Bauwerk

Haus Morzg
Maria Flöckner - Sbg Salzburg (A) - 2004
Haus Morzg, Foto: Stefan Zenzmaier
Haus Morzg, Foto: Stefan Zenzmaier
Haus Morzg, Foto: Stefan Zenzmaier

Haus mit Freiräumen

25. Oktober 2012 - Initiative Architektur

Architektin Maria Flöckner plante für sich und ihren Lebensgefährten den sensiblen Umbau eines 1914/1915 errichteten Würfelhauses. Maria Flöckner griff nicht in die Außenerscheinung des „Hexenhäuschens“ ein, vermied Vollwärmeschutz und eine Vergrößerung der bestehenden Fenster - und setzte anstelle der beiden gemauerten Kamine im nun mit Erdwärme versorgten Haus hölzerne Kamine für die Dachraum-Entlüftung. Statt der klaren Hausfigur eine „neue“ Gestik überzustülpen, agierte und entwickelte sie die Neustrukturierung aus den räumlich Potenzialen heraus. Das dezente Aufschneiden des Dachs im Norden, bündige Atelierverglasungen, bringen in Verbindung mit einem Aufschlitzen der Zwischendecke Licht in die Räume. Flöckner schälte durch Entfernen von Wänden und Decke in Erd- und Obergeschoß eine annähernd sechs Meter hohe Halle heraus. Kaum weniger hoch ist das freigeräumte „Zelt“ unter dem Dach als zweiter Hauptraum. Das warme Braun von Dachstuhl und Dampfbremse gibt dem Raum seinen Charakter, der im Winter bevorzugt wird. In der warmen Jahreszeit ist hingegen die kühlere Halle mit direktem Zugang zum Garten der Hauptaufenthaltsort.

Naßeinheiten in diesen Räumen sind ebenfalls Ausdruck des Grundgedankens, den Handlungsspielraum für die Nutzung einzelner Bereiche möglichst offen zu halten. Maria Flöckner entwickelte ein räumliches Labor, eine offene Versuchsanordnung zur Beziehung und Verknüpfung von Körper und Raum durch Gesten und Handlungen.

Eine kurze Besichtigung erschließt diese aus Baubestand, Ort und Zeit herausgefilterten Potenziale nur unzureichend. Auf den ersten Blick beeindruckt die von vier Seiten durch die alten Kastenfenster belichtete Halle, großzügig aber ohne große Gestik und Monumentalität. Die durch den Fensterbestand unprätentiös aufgelockerte Mauerschale umhüllt einen lichten, hochkonzentrierten Raum. Gute Akustik prädestinierte im Sinne der Nutzungsvielfalt diese „Vorrichtung der Wahrnehmung“ beispielsweise als Raum für besondere Musikveranstaltungen.

Der Freiraumbezug ist ein besonderer. In die Halle holt keine neue Maueröffnung Bilder der Landschaftsräume herein, die seine Konzentration und Neutralität untergraben würden. In der Eingangsloggia entspricht hingegen das Ersetzen der ganzen Südmauer durch eine verschiebbare Glaswand dem Denken in Räumen. Im Dachzelt wiederum ersetzt die Atelierverglasung mit Landschafts- und besonders Himmelsblick die vierte Wand. Jahreszeit, Situation, Lust und Laune und das große Spektrum räumlicher Qualitäten bestimmten die Wanderrouten der Nomaden im Haus. (Text: Norbert Mayr, gekürzte Fassung)

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Für den Beitrag verantwortlich: Initiative Architektur

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Andrea Rosenberger-Großschädloffice[at]initiativearchitektur.at

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