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Josef Weichenberger ist Architekt in Wien. Gemeinsam mit Delugan Meissl Associated Architects transformierte er das ehemalige Bankgebäude über dem Franz-Josefs-Bahnhof, 1978 von Karl Schwanzer errichtet, in ein modernes Bürogebäude, das Francis. Zuvor hatte er bereits ein weiteres Bauwerk von Karl Schwanzer, das Philips Haus in Wien, in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt saniert. Bei beiden Bauten blieb die charakteristische äußere Erscheinung erhalten, während das Gebäude an eine neue Nutzung und an moderne Anforderungen wie Energieeffizienz, Schall- und Brandschutz angepasst wurde. Im Gespräch erzählt Josef Weichenberger, wie er sich diesen Gebäuden annäherte, deren Potenziale erkannte und warum es ihm so wichtig ist, ihnen nicht nur ein zweites, sondern im besten Fall auch ein drittes Leben zu ermöglichen.

„Abriss oder Umbau – um diese gravierende Entscheidung treffen zu können, müssen sehr viele Aspekte, wie die städtebauliche, architektonische, funktionelle Eignung untersucht werden. Wie viel kann man tatsächlich erhalten? Wie viel muss man neu dazubauen? Reichen die Fluchtwege für eine zukünftige Bespielung oder Nutzung des Gebäudes? All das mussten wir bei der Transformation des Franz-Josefs-Bahnhofs überprüfen, und zwar in einem möglichst hohen Detaillierungsgrad bereits im kooperativen Verfahren.

Natürlich ist ein Umbau in der Beurteilung und im Risikomanagement anders zu bewerten als ein Neubau. Bei einem Neubau können Sie auf solide Daten zurückgreifen. In einem Gebäude aus den 1960er-, 1970er-Jahren schlummert immer ein gewisses Risiko. Das konnten wir im kooperativen Verfahren, auch wenn wir noch so genau hingeschaut haben, nicht bis ins kleinste Detail minimieren. Gemeinsam mit dem Auftraggeber haben wir es getragen und das Projekt letzten Endes zum Erfolg gebracht.

Wir haben das Gebäude von Anfang an als architektonische Herausforderung betrachtet. Wir wollten es nicht komplett entfremden, sondern uns ging es um die Umkehr des Erscheinungsbildes. Das Bankgebäude von Karl Schwanzer wirkte sehr hermetisch, weil es bei Sonnenschein große Reflexionen gab. Das war wahrscheinlich ein gewollter Ansatz. Eine Bank muss sicher sein. Genau das wollten wir mit der Konversion umkehren: das Gebäude transparenter machen – weg von den verspiegelten, hin zu nicht verspiegelten Gläsern – und die horizontale Struktur, die Bandstruktur herausarbeiten. Statt eines hochglanzverspiegelten Fassadenmaterials wählten wir ein geprägtes Edelstahlformat, das auftreffende Sonnenstrahlen zerstreut wie eine Streulinse und damit die Blendung wegnimmt.

Neben der Leidenschaft, bestehende Projekte immer zweimal anzuschauen, war die Erkenntnis aus Francis, dass es viele Gebäude gibt, nicht nur in Wien, sondern weltweit, die es verdienen würden, genau hinzuschauen und zu überlegen: Wann muss das Gebäude abgerissen werden? Gibt es eine Chance, es zu erhalten? In Beton und Stahl ist das meiste CO2 gebunden. Genau dort muss man ansetzen. Es geht uns in erster Linie darum, die Bestandsstruktur, die Tragstruktur zu erhalten.

Im Hinblick auf den Wettbewerb zur Neuplanung des Campus Althangrund, der alten WU, würde ich mir wünschen, dass es gelingt, dieses Projekt mit unserem Projekt, mit Francis, zu verlinken. All das soll zusammenhängend stadträumlich wirken und einen gemeinschaftlichen Lebensraum bilden.“

Josef Weichenberger ist Architekt in Wien. Nach seinem Architekturstudium in Innsbruck war er Projektpartner bei Coop Himmelb(l)au. 2002 gründete er sein eigenes Atelier Josef Weichenberger Architects.

»nextroom fragt« Architekt:innen, Bauherr:innen und Expert:innen. Die Gesprächsreihe zum nachhaltigen Bauen wird konzipiert und betreut von Anne Isopp. Im Gespräch werden unterschiedliche Dimensionen des nachhaltigen Bauens eingefangen, auf konkrete Bauten Bezug genommen und individuelle Sichtweisen abgefragt. Einige der Gespräche sind als Podcast auf morgenbau.at zu hören.

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