eine 9000 Quadratmeter große Bodenplastik aus hellem Beton, voller Kurven, Rampen, Kehlen und Grate: Der neu gestaltete Landhausplatz im Zentrum von Innsbruck, eröffnet im Mai, war wie für sie gemacht. Nach anfänglichen Betonberührungsängsten haben sich inzwischen auch Sitzende, Spielende und Schlendernde zu den Skatern gesellt. Ganz im Sinne der Planer: „Der Platz soll für alle Stadtbenutzer zugänglich sein“, sagen Kathrin Aste und Frank Ludin vom einheimischen Büro LAAC Architekten. Gemeinsam mit Stiefel/Kramer Architecture verwandelten sie den historisch aufgeladenen Ort in eine elegante Berg-und-Tal-Landschaft.

Berg, Tal und Geschwindigkeit: Typische Themen für das 2005 von Kathrin Aste gegründete Tiroler Büro, das seit 2009 mit Partner Frank Ludin unter dem Namen LAAC firmiert. Die beiden formen die Ideallinien von Bobbahnen in die Landschaft und bauen zurzeit eine Sprungschanze in der kasachischen Hauptstadt Astana. Beim Wettbewerb für die neue Schanze am ehrwürdigen Holmenkollen in Oslo gewann man den zweiten Platz. Der Hang zum Wintersportlichen ist kein Zufall, schließlich stammt Aste aus einer Rodler- und Bobfamilie. „Die Konzentration von Geschwindigkeit, Beschleunigung und Bewegung fasziniert uns besonders an diesen Ingenieursbauten“, sagen Aste/Ludin.

Auch abseits des Wintersports baut man alpin: 3200 Meter über dem Meer krallt die preisgekrönte Aussichtsplattform mit dem schmucken Namen Top of Tyrol ihre geschwungenen Lamellen aus Stahl in den Fels und ragt wie eine Zunge über dem Stubaier Gletscher. Unten im Innsbrucker Büro zeichnet man derweil schon an neuen Schwüngen: Die nächste Schanze wird in Rumänien stehen.

20. August 2011 Der Standard

Mein Bauherr, der Braunbär

Vorige Woche wurden die Animal Architecture Awards verliehen. Ein Überblick über das Bauen von Menschen für Tiere.

Bauordnungen, Normen, Technische Bestimmungen, und nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand: Wie die Gattung Homo sapiens idealerweise in gebauten Räumen unterzubringen sei, ist mehr als hinreichend definiert und geregelt. Aber was, wenn der Mensch für seine Mitwesen baut? Wie wollen Tiere wohnen? Welche Wandfarbe bevorzugen Wasserschweine, wie viel Bewegungsraum braucht der Braunbär? Ab welcher Höhe brauchen Gämsen ein Geländer? Mögen Pinguine Beton?

Zumindest die letzte Frage darf seit 1934 als beantwortet gelten. In jenem Jahr eröffnete im Londoner Zoo das neue Pinguinbecken: Ein leuchtend weißes Oval, darin zwei freischwebende elegante halbkreisförmige Betonrampen. Dem russischen Exilarchitekten Berthold Lubetkin, der bereits im Jahr zuvor nebenan das revolutionäre drehbare Gorillagehege gebaut hatte, gelang es damit, mit einem Schlag die moderne Architektur ins damals noch im Landhausstil dahindämmernde Großbritannien zu importieren.

Die Pinguine fühlten sich im kühl-modernen Ambiente wohl und watschelten wie geplant rampauf und rampab. Geschützte Schattenbereiche und Schiefer- und Gummiböden sorgten für notwendige Abwechslung. „Zum ersten Mal werden hier Tiere nicht in künstlichen Nachbauten ihrer natürlichen Umgebung untergebracht“, jubelte der ehemalige Bauhaus-Professor László Moholy-Nagy bei der Eröffnung des Bauwerks.

Erlebnislandschaft statt Beton

Nicht zu Unrecht, denn bis dahin hatte man Tiergehege europaweit vor allem im Stile kolonialer Exotik gestaltet. Elefantenhäuser sahen aus wie Hindutempel, Strauße wohnten in ägyptischen Pyramiden. Die Tiere selbst hatten wenig von der ausufernden Stilistik. Für sie waren die dekorierten Gehege wenig mehr als triste Schaukästen.

Am besten hatten es die Vögel, sie wohnten schon immer innovativer. Die heute denkmalgeschützte Voliere im Londoner Zoo galt bei ihrer Eröffnung 1964 als technische Meisterleistung, ebenso wie ihr Pendant im Münchner Tierpark Hellabrunn, das Olympia-Ingenieur Frei Otto 1980 als fast unsichtbares Paradebeispiel des Leichten Bauens entwarf. Seitdem hat sich der Trend umgekehrt. Das kantig betonierte Eisbärengehege in München war den Besuchern zu kalt, seit 2010 zeigt es sich als Polarlandschaft mit Kunststeinkulisse. Weltweit werden die Gehege zu Erlebnislandschaften.

„Das Bauen wäre einfacher, wenn es nur um die Tiere ginge. Ob man Kunstfelsen oder Beton nimmt, ist dem Tier im Grunde wurscht. Glatte Oberflächen sind oft sogar besser, weil sie sich leichter reinigen lassen“, sagt Hermann Fast, Leiter der Abteilung Technik und Projektentwicklung im Tiergarten Schönbrunn. „Der Besucher will aber ein schönes Bild haben. Auch die Informationen lassen sich besser vermitteln, wenn es schön ist.“

Das Motto: einerseits wichtige, aber für den Besucher unspektakuläre Arterhaltung meist kleiner, undramatischer Tiere, andererseits immer größere Gehege für das erlebnishungrige Volk. Nicht erst seit Knut stehen Eisbären hier auf Platz eins, so auch in Schönbrunn. Das alte Gehege ist laut Tierschutzgesetz etwas zu klein, demnächst beginnt der Neubau, 2014 müssen die Bären einziehen können. „Das Gesetz schreibt genau vor, wie viele Quadratmeter Land und Wasser ein Eisbär braucht“, erklärt Hermann Fast. „Dann ist beim ältesten Zoo der Welt natürlich der Denkmalschutz ein Thema, noch dazu gibt es für viele Tierarten Sonderbestimmungen - am extremsten bei Koalas, da gelten die strengen Regeln der Zoological Society of San Diego.“

Dass Tierbehausungen mehr als Kulissen aus Felsimitat sein können, zeigt die Website animal architecture.org, die sich seit 2009 innovativen Bauwerken für Tiere widmet. „Ich hatte den Eindruck, dass dieser Aspekt in der Fachwelt zu wenig gewürdigt und verstanden wurde“, sagt der Mitbegründer der Plattform, der texanische Architekt Ned Dodington. „Wir wollen Beispiele sammeln, die eine stärkere Verbindung von Architektur und der Welt des Lebendigen zum Ziel haben.“

Etwa das Insect Hotel, dessen Prototyp die Staringenieure Ove Arup, sonst eher mit weltweiten Olympiastadien und Flughäfen beschäftigt, 2010 bauten: Ein mannshoher Quader aus gepresstem Schichtholz, wie ein Setzkasten unterteilt in winzige, nach artspezifischen Vorlieben mit Sand, Zweigen und Kompost möblierte Zimmer für Käfer und Co. Die Resonanz auf die Seite wurde schließlich so stark, dass man Anfang des Jahres die Animal Architecture Awards ins Leben rief, deren Ergebnisse von der namhaft besetzten Jury vorige Woche bekanntgegeben wurden. „Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden, wir hatten Einsendungen von Deutschland, England und Italien bis nach Singapur“, sagt Dodington.

Dass die Teilnehmer offensichtlich Spaß an der Sache hatten, zeigen die Siegerprojekte: Vom 3-D-Computerspiel, in dem der Teilnehmer in die Wahrnehmungswelt der Tiere schlüpfen kann, bis zu gigantischen Farmland-Erlebnisparks im Mittleren Westen, in denen gelangweilte Großstädter ein Wochenende lang Ökobauer spielen können.

Das Team von der Universität Nottingham verwandelte eine aufgelassene Fabrik in ein Stadthaus für Bienen, deren weltweite Population in den letzten Jahren dramatisch abgenommen hat. Friend & Co Architects aus England übersetzten die Hochhausplanungen von Le Corbusier in kleine Türme für Fledermäuse, die in den heutigen vollversiegelten Wohnhäusern keinen Lebensraum mehr finden.

Die Projekte werden demnächst im Architecture Center Houston gezeigt und finden, wenn es nach den Initiatoren geht, ihre Fortsetzung: „Sollen die Animal Architecture Awards eine Dauereinrichtung werden? Auf jeden Fall!“, sagt Ned Dodington. Ob abstrakt, humorvoll oder spielerisch: Klar ist, dass der Mensch schon zu lange und zu stark in die Lebenswelt der Tiere eingegriffen hat, um sie einfach unbehaust sich selbst überlassen zu können.

17. August 2011 Der Standard

Hawelka in Neon

Das Architekturtrio Ten.Two macht sich mit Restaurant-Interieurs einen Namen

Ein Gassenlokal im sechsten Bezirk, hell, hoch und aufgeräumt. Bei Ten.Two sieht es genau so aus, wie man sich ein junges Architekturbüro vorstellt. Doch hier herrscht eine bunte Mischung: fünf Berufe und vier Nationen, vereint in drei Personen.

Ten.Two, das sind der Amerikaner Gregorio S. Lubroth, der in Taiwan geborene Wiener Chieh-shu Tzou und die spanisch-salzburgische Grafikerin Maria Prieto Barea. „Unsere Nachnamen wären als Büroname niemandem zuzumuten gewesen. Also haben wir unser Gründungsdatum genommen“, erklärt Lubroth. Seitdem hat sich das Trio vor allem in der Wiener Disziplin der Restaurant-Interieurs einen Namen gemacht. Sie entwarfen die Kaffeeküche in der Schottentorpassage, das Shanghai Tan sowie das kühle Neon unter den Gürtelbögen.

Dass diese nicht nur schick aussehen, sondern auch funktionieren, ist dem Forschergeist zu verdanken. „Wir versuchen von Orten wie dem Hawelka oder Alt Wien zu lernen. Ihre Atmosphäre kann man nicht planen, aber man kann versuchen, sie zu ermöglichen.“ Ewig in der Kaffeehausecke verharren will man jedoch nicht. Gerade baut man an einem Kulturzentrum in der chinesischen Provinz Hunan. Eine Traumaufgabe? „Flughafen! Wir lieben die Eleganz von Dingen, die gut funktionieren.“ Im Herbst eröffnet mit dem Baburu indes das nächste Lokal am Schottentor. „Am liebsten würden wir eine Bar eröffnen und sie permanent umbauen, wie ein Labor. Das wäre jedoch ein Vollzeitjob.“

6. August 2011 Der Standard

Ein Ding, sie zu trennen

Vor 50 Jahren wurde die Berliner Mauer errichtet, nicht die letzte ihrer Art. Eine Geschichte der gebauten Grenzen zwischen Hier und Dort.

Als DDR-Staatschef Walter Ulbricht am 15.Juni 1961 die vielzitierten Worte sprach: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, sagte er nicht nur in Bezug auf Berlin die Unwahrheit. Auch darüber hinaus war seine Aussage kaum haltbar, dürften sich doch mit Sicherheit zum Zeitpunkt seines Ausspruches nicht wenige Menschen mit genau dieser Absicht getragen haben. Wo ein Haus ist, da ist schließlich, allen neuzeitlich vollverglasenden Bemühungen zum Trotz, fast immer auch eine Mauer.

Trotzdem denkt heute beim Stichwort „Die Mauer“ immer noch jeder an die in Berlin. Sucht man bei Amazon nach Büchern zum Thema, besetzt die Berliner Mauer die ersten zehn Plätze, erst dann folgt der Bastlerkracher Selbst mauern, betonieren und verputzen: Heimwerken leicht gemacht.

Dabei gäbe es genügend andere Beispiele. Stadtmauern baut man schon seit mindestens 5000 Jahren, ihre Geschichte ist mit der Entstehung der Städte untrennbar verbunden. Das uralte Jericho hatte zwar, Bibel hin oder her, die meiste Zeit gar keine, aber etwas weiter östlich im Zweistromland standen bereits mächtige Bastionen und trennten das Wir vom Sie, das Innen vom Außen. Militärischer Schutzwall, Heimwerkerstolz im Vorgarten, architektonisches Schaustück, die Mauer ist der Evergreen des Bauens.

Ob monumental oder winzig, die Frage, wie das Innen vom Außen zu trennen ist, bleibt die gleiche. Jan Turnovsky etwa spinnt in seinem Essay Die Poetik eines Mauervorsprungs anhand eines ebensolchen eine ganze Philosophie aus der Frage, warum bei Ludwig Wittgensteins besessen präzisem Entwurf des Wittgensteinhauses in Wien die innere und äußere Symmetrie eines Fensters in der Außenmauer einfach nicht gleichzeitig hinzubekommen war.

Zurück nach Berlin: Auch hier zeigte die Mauer nur in den ersten Monaten zu beiden Seiten ein gleiches Gesicht, eine hastig aufeinandergemörtelte 30 Zentimeter dicke Zementsteinmauer mit Stacheldrahtbesatz. „Jeder Maurergeselle würde ja zögern, das Werk, das da an der Sektorengrenze entstand, als ,Mauer' zu bezeichnen. Die Grobheit der Bauweise, der Verzicht auf jedes Finish sind so eklatant, dass man versucht ist, die Schäbigkeit des Gesamteindrucks als erwünschten Nebenaspekt zu deuten“, schreibt Leo Schmidt, Professor für Denkmalpflege an der Uni Cottbus, der seit langem zur Baugeschichte der Berliner Mauer forscht.

Wartungsarm und formschön

Nach und nach wurde sie optimiert, nie jedoch zur Gänze, und blieb bis zum Schluss Patchwork. Was pauschal als „die Mauer“ galt, zeigte zu keinem Zeitpunkt ein einheitliches Bild. Was anfangs Linie war, schwoll hypertroph immer weiter an, bis auf eine Breite von 40 bis über 100 Metern. Die Zementmauer wurde zu einem mehrschichtigen Gebilde aus Betonplatten, Gräben, Zäunen, Fahrspuren, geharkter Erde, wie ein horizontales Sandwich zwischen der östlichen „Hinterlandmauer“ und dem von einem Betonrohr gekrönten Abschluss nach Westen.

Dabei wurde der Anblick der Westseite über die Jahre immer sauberer, glatter und unkriegerischer, während die Ostseite in gleichbleibender martialischer Abschreckung verblieb. Selbst den DDR-Grenztruppen war klar, dass für einen „antifaschistischen Schutzwall“ das Innen und Außen verkehrtherum aufgezogen waren.

Als nächstes kamen Betonplatten, die eigentlich für den Wohnungsbau vorgesehen waren. Man stellte sie kurzerhand hochkant zwischen Betonpfähle auf. Das Problem: Sie fielen leicht um, wenn Fluchtwillige mit Fahrzeugen dagegenfuhren. 1965 wurde ein neuer Prototyp vorgestellt. „Sehr kulturvoll“, lobte Verteidigungsminister Heinz Hoffmann das neue Design in knappen Worten. „Mauer gefällt sehr, besonders durch die aufgesetzten Kanalisationselemente.“

Die Westseite der Mauer war schließlich immer auch das Gesicht des Staates. Als sich die Ost-West-Verhältnisse in den 1970er- Jahren normalisierten, musste auch dieses Gesicht respektabler werden. So wurde der nächste Typus entwickelt: Er trug den schicken Namen „Grenzmauer 75“. Ein „der Hauptstadt der DDR angemessenes Erscheinungsbild“ werde hier geboten, „wartungsarm und formschön“, wie es der Chef der Grenztruppen Klaus-Dieter Baumgarten angesichts der 1,20 mal 3,60 Meter großen Betonteile entzückt formulierte.

Aber Beton war nicht alles. Vor allem dort, wo die Welt am aufmerksamsten hinschaute, am Brandenburger Tor, sollte es grün und hübsch werden. Hier machte Erich Honecker die ansprechende Platzgestaltung mit Blumenkübeln, die sich praktischerweise zu Barrieren gegen unliebsame Demonstranten umfunktionieren ließen, zur Chefsache.

Repression und grüne Grenze waren schließlich noch nie ein Widerspruch, wie andere geteilte Städte zeigen. Die UN-Pufferzone, die das zypriotische Nikosia seit 1974 in zwei Teile trennt, besteht vor allem aus wild überwuchertem Niemandsland.

Im nordirischen Belfast versicherte der britische Kommandant nach dem Errichten der ersten „Peacelines“ zwischen protestantischen und katholischen Wohnvierteln 1969, diese seien nur provisorisch, man wolle keine Berliner Mauer bauen. Heute gibt es allein in Belfast mehr als 40 davon in allen Formen und Materialien, doppelt so hoch wie die in Berlin. Dafür verspricht man auch hier, grüner zu werden, und plant, anstatt neuer Mauern dezente „Environmental Barriers“ zu errichten.

Wie das Grün das Grau zumindest symbolisch überwinden kann, zeigt ein Projekt der Architektin Gabu Heindl: Sie legte ein Spielfeld aus Kunstrasen in den Innenhof des Kremser Gefängnisses und klappte es dort, wo es an die unüberwindbaren Mauern stieß, einfach hoch. „Die Ungerechtigkeit des kleinen Spazierhofes sollte unbedingt sichtbar bleiben“, sagt Heindl. „Ich wollte die Mauern nicht durch eine optische Täuschung unsichtbar machen.“

Kurioserweise wäre die Berliner Mauer, gäbe es sie heute noch, sogar fast unsichtbar geworden: Kurz vor dem Ende der DDR plante man, sie durch eine „Hightech-Mauer“ zu ersetzen, ohne Todesschüsse, dafür mit elektronischer Sensorik. 1989 steckte der marode Staat sogar noch 1,2 Milliarden Ostmark in die Grenzsicherung. Die Geschichte hatte ihre eigene Idee, wie Mauern aufzulösen seien: ganz archaisch mit dem Hammer.

23. Juli 2011 Der Standard

Blockfrei und farbenfroh

Zwischen Internationa- lität und Isolation, zwischen Süden und Osten: Die Architektur Belgrads zeigt von jeher eine Eigenständigkeit abseits von Ostblock- Klischees.

Als im April 1999 die Bomben der Nato in der Operation „Allied Force“ auf das Verteidigungsministerium der jugoslawischen Restrepublik fielen und dieses schwer beschädigten, war der Schaden vor allem ein symbolischer: Das Gebäude stand bereits leer. Traurige Ironie: Der im Volksmund „Generalstab“ genannte Bau in der Prachtstraße Kneza Milosa stand an der Stelle, an der schon das Verteidigungsministerium des Königreichs Jugoslawien 1941 durch den Überfall Nazideutschlands zerstört worden war.

Ein beispielhaftes Schicksal für eine Stadt, in der kriegerische Zerstörung und Wiederaufbau von jeher Teil der Geschichte waren - in insgesamt 115 militärischen Konflikten wurde Belgrad 44-mal zerstört. Die Halbruine des Generalstabsgebäudes steht noch heute unverändert und eingezäunt mit klaffenden Löchern an der vielbefahrenen Straße. Dem Abriss knapp entgangen, wurde das Gebäude 2005 als Baudenkmal eingestuft, doch seine Zukunft bleibt ungewiss. Der 1963 fertiggestellte Bau ist der einzige realisierte Entwurf des einflussreichen „serbischen Le Corbusier“ Nikola Dobroviæ und gilt als herausragen-des Beispiel der jugoslawischen Nachkriegsarchitektur.

Dies zeigt die vergangenen Montag eröffnete Ausstellung Belgrad - Momente der Architektur im Wiener Ringturm. Nach der ersten Staatsgründung 1918 und vor allem in der Nachkriegszeit entstand in Belgrad eine faszinierend eigenständige Architektur. So wie Staatsoberhaupt Tito sich von Stalin emanzipierte und die Gemeinschaft blockfreier Staaten gründete, war auch die Architektur von der Pflicht zu Zuckerbäcker-Pomp und tristen Plattenbauten befreit. Man besann sich auf regionale und auch italienische Einflüsse. Hier im Süden des Ostblocks war man der Leichtigkeit der Adria schließlich schon immer näher als der Schwermütigkeit der Tundra.

Wie das Generalstabsgebäude mit seiner feinen Gliederung aus rotem und weißem Naturstein zeigen viele der Bauten eine handwerkliche Qualität, die sich deutlich von der durchindustrialisierten Plattenbau-Serienproduktion unterscheidet. „Belgrad ist in architektonischer Hinsicht wirklich eine Entdeckung“, sagt Kurator Adolph Stiller. „Man muss nur ein bisschen suchen, man muss näher herangehen“.

Im wilden, lebenshungrigen Durcheinander der Zweimillionenstadt wird die statische Stille der steinernen Denkmäler leicht übertönt, wie der einheimische Architekt und Publizist Bojan Kovaèeviæ erklärt. „Belgrad ist in Europa vor allem für seine Atmosphäre bekannt, nicht so sehr als ein Ort der dichten, geordneten Bebauung, wie sie etwa Wien aufweist.“

Immerhin: Leichter gemacht wird die Suche durch die Tatsache, dass sich die meisten dieser Bauten im Stadtteil Novi Beograd finden, der ab 1948 auf ehemaligem Sumpfgelände jenseits der Save entstand. Nicht nur das elegante Hotel Jugoslavija (1961), sondern auch die ausladende Zentrale der jugoslawischen Regierung aus demselben Jahr.

Von außen eine Mischung aus geschwungenem Flughafenterminal und trutzigem Pentagon, zeigt es sich innen von weltläufiger farbenfroher Eleganz. Kein Wunder: War Titos Jugoslawien doch auf Internationalität bedacht und alles andere als isoliert. Unschwer, sich Diplomaten in Hornbrillen beim diskreten Geraune unter den riesigen abstrakten Sixties-Wandteppichen vorzustellen.

Verstummt und verstaubt

Nach dem Zerfall Jugoslawiens verstummten und verstaubten die repräsentativen Räume: Sowohl der Regierungspalast als auch das Hotel Jugoslavija stehen seit Jahren leer. In baulich tadellosem Zustand und noch original möbliert warten sie auf neue Nutzer.

Ein Stück weiter entlang der Ausfallstraße Richtung Flughafen fällt unübersehbar das markanteste Gebäude von Novi Beograd ins Auge: der Genex-Turm, bei dem es sich genau genommen um zwei Türme in brutalistischem Sichtbeton handelt, die oben durch eine Brücke mit aufgepfropftem Drehrestaurant verbunden sind. Der 115 Meter hohe Turm, der als eines der Wahrzeichen Belgrads gilt, sorgte schon zur Entstehungszeit in der internationalen Fachwelt für Aufsehen.

Fein säuberlich in nummerierte Blöcke eingeteilt, war Novi Beograd von Anfang an für die Mittelschicht gedacht, und auch heute noch ist der 300.000-Einwohner-Stadtteil als Wohnviertel beliebt und weit davon entfernt zu ver-slumen. Im Gegenteil: Die Mietpreise steigen. Man identifiziert sich mit seinem Wohnblock, was auch daran liegen mag, dass jeder von einem anderen Architekten gestaltet wurde, wodurch die Monotonie anderer Siedlungen dieser Art vermieden wurde.

„Der Staat war Grundeigentümer, Planer und Investor zugleich“, erklärt Adolph Stiller. „Trotzdem entstand hier eine individuelle Architektur, keine Serien-Architektur wie in den Ländern des Ostblocks. In Novi Beograd spürt man noch diese Aufbruchsstimmung. Den Stolz, blockfrei, unabhängig und modern zu sein“.

Und heute? Gebaut wird weiterhin, doch die Wirtschaftskrise und Serbiens außenpolitische Isolation haben die Entwicklung erheblich gedämpft. Gerade die junge Architektengeneration hat, trotz guter Ausbildung, Schwierigkeiten, an Aufträge zu kommen. Man fängt klein an, baut Wochenendhäuschen für die Familie am Stadtrand und wartet auf bessere Zeiten. Dass zumindest in der Theorie die Isolation längst aufgehoben ist, zeigt die Belgrade Architecture Week, die seit 2006 jährlich stattfindet und mit internationaler Stararchitekten-Beteiligung aufwarten kann.

Auch Wiener Architekten mischen wieder mit: So gewann Boris Podrecca 2007 den Wettbewerb für das Museum für Wissenschaft und Technik. Die Realisierung ist jedoch so ungewiss wie die Zukunft der oft unpopulären alten Regierungsgebäude.

„Erst muss ein Bewusstsein für die internationale Bedeutung dieser Bauten geschaffen werden“, sagt Stiller. Dass sich die Tore zur EU nun immer weiter öffnen, könnte auch ein Hoffnungsschimmer für die serbischen Corbusiers sein.

9. Juli 2011 Der Standard

Papier als Lebenselixier

Er baut klein und spartanisch. Und am liebsten zeichnet er nur. Ein Gespräch mit dem russischen Künstler und Architekten Alexander Brodsky.

Gerade als sich New York Ende Dezember 1999 auf die Millenniumsfeiern vorbereitete, bestieg Alexander Brodsky eine Aeroflot-Maschine nach Moskau, um endgültig in seine Heimatstadt zurückzukehren. Gut zwei Jahrzehnte, nachdem er dort Architektur studiert hatte, kehrte er zu seinen Wurzeln zurück: Mit Mitte 40 wurde Alexander Brodsky nun tatsächlich Architekt und gründete sein erstes Büro.

Es war der dritte Abschnitt in seiner Karriere. 1955 geboren, wurde er früh berühmt als Mitbegründer der „Paper Architects“, die in den 1970er- und 1980er-Jahren der offiziellen Doktrin der sowjetischen technokratischen Moderne utopisch-fantastische Zeichnungen und Radierungen entgegensetzten. Nach dem Zerfall der UdSSR ging er nach New York, wo er sich mit von Industrieruinen inspirierten Rauminstallationen einen Namen machte.

Ein weiter Bogen von Architektur zu Kunst und wieder zurück. Kein Einzelfall, wenn man an heimische Größen wie Haus-Rucker-Co und Coop Himmelb(l)au denkt, die ähnliche Umwege nahmen. Für andere wie Raimund Abraham und Lebbeus Woods blieb das Zeichnen allzeit die wahre, die reine Erfahrung von Architektur. Gebautes fand selten oder gar nicht statt.

Zurück in seiner Lieblingsstadt, wurde der verlorene Sohn euphorisch aufgenommen als Gegenpol zu einer turbokapitalistischen Bauwut, in der Bausubstanz und Historie nicht mehr viel zählten. Sein aus alten Fensterrahmen zusammengesetzter spartanischer Pavillon für Wodka-Trinker sorgte 2003 für Aufsehen, und auf der Biennale in Venedig ließ er ein Tonmodell Moskaus langsam in schwarzem Altöl versinken. Außerdem baute er Wohnhäuser aus Holz, Restaurants wie das 95° mit seiner prekär gekippten Mikado-Konstruktion und einen temporären Pavillon aus Eiswürfeln. 2010 wurde er schließlich mit dem renommierten Kandinsky-Preis ausgezeichnet.

Vorige Woche weilte Alexander Brodsky in Österreich, wo das Architekturzentrum Wien (Az W) ihm derzeit eine Einzelausstellung widmet - Gelegenheit für ein Gespräch über Arbeitsmaterialien wie Holz und Öl, Wodka und Eis.

STANDARD: Sie haben über 20 Jahre nur gezeichnet. Gab es jemals den Wunsch, dass eine Ihre Zeichnungen Realität würde?

Brodsky: Nein. Manches davon hätte man theoretisch bauen können, aber die Papierarchitektur war nie dazu gedacht, gebaut zu werden. Das war reine Imagination. Ich war ganz zufrieden damit, nur Bilder zu zeichnen.

STANDARD: Sind Sie deshalb, wie es im Titel der Ausstellung heißt, heute noch erstaunt, dass Sie Architekt geworden sind?

Brodsky: Mit der Architektur ist es bei mir wie mit dem Autofahren: Mit beidem habe ich sehr spät angefangen, und beides war mir bis dahin unvorstellbar vorgekommen. Beim Autofahren bin ich jetzt noch manchmal erstaunt, dass ich das anscheinend kann, und bei der Architektur genauso.

STANDARD: Die Kunst sitzt aber immer noch auf dem Beifahrersitz?

Brodsky: Ja. Ohne zu zeichnen kann ich nicht leben. Meine Mitarbeiter arbeiten natürlich am Computer, das geht nicht anders. Aber ich kann damit nichts anfangen. Auch heute noch beginnt jedes Projekt mit einer Skizze.

STANDARD: Ist der Künstler Brodsky freier als der Architekt Brodsky?

Brodsky: Ja, das kann man so sagen. In der Kunst hat man nicht diese Verantwortung wie in der Architektur, wo es selbst bei kleinen Bauten wie meinen schnell sehr kompliziert wird. Als Architekt hängt mein Grad an Freiheit sehr von meinem Verhältnis zu den Bauherren ab.

STANDARD: Viele Ihrer Bauten wirken zerbrechlich oder verschwinden sogar nach kurzer Zeit wieder, wie der Pavillon aus Eiswürfeln, der nur einen Winter lang existierte. Reizt Sie der Zerfall?

Brodsky: Ich mag Objekte, die nicht ewig leben, die einen Anfang und ein Ende haben. Holzbauten wie das 95°-Restaurant stehen sicher noch ein paar Jahre, aber die Konstruktion ist nicht für ein langes Leben gebaut. Der Eispavillon war nicht nur auf dem Eis, also auf einem zugefrorenen See, sondern auch aus dem Eis gebaut, er konnte also gar nichts anderes als temporär sein. Mit den Wohnhäusern, in denen eine Familie mehrere Generationen lang leben soll, ist das natürlich anders. Aber auch dort benutze ich gerne Holz, weil man sieht, wie es altert, wie es mit der Zeit ergraut.

STANDARD: In Ihren Installationen kommen dagegen oft ganz naturferne Materialien vor. In Wien ist es sogar Maschinenöl.

Brodsky: Das schwarze Öl verwende ich sehr gerne, weil es der perfekte Spiegel ist. Kein anderes Material reflektiert das Licht so wunderbar. Ich liebe es, diese theatralischen Effekte in meine Arbeit miteinzubeziehen.

STANDARD: Sie sind 1999 nach Russland zurückgekehrt. Warum?

Brodsky: Es war nie mein Plan gewesen, zu emigrieren! Mein Besuch in New York, der eigentlich viel kürzer gedacht war, hat sich einfach immer mehr in die Länge gezogen. Am Schluss waren es fast vier Jahre! Ich hatte eine ganze Reihe von Aufträgen für Installationen dort. Nachdem die alle realisiert waren, war es Zeit, zurückzugehen.

STANDARD: Haben Sie Ihre Heimatstadt Moskau noch wiedererkannt?

Brodsky: Moskau hat sich sehr verändert. Es ist furchtbar, es läuft völlig aus dem Ruder. Alles wird zerstört. Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber banal gesagt: Die Macht des Geldes ist einfach zu stark. Man kommt nicht dagegen an.

STANDARD: Ist Ihre Architektur, wie damals die Paper Architecture, eine Reaktion auf diese Zustände?

Brodsky: Nein. Damals, als die industrialisierte Moderne herrschte, schauten wir in die Vergangenheit. Unser Held war Piranesi. Diese Faszination hat uns zusammengeschweißt, und die Freundschaften haben sich bis heute gehalten. Heute baue ich einfach Dinge, die mir gefallen. Kleine Bauten auf dem Land, nichts Monumentales. Vielleicht baue ich später einmal in Moskau. Stein und Beton können schließlich genau so schön altern wie Holz. Was es auch wird: Ganz sicher werde ich mich nicht an der Zerstörung von Geschichte beteiligen.

STANDARD: Die Tage der jungen Papierarchitekten, in denen nächtelang gefeiert und getrunken wurde, sind also vorbei?

Brodsky: Das schon, aber Wodka trinke ich immer noch gerne. Das hat sich nicht verändert!

18. Juni 2011 Der Standard

Geistwesen aus Stahlbeton

Mehr als Waldorfschulen: Das Rudolf-Steiner-Jahr zeigt, wie der umstrittene Gründer der Anthropo- sophie Kunst und Architektur beeinflusste.

Der berühmte Besucher soll nachhaltig beeindruckt gewesen sein, als er im Jahr 1927 diesen Berg in der Schweiz bestiegen hatte. Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft südlich von Basel, thronte vor ihm ein 90 Meter langes und 37 Meter hohes Gebilde aus purem Sichtbeton - kein rechter Winkel, dafür konkave und konvexe Wölbungen und Säulen wie Luftwurzeln, schwer und leicht zugleich.

Der Name des Besuchers war Le Corbusier, und das Bauwerk das Goetheanum in Dornach. Corbusier sollte ein Vierteljahrhundert später auf einem nicht weit entfernten Hügel eine ähnliche geschwungene Form aus Stahlbeton errichten - die Kirche Notre-Dame du Haut im französischen Ronchamp. Der Architekt des Goetheanums erlebte die Fertigstellung des Baus nicht mehr. Sein Name: Rudolf Steiner.

1861 im heutigen Kroatien geboren, destillierte Steiner nach der Jahrhundertwende Elemente von Christentum, Hinduismus, und Okkultismus zur alle Lebensbereiche umfassenden Weltanschauung der Anthroposophie.

Anlässlich seines 150. Geburtstags in diesem Jahr ist die allzeit umstrittene und verehrte Figur Steiner weltweit wieder ins Blickfeld gerückt. Klar, dass damit auch die heftigen Debatten um sein esoterisches Wirken um so intensiver geführt werden.

Sei es Steiners abrupten Wandel vom antireligiösen Nietzscheaner zum raunenden Mystiker, der mit einem sprunghaften Anstieg von gesellschaftlichem Ansehen und persönlicher Finanzlage verbunden war, sei es das Pro und Contra der von ihm begründeten Waldorfpädagogik oder Sinn und Unsinn von Eurythmie und biodynamischer Landwirtschaft - von den fragwürdigen, okkultistisch verbrämten Rassentheorien ganz zu schweigen.

Dass sich zu jeder kontroversen Äußerung ein Gegenbeispiel zitieren lässt - wie beispielsweise zu Steiners Ablehnung von Nationalismus und Antisemitismus - macht die Debatten nicht kürzer. Die sperrige Sprache seiner zahlreichen Bücher und mehr als 5000 Vorträge mit ihrem verdrehten Satzbau und wolkigen Substantiven tut ein Übriges, um den Zugang zu erschweren.

Rudolf Steiners Werk in Architektur und Kunst erscheint vor diesem Hintergrund geradezu beruhigend greifbar. Wie einflussreich es noch heute ist, zeigen die vom Vitra Design Museum konzipierten Ausstellungen Die Alchemie des Alltags und Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart, die bereits in den Kunstmuseen Wolfsburg und Stuttgart gezeigt wurden.

Letztere, die Steiners Denkkosmos in der zeitgenössischen Kunst widerspiegelt, macht seit vorgestern, Donnerstag, in Prag Station. Die andere, die sich Architektur und Design widmet, eröffnet am kommenden Mittwoch im Wiener Mak.

„Wir freuen uns sehr, dass die Ausstellung nach Wien kommt. Schließlich hat Steiner von 1879 bis 1890 hier studiert und seinen künstlerischen Ansatz entwickelt“, sagt Stephan Siber, der für die Anthroposophische Gesellschaft das Rudolf-Steiner-Jahr koordiniert.

In seinen Wiener Jahren geprägt von Otto Wagner und der Wiener Secession, waren es Elemente des Jugendstils, die Steiner aufgriff, als er 1913 den Bau des ersten Goetheanums begann. Die im selben Jahr begründete Anthroposophische Gesellschaft hatte enormen Zulauf, die Vorträge und Seminare des charismatischen Redners Steiner waren populär. Ein geeigneter Raum musste her. Als ihm das günstige Grundstück in Dornach angeboten wurde, ging er daran, den Ganzheitsanspruch seines Weltbildes in bauliche Form zu bringen.

Gebauter Ganzheitsanspruch

Zur Grundsteinlegung des enormen hölzernen Doppelkuppelbaus mit seinem stahlhelmartigen Schindeldach wurden Cherubim und Erzengel angerufen. „Friede und Harmonie wird sich ausgießen in die Herzen durch diese Formen. Gesetzgeber werden solche Bauten sein!“, kündigte Steiner 1914 euphorisch an. Dazu sollte es nicht mehr kommen. Kurz vor der Fertigstellung brannte das erste Goetheanum in der Silvesternacht 1922 komplett nieder.

Steiner machte sich sofort an die Planung eines Neubaus, der kaum mehr als ein Jahr später begonnen wurde, und zwar in radikal anderer Gestalt. Ausgerechnet der damals neue und eher nicht esoterische Baustoff Stahlbeton sollte es sein. Die Steiner-Jünger, die den ersten Bau tatkräftig mitgestaltet und mit Spenden finanziert hatten, waren skeptisch. Dabei waren bereits für das erste Goetheanum Nebenbauten aus Beton entstanden, wie das expressionistische Heizhaus mit seinem verzierten Kamin, das deutlich an die Bauten von Antoni Gaudí erinnert.

„Alles, was in Betonbau bis jetzt geleistet worden ist, ist eigentlich keine Grundlage für das, was hier entstehen soll“, kündigte Steiner an. Während Aspekte wie Geistwesen und Goetheforschung in physische Form überführt werden mussten, überlegte man gleichzeitig ganz nüchtern, welche neuen Techniken der Betonschalung zu entwickeln wären, um ein solch organisches Bauwerk in feste Form zu gießen.

Steiners „Wissenschaft“ mag großteils auf der nicht nachprüfbaren Behauptung einer höheren Wahrnehmung fußen, doch der Anspruch, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, war durchaus zeitgemäß. Auch am Bauhaus in Weimar wurden zeitgleich Architektur, Farbenlehre und Tanz praktiziert.

Steiner starb 1925; im selben Jahr zog das Bauhaus nach Dessau um und wandte sich der industriellen Arbeitsteilung zu. Die Zeit der Gesamtkunstwerke war vorbei. In Dornach baute man posthum am Goetheanum weiter und stritt sich, ob das eine oder andere Detail im Tonmodell des Meisters zufällige Delle oder intendierter Geniestreich sei.

Auch danach bauten die Anthroposophen weltweit unter braver Vermeidung des rechten Winkels meist im Stil des Meisters weiter. Zwar glitt man nicht in Hundertwasser'sche Schlumpfigkeit ab, doch bisweilen blieb vom Gesamtkunstwerk wenig mehr als ein angeschrägtes Fenster.

„Viele bauen noch heute nach dem Vorbild des Goetheanums. Aber eigentlich war Kunst für Steiner immer Gegenwartskunst“, sagt auch Silber.

Ein monumentales Modell des Goetheanums zeigt auch die Ausstellung im Mak. Neben Exponaten von anthroposophiebegeisterten Künstlern wie Joseph Beuys, dessen Tafelbilder sich explizit auf Steiner bezogen, werden hier auch die Einflüsse auf Architekten wie Hans Scharoun und Alvar Aalto deutlich.

Steiners Werk werde eben auch als „Steinbruch“ benutzt, aus dem sich jeder bedienen könne, wie die Kuratoren im Ausstellungskatalog schreiben. Le Corbusier ist hier nur das bekannteste Beispiel. Ob dieser Steiner-Steinbruch nun Gesamtkunstwerk oder esoterisches Sammelsurium ist, darüber wird noch lange nach dem Steiner-Jahr debattiert werden.

[ „Rudolf Steiner - Die Alchemie des Alltags“. Mak, Wien, 22. 6. bis 25. 9. 2011 ]

4. Juni 2011 Der Standard

Hinter den Monumenten

Während Pjöngjang sich zum 100. Geburtstag Kim Il-sungs herausputzt, zeigt ein neuer Architekturführer erstmals die Bauten der Stadt.

Die Pjöngjanger dürften nicht schlecht gestaunt haben, als Mitte 2008 die älteste Baustelle der Stadt plötzlich wieder zum Leben erwachte. Das monströse, 105-stöckige Ryugyong-Hotel, das 16 Jahre lang als halbfertiger Rohbau vor sich hingebröselt hatte, bekam in Windeseile eine verspiegelte Glasfassade verpasst.

Nachdem die Finanzhilfen aus der Sowjetunion nach deren Ende weggebrochen waren, war die Arbeit an der 330 Meter hohen Pyramide aus Geldmangel eingestellt worden. In den folgenden Jahren schwieg das Regime den peinlichen Schandfleck einfach tot und retuschierte den Bau sorgfältig aus allen offiziellen Fotos heraus.

Ironischerweise ist es ausgerechnet eine ägyptische Firma, die der Pyramide nun ein neues Kleid verpasst. Dass die Orascom Group nicht nur Bau-, sondern auch Telekomkonzern ist und als solcher den Zuschlag zum Aufbau eines potenziell lukrativen Mobilfunknetzes in Nordkorea bekommen hatte, ließ Spekulationen über ein Gegengeschäft aufkommen, die eilends dementiert wurden.

Außer Zweifel steht jedoch, dass sich im April 2012 der Geburtstag des „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-sung zum hundertsten Mal jährt. Und eine in der ganzen Stadt sichtbare Betonruine als optischer Hintergrund der Feierlichkeiten? Undenkbar!

Ob es bei der Fassadenkosmetik bleibt, oder ob das Hotel inklusive Drehrestaurants tatsächlich in Betrieb geht, wie Orascom-CEO Khaled Bichara verspricht, bleibt fraglich. Kritische Experten vermuten, dass der Beton nach ungeschützten Jahren in Wind und Wetter bereits irreparabel beschädigt sei. Ungeklärt bleibt auch, ob das immerhin 25 Jahre alte Hotel das einzige architektonische Symbol dieses so wichtigen Datums sein wird.

„Bislang wurden zu allen wichtigen Staatsjubiläen immer Monumentalbauten errichtet“, erklärt Nordkorea-Experte Rüdiger Frank von der Uni Wien. „Finanziell könnte sich Nordkorea das auch heute noch leisten. Falls es ausgerechnet zum 100. Geburtstag des Staatsgründers kein neues Denkmal geben wird, könnte das auf einen Pragmatismus hindeuten, der für Kim Jong-il durchaus typisch ist.“

Dabei hatte Kim Jong-il 1991, also noch zu Lebzeiten seines Vaters, die programmatische Schrift Über die Baukunst verfasst, in der er Architektur, Führerkult und nationale Autarkie als untrennbares Ganzes darstellte - bis hin zu Regeln für die richtige Fußbodenheizung und die bildende Kunst. Wichtigstes Beispiel und Aushängeschild für die nordkoreanische Architektur seit dem Neuaufbau nach der völligen Zerstörung im Koreakrieg war und ist die Hauptstadt Pjöngjang.

Dieser Stadt widmet sich ein soeben veröffentlichter Architekturführer, den der Berliner Architekt und Publizist Philipp Meuser herausgegeben hat. „Pjöngjang ist ein Open-Air-Museum sozialistischer Baukunst“, sagt Meuser. „Das ist der einzige Ort auf der Welt, an dem man diese Architektur noch in Reinform findet.“

Das Problem, dass in einem Land, das man als Ausländer nur unter ständiger Aufsicht bereisen kann, eine unabhängige Recherche unmöglich ist, löste Meuser mit einem Trick: Band 1 zeigt das offizielle Pjöngjang. Text und Bilder kamen vom staatlichen „Verlag für fremdsprachige Literatur“ und wurden hochoffiziell abgesegnet. Band 2, der ohne das Wissen der Nordkoreaner entstand, erklärt und kommentiert den Zusammenhang und versucht, hinter die Kulissen zu schauen.

Die klare Trennung nimmt dem Vorwurf, die Architektur- und Bildproduktion einer Diktatur kritiklos auszustellen, wie sie die Ausstellung Blumen für Kim Il-sung im Wiener Mak letztes Jahr traf, den Wind aus den Segeln. „Als Verleger kann ich nicht einfach Propagandamaterial veröffentlichen, man will ja nicht zum Sprachrohr werden“, sagt Meuser. „Ich wollte aber auch nicht einfach nur alles durch den Kakao ziehen.“

Der Leser kann sich selbst ein Bild machen. Im ersten Teil werden die repräsentativen Bauten wie das Stadion des 1. Mai, mit 150.000 Sitzplätzen das größte der Welt, der zu Kim Il-sungs 70. Geburtstag errichtete Triumphbogen und die bis zu 100 Meter breiten, von Wohnblocks gesäumten menschenleeren Achsen dazwischen mit knappen, nüchternen Texten erklärt. Bauten zwischen Stalinismus und Nachkriegsmoderne, dazwischen traditionelle koreanische Dachformen in Übergröße.

So suggeriert der wie ein gängiger Architekturführer nach Typologien geliederte Band mit Stadtplan im Anhang ganz bewusst, dass man Pjöngjang durchstreifen könne wie jede andere Stadt.

In der Realität ein schwieriges Unterfangen, wie Philipp Meuser bei einem seiner fünf Besuche feststellte: "Als ich meinen koreanischen Begleitern sagte, ich wolle gerne durch ein ganz normales Wohngebiet spazieren, haben sie das nicht verstanden und auch nicht genehmigt. Dafür hieß es bei der nächsten Reise dann plötzlich: „Wir haben zwei Stunden Zeit, möchten Sie einen Spaziergang machen?“"

Wo wohnt Kim Jong-il?

Der zweite Band, begleitet von kritischen Essays, zeigt das, was der Besucher aus dem Ausland nicht sehen soll: ärmliche Hütten hinter den Wohnblocks, die Allgegenwärtigkeit der Propaganda und den streng geheimen, von einer hohen Mauer umgebenen Wohnsitz von Kim Jong-il. Und natürlich das monströse Ryugyong-Hotel, das im offiziellen Band nur schemenhaft im Hintergrund zu sehen ist.

Kritik schön und gut, aber darf man das überhaupt? Darf man über die Architektur einer totalitären Diktatur berichten, ohne deren gravierende Aspekte zu behandeln? „Natürlich sind Themen wie Menschenrechte oder Nahrungsversorgung wichtiger. Aber ein Architekturführer kann nicht alle Fragen zu Nordkorea beantworten. Wir können nur das zeigen, was man sieht“, meint Philipp Meuser. „Außerdem sind die städtebaulichen Kompositionen und die Proportionen der Bauten, wenn man von der Qualität der Ausführung absieht, oft sehr gut.“

Das Verweigern einer allzu leichten Pauschalverdammung hat den Verdienst, dass die Lektüre der zwei Bände schlicht neugierig macht auf das normale Alltagsleben der drei Millionen Einwohner Pjöngjangs, das sich - wenn auch auf den Bildern unsichtbar - irgendwo zwischen Jugendpalast und Kim-Il-sung-Mausoleum abspielen muss.

„Die Architektur wird sehr wohl von der Bevölkerung akzeptiert“, erklärt Rüdiger Frank, der Nordkorea seit 20 Jahren regelmäßig besucht. „Pjöngjang ist das internationale Aushängeschild des Landes. Da ist man einfach stolz darauf.“ Man darf gespannt sein, wie es sich 2012 präsentiert.

verknüpfte Publikationen
- Architekturführer Pjöngjang

21. Mai 2011 Der Standard

Die Stars der verbotenen Stadt

Der mit reichlich Pritzker-Preisträgern besetzte Novartis Campus in Basel nimmt allmählich Gestalt an. Ein Zwischenbericht.

Lautlos ziehen die prachtvoll gefärbten Kois ihre Kreise im Wasserbecken auf der Piazza. Unter dem schattigen Blätterdach lehnen Menschen mit klugen, konzentrierten Gesichtern entspannt auf Sesseln, Laptops auf den Knien, international telekonferierend. Sorgfältig behelmte Fahrradfahrer mit Rucksäcken rollen vorbei. Gegenüber stoppt ein Kleinbus sanft an der Haltestelle vor dem Supermarkt. Kleingruppen streben den Tischen unter den Arkaden entgegen: zum Lunch in die Osteria Dodici oder heute mal in die Sushibar?

Eine freundliche und perfekte Welt. So perfekt, dass ein Neuankömmling unweigerlich in die Sonne blinzelt, um zu prüfen, ob diese nicht doch ein Scheinwerfer und das alles eine Art urbaner Truman Show ist. Doch die Szenerie ist voll und ganz real: Der Neuankömmling befindet sich auf dem Novartis Campus in Basel, exakt an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich.

Als der Pharmagigant 1996 durch die damals weltgrößte Fusion aus den Firmen Sandoz und Ciba-Geigy entstand, erbte er auch deren Betriebsareale, ein mehr als100 Jahre gewachsenes Konglomerat aus Produktionsstätten und Verwaltungsbauten, das sich schon bald als nicht mehr zeitgemäß erwies. Im weltweiten Werben um internationale Spitzenkräfte waren Konkurrenz und Ansprüche gewachsen.

Die Lösung: ein moderner Campus in Form einer verdichteten Stadt als Lockmittel für die Forscherelite.

Im Jahr 2000 beauftragte daher CEO Daniel Vasella den Zürcher Architekten Vittorio Magnago Lampugnani mit der Erstellung eines Masterplans für die sukzessive Neubebauung des 20 Hektar großen Areals mit einem „Campus des Wissens, der Innovation und Begegnung“ - mit flexiblen „Multispace-Offices“ und dem Unternehmen als „selbst regulierendem Gehirn“.

Lampugnani goss die weichen Standortfaktoren dieser neuen Unternehmenskultur in ein hartes Korsett: ein strenges Raster aus schmalen Baublöcken mit 23 Meter Traufhöhe, rechts und links der 600 Meter langen arkadengesäumten Fabrikstraße. Ein konservatives Erscheinungsbild für die Innovationen des 21. Jahrhunderts.

Innovation im strengen Raster

Geld spielte für den drittgrößten Pharmakonzern der Welt (Nettoumsatz 2010: 50,6 Milliarden Dollar) dabei eine untergeordnete Rolle. Wie bei den Scheichs von Dubai galt auch hier: Die Besten sind gerade gut genug. Stararchitekten mussten her. Man ließ sich die Liste mit den Pritzker-Preisträgern reichen.

Im Jahr 2030 sollen 10.000 Menschen auf dem Campus arbeiten und das Raster mit Büros und Laborgebäuden gefüllt werden. Zwölf von diesen sind bereits fertig und bezogen, darunter die Bauten von Frank O. Gehry, Tadao Ando, Rafael Moneo, Adolf Krischanitz, Peter Märkli und Lampugnani selbst. Mit der Eröffnung des Laborgebäudes von David Chipperfield ist nun die Straßenzeile entlang der Hauptachse fast komplett und vermittelt einen ersten Gesamteindruck des Forscherparadieses.

Anders als bei den vielpublizierten Starvehikeln am Persischen Golf bleibt die Architektur hier Privatangelegenheit des Konzerns. Erst seit kurzem ist die „Verbotene Stadt“ an wenigen Samstagen im Jahr auch für Betriebsfremde geöffnet. Das Interesse ist mit 20.000 Besuchern im Jahr beachtlich.

Hat man die hohen Sicherheitsvorkehrungen, den gläsernen Eingangspavillon und die filigranen Büroriegel von Diener & Diener sowie SANAA passiert, fällt als Erstes Peter Märklis 2006 fertiggestelltes Besucherzentrum ins Auge. Und ironischerweise ist es ausgerechnet ein strenger Schweizer, der mit dem reichlichen Budget (über die genauen Zahlen schweigt man sich aus) am lustvollsten umgeht.

Erinnert die braune Aluminiumfassade noch an ein klassisches amerikanisches Bürogebäude aus der Nachkriegsmoderne, gibt es im Inneren kein Halten mehr: ein repräsentatives Atrium mit Stiegen aus weißen Marmor, Handläufen aus Oliven- und Wandvertäfelungen aus Eibenholz. Antikes Griechenland und Rockefeller-Chic, handwerkliche Detailarbeit und barocke Opulenz. Eine makellose Architektur, die wirkt, als wäre sie aus purem Geld gebaut.

Wenige Blocks weiter: der Bürobau für den Bereich Human Resources von Frank O. Gehry. Als Einziger, der sich über den Masterplan hinwegsetzen wollte und durfte, setzte er ein wild flatterndes Bündel aus Stahl und Glas ins Grün. Nähme man den Campus als Stadtviertel, ginge die freie Form ohne weiteres als Kirche durch. Nur - ganz so frei ist die Form leider nicht: Die Flügelschwingen sind dort, wo sie an die Straße reichen, abrupt, wie mit dem Fallbeil, gestutzt.

Anstrengendes Stützenmikado

Auch von innen löst es nicht ein, was es verspricht: Der statische Aufwand, die dynamische Form an Ort und Stelle zu halten, mündet in ein anstrengendes Mikado von Stützen, denen auch die Holzverkleidung nicht das Massive nimmt. Dazwischen verkümmern die 140 Arbeitsplätze zu Resträumen - von Licht und Luftigkeit bliebt nicht viel übrig.

Dies gelingt dem jüngsten Bau auf dem Campus, dem subtilen Laborgebäude von David Chipperfield, noch am besten. Die Arbeitsplätze hoch, hell und stützenfrei, ganz im Sinne des sogenannten „Lab of the Future“, das bei No-vartis für die flexible Konzeption der Arbeitsplätze zuständig ist - bei bis zu 5000 firmeninternen Umzügen im Jahr kein Kinderspiel. Als visuelle Belohnung für diese ständige Bewegung entwarf der Designer Ross Lovegrove eine bionische Labortreppe aus Fiberglas, die wie ein in Honig getauchtes Dinosaurierskelett im Raum steht.

Zukunftslabore, Bionik, Innovation - in einem Campus, der letztendlich einer von allen Störungen gereinigten Idealstadt gleicht? Vielleicht muss man abwarten, bis der Campus wirklich ein Teil von Basel wird. Eine komplette Öffnung der Verbotenen Stadt nach 2030 wird von Novartis zumindest nicht ausgeschlossen. Bis dahin darf der Bürger samstags zu Besuch kommen.

30. April 2011 Der Standard

Ein Dampfschiff aus Licht

Sie können auch klein: Coop Himmelb(l)aus Kirchenbau im Grenzort Hainburg wird heute eröffnet.

Ein bedeutender Tag, der 30. April. Denn heute ist es auf den Tag genau auch schon wieder 1700 Jahre her, dass der römische Kaiser Galerius im Edikt von Nikomedia den Christen erstmals die Freiheit der Religionsausübung gewährte. Vorausgesetzt, sie passten sich in der Öffentlichkeit an. Natürlich. Vorbereitet wurde diese epochale Wende in einem Ort am nördlichen Rande des Reiches - Carnuntum an der Donau, nahe dem heutigen Hainburg an derselben.

Ein doppelt bedeutender Tag, der 30. April. Denn mit der Öffnung des österreichischen Arbeitsmarkts für die Nachbarn im Osten erfolgt ein weiterer, wenn auch nicht ganz so epochaler Schritt in Richtung Freiheit. Und wieder gerät die Region ins Blickfeld. Die Jahrzehnte des Dornröschenschlafs im Schatten des Eisernen Vorhangs liegen weit zurück, heute ist man dem slowakischen Nachbarn im Osten längst entgegengewachsen. Rund 300 der 6000 Einwohner Hainburgs sind slowakische Staatsbürger, die vor allem von den günstigen Grundstückspreisen in Sichtweite Bratislavas angelockt wurden.

Dreifach bedeutender Tag

Und als wäre es der bedeutenden Daten nicht genug, wird in Hainburg an diesem 30. April auch das seltene Ereignis eines Kirchenneubaus gefeiert, noch dazu eines einer evangelischen Kirche. Zwar ist man gegenüber der katholischen Übermacht die deutliche Minderheit, doch anders als bei dieser nimmt die Zahl der Mitglieder leicht zu. Gründe genug für ein brandneues Gotteshaus. Bisher provisorisch in einer baufälligen Villa untergebracht, will man sich nun stolz mitten im Ort zeigen. Die Tatsache, dass man auch auf der religiösen Ebene des Alltags grenzübergreifend agiert, ist ein zusätzlicher Faktor. „Es kommen regelmäßig Slowaken in den Gottesdienst, und wir arbeiten schon lange mit der Gemeinde in Bratislava-Petrzalka zusammen“, sagt Pfarrer Laszlo Hentschel. Auch zweisprachige Gottesdienste sind geplant.

„Ein Neubau ist in der heutigen Zeit, in der Kirchen eher umgenutzt werden, etwas ganz Besonderes“, sagt Paul Weiland, Superintendent der evangelischen Kirche in Niederösterreich. „Der Bau soll auch ein Zeichen dafür sein, was Kirche sein kann: transparent, einladend und offen.“ Zwar war das Budget mit 1,4 Millionen Euro knapp bemessen, doch an der Architektur sollte nicht gespart werden. „Nur ein Dach über dem Kopf reicht nicht. Wenn man heute eine Kirche neu baut, dann sind künstlerisch und architektonisch die Besten gerade gut genug“, sagt Weiland.

Man begann zunächst mit der Suche vor der eigenen Haustür und wurde gleich ganz oben fündig: Bei den Stars von Coop Himmelb(l)au. „Wir haben herausgefunden, dass Wolf D. Prix hier in Hainburg aufgewachsen ist, aber hier noch nie etwas gebaut hat.“ Prix ließ sich nicht lange bitten. Schließlich hatte er mit seiner Heimatstadt noch ein Hühnchen zu rupfen: 2002 war sein expressiver Entwurf für das Besucherzentrum des Nationalparks Donauauen trotz bereits erfolgten Spatenstichs von einer Pressekampagne der Projektgegner gekippt worden.

Ein winziges Budget, eine Grundfläche von gerade einmal 300 Quadratmetern, eingezwängt zwischen verputzte Altstadthäuser - es versprach eine ungewöhnliche Aufgabe zu werden für ein Büro, dessen weltweite Werke normalerweise als dynamische, der Schwerelosigkeit trotzen wollende Großskulpturen frei entfaltet auf Präsentiertellern stehen. Noch dazu in einer Formensprache, die eindeutig mehr dem Opulent-Barocken, ergo Katholischen, nahesteht als dem rationalen Protestantismus.

„Sicher, in das Konferenzzentrum, das wir gerade in China bauen, würde die Kirche 2000-mal hineinpassen,“ sagt Wolf Prix. „Aber auch ein kleines Bauwerk kann seine Umgebung total verändern.“

Das tut es zweifellos: Am Eck des Grundstücks schwingt sich wie eine elegant verbogene Stimmgabel ein schlanker Glockenturm empor, daneben faltet sich eine Glasfassade rhythmisch den Gehweg entlang, und darüber streckt das gewölbte, silbern schimmernde Dach dem Licht drei saugnapfartige Ausstülpungen entgegen. „Das 30 Tonnen schwere Dach haben wir in einer norddeutschen Schiffswerft fertigen lassen, per Tieflader durch Hainburgs mittelalterliche Stadttore gefädelt und am Stück per Kran auf das Gebäude gehoben“, erzählt Prix.

Dach aus der Schiffswerft

So weit, so spektakulär. Dennoch gebärdet sich das dreiteilige Ensemble nicht als Fremdkörper. Maßstäblich fügt es sich in die aneinandergewürfelten Häuserreihen ein, und seine Rundungen nehmen die Dachkrümmung des romanischen Beinhauses auf, eines Überbleibsels der alten Kirche, die bis ins 17.Jahrhundert auf dem Grundstück stand.

Nur der prominent an der Straße platzierte eigentliche Kirchenraum gibt sich extrovertiert in Form und Material, während Gemeindesaal und Nebenräume puritanisch weißgetüncht fast schon zu bescheiden die Hainburger Putzfassaden ihrer Gegenüber übernehmen.

Herzstück einer Kirche bleibt jedoch immer noch der Innenraum, wo Liturgie und stille Einkehr herrschen. Ein per se statischer Raum also, ganz anders als die sich wie Wolken verändernde Architektur, wie sie von jeher im Programm von Coop Himmelb(l)au steht. Prix: „Das ist überhaupt kein Widerspruch. Kirchenbauten sind schließlich immer Lichträume, und Licht verändert den Raum permanent. Man könnte sagen, dass die Architektur so schnell ist, dass sie fast stillsteht - wie die Speichen eines sich drehenden Rades.“

Dass der Architekt zwar den Himmel im Büronamen trägt, aber zur Religion kein Verhältnis hat, war für die liturgischen Anforderungen kein Hindernis, betont Paul Weiland. „Obwohl er ja keine Beziehung zur Kirche an sich hat, hat sich Wolf Prix in hervorragender Weise hineingedacht und genau das umgesetzt, was wir uns vorgestellt hatten.“

Protestantische Transparenz

Die Annäherung der Form an die Bedeutung kam, so Prix, ganz von selbst. „Die drei Lichtöffnungen im Dach symbolisieren die Dreieinigkeit, aber die Idee kam schlicht und einfach daher, dass zwei oder vier Öffnungen für diesen Raum unpassend gewesen wären. Beim Entwurf des Altars habe ich eine Skulptur von Henry Moore assoziiert. Die Gemeinde war wiederum begeistert, weil sie darin ein Symbol für die Grablegung und Wiederauferstehung Christi sah.“

Die protestantische Transparenz kam dem Architekten ebenfalls gelegen. So ist der Altar an die verglaste Straßenseite gerückt und von dieser nur durch eine perforierte Holzwand mit eingeschnittener Kreuzform getrennt. Durch diese können neugierige Andersgläubige zukünftig von der Straße aus dem Pfarrer sozusagen direkt ins Kreuz schauen.

Angeschaut haben die Hainburger ihre neue Kirche schon längst. Die Meinungen sind geteilt. „Manche meinen, der Bau sähe aus wie ein Dampfschiff“, lacht Paul Weiland. Nicht unpassend für einen strahlend weißen Bau an der Donau mit einem Dach aus der Werft. „Das Traurigste wäre, wenn man gar nicht darüber spräche.“ Die Befürchtung dürfte unbegründet sein: Zur heutigen Eröffnung wird ein Großaufgebot erwartet. Und Milos Klátik, der Generalbischof der evangelischen Kirche der Slowakei, ist selbstverständlich auch dabei.

9. April 2011 Der Standard

Kaufen statt kämpfen

Richard Rogers' Umbau der ehemaligen Stierkampfarena von Barcelona wurde nach langer und schwieriger Bauzeit eröffnet.

Als das katalanische Parlament am 28. Juli letzten Jahres die Geschichte des Stierkampfes in der autonomen Region per Gesetz beendete, war auf Barcelonas Straßen die Zahl der Protestierenden weit niedriger als die der Jubelnden. Kein Wunder, gilt doch die Corrida als Sinnbild des kastilisch dominierten Spanien, mit dessen blutrünstigem Stolz man so wenig wie möglich zu tun haben wollte. Die Toreros von heute kämpfen im Stadion Camp Nou und heißen Xavi, Messi und Iniesta. Die wenigen Stierkämpfe, die es in Barcelona noch gab, waren nicht viel mehr als Show für Touristen.

Noch prangen an der prachtvollen „La Monumental“, der letzten der ursprünglich drei großen Arenen von Barcelona, die noch genutzt wird, die Schilder mit den Kategorien „Sol“ und „Ombra“, die die billigen Sonnen- bzw. teuren Schattenplätze ausweisen. Ab 2012, wenn das Verbot in Kraft tritt, wird sich der 20.000 Besucher fassende Rundbau nach fast 100 Jahren todesmutigen Torerogetänzels auf unblutige Events wie Konzerte beschränken müssen.

Am westlichen Ende der Stadt ist diese Transformation schon abgeschlossen: Der zweite noch erhaltene Stierkampfschauplatz, die Arenas de Barcelona, wurde Ende März nach Jahrzehnten des Leerstands und Zerfalls neu eröffnet - als Shoppingcenter. Wo früher Matadores und Picadores in sengender Hitze mit schnaubenden Stieren rangen, drängen sich jetzt kauflustige Besucher auf den Rolltreppen. Dass dieses erste Zeichen des Abschieds von der „nationalen Fiesta“ ausgerechnet an der prominenten Plaça d'Espanya steht, ist eine kleine Ironie am Rande.

Dabei ist dieser Ort, am Eingang zur Stadt, gegenüber der Messe am Fuße des Montjuic, nur ein paar Blöcke vom Bahnhof Sants entfernt, ganz pragmatisch gesehen ein Gustostückerl für jeden Developer. Kein Wunder also, dass die 2003 vom britischen Stararchitekten Sir Richard Rogers präsentierte Idee, den gemauerten Ring mit einem Durchmesser von 100 Metern zu entkernen und multifunktionell zu füllen, bei Investoren und Stadt freudig aufgenommen wurde. Immerhin war Rogers in Spanien schon mit einigen Großprojekten wie dem eleganten Flughafen Madrid erfolgreich gewesen.

Für seinen ambitionierten Plan musste die ornamentale Fassade im Neomudéjar-Stil aus dem Jahr 1900 mit enormem Aufwand an Ort und Stelle fixiert werden, während Tribünen, Sockel und Boden entfernt wurden, um Platz für das neue Innenleben zu schaffen.

Fragiler Balanceakt

Den Passanten bot sich so zwei Jahre lang das spektakuläre Bild eines in der Luft schwebenden, nur von dünnen Stahlstreben gehaltenen fragilen Mauerrings. „Diese Phase war die schwierigste der ganzen Bauzeit“, erinnert sich Luis Alonso von Alonso Balaguer, Richard Rogers' Partnerarchitekten vor Ort. „4000 Tonnen Mauerwerk 20 Meter in die Höhe stemmen - und die Tunnels der Metro mit ihren Vibrationen sind nur vier Meter entfernt!“

Zu einem Balanceakt wurde auch die Fertigstellung. Sprachen die Stadtoberen in der Anfangseuphorie noch von einer Bauzeit von 30 Monaten, erwies sich der Bau zunächst als komplizierter als gedacht, später kam die Finanzkrise hinzu, die den spanischen Bau- und Immobiliensektor besonders hart traf. Anfang 2009, als „la crisis“ richtig einschlug, war der Auftraggeber zahlungsunfähig, waren die Bauarbeiten für mehr als ein Jahr eingestellt. Erst als der Immobilienkonzern Metrovacesa mit dem Rückhalt einer deutschen Bank als Investor einsprang, rollten die Bagger wieder an.

„In der heutigen wirtschaftlichen Lage wäre so ein Projekt völlig unmöglich“, sagt Alonso. „Spanien müsste sich politisch und sozial komplett ändern, um die Krise zu überwinden. Aber das passiert leider nicht.“

Als sich nach achtjähriger Bauzeit die Tore öffneten, waren die vorgesehenen Baukosten von 100 Mio. Euro auf rund 190 Mio. gestiegen. Noch dazu war die Partnerschaft von Richard Rogers und Luis Alonso aufgrund zunehmender Differenzen im Endspurt auf der Strecke geblieben. Metrovacesa entschied sich, den Bau mit dem spanischen Büro allein fertigzustellen.

Kein Wunder also, dass vor Ort die Erleichterung dominierte, dass die Eröffnung überhaupt stattfand. „Endlich fertig - Las Arenas trotzt der Krise!“, konstatierte die Lokalpresse, und Metrovacesa-Chef Vitalino Nafría durfte stolz verkünden, dass alle 116 Shops vermietet seien und das Bauwerk nun den ihm zustehenden Platz als modernes Wahrzeichen der Stadt neben Jean Nouvels Torre Agbar und den Olympiabauten einnehmen könne.

„Las Arenas ist eine Landmark des 21. Jh.s für die Stadt“, sagt auch Richard Rogers. Wie zum Beweis wurde neben dem Rundbau eine dünne Nadel mit Aussichtsplattform in die Plaça d'Espanya gesteckt - fast, als traute man der Landmarkfähigkeit der mächtigen Arena nicht so recht.

In der Tat verbergen sich die wahren architektonischen Leistungen vor allem im Inneren: Hier galt es, über 100.000 m² Nutzfläche verschiedenster Art zu verteilen. „Wir haben von Anfang an auf einer maximalen Anzahl von Nutzungen bestanden, damit die Räume rund um die Uhr benutzt werden - ich nenne es ,funktionale Promiskuität'“, sagt Luis Alonso. „Shopping allein reicht nicht.“

Piazza im Himmel

Ein Puzzlespiel mit dem Raumprogramm. Wie immer bei Rogers ist die Lösung direkt an der Konstruktion zu erkennen: Unten Shopping, oben Kinos, ein Rockmusik-Museum, ein Sportzentrum mit umlaufender Rennstrecke - jeder Bereich steht auf eigenen Füßen und leitet seine Lasten selbst in den Untergrund. Der wahre Besuchermagnet findet sich ganz oben: Wie ein Deckel auf einem überkochenden Topf schwebt eine Scheibe über den alten Mauern, deren lange Spinnenbeine das Atrium darunter bis ins Erdgeschoß durchkreuzen. „Diese ,Piazza im Himmel' ist der spektakulärste Aspekt des Umbaus“, so Richard Rogers.

Herzstück der Piazza: eine flache Kuppel mit einem Durchmesser von 76 Metern, hier soll Platz für Konzerte und Kongresse für die Messe gegenüber sein. „So einen Raum gab es in Barcelona bisher nicht“, schwärmt Alonso. Höher als 12 Meter durfte die Kuppel nicht sein, sie sollte von der Plaça d'Espanya möglichst unsichtbar bleiben. Dadurch wirkt die technoide Scheibe, auf der sie steht, vom Platz aus wie ein überdimensionierter Helikopterlandeplatz.

Von oben jedoch eröffnet sich den staunenden Besuchern ein 360-Grad-Panorama über den Dächern von Barcelona. Dieses dürfte den Erfolg des Projektes am nachhaltigsten garantieren. Nach dem lokalpatriotischen Rundblick warten dann im Erdgeschoß die Devotionalien im Fanshop des FC Barcelona. Und die Corrida verblasst zur Erinnerung.

26. Februar 2011 Der Standard

Raumzauber aus der Trickkiste

Oberösterreichische Pragmatik und absurde Zusatzräume: Das junge Büro Hertl.Architekten aus Steyr kann bereits ein beeindruckend umfangreiches OEuvre vorweisen.

Auf den ersten Blick fällt es überhaupt nicht auf. Spaziert man in der wildwasserrauen Kleinstadt Steyr entlang der Enns in Richtung der südlichen Vororte, durch ein entspannt vernachlässigt wirkendes Sammelsurium aus Großhütten, Kleinstvillen und verwilderten Gärten, scheint das schwarze Etwas nur ein weiteres Puzzleteil in einem Durcheinander dunkler Dächer zu sein. Ein kantiges, schwarzes Stück Schiefer, mehr nicht.

Beim Näherkommen die erste leichte Irritation: Es ist zwar ein Dach, aber darunter ist gar kein Haus! Ein paar zögernde Schritte weiter merkt man: Das ist auch gar kein Schiefer. Dafür schimmert das fensterlose Etwas, noch dazu übersät mit weißen Luftblasen und schwarzen Knöpfen, doch etwas zu edel. Man muss schon in Greifweite gelangen, bis sich die edle Oberfläche als Dachfolie aus Kautschuk entpuppt, die Luftblasen als Lichtkuppeln und die runden Knöpfe als sachliche Soganker, die die Folie an Ort und Stelle halten. Nur das Klingelschild neben dem versteckten Eingang weist auf die Bewohner des Dach-Dings hin: eine Medienagentur.

Einige hundert Meter flussabwärts, zwischen Ortszentrum und Bahnhof, lugt ein durchlöcherter Quader über die Häusern heraus, die beim Näherkommen auf ähnliche Art zu schimmern beginnt. Das Ensemble aus einem langgestreckten Riegel und einem zehngeschossigen Turm leuchtet bei Sonnenschein sattgelb, an bewölkten Wintertagen in einem erdigen Bronzeton.

Der Quader, ein ehemaliges Kaufhaus, nennt sich „Südpool“ und beherbergt in einem komplett in Schwarz gehaltenen Büro mit Hertl.Architekten die Urheber dieser leichten Irritationen. Das Architektenklischee als Farbkonzept? „Nein, viel einfacher“, erklärt Gernot Hertl lachend. „Durch das Schwarz fällt einfach das Durcheinander der Arbeitsutensilien nicht so auf.“

Sinnlicher Direktkontakt

Gar nicht schwarz und sehr ordentlich sind dagegen die Holzkisten, die entlang der Wand aufgereiht sind. In jeder von ihnen zeigt sich nach dem Aufklappen ein Stück Fassade aus einem realisierten Bauwerk. Bauherren und solche, die es werden sollen, können so schon unverbindlich in sinnlichen Direktkontakt mit der Materie treten. Beachtliche 20 Exemplare dieser Kisten gibt es bereits, und die Sammlung wächst weiter.

Gegründet 2003, kann das Büro bereits mit einer eindrucksvollen Liste an realisierten Bauwerken aufwarten. Vor allem eine Reihe scheinbar minimalistischer Einfamilienhäuser in Steyr und Umgebung, sorgten für zunehmendes Aufsehen und Auszeichnungen.

So wie der winzige Kleingarten-Holzbau „Onkel Freds Hütte“, der sich von seinen rustikalen Nachbarn von der Baumarktstange eben nicht hochnäsig distanziert, dafür durch seine kantige Präzision und meditative Ruhe auf den zweiten Blick um so mehr irritiert.

Eine Präzision, die von den gängigen Oberösterreich-Bildern gar nicht so weit entfernt ist - Stichwort: Vierkanthöfe, Stahlindustrie. Die spezielle Steyrer Variante dieser Mixtur : „Die gewerbliche Mittelschicht, wie sie in Linz und Wels vorhanden ist, gibt es in Steyr einfach nicht. Der große Arbeiteranteil führt außerdem dazu, dass selbst Einfamilienhäuser kaum in Architektenhand gegeben werden“, erklärt Hertl.

"Durch die starke Wirtschaft hat man hier einen sehr zielorientierten Zugang. Das heißt, man ist offen für Innovationen, aber dieser Pragmatismus kann auch bremsend wirken, weil „man ja eh weiß, wie's geht“.

Ein Spannungsfeld, das eines der jüngsten Hertl-Häuser fast schon genüsslich inszeniert: Die zweiflügelige Anlage, ein ehemaliges Gasthaus, wurde zwischen den erbenden Brüdern aufgeteilt. Beide Teile waren dringend sanierungsbedürftig. Der eine Bruder legte selbst Hand an. Der andere beauftragte die Architekten.

Heute könnten die beiden Teile unterschiedlicher nicht sein. Da in diesem Fall die Kantigkeit des zweigeschossigen Baus zu hart wirkte, umhüllte Hertl kurzerhand das gesamte Haus mit einem dramatisch gefalteten Vorhang.

Genau genommen sind es sogar zwei: „Wir haben den an sich relativ langweiligen Innenraum mit weißen Vorhängen so verändert, dass er weicher wird. Es gibt keine klaren Ecken und Kanten mehr. Zusammen mit der Verschleierung von außen entsteht so ein spannender Raum zwischen den beiden Vorhängen, von dem das Haus lebt“, sagt Hertl.

Was der selbst sanierende Nachbar zum Ergebnis sagt, ist nicht überliefert. Der Bauherr jedenfalls war von der bühnenartigen Theatralik äußerst positiv überrascht. Kein Wunder, ist doch die Überraschung ein ständiger Begleiter, wenn man sich durch die Hertl'schen Räume bewegt.

Wohlige Irritation

Etwa wenn sich schmale Treppen und Rampen länger als erwartet durch Altstadthäuser schlängeln, um sich dann plötzlich in riesige Wohnräume zu öffnen. Wenn Fenster nicht da sind, wo sie sein sollten, weil das Haus zum Zimmer um 90 Grad verdreht zu sein scheint. Oft tauchen eigenartige Zwischenräume auf, die für wohlige Irritation sorgen.

„Diese zusätzlichen absurden Räume sind bei uns sehr wichtig“, erklärt Gernot Hertl. „Sei es, dass sie eine absurde Höhe bekommen, oder das Licht aus eigenartigen Richtungen einfällt. Dafür muss man Tricks anwenden, um die Räume größer oder kleiner wirken zu lassen, sie intensiver wahrnehmbar zu machen.“

Es sind keine plakativen Tricks. Eher erinnern sie an die listigen Manipulationen des surrealistischen Malers Max Ernst, die der Schriftsteller René Crevel einst als den „Zauber der kaum spürbaren Verrückungen“ bezeichnete.

Hilfreich dabei: Die Vorliebe für Umbauten bestehender Häuser, deren Charakter die Absurditäten schon suggeriert. Hertl, ganz oberösterreichisch: „Ich bin der Meinung, dass man nicht alles wegreißen muss, was eh gut ist.“

Das eigene Büro will Hertl aber so bald nicht umbauen. Trotz wachsender Aufträge sei die Größe mit neun Mitarbeitern ideal. Dafür müssen dann eben die alten Holzboxen in den Keller wandern, während im schwarzen Büro schon die nächsten Trickkisten für neue Fassaden gezimmert werden.

Publikationen

2017

Willst du wirklich wohnen wie deine Mutter?

Willst du wirklich wohnen wie deine Mutter? Die Ausstellung ist ein Plädoyer für den Fortschritt in Architektur, Wohnungsbau und Städtebau. Wie wir wohnen ist nicht unseren Genen geschuldet, wie wir wohnen ist ein über Generationen an gelerntes Verhalten, dessen Weiterentwicklung von der Dauerhaftigkeit
Hrsg: Kristin Feireiss, Hans-Jürgen Commerell
Autor: Maik Novotny, Kristin Feireiss, Kaye Geipel, Anna Popelka, Georg Poduschka
Verlag: PPAG, Aedes Architekturforum

2014

PPAG: Speaking Architecture
Phenomenology / Phänomenologie

Ein Elefantenhaus, ein Wohnberg, ein Dorf am Dach. Eine offene Schullandschaft, ein barockes Parkhaus, ein silbern schimmernder Windkanal. Das Wiener Büro PPAG architects, 1995 von Anna Popelka und Georg Poduschka gegründet, denkt Architektur mit Scharfsinn, Lust und Erfindergeist immer wieder neu. Ihr
Hrsg: Maik Novotny
Autor: Anna Popelka, Georg Poduschka, PPAG
Verlag: Ambra Verlag

2007

Eastmodern
Architecture and Design of the 1960s and 1970s in Slovakia

Eastern modernist architecture of the 60’s and 70’s is moving away from the specialized focus of international architecture debates and becoming a subject of discussion within the broader context of general interest. The excellent photos in the book convey the flair of an era in which planning was obviously
Autor: Maik Novotny, Hertha Hurnaus, Benjamin Konrad
Verlag: SpringerWienNewYork