Volksschule 44 und Hort Pichling
Sanierung, Erweiterung, Umbau, Linz (A) - 2024
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afo architekturforum oberösterreich
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Tobias Hagleitner hat 2008 an der Kunstuniversität Linz im Fach Architektur diplomiert und 2018 promoviert. Seit 2007 freischaffend in den Bereichen Baukunst, Gestaltung und Architekturkommunikation. Als Architekturkritiker schrieb er u. a. für die OÖNachrichten, in Vorarlberg für die vom vai Vorarlberger Architektur Institut kuratierte Reihe zur Baukultur „Leben & Wohnen“ in den VN. Er ist freier Mitarbeiter und Kurator im afo architekturforum oberösterreich (2020/21 interimistischer Leiter) und Redakteur für die nextroom-Sammlungstätigkeiten von afo und vai.
seit 2012 Lehraufträge zu Raum, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum an Kunstuniversität Linz und KU Linz
10/2025–04/2026 Mädchen* sein!?, Lentos Kunstmuseum Linz (Ausstellungsarchitektur gemeinsam mit Margit Greinöcker)
11/2023–04/2024 Stadtlabor, Nordico Stadtmuseum Linz (Gestaltung und Kuratierung gemeinsam mit Klaudia Kreslehner)
09/2023–09/2030 Linz Blick, Dauerausstellung Nordico Stadtmuseum Linz (Gastkurator)
04/2023–09/2023 schee schiach Ep. 1 & 2, afo architekturforum oberösterreich (Co-Kurator)
11/2021–02/2022 Kühne, Schulte, Gegenwart. Soziale Stadtbausteine der Zwischenkriegszeit in aktueller Perspektive, afo architekturforum oberösterreich (Konzept und Gestaltung)
11/2020–03/2021 Das gewisse Etwas. Über die Begeisterung für Architektur in fünfundsechzig Dingen, afo architekturforum oberösterreich (Konzept und Gestaltung)
05/2021–09/2021 Sehnsuchtsort Schule, afo architekturforum oberösterreich (Kurator mit Teresa König und Uschi Reiter)
01/2020–07/2020 Egon Hofmann–Linz. Künstler Industrieller Kosmopolit, Nordico Stadtmuseum Linz (Ausstellungsgestaltung mit Margit Greinöcker)
03/2019–08/2019 Es zog mich durch die Bilder. Kubin@nextcomic-Festival, Landesgalerie des OÖ Landesmuseums (Ausstellungsgestaltung)
03/2017–04/2017 Erfahrene Landschaft II, Architektur Haus Kärnten (Kurator, Konzept und Gestaltung)
05/2016–07/2016 Erfahrene Landschaft I, afo architekturforum oberösterreich (Kurator, Konzept und Gestaltung)
09/2013–02/2014 Kunterbunt. „Klasse Kunst“ zum Thema Farbe, Landesgalerie Linz (Ausstellungsgestaltung mit Margit Greinöcker)
04/2013–06/2013 Innenansicht Suedost. Vorarlberg, vai Vorarlberger Architektur Institut (Co-Kurator und Gestaltung mit Azra Akšamija, Margit Greinöcker et al.)
07/2012–08/2012 Innenansicht Suedost. Linz, afo architekturforum oberösterreich (Co-Kurator und Gestaltung mit Azra Akšamija, Margit Greinöcker et al.)
2022 Forschungspreis Architektur der zt: Bundeskammer
2013 START Stipendium „Architektur und Design“ des bmukk
2011 Schütte-Lihotzky-Projektstipendium
2008 Kunstpreis der Diözese Linz
2008 Talentförderungsprämie Land Oberösterreich
Sanierung, Erweiterung, Umbau, Linz (A) - 2024
archinauten
afo architekturforum oberösterreich
Erweiterung, Grünbach (A) - 2020
mit Margit Greinöcker
afo architekturforum oberösterreich
Umbau, Linz (A) - 2010
mit Gunar Wilhelm
afo architekturforum oberösterreich
Sanierung, Linz (A) - 2008
mit Kunstuniversität Linz, Roland Gnaiger, Richard Steger, Lotte Schreiber, Gunar Wilhelm
Architekturzentrum Wien
Daidalos: Eine 30er-Jahre-Villa in Linz, ein Dreiseithof bei Kematen und die ehemaligen Pferdeställe im Steyrer Schloss Lamberg wurden nominiert.
Rund 70 Projekte wurden beim oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos eingereicht. Eine Mehrheit der Projekte bewarb sich um den Sonderpreis „Gelungene Reparatur“. Eingereicht werden konnten Revitalisierungen, Sanierungen, Ergänzungs- und Erweiterungsbauten.
Die architektonischen Updates sollten Altbestand auf sinnvolle, ökonomisch und ökologisch intelligente Weise erneuern. Das rege Interesse zeigt, wie wichtig die Hinwendung des Bau- und Förderwesens zum Erhalt des vorhandenen Raums wäre.
In Hinblick auf die Klimaziele ist es meist sinnvoller, vorhandene Masse zu optimieren und weiter zu nutzen, statt mit großem Energie- und Rohstoffaufwand neu zu bauen. Die emotionale Komponente kommt hinzu: Alte Häuser, bestehende Straßenzüge, historische Städte werden geliebt. Sie erzählen Geschichte, sind mit Erinnerungen und Erlebnissen verbunden, sie sind ein Teil von uns.
Feingefühl für diese Qualitäten, die es im Neubau so nicht gibt, zeigte sich besonders anhand zahlreicher Höfe, die für Wohnen oder Gewerbe adaptiert wurden, oder bei Gebäuden, die mitten in Dorf und in der Stadt ihren angestammten Platz haben und durch einen Umbau zu neuem Leben erweckt wurden.
Folgende Objekte wurden für den Sonderpreis nominiert:
Ambiente halten: Hoch über Enns- und Steyrfluss prägt Schloss Lamberg das Stadtbild von Steyr. Im Südwesttrakt der Anlage labten sich einst die Pferde an der Tränke. Seit der Sanierung durch Hertl.Architekten finden in den Räumlichkeiten Hochzeiten und Feste statt. In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt entstanden zwei elegante Speisesäle und eine Bar mit Cateringküche. Sie genügen modernsten Ansprüchen und erhalten doch das barocke Ambiente in der 300 Jahre alten Raumhülle.
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- OÖN Daidalos-Architekturpreis 2017
Architekturpreis Daidalos: Die Jury nominierte ein Kunstprojekt auf dem Eferdinger Stadtplatz, einen Ortsplatz mit Flugdach und eine Lokalbahnstation im Innviertel.
Rund 70 Projekte wurden beim oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos eingereicht. In der Kategorie „Freundlicher Freiraum“ waren Maßnahmen im Ortskern und Außenraumgestaltungen gefragt, aber auch Bauten, die ein Ensemble oder einen Straßenzug aufwerten und damit zur positiven Entfaltung der Gemeinde beitragen.
Dass sich nur ein Fünftel aller Beiträge um den Preis in dieser Sparte bewarb, unterstreicht ein Problem: Fachlich versierte Freiraumplanung ist zu wenig gefragt. Es fehlen Geld und Engagement, um öffentlichen Raum anspruchsvoll zu gestalten. Die Dominanz des Autoverkehrs tut ein Übriges. Restflächen ohne Qualität bestimmen das Bild in der Stadt und auf dem Land.
Dass durchaus Potenzial vorhanden wäre, zeigte sich bei den Einreichungen. Es gab Beispiele für Freiraumplanung im privaten wie öffentlichen Wohnbau und kommunale Bauten, die interessante Plätze oder Zentren bilden. Vor allem von jüngeren Teilnehmern wurden die sozialen Aspekte im öffentlichen Raum in den Vordergrund gerückt: Landschaft und Stadt gemeinsam gestalten, bearbeiten, verändern – das war das Motto dieser Projekte. Im Folgenden präsentieren wir die drei Nominierten.
Dach als Dorfmitte
Die Innviertler Gemeinde Handenberg liegt auf einem Hügel, der von Kirche und Friedhof markant besetzt ist. Nach einem Abbruch sollte der Ortsplatz neu gestaltet werden. Heidl Architekten und Landschaftsarchitektin Barbara Bacher gewannen den von Bürgerschaft und Gemeinde sorgfältig vorbereiteten Wettbewerb.
Sitzgelegenheiten und die frei auskragende Betonkonstruktion des Flugdachs wurden mit Teich, Friedhof und Nachbarhäusern zu einer attraktiven Ortsmitte arrangiert. Sorgsam konzipierte Weg- und Blickachsen schaffen neue Aufenthaltsqualität. Der Straßenverkehr konnte verlangsamt werden.
Mit dem weit auskragenden Dach, aus einem Guss betoniert, ist eine architektonisch hochwertig gearbeitete Nutz-Skulptur entstanden. Sie schützt 80 Quadratmeter Platzfläche vor Sonne und Regen und dient als Treffpunkt und Begegnungszone. Vorbildlich findet die Jury besonders den transparenten Planungsprozess mit 1:1-Umsetzung des Wettbewerbs.
Haltestelle als Platz
Durch die Verlängerung der Salzburger Lokalbahn erhielt Ostermiething im äußersten Westen Oberösterreichs vor zwei Jahren direkten Anschluss ans Schienennetz. Das bot eine einmalige Chance für den Ausbau der örtlichen Infrastruktur. Architekt Udo Heinrich wusste sie zu nutzen.
Der Bahnsteig, die eigentliche Kernfunktion, ist nur ein Teil des vielschichtig überlegten Gesamtentwurfs, bei dem Details so genau formuliert sind wie die landschaftliche Einbettung, innere Abläufe so sehr wie die äußere Erscheinung. Warteraum, WC, Bäcker-Kiosk, Personal- und Technikraum sind als kleine Hauskuben ausgebildet. Sie tragen die dünne, durchgehende Dachplatte. Dazwischen ergeben sich attraktive Aufenthaltsbereiche.
Eine große Ausnehmung in der Decke lässt eine Platane hindurchwachsen. Sie schützt den „Sommerwarteraum“ darunter. Inmitten der Unordnung aus Gewerbe- und Wohnbebauung bildet der Bahnhof in seiner gestalterischen Präzision einen Ruhepol. Er kann zum Kristallisationspunkt einer vernünftigen städtebaulichen Entwicklung in den wenig definierten Randlagen der Gemeinde werden.
Kunst als Impuls
Das Alltägliche neu entdecken und damit ungewohnte Perspektiven auf die Stadt zu eröffnen, war das Ziel von collective ika, Margit Greinöcker und Architekt Christoph Weidinger. Im Rahmen des Festivals der Regionen in Eferding 2013 holte das Team Versatzstücke aus dem Umland, um ihnen auf dem Stadtplatz eine neue Funktion zu geben. Ein Silo wurde zum Aussichtsturm, ein Stadel zur Bühne, unter dem Folientunnel fanden Bar und Infopunkt des Festivals Platz. Für kurze Zeit wurde der Verkehr zurückgedrängt, ein lebendig genutzter Stadtraum entfaltete sich, es wurde gefeiert und diskutiert.
Die Intervention ermöglichte nach Ansicht der Jury ein Erlebnis von Stadt, wie sie im Idealfall sein könnte. Auf diese Weise lieferte die temporäre Maßnahme Impulse, Materialien und Ideen für die weitere Entwicklung.
Daidalos 2017
Der oberösterreichische Architekturpreis Daidalos wird heuer zum dritten Mal von den OÖNachrichten und ihren Partnern vergeben – in den Kategorien „Mutiges Experiment“ (Bauwerke) und „Freundlicher Freiraum“ (Ortsentwicklung). Sonderpreis: „Gelungene Reparatur“ (Sanierung). Die Gala findet am 23. März in der Tabakfabrik Linz statt. Dann wird man wissen, welche drei Projekte gewonnen haben.
verknüpfte Auszeichnungen
- OÖN Daidalos-Architekturpreis 2017
Architekturpreis Daidalos: Die Jury nominierte ein strohgedämmtes Haus in den Bäumen, ein Bauwerk ganz aus Holz und ein Industrieareal mitten in der Stadt.
Rund 70 Projekte wurden beim oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos eingereicht. In der Kategorie „Mutiges Experiment“ waren Gebäude gefragt, die wie ein Versuch in der Wissenschaft sind: Bauten, die neue Kenntnisse liefern, eine Theorie oder ein Produkt erproben, Baukultur voranbringen.
Gut ein Viertel der Projekte wollte nach diesen Kriterien beurteilt werden. Das Spektrum reichte von Produktionsbetrieben über Wohn- und Bildungsbauten bis hin zu Shops oder Interventionen im Privatbereich. Der Wunschtraum der Jury, gänzlich neue Ansätze der Planung oder innovative Wohnmodelle kennenzulernen, erfüllte sich nicht.
Bereitschaft zum Experiment und Unerschrockenheit zeigten sich dennoch in raffinierten Konstruktionen, ökologischen Gebäudekonzepten oder in der Konsequenz, mit der architektonische Ideen über Jahre verfolgt und ausgebaut werden.
Nicht jedes der Projekte zeichnete sich durch besonderen „Mut“ im engeren Sinn aus. Gemeinsam ist ihnen aber das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Bauherrschaft und Architekt. Das ist Grundbedingung für Architektur. Nur so können gute und manchmal hervorragende Bauten entstehen.
Im Folgenden präsentieren wir die drei Nominierten der Kategorie „Mutiges Experiment“.
Auffällig war die hohe Beteiligung junger Teams, die auf hohem Niveau arbeiten und deshalb auch in allen drei Sparten Nominierungen ergatterten. Eines davon ist das Architekturbüro mia2/ARCHITEKTUR, dessen „Baumhaus“ in Steyr nominiert ist.
Rund 70 Projekte wurden beim oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos eingereicht. In der Kategorie „Mutiges Experiment“ waren Gebäude gefragt, die wie ein Versuch in der Wissenschaft sind: Bauten, die neue Kenntnisse liefern, eine Theorie oder ein Produkt erproben, Baukultur voranbringen.
Gut ein Viertel der Projekte wollte nach diesen Kriterien beurteilt werden. Das Spektrum reichte von Produktionsbetrieben über Wohn- und Bildungsbauten bis hin zu Shops oder Interventionen im Privatbereich. Der Wunschtraum der Jury, gänzlich neue Ansätze der Planung oder innovative Wohnmodelle kennenzulernen, erfüllte sich nicht.
Bereitschaft zum Experiment und Unerschrockenheit zeigten sich dennoch in raffinierten Konstruktionen, ökologischen Gebäudekonzepten oder in der Konsequenz, mit der architektonische Ideen über Jahre verfolgt und ausgebaut werden.
Nicht jedes der Projekte zeichnete sich durch besonderen „Mut“ im engeren Sinn aus. Gemeinsam ist ihnen aber das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Bauherrschaft und Architekt. Das ist Grundbedingung für Architektur. Nur so können gute und manchmal hervorragende Bauten entstehen.
Im Folgenden präsentieren wir die drei Nominierten der Kategorie „Mutiges Experiment“.
Auffällig war die hohe Beteiligung junger Teams, die auf hohem Niveau arbeiten und deshalb auch in allen drei Sparten Nominierungen ergatterten. Eines davon ist das Architekturbüro mia2/ARCHITEKTUR, dessen „Baumhaus“ in Steyr nominiert ist.
Das Entwickeln der städtischen Struktur, die Atmosphäre innen wie rundherum, scheinen das gemeinsame Anliegen von Geschäftsführung und Architekten zu sein. Die Backsteingebäude aus dem Jahr 1900 werden überlagert, verbunden und ergänzt von schlichten, hochenergieeffizienten Baukörpern.
Zentrale Wandbereiche und Fassaden sind mit mehr als 300 heimischen Pflanzen in üppiges Grün getaucht. Die gemeinsam mit Patrick Blanc entwickelten vertikalen Gärten gehören zu den ersten in Österreich und schaffen ein natürliches Flair und angenehme Erholungsräume inmitten der Produktions- und Verwaltungsbauten in Wels.
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- OÖN Daidalos-Architekturpreis 2017
Der gemeinsame Raum entscheidet über die Qualität des öffentlichen Lebens.
Wenn über Architektur geredet wird, steht meist das einzelne Objekt im Mittelpunkt, das schicke Wohnhaus, der prächtige Kulturbau, der stolze Büroturm. Dabei ist das alles halb so wichtig. Entscheidend ist der räumliche Zusammenhang.
Mit „Freundlicher Freiraum“ hebt der Daidalos deshalb jene unterschätzte und oft vernachlässigte Kategorie des Planens und Bauens hervor, die sich um den Raum dazwischen kümmert. Es geht um Projekte zur Ortskernbelebung, um Platz- oder Parkgestaltungen, die die Entwicklung eines Ortes prägen und zum Besseren verändern.
Wichtig für Groß und Klein
Gefragt sind zudem Gebäude, die interessante Außenräume schaffen, die den Straßenraum angenehmer machen oder attraktive Höfe und Gärten bilden. Mit dem Wörtchen „frei“ ist die wichtigste Qualität bereits auf den Punkt gebracht: Ein freundlicher Frei-Raum ist einer, der zulässt statt verbietet, der ermöglicht statt verhindert, ein Raum, in dem nicht jede Nutzung peinlich definiert und reguliert ist. Freiraum ist dort, wo noch Platz ist für eigene Ideen und kreatives Handeln, für ein bisschen Spaß.
Das Problem: Echte Freiräume sind vom Aussterben bedroht. Die offene Wiese, die Brachfläche, das Waldstück, die leer stehende Fabrik – vor allem Kindern und Jugendlichen fehlen diese Biotope. Gerade so, wie Öko-Nischen für seltene Tiere und Pflanzen auf künstliche Weise möglichst naturnah rekonstruiert werden, müssen die notwendigen Lebensräume für den menschlichen Nachwuchs wiederhergestellt werden. Statt Freiheit gibt es meist nur einen umzäunten Rasen, drei traurige Birken, Schaukel, Rutsche, Sandquadrat. Dabei müsste sympathischer Freiraum als Ausgleich in dichten Wohngebieten selbstverständlich sein.
Der Daidalos will positive Beispiele aus Oberösterreich bekannt machen (im Bild eins aus Vorarlberg: der Jugendplatz „Habedere!“ in Lustenau).
Nicht nur Heranwachsende brauchen guten öffentlichen Raum, um sich wohlzufühlen. Auch die Großen haben ein Recht darauf. Die Plätze einer Stadt, die Parks und Märkte, die Ortskerne der Dörfer sind gesellschaftliche Schnittstellen. Keine Social Media Plattform wird das so schnell ersetzen können. In diesen Räumen sieht man sich und tauscht sich aus, unterschiedliche Gruppen treffen aufeinander, es kommt auch zu Reibung und Konflikten.
Architektur kann und soll das nicht verhindern, aber sie kann dafür sorgen, dass Begegnung überhaupt stattfindet. Sie kann mit freundlicher Atmosphäre zum positiven Lebensgefühl beitragen. Sie kann einem Ort und seinen Bewohnern Aufgeschlossenheit und Freiheit vermitteln.
Belebende Impulse
Ob sich der öffentliche Raum freundlich und frei anfühlt, das liegt nicht zuletzt am Umgang mit dem Verkehr. Dass ein Ort zu neuem Leben erwachen kann, wenn die Autos erst einmal verbannt sind, lässt sich an vielen Beispielen hierzulande und weltweit beobachten (besonders imposant in Seoul, wo eine Stadtautobahn rückgebaut und in einen Park verwandelt wurde).
Umgekehrt gibt es gerade in Oberösterreich das Problem der Verödung von Gemeinden, die durch Umfahrungsstraßen und Fachmarktkorridore vom Handelsstrom abgeschnitten werden und dann mangels Frequenz ihren Kern und ihre historische Bedeutung verlieren. Gerade in diesen Orten und zerstreuten Siedlungen ist der bewusste Umgang mit dem öffentlichen Raum besonders wichtig. Professionelle Gestaltung kann die nötigen Impulse zur Wiederbelebung bringen.
Manchmal fehlen die Mittel, um eine Verbesserung dauerhaft herzustellen. Stattdessen wird mit einer temporären Maßnahme der erwünschte Zustand erprobt. Solche Architekturprojekte auf Zeit können ebenfalls eingereicht werden.
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- OÖN Daidalos-Architekturpreis 2017
Architekturpreis Daidalos: Verantwortung und Risikomanagement gehören zum Bauen. Gute Architektur braucht aber auch ein Quantum Courage.
„Experiment“ in der Architektur? Futuristische Formen oder High-Tech-Wohnmaschinen kommen in den Sinn. Die Kategorie „Mutiges Experiment“ beim OÖN-Architekturpreis Daidalos meint mehr: Bauwerke, die so sind wie Experimente der Wissenschaft. Gebäude als Versuchsanordnungen, um neue Kenntnisse zu gewinnen, um eine Theorie oder ein Produkt zu erproben, um die Entwicklung von Kultur und Zivilisation zu beleben.
Wer beim Bauen experimentieren will, wird schief angesehen. Schließlich ist bekannt, wie ein Haus konstruiert werden muss, damit es nicht zusammenbricht. Es gibt Normen und Standards. Es ist erprobt, welcher Grundriss funktioniert und überhaupt, wie alles günstig und vernünftig bleibt. So denken manche. Das wäre nicht ganz falsch, wenn Zeit und Gesellschaft immer dieselben blieben. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Veränderungen gehen flott voran – sozial, ökologisch wie technologisch. Gerade beim Bauen braucht es deshalb gewagte Projekte, die ergründen, welche Lebensräume künftig möglich sind.
Was sind solche Experimente? Denken wir zuerst an die ganz „normalen“ Häuser, an Architektur zum Wohnen. Während sich Lebensformen immer mehr ausdifferenzieren, bleiben die Bauformen in überkommenen Mustern stecken. Die Wirklichkeit wird kaum berücksichtigt.
Es fehlt an attraktiven Ideen zur Verdichtung, an Wohnmodellen, die Gemeinschaft und Rückzug sinnvoll kombinieren, an Konzepten für Durchmischung der Funktionen in der Stadt. All das bräuchte es, um die ressourcenintensive Zersiedelung und die Unkultur des Einfamilienhauses einzudämmen (Beispiel im Bild: Wohnanlage Eppan in Südtirol von feld72).
Es braucht Vorzeigeprojekte
Voraussetzung ist die couragierte Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Fachplanung und Architektur. Das gilt genauso für öffentliche Bauten, für die Arbeitswelt oder Bildungseinrichtungen.
Nur in klugen Experimenten kann erprobt werden, welche architektonischen Konzepte für aktuelle Ansprüche eigentlich geeignet sind. Für einen starken Wirtschaftsstandort wie Oberösterreich sind hier Vorzeigebeispiele besonders wichtig, und es gibt sie zum Glück gelegentlich (Beispiel: Schul- und Kulturzentrum Feldkirchen von fasch&fuchs, einer der Daidalos-Preisträger vor zwei Jahren).
Ungewöhnliche Techniken
Mut zum Experiment ist auch in der Bautechnik gefragt, bei der Arbeit der Ingenieure und Fachplaner. Umweltschonende Energiekonzepte, intelligente Konstruktionsmethoden oder raffinierte Tragwerke können Bauten von herausragender Schönheit hervorbringen und ungeahnte Wege in die Zukunft erschließen. Für die Materialwahl gilt Gleiches. Dank moderner Verarbeitung könnte auf traditionelle umweltverträgliche Baustoffe zurückgegriffen werden.
Häuser aus Stroh sind denkbar (beispielsweise in Vorarlberg von Georg Bechter) oder Industriebauten aus Lehm (z. B. Ricola von Herzog & de Meuron in Laufen). Die Möglichkeiten im Holzbau sind dank steter Innovation längst nicht ausgeschöpft. Im Massivbau mit Ziegel und Beton gibt es spannende neue Systeme, die nur angewandt werden müssten. Die verantwortungslose Praxis, Sondermüll als Dämmung aufzukleben, könnte Geschichte sein. Wichtig ist bei Experimenten, vorab die richtigen Fragen zu stellen. Nur dann ergeben sich erhellende Ergebnisse.
Beim Bauen heißt das, nicht einfach zu bauen, was gewollt wird, sondern zuerst gründlich nachzudenken, was gebraucht wird. Deshalb können das Gütesiegel „Mutiges Experiment“ auch jene Projekte erhalten, denen ein besonderer Planungsprozess voranging, etwa intensive Bürgerbeteiligung, die gemeinsame Planung einer Baugruppe oder andere unkonventionelle Wege, neuen Raum zu entwickeln (mögliches Beispiel der Zukunft: kooperatives Planungsverfahren im Linzer Stadtteil Ebelsberg, derzeit in Vorbereitung).
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- OÖN Daidalos-Architekturpreis 2017
Mitten in Alt-Urfahr ist ein mehrgeschoßiges Wohnhaus errichtet worden. Wer es nicht von innen sieht, kommt kaum auf die Idee, dass es aus Holz ist.
Vieles spricht für einen Holzbau mitten in der Stadt. Zum Beispiel die kurze Errichtungszeit mit wenig Schmutz, Verkehrsbehinderung und Lärm. Oder der ökologische Vorteil eines lokal vorhandenen, nachwachsenden Rohstoffs mit regionaler Wertschöpfung in den verarbeitenden Betrieben. Oder die Behaglichkeit des Materials, das bei entsprechendem Einsatz keineswegs volkstümlich oder rustikal wirken muss.
Was sind die Vorbehalte gegen Hölzernes? Brandgefährlich sei es, sagen die einen, und denken dabei an das knisternde Kaminfeuer zu Hause. Dabei ist die Tragfähigkeit von entsprechend dimensioniertem Holz im Brandfall gar nicht schlecht und vor allem genau kalkulierbar, was es gegenüber vielen Baustoffen auszeichnet. Holzkisten seien zu wenig robust und haltbar, meint manch Massivbau-Fan.
Dabei genügt ein Blick aufs Land in alte Dörfer, um zu sehen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wir mögen Holz, sagen wieder andere, aber eine Stadt wie Linz sei schließlich gemauert und verputzt, und überlassen das Bauen mit dem Werkstoff aus dem Wald lieber hochalpinen Volksgruppen.
Holz in Linz
Die Linzer Diözese wollte für ein Mietshaus mitten in Linz trotzdem das Wagnis Holz eingehen und fand mit den x architekten ein Gegenüber, das die Herausforderung mit Freude annahm. Das 150 Jahre alte Schülerinnenheim am Bauplatz in der Rosenstraße wurde abgerissen. Die entstandene Lücke sollte mit einem ökologischen Wohnhaus aus Holz ausgefüllt werden. Ein Planungsprozess von ungewöhnlichem Aufwand nahm seinen Lauf.
Kritische Behörden wollten besonders gründlich informiert, engagierte Fachplanungsteams besonders intensiv miteinbezogen werden. Im Gestaltungsbeirat mussten die Bauwerber dreimal vorstellig werden, das Projekt diskutieren und gemäß den besprochenen Vorschlägen umformen. Holz in Linz? Erste Entwürfe, die das Haus auch deutlich danach aussehen ließen, waren dem Gremium jedenfalls zu offensiv.
Tatsächlich ist es keine leichte Frage, „in welchem Style“ ein Viertel wie Alt-Urfahr mit so vielfältiger Bebauung unterschiedlicher Zeiten weitergebaut werden soll. Warum aber Holz falscher sein soll als die aalglatten Platten-, Feinputz- und Glasfassaden, die der traurige Normalfall sind und mindestens genauso wenig mit der „steinernen“ Stadt von vor hundert Jahren zu tun haben, darf ernsthaft hinterfragt werden.
Das Haus, das gestern, Freitag, mit einer Feier offiziell eröffnet wurde, ist ein Kompromiss geworden: ein Holzbau, der nicht danach aussieht, zumindest nicht Richtung Straße. Die Konstruktion aus vorgefertigten Brettschichtwänden und -decken wurde mit Faserzementplatten mausgrau getarnt. Dabei wurde beflissen auf das gründerzeitliche Nachbarhaus geschielt. Die Bänderung der rustizierten Fassade wurde für die Anordnung und Gestaltung der Paneele übertragen.
Eine Pionierleistung
In den Wohnungen selbst zeigt sich der hölzerne Kern. Die Decken und Träger wurden sichtig belassen. Fenster und Böden sind wie die vorgehängten Balkone Richtung Garten ebenfalls aus Holz. Ein Holzhaus mit fünf Geschoßen ist Premiere in Oberösterreich. In einigen Punkten zeigt sich, dass es in der Abwicklung noch an Erfahrung fehlt. Ein Bauwerk aus Holz hat eine andere konstruktive Logik, eine andere Bauphysik und sinnliche Wirkung als etwa ein Skelettbau aus Stahlbeton. Bei künftigen Holzbauten wäre es interessant, diese Eigenarten genauer auszuloten und vor allem auch zu zeigen.
Im Fazit muss aber betont werden, dass mit dem frei finanzierten Projekt 19 Stadt-Wohnungen geschaffen wurden, die eine Lebensqualität und Umweltfreundlichkeit weit über dem Durchschnitt bieten. Das liegt nicht zuletzt an der überlegten Freiraumgestaltung mit Hochbeeten, großer Spielzone und gedecktem Sitzplatz.
Ortskern erneuern, ist die Kunst zu erkennen, was ein Dorf im Innersten zusammenhält. Das hat mit Objekt und Raum zu tun, noch mehr aber mit Menschen.
Auch im 21. Jahrhundert ist ein Dorf im besten Fall eine Gemeinschaft. Was einst Verbindlichkeit stiftete, hat allerdings an Bindekraft verloren. Weder der heimatliche Boden, noch die Kirche, die der Kitt für die bäuerliche Gesellschaft waren, bringen noch Identität und Zusammenhalt.
Wie sieht aber...
Ein altes Gehöft in Desselbrunn wurde in ein Wohn-Ensemble verwandelt.
In einer Eigentumswohnung zu leben, das ist am Land bislang unüblich, wenn nicht verpönt. Eigen Haus und Grund, das ist der Wunsch. Tausend Quadratmeter Erdboden für eine Kleinfamilie, deren Halbwertszeit meist kürzer ist als vorgesehen, was meist schon nach wenigen Jahren weiteren Flächenbedarf zum Behausen der neuen Lebensverhältnisse nach sich zieht.
Eine Wohnung wäre in den allermeisten Fällen die bessere Idee. Dass Mehrparteienhäuser in ländlichen Regionen nicht beliebt sind, hat allerdings gute Gründe. Es fehlt schlicht am Angebot. Die seltenen Beispiele sogenannter Wohn-„Anlagen“ wirken in ihrer standardisierten Machart gerade am Land oft gedanken- und lieblos, als unpassende Fremdkörper, die nur von jenen hingenommen werden, die sich anderes nicht leisten können oder wollen.
Alternative Wohnformen
Es ist höchste Zeit, das ländliche Wohnen anders anzugehen. In Desselbrunn, unmittelbar an der Traun unweit des Kraftwerks, ist ein Ensemble entstanden, das eine Idee davon gibt, wie eine zeitgemäße Wohnkultur am Land aussehen kann. Architekt und Projektentwickler Siegfried Meinhart hat einen kleinen Dreiseithof erstanden. Das sehr einfache Gebäude wurde saniert und bietet nun Platz für vier Wohnungen.
Die wohltuende Vielfalt an räumlichen Situationen ergab sich aus dem Bestand wie von selbst. Der Architekt wusste sie zu nutzen und in moderne Grundrisse zu übertragen. So finden sich großzügige Lofträume unter dem Dach, gemütliche Fensternischen in dicken Mauern, es gibt einen praktischen geschützten Innenhof und vor allem rundum direkte Verbindungen in den Garten, dessen vielseitiger Charakter samt Baumbestand erhalten wurde.
Jede der vier Wohnungen vermittelt ein Gefühl der Eigenständigkeit und Häuslichkeit. Trotzdem ist alles platzsparend unter dem vorhandenen Dach vereint.
Im Osten des Grundstücks wurden zwei weitere Gebäude mit je zwei Wohnungen errichtet. Auch hier war das Ziel, den künftigen Eigentümern ein Wohnerlebnis anzubieten, das puncto Individualität und Unabhängigkeit dem konventionellen Eigenheim in nichts nachsteht.
Erreicht wurde das durch geschickte Positionierung und Ausrichtung des Doppelhauses. Gemeinsam mit dem Bestand ergibt sich eine angenehm vertrauliche Nachbarschaft, die mit gekonnt abgeschirmten Terrassen und Loggien zugleich ein hohes Maß an Intimität für innen wie außen bietet.
Bewusst günstig bauen
Wer Wohnraum errichtet, um damit Geld zu verdienen, muss scharf kalkulieren und ökonomisch bauen. Das gilt für kleine private Bauträger so sehr wie für die gemeinnützigen. Das „Wie“ ist entscheidend und die eigentliche Kompetenz der Architektur.
Das Projekt am Traunfall kommt mit äußerst einfacher Materialität und rationeller Bauweise aus. In keinem Punkt wurde aber auf bewusste Gestaltung verzichtet. Beispiele: Eine Standard-Türzarge aus Metall kann schön sein, so lange sie an der richtigen Stelle sitzt und hochwertige Beschläge verwendet werden. Eine Betontreppe ist nicht kalt und grau, wenn die Oberfläche behutsam behandelt wird. Wenn schon Vollwärmeschutzfassade, dann muss sie nicht mit Kunstharz totverputzt werden, es kann fast ums gleiche Geld auch ein lebendig strukturierter mineralischer Streichputz sein. Und so weiter.
Es sind Details, die in Summe einen immensen Unterschied machen. Mit architektonischer Achtsamkeit und Rücksicht auf Bestehendes ließe sich das Wohnen im Wohnbau weniger gleichförmig gestalten, ließe sich der Traum vom Eigenheim in Alleinlage nach und nach zurückzudrängen.
Ein Projekt wie dieses ist als kultureller Brückenbau zu verstehen zwischen der in den vergangenen Jahrzehnten so beliebten Wohnform Einfamilienhaus und den dichteren Bebauungen, die ab jetzt notwendig sind, um der zerstörerischen Zersiedlung der Landschaft endlich Einhalt zu gebieten.
Kubisch, flächig und komplett aus Holz. Ein einfaches Prinzip, das nur bei konsequenter Planung und sorgsamer Umsetzung Schönheit entfaltet.
„Es ist alles sehr normal im Prinzip“, sagt Christa Lepschi mit fröhlicher Selbstverständlichkeit, während sie durch das Haus führt. Die Architektin ist seit Langem begeistert von der Holzbauweise. Dass Reduktion, Sachlichkeit und viel Holz „normal“ seien, diese in Oberösterreich eher ungewöhnliche Sichtweise...
Das Logo der Weberzeile in Ried im Innkreis zeigt eine Silhouette kleiner Häuser. Ein Städtchen in der Stadt, das will dieses Einkaufszentrum sein. Gelingt das?
Was heute Mall heißt oder Shopping Center, hat in überdachten Märkten der römischen Kaiserforen oder in gedeckten Basaren des Orients seine Vorläufer. Einkaufen, Flanieren und soziales Leben unter ein Dach zusammenzubringen, dabei geschützt zu sein vor Witterung und anderen Störfaktoren der „Außenwelt“,...
Ein Betrieb läuft gut, die Struktur des Bestands behindert aber die Entwicklung. Was tun? Der Installateur Thumfarth in Grünbach bei Freistadt hat Architekten konsultiert.
Wie bunte Osternester liegen sie im Grünen. Gewerbehallen und Shoppingkisten in Knallfarben machen sich längs der Schnellstraßen und Umfahrungsschneisen breit. Der Grund ist billig, die Gemeinde stellt Wasser, Energie und Asphalt bereit. Fertig ist der Standort für die frohe Zukunft.
Dass dabei bestehende...
„Ja, ich wünsche mir mehr Architektinnen, mehr weibliche Architektur!“, schreibt die Architektin Anna Heringer am vergangenen Dienstag, Weltfrauentag, ins digitale Stammbuch.
Es ist tatsächlich höchste Zeit, dass Frauen deutlicher in Erscheinung treten. Trotz des hohen und kontinuierlich steigenden Anteils an Architekturstudentinnen sind Frauen, die in der Architektur von sich reden machen, noch immer eine Seltenheit. Die berühmte Zaha Hadid ist eine der wenigen schillernden...
Wie die Gesellschaft sein soll, so muss Schule gebaut werden – freundlich, offen und demokratisch. Das braucht die engagierte Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Architekt Christoph Karl und Bürgermeister Anton Scheuwimmer führen durch das Bildungszentrum in Pregarten. Eigentlich sind es fünf Hausteile, die entlang der Mittelerschließung wie an einer Kette aufgefädelt sind, abwechselnd nach Ost und West ins Gelände greifend. Komplett neu sind die drei nördlichen „Kettenglieder“ für Polytechnikum und Neue Mittelschule mitsamt Schulküche und Sonderräumen. Der Bestand der alten Schule, Werkstätten- und Sportbereich mit Schwimmhalle wurden umgebaut und in die Gesamtstruktur integriert.
Stadtbibliothek und Volkshochschule wurden außerdem ins Haus geholt. Die Funktionen sind für die außerschulische Öffentlichkeit gut zugänglich. Das Konzept der Öffnung entspricht dem Anspruch, mehr zu sein als Schule – es ist ein „Bildungszentrum“ für die kleine Stadt. Eine besondere Errungenschaft ist in diesem Sinn die Vereinigung von Poly und Mittelschule unter einem Dach. Das bringt praktische Nutzungsüberschneidungen und ermöglicht schulübergreifende Kooperation und Projekte mit positiver Außenwirkung. Wie ist es gelungen, so viel Unterschiedliches in ein Ganzes zu fassen? Durch viele Diskussionen, Gespräche und Überzeugungsarbeit, wie Bürgermeister und Architekt zu berichten wissen.
Schule als Marktplatz
Das braucht Zeit, erfordert die Bereitschaft, sich mit verschiedenen Ideen und neuartigen Lösungen auseinanderzusetzen. Die Architektur ist gerade nach denselben Prinzipien entstanden, wie moderne Schulbildung funktionieren soll: Wissen wird nicht mehr nur im Frontalunterricht von „oben nach unten“ vermittelt, sondern die Kinder lernen auch durch den Austausch untereinander, sollen sich mit ihren Interessen und Fähigkeiten aktiv in den Bildungsprozess einbringen. Das braucht Raum für Gespräch und Begegnung, Architektur, in der sich Forschungsgeist und Neugier entfalten können.
Das schaffen die sogenannten Cluster. Die insgesamt 24 Klassen sind um offene Gemeinschaftsflächen angelegt, wie Häuser um einen Marktplatz. So ergibt sich Freiraum zum Lernen, für Gruppenarbeit und Recherche, der auch als Konferenzraum oder für kleine Veranstaltungen dient. Mit Atrien oder Terrasse in der Mitte haben die fünf Cluster zusätzlich eine attraktive Erweiterung nach draußen. Ganz in Lärche gekleidet dient das zur Belichtung, als Pausenhof oder für den Unterricht im Freien und sorgt für Transparenz und lockere Atmosphäre.
Es geschieht nicht aus Höflichkeit, dass Architekt und Bürgermeister während ihrer Erläuterungen immer wieder die Leistung ihres Gegenübers und aller anderen Beteiligten hervorheben. Es ist sichtbar, dass hier kooperativ und mit Respekt füreinander am bestmöglichen Ergebnis gearbeitet wurde.
Am Beispiel lernen
Das betrifft nicht nur Architektenteam und Stadtgemeinde, sondern bei der Vielfalt des Projekts eine Menge unterschiedlicher Akteure, die im Entstehungsprozess involviert waren: die Beamten des Landes mit Kostenzielen und rechtlichen Rahmenbedingungen, Lehrpersonal, Schulkinder und Eltern mit pädagogischen Wünschen, die Gemeinde mit Vorstellungen für die soziale und lebensräumliche Entwicklung des Ortes, die Verantwortlichen für die Planung und Umsetzung, die all die Anliegen in ein ästhetisch, technisch wie ökonomisch erfreuliches Bauwerk zu verwandeln hatten.
Wer um 1850 Euro pro Quadratmeter Schulraum baut, der nicht komplett danebengeht, hat schon ein kleines Wunder vollbracht. Wenn es wie hier gelingt, um diese Kostenvorgabe des Landes einen außerordentlichen Schulbau zu entwickeln, verdient wirklich Anerkennung und darf als Vorbild angesehen werden. Dort und da hat der enge Finanzrahmen Kompromisse nötig gemacht. Viel davon wurde von den Architekten abgefedert.
Sie brachten mit dem Statiker ein industrielles Bausystem zur Anwendung, das eine besonders rationelle Konstruktion erlaubte, oder entwarfen eigens leistbare Möbel. Es ist ihnen gelungen, die erzwungene Einfachheit zum Stil zu machen. Am ehesten anzusehen ist der Sparstift dem Außenraum, der im Wesentlichen aus viel Asphalt und etwas Rasen besteht.
Volkstümelei ist nicht nur in Musik und Politik beliebt, auch beim Bauen steht sie hoch im Kurs. Vor allem in den gebirgigen Lagen, an Loipe oder Piste, wird architektonisch gejodelt, dass sich die Altholzbalken biegen.
Ein Schlagerstar braucht stramme Wadln, die Almhütte gedrechselte Tischhaxn. Ein zünftiges Après-Ski ist ohne rot-weiß-rot karierte Fensterwäsche eigentlich kaum vorstellbar. Kommt die Stimmung trotzdem nicht in Fahrt? Eine Hand voll Altholzbretter aufgeklebt, ein paar zusätzliche Fenstersprossen dort und da, das hat immer noch geholfen.
Die typische Alm-Architektur ist ein Gebastel mit Reliquien aus einer phantasierten Vergangenheit, aus dem Zeitalter der Urgemütlichkeit, das es niemals gab. Ein bisschen Heuschober, ein bisschen Tirol, ein bisschen Jäger, Förster und Bauer, und fertig ist die liabste Hütt’n. Die Wände sind dekoriert mit traurigen Dingen, die irgendwann etwas waren aber schon lang nichts mehr sind. Hölzerne Mistgabeln und Wagenräder hängen von chromblitzenden Lüftungsrohren.
Wer vorhandene Bilder kopiert, spart sich das selbstständige Denken und Gestalten. Warum nicht, wenn es doch so gemütlich ist? Die Frage ist, wie lange das Klischee noch trägt. Es ist wie mit dem Schnee: wenn der natürliche weniger wird, kann zwar der künstliche nachgeschossen werden, aber richtig glücklich macht das auf die Dauer nicht. Die Nutzung der Alpen ist längst nicht mehr urig, sondern hochmodern. Seilbahnen und Lifte schaffen Hochfrequenzbetrieb, städtische Verhältnisse herrschen bis weit über die Baumgrenze.
Wäre es nicht schön, Architektur in die Berge zu bringen, die sich dementsprechend zeitgemäß verhält? Wäre es nicht toll, die tatsächlich vorhandene Landschaft zu inszenieren, statt sich mit Phantasiekulissen im Kopf in miefige Holzbuden zurückzuziehen? Die Alpen bräuchten dringend mehr Architektur, die den Blick frei macht für das, was ist. Weniger Fenstersprossen und Karovorhang, mehr Öffnung und Weite. Auf Inspirationen aus der „guten alten Zeit“ müsste nicht verzichtet werden. Die gerade für das Bauen in Gebirsregionen seit jeher typische Ökonomie der Mittel könnte Vorbild sein oder das Gespür der Ahnen für die geeignete Platzierung im Gelände.
Neuhofen: Qualitäten erkennen, erhalten und attraktiv nachverdichten - das wäre ein wirksames Gegengift zum Ideal vom Eigenheim. Im Kremstal steht ein Beispiel.
Noch immer wird vom Häuschen im Grünen geträumt, wird es öffentlich beworben und gefördert, obwohl es durch Flächenfraß und Zersiedelung längst zur Bedrohung für die heimische Landschaft geworden ist. Wer allerdings wünscht sich nicht ein Leben mit Naturbezug, mit etwas Grün rundum, mit Individualität und Charakter? Das sind legitime Erwartungen an gutes Wohnen, die viele teilen. Dass das Einfamilienhaus allerdings die einzige Bauform wäre, die das leisten kann, ist ein schreckliches Missverständnis, das in Oberösterreich vor allem am Mangel an geglückten und zugleich leistbaren Alternativen im Bereich Wohnungsbau liegt.
Ensemble statt Solist
Architekt Reinhard Platzl hat in Neuhofen ein Wohnprojekt umgesetzt, das die Idee vom ländlichen Dasein mit städtischer Klarheit und reduziertem Raumverbrauch verbindet. Der Bestand, ein sechzig Jahre altes Wohnhaus, wurde saniert und bildet nun mit dem Neubau auf der Nordseite des Grundstücks ein Ensemble um den gemeinsamen Garten.
Das Alt-Haus wurde in der Struktur kaum verändert, lediglich die äußere Erscheinung wurde minimalistisch reduziert. Das marode Dach kam weg, der ehemalige Balkon war als Wärmebrücke stets Ursache für Schimmelbildung und wurde abgeschnitten. Weißer Kalkputz unterstreicht die Aufgeräumtheit, ohne steril zu wirken. Ein stehender Betonwinkel ergänzt das Haus im Osten um ein Stiegenhaus. So ist die getrennte Erschließung und Vermietung der Etagen möglich.
Der Neubau ist wie der Bestand zweigeschoßig: „Hier im Kerngebiet wäre sicher mehr Höhe möglich gewesen, aber ich wollte das auf die umgebende Bebauung abstimmen“, erklärt Platzl. Die Organisation in zwei getrennten, zueinander leicht versetzten Baukörpern ist von derselben Überlegung angeleitet. So wird die kleinteilige Struktur der Nachbarschaft stimmig fortgesetzt. Das offene Stiegenhaus fasst je zwei und zwei Wohneinheiten mit Leichtigkeit in ein zusammenhängendes Ganzes, ohne dem Garten die nachbarschaftlichen Sichtbeziehungen und damit die wohnliche Leichtigkeit zu nehmen. Eine Besonderheit in diesen Breiten ist das Fassadenmaterial: Obwohl es wie beim Kalkputz lokale Traditionen und Vorbilder gäbe, wird blanker Backstein selten hergezeigt. Beim Projekt „BR14“ gibt es das. Auch wenn es nur eine aufgeklebte Haut aus dünnen Klinkerriemchen ist – für einen gedämmten Ziegelmassivbau ist das mindestens so folgerichtig wie der leblose Kunstharzputz, der im Normalfall aufgekleistert wird. Klinker altert hingegen in Würde, gibt Tiefe und Lebendigkeit. Im Zusammenspiel mit der homogen weißen Fassade gegenüber macht das einen feinen Kontrast, unterstreicht das natürliche Ambiente in dem Garten mit alten Bäumen.
Halb dörflich, halb urban
Neuhofen hat alle Voraussetzungen für einen beliebten Wohnstandort, der weiter wachsen kann. Es liegt gut angebunden mitten im Zentralraum, bietet zugleich Freiraumqualitäten einer ländlichen Gemeinde.
Das private Investitionsobjekt des Architekten kann für künftige Bauvorhaben hier und anderswo in mancher Hinsicht Vorbild sein: Durch Schließen von Lücken nachverdichten und damit den Ortskern stärken, durch passende Dimensionierung und sensiblen Umgang mit dem Vorhandenen Durchlässigkeit und Natürlichkeit bieten.
Für Reinhard Platzl, der aus der Nachbargemeinde stammt, war das Projekt auf dem Grundstück seines Großvaters eins der ersten in Oberösterreich. Bis 2012 war er sieben Jahre lang in China, arbeitete als Projekt- bzw. Geschäftsleiter für namhafte Büros wie Coop Himmelb(l)au oder Baumschlager Eberle. In seinem Atelier im ersten Stock des renovierten Bestandshauses hängen Bilder von Großprojekten in Shenzhen und Beijing. Die Erfahrungen im boomenden Land der Morgenröte prägen die Sichtweise des Architekten: „In Oberösterreich gibt es noch viel Potenzial“, meint Platzl, „es wird viel gebaut, aber die Qualität leidet, weil das Bewusstsein für Architektur noch weitgehend fehlt.“
In der Flüchtlingskrise fehlen gute Ideen für nachhaltig konzipierten, günstigen Wohnraum.
Ob Willkommens-, Duldungs- oder Restriktionshaltung gegenüber Schutzsuchenden – langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass es mit temporärer „Unterbringung“ nicht getan ist. Es braucht längerfristige Wohnformen, richtige Lebensräume statt Containerverwahrung, wenn die humanitäre Herausforderung nicht zur tatsächlichen sozialen Krise werden soll. Hilfsorganisationen suchen nach Alternativen zu Lagerhallen und Blechkisten.
Für gründliche Konzeption und Planung fehlt allerdings bisher die Zeit. Es wird ausprobiert, neue Formen entwickeln sich in der Praxis. Eines dieser Pilotprojekte hat das Rote Kreuz Urfahr-Umgebung in Bad Leonfelden umgesetzt. Ein Areal neben der Ortsstelle wurde von einem benachbarten Betrieb günstig verpachtet, das Gelände von der Straßenmeisterei vorbereitet. Mit einem international tätigen Systemhaus-Hersteller aus Ried wurde eine Mischkonstruktion aus Holztragwerk und Panelbau entwickelt. Einige Punktfundamente tragen dabei die Holzstützen, auf denen die Balken des flachen Satteldachs ruhen. Die Wände bestehen aus ausgeschäumten Blech-Sandwich-Elementen.
„Für uns ist die Bauweise von Vorteil“, erläutert Bezirksstellenleiter Gerald Roth die Leichtbau-Methode. Wenn die Situation wieder abebbe, könnten die Häuser in Einzelteile zerlegt und für künftige Notfälle eingelagert werden. Das Argument ist nachvollziehbar. Ob jemals Ebbe eintritt, ist aber fraglich. Denn es gibt ohnehin Bedarf an günstigem Wohnraum, nicht nur in Akutsituationen, nicht nur für Flüchtlinge. Ob die Mehrzahl nun bleibt oder geht, die aktuelle Nachfrage wäre eine Chance, die Vorteile der seriellen, vorgefertigten Bauweise mit Langlebigkeit, Ökologie und ansprechender Gestaltung zu verbinden.
Interessante Holzelementbauten oder raffinierte Massivbausysteme könnten entwickelt werden, im besten Fall kombiniert mit Vorschlägen zur Erweiterung und verbesserten Ausnutzung bestehender Siedlungstrukturen: Flachbauten könnten etwa nach oben wachsen, Baulücken ausgefüllt werden.
Besichtigung vor Ort
Die 39. Baubesprechung des afo architekturforum oberösterreich führt am Freitag, 12. Februar zu den temporären Bauten in Bad Leonfelden. Treffpunkt 13.15 Uhr (afo architekturforum oberösterreich). Anmeldung erbeten: office@afo.at
Bauen für Menschen
Was in Bad Leonfelden gelungen ist, soll indessen nicht kleingeredet werden. Es wurde versucht, aus einer dringlichen Lage das Bestmögliche zu machen. Nicht nur bauliche Aspekte wurden bedacht. Der Anspruch war, einen Ort zu schaffen, der auch „sozial funktioniert“, wie Roth meint. In anderen Worten: Menschen als Menschen behausen. Das heißt, Raum für den persönlichen Rückzug zu bieten, der in einer krisenhaften Lebenssituation besonders dringend gebraucht wird. Es bedeutet zugleich, Gemeinschaft zu ermöglichen, dass die Bewohner sich treffen, einander erzählen und zuhören können.
Beides gelang durch die einfache, aber durchdachte Kreuzstruktur der Hausgrundrisse. Pro Gebäude kommen auf 170 Quadratmeter vier Familien unter. Die Privaträume von je 20 Quadratmetern sind in den Ecken angeordnet. Die Mittelerschließung mit Haupteingang wurde nicht als Flur ausgeführt, sondern ergibt mit vier Metern Breite einen passablen Gemeinschaftsraum im Zentrum. Daran schließt auf der einen Seite eine offene Küche an, auf der anderen liegen zwei Sanitärzellen.
Die Satteldachform ermöglicht gegenüber Containerbauten eine angenehme Raumhöhe, das Holz der Dachträger schafft etwas Behaglichkeit. Bei der Anordnung der Häuser wurde darauf geachtet, dass ein nachbarschaftliches Ensemble mit gemeinsamem Vorplatz entsteht. Im Südwesten wurde Humus aufgeschüttet, um im Sommer etwas Gartenbau zu ermöglichen.
Zeit für die Herbergsuche
Vorerst ist Winter. Gerald Roth hofft, dass die vier Zentimeter starken Wände die Kälte halbwegs draußen halten und die Heizkosten nicht allzu hoch sein werden. Es ist nicht nur die kälteste, es ist bekanntlich auch die stillste Zeit des Jahrs.
Das gilt auch für die Fluchtbewegungen, Neuankünfte nehmen ab. Das gibt Zeit – Zeit zum Nachdenken, zum Planen und Berechnen, ob nachhaltig gebaute, feste Wohnformen nicht für alle attraktiver und auf lange Sicht auch günstiger wären.
Bauen ist eine komplexe Angelegenheit. Verständlich, dass Bewährtes und Erprobtes wiederholt wird. Umso erfrischender, dass es zwischendurch auch Neues gibt.
Vor einigen Jahrzehnten trugen Architekten, die etwas auf sich hielten, bei der Arbeit weiße Kittel wie Wissenschafter im Labor. Das Selbstbild der Zunft und der Dresscode haben sich geändert. Außerhalb der Unis – und selbst dort immer seltener – definiert sich die Architektur kaum mehr als forschende Disziplin. Das Verständnis als Dienstleistung setzt sich immer mehr durch. Bei feststehenden Ressourcen muss für eine bestimmte Aufgabe möglichst pragmatisch und halbwegs hübsch die passende Lösung gefunden werden. Technisch-gestalterische Innovation wird hingegen weitgehend dem „Markt“ und seinen Moden überlassen, der Baustoffindustrie, den Geräteherstellern und Normungsinstituten.
Michael Shamiyeh trägt zwar keinen Kittel, mit den Erfinder-Architekten früherer Zeiten teilt er aber die Neugier und Begeisterung für die grundsätzlichen Fragen des Bauens und Gestaltens. Als Forscher beschäftigt er sich mit Design in einem sehr weit gefassten Sinn. Aus der Perspektive der Architektur betrachtet er die Organisation kreativer Prozesse in verschiedensten Bereichen. Gebaute Objekte sind eher die Ausnahme in der Arbeit Shamiyehs, dann aber sind es aufgrund ihrer durchdachten Konzeption besonders interessante Beiträge zum Baugeschehen.
Das jüngste Projekt entstand für den Eigenbedarf, ein Wohnhaus für sich und seine Familie in einer Gartensiedlung der 1950er-Jahre in Linz-Urfahr. Es passt kaum in eine herkömmliche Kategorie. Es ist ein ökologisches Haus, hat aber nichts von der oft zwänglerischen Hermetik der Passivhaus-Kisten. Es ist durch und durch aus Holz, hat aber mit klassischem Holzbau wenig zu tun. Es ist auf den ersten Blick ein normales Einfamilienhaus, innen überrascht es allerdings mit einer Räumlichkeit, die nur entfernt an bekannte Wohnformen erinnert.
Schatulle im Kästchen
Geschoße, Wände, Decken im üblichen Sinn gibt es nicht. Das Gebäude besteht aus stehenden Kanthölzern von bis zu 13 Metern Länge, die dicht an dicht aneinandergefügt die konstruktive Grundmasse bilden. Das ist einerseits die äußere Hülle, die als klassischer Satteldachtyp exakt behördlichen Vorgaben folgt, das ist andererseits die innere Konstruktion, wo die vertikal geschichteten Hölzer einen Raum im Raum ergeben, der sich vom Foyer im Erdgeschoß vieleckig und vielgestaltig bis hinauf ins Dach windet.
Stellen Sie sich eine Schatulle vor, die quer in einem Kästchen steckt. In der Schatulle sind die Haupträume zum gemeinsamen Wohnen untergebracht. Wo die Schatulle an Außenwände und Decke des Kästchens stößt, ergeben sich große Fensteröffnungen, um Licht hereinzubringen und Blicke ins umgebende Grün des Gartens zu ermöglichen. In den Hohlräumen zwischen Schatulle und Kästchen finden sich die dienenden Funktionen wie Küche oder Bad und die Schlafzimmer. Hier gibt es nur kleine Öffnungen nach draußen, um die Räume möglichst privat und intim zu halten.
Konsequent bis ins Detail
Die Grundidee eines monolithischen Körpers aus Stäben, aus dem der Raum „herausgeschnitten“ wurde, ist deutlich nachvollziehbar. Die Stirnflächen der Kanthölzer zeigen sich an Böden und Decken. Bis ins kleinste Eck wird die feinteilige Rasterung durchgezogen. In der aus fünf unterschiedlichen Winkeln konstruierten Geometrie ist kein Zuschnitt wie der andere, kaum ein Bauteil Standard – eine planerisch wie handwerklich enorme Leistung.
Vieles zeugt vom forschenden Zugang des Architekten. Das gilt für den Holzverband, der ganz ohne Leim, nur mit horizontalen Gratleisten bewerkstelligt wurde und ohne isolierende Schicht und Synthetik auskommt. Das gilt für die Beleuchtung, die nachts dank versteckter LED-Technik ebenso wie am Tag durch die Oberlichtöffnungen fällt.
Ein weiteres von vielen Beispielen ist das rinnenlose Dach aus Keramikplatten, deren Maß exakt auf das Raster der Kanthölzer berechnet wurde, sodass sich verschnittfreie Übergänge ergeben.
„Komm, setz dich her, leg dich hin, bleib ein bisschen“, sagt die gute, die einladende Bank. Bänke, die das nicht tun, sind eine Themenverfehlung. Leider gibt es davon viel zu viele.
Im Park, vor dem Haus, an der Haltestelle oder auf dem Ortsplatz – Bänke vermitteln Wohnlichkeit im öffentlichen Raum. Sie sind sozialer als der Sessel, bieten mehreren Personen einen gemeinsamen Platz. Sie sind ein Ort, um ins Gespräch zu kommen, um Aussicht zu genießen, eine städtische Szenerie zu beobachten, gut für ein Picknick, zum Rauchen oder Schmusen. Im Idealfall haben sie eine Länge, die auch Liegenden eine angenehme Ruhefläche bietet. Armlehnen, die die Bank in Einzelsitze zerteilen, sind ein ungemütlicher Unfug. Sie sind eine witzlose Verballhornung der Grundidee einer Bank.
Die Form entscheidet über den Komfort einer Bank. Die Lehne braucht ein bisschen Schwung wie die Wirbelsäule, sollte nicht zu niedrig sein. Auch die Fläche zum Sitzen muss nicht flach sein wie eine Ablage. Leichte Rundung kommt der Körperform entgegen. In der kälteren Jahreszeit sollte die Bank den Allerwertesten nicht zu viel Wärme entziehen, was stark für Holz als Material für die Sitzfläche spricht. Ein Problem ist Nässe. Laub bleibt kleben, die Feuchtigkeit hält sich dauerhaft. Unerschrockene Bank-Menschen setzen sich dann auf die Rückenlehne und nutzen die Sitzfläche als Fußablage, was dort unliebsame Schmutzlachen hinterlässt. Die perfekte Bank ist deshalb die gepflegte Bank, eine Bank, um die sich jemand kümmert, von der Laub weggeräumt wird, die hin und wieder abgewischt, auch mal nachgeschliffen und neu lackiert wird.
Wer sich die Arbeit und die damit verbundenen Kosten für die perfekte Bank sparen will, investiert in eine wartungsarme Bank. Städte und Gemeinden machen das gern. Solche Bänke bestehen zum Beispiel aus Lochblechen auf Stahlträgern. Wer im Sommer in leichten Leinenhosen auf diesen Bänken gemütlich ein Eis essen möchte, muss sich festhalten, um auf der glatten Fläche nicht abzurutschen. Im ohnehin risikoreichen Winter (entsprechende Warntafeln und Absperrungen an städtischen Steigen erinnern daran) besteht die Gefahr, mitsamt Glühweinbecher in der Hand an den blitzenden Chrommöbeln festzufrieren.
Richtig perfekt wird die Bank erst durch das Umfeld. Sie braucht Sonne im Winter und Schatten im Sommer. Nur ein ordentlicher Laubbaum in der Nähe schafft das. Sie braucht eine gute Aussicht, eine ansehnliche Landschaft rundherum, einen attraktiven Spielplatz davor oder einen geschäftigen Markt. Die perfekte Bank braucht das Gefühl von Sicherheit im Rücken und ein bisschen Abstand zu Geh- und Fahrwegen, dass sich wirkliche Erholung einstellt. Manchmal sind Bänke auf Finanzierung aus der Privatwirtschaft angewiesen. Vor allem in ländlichen Gemeinden sponsern oft Banken die Bänke. Eine Hinweistafel mit Logo gibt das bekannt. Hier gilt: Je dezenter, je lieber.
Magdas Hotel hat keinen Stern. Hier wird nicht klassifiziert, sondern gemeinsam gestaltet und gelebt. Vielfalt, Menschlichkeit und eine Menge richtig gutes Design sind der Luxus dieser Adresse nah am grünen Prater.
Früher war das Gebäude aus den 1960er Jahren ein Altersheim. Mit viel Engagement und Kreativität, durch Crowdfunding und Materialsponsoring wurde es vergangenen Winter in ein Hotel verwandelt. Als „social business“ der Caritas ist es ein ganz besonderer Betrieb: Etwa zwei Drittel der Angestellten sind Menschen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus, subsidiär Schutzberechtigte oder jugendliche Asylwerber, die eine Lehre machen dürfen. Neben „normalen“ Hotelgästen finden hier auch unbegleitete Minderjährige auf der Flucht eine Unterkunft.
Ein ungewöhnliches Betriebskonzept bedeutet ungewöhnliche Herausforderung für die Architektur. Das Wiener Büro AllesWirdGut hat weit mehr als eine bloße Gebäudesanierung umgesetzt. Neben der planerischen und bautechnischen Kompetenz lag es in der Verantwortung der Architektinnen, den vielschichtigen Entstehungsprozess gestalterisch zusammenzuhalten. Verschiedene Bedürfnisse und Inhalte mussten verknüpft, zahlreiche helfende Hände und Ideen koordiniert werden. Bestehendes Mobiliar und geschenkte Materialien wurden katalogisiert, neu zusammengestellt und in gebrauchsfähiges und schickes Interieur verwandelt. Mit wenig Geld ist ein Maximum an Komfort und Atmosphäre entstanden, eine ganz eigene Interpretation von Schick und Stil.
Der Begriff der Gastfreundschaft wird im magdas nicht exklusiv verstanden, sondern schließt alle ein, die hier verweilen. Die Architektur spiegelt diese Haltung wider. Sei es in der offenen Gestaltung des Loungebereichs als Salon für alle, sei es das großartig arrangierte Interieur. Verschiedenste Objekte finden in lässigen Kombinationen zusammen. Altes wird mit Neuem, Hauseigenes mit Geschenktem, Edles mit Gebrauchtem kombiniert. Ausgediente ÖBB-Ablagen werden zu Garderoben, biedere Heim-Sessel bekommen als coole Nachttische eine zweite Chance. Offenheit, Entspanntheit und Dialogbereitschaft – das sind die Qualitätskriterien dieses Hauses, seiner Räume und Objekte.
[ Veranstaltungshinweis: Theorie im Keller #13: 18. November 2015, 19 Uhr: Friedrich Passler und Johanna Aufner werden das magdas-Projekt im Rahmen ihres Buches „AllesWirdGut – Das Rezept“ im afo vorstellen und diskutieren. afo architekturforum oberösterreich, Herbert-Bayer-Platz 1, 4020 Linz ]
Zäune sind zwischenmenschliche Gesten. Sie stehen zwischen Eigenem und Fremdem, markieren das Private im Öffentlichen. Zäune haben zwei Seiten: Errichtet werden sie von den einen, leben müssen auch die anderen damit.
Nicht erst in diesen Tagen und nicht nur an der Staatsgrenze sind Zäune eine Frage der Politik. Mit „Polis“ meinten die alten Griechen die Stadt, das Gemeinwesen. Insofern ist jeder Zaun politisch: So privat er sich von innen anfühlen mag, nach draußen ist er auf jeden Fall eine öffentliche Angelegenheit. Ob Straße oder Gehsteig, Spielplatz oder Sportplatz, Wanderweg oder Parkanlage – Der öffentliche Raum endet an den geschmiedeten Spießchen, an den Gittermaschen und Stacheldrähten der Zaunkönige dahinter. Als „Politikum“ müsste der zeitgenössische Zaun folglich mehr diskutiert werden. Ob es etwa gut zu heißen ist, dass die Landschaft zum Gehege aus beschichtetem Aluminium und glänzendem Kunststoff wird mit einer Sockelmauer aus chinesischem Granit, glatt poliert wie ein Grabstein.
Das Mittelalter ist vorbei. Wolf und Wildsau sind keine Feinde mehr, die Gesellschaft ist nicht mehr feudal sondern demokratisch organisiert. Ein Zaun ist in manchen Fällen schön und gut, aber er soll weniger als böse Barriere, mehr als freundliche Umfriedung gestaltet werden. Als architektonisches Element ist der Zaun das leichte Geschwisterchen der Wand. Er ist ein bauliches Accessoire im Übergang zwischen öffentlich und privat, ein trennendes Element unter Gleichen. Er darf leichter, lebendiger und unprätentiöser sein als die Mauer. Und manchmal ist eine natürliche Hecke aus heimischen Sträuchern die bessere Wahl.
Bei Gedenkbauten sind im Unterschied zu den meisten profanen Gebäuden Würde und Feingefühl gefragt. Architektur bedeutet hier Kunst aus Materie, Form und Licht.
Die Zeit großer sakraler Neubauten ist vorerst vorbei. Die Kirche muss eher nachdenken, was sie mit all den leer stehenden und unternutzten Hallen und Grundstücken künftig anfangen wird. Die kollektive Andacht in konfessionellen Großbauten ist out.
Das Bedürfnis nach Räumen der Besinnung und Stille, etwa nach Orten, wo das Andenken an verstorbene Mitmenschen einen würdigen Platz hat, bleibt hingegen aktuell. Und so gibt es selbstverständlich weiterhin „sakrale“ Bautätigkeit – allerdings eher im kleinen Maßstab, nicht immer konfessionell geprägt und oft beauftragt von privaten Bauleuten.
So sind in Oberösterreich in den vergangenen Jahren einige interessante Andachtsräume und Kapellen entstanden. Die kleinen und sehr kleinen Typologien sind keine Neuerfindung unserer Zeit. Historische Anknüpfungspunkte sind bäuerliche Andachtsräume, Wegkapellen oder Marterln. Befreit vom Traditionsdruck mit all dem Pflicht-Schnörkel sind sie für die zeitgenössische Architektur eine besonders interessante Aufgabe und aufgrund der überschaubaren Größe vor allem für die Jüngsten der Branche am Anfang ihrer Laufbahn ein spannendes Betätigungsfeld. Wie kaum sonst geht es bei diesen Bauten um elementare Architektur, um die Schaffung von Atmosphäre, um Licht und Schatten, um Stimmungen und Wirkungen.
Reduktion macht ruhig
In seiner Heimatgemeinde Arbing hat Rafael Hintersteiner als junger Architekturstudent in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof 2011 die kleine Franziskuskapelle errichtet. Der stehende, oben offene Quader aus dunkel gefärbtem Beton ist einfach, dabei aber gekonnt proportioniert und achtsam detailliert.
Die Bodenplatte ist mit einer umlaufenden Fuge deutlich von den Wänden abgesetzt, in der schmalen Öffnung des Zugangs als einladende Schwelle formuliert. Innen gibt es dank Reduktion in Form und Farbe sechs Quadratmeter Ruhe von der Welt und darüber das Rechteck des offenen Himmels. In der Wand sind kleine Nischen für Kerzen. Der Beton, die edlen Metalle der beiden kleinen Glocken und das alte Holz des Jochs, an dem sie hängen, ergeben insgesamt eine edle Ästhetik friedlicher Schlichtheit – die franziskanische Idee gekonnt in die Sprache des Materials übersetzt.
In diesem Jahr wurde der „Turm der Stille“ fertiggestellt, den sich eine Familie aus dem Machland als Grab- und Andachtskapelle und Meditationsraum wünschte. „Leben und Tod sollten darin Platz finden“, meint der Gesangs- und Baukünstler Hintersteiner zu seinem zweiten Projekt.
Umgesetzt wurde das Thema des Lebenskreislaufs als Dialog zwischen Himmel und Erde. Eine kreisrunde Öffnung in der Decke, eine am Boden, ausgekleidet mit einer Schale aus gehämmertem Kupfer. Für die Mauer wurde Granit aus der Umgebung in perfekter Zyklopentechnik zu einem Zylinder geschlichtet.
Wie Rafael Hintersteiner war auch Franz Koppelstätter Architekturstudent an der Kunstuniversität Linz. Sein Studium schloss er 2010 mit der Planung und Umsetzung einer Gemeinschaftskapelle in Nonsbach ab. Bemerkenswert ist neben der formal ungewöhnlichen Gestalt des Holzbaus aus drei Lärchen vor allem der Entstehungsprozess: Sämtliche Entwurfsentscheidungen wurden von der Errichtergemeinschaft gemeinsam erarbeitet und konsensual getroffen.
Friedlich eingebettet
Im vergangenen Jahr schuf der gebürtige Innviertler einen besonderen Ort der Stille. Das Kenotaph ist der Erinnerung und dem Andenken an den Bauern im Hinterweintal gewidmet: Beim Versuch, das Vieh aus dem brennenden Stall zu retten, ist er ums Leben gekommen.
Der Betonboden des verbrannten Gebäudes wurde abgetragen und in Streifen unterschiedlicher Länge geschnitten. Die Platten wurden in der Nähe des Hofs auf einer kleinen Anhöhe übereinandergeschlichtet und zur schützenden Umfriedung verwoben.
Darüber überspannt mit etwas Abstand ein leichtes Holzdach den Raum. Umgeben von der ehemaligen Unterseite des Stalls – gefasst vom einzigen Material, das unversehrt geblieben ist – geht der Blick hinaus auf die sanfte Landschaft.
Nicht nur als Europäische Kulturhauptstadt bietet sich Pilsen zum Vergleich mit Linz an. Es gibt einen großen alten Platz im Zentrum, ein neues Theater am Rand des Geschehens und einen Campus weit draußen.
Was für das oberösterreichische Linz die voestalpine, ist für das westböhmische Pilsen Škoda. Die heurige Kulturhauptstadt in Tschechien ist genauso industriell geprägt, nur wenig kleiner und wie Linz in Sachen Architektur mit etwas Wohlwollen durchaus interessant.
Wer sich über das Linzer Musiktheater schon genug geärgert hat und sich gern weiter ärgern möchte, dem sei in Pilsen (oder: Plzen) zuerst der Besuch des neuen Stadttheaters empfohlen. Das Projekt einer portugiesisch-tschechischen Architektengemeinschaft musste offenbar rechtzeitig für die Kulturhauptstadt aus dem Boden gestampft werden. Eine Betonburg in haarsträubendem Orangeton. Den Haupteingang verstellt eine beliebige Käsefassade aus Kunststein. Rundherum nichts als Straßen, Geleise und Brachland. Ob die erhoffte Aufwertung für das Viertel mit diesem Bau zu schaffen ist, bleibt abzuwarten.
Erfreulicher ist die Umnutzung des ehemaligen Bus- und Tramdepots am Flüsschen Radbuza. Mit geringen Mitteln wurden die lichtdurchfluteten Hallen etwas renoviert und werden nun als „DEPO2015“ mit buntem Kulturprogramm bespielt. Im Hof gibt es eine Skulpturenausstellung, ein einladendes Café dient als Anziehungspunkt auch abseits des Programms. Die Offenheit und Improvisationsgabe, die diese Institution vorerst ausstrahlt, ist den Linzer postindustriellen Leerständen ebenfalls zu wünschen. Schön für Pilsen wäre es, wenn die Bespielung auch nach dem Kulturhauptstadtjahr erhalten und gefördert würde.
Ein paar Kilometer außerhalb, eingebettet zwischen Industrie und Gewerbe ist der Campus zu finden. Das neue Gebäude des mittlerweile verstorbenen Prager Architekten Jan Štípek für die Design- und Kunststudien der Ladislav-Sutnar-Uni wurde eben erst fertiggestellt. Es sieht selbst aus wie ein Gewerbebau, ganz aus Trapezblech, Stahl und Glas. Die Studierenden arbeiten in einer fabrikähnlichen Halle. Trennende Wände gibt es nicht. Die Idee ist es, gemeinsam und in engem Austausch kreativ zu sein. Das Konzept ist spannend, etwas unterkühlt und akustisch vermutlich schwer zu ertragen, wenn Hochbetrieb ist.
Weitere Highlights? Für unerschütterliche Adolf-Loos-Fans sicherlich seine edlen Wohnungsinterieurs aus den 1920er Jahren, die als Teil des Kulturangebots zu besichtigen sind. Traditionelle Typen werden die fein erhaltenen Renaissance- und Barockfassaden in der Altstadt mögen, etwas progressivere das mutig dazwischen komponierte Kontrastprogramm aus Bauten der Moderne schätzen. Romantische und Verliebte werden an der Radbuza spazieren gehen und dicht an dicht vier Brücken in harmonischem Nebeneinander finden: je eine für Bahn, für Autos, für Fuß- und Radverkehr. Insgesamt ein Jahrhundert Ingenieurbaukunst in einem Bildausschnitt. Jede Konstruktion steht für sich, wurde aus verkehrstechnischen Anforderungen, den Gegebenheiten des Materials und nach den technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit gestaltet und geformt. Prädikat: Empfehlenswert!
Zwischen verschiedenen Räumen, Disziplinen oder Kulturen gibt es selten eine scharfe Grenze. Eher ist da ein mehr oder weniger breiter Übergangsbereich. Der RAND ist Thema der Herbst-Ausstellung im afo architekturforum oberösterreich.
Zwischen innen und außen, zwischen öffentlich und privat oder auch zwischen alt und neu ergeben sich Randzonen mit gemischten Verhältnissen. Das eine wirkt ins andere und umgekehrt. Für Architekturschaffende ist es wichtig, damit umzugehen. Denn wer in Abgrenzungen denkt ohne für die spannenden Phänomene im Übergangsbereich Platz zu schaffen, plant tote Räume.
Der Rand ist aber nicht nur für Gebäude und Gestaltungen selbst bedeutend. Als Disziplin mit relativ kleiner Kernkompetenz aber zahlreichen Überschneidungen zu anderen Arbeits- und Wissensgebieten ist Architektur seit jeher gewissermaßen auf den Rand spezialisiert. In ihren technischen Aufgaben vermischt sie sich mit unterschiedlichen Fachbereichen der Naturwissenschaften und Mathematik, in ihrer ästhetischen Dimension steht sie im Einflussbereich von Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften.
In seiner ersten Ausstellung für das Haus deutet der neue Leiter des afo, Franz Koppelstätter, gemeinsam mit Dagmar Schink den Rand als Raum der Grenzüberschreitung und kritischen Auseinandersetzung. Die sehr breite und offen angelegte Konzeption soll neue Perspektiven eröffnen, der oft negativ besetzte, problematisierte „Rand“ als Bereicherung begreifbar werden. Architekturprojekte für Menschen am Rand der Gesellschaft finden da genau so Platz wie landschaftliche Interventionen an der Grenze zwischen real und virtuell. Es gibt Hörstationen, die die Peripherie des Linzer Stadtgebiets akustisch näherbringen oder einen Vorschlag, wie der Stadtraum zwischen Linz und Wels als zusammenhängende Traunmetropole neu zu denken wäre.
Für öffentliche Bauten gibt es im Ländle den „Kommunalgebäudeausweis“. Je ökologischer ein Gebäude, umso mehr Punkte, umso mehr Förderung.
Ob Amtshaus, Schule oder Pflegeheim, ob Kindergarten, Turnhalle oder Kultursaal – seit 2011 können Vorarlbergs Städte und Gemeinden ihre Neubau- oder Sanierungsprojekte mit dem Kommunalgebäudeausweis (kurz KGA) dokumentieren. Mit bis zu 1000 Punkten lässt sich damit die energetische und ökologische Qualität einer Baumaßnahme beurteilen. Angeregt wurde das Konzept von Land und Gemeindeverband, um den EU-Kriterien über energiesparendes öffentliches Bauen (gültig ab 2019) mit einem Fördersystem rechtzeitig entgegenzukommen. Bis zu vier Prozent steigt die Bedarfszuweisung je nach erreichter Punktezahl. Zudem kann bei gelungenen Projekten die förderbare Baukostenobergrenze angehoben werden.
Entwickelt wurde das Dokument vom Umweltverband der 96 Vorarlberger Gemeinden gemeinsam mit relevanten Fachleuten. Das Konzept ist nachhaltig und umfassend überlegt. Geringer Heizwärmebedarf und schöne Dämmwerte sind für den Ausweis weit zu wenig. Die Performance eines Gebäudes wird nach vier Kategorien bemessen.
Es beginnt mit der „Prozess- und Planungsqualität“: Sind z.B. genug Fahrradstellplätze konzipiert, wird das Tageslicht gut ausgenutzt? Unter „Energie und Versorgung“ wird der Gesamteinsatz endlicher Energieträger erhoben, auf erneuerbare Energiequellen geachtet, der Heizbedarf verzeichnet. Zum ökologischen System eines Gebäudes gehört der bewohnende Mensch: Die Kategorie „Gesundheit und Komfort“ fragt nach der thermischen Behaglichkeit in Sommer und Winter und erhebt die Qualität der Raumluft. Die vierte Ebene betrifft „Baustoffe und Konstruktion“. Es geht um die Vermeidung von „kritischen Stoffen“, insbesondere PVC in Bodenbelägen, Installationen, bei Fenstern und Türen. Positiv bewertet werden hingegen Materialien aus ökologisch optimierter Herstellung und Baustoffe und Konstruktionen mit geringem Entsorgungsaufwand.
Mittlerweile sind zahlreiche Beispiele entstanden, die zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Nicht nur finanziell, auch funktional, sozial und kulturell, weil nach diesen Kriterien überaus angenehme und lebenswerte Gebäude entstehen. Die Qualität der Architektur nimmt davon keinen Schaden, eher ganz im Gegenteil. Die Grußbotschaft aus West lautet daher: „Oberösterreich, diesen Ausweis bitte!“
Hallstatt: Der verstreute Bestand der HTL wurde strukturgerecht mit vier Ergänzungen versehen. Fein abgestimmt nach Nutzung und Umgebung ist jeder Bau ein Typ für sich.
Hallstatt mag für moderne Architektur ein sensibles Umfeld sein. Doch bei aller Weltkulturerbe- und Postkarten-Idylle: Ein Freiluft-Museum ist es vorerst noch nicht. Die gut 140 Jahre alte, so traditionsreiche wie moderne Ausbildungsstätte der HTL im südlichen Ortsteil Lahn ist ein kräftiger Beweis, dass die Struktur noch lebt und wächst. Die Innsbrucker riccione architekten haben die Schule mit Bauten bereichert, die sich im Bestand einpassen und trotzdem ausdrucksstark gelungen sind.
Vielseitig wie das schulische Angebot war das Raumprogramm für die dringend nötige Erweiterung, das die Bundesimmobiliengesellschaft in den vergangenen Jahren umgesetzt hat. Neben Aktualisierungen am Bestand wurde ein Haus mit neuen Klassen und Bibliothek errichtet. Am weiter südlich gelegenen Werkstättengelände entstanden ein Holzlager, ein Zubau für das Hauptgebäude und zuletzt ein Pavillon mit weiteren Praxisräumen und Kantine. Für die Bauherrschaft wie Nutzer war es ein Vorteil, dass der erfolgreiche Wettbewerbsbeitrag des Tiroler Architekturbüros schrittweise verwirklicht werden konnte. Nicht nur, weil staatsnahe Budgets in diesen Tagen knapp bemessen sind, auch weil der Betrieb mit 480 Schülern so gut aufrechterhalten werden konnte.
Begonnen wurde das Projekt mit der kompakten Kiste des Holzlagers, abgesehen von einem kleinen Betonkern ein reiner Holzbau. Der Zubau beim Werkstättengebäude schließt den Bestand zum See hin ab. Hier sind helle Räume mit toller Aussicht für Instrumentenbau- und Restaurationszweig entstanden. Die Stahl-Holz-Konstruktion überspannt einen praktischen Werkplatz im Freien. Anderes leistet der Neubau am Ortseingang. Seine Tischform lässt genügend Außenraum um das Gebäude, das mit der Bibliothek eine wichtige, sichtbare Funktion enthält. Das Obergeschoß mit vier Unterrichtsräumen über dem Betonsockel ist aus Holz. Eine kleine Brücke führt zum Altgebäude.
Vier Charakterbauten
In der letzten Bauetappe wurde ein Solitär ohne bauliche Anbindung an den Bestand realisiert, ein richtiger Pavillon. Die grüne Blecheinhausung der Leimbinder über den Hallen gibt dem Flachbau eine eigenwillige Kontur. Mit Veranda, Freitreppe und großen Verglasungen öffnet er sich zur Uferwiese. Innen bestimmen grobe Betonwände das Bild, die Leitungen sind wie überall auf Putz, die Türzargen außenbündig auf die Wand montiert.
Deutlich als Ergänzung konzipiert sind die Volumen trotzdem in sich schlüssig. Mit leichten Verbindungselementen wird Neues an Altes angedockt. Es sind keine „Zu“-Bauten, sondern Nachbarschaften, die die umgebende Dorfstruktur in ihrer Durchlässigkeit weiterstricken. Typisch für alle Häuser ist der lässig-pragmatische Umgang mit Material und Detail, der die Dinge zeigt, wie sie sind – ohne Glättung, ohne angestrengte Künstlichkeit. Dazu kommt Mut zur eigenständigen Konstruktion und Form, die für jeden Bauteil aus der jeweiligen Nutzung und dem landschaftlichen Kontext neu entwickelt wurden. Ein buntes Durcheinander ist es aber nicht. Einiges wiederholt sich und verbindet. Die hell lasierten, sägerauen Fichtenbretter der Fassaden sind ein Beispiel, oder die für Holzbauten eher ungewöhnlichen Alu-Profile der Fenster. Auch die weiß lackierten Stahlteile der Stützen, Geländer und Träger gehören zu dem unverwechselbaren Kanon. Wohl in Abgrenzung zum großen Wurf, zur allumfassend richtigen Lösung, die oft favorisiert wird, spricht Architekt Clemens Bortolotti von „Gebasteltem“. Es ist nicht Bauen nach standardisiertem System, sondern Bauen im Kleinen, ein fein abgestimmtes Reagieren mit möglichst günstigen Mitteln. Ein verstreutes Ensemble interessanter Gebäudetypen ist so entstanden, die individuell sind und doch verwandt. „Es ist fast wie eine Boygroup“, so Bortolotti schmunzelnd, „für jeden Geschmack ist etwas dabei.“
Architekturkritiker Hagleitner fordert höhere Steuern auf Widmungsgewinne und strengere Förderregeln.
OÖNachrichten: Zehntausende Hektar Gewerbe- und Industrieflächen in Oberösterreich liegen brach. Dennoch gibt es immer neue Widmungen. Woran liegt das?
Hagleitner: Erstens weil es wirtschaftlich interessant und Grund zu billig ist. Gewidmetes Bauland wird gehortet. Das führt zu Verknappung. Zweitens gibt es festgefahrene Planungsmodelle: Ein Neubau ist einfacher zu konzipieren als die Umnutzung eines brachliegenden Areals. Drittens gehen Verkehr und Widmungen oft Hand in Hand. Grundstücke sind vergoldet, ehe die Umfahrungsstraße errichtet wird.
Ist das gut für den Wirtschaftsstandort oder schlecht wegen Zersiedelung und teurer Infrastruktur?
Aus Sicht des einzelnen Investors oder Eigentümers ist es kurzfristig gut. Aber gesamtwirtschaftlich und langfristig entsteht großer Schaden. Zum Standort gehören auch Aspekte wie Lebensraumqualität.
Wie kann man das ändern?
Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Seit den 1950er-Jahren gab es Entballung, jetzt ist Zeit für Verdichtung. Das bedeutet nicht Käfighaltung oder Übereinanderstapeln etwa von Wohnungen, sondern intelligentes Nutzen vorhandener räumlicher Strukturen.
Generell werden in Österreich täglich 22 Hektar Boden verbaut und versiegelt. Freut das die Architekten wegen der Bautätigkeit?
Nein, die Zahlen müssen jeden alarmieren. Architekten, Bauunternehmer, Politiker, Investoren sind Menschen, die auf ihre Ressourcen achtgeben sollten. Leider herrscht der Massenbau vor. Nicht nur Fläche liegt brach, sondern auch geistiges Kapital der Architekten.
Wie soll man den Verbrauch landwirtschaftlicher Böden senken?
Es muss rentabel sein, Böden zu bewirtschaften. Regionale Nahrungsmittel müssen einen Wert haben. Außerdem braucht es höhere Steuern auf Widmungsgewinne. Und Einfamilienhäuser sollten weniger stark gefördert werden: Die Folgen eines Neubaus bei Energie, Raumordnung und Infrastruktur müssen berücksichtigt werden.
Derzeit wird auf Landesebene eine Raumordnungsnovelle verhandelt. Was erwarten Sie sich davon?
Dass Mängel behoben werden und der Flächenverbrauch sinkt. Ein Gesetz ist aber nicht alles. In Österreich gäbe es eines der strengsten Gesetze für den Einzelhandel, doch es scheitert an der Umsetzung. Bestehende Siedlungskerne sollten weiter entwickelt werden.
Zur Person
Tobias Hagleitner ist ab Oktober der neue Architekturkritiker der OÖNachrichten. Der gebürtige Vorarlberger hat an der Kunstuniversität Linz Architektur studiert und lebt hier seit dem Jahr 2001. Hagleitner arbeitet als Autor, Ausstellungsmacher und Architekturvermittler. Der 33-Jährige ist unter anderem Mitbegründer und -gastgeber des Formats „Theorie im Keller“ im afo architekturforum oberösterreich.