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Der Kanton Basel-Stadt hat sich per Volksentscheid zum Ziel gesetzt, bis 2037 klimaneutral zu werden – deutlich früher als die Schweiz und die EU, die Netto-Null erst 2050 anstreben, oder Österreich, das das Jahr 2040 anpeilt. Um das Ziel 2037 zu erreichen, muss sich auch das Bauen selbst ändern – es ist einer der zentralen Hebel dafür. Doch wie soll das gelingen und wo fängt man an? Darüber sprechen Beat Aeberhard, Kantonsbaumeister von Basel-Stadt, und Philippe Noger, Leiter der neu gegründeten Fachstelle für umweltgerechtes Planen & Bauen. Sie erzählen von neuen Wettbewerbsverfahren, von der Wiederverwendung von Bauteilen und warum ein gutes Stadtklima immer auch ein gesellschaftliches Klima ist. Das Gespräch ist in voller Länge im Podcast Morgenbau anzuhören.

„Basel war die erste Stadt in der Schweiz, die 2019 den Klimanotstand ausgerufen hat. Warum gerade Basel? Die Menschen in Basel-Stadt sind sich bewusst, dass wir in einem sehr begrenzten Territorium leben. Wenn die Stadt wachsen will, dann muss sie das innerhalb dieser Grenzen tun. Die Entwicklungen in der Pharma-Industrie haben die Stadt zudem über Jahrhunderte geprägt – und tun dies bis heute. Wir kämpfen mit Standortbelastungen. Hinzu kommt, dass wir uns hier tatsächlich in einem Hitzehotspot der Schweiz befinden. Die Basler Bevölkerung hat in den letzten Jahren schon sehr drastisch vor Augen geführt bekommen, was es heißt, wenn die Temperaturen steigen. Im Juni dieses Jahres haben wir erneut einen Hitzerekord erleiden dürfen. Aus dieser Ausgangslage sind auch erste Protagonistinnen und Protagonisten hervorgegangen, wie beispielsweise Barbara Buser, die sich schon sehr früh begonnen hat, sich für eine Abfallvermeidung und Bauteilwiederverwendung einzusetzen und das Thema sehr beharrlich über die letzten Jahrzehnte vorangetrieben hat.

Sobald das Ziel, bis 2037 klimaneutral zu werden, per Volksentscheid feststand, wurde das Netto-Null-Ziel in die Verfassung aufgenommen. Der Regierungsrat hat daraufhin eine Klimaschutzstrategie erarbeitet, die vor drei Jahren in Kraft getreten ist. Wir haben diese Strategie mit dem Aktionsplan konkretisiert, in dem ganz konkrete Maßnahmen aufgezählt sind, um diese Ziele zu erreichen. Und an der Umsetzung dieses Aktionsplanes arbeiten wir zurzeit.

Für den Staat gibt es an sich zwei Möglichkeiten. Er kann entweder Verbote aussprechen oder Anreize schaffen. Unsere Haltung ist es, mit beiden gleichzeitig zu arbeiten. Eine Idee ist, dass wir Grenzwerte für indirekte Treibhausgasemissionen in der Erstellung einführen und diese mit einer Lenkungsabgabe auf CO₂ ergänzen, um so die Zielerreichung für Netto-Null in Basel-Stadt gewährleisten zu können. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr so weit sind, dass wir die Grenzwerte einführen können. Das wäre ein schöner Meilenstein und auch ein Zeichen für andere Kantone, für andere Städte, dass es machbar ist.

Generell haben wir es geschafft, dass in Basel diese Themen wirklich ernst genommen werden. Es geht ja auch darum, Investorinnen und Investoren mit auf diesen Weg zu nehmen. Uns hilft dabei, dass das Parlament sehr aktiv ist und klare Forderungen aufgestellt hat. Da die übergeordneten Planungen in den Transformationsarealen durch das Parlament bewilligt werden müssen, wird auch der Ehrgeiz der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer ein Stück weit animiert. Für uns geht es darum, diese begleitenden Verfahren richtig zu entwerfen. Dabei arbeiten wir gerne mit städtebaulichen und architektonischen Wettbewerben. Dafür brauchen wir ein gutes Prozessdesign und eine Jury, die diesen Dialog führen kann, und natürlich auch die richtigen Teams auf Seiten der Architektinnen und Architekten und der weiteren Planenden!

Es ist schön zu sehen, wie diese Gedanken jetzt von der Basler Architektenschaft angenommen werden und integral in den Planungsprozess von (kantonalen und privaten) Bauprojekten einzufließen beginnen. Das beruhigt und macht Hoffnung für die Zukunft. Jetzt geht es wirklich darum, den Beweis anzutreten. Es bedarf einer radikalen Zuversicht im Wissen, dass Netto-Null und eine umweltgerechte, qualitätsvolle Stadtentwicklung ein Hochseilakt sind. Wir hoffen, wir erreichen das Ziel, wissen aber, dass man auch mal abstürzen kann. Und da ist es einfach wichtig, dass man wieder aufsteht, sich nicht entmutigen lässt und weitermacht – gerade für die öffentliche Hand.“

Beat Aeberhard ist Architekt und seit 2015 Kantonsbaumeister von Basel-Stadt, wo er die Dienststelle Städtebau & Architektur am Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt leitet. Er studierte Architektur an der EPFL Lausanne und der ETH Zürich sowie Architecture and Urban Design an der Columbia University in New York. Zuvor war er sieben Jahre lang Stadtarchitekt von Zug, arbeitete als freischaffender Architekt in Zürich und lehrte an der ETH Zürich.
Philippe Noger ist Architekt und Umweltwissenschaftler. Seit Mai 2023 leitet er die neu geschaffene Fachstelle umweltgerechtes Planen & Bauen bei Städtebau & Architektur Basel-Stadt. Zuvor war er mehrere Jahre lang in der Privatwirtschaft und in der Fachstelle nachhaltiges Bauen der Stadt Zürich tätig.

»nextroom fragt« Architekt:innen, Bauherr:innen und Expert:innen. Die Gesprächsreihe zum nachhaltigen Bauen wird konzipiert und betreut von Anne Isopp. Im Gespräch werden unterschiedliche Dimensionen des nachhaltigen Bauens eingefangen, auf konkrete Bauten Bezug genommen und individuelle Sichtweisen abgefragt. Einige der Gespräche sind als Podcast auf morgenbau.at zu hören.