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domus Deutsche Ausgabe 16-028
Landleben
domus Deutsche Ausgabe 16-028
zur Zeitschrift: domus
Verleger: ahead media

Eine Umfrage der Bundesstiftung Baukultur ergab, dass 44 Prozent aller Deutschen am liebsten in einer ländlichen Umgebung leben wollen, 33 Prozent in einer mittleren bis kleinen Stadt und nur 23 Prozent in einer Großstadt. Tatsächlich leben rund drei Viertel der Menschen in Deutschland in einer Stadtregion. Obwohl von den 4.500 Gemeinden nur 30 Pro­zent Stadt sind. Kein Wunder also, dass wir von Entschleu­nigung, urbaner Landlust, Stadtgärten und selbst gemachter Marmelade schwärmen, wenn tief in uns das Bedürfnis nach einem Leben auf dem Lande sitzt und unbewusst ein Wunsch nach Erdung schlummert. Um Ihnen die Poten­ziale und ansprechende bauliche Lösungen in ländlichen Gebieten vorzustellen, widmet sich diese Ausgabe der deutschen domus ganz der Sehnsucht nach dem Regionalen.

Das Memminger Büro SoHo etwa würzt die Provinz mit zeitgenössischer Architektur. Jedes Projekt ist das Resultat einer sensiblen Wahrnehmung der örtlichen Gegeben­heiten und eines offenen Dialogs. "Wer sich mit traditionellem Bauen auf dem Land beschäftigt", sagt Architekt Alexander Nägele, "der kann feststellen, da geht’s selten geradlinig zu. Es gibt Abweichung von der Symmetrie, unregelmäßige Volumen, Wechsel bei Baustoff und Farbe: Brüche. Das sind Hinweise, das prägt sich ein. Überraschen­des bleibt hängen, belebt das kollektive Gedächtnis. Das interessiert mich, damit spielen wir gerne." So entstehen unverwechselbare Häuser, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Bauherrn orientieren.

Auch die Architekten von qbatur in Quedlin­burg, Sachsen-Anhalt, arbeiten mit organisch gewachsenen Unregelmäßigkeiten, wie sie das Bauen im Denkmal mit sich bringt. "Wir arbeiten gerne mit natürlichen Baustoffen. Das war auch eine Motivation, in die Denkmalpflege einzu­steigen, weil der Bruch zwischen konventio­neller und ökologischer Bauweise hier nicht vorhanden ist", sagt qbatur-Architekt Rudolph Koehler. Quedlinburg gilt mit seinen 2.000 Fach­werkhäusern als Weltkulturerbe. Damit ist jedes Projekt ein Ausloten zwischen not­wendiger Denkmalpflege und gewünschter zeitgenössischer Ausformulierung.

Bis nach China führt uns das Projekt von Wang Shu und Lu Wenyu. Sie rekulti­vierten ein altes Dorf in der Region Fuyang. Durch eine staatliche Verordnung, wonach nur dann ein neues Haus gebaut wer­den darf, wenn ein altes dafür abgerissen wird, droht die Baukultur des ländlichen Bauens gänzlich zu verschwinden. Die Architek­ten nahmen die Herausforderung an und schlugen ein modu­lares System vor, das die Kleinteilig­keit einer dörflichen Struktur wahrt, alte Traditionen aufnimmt, das Ortsbild aber zugleich in eine Architektursprache des 21. Jahr­hunderts überführt.

Mit dieser Aus­gabe verabschiede ich mich als Chef­redak­teurin der deutschen Ausgabe von domus. Es war mir eine große Freude, das Heft fast zweieinhalb Jahre mitgestalten und verantworten zu dürfen. Ich danke den deutschen und italienischen domus-Verle­gern für ihr Vertrauen und wünsche Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, alles Gute!

Noch einen Hinweis in eigener Sache: Am 9. November ist die letzte Station der Domus Roadshow in Frankfurt. Kommen Sie vorbei und lernen Sie Oliver G. Hamm kennen, der ab sofort die domus-Redaktionsleitung übernimmt. Viel Freude beim Lesen und Entdecken des Heftes! Die nächste domus-Ausgabe erscheint am 27. Oktober 2017.

Nancy Jehmlich

01 Editorial
20 Meldungen

ANSICHTEN
27 Die Wege der Waren, Fotoessay, Nancy Jemlich
32 Flüchtige Strukturen, Ausstellung im Architekturmuseum München, Cordula Rau
36 Die bewegte Landschaft: Gotthard-Basistunnel, Uta Winterhagen
42 Empfangsgebäude und Erweiterung von Auckland Castle
46 Rückblick auf das neue Siedeln, Der Spaziergang als Wissenschaft, Bertram Weisshaar
48 École d’architecture à Marne-la-Vallé, Amina Sellali
52 Architektur der Melancholie - Aldo Rossi Werk, Kenneth Frampton
56 Monolithisch und offen, Firmensitz Greiner in Pleidelsheim, Bettina Krause
58 Sehnsucht nach dem guten Leben, Buchbesprechung, Oliver G. Hamm

PROJEKTE
59 Perlen fürs Ländle, Alexander Bosch
68 Leben im Denkmal, Nancy Jemlich
78 Stärkt die Innenstädte, Roland Gruber
80 Wohnhaus in Berlin
90 Dorfsanierung in Wencun, Fuyang, China
102 Das Dorf Wencun, Kommentar, Kenneth Frampton
104 Haus v. d. K. in Slowenien
112 Räume mit dem gewissen Etwas, Manolo De Giorgi
126 Unsere Feinde / Unsere Freunde
128 Das Magliano-Projekt, Emanuela Nobile Mino
132 Kigali - rationaler Futurismus made in Africa, David Onyango und FACI Group, Interview Patricia Theron
138 Gimme Shelter, Architektur als urmenschliches Schutzbedürfnis, Michael Jakob
140 Meine Feinde / Meine Freunde

PRODUKTKULTUR
142 Produktkultur, Das große Schwarze, Hartmut Möller
146 Rund ums Büro, Robert Haudinger

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157 Belgrad

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