Bauwerk

Terrassenhaussiedlung
Werkgruppe Graz - Graz (A) - 1978
Terrassenhaussiedlung, Foto: Werkgruppe Graz
Terrassenhaussiedlung, Foto: Werkgruppe Graz
Terrassenhaussiedlung, Foto: Werkgruppe Graz
Terrassenhaussiedlung, Schaubild: Werkgruppe Graz
10. Juli 2005 - GAT

522 Wohnungen mit unterschiedlichen Wohnungstypen: Terrassenwohnungen, Maisonetten, Atelier-Einheiten, Dachterrassen-Wohnungen; Sammelgarage für 550 PKW mit Waschplätzen, Fahrradabstellraum, Müllraum, einer Kommunikationsebene im 4. OG und öffentlichen Dachterrassen, Kindergarten, überdachten Spielbereichen und Spielplätzen.
Die Terrassenhaussiedlung ist nicht nur eines der wenigen utopischen Projekte dieser Größenordnung, das tatsächlich realisiert wurde, sie ist gleichzeitig ein Schlüsselprojekt für die Mitbestimmung im Wohnbau.(1)

Idee
Die ehemalige Lehmgrube war nach 1945 mit dem Bauschutt zerstörter Häuser aufgefüllt worden. Diese besondere Situation - anstelle eines Kellergeschosses, galt es acht Meter bis zu tragfähigem Boden mittels Pfahlgründung zu überwinden - begründet auch die Entwurfsidee "Schwimmende Häuser" zu planen, wiewohl der Entwurf auch im Kontext der international geführten Diskussion des Typus Terrassenhaus als "Neue städtische Wohnform" lesbar ist.
Die Logik des Entwurfes ergibt sich aus der Unterbringung sämtlicher Nebenräume im Inneren der Baukörper in den ersten Geschossen.(2)

Primärstruktur - Ausdruck für Bewusstsein von Gemeinschaft
Wohnen in der Stadt verlangt nach erkennbaren gesellschaftlichen Beziehungen. [...] Die Wohnanlage wird zur Stadt, indem sie ein Allen-Gemeinsames ausdrückt - die Primärstruktur. Innerhalb der gemeinsamen Verständlichkeit erst kommt die individuelle Verschiedenheit und private Freiheit zu ihrem Recht. In der Wohnanlage wird das Gerüst der horizontalen und vertikalen Verkehrswege, als offener Raum geplant, zum grundlegenden Ausdrucksmittel der Primärstruktur. Neben den Kommunikationsebenen im ersten und vierten Geschoss übernehmen die Treppenfixpunkte mit den Liften diese Funktion. [...] Die Anordnung der Wohneinheiten beruht auf einer konstruktiven Grundausstattung von tragenden Wänden und Decken, innerhalb welcher der individuelle Ausbau erfolgte. Durch Stapelung und Höhenversetzung der Einheiten wurde der Spielraum der Ausbaumöglichkeiten beträchtlich erweitert.

Sekundärstruktur - Die Wohnung - Ort der Individualität
Soll die Wohnung des Menschen seinem Bedürfnis entsprechen, muss sie für ihn erkennbar sein. Jeder Bereich, jeder Weg zu seiner Wohnung und jede Wohneinheit müssen ihren Ort haben. Wie Menschen verschieden sind, so will auch ihr Lebensraum sein. Das Prinzip der Unterscheidbarkeit steht gegen Monotonie und Unterwerfung. In der Terrassenhaussiedlung kann jede Familie die Wohnform eines Einfamilienhauses erleben, ohne auf Gemeinschaft zu verzichten.

Tertiärstruktur - Partizipation und Selbstbau
Die Bewohner der Terrassenhausanlage wurden in den Gestaltungsprozess einbezogen (Partizipation) und haben nach Bezug ihrer Wohnung diese weiter ausgebaut (Selbstgestaltung). Das Angebot zur Mitgestaltung bestand aus: Auswahl aus 24 Wohnungstypen; freie Anordnung der Innenräume um einen Installationsschacht; freie Anordnung der Außenräume (Loggien) und Außenwandabschlüsse (elementierte Leichtwand), Auswahl der Ausbaumaterialien; Bestimmung der Installation und Geräte; Auswahl der Bepflanzung zusammen mit einem Gärtner; Ausstattung der Gemeinschaftsräume.

1 Quelle: Demonstrativbauvorhaben Terrassenhaussiedlung, Graz -St. Peter 1972-1978, o.J., o.O.
2 nach einem Gespräch mit Eugen Gross, Graz 2002

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