Bauwerk

Aufbahrungshalle Micheldorf
CERTOV. ARCHITEKTEN, Robert M. Morianz - Micheldorf (A) - 2005
Aufbahrungshalle Micheldorf, Foto: Ferdinand Certov
Aufbahrungshalle Micheldorf, Foto: Ferdinand Certov
05. April 2013 - Architektur Haus Kärnten

Mit der Aufbahrungshalle wurde auf dem neuen Teil des Friedhofes ein sakraler Bereich geschaffen, der in direktem Bezug zur bestehenden Kirche steht und das gesamte Kirchenareal zu einer Einheit verbindet. Das an der äußersten Ecke des Friedhofes situierte Gebäude umfasst eine Aufbahrungshalle, eine Sakristei, einen Raum für Bestattungsgegenstände, sowie einen Vorplatz und Friedhofsmauern mit integrierten Urnengräbern.
Die Aufbahrungshalle aus eingefärbtem Sichtbeton ist nach außen hin als kubische und geschlossene Form (in Form eines Sarkophags) konzipiert, schmale Schlitze entlang der Längswände lassen den schweren „Deckel“ jedoch schweben. Stirnseitig wird die Betonwand (bis zur Hälfte der gesamten Höhe) nach oben geklappt und bildet den Eingang – der Eindruck, das massive Vordach, exakt in der Größe der Türöffnung, könnte jederzeit das Grab für immer schließen, wurde bewusst inszeniert.
Mit dem Betreten der Halle wird die ganze Aufmerksamkeit auf das zentrale Geschehen einer Bestattung, nämlich die Realität des Todes in Verbindung mit dem Glauben der Auferstehung gelenkt. Ganz im Gegensatz zur geschlossenen äußeren Form wird hier der Raum nach oben hin aufgebrochen und erhellt – vom dunklen Boden und der Stahlplatte der Aufbahrung, über immer heller werdende Betonwände, bis zur Decke, die über deckenbündige Lichtschlitze der Seitenwände natürlich belichtet wird (hier ist auch ein Großteil der künstlichen Belichtung unsichtbar situiert). Auf den Sargtisch inmitten des Raumes fällt durch ein Oberlicht in der Decke ein mächtiger und gerichteter Lichtstrahl. Hinter dem Sargtisch erstreckt sich eine Bildwand vom Boden bis zur Decke, und verschwindet im Schacht des Oberlichtes. Die Symbolik der Bildwandgestaltung von Johanes Zechner, mit einer „schwebenden“ gotischen Holzfigur des auferstandenen Christus im Zentrum, verstärkt den Gedanken der Auferstehung. Mit Rücksicht auf die Buntheit der Kränze und Blumen, die jede Aufbahrung begleiten, wurden die Kranzständer, Weihwasserbecken, Parteständer, Seitenleuchter und Kandelaber in ihrer Form und Material einfach gestaltet: Stahlstangen als veränderbares Boden-Stecksystem. Der Aufbahrungstisch und einzelne Holzsitze, die auskragend entlang der Längswände situiert sind, sind somit das einzige unverrückbare Inventar im sakralen Raum. (Text: Architekten)

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Für den Beitrag verantwortlich: Architektur Haus Kärnten

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Anja Maria Nussbaumeranja_maria_nussbaumer[at]hotmail.com