Bauwerk

Rechtsanwaltskanzlei Seidl
Karl Langer - Groß-Enzersdorf (A) - 2006
Rechtsanwaltskanzlei Seidl, Foto: Manfred Seidl
Rechtsanwaltskanzlei Seidl, Plan: Karl Langer
Rechtsanwaltskanzlei Seidl, Foto: Manfred Seidl
29. April 2007 - Az W

Das Bauen in historischer Substanz bedeutet in den meisten Fällen - Abändern. Es handelt sich entweder um ein Wegnehmen oder ein Hinzufügen von Elementen, Teilen oder Schichten. Aus ökonomischen Gründen wurde in der Vergangenheit zumeist hinzugefügt, um sich das mühevolle Abreißen zu ersparen. Dadurch ist in einem historischen Bau wie in einer Chronologie zu lesen, wenn man die einzelnen Schichten aufdeckt. Ein Neubau ist meist interessant, aber ein Umbau in einem alten Bauwerk ist zudem noch spannend.

Die Ausgangssituation dieses Projektes war ein historisches, tonnen- bzw. kreuzgewölbtes, eingeschossiges Gebäude, welches im Laufe seiner Geschichte aufgestockt und mit Zubauten versehen wurde und diverse, zusätzliche Veränderungen bzw. Schichtungen erhielt. Das Ziel war die Adaptierung des Gebäudes, vor allem des Obergeschosses, für die Unterbringung von zeitgemäßen Räumlichkeiten einer Anwaltskanzlei.

Entstellendes wurde Schicht für Schicht entfernt, Gutes konserviert und Fehlstellen neu interpretiert und ergänzt. Mit brüniertem Stahl und Linoleum, als maßgebliche Materialien der neuen Schichten und Einrichtungsgegenstände, wurde dabei der Dialog zwischen dem historischen Gemäuer und der Gegenwart entfacht.

Was diese Rechtsanwaltskanzlei von einem üblichen Büroraum unterscheidet, ist die Entschichtung. Entschichtung als architektonische Umsetzung des Versuchs der Wahrheitsfindung eines Anwalts. (Text: Architekt)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at

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