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Zum Thema

Dass Holz und Handwerk etwas miteinander zu tun haben, ja eng verbunden sind, ist evident. Jeder erinnert sich daran, ein Stück Holz, einen Stecken mit dem Messer bearbeitet oder etwas zusammengenagelt zu haben. Im Kopf hat man Bilder von Handwerkern, Meistern, die es verstehen zu schnitzen, zu drechseln, zu tischlern, zu bauen, ob kleine Objekte, Musikinstrumente, Möbel oder ganze Häuser. Trotzdem: den Begriff des Handwerks in seinen kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen zu erfassen und zu definieren, ist nicht leicht und man ist verleitet, Klischees, Vorurteile, auch nostalgisch Verklärtes zu assoziieren. Denn es stimmt: Wer von Handwerk spricht, der spricht von tradiertem Wissen, von meist kleinen, regionalen Betrieben, von Rahmenbedingungen, die mit der Einheit von Kapital und Produktion zu tun haben, mit der Unmittelbarkeit von Auftrag und Lieferung. Wer von Handwerk spricht, der spricht aber auch von Gegenwart und Zukunft, von einer zeitgemäßen Unternehmensform, die ganz wesentlich beteiligt ist an aktueller Baukultur.

Wir wollen ein modernes Bild vom Handwerk zeichnen – nicht als Gegenentwurf zur industriellen Produktion, sondern als eigenständiges, zukunftsgerichtetes Wirtschaften. Handwerk ist mit der industriellen Revolution nicht ausgestorben, es hat sich weiterentwickelt. Es gibt Modelle und Konzepte, mit den veränderten Markt- und Produktionsbedingungen umzugehen. Die Frage nach der Zukunft des Handwerks hat uns interessiert. Die Vielfalt an Strategien, die Aspekte der Technologie, der Vermarktung, der Ausbildung; auch sein Stellenwert im postindustriellen Zeitalter, wo im Zusammenhang mit dem Begriff der Nachhaltigkeit die Merkmale des Handwerks zusehends an Bedeutung gewinnen.

Ein Handwerks-Experiment ist die Bebilderung dieses Heftes. Der Fotograf Nikolaus Walter hat sich dem Thema auf seine Weise genähert, die Umgebung erkundet, dem Handwerk nachgespürt. Nikolaus Walter erzählt also seine eigene Geschichte und bereichert den Zuschnitt damit auf einer Ebene, die in diesem Fall vielleicht noch mehr kann als die Summe der einzelnen Texte: ein Gespür vermitteln für das vielfältige Wesen modernen Handwerks. Eva Guttmann

Editorial | Eva Guttmann
Essay – Aus Prinzip Handwerk | Christine Ax
Die Handwerkskultur der Familie K. | Gabriele Kaiser
Vom Kopf zur Hand und darüber hinaus | Gespräch mit Dietmar Bischof
Zeit lassen | Christoph Luchsinger
Die Besten für das Handwerk | Gespräch mit Egon Blum zur Ausbildungssituation im Handwerk. Werkstück statt Stückwerk – Zwei Initiativen des werkraum bregenzerwald: »handwerk im unterricht« und »kinderbaustelle« | Gabriele Kaiser
Strategien des Handwerks | Gespräch mit Christine Ax
Handwerk und... eine Auswahl an Kooperationen
Literaturempfehlungen Holzhandwerksberufe
Fotoessay | Fotograf: Nikolaus Walter

Artikel

15. Juni 2007 Christine Ax
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Aus Prinzip Handwerk

Natürlich könnte man, wenn es darum geht, Handwerk zu definieren, rein formal vorgehen. Dann wäre Handwerk immer nur das, was im Rahmen der nationalen Wirtschaftsordnung als Handwerk definiert wird. Dann gäbe es in Österreich extrem viel davon und in England keins. Doch halt, stop! Ganz so einfach ist die Welt des Handwerks nicht. Handwerk – wie könnte es auch anders sein – finden wir, als Small und/ oder Creative Industries verkleidet, gerade im uk zuhauf und – funktional – weltweit selbst in den sogenannten »Industrien«. Ganz zu schweigen von so überaus bedeutenden Wirtschaftssektoren wie die Eigenarbeit und die Nachbarschaftshilfe, denen wir – wie ich hörte – in Österreich immerhin 40 Prozent aller Neubauten verdanken. Kein Frage: Das glückliche Österreich wäre weder ganz so glücklich noch so sehr Österreich ohne sein Handwerk.

Die Moderne und den Fortschritt – so steht’s in fast allen Schulbüchern geschrieben – verdanken wir der Überwindung des Handwerks durch die Industrie. (Die Probleme auch?)

Wer über Handwerk nachdenkt, landet notgedrungen bei der »Industrie«. Was genau unterscheidet Handwerk und Industrie? Angesichts der Hightech-werkzeuge, die im Handwerk genutzt werden, hilft das meist vermutete Technologiegefälle nicht unbedingt weiter. Vielleicht liegt der Unterschied im Bereich der Standardisierung? Der Arbeitsteilung? Ist es die Art zu denken, zu fühlen und zu arbeiten? Das Selbstverständnis? Die Ausbildung? Vielleicht sollten wir den Begriff Handwerk überhaupt und der Einfachheit halber ganz abschaffen? Was würde der Welt schon fehlen, wenn es den Begriff »Handwerk« nicht mehr gäbe? Das Handwerk wohl kaum, denn es würde sich darum nicht scheren und weitermachen. Und überhaupt: Ist die Zukunft nicht sowieso irgendwie postindustriell-neohandwerklich und neohandwerklich-postindustriell? Auf jeden Fall kreativ.

Manches ist so nah, dass wir es nicht sehen können. Dazu gehört auch Europas »Handwerk«. Die Blindheit der Moderne in Bezug auf dieses Phänomen ist offensichtlich. Wer in unseren Bibliotheken nach »Gscheitem« zum Thema Handwerk sucht, wird kaum was finden: Handwerk findet nur zwischen den Stühlen statt, zwischen »Volkskunde«, »Wirtschaftsgeschichte« und »Berufsbildung«, neuerdings auch als »Ergotherapie«. Die Industriesoziologie und die Managementliteratur kennen von jeher nur die Automobilindustrie. Und die politische Linke hatte mit Handwerk noch nie was am Hut. Handwerk musste sich immer alleine durchwurschteln – meist ganz ohne Berater. Und schafft es, sogar erstaunlich gut, seit vielen tausend Jahren.

Natürlich hat das auch etwas mit der Anzahl zu tun. Man spricht in diesem Zusammenhang von dem stochastischen Prinzip; bildlich gesprochen: Handwerk wächst vermeintlich nach wie Unkraut und die Besten, die Schnellsten, die Lernfähigsten überleben. Wozu also über so viel Selbstverständliches nachdenken?
Handwerk als Utopie

Die Geistesgeschichte und die Designgeschichte kennen Handwerk nicht zuletzt als Utopie. Der »Morriszyklus«, der mit John Ruskin begann und mit William Morris seinen schönsten Illustrator fand, erschuf Bilder und Sehnsüchte, die die Herzen der Menschen bis heute bewegen. Die Arts- and Crafts-Bewegung, der Werkbund und das Bauhaus: Sie alle wollten »zurück zum Handwerk« und endeten im »Industrial Design«. Die sozialen Bewegungen der 1960er, 70er und 80er: Sie diskutierten nicht nur die Alternativen zu einer sich über alles erhebenden Megamaschine, viele lebten ihre Träume – im Handwerk.

Doch was genau ist das Utopische am Handwerk? Vielleicht, dass es so ganz real ist? Dass es uns erdet? In der Werkstatt, scheint es, wird alles möglich, weil alles wirklich ist. Nur dort nehmen wir die Welt in unsere Hände und gestalten sie eigenmächtig und autonom nach unserem Bild. Das Prinzip Handwerk ist verbunden mit dem Prinzip Werkstatt und dem Experiment. Handwerk ist nicht zuletzt auch zen, ist ein Tätigsein, das uns hilft, zu uns selber zu finden und manchmal auch weit darüber hinaus. Mit der Chance und dem Unglück zu scheitern.

Und Handwerk macht meistens Sinn in einer Welt, die immer schwerer zu durchschauen ist, in der die Abhängigkeit von Weltmarkt, Banken, Börsennotierungen, immer komplexer werdenden Technologien und ihren Risiken uns scheinbar lähmt. Handwerk war und bleibt ein Gegenentwurf zum Wahn-Sinn der Risikogesellschaft. Wo Hand angelegt wird, da bleibt es im besten Sinne menschlich. Denn während das Geld sich an den Börsen irgendwie abgehoben und – nur scheinbar – von alleine vermehrt oder auch vernichtet, liefert Handwerk uns im Hier und Jetzt reale Werte: Häuser, Möbel, Wohn- und Esskultur, dass die Waschmaschine funktioniert und die Solaranlage, aber auch das ganz Besondere, das Eigene, das »Unsrige«, das Kostbare und auch das Delikate.
Zeitlos und modern

Handwerk war und ist widerständig und eigensinnig und muss und kann sich dies leisten. Nur seinem Eigen-Sinn verdanken wir die Tatsache, dass vieles heute blüht, was nach moderner Lesart der Vergangenheit angehört. Handwerk ist das Ungleichzeitige im Gleichzeitigen. Denn ob wir wollen oder nicht: Es scheint, unsere Kultur muss auf ewige Zeiten modern bleiben – auch wenn uns das Moderne oft so bekannt vorkommt. Die Jugend jedenfalls weiß heute die Konvention wieder zu schätzen und nimmt nach dem Tanzkurs Unterricht in gutem Benehmen. Neobarock, Techno-Biedermeier und Art Nouveau erobern die Wohnzimmer, nachdem uns das karge Pathos der Sachlichkeit und die dahinter stehende Moral schon lange genug gelangweilt haben. Und überhaupt: Wer es sich leisten konnte, der trug doch schon immer feinste Handwerkskunst am Leibe, zum Zwecke der Repräsentation und als Zeichen wahrer, weil ererbter Wohnkultur, und wusste, was wirklich gut ist, weil zeitlos und eine Investition – ein durchaus nachhaltiger Aspekt der Ästhetik. Keine Frage: So reflexiv wie heute war die Moderne halt schon lange nicht mehr. Immer schön geschmeidig bleiben!

Und dann: Wir gehen sehenden Auges durch Europa und lieben es: seine Eigenarten und Vielfalt, die Schönheit, die Natur, die Kunstwerke, die Gebäude, die Lebens-Art, die Musik, die kulinarischen Genüsse, seine Sinnlichkeit, seine große Geschichte und immer wieder den Unterschied, der Unterschied macht, der den Unterschied macht. Wir schwelgen in Handwerk, wir lieben Handwerk und Kultur, denn wer Kultur liebt, liebt Handwerkskultur und weiß meist zu wenig darüber. Diese Nachkriegsgeneration ist nicht nur die erste, sondern wahrscheinlich auch die letzte, die von fast allem den Preis kennt und von kaum etwas den Wert. Wir konsumieren gerne und tun es zum Wohle des Ganzen. Frei nach dem Motto: »Verschwenden müssen, um arbeiten zu dürfen.«

Doch das wird jetzt wohl anders werden – müssen. Denn wo Transportkosten, Energie und Rohstoffe bisher kostenseitig kaum zu Buche schlugen, während die Arbeit, die liebe alte Arbeit, so schön sie war, irgendwie unbezahlbar wurde, kommt nun Bewegung in die Struktur. Damit alles so bleibt, wie es ist, muss nämlich vieles, sehr vieles, ganz anders werden.

Herkunft und Zukunft

Wir werden uns als Gesellschaft und Kultur jetzt arrangieren müssen mit der Natur und der Arbeit. Und wir stehen in Bezug auf diese Wegmarken am Wendepunkt: Wollen wir den Engpass Natur durch Kapital und Technik ersetzen? Oder gehen wir einen sanften, einen kooperativen Weg? Wollen wir den Menschen, seine Kreativität und sein Arbeitsvermögen als unser wichtigstes Kapital ansehen oder wollen wir ihn weiter durch Kapital und Automation ersetzen? Welche Werte werden wir wählen?

Nachhaltiges Wirtschaften jedenfalls braucht Handwerk, braucht dezentrale, sparsame und auch regenerative Energieversorgung, braucht Solarteure und die Region, ihre Vielfalt und Kultur und braucht das »Besser« anstelle des »Mehr«, muss Wohlstand »dematerialisieren«, braucht die »Performancegesellschaft« und Produkt- und Stoffkreisläufe anstelle von Verschleiß- und Entwertungsstrategie, braucht eine Revision des Gebrauchs, braucht wahre Werte und das Glück der Gemeinschaft und der Kreativität an Stelle der modisch geborenen Bulimie, die dem immer schneller werdenden Rein-und-Raus der Warenwelt nur den Spiegel vorhält.

Und wäre der Konzern Handwerk an der Börse notiert, so wäre den Damen und Herren Anlegern zu raten, diese Werte auf absehbare Zeit auf keinen Fall abzustoßen. Denn es sind – man höre und staune – dramatische Kursgewinne zu erwarten. Der Direktor des Schweizer Umweltbundesamtes sagt dem Bauhandwerk goldene Zeiten voraus. Die dramatischen Folgen des Klimawandels werden Umsiedlungen und Baumaßnahmen in ungeahnten Größenordnungen erforderlich machen. Diese milliardenschweren Maßnahmen, sagen die Experten, seien dennoch weit billiger, als nichts zu tun und der Sache ihren Lauf zu lassen.

Da trifft es sich doch gut, dass wir heute in Europa und in der Welt so viele arbeitslose Köpfe und Sinne haben, die nur darauf warten, dass Freiheit von Arbeit in Freiheit zur Arbeit verwandelt wird. Denn eines könnten wir in unseren europäischen Landen ganz sicher gut gebrauchen: die Kunst und das Handwerk und die Handwerkskunst in der Stadt und auf dem Lande: Wirtschaften, ganz viel nachhaltiges Wirtschaften – mit menschlichem Gesicht.

Kultur braucht (nicht nur) den Connaisseur, als seine Voraussetzung und Gegenüber – auf Augenhöhe – auch den »Homo faber«, der über das notwendige Wissen, die Erfahrung, die Kultur und das Können verfügt, den Handwerk schon immer brauchte, heute und morgen. Das Prinzip Handwerk, der ganze Mensch (Kopf, Hand und Herz) mit seinem kreativen Arbeitsvermögen ist – darauf wetten wir – im besten Sinne zukunftsfähig. Wir schließen uns dem großen John Ruskin an, der in »Unto this last«, seinem wichtigsten Traktat über die Nationalökonomie seiner Zeit, so treffend bemerkte: »Nur Leben ist Reichtum«, und wagen die These, dass es nützlich und zukunftsfähig ist, den Begriff Handwerk – bei aller Unschärfe – als wesentlichen Aspekt unserer europäischen Kultur zu bewahren. Denn – so seltsam es sich anhören mag – in exakt dieser Unschärfe liegt auch die (autopoetische) Chance.

16. Juni 2007 Gabriele Kaiser
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Von der Hand in den Kopf und im Blick das Ganze

Die Handwerkskultur der Familie K.

Möglicherweise ist der Bregenzerwald die einzige Region in Österreich, in der Architektur, Handwerk und Industrie in eng aufeinander bezogenen Strukturen sowohl qualitativ als auch in ökonomischer Hinsicht florieren. Viele der hier arbeitenden Architekten haben einen handwerklichen Hintergrund, man weiß nicht nur theoretisch, »wie es geht«, sondern ist auch von früher Jugend an gewöhnt, im elterlichen Betrieb, in der Werkstatt des Onkels oder eines entfernten Verwandten Hand anzulegen. Umgekehrt ist es für viele der hier ansässigen Handwerker selbstverständlich, mit Architekten zusammenzuarbeiten, um traditionelle und avancierte Fertigungstechniken zu erproben oder weiterzutreiben. Nicht zuletzt gibt es eine ebenfalls im handwerklichen Kontext sozialisierte Bauherrenschaft, die auf ein qualitatives Lebensumfeld Wert legt und bereit ist, sich auf Neues bzw. auf unkonventionelle Anverwandlungen traditioneller Bauformen einzulassen. Für diese sehr spezielle Kompetenzverdichtung ist im Bereich des konstruktiven Holzbaus die Familie K. ein exemplarisches Beispiel. Die für die vorliegende Ausgabe des Zuschnitt geführten Gespräche mit vier Mitgliedern dieser weitverzweigten Familie haben gezeigt, dass man im Bregenzerwald mit Recht und ohne Sentimentalität von einer »Kultur des Handwerks« spricht. Natürlich hat auch diese Kultur Stagnations- wie Wachstumsphasen zu verzeichnen, doch scheint sie wegen des intensiven Austauschs zwischen als gleichwertig angesehen Berufssparten und aufgrund eines gesunden »Binnenwettbewerbs« kaum Gefahr zu laufen, in einmal erworbenen Mustern zu verharren.

Mit unkonventionellen, »aus der Zimmermannstechnik weiterentwickelten Holzbaukonzepten« (Otto Kapfinger) hat der Architekt Leopold K. (geb. 1932) schon früh und unabhängig vom damaligen kulturellen Establishment Position bezogen. Die Erweiterung der Pfarrkirche in Brand etwa (gemeinsam mit Helmut Eisentle und Bernhard Haeckel, 1961) zählt zu jenen aus dem Handwerk gedachten Bauleistungen, die von Moden unberührt überdauern. Als erfahrener Konstrukteur erweist er sich auch im Gespräch in seinem Atelier in Dornbirn (in welchem auch sein Sohn Oskar Leo, geb. 1969, ein eigenes Architekturbüro führt), indem er immer wieder zum Bleistift greift, um Gesagtes mit angedeuteten Konstruktionsskizzen – vom Brettelbinder bis zum Strickbau – zu verdeutlichen. Leopold K. ist gelernter Zimmerer, hat an der Technischen Hochschule in Graz Architektur studiert, währenddessen und dazwischen immer im Betrieb seines Onkels Josef K. (geb. 1913) gearbeitet, der 1952 in Reuthe eine Zimmerei samt Hobelwerk gegründet hatte. Dieser Onkel genießt in der Familie K. den Ruf eines visionären Draufgängers, der nicht nur sein Handwerk gut verstanden, sondern sich auch nicht gescheut habe, Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren. Zu diesem Schaffensdrang dürfte auch die Gabe gezählt haben, sich zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Leuten an einen Tisch zu setzen. So ist etwa in den 1960er Jahren in einer Zusammenarbeit zwischen dem SOS-Kinderdorf-Gründer, Hermann Gmeiner, dem Architekten Willi Ramersdorfer und dem Zimmerer Josef K. ein ganzes Kinderdorf für Saigon im heimischen Werk vorgefertigt und schließlich in Vietnam aufgestellt worden – welches nach Auskunft des SOS-Kinderdorf Sozialwerks heute noch in Betrieb ist.

Leopold K. hat das Zimmermannshandwerk noch in seiner maschinenlosen Zeit erlernt und ausgeübt, wo vieles von Hand in mühsamer Arbeit auf der Baustelle zugerichtet und zusammengefügt werden musste. Aber er hat auch den Aufschwung erlebt, als die Bandsägen und Kreissägen langsam in den Werkstätten Einzug hielten. Aus der Schilderung der Vorzüge dieser Arbeitserleichterung durch Maschinen und bessere Werkzeuge ist dennoch herauszuhören, dass er von einigen Standards heutiger Holzbearbeitung, etwa dem Abfasen der Kanten, wenig hält. Auch würde die Arbeit des Zimmerers heute bisweilen auf die eines Monteurs beschränkt sein, der fertige Wandelemente zusammenschraubt. Im Rückblick auf die eigenen Realisierungen im konstruktiven Holzbau stelle er sich heute und durchaus selbstkritisch die Frage, worin die Innovationen denn eigentlich wirklich bestünden. »Konstruktiv hat sich nicht so viel verändert«, sagt er. Auf die Frage, was er selbst dem Werkstoff Holz gern entlocken würde, gibt er eine entwaffnende Antwort: »Holz schweißen können.« Dann nimmt er ein Überblickswerk aus dem Regal, schlägt eine Seite auf, auf der ein teilweise diagonal verschaltes Haus von Marcel Breuer in New Canaan aus dem Jahr 1948 abgebildet ist. Er verweist auf die schlüssige konstruktive Lösung, die stimmige Proportion des Gebäudes. Von solchen Beispielen könne man immer noch lernen.

Ob es Leopold K. bewusst ist, dass er von der ihm nachfolgenden Generation selbst als Lehrmeister angesehen wird? Etwa von seinem Neffen Hermann (geb. 1955), der an der TU in Innsbruck (u.a. bei Othmar Barth) Architektur studiert, schließlich an der TU Wien bei Prof. Hiesmayr das Diplom gemacht hat. Im Büro seines Onkels Leopold hat er oft in den Ferien gearbeitet, seine erste Anstellung hatte er bei Ernst Hiesmayr in Wien. 1983 gründete Hermann K. eine Arbeitsgemeinschaft mit Christian Lenz in Schwarzach, heute hat er 16 Mitarbeiter. Die Liste der realisierten Bauten ist inzwischen beachtlich, »wobei sich der Holzbau wie ein roter Faden durch die Bürogeschichte zieht«. Mit einem seiner Brüder – Johannes K. (geb. 1967) – hat er kürzlich eine mehrgeschossige Wohnhausanlagen in Wien-Floridsdorf realisiert, seit 2004 lehrt er als Professor für Holzbau an der Architekturfakultät der TU München. Die handwerklichen Kenntnisse eines Zimmerers sieht er angesichts heutiger Fertigungstechniken nicht schwinden. »Ein Zimmerer muss heute viel mehr wissen als früher«, sagt er, »die Anforderungen an ihn steigen mehr und mehr.« Viele Hilfstätigkeiten können von der Maschine übernommen werden, aber der Blick fürs konstruktive Ganze dürfe dem Handwerker nicht abhanden kommen. Die Komplexität der Konstruktionen, ihre Diversität, die zahlreichen bauphysikalischen Anforderungen – all dies erfordere ein höheres Allgemeinwissen, über das der Zimmerer heute verfügen müsse, um am Puls der Entwicklung zu bleiben. Das Problem bestünde sogar eher darin, dass es in dieser Zunft schon zu viele »Erfinder« gebe. Im Unterschied zum Bereich Brettschichtholz (BSH), wo sich inzwischen überschaubare Standards abzeichnen, ist das Spektrum möglicher Wand- oder Deckenaufbauten im Holzbau heute kaum mehr überblickbar. Allein die Datenbank www.dataholz.com führt derzeit rund 1.500 Konstruktionsdatenblätter an, ergänzt durch unzählige Anschlussdetails und Dämmstoffvarianten, Abdichtungsfolien etc. Ein im Holzbau wenig erfahrener Architekt könne heute Schwierigkeiten haben, sich in der Vielfalt der angebotenen Systeme zurechtzufinden.

Hermanns zweiter Bruder Michael (geb. 1957) ist Zimmerer und führt den mittelständischen Betrieb in Reuthe in der nunmehr dritten Generation. Ihr Vater Ernst hatte einst mit zufällig gleichem Nachnamen in die Familie K. eingeheiratet, und zwar in jene Zimmerei, die Hermann K. Sen. (1899–1966), der ältere Bruder von Josef K. 1932 in Reuthe aufgebaut hatte. Michael K. lebt mit seiner Familie in dem inzwischen renovierten und durchlichteten Wälderhaus, an das die Werkstatt direkt anschließt. 1993 hat er den Zimmermannsbetrieb um eine Tischlerei erweitert, in der, wie er heute sagt, irrigen Annahme, dass sich zwischen den beiden Handwerkszweigen unmittelbare Synergien in der Arbeit ergeben. »Dass sich daraus so etwas wie verfeinerte Zimmerer entwickeln würden.« Tatsächlich laufen die beiden Sparten zwar hervorragend unter einem Dach, aber strikt getrennt, mit unterschiedlichen Werkzeugen, Aufgaben und Anforderungen.

Ein Niedergang des Handwerks habe in den 1960er Jahren stattgefunden, da seien die Zimmerer aufs Aufstellen von Dachsparren beschränkt gewesen, es gab eine gewisse Abwehr gegen das Bregenzerwälderhaus – »das ewige Knarren« –, man habe im Massivbau fast Gegenposition beziehen wollen. Der Wendepunkt sei mit den Pionieren der Vorarlberger Bauschule, endgültig aber Anfang der 1990er Jahre gekommen, als man auf breiter Basis wieder anfing, sich ernsthaft und in zeitgemäßer Formensprache mit dem Thema konstruktiver Holzbau auseinanderzusetzen. Damit seien die Zimmerer wieder aufgewertet worden, »sie sind nun nicht mehr nur für das Dach, sondern wieder für das gesamte Haus zuständig«. Die frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Architekt, Holzstatiker und Handwerker sei im Bregenzerwald ja von jeher die große Stärke jeder qualitätsorientierten Produktentwicklung gewesen.

In der Werkstatt von Michael K. stehen viele Maschinen, aber eine CNC-Fräse wird man vergeblich suchen. Es ist eine bewusste Entscheidung, den Betrieb in überschaubaren Dimensionen zu halten (bei Michael K. arbeiten 16 Zimmerer und fünf Tischler), sich nicht allzu tief in den Bereich der industriellen Fertigung hineinzuarbeiten. Seine Mitarbeiter und Lehrlinge stammen alle aus der Umgebung, bei ihm werden auch Fachleute ausgebildet, die dann später z.B. im Betrieb seines Großcousins Anton K. (geb. 1949) in Vorderreuthe einen Arbeitsplatz finden.

In der Werkstatt von Michael K. wird zwar mit einigem Erfolg die Wohnbox SU-SI produziert, aber um wirtschaftlich lohnenswert zu sein, sei das Produkt nach wie vor zu individuell. »Jedes Mal läuft es wieder auf eine Spezialanfertigung hinaus.« Der Entwurf dafür stammt von Michaels und Hermanns Bruder Johannes sowie von Leopolds Sohn Oskar Leo; Bauherrin des Prototyps war dessen Schwester Susanne, die in der nun 5. Generation das Hotel Post in Bezau betreibt und Mitte der 1990er Jahre ein kostengünstiges »Übergangswohnhaus« in Auftrag gegeben hatte. Das inzwischen 10-jährige, kürzlich nach Hamburg verkaufte Urmodell von Su-Si war zum Zeitpunkt unseres Gesprächs mit Michael K. wieder in dessen Werkstatt gelandet, um den Erfordernissen des künftigen Standorts angepasst zu werden. Erstaunlich wenig Renovierungsarbeiten waren vonnöten, die Box hat das Hochwasser von 2005 schadlos überstanden, nur ein Wasserschaden im Haus selbst hat den Brettern der Bodenplatte zugesetzt. Mit Oskar Leo K. denke man aber über eine Weiterentwicklung des Containerkonzepts nach, das in modularer Form auch schon im Hotelbau Anwendung gefunden hat. Michael K. ist auch Mitglied der »Fixhaus«-Plattform, zu der sich einige Holzbaubetriebe der Region zusammengeschlossen haben, um nach Entwürfen von Vorarlberger Architekten Fertighäuser auf hohem gestalterischem Niveau und zu vertretbaren Preisen anbieten zu können. In der Tischlerei von Michael K. werden zudem in Zusammenarbeit mit dem werkraum bregenzerwald sowie zahlreichen Vorarlberger Architekten hochwertige Möbel und Gebrauchsgegenstände hergestellt, das Repertoire umfasst sogar Holzsandalen, die in Kooperation mit einer Schusterwerkstatt in Bezau erzeugt werden. Da viele Zimmermannsbetriebe des Bregenzerwalds heute – im Unterschied zu früher – eine eigene Abbundhalle neben der Werkstatt stehen haben, tritt bei größeren, die eigenen Kapazitäten übersteigenden Projekten eine Art betriebliche Nachbarschaftshilfe in Kraft und man stützt sich durch temporäre Kooperation. Ein kluger unternehmerischer Ansatz; man kann punktuell im großen Maßstab agieren, das Qualitätsniveau halten und als Unternehmen dennoch flexibel bleiben. Michael K. schätzt die Produktvielfalt in seinem Betrieb, doch in Hinblick auf seinen wirtschaftlichen Kernbereich, den hochwertigen vorgefertigten Holzbau, bezeichnet er wie sein Bruder Hermann die steigende Systemvielfalt als problematisch. »Jedes Mal muss man den Wand- und Deckenaufbau von neuem hinterfragen.« Gleichzeitig wäre eine Vereinheitlichung auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen fatal: »Wenn jeder das Gleiche anbietet, wäre der Preiskampf noch härter.«

Anton K., Geschäftsführer der Firma K. Holzbausysteme, mit selbem Standort wie sein inzwischen mehrheitlich verkaufter holzverarbeitender Betrieb, der größte der gesamten Region, bringt die Normierungsfrage auf den Punkt: »Systematisierung und Normung kommen in erster Linie der Holzindustrie zugute.« Vor dem Hintergrund der mitteleuropäischen Handwerkstradition wären derartige Normungen, wie sie sich etwa in den USA durchgesetzt haben, jedoch ohnehin zum Scheitern verurteilt. »Wer wollte denn hierzulande in Häusern wohnen, wo eines wie das andere aussieht?«

Die gewaltige Dimension des Werks in Vorderreuthe lässt sich auch an der Anzahl und Art der eingesetzten Maschinen ermessen. Vor zehn Jahren wurde die erste, vor kurzem die dritte CNC-Fräse aufgestellt, sodass für einen internationalen Markt präzise Systemkomponenten in großen Stückzahlen produziert werden können. Im Unternehmen von Anton K. arbeiten CNC-geschulte Zimmerer, Absolventen von Fachhochschulen, Maschinenbauer, angelernte Arbeiter. Als Industriekonzern agiert er als reiner Zulieferer, hält den Industrie- und Projektbereich konsequent auseinander. Zum Projektbereich gehört z.B. ein Hochregallager aus Holz, das sich gerade in korrisionsgefährdeten Funktionszusammenhängen (Stichwort Salzlager, mehrgeschossige Bootsgarage) gegen den Stahlbau auch ökonomisch behaupten kann. Und eben diese klar getrennte Koexistenz von industrieller Fertigung europaweit vertriebener Komponenten und dem Projektbereich erweist sich als richtig, wenn es um den vielbeschworenen Blick auf das konstruktive Ganze geht. Denn auf diesen kommt es in einer hochdifferenzierten »Kultur des Handwerks« letztlich an. Nur wenn selbst in der Anonymität der fragmentierten Fertigung das Verständnis für den konstruktiven Gesamtzusammenhang präsent bleibt, kann der CNC-geschulte Zimmerer sein Werkzeug bewusst einsetzen, anstatt es in entfremdeter Perfektion einfach nur zu bedienen.

16. Juni 2007 Christoph Luchsinger
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Zeit lassen

Bis heute ist mir nicht ganz klar, wie das Spektrum all jener Beteiligten am Planen und Bauen entstanden ist, mit dem wir uns jeden Tag produktiv auseinandersetzen (oder auch frustriert herumschlagen). Manche sagen, dass ursprünglich alles aus einer Hand kam, dass ein und dieselbe Person Idee und Konzept zu einem Bauvorhaben entwickelte, für die Organisation des Bauplatzes sorgte und den Bau als Unternehmer selbst ausführte. Das ist der Mythos vom Baumeister alter Schule, der kraft der ihm eingeborenen Tradition eigentlich nichts wirklich falsch machen konnte, weder kulturell noch konstruktiv.

Andere sagen, dieser Schöpfungsmythos der Spezialisierung der Bauleute im Laufe der Zeit stimme nicht. Es habe schon immer die Einen gegeben, die eher zum Entwerfen und Planen, und die Anderen, die eher zum Umsetzen neigten. An den Dombauhütten gab es durchaus Auseinandersetzungen zwischen solchen Interessen. Und damit schlichen sich auch Fehler ein, weil der Eine dem Anderen nicht richtig zuhörte oder weil er etwas im Kopf hatte, von dem er dachte, es sei das, was der Andere eben erklärt hatte, und umgekehrt usw.

Das Dilemma, ob der ursprüngliche Baufachmann ein abgespaltener Spezialist des Baumeisters oder ein launischer Besserwisser auf der Dombauhütte war, wird noch verdüstert durch ein weiteres, belastendes Indiz. Der klassische »Architekt« ist seit der Renaissance und bis weit ins 19. Jh. hinein insofern Laie, als er auch noch Künstler, Gelehrter, Philosoph o.ä. in Personalunion war. Architektur war nur eine der vielen Äusserungen, mit denen sich der Homo universalis an die Welt wandte. Und der sollte auch noch verstehen, wie man zwei Balken zusammenzapft oder den Dachrand ausbildet?

Nein, das ging dann schon zu weit, das funktionierte nicht mehr wirklich. Wir kennen ja die Geschichten von den berühmten Meistern, die mir nichts dir nichts ganze Gebäudeflügel abreissen liessen, weil die Profilierungen der Fenster nicht ihrer – nie präzis ausformulierten – Vorstellung entsprachen. Oder die grossflächig den Bau auskleideten, weil der Putz etwas zu stark abgetönt wurde, obwohl nicht einmal die Farbe je besprochen worden war. Wehe, wenn Bernini auf die Baustelle kam! Oder wenn Borromini oder Ledoux den Vorarbeiter zu sich rief, da flogen die Fetzen! Die Meister konnten sich das leisten, sie waren anerkannt am Hof und ohnehin die Meinungsmacher. Aber für den Alltag der modernen Industriegesellschaft taugte das nicht. Also musste ein neuer Beruf her, dessen Mitglieder planen, entwerfen, organisieren, rechnen, zeichnen und kommunizieren konnten und die ihr Wissen über das praktische Bauen akademisch im Trockendock erlernten. Der moderne Architekt war da, geb. ca. 1870, verwaist, keine Vorstrafen, keine speziell vertieften Qualifikationen, ein Allrounder, ein smart guy, der sich überall zurechtfindet.

Während er also eine relativ junge Erscheinung ist, verkörpert der Handwerker Tradition und Althergebrachtes. Ein Sparren ist immer noch ein Sparren, auch wenn er mittlerweile vielleicht schichtverleimt ist, ein Ziegel immer noch ein Ziegel, auch wenn er statt aus Ton aus Beton oder Faserzement ist. Gemauert wird nach wie vor von unten nach oben und der Putz kommt am Schluss auf die Wand bzw. auf die Perimeterdämmung. Die Handgriffe im Handwerk sind weitgehend noch dieselben wie ehedem, vor allem aber zeichnet sich der Handwerker nach wie vor dadurch aus, dass er auf ein Problem zugreift, um es möglichst umgehend konkret zu lösen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie einfach sich manches, das man während Stunden im Büro wälzte, erledigen lässt, wenn man am Bau mit dem Handwerker spricht.

Am Bau besprechen ist dabei allerdings beinahe Conditio sine qua non, und manchmal reicht nicht einmal das aus, insofern als das Ergebnis nicht unbedingt dem entspricht, was man zusammen besprochen hatte. Vergleiche oben, Beispiel Dombauhütte. Und vorgängig, auf dem Plan, geht fast alles, aber oft sind die Konsequenzen nicht überschaubar und plötzlich ist eine Schraube oder eine Fuge da, wo man als Architekt nie und nimmer so ein Ding vermutet hätte. Diese Tendenz, sich nicht vollständig zu verstehen, nimmt zu in einer Zeit, in der die Zeit fehlt, die Dinge auszulegen, aufzuzeichnen, hin- und herzuschicken, zu korrigieren. Als Architekten sind wir ehrlich begeistert, einen Werkstattplan vom Handwerker zu erhalten, aufgrund dessen wir sehen, wie er das wirklich macht. Ganz zu schweigen davon, noch eingreifen und ändern zu können.

Beiden Seiten fehlt also die Zeit (was gleichbedeutend ist mit Geld), dem Architekten, um sich ins neue Thema einzuarbeiten, dem Handwerker, um seine praktische Lösung überhaupt aufzuzeigen. Ich meine, die Verrohung der Details liegt nicht daran, dass dem Handwerk das Know-how entgleitet und der Architekt nur noch grafisch projektiert. Oder dass mit der Verbreitung von Convenient Solutions, Halbfabrikaten und Patentbauteilen industrielle Methoden im Bauen ein- und ausgehen. All das trifft zwar auch zu, ist aber ein anderes Thema. Die Verrohung der Details liegt daran, dass sich die Leute nicht mehr aufeinander einlassen.

Dies wäre aber umso notwendiger, als Handwerker und Architekten wegen ihrer gemeinsamen Wurzel zwar viel voneinander verstehen, aber eben doch zuwenig, um nicht miteinander reden zu müssen. Und dafür – Regel Nr. 1 – muss man sich halt Zeit lassen.

16. Juni 2007 Gabriele Kaiser
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Werkstück statt Stückwerk

Zwei Initiativen des werkraum bregenzerwald: »handwerk im unterricht« und »kinderbaustelle«

Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn die Fürsprecher der Dinge die Dinge selbst sind: Das bekanntlich hohe Niveau der Handwerkskultur im Bregenzerwald lässt sich vielleicht auch daran ermessen, dass man sich hier vor allem über qualitative Erzeugnisse und nicht so sehr über ideologische Abgrenzung gegenüber dem Feindbild »anonyme Massenproduktion« definiert. Auf die Gefahr hin, aus »östlicher« Perspektive das kollaborative Produktionsmilieu im Bregenzerwald zu beschönigen: Das Zusammenspiel zwischen Architektur und Handwerk, Konzeption, Konstruktion und Umsetzung scheint in dieser Region (noch oder wieder) auf Basis eines profunden Werk- und Materialverständnisses auf beiden Seiten zu funktionieren. Was anderswo die Ausnahme ist, kann dann als Regelfall gelten: Weder müssen sich Handwerker mit werkstoffwidrigen Phantasien von Architekten oder Designern herumschlagen, noch die Architekten mit schlecht ausgebildeten, schematisch agierenden Handwerkern. Dieser kooperative und zugleich eigenverantwortliche Umgang mit dem herzustellenden Produkt ist Teil einer Handwerkskultur, die es gilt, mit anderen Fertigkeiten der Profession an die nächste Generation weiterzugeben. Die Förderung des Nachwuchses in handwerklichen Lehrberufen zählt daher auch zu den zentralen Anliegen des werkraum bregenzerwald, einer 1999 gegründeten, derzeit rund 80 Mitglieder umfassenden Branchenplattform für das Neue Handwerk, die mit überregional rezipierten Aktivitäten (Ausstellungen, Wettbewerben, Publikationen) auf die Produktivität der Region hinweist. Noch vor wenigen Jahren waren Jugendliche scharenweise ins Rheintal abgewandert, wo die Berufsaussichten günstiger schienen, doch inzwischen können viele Betriebe im Bregenzerwald wieder ein auch für den lernleistungsstarken Nachwuchs interessantes Betätigungsfeld bieten. Auch wenn man angesichts von jährlich sinkenden Lehrstellen eine Krise des Handwerks konstatieren kann (siehe Interview mit Egon Blum), haben sich viele Sparten im Bregenzerwald – allen voran die holzverarbeitenden Betriebe – ein breites Kompetenzspektrum zwischen Low- und Hightech erarbeitet, das ohne hochqualifizierte Fachkräfte nicht zukunftsfähig wäre.

Unter dem Titel »handwerk im unterricht« hat der werkraum bregenzerwald 2004 daher ein Workshopprogramm gestartet, im Zuge dessen Jugendliche der 3. und 4. Klasse Hauptschule in lokalen Handwerksbetrieben eigenhändig Werkstücke (Stifteboxen, Kerzenständer, Weinregale, Sitzsäcke, Klapphocker, Nussknacker, Stelzen, Wanduhren, Holzböcke etc.) herstellen können. Kern dieses Vermittlungsprogramms ist die Güte und Brauchbarkeit der Werkstücke, die kostengünstig und im definierten Zeitrahmen herstellbar sein, aber auch ein hohes gestalterisches und handwerkliches Niveau aufweisen sollen.

Für die konzeptuelle Vorbereitung von »handwerk im unterricht« erweist sich auch hier das vernetzte Know-how von Handwerksbetrieben und Architekten als solide Basis. Schülerinnen und Schüler nehmen das Angebot mit Begeisterung auf: Sie können in einer Art Schnupperlehre praktische Erfahrungen in einem bestimmten Berufszweig sammeln, in die spezifische Atmosphäre eines Betriebs eintauchen, dessen Struktur kennenlernen und eigene Fertigkeiten unter den kundigen Augen eines »Meisters« erproben. Und sie nehmen schließlich einen eigenhändig hergestellten Gebrauchsgegenstand mit nach Hause, mit dem sie sich in hohem Maße identifizieren.

Diese positive Erfahrung kann nicht nur ausschlaggebend sein für die Berufsentscheidung der Jugendlichen, sondern auch von Nutzen für den Handwerksbetrieb, da Lehrlingsausbildner in der direkten Arbeit am Werkstück mit motivierten Talenten Kontakt knüpfen. Dass diese Workshops wichtige Impulse setzen, beweist die hohe Nachfrage – mit rund 60 Veranstaltungen bilanzierte der werkraum bregenzerwald allein im ersten Jahr. Und nicht selten hört man einen Schüler, eine Schülerin am Ende eines Workshops sagen: »Das war super. Da möchte ich die Lehre machen.«

Mit großem Eifer gingen im Frühjahr 2007 auch Schülerinnen der Hauptschule Alberschwende ans Werk, als sie in der Tischlerwerkstatt Raimund Dür in Alberschwende (sowie in drei anderen Betrieben der Region) einen Hocker bzw. Beistelltisch fertigten, unterstützt von ihrer engagierten Lehrerin (die Schnupperlehre fand in diesem Fall im Rahmen des Religionsunterrichts statt), der Architektin Heike Schlauch/raumhochrosen und nicht zuletzt vom werkstückbetreuenden Tischler. Die Grundform des Hockers/Tischchens ist einem Blütenblatt nachempfunden, das als Einzelstück ebenso funktioniert wie als »Blume« im Klassenverband. Art des Holzes und Details der Konstruktion bzw. der Ausschmückung konnten die Mädchen selbst bestimmen, und so nahmen die »artverwandten« Einzelstücke nach und nach Gestalt an. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – hier wurde nicht gebastelt, sondern in richtiger Handwerkstechnik gefertigt. Es wurde zugeschnitten, geschliffen, geleimt, geölt. Und in der prüfend über die gehobelte Oberfläche streichenden Hand blitzte hier und dort das Geschick einer werdenden Tischlerin auf.

Für den jüngeren Nachwuchs, für Kinder von fünf bis zwölf Jahren, wo es naturgemäß noch nicht um Hilfestellung bei der Berufsentscheidung, sondern um den spielerischen Umgang mit den Werkstoffen Erde, Holz, Metall, Wasser und Farben geht, bietet der werkraum bregenzerwald zudem die von Heike Schlauch konzipierte »kinderbaustelle« an. Auch diese Element-Werkstätten schöpfen spielend/spielerisch aus der profunden Handwerkskultur des Bregenzerwaldes. Beleg dafür sind nicht zuletzt die soliden, den jeweiligen Werkstätten beigestellten Holzkisten, die sämtliches Werkzeug und die wiederverwendbaren Materialien enthalten. Der Umgang mit dem richtigen Werkzeug am richtigen Material kann schließlich gar nicht früh genug erprobt werden.

16. Juni 2007 zuschnitt

Strategien des Handwerks

Hans-Joachim Gögl im Gespräch mit Christine Ax

Die Herausforderungen, mit denen sich Handwerksbetriebe konfrontiert sehen, haben sich in den letzten Jahren zugespitzt: hohe Besteuerung der Arbeitskraft, zunehmend restriktive Finanzierungsbedingungen und eine standortunabhängige Industrie, die immer billiger und individueller herstellt. Die einzelne kleine Einheit agiert unter Rahmenbedingungen, innerhalb deren Größe und die damit verbundenen vielfältigen Rationalisierungsmöglichkeiten belohnt werden: Großbetriebe lobbyieren, kommunizieren, finanzieren, produzieren, transportieren und vermarkten effizienter. Im Wettbewerb zieht die Ökonomie der Nähe mit ihren vielfältigen sozialen und ökologischen Qualitäten gegenüber automatisch gefertigten und von weit her transportierten Massenartikeln meist den Kürzeren. Eine Tatsache, die wir mit unseren persönlichen Kaufentscheidungen alltäglich bekräftigen.

Im Zuge der Suche nach zukunftsfähigen Strategien des Handwerks in Europa gibt es eine Reihe innovativer Projekte mit einem gemeinsamen Nenner: die Antizipation dieser Marktbedingungen in Form von Kooperation. Selbständige Unternehmen koordinieren sich in unterschiedlichen Absichten und Formen und generieren dabei Synergieeffekte, die ihnen als einzelne nicht zugänglich wären, die aber auch Industriekonzernen verschlossen bleiben. Kooperationslösungen eröffnen dem Handwerker so manchen Multiplikationseffekt der großen Einheit bei Wahrung der gesuchten Stärken des Kleinbetriebs wie individuelle Beratung, Maßarbeit und regionale Verankerung.

Kooperationslösungen nehmen eine selbstverständliche Qualität des Kleinunternehmens auf, die Konzerne mit organisatorischem und technologischem Großaufwand nur zu simulieren vermögen: die Beziehungsfähigkeit, und wenden die damit verbundene Haltung und Erfahrung auf ihre Konkurrenten..., nein Mitbewerber..., nein Kolleginnen und Kollegen an. Sie formulieren mit ihren Strategien mögliche Antworten auf zentrale Engpässe des Handwerks wie Ausbildung, Technologie, Design oder Marketing und setzen diese in unterschiedlichen Formen bewusst gestalteter Kooperationsprozesse um. Diese übergeordnete Zusammenarbeit im Netzwerk, oft zwischen Branchenpartnern, macht die ursprünglich meist betriebswirtschaftlich inspirierten Maßnahmen immer auch zu kraftvollen Impulsen für die regionale Entwicklung.

Hans-Joachim Gögl: Frau Ax, ein zentraler strategischer Ansatz ihres Nachdenkens über das Handwerk der Zukunft ist die Integration neuer Fertigungs- und Kommunikationstechnologien in den Arbeitsprozess des Handwerkers.

Christine Ax: Das ist in der Tat für mich ein entscheidender Lösungsansatz. Ich will auch gar nicht ausschließen, dass ich vielleicht falsch liege, aber wir müssen es versuchen, weil die damit verbundenen Chancen enorm sind. Für mich stellt sich die Frage, ob es nicht auch ein elektronisches Handwerk geben kann, denn die meisten lieben an ihrer Arbeit doch vor allem den persönlichen Kundenkontakt, die Beratung und den gestalterischen Entwurf. Durch den Einsatz neuer Technologien erhöhen sich auch die formalen Möglichkeiten. Eine Zukunftsvision wäre ein Handwerker, der mit seinen Händen in einem virtuellen Raum ein Möbelstück gestaltet, es mit seinem Kunden bespricht und anpasst und dann durch computergesteuerte Maschinen automatisch fertigen lässt. Ob diese Technik bei ihm in der Werkstatt steht oder Teil einer Kooperationslösung ist, lasse ich jetzt noch offen. Was mich daran fasziniert, sind die Rationalisierungseffekte, was den Preis betrifft und auch die Möglichkeit vorzuentwerfen, aber nicht auf Lager zu produzieren.

Hans-Joachim Gögl: Das bedeutet aber, dass für Sie die manuelle Fertigung kein substanzieller Bestandteil handwerklicher Identität ist.

Christine Ax: Da bin ich mir nicht so sicher. Aber wir müssen Grenzüberschreitungen riskieren, wenn wir überleben wollen. Ich möchte, dass das Handwerk seine Unikatökonomie beibehält und wettbewerbsfähig ist. Das kann am Beispiel Tischlerei Kleinserie heißen, Nutzung der Effizienz neuer Technologien durch Kooperation mit anderen Betrieben oder kleine Shoplösung im Internetkaufhaus, um Leute in meine Werkstatt zu bringen etc. Manche sind heute bereits konkurrenzfähig gegenüber gehobener Konfektionsware. Wenn dann aber noch Kooperation, Marketing, neue Vertriebsformen oder der gezielte Einsatz von Hightech dazukommen, dann sehe ich einen Markt von 30 Prozent und dies mit Produkten viel höherer Qualität, als die industrielle Konkurrenz bieten kann.

Hans-Joachim Gögl: Traditionellerweise kam immer der Kunde zum Handwerker und bestellte direkt. Seine gesamte Marketingstrategie bestand in der Wirksamkeit seiner persönlichen Beziehungen und der Weiterempfehlung durch Kunden. Ein Problem ist heute, dass der Handwerker Wissen, nämlich Management-Know-how, benötigt, das im Zuge seiner Ausbildung kaum gelehrt wird, und eine Mentalität entwickeln sollte, nämlich Kooperationsgeist, die der selbständige Meister bisher kaum brauchte.

Christine Ax: Das Entscheidende ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Die besten Strategien sind immer Bündelungen, Betriebe, die gemeinsam werben oder verkaufen oder ausbilden oder eine Maschine kaufen oder eine Vertriebsexpertin anstellen ... Und das heißt, sich aufeinander einzulassen, im Team zu arbeiten, auch ein Stück weit eigene Interessen für den Erfolg des Ganzen hintanzustellen, zu vertrauen. Wissen kann man engagieren, kaufen, aber Kooperationsgeist ist eine Haltung, und die entscheidet über den Erfolg.

Hans-Joachim Gögl: In Österreich gibt es eine Handwerkskooperation, in der vier selbständige Betriebe unter einer gemeinsamen Marke sehr erfolgreich die vollständige Sanierung eines Badezimmers anbieten. Fliesenleger, Installateur, Elektriker und Tischler bewerben unter dem Logo »Vollbad« diese Leistung. Weil das so gut gelaufen ist, sind sie mittlerweile zu acht und wickeln parallel unter der Marke »Heimteam« die komplette Sanierung von Altbauten ab. Die sagten mir, technisch wäre das kein Problem, finanziell sei die Markenentwicklung anspruchsvoll, aber machbar. Die entscheidende Herausforderung jedoch sei die Kooperationsleistung, der Aufbau von Vertrauensbeziehungen, die sich dann in einer verbindlichen Organisation abbildeten.

Christine Ax: Meine Erfahrung ist, dass es drei Arten von Handwerkern gibt, den Handwerkerhandwerker, der sich vor allem für das Tun interessiert, den Künstlerhandwerker, der sich in seinem Werk persönlich ausdrücken möchte, und den Unternehmerhandwerker, der sich über seinen wirtschaftlichen Erfolg definiert. Letzterer ist sehr interessiert an Allianzen und es ist kein Zufall, dass Sie von tollen Kooperationsbeispielen aus dem Baugewerbe erzählen, weil es hier vielfach einen unternehmerischen Zugang zur Arbeit gibt. Ich mag alle drei Typen. Aber für jeden von ihnen braucht es unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit. Und die Fähigkeit zu kooperieren, ist tatsächlich der Punkt, an dem sich Erfolg oder Misserfolg der meisten Projekte entscheidet. Die menschliche Seite spielt die zentrale Rolle in Netzwerken, das Thema Vertrauen, gemeinsam gute Erfahrungen zu machen, die Energiebilanz muss stimmen. Oft steht in der Mitte solch neuartiger Kooperationen ein Unternehmer, der ein professionelles Netzwerkmanagement aufzieht. Eine ideale Lösung für die Zusammenarbeit selbständiger Betriebe scheint mir das Engagement eines neutralen Moderators, jemand, der unabhängig ist, keine eigenen Interessen verfolgt und von den Partnerbetrieben bezahlt wird. Grundsätzlich denke ich, die Strukturen müssen so schlank wie nur möglich bleiben, das Netzwerk dient einem Zweck, niemals sich selbst.

Hans-Joachim Gögl: Netzwerkstrategien benötigen meistens Investitionskapital. Die außergewöhnliche Entwicklung des norditalienischen Sessel-Clusters – ein beeindruckendes Beispiel für Marketingkooperation – ist auch der Zusammenarbeit mit einem regionalen Bankinstitut zu verdanken, das Investitionen und Neugründungen mit Darlehen unterstützte.

Christine Ax: Dort wird gezeigt, wie Kooperation in einer Region allen einen großen Nutzen bringt. Denn auch die Bank ist mit den Betrieben mitgewachsen. Ich glaube aber, dass der Zugang zu Kapital für Kleinbetriebe inzwischen einer der wichtigsten Engpässe ist. Wenn wir dort, wo Arbeitsplätze entstehen könnten, in der Region, nicht mehr das Geld zur Verfügung haben, sie zu realisieren, haben wir ein echtes Problem. Seit 1. Jänner 2007 ist »Basel II« in Kraft. Diese Richtlinie zwingt die europäischen Banken dazu, ihre Kunden nach Risiko zu bewerten. Hier in Hamburg macht das zum Beispiel bereits der Computer, das geschieht also auf eine sehr anonyme Art und Weise. Die Persönlichkeit des Unternehmers fließt nicht mehr in dem Maße in die Entscheidungsfindung für die Kreditvergabe mit ein, wie das früher im Kontakt mit dem Angestellten des Instituts noch der Fall war. Bei riskanteren Kunden müssen die Banken dann Rücklagen bilden, was wiederum dazu führt, dass der Zinssatz erhöht wird. Ein neues Unternehmen ohne Eigenkapital zu gründen, ist fast unmöglich. Insgesamt geht der Trend in Richtung maximaler Absicherung, was letztendlich bedeutet, dass Geld bekommt, wer eigentlich gar keines braucht. Für die Entwicklung und Förderung des Handwerks ist eine kraftvolle Allianz mit einem Finanzdienstleister, der sich für seinen Standort auch mitverantwortlich fühlt, heute entscheidend.

Hans-Joachim Gögl: Ein Spezifikum des Handwerks ist die Ungebrochenheit des Herstellungsprozesses vom gestalterischen Entwurf bis zur Fertigstellung. Nun ist es aber so, dass gute Handwerker nicht automatisch auch gute Gestalter sind und die hohe formale Qualität dem Gegenstand einen Zusatzwert verleiht, der höhere Preise rechtfertigt. Wie stehen Sie zu Kooperationen zwischen Handwerkern und Produktgestaltern?

Christine Ax: Wenn ich ein guter Konstrukteur bin, aber Schwächen in der Gestaltung habe, ist es doch absolut naheliegend, sich mit einem Designer zusammenzutun. Allerdings gilt dasselbe auch umgekehrt: Oft entwerfen Gestalter Produkte in völliger Unkenntnis des Materials und seiner Eigenschaften. Design im Sinne von »Look« ist oft sehr flüchtig. Der Handwerker ist diesbezüglich hoch kompetent. Und das weist auf Kooperationsmöglichkeiten hin, bei denen beide profitieren und ein komplettes Produkt entwickeln können.

Hans-Joachim Gögl: Abschließend, wenn alles das, was wir an positiven Entwicklungen derzeit in Europa wahrnehmen und hier gemeinsam angesprochen haben, einträfe, wie sehen Sie dann die Situation des Handwerks, sozusagen als Best-Case-Szenario, im Jahr 2020?

Christine Ax: Dann sind die bisher getrennten handwerklichen und industriellen Strukturen aufgelöst. Wir leben im Jahr 2020 in einer neohandwerklich-postindustriell produzierenden Gesellschaft, nah am Kunden, in der neue Technologien helfen, dezentral zu fertigen, in der viele Menschen die Möglichkeit haben, mit ihrem kreativen Potenzial tätig zu sein, in der Dienstleistung im Vordergrund steht und nicht der Ressourcenverbrauch. Da in dieser Gesellschaft viele Menschen in den Arbeitsprozess integriert sind, da es nach wie vor auch hier in Europa Produktion gibt, verfügen wir über ein gutes soziales Netz und hohe Lebensqualität. Ich halte das alles für technisch, ökologisch und ökonomisch machbar.