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Der Österreichische Staatspreis Holzbau zeichnet Gebäude aus Holz aus, die auf vorbildhafte Weise hohe architektonische und raumplanerische Ansprüche mit dem ökologischen, ressourcenschonenden und innovativen Einsatz von Holz als Baustoff verbinden.

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30. Mai 2026 Maik Novotny
Der Standard

Mit jeder Faser

Bretter, die das Land bedeuten: Der Holzbau erlebt seit Jahren einen Aufschwung. Er steht für regionale Wertschöpfung, ist erfolgreicher Architekturexport und Forschungslabor. Jetzt wurde erstmals der Österreichische Staatspreis für Holzbau verliehen.

Wer beim Spaziergang durchs Ortszentrum von Hohenems in Vorarlberg dringend wissen möchte, wie spät es ist, muss nicht das Smartphone aus der Hosentasche zerren. Es genügt ein Blick nach oben. Dort prangt groß und stolz das Ziffernblatt des neuen Rathauses, das als eindeutiger Mittelpunkt des ebenfalls neuen Rathausquartiers 23 Meter in die Höhe ragt.

Gerahmt wird die Uhr von einer Fassade aus Fichtenholz, und auch im Inneren des von Berktold Weber Architekten entworfenen Gebäudes, das die bisher verstreuten Ämter zusammenfasst, dominiert der freundliche, nachwachsende Baustoff, ein hohes Atrium signalisiert Offenheit und Gemeinsinn. Die sichtbare Verwendung von Holz mag für Kenner der Vorarlberger Baukultur selbstverständlich sein, als Baustoff für ein Rathaus ist sie dennoch ein bewusstes Signal: Holzbau als Identitätsmarker.

Große Bühne

Eine Signalwirkung, die nun auf nationaler Ebene honoriert wurde. Das Rathaus Hohenems ist eines der drei Preisträger-Projekte des Österreichischen Staatspreises Holzbau, der am Donnerstag in den Wiener Sofiensälen erstmals verliehen wurde. Ausgelobt wurde er vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) in Kooperation mit proHolz Austria, gefördert wird er mit Mitteln des österreichischen Waldfonds.

Alle nominierten Projekte waren bereits Preisträger in ihrem Bundesland, der neue Staatspreis fungiert somit quasi als Superauszeichnung. „Der Baustoff Holz ist nach wie vor nicht so sichtbar, wie es ihm im Kampf gegen den Klimawandel gebührt“, erklärt Richard Stralz, Obmann von proHolz Austria, die Motivation. „Auszeichnungen in den Bundesländern gibt es seit Jahrzehnten, wir wollen diese herausragenden Leistungen mit dem Staatspreis auf eine gemeinsame Bühne heben.“

Diese gemeinsame Bühne dient zweifellos auch als Schaufenster für die heimische Holzbauexpertise. Schließlich hat der Baustoff aus dem Wald in den letzten Jahren weltweit einen beispiellosen Aufschwung erlebt, inklusive des bisweilen albernen „Wer hat das höchste Holzhochhaus“-Wettstreits und mit manchen Grenzüberschreitungen ins Greenwashing, bei denen das Holz nicht mehr als eine „irgendwie Nachhaltigkeit“ symbolisierende architektonische Fototapete ist. Österreichs organisch gewachsenes System aus Forstwirtschaft, Holzbau-Betrieben, Planung und Forschung agiert hier seriöser und gilt mit gutem Grund international als führend. „Holzbau ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern stärkt auch nachhaltiges Wirtschaftswachstum, heimische Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung“, so Bundesminister Norbert Totschnig anlässlich der Preisverleihung. „Mit dem Staatspreis holen wir die Leistungen unserer Architektur- und Planungsbüros sowie der heimischen Holzbaubetriebe vor den Vorhang und zeigen das große Potenzial des Rohstoffs Holz. Gleichzeitig wollen wir mehr Menschen und Unternehmen dazu motivieren, verstärkt auf Holzbau in Österreich zu setzen.“

Hightech-Elemente

Die ausgezeichneten Projekte zeigen auch, dass es bei dieser Architektur-Expertise nicht um Purismus geht, sondern darum, das richtige Material an der richtigen Stelle richtig zu verwenden. Bei der Erweiterung der Firmenzentrale von Windkraft Simonsfeld im Weinviertel konzipierte Architekt Juri Troy einen Holzskelettbau mit Holzriegelwänden und Brettsperrholzdecken um zwei massive Kerne aus Stampflehm. Wohltemperiertes Raumklima im Inneren und weithin sichtbare klimagerechte Corporate Identity nach außen.

Ganz im Sinne der Objektivität wurde eine dreiköpfige nichtösterreichische Jury mit der Aufgabe betraut, die Besten der Besten zu küren: Nicole Kerstin Berganski (Partnerin bei NKBAK Architekten mit Sitz in Frankfurt und Berlin), Annette Hafner (Professorin an der Ruhr-Universität Bochum) und Pirmin Jung, Chef der gleichnamigen Holzbaufirma in der Schweiz. „Wir haben die Projekte nicht in erster Linie nach ihrer Funktion bewertet, sondern danach, wie selbstverständlich und präzise das Holz mit hoher architektonischer Qualität eingesetzt wurde“, erklärt Berganski. „Wir wollten die Breite darstellen, in der Holz materialgerecht eingesetzt werden kann, von der Fassade über die Konstruktion bis zu den atmosphärischen Qualitäten von Innenräumen.“

An diesen Potenzialen von Raum und Konstruktion wird intensiv getüftelt und geforscht. Inzwischen wurden drei Stiftungsprofessuren für Holzbau an österreichischen Hochschulen etabliert und auch im Rahmen des Staatspreises wurde ein Sonderpreis Innovation vergeben. „Wir sehen große Fortschritte, beispielsweise im Bereich Brettsperrholz, heute ein Hightech-Bauelement“, erklärt Richard Stralz, selbst Holzbau-Unternehmer in der Steiermark. „Holz eignet sich hervorragend zum Aufstocken des Bestandes, weil es im Verhältnis zum Gewicht eine herausragende Festigkeit aufweist und sein hoher Vorfertigungsgrad eine schnelle und saubere Errichtung ermöglicht.“

Wie elegant man einem bestehenden Gebäude eine neue hölzerne Krone aufsetzen kann, beweist der dritte Preisträger, die Aufstockung der HTL Bau und Design in Innsbruck von AO-Architekten. Der Schulbau aus den 1970er-Jahren bekam ein luftiges Bildungs-Penthouse mit sieben neuen Klassenräumen spendiert, im Inneren hell, nach außen als Blackbox. Eine Anpassbarkeit und Vielgesichtigkeit, die das oft noch vorherrschende Klischee ländlich-rustikaler Astloch-Authentizität konterkariert.

Holz ist heute längst urban geworden. Auch die zwei mit Anerkennungspreisen honorierten Bauten fügen sich selbstverständlich städtisch (das Ronald-McDonald-Kinderhaus von LP Architektur in Salzburg) und selbstverständlich ländlich (die neuen Schulgebäude Hittisau, Riefensberg und Sibratsgfäll in Vorarlberg von Matthias Bär) ein.